Essen, Aalto Musiktheater, Premiere Le Grand Macabre, IOCO Kritik, 14.02.2015

Februar 17, 2015 by  
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Aalto Theater Essen

Le Grand Macabre von György Ligeti

Premiere am 14.02.2015

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Wer hätte das gedacht! Eines der sperrigsten, verrücktesten und absurdesten Werke des modernen Musiktheaters machte Furore im Essener Aalto-Theater. Die Aufführung fand einhellige Zustimmung. Das Publikum war begeistert.

Die literarische Vorlage von Ligetis Oper Le Grand Macabre ist das Schauspiel La Balade du Grand Macabre, des belgischen Schrifts tellers Michel de Ghelderode (1898 – 1962). Es ist ein Weltuntergangsszenario, rabenschwarz und kunterbunt.

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

György Ligeti, 1923 im rumänischen Siebenbürgen geboren, mit ungarischen Wurzeln, studierte in Klausenburg und Budapest.

Als Komponist fühlte er sich keiner Stilrichtung verpflichtet. Er grenzte sich ab, um seinen eigenen Weg zu finden. Er war Kompositionslehrer in Budapest und ab 1956 in Wien. Später Dozent in Kranichstein. Er wurde zu einem Wegbereiter elektronischer Musik.

Seinen kompositorischen Durchbruch hatte er 1961 mit seinem Orchesterwerk “Atmosphere“. Um die Gattung Oper machte er immer einen weiten Bogen, bis ihn ein Angebot aus Stockholm erreichte, für die dortige Königliche Oper ein Werk zu komponieren. Bedingt durch die schon fortgeschrittene Annäherung an die Gattung Oper, nahm er das Angebot an. Er arbeitete an der Komposition von 1973-1977.

1979 fand die Uraufführung in Stockholm statt. Es folgten viele Änderungen. 1997 gab er die endgültige Fassung heraus. Ligeti starb 2006.

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Das Werk ist nicht sehr häufig auf den Bühnen zu finden. 2013 gab es eine Wiederaufnahme an der Komischen Oper Berlin (siehe IOCO-Kritik v. 21.4.2013)

Ligetis Musik zu dieser Oper ist farbig, hat Witz und ist sehr effektvoll, allein schon durch die Zutaten im Instrumentarium. Zu der herkömmlichen Orchesterbesetzung werden Alltagsgegenstände, wie Autohupen, Türklingeln, Trillerpfeifen, Spieluhren und vieles mehr als Instrumente verwendet.

Ein Kabinettstückchen ist die Ouvertüre, bedingt durch ein Dutzend verschieden tönende Autohupen.

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Die Story ist, wie eingangs erwähnt, voller verrückter Dinge, denn bevor die Welt zu Grunde geht, will man noch aus dem Vollen schöpfen. Fressen, Saufen, Lieben (von soft bis brutal) und es sich noch mal richtig gut gehen lassen, bevor alles vorbei ist. So wie Nekrotzar, der große Makabre es prophezeit hat.

Für die Inszenierung hatte man die Französin Mariame Clément verpflichtet, die mit ihrer kongenialen Ausstatterin Julia Hansen, eine an Effekten und Einfällen reiche Inszenierung schuf, witzig, clownesk, hintergründig und bildhaft. Optimal war die Personenregie der Regisseurin. Alles lief wie am Schnürl. Das letzte der vier Bilder hatte allerdings Längen, die auch durch die Regie nicht überspielt werden konnten.

Die Essener Philharmoniker erfüllten ihre nicht alltägliche Aufgabe mit Bravour. Auch der Chor, wie immer mustergültig einstudiert von Alexander Eberle, war stark gefordert.

Das Sängerensemble leistete Enormes, von Sprechgesang zu Oktav-Sprüngen, wahnwitzige Höhenflüge und ständiger Wechsel von der Bruststimme ins Falsett waren zu bewältigen.

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Großartig, wie Heiko Trinsinger seine umfangreiche Aufgabe als Nekrotzar, der Makabre, stimmlich und darstellerisch bewältigte. Er ist ein glänzender Singschauspieler.

Ebenbürtig war ihm auch Rainer Maria Röhr als Piet vom Fass.

Spitzentöne von glasklarer Konsistenz sang Susanne Elmark als Gopopo und Venus.

Till Faveyts sang  den Astradamors balsamisch und machte auch im Fummel eine gute Figur. Seine Frau Mescalina hatte in Ursula Hesse von den Steinen eine ideale Interpretin. Ihr großvolumiger Mezzosopran kam sehr mit den ständigen Wechseln zwischen Brustregister und Höhenflügen zurecht.

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Le Grand Macabre © Matthias Jung

Gesanglich und darstellerisch wie aus einem Guss waren der schwarze Minister von Karel Ludvik, der weiße Minister durch Jeffrey Dowd, sowie der außerordentliche Counter Jake Arditti als bizarr kostümierter Fürst Go-Go.

Kostbar waren die Kostüme des Liebespaares Amando und Amanda, Oktavian und Sophie aus dem “Rosenkavalier“ ließen grüssen. Gesanglich wie auch spielerisch konnten Karin Strobos und Elizabeth Cragg sehr gefallen.

Wie schon eingangs erwähnt, fand die Aufführung ein begeistertes Publikum.  Es kann jedem Liebhaber von außerordentlichem Musiktheater empfohlen werden, diese Produktion zu besuchen. Sie ist ein Lichtblick im öden Repertoire-Alltag weit und breit.     

IOCO / UGK  14.02.2015

—| IOCO Kritik Aalto Theater Essen |—


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Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Bach – Weihnachtsoratorium, 11.12.2014

Dezember 15, 2014 by  
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Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner

Konzerthaus Dortmund © Daniel Sumesgutner

Konzerthaus Dortmund

Weihnachtsoratorium  von Johann Sebastian Bach

Kammerorchester Basel, Julia Schröder

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Nun ist die Zeit wieder da, wo es aus allen Himmelsrichtungen schallt: “Jauchzet, frohlocket! auf, preiset die Tage. Mit dem strahlend hellen Ton der Trompeten, dem jubelnden Chor der Knabenstimmen, sowie den dröhnenden Pauken setzt Bachs Weihnachtsoratorium ein.

Beglückende Lebensfreude, die in der Musik der Jahrhunderte ihresgleichen sucht, bricht daraus hervor, verbreitet Fröhlichkeit und Gefühlstiefe. Denn das Motto ist vorgegeben “lasset das Zagen, verbannet die Klage, stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an“. Nicht anders war es am vergangenen Donnerstag im Dortmunder Konzerthaus.

Nur, dass der Jubel etwas schlanker, nicht so massiv rüber kam. Auf die jauchzenden Knabenstimmen musste man verzichten. Die waren in dieser kammermusikalischen Fassung nicht vorgesehen. Bachs Weihnachtsoratorium, 1734 in Leipzig uraufgeführt, besteht aus sechs eigenständigen Kantaten.

An diesem Konzertabend in Dortmund kamen die Kantaten Nr.1 und 2, sowie Nr. 5 und 6 zur Aufführung, die sich mit der Weihnachtsgeschichte befassen.

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Der wunderbare Deutsche Kammerchor bestand an diesem Abend aus sechs Frauen- und sechs Männerstimmen. Das Ensemble bestach durch eine außerordentliche Homogenität und Textverständlichkeit und war immer dem Schöngesang verpflichtet.

Der sonst aus 16 Stimmen bestehende Chor, gegründet 2001,  arbeitet auf freiberuflicher Basis und organisiert sich selbst. Partner des Chores waren  in der Vergangenheit, die Deutsche Kammerphilharmonie, das Ensemble Modern sowie Concerto Köln. Heute sind die Verpflichtungen und Auftritte mannigfaltig, so bei den Festivals von Kissingen, Leipzig, Berlin und dem Holland-Festival.

An diesem Abend musizierten sie zusammen mit vier außerordentlichen Gesangssolisten und dem renommierten Kammerorchester Basel, das 1984 von verschiedenen Absolventen Schweizer Musikhochschulen gegründet wurde.

Heute deckt das Orchester alle Stilrichtungen ab, Barock, Romantik und Moderne. An diesem Abend hatte das Ensemble eine Stärke von 20 Musikerinnen und Musikern und spielte auf  Barock-Instrumenten.

Die musikalische Leitung hatte die Geigerin Julia Schröder, die seit 2004 Konzertmeisterin des Basler Kammerorchesters ist. Seit 2012 hat sie eine Professur für Violine an der Freiburger Musikhochschule.  Sie sorgte an diesem Abend für ein hochmusikalisches Ereignis, bei zügigem Tempo und klanglicher Ausgewogenheit. Ein Ereignis für sich waren die vier Gesangssolisten. Eine Herren-Riege sorgte für Wohlklang und lies Glücksgefühle aufkommen.

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Konzerthaus Dortmund / Weihnachtsoratorium © Petra Coddington

Die Sopranarien sang der 1986 im rumänischen Arad geborene und in Bayern aufgewachsene Counter, Valer Sabadus. Es wäre nicht abwegig, ihn als Sopranisten zu bezeichnen. Sabadus ist inzwischen zu einem Star geworden, hochmusikalisch und mit einer Stimme gesegnet, die einfach nur begeistert. Sein Sopran hat Wärme, Flexibilität und wird so gut wie vibratolos geführt. Hier an diesem Abend sang er die Sopranpartie mit innigem Ausdruck und vorbildlicher Diktion.

Auch der Schweizer Counter Terry Wey begeisterte mit seiner sehr ausdrucksstarken Alt-Stimme, insbesondere bei der Arie “Bereite Dich Zion“. Er und Valer Sabadus sind auch hochbegabte Opernsänger. Erleben konnte man sie in der vergangenen Spielzeit an der Rheinoper in Händels “Xerxes“. Die Wiederaufnahme ist am 22.04.2015 in Düsseldorf.

Zu den herausragenden Oratorien- und Opernsängern gehört ohne Zweifel der Schweizer Tenor Jörg Dürmüller. Dürmüller, bekannt in aller Welt als “derEvangelist in den Passionen und Oratorien Bachs, übernahm kurzfristig die Tenor-Partie an diesem Abend für den erkrankten Werner Güra. Dürmüller sang mit großem Ausdruck und makelloser Technik sowie stupender Diktion seinen Part.

Die Bass-Partie an diesem Konzertabend sang Matthias Goerne. Über ihn neues zu berichten erübrigt sich. Er gehört schon seit Jahren zur Weltelite in seinem Fach. Er war auch an diesem Abend ein großartiger Gestalter. Allein wie er die große Arie “Großer Herr und starker König“ geradezu bildhaft sang, gehörte zu den großen Eindrücken der Aufführung.

Das Publikum zeigte sich begeistert. Für diese außerordentliche Wiedergabe des beliebten Werkes hätte man sich größeren Zuspruch gewünscht. Es blieben leider viele Plätze frei.

IOCO / UGK / 11.12.2014

—| IOCO Kritik Konzerthaus Dortmund |—


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