Cottbus, Staatstheater Cottbus, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 14.11.2019

November 14, 2019 by  
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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

  Don Giovanni  –  Wolfgang Amadeus Mozart

– verbunden mit Träumen über das Staatstheater Cottbus und seine Künstler –

von Thomas Kunzmann

Wenn ich über das Haus in „Cottbus“ nachdenke, schreibe, ist mir klar, dass das Staatstheater Cottbus nicht für jeden den Klang, die Wirkung entfalten kann, wie für mich. Ich bin 1969 in der Stadt als Sohn eines Hornisten geboren. Noch lange bevor ich mit der dortigen TheaterGemeinde in die umliegenden Kultur-Metropolen Dresden, Leipzig und Berlin reiste, um Opernvorstellungen zu besuchen, wurde der Grundstein meines bis heute anhaltenden Interesses in dieser 100.000-Einwohner-Stadt begründet. Cottbus ist groß genug, um (Hoch)Kultur in angemessenen Rahmen anzubieten zu können und zu klein, um für jeden auf dem Schirm zu sein.

Ist man aber in dieser Kulturszene unterwegs, lernt man quasi zwangsläufig Leute kennen, die auf, unter und hinter der Bühne arbeiten – das ist das Privileg der Einwohner kleiner Städte: Theater ist immer hautnah erlebbar. Nicht selten treffe ich Freunde, die ob meiner Leidenschaft entschuldigend sagen, sie würden ja nur selten ins Theater gehen – und erzählen im gleichen Atemzug, welche fünf Vorstellungen sie innerhalb der letzten 2 Jahre gesehen haben. Und würde man 10 willkürliche Passanten auswählen und sie fragen, was man in der Stadt gesehen haben muss, ich wette, bei allen käme „das Theater!“ auf einen der ersten drei Plätze, neben dem Pückler-Park.

Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart
youtube Trailer des Staatstheater Cottbus
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Das 1908 eröffnete repräsentative Staatstheater Cottbus, konzipiert von Architekt Bernhard Sehring, auch das Theater des Westens in Berlin stammt von ihm, wurde im späten Jugendstil errichtet. Es konnte noch in den 80er Jahren (also zu DDR-Zeiten) aufwändig saniert werden. In dieser Zeit wurde das Haus der Bauarbeiter bespielt. Die Zauberflöte war dort meine erste Oper. Ein nicht untypischer Einstand. Nach der Wende waren es für mich zumeist Schauspiele. Als 1993 Christoph Schroth die Intendanz übernahm, war das Theater in aller Munde. Inszenierungen wie Die Räuber oder Hamlet dürften bis heute allen, die sie gesehen haben, unvergesslich in die Erinnerung gebrannt sein. Seine „Zonenrandermutigungen“,  in denen gleichzeitig die große Bühne bis hin zur Herrentoilette alles bespielt wurde, was Platz für Zuschauer bot, hatten nicht nur Event-Charakter, sondern boten auch tiefen Inhalt. 1991 holte Christoph Schroth Martin Schüler als Operndirektor. Nach Schroths Ausscheiden in 2003 übernahm Schüler die Intendanz des Hauses.

Der Neue schaffte es, das Musiktheater wieder mehr in den Fokus zu bringen, ohne das Schauspiel zu vernachlässigen. Dennoch war sein Hauptaugenmerk auf das Musiktheater gerichtet. Und so gelang es ihm, dass Cottbus als einziges Vier-Sparten-Theater den Kulturkahlschlag in Brandenburg überstand. Seit Jahren bespielt das Staatstheater Cottbus mit seinen Produktionen Potsdam, Frankfurt/O. und die Stadt Brandenburg. Schüler wäre fast der dienstälteste Intendant des Ostens geworden, wäre da nicht die Affäre um seinen GMD Evan Alexis Christ dazwischen gekommen.

Was war sein Erfolgskonzept? Es ist schwierig, circa 70 Inszenierungen, von denen ich nur etwa die Hälfte gesehen habe, da ich 2003 wegzog, auf einen einzigen Nenner herunterzubrechen. Es wäre vermessen und auch ungerecht. Dennoch ein Versuch: Schüler gelang es für mich, jeder Oper etwas Besonderes hinzuzufügen, was in Erinnerung bleibt. Sie modern zu machen, ohne sie zu verunglimpfen. Verblüffend logische Folgerungen zu ziehen ohne ihnen ein Korsett des „ich-muss-das-Thema-neu-erfinden“ aufzuzwingen. Er hauchte den Charakteren neues Leben ein, ohne ihren Sinn zu verunstalten, Oper erlebbar zu machen, indem er sie aus ihren mumifiziert-antiquierten Stereotypen löste, ohne das Publikum mit zwangsneurotischen Regievorstellungen zu brüskieren.

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Eine Schüler-Inszenierung funktionierte deshalb für „Neulinge“ wie „Eingeweihte“ gleichermaßen: für die einen gab es die nachvollziehbare Geschichte mit historisierenden Kostümen und Bühnenbildern, für die anderen eine stringente Interpretation. Das war allerdings nie ein Alleinwerk, sondern seit vielen, vielen Jahren eine Symbiose: „Regie: Martin Schüler, Ausstattung: Gundula Martin, Dramaturgie: Dr. Carola Böhnisch“ – der Cottbuser Dreiklang.  Derlei denkend und vorab reüssierend fuhr ich also nun zu Don Giovanni, der definitiv letzten Vorstellung einer Schüler-Inszenierung in Cottbus. Mein dritter Anlauf. Beim ersten Mal hab ich den Tag falsch notiert und musste nach Hause an dem Abend, als die Vorstellung stattfand, der zweite Versuch scheiterte am Vorstellungsausfall aufgrund von Erkrankungen im Ensemble – „kein gutes Omen“, dachte ich. Schüler beklagte selbst des Öfteren, keine konsequente Regiekonzeption für diese Oper zu haben.

Während er von Mozarts Da-Ponte-Opern Figaro schon 1997 in Cottbus inszenierte (sowie in Halle 1989 und in Rheinsberg 2000) als auch Cosi fan tutte 1992 (Halle 1984, Stendal 1989) ließ er sich in Cottbus bis 2018 Zeit.  Am Ende ersetzte er die fehlende „zündende Idee“ durch eine Vielzahl witziger, aber auch tiefgreifender Einfälle. Christian Henneberg alias Don Giovanni wird bereits im Duell mit dem Komtur schwer verletzt. Das Herz des Opernliebhabers mit Hang zur Ideenentwicklung aus dem Libretto heraus geht sofort auf: allein dieser Ansatz hätte konsequenter weitergedacht werden können. Zum Beispiel, indem die Folgegeschichte als Fiebertraum inszeniert wird. Kurz wird man auf diese Schiene gebracht: Don Giovanni ist gar nicht der übergroße Verführer, er wünscht es sich lediglich zu sein. Der Versuch geht gar mächtig daneben – Daddy (der Komtur) funkt in das Liebesspiel zwischen Giovanni und seiner Tochter, fordert ihn zum Duell, verliert, aber nestelt aus dem Gürtel eine Pistole und während er sein Leben aushaucht,  nietet er den Schwerenöter doch noch um. Natürlich stirbt der nicht sofort an dem Bauchschuss, sondern fiebert sich durch seine Wunschträume der Verführungen – mehr als 2000 Frauen, die ihm europaweit verfallen. Leporello sein Herold, berichtet von seinen amourösen Wagestücken, lässt ihn als unbeugsamen Frauenbeglücker zur sinnesfreudigen Heldenfigur aufsteigen und dennoch im Kampf gegen die Gesellschaft untergehen.

Früher oder später muss der in jeder Hinsicht Übertreibende für seine Taten büßen – nicht als Verlierer der Oper, denn als stilisierte Sex-Ikone. Mit einem Augenzwinkern wären einige Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das fragwürdige Frauenbild der Mozart-Oper, die an die „me-too“-Bewegung erinnernde Übergriffigkeit des Protagonisten und nicht zuletzt die Unglaubwürdigkeit der schier unendlichen Verführungserfolge wären in dieser Sichtweise relativiert. Schüler bleibt allerdings im Hier und Jetzt des Librettos, derartige „Abweichungen“ waren eher selten sein Stil. Gepasst hätte es mal. Giovanni durchlebt seine letzten Abenteuer also ungeachtet der ihm zugefügten Wunde, oder – trotz dieser. Ihm zur Seite steht der treue, wenn auch geldgierige Leporello Andreas Jäpel.

Dieses kongeniale Duo sprüht vor Spielwitz, jede Bewegung ist perfekt aufeinander abgestimmt, der Slapstick sitzt so selbstverständlich, dass man weiß: viele dieser Abläufe sind bereits hunderte Male so passiert und über die Jahre perfektioniert, ohne banale Routine zu werden. Von der schnellen Linie Koks zwischendurch über einen Schluck Champagner bis hin zum Aufpolieren der „Kronjuwelen“ des größten Verführers aller Zeiten. Nahezu beiläufig dokumentiert Leporello minutiös, fotografiert die Eroberungen und ist gegen die eine oder andere Dublone bereit, seinen Herrn aus jeder misslichen Lage zu befreien, kurz: Don Giovanni könnte nicht Don Giovanni ohne seinen jede Situation rettenden Leporello sein.

 Staatstheater Cottbus / Don Giovanni - hier : vl Christian Henneberg als Don Giovanni und Ulrich Schneider als Komtur; im Hintergrund: Andreas Jäpel als Leporello © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni – hier : vl Christian Henneberg als Don Giovanni und Ulrich Schneider als Komtur; im Hintergrund: Andreas Jäpel als Leporello © Marlies Kross

Freilich grätscht ihm Donna Elvira immer im unpassenden Moment in den Lauf. Mal weinerlich beschwörend, mal hysterisch kann sie die Vielschichtigkeit der Figur mit ihrer eigenen Dynamik ausgestalten.Schnell findet sich der nächste rote Faden: Die Pistole des Komturs hebt Don Ottavio (Dirk Kleinke mit einer überraschend guten Gesangsleistung) auf und führt sie als Rachewerkzeug mit sich. Sie taucht wieder auf, als es eng um Giovanni / Leporello wird, tötet „unbeteiligte“ Geiseln. Deren Särge dienen später als Tische des Nachtgelages mit dem Komtur und plakatieren nochmals die moralische Flexibilität oder eher unbekümmerte Pietätlosigkeit Giovannis. Schlussendlich wird Giovanni mit dieser Waffe getötet.

Der Komtur ist hier keine Einzelperson aus dem Jenseits mehr sondern ein Femegericht aller Geprellten. Ausführender ist Ottavio, der sich damit die Lorbeeren verdient, nächster Komtur zu werden. Am Ende jedoch ist die Gesellschaft der Männer um ihr Feindbild gebracht und die Frauen um ihre Träume. Es bleibt eine seltsame Leere.Bis zu diesem Moment gibt es noch – einem Wimmelbild für Erwachsene gleich – dutzendweise spannende, nachdenklich machende und auch einfach nur witzige Szenerien, ganz dem Sujet entsprechend. Nachdem Masetto von Giovanni ordentlich vermöbelt wurde, anschließend jammernd von seiner Zerlina verarztet wird, knickbeinig und bammelohrig die Szenerie verlässt und Zerlina ein absolut geräuschloses „Männer!“ ins Publikum wirft, bricht sich im Publikum einer jener kurzen Auflacher Bahn, die so typisch für Schülers zwanglosen Umgang mit historischen Stoffen sind. Eindrücklich auch die Ballszene, auf der jeder Gast ein Giovannis Garderobe schlüpfen darf und – Kleider machen Leute – einmal in ihrem Leben enthemmt ihren Wünschen und Bedürfnissen freien Lauf lassen. Durch die Eskalation der Gewalt aber finden sie ihr moralisches Regulativ wieder.

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Am Pult stand Christian Möbius, der bereits 28 Jahre am Haus als Chorleiter und Zweiter Kapellmeister tätig ist. Sein sängerfreundliches Dirigat ließ keine Wünsche offen. Christian Henneberg ist als Don Giovanni ein wahrer Hingucker. Seine geschmeidigen Bewegungen und sportlichen Einlagen lassen auch ohne explizite Blicke in die Schlafzimmer erahnen, dass dort ein Könner am Werk ist. Gesanglich bietet er eine hochkonzentrierte, klangschöne Stimme, aus der eine selbstsichere Ruhe strahlt. Sein Widerpart, Ulrich Schneider als Komtur, besticht mit fulminantem Bass, eine Stimme wie das Gesetz persönlich. Giovannis Diener Leporello steht seinem Herrn in Nichts an Spielfreude nach, seinen Zwiespalt zwischen ein-ruhiges-Leben-führen oder selbst-einmal-Herr-sein-wollen hat man lange nicht so bildhaft gesehen. Stimmlich ist Jäpel immer ein Erfolgsgarant, so auch diesmal.

Ähnlich Debra Stanley, die einmal mehr nachhaltigen Eindruck hinterließ. Mirjam Miesterfeldts Zerlina sprüht vor jugendlicher Unbekümmertheit und überzeugt sowohl darstellerisch als auch gesanglich. Nach ihrer Giovanni-Erfahrung stellt sie komplett neue Ansprüche an das Liebesleben mit ihrem Masetto (Ingo Witzke), dem das aber sichtlich gefiel. Der wandlungsfähige Bass, der alle anderen Sänger um gut 1½ Köpfe überragt, darf sich hier mal etwas einfältig austoben und man erinnert sich gern an seinen bezaubernden Osmin. Er ist jedoch ebenso glaubhaft in den ernstzunehmenden Rollen wie Fafner, Timur oder Daland. Der Applaus jedenfalls war umwerfend, aus dem Publikum flogen etliche Blumensträuße den SängerInnen zu, und einmal mehr sind viele Gäste aus der Umgebung, besonders aus Berlin angereist, die, ob der eigenen Kulturvielfalt in der Hauptstadt befragt, immer unisono antworten „aber so etwas wie in Cottbus bekommen wir in Berlin ja leider nicht geboten“.

 Eine Ära geht zu Ende. Mit der Saison 20/21 wird Stephan Märki die Geschicke des Hauses vom Interimsintendanten Dr. Serge Mund übernehmen. Märki hatte Mund mal nach Potsdam geholt, diesmal ist die Folge umgekehrt. Leider wird in diesem Zuge das Ensemble etwas gestrafft. Und noch mehr „leider“ ausgerechnet um einige wichtige Leistungsträger. Vier davon haben in dieser Produktion nochmals ihre Bereitschaft und Fähigkeiten unter Beweis gestellt: Mirjam Miesterfeldt, Christian Henneberg, der in über 20 Produktionen von Dr. Falke (Die Fledermaus) bis zu Don Giovanni so ziemlich alles gesungen hat, was sein Fach am Haus hergab, Debra Stanley, die von Liu (Turandot) bis zur Jenny (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny) Großartiges geleistet hat. Auch Ingo Witzke ist nach 10 Jahren Zugehörigkeit und vielfältigsten großartigen Rollen zukünftig nicht mehr in Cottbus zu hören. Bedauerlicherweise gehört auch Martin Shalita, die große Überraschung als Calaf in Turandot, aktuell endlich auch als Erik im Holländer zu hören, zu den Scheidenden.

Man kann nur erahnen, dass es sich hierbei nicht um künstlerische Entscheidungen handelt, sondern weil es durch die üblichen Nichtverlängerungen schlichtweg einfacher ist, als sich von einigen Mitarbeitern zu trennen, die ihren Leistungszenit deutlich überschritten haben.

Aber noch gibt es einige Möglichkeiten, die Sänger in Cottbus zu erleben: Csárdásfürstin, Holländer, Liebestrank, Frau Luna, Satyagraha (Glass). IOCO, so wie ich als Korrespondent,  wird für seine große lokale wie überregionale Community im Netz gerne auch zukünftig immer wieder aus dem Staatstheater Cottbus berichten.

—| IOCO Kritik Staatstheater Cottbus |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, TfN Philharmonie – 3. Sinfoniekonzert, IOCO Kritik, 30.01.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

TfN – Philharmonie Hildesheim – 3. Sinfoniekonzert

 – So machen es Mozart und Salieri –

von Randi Dohrin

Am 27. Januar 1756 erblickte Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg das Licht der Welt. Die Familie hegte keine großen Hoffnungen, dass dieses schwächliche Kind überleben würde. Schon damals erwies sich Wolfgang als recht eigensinnig und der Vater wurde hellhörig, als das Interesse an der Musik seines dreijährigen „Wolferls“ unüberhörbar wurde. Sogleich begann er, seinem Sohn Klavierunterricht zu geben. Als „Wolferl“ fünf Jahre alt war, reichte ihm das Klavierspielen allein schon nicht mehr aus. Er wollte komponieren und so schrieb Vater Leopold ein Andante und ein Allegro für Klavier in das Kompositions-Büchlein seines Sohnes mit dem Kommentar:

„Des Wolfgangerl Compositiones in den ersten drei Monaten nach seinem 5ten Lebensjahr.“

Diese beiden Kompositionen wurden dann von Ritter Ludwig von Köchel – dem chronologisch-thematischen Verzeichnis sämtlicher Tonwerke W.A. Mozarts – als Nummer 1 aufgeführt. Dem 1761 komponierten KV 1 sollten bis 1791, dem Todesjahr des genialen Musikers, noch 625 weitere folgen. Mozart verstarb am 5. Dezember 1791 nach einer schweren fiebrigen Erkrankung. Sein Hausarzt, Dr. Closset, diagnostizierte hitziges Fieber, eine Art Grippe. Mozarts Witwe Constanze verzichtete auf ein prunkvolles Begräbnis, da ihre finanzielle Zukunft nach dem Tode ihres Wolferls als nicht gesichert galt. Bis heute ist ungeklärt, wo seine sterbliche Hülle liegt.

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Dieses 3. Sinfoniekonzert der TfN-Philharmonie war eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart anlässlich seines Geburtstages am 27. Januar.  Das Konzert begann mit der Ouvertüre zur Oper Cosi fan tutte, KV 588. Die kurze langsame Einleitung führte spannungsvoll in die schmeichelnde Oboenphase, dieser von Mozart kürzer gehaltenen Ouvertüre. Bereits nach wenigen Takten steigerte sich das ruhige Tempo bis zum virtuosen Presto, das die TfN-Philharmonie unter der Leitung ihres GMD Florian Ziemen effektvoll umgesetzt hatte und das ausgelassen frivole Geschehen dieser Oper deutlich werden ließ. Es folgte die Arie der Fiordigli „Come scoglio“ (So standhaft wie der Felsen, so steht auch meine Treue), aus Cosi fan tutte, die mit dem strahlend beweglichen Sopran von Rebecca Davis zu Gehör kam. Mühelos bewältigte die Sopranistin die dramatischen sowie die perlenden Koloraturpassagen dieser anspruchsvollen Arie mit einem umfangreichen Tonumfang.

Wie bei Mozart, wurde das musikalische Talent von Antonio Salieri (1750 – 1825) schon früh entdeckt. Nach dem Tode seiner Eltern ging er 1766 nach Wien und war dort ab 1774 kaiserlicher Hofkomponist und ab 1788 Hofkapellmeister. Zu Mozart hatte Salieri ein kollegiales Verhältnis. Der Auftrag zur Oper Cosi fan tutte (So machen es alle oder die Schule der Liebenden), Libretto von Lorenzo Da Ponte, war ursprünglich für ihn bestimmt. Er sah sich nicht in der Lage sie zu vertonen und trat zugunsten Mozarts zurück. Antonio Salieri unterrichtete zudem den Sohn Franz Xaver von Konstanze und Wolfgang Amadeus Mozart.

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  - hier :  beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  – hier : beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

Am 7. Mai 1825 erhielt Antonio Salieri nach längerem Leiden die Sterbesakramente. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Wien. Zwischen den einzelnen Musikstücken lasen Peter Kubik und Rebecca Davis aus Briefen, Tagebüchern und einer Novelle der Zeitgenossen Salieris vor, die ein freundlicheres Bild über den Komponisten ergaben, als allgemein bekannt war und leider noch ist. Die von dem Komponisten und Musikwissenschaftler Timo Jouko Herrmann zufällig in Prag entdeckte und über 200 Jahre als verschollen geglaubte  Liedkantate „Per la ricuperata salute di Ofelia- Canzone a Fille“ KV 477a, Text Lorenzo Da Ponte, ist eine Gemeinschaftskomposition von Salieri, Mozart und Cornetti zu Ehren der seinerzeit erkrankten Sopranistin Nancy Storace. Rebecca Davis brachte die Strophen mit tänzerischer Leichtigkeit im galanten Stil der Wiener Klassik zum Erklingen. Rhythmisch federnde Unterstützung erhielt sie durch das Orchester des TfN. Aus der leider viel zu selten aufgeführten Oper La cifra von Antonio Salieri, war das Rezitativ und Rondo der Eurilla zu hören. Beeindruckend virtuos und zugleich leidenschaftlich setzte Rebecca Davis ihren dramatischen Koloratursopran ausgeglichen und wohlklingend bis ins leiseste Piano ein. Adäquat wurde sie von der Philharmonie, unter dem engagiert impulsgebenden Dirigat ihres GMD Florian Ziemen, begleitet.

Die fesselnde Uraufführung FAMA für Orchester und Sprecher von Timo Jouko Herrmann, führte den Hörer in die römische Mythologie ein. Im Mittelpunkt steht die Göttin des Ruhms und der Gerüchte, und sie war der passende Ausgangspunkt dieser Auftragskomposition, wie die Lebensbilder von Mozart und Salieri verdeutlichen. Mozart wurde bereits zu Lebzeiten glorifiziert, während Salieri unverschuldet zum Mörder Mozarts erklärt wurde. Ausdrucksstark fungierte Peter Kubik als Sprecher des poetischen Textes aus den Metamorphosen von Ovid, der mit dieser Komposition ohne einen Moment der Klanglosigkeit verschmolz. Eine faszinierende Bereicherung dieses Abends waren auch die melodisch harmonischen 26 Variationen La follia di Spagna von Antonio Salieri für Orchester, Solo-Violine und Harfe. Die TfN-Philharmonie gestaltete diese melodienreichen Variationen auf hohem Niveau kongenial differenziert romantisch, verspielt oder dramatisch und einem Dialog zwischen den Instrumenten.

Man mag es kaum glauben, aber die viersätzige Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, KV 550, soll Mozart in nur wenigen Wochen des Sommers 1789 geschaffen haben. Ein Werk, das bis heute an seiner Beliebtheit kaum zu übertreffen ist und jede Interpretation eine Herausforderung darstellt. Dirigent Florian Ziemen hat sie angenommen und mit der TfN Philharmonie überzeugend umgesetzt. Bereits nach dem Einsetzen des Anfangsmotivs wurde der Hörer mitgerissen. Helle und dunkle Stimmungen der Holzbläser und Einwürfe der Hörner wechselten mit melancholischen Figuren der Streicher ab. eschwingt erklangen die Hörner im Trio des 3. Satzes und schnelle rauschende Abwärtsbewegungen beendeten den 4. und letzten Satz dieser aufwühlenden Interpretation mit allen Wiederholungen. Chapeau!

Das Publikum bedankte sich begeistert mit einem langanhaltenden Applaus für dieses gelungene Konzert voller Überraschungen.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Bern, Theater Bern, Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 23.10.2018

Oktober 24, 2018 by  
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Konzert Theater Bern © P Zinniker

Konzert Theater Bern © P Zinniker

Konzert Theater Bern

Così fan tutte  –   Wolfgang Amadeus Mozart

So machen’s alle (Frauen) –  Und die Männer?

Von  Julian Führer

Mozarts Oper Così fan tutte ist oft für die Banalität der Handlung kritisiert worden – und in der Tat: zwei junge Männer wetten, dass sie die feste Freundin des jeweils anderen ‚herumkriegen‘, und das Vorhaben gelingt. Lorenzo Da Ponte als Mozarts Librettist adaptierte hier nicht eine bereits vorhandene Vorlage wie in Le nozze di Figaro (beruhend auf dem unmittelbar vor der Französischen Revolution entstandenen hochbrisanten Theaterstück von Beaumarchais). Der Auftrag kam im Herbst 1789 von Kaiser Joseph II., im Januar 1790 fand in Wien die Uraufführung statt. Der Stoff ist seither unzählige Male interpretiert worden – ob nun als Studie über die Fallstricke der ‚freien Liebe‘ in aktualisierender Manier, als grundalbernes Stück mit ernster Musik oder auch als schwule Oper (nur mit Männerstimmen besetzt). In Bern ist nun ein weiterer Ansatz zu besichtigen – und diese Regie von Maximilian von Mayenburg, soviel sei schon am Anfang festgestellt, ist lohnend.

Theater Bern / Cosi fan tutte © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Theater Bern / Cosi fan tutte © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Zunächst Da Ponte und seine klassische Umsetzung auf der Bühne: Das Personal der Buffo-Oper mit Typen wie der Zofe, dem Arzt und dem Notar sorgt zuverlässig für Verwechslungen und dramatische Wendungen, man verkleidet sich und heiratet. Das sonstige Personal mit den Männern Guglielmo und Ferrando und ihren Freundinnen bzw. Versuchsobjekten Fiordiligi und Dorabella präsentiert ebenfalls wenig originelle Charaktereigenschaften, einmal abgesehen von der eine Arie länger anhaltenden Standhaftigkeit der gemeinhin als etwas zickig angesehenen Fiordiligi. Fiordiligi (im Namen steckt die Fleur de lys, die Lilie als Symbol der französischen Könige – wenige Monate nach Ausbruch der Revolution in Frankreich!) vertritt am ehesten die Konvention und das Beharren auf einmal eingegangenen Verpflichtungen. Dorabella geht schneller auf das Werben des verkleideten Guglielmo ein. Der grauhaarige „Philosoph“ Don Alfonso erscheint als Zyniker, der buchstäblich aus einer Kneipenidee heraus einen Menschenversuch startet, bei dem seine Freunde nicht gewinnen und deren Freundinnen alles verlieren.

Als Zsolt Czetner den Taktstock hebt und bemerkenswert rasche Tempi anschlägt, wird alsbald eine recht trübe Szenerie sichtbar (Bühne: Christoph Schubiger): eine Bar, ein Tresen, ein umgeworfener Barhocker, es lungern mehrere Personen herum, von denen wir schnell erfahren, dass es sich um die besoffen eingeschlafenen Fiordiligi und Dorabella handelt, beide mit Brautschleier (Kostüme: Marysol del Castillo), andererseits um eine ebenfalls betrunkene Gestalt mit blonder Fönfrisur im Stil der Zeit um 1980 (der Gott Amor in einer stummen Rolle) sowie zwei noch wache, aber schon arg derangierte junge Männer, Guglielmo und Ferrando. Der Barkeeper ist Don Alfonso (Todd Boyce). Offensichtlich wurde Polterabend gefeiert, der Wirt kehrt Scherben zusammen (leider echte Scherben, die die Musik übertönen). Aus dem Wortwechsel zwischen einem müden Wirt und zwei betrunkenen Bräutigamen ergibt sich die bereits oben genannte Wette. Das Libretto fordert, dass die beiden Männer einer vorgegaukelten plötzlichen Einberufung zum Militär folgen und so den Ort der Handlung verlassen, während die Damen sich alleine sorgen und grämen. Der von Mozart gekonnt in zackigem D-Dur geschriebene Marsch Bella vita militar wird von einem sehr jungen Don Alfonso aus der sehr alten Jukebox eingespielt – stilecht mit vielen Kratzern auf der alten Platte, die etwas eiert und nicht ganz im richtigen Tempo (und also auch nicht ganz in der richtigen Tonhöhe) abgespielt wird. Als dazu das Orchester einsetzt, werden die Ohren des Zuhörers auf eine harte Probe gestellt. Das Abschiedsterzett Soave sia il vento braucht zwei Takte, um zueinander zu finden, vor allem die Terzenketten in den Violinen sind zunächst nicht deutlich. Dieses Problem sollte sich beim Einstieg ins Finale des zweiten Aktes wiederholen. Die Bar wird dazu (mit den einberufenen Bräutigamen) nach hinten hinausgefahren. Eigentlich folgt ein Szenenwechsel ins Haus der Schwestern Dorabella und Fiordiligi mit einem Rezitativ der gerade Trinkschokolade rührenden Magd Despina; dieses Rezitativ ist wie einige andere gestrichen. In einigen Szenen treten pantomimische Einlagen an deren Stelle.

Theater Bern / Cosi fan tutte © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Theater Bern / Cosi fan tutte © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Wir sehen die übriggebliebenen Bräute, die nicht recht zu wissen scheinen, wie sie eigentlich nach Hause gekommen sind, auf dem Boden liegen. Despina bringt das Frühstück (madame, ecco la vostra collazione): keine handgerührte Trinkschokolade, sondern ein großes Glas Nutella und zwei Teelöffel. Dorabella und Fiordiligi meistern das folgende Rezitativ mit vollem Mund und dann gehen erstmal duschen. Ferrando und Guglielmo werden von Don Alfonso ins Haus eingeschleust – und sind nicht verkleidet! Alfonso scheint Zauberbrillen mitgebracht zu haben, durch die man seine Mitmenschen anders wahrnimmt. Es ist nicht ganz klar, ob die Damen nicht von Anfang an merken, wer ihnen da gegenübersteht, nicht umsonst sind sie sehr entrüstet. Ab diesem Moment wird die Inszenierung sehr spannend: Beide Männer orientieren sich zunächst an ihren bisherigen Bräuten und machen keine Anstalten, die Freundin des anderen zu umgarnen. Die Leidtragende dieses stellenweise tatsächlich im positiven Sinne aufregenden Konzepts ist Despina (Orsolya Nyakas), die weit weniger quirlig sein darf als in anderen Inszenierungen. Gesanglich nimmt das Stück ab der 15. Szene (Guglielmo, Non siate ritrosi) Fahrt auf, der vermeintliche Fremde (Michal Marhold) umschmeichelt hier zwar noch entgegen dem Libretto seine bisherige Freundin Fiordiligi, dies aber mit Engagement, Charme, warmer Stimme und – feuerroten Unterhosen.

Nach der Pause geht es darum, wie es die beiden Liebhaber bewerkstelligen, die Freundin des Freundes zu verführen, wobei immer wieder Amor und seine Pfeile ins Spiel kommen. Dorabella nimmt irgendwann ihre trügende Sonnenbrille ab und erkennt, wen sie da vor sich hat, lässt sich aber dennoch auf Guglielmo ein. Eleonora Vacchi ist in dieser Rolle stets sehr präsent, allenfalls würde man sich manchmal eine etwas schlankere Stimmführung wünschen – stellenweise scheint ihre Stimme eher Verdi angemessen, gleichzeitig verkörpert sie die Partie mit viel schauspielerischem Einsatz. Fiordiligi (Elissa Huber) benötigt eine Arie länger, um sich von Ferrando (Noazariy Sadivskyy mit zartem Tenor) überzeugen zu lassen. Eigentlich ist sie die integerste Person der ganzen Oper. Auch sie hat begriffen, mit wem sie es zu tun hat. Als beide Frauen verführt sind, herrscht bei den Verführern allenfalls Schadenfreude, dass sie nicht alleine mit der Untreue ihrer Partnerinnen geschlagen sind. Don Alfonsos letzte Arie (Nr. 30, Tutti accusan le donne) wird hier zum galligen Bekenntnis, denn er öffnet sein Hemd und zeigt, dass auch er einst von Amor eine Wunde empfing. Seine Art, die Liebe ‚philosophisch‘ zu betrachten, ist eigentlich purer Zynismus, da er nur den anderen demonstrieren will, dass es keine wahre Liebe und Treue gibt. Diese rein destruktive Tendenz der Menschenversuche Don Alfonsos ist den Männern dabei auch zuvor nicht verborgen geblieben: Da Ponte hat immer wieder Verweise auf das Versprechen gegenüber Don Alfonso eingebaut, ihm einen Tag Zeit für seine Intrige zu geben, auch wenn die Männer zwischendurch lieber abbrechen würden.

Im Finale des zweiten Aktes liegen die Akzente in dieser Deutung etwas anders als sonst: Da alle vier Beteiligten wissen, mit wem sie es in Wirklichkeit zu tun haben, gibt es keine Maskerade, und es herrscht eher Unklarheit, wer eigentlich wen zu heiraten hat. Das Bühnenbild zeigt wieder die Bar aus der Eingangsszene. Der Chor stimmt sehr laut, aber nicht zügig genug ein (Facciam presto o cari amici). Zu Mozarts Musik wirft das Quartett mit Tellern und produziert damit einen neuen, diesmal aber auch musikalischen Scherbenhaufen. Diese latent antimusikalische Tendenz der Inszenierung hat sich auch bereits in der Klage des Ferrando über die Untreue der Dorabella gezeigt, zu der Don Alfonso eine größere Anzahl Luftballons zerplatzen lässt. Allen Respekt dem Sänger, der dabei stoisch weitersingt!

Theater Bern / Cosi fan tutte © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Theater Bern / Cosi fan tutte © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Für heutiges Empfinden häufig etwas unbefriedigend ist die Theaterkonvention der „lieto fine“, des glücklichen Endes. Am Schluss der Oper wird in Dur gejubelt, ob nun Don Giovanni gerade zur Hölle gefahren ist oder zwei Paare gerade beim Treuetest gescheitert sind – bei Da Ponte und Mozart geht der Vorwurf nur an die ‚treulosen‘ Damen Fiordiligi und Dorabella; mit gleichem Recht würde man heute nach der mehr als zweifelhaften Rolle Guglielmos und Ferrandos fragen, die sich auf das Spiel einlassen, die Freundin des anderen zu verführen – ganz zu schweigen von Don Alfonso, dem Initiator, und der Dienstmagd Despina, die gegen ein Handgeld jederzeit ihre Herrinnen zu hintergehen bereit ist. „Così fan tutte“, meint Don Alfonso: So machen es alle Frauen. Die Männer fühlen sich unschuldig, ja, sie gefallen sich sogar in der Rolle der Ankläger ihrer Freundinnen.

Als dann im Finale die echten Liebhaber ‚zurückkehren‘, ist auch den Frauen klar, dass dies nur ein Vorwand ist. Um so größer ist das Entsetzen Dorabellas und Fiordiligis, dass die Männer sich auf einmal in Vorwürfen über die Untreue der Frauen ergehen. Diese haben in den ihnen von Guglielmo und Ferrando aufgenötigten Partnertausch letztlich eingewilligt und verstehen nun nicht, warum sie einen Fehler begangen haben sollen (und die Männer nicht). Dorabella betäubt sich mit Alkohol, Fiordiligi ist wie gelähmt, die lieto fine in affirmativem C-Dur wird hier unterlaufen. Man fragt sich bei dieser insgesamt sehr schlüssigen Deutung allenfalls, warum Don Alfonso am Ende ungeschoren davonkommt.

Das Berner Symphonieorchester hatte an den beiden Tagen zuvor ein sehr forderndes Konzert zu absolvieren, das zudem durch einen sehr kurzfristigen Wechsel bei der musikalischen Leitung äußerste Konzentration verlangte. Das Gesamtbild war jedenfalls stimmig. Besondere Erwähnung verdient die Begleitung der Rezitative, bei denen frei gestaltet wurde und beispielsweise das Terzett „Soave sia il vento“ fast schon leitmotivisch immer wieder anklang, um die Situation der Trauer der jungen Frauen bei der abrupten Abreise ihrer Partner in Erinnerung zu rufen. Eine Inszenierung also, die viel Sympathie für die Damen an den Tag legt, und die am Ende wie auch die musikalische Darbietung lebhaften Zuspruch im allerdings bei weitem nicht ausverkauften Haus fand.

Cosi fan tutte am Theater Bern: Die weiteren Termine 28.10.; 30.10.; 17.11.; 2.12.; 8.12.; 16.12.; 21.12.2018 und mehr ……

—| IOCO Kritik Theater Bern |—

 

Hamburg, Hamburgische Staatsoper, Cosi fan tutte – W A Mozart, IOCO Kritik, 11.09.2018

September 11, 2018 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

COSI FAN TUTTE  –  Wolfgang Amadeus Mozart

Wenn die Monster kommen! – Ein Appell an die Naivität 

Von Patrik Klein

Im Libretto der Oper Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart steckt scheinbar viel Seelenlosigkeit und Unlogik: Warum erkennen die Frauen ihre neuen Liebhaber nicht als ihre eigenen Ehemänner? Doch Mozart nahm den Text von Lorenzo Da Ponte positiv an und vertonte ihn in seiner genialen Art zu einem musikalischen Meisterwerk.
Mit Mut zur Phantasie versuchte das Regieteam um Herbert Fritsch (Regisseur, Schauspieler und Medienkünstler) das Stück mit Humor, Farbenfreude und ohne klare Interpretationsdeutungen zu erzählen. Musikalisch gelang eine recht geschlossene Produktion auf durchweg hohem Niveau.

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte - hier : Ensemble und Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte – hier : Ensemble und Chor © Hans Jörg Michel

 Così fan tutte  („ossia La scuola degli amanti“, „So machen es alle oder Die Schule der Liebenden“) ist eine Oper in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte. Wie der Auftrag zur Oper Così fan tutte an Mozart gelangte, ist unklar. Das Werk ist nach Le nozze di Figaro und Don Giovanni die letzte der drei Buffa-Opern, die Mozart auf einen Text von Lorenzo Da Ponte schrieb. Mozart begann mit der Komposition im Herbst des Jahres 1789. Zu Silvester des Jahres 1789 veranstaltete Mozart in seiner Wohnung eine Probe, bei der er Teile der Komposition mehreren Freunden und Bekannten, unter ihnen Joseph Haydn, vorspielte. Uraufgeführt wurde die Oper am 26. Januar 1790 im „alten“ Wiener Burgtheater am Michaelerplatz.
Die Wiener Zeitung vom 30. Januar 1790 vermeldete die Uraufführung ohne Wertung, während der Wiener Korrespondent des Weimarer Journal des Luxus und der Moden im März 1790 positiv bemerkte: „Ich kündige ihnen wieder ein vortreffliches Werk von Mozart an, das unser Theater erhalten hat. Von der Musik ist, glaube ich, alles gesagt, dass sie von Mozart ist.

Wolfgang A Mozart © IOCO

Wolfgang A Mozart © IOCO

Così fan tutte war lange Zeit umstritten. Schon kurz nach Mozarts Tod wurde Kritik am angeblich albernen und unmoralischen Textbuch geübt. Abfällige Äußerungen sind unter anderem von Ludwig van Beethoven und Richard Wagner überliefert. Im 19. Jahrhundert wurde Così fan tutte häufig in stark veränderten Bearbeitungen aufgeführt, teilweise wurde Mozarts Musik sogar ein völlig neuer Text unterlegt. Erst im 20. Jahrhundert wurde Così fan tutte als gleichberechtigtes Meisterwerk neben Le nozze di Figaro und Don Giovanni akzeptiert.

Die Handlung  – Erster Akt
Die Oper spielt im Neapel des 18. Jahrhunderts. Die jungen Offiziere Ferrando (Dovlet Nurgeldiyev, Tenor) und Guglielmo (Kartal Karagedik, Bariton) rühmen sich, dass die beiden aus Ferrara stammenden Schwestern Dorabella (Ida Aldrian für die erkrankte Stephanie Laurioella, Mezzosopran) und Fiordiligi (Maria Bengtsson, Sopran), die sie über alles lieben, ihnen niemals untreu werden könnten. Don Alfonso (Pietro Spagnoli, Bass), ein zynischer Mann von Welt, hat aber seine eigenen einschlägigen Erfahrungen und bietet darum Ferrando und Guglielmo ob ihrer Überzeugung eine Wette an. Beide gehen siegessicher darauf ein.

Währenddessen schwärmen sich die Frauen im Garten des Hauses gegenseitig von der unzerbrechlichen Liebe ihrer Partner vor, bis Don Alfonso scheinbar völlig aufgelöst hinzukommt und ihnen mitteilt, dass Ferrando und Guglielmo auf Geheiß des Königs in den Krieg ziehen müssen. In der folgenden Abschiedsszene besteigen die Männer, nun in Kriegsmontur, schließlich ein Schiff, besetzt von als Soldaten verkleideten Dorfbewohnern. Despina (Sylvia Schwartz, Sopran), das Hausmädchen und rechte Hand von Alfonso, versucht, Dorabella und Fiordiligi mit weisen Ratschlägen und Ansichten über Männertreue – insbesondere bei Soldaten – auf andere Gedanken zu bringen. Schon wenig später kehren Ferrando und Guglielmo, verkleidet als fremdländische Adlige, ins Haus zurück, wo sie auch sogleich beginnen, die Braut des jeweils anderen zu umschwärmen. Heftig zurückgewiesen, täuschen die beiden exotischen Gestalten ihren Selbstmord durch Gift vor und werden vom eilig herbeigerufenen Doktor (in Wirklichkeit die verkleidete Despina) in einer Parodie auf die Methoden des Wiener Arztes Franz Anton Mesmer „geheilt“. Die weitere, mitleidige Fürsorge wird in die Hände von Fiordiligi und Dorabella gelegt. Als die vermeintlichen Selbstmörder erwachen, fordern sie erneut einen Kuss und werden wieder abgewiesen.

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte - hier : Sylvia Schwartz als Despina, Pietro Spagnoli als Don Alfonso © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte – hier : Sylvia Schwartz als Despina, Pietro Spagnoli als Don Alfonso © Hans Jörg Michel

Zweiter Akt
Despina erklärt den Schwestern, dass man Liebe und Treue nicht so wichtig nehmen darf. Doch die Herzen der beiden Mädchen sind schon längst erweicht für die Fremden. In romantischer Atmosphäre „fällt“ zunächst Dorabella. Fiordiligi aber folgt noch ihren Gefühlen und beschließt, ihrem Guglielmo in den Krieg nachzuziehen. Sie wird aufgehalten von Ferrando. Er droht, sich zu töten, falls sie ihn nicht erhöre. Da gesteht sie ihm ihre Liebe. Eine Doppelhochzeit wird vorbereitet. Nachdem die Frauen den Ehevertrag unterschrieben haben, erklingt hinter der Bühne der Militärmarsch, der die „Heimkehr“ der Soldaten verkündet. Die verkleideten Ehegatten verlassen heimlich das Zimmer und kommen wieder, nun als Guglielmo und Ferrando. Voller zwiespältiger Freude werden die Männer in die Arme genommen. Don Alfonso spielt den angeblich Heimgekehrten den soeben besiegelten Ehevertrag zu, es kommt zu einer großen Eifersuchtsszene. Die beiden Frauen gestehen zerknirscht ihre Untreue, Ferrando und Guglielmo jedoch, die die Wette mit Alfonso verloren haben, decken ihrerseits den unfairen Schwindel auf. Alfonso befiehlt den vier jungen Menschen, einander zu umarmen und zu schweigen. Despina ist verwirrt und beschämt, dass Don Alfonso sie benutzt hat, tröstet sich aber damit, dass sie es mit vielen anderen genauso macht. Am Ende steht ein Loblied in C-Dur: „Glücklich sei der Mensch, der alles nur von der besten Seite nimmt und trotz der Wechselfälle des Lebens, über die er lacht, die Ruhe bewahrt.

Die Ouvertüre der Oper erklingt in mäßigem Tempo vor noch verschlossenem Vorhang. Ein farbiger geometrischer Körper schütz den Souffleurkasten und lässt bereits jetzt auf die zu erwartende Farbenvielfalt schließen. Sébastian Rouland, amtierender Generalmusikdirektor am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken lässt Mozarts Musik luftig, transparent und gefühlvoll erklingen. Als sich der Vorhang öffnet, erblickt man bühnenmittig ein einsames aufgeklapptes Cembalo auf dem sich wie ferngesteuert die Tasten bewegen, die auch auf dem Instrument im Graben tatsächlich gespielt werden. Etliche verschiedene geometrische Körper liegen auf der Bühne. Die Spielfläche ist zu einem optimalen akustischen Raum aufgebaut mit ihn aufteilenden Kulissen aus lackartig glänzenden Flächen, die in den Grundfarben Rot, Grün und Blau und im Laufe des Abends in immer wieder wechselnden komplementären Farben angeleuchtet werden. An der Decke hängt ein übergroßer halbrunder Kronleuchter, der mal als schickes farbiges Beleuchtungsutensil, aber später auch mal als rotierender Diskothekenkristall genutzt wird.

Die drei erstauftretenden Herren stecken in schillernden, fast absurd anmutenden Kostümen von Victoria Behr, die 2013 von der „Opernwelt“ als Kostümbildnerin des Jahres gewählt wurde. Im Laufe des Abends wird schnell klar, dass sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen konnte. Guglielmo steckt in knallblauer, Ferrando in clownesquer, gelber Uniform und Don Alfonso sieht beinahe aus wie ein Schaffner der Deutschen Bahn in grellem Rot. Beim Terzett der drei Protagonisten wird gehüpft, gesprungen, gezappelt und wild gestikuliert. Alles wirkt ein wenig überzogen und übertrieben. Unweigerlich stellt man sich die Frage: Ist das komisch, burleske Komödie oder gar Klamauk? Die beiden Damen Fiordiligi und Dorabella werden im Hintergrund auf querlaufenden Bändern in die Bühnenmitte gezogen und treten zu den drei Herren dazu. Auch sie stecken in knallbunten blau bzw. ockerfarbenen, fast grotesk anmutenden Kostümen mit Perücken aus barocker Zeit und krassen, übergroßen Hüten. Bei der Verwandlung des Gartens am Meeresstrand erlebt man immer wieder wechselnde Farbspiele der Kulissen, die die Geschehnisse in der Bühnenmitte in das Auge des Betrachters mit ziemlich anstrengend wirkenden Spiegeleffekte tauchen. Die Beleuchter der Staatsoper haben an diesem Abend Hochbetrieb.

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte - hier : v.l. Pietro Spagnoli, Kartal Karagedik, Dovlet Nurgeldiyev, Sylvia Schwartz © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte – hier : v.l. Pietro Spagnoli, Kartal Karagedik, Dovlet Nurgeldiyev, Sylvia Schwartz © Hans Jörg Michel

Bei der ersten Arie des Abends entsteigt Don Alfonso aus dem Souffleurkasten und verkündet den Damen in raffinierter Weise seine Absichten. Pietro Spagnoli, international gefeierter Sänger, der bereits 2002 an der Hamburgischen Staatsoper die Partie inne hatte, sang mit fein artikulierter Stimme und sehr guter Diktion, wenig Schwärze und vor Allem mit einer geradezu tenoraler Farbe, dass man ihm den „Strippenzieher“ des Abends gerne abnahm. Beim anschließenden Quintett der bisher erschienenen Figuren wird musikalisch das hohe Niveau deutlich, einerseits durch den technisch und damit akustisch idealen Bühnenkasten und andererseits durch das herrlich harmonierende Solistenensemble. Beim dauernden Farbwechsel und Spiegelbildbombardement tritt nun erstmalig der 40köpfige, also etwa zu halber Normalstärke eingedampfte Chor der Staatsoper Hamburg (Einstudierung Eberhard Friedrich) auf und untermalt optisch als auch musikalisch die Treueschwüre der beiden zu prüfenden Schwestern. Giftgrüne, gesichtslose und behelmte Chormitglieder singen sehr transparent, äußerst präzise artikulierend und wohlklingend vom schönen Soldatenleben im „Swing-Rhythmus“.

Beim Terzett „Weht leise ihr Winde“ verabschieden sich die beiden Herren mit wippenden Walzerrhythmen vor giftgrünem Chor, der sich nun auch in der Bühnendecke lackspiegelt. Dazu ein braves „Winke Winke“ der betroffenen Damen, die wieder auf den Rollbändern ins Off gefahren werden.
Endlich erscheint nun auch des Don Alfonsos Zofe Despina, die ausschaut wie eine aufgeplatzte Tomate mit herausragendem Deoroller als Kopf, in milieuverdächtigen lackschwarzen Stiefeln steckend. „Aus gleichem Holze sind die Männer…“ singt Sylvia Schwartz, international erfahrene spanische Sopranistin, in schöner „mozärtlicher“ Manier mit feiner Stimme, guter Phrasierung, glasklaren Höhen und samtigem, leicht abgedunkelten Timbre.

Ida Aldrian als Dorabella rettete die Premiere indem sie für die erkrankte Stephanie Laurioella einsprang. Kurz vor der Generalprobe musste sie sich in die seit acht Wochen geprobte Produktion einfinden. In dieser konnte sie bereits bis zur Mitte des ersten Aktes spielen und singen. Ab diesem Zeitpunkt sang sie weiter von der Seite zum Spiel des nun in ihren Kleidern steckenden Spielleiters. Wer diese Generalprobe miterleben konnte genoss hier ein zusätzliches Humorpotential. Es blieben nur noch zwei weitere Tage, um den „Rest“ der Rolle zu lernen. Die Arie „Furchtbare Qualen ihr…“ sang die österreichische Mezzosopranistin, die von 2012/13 bis 2014/15 Mitglied im Internationalen Opernstudio der Staatsoper Hamburg war und ab der Spielzeit 2019/20 festes Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg wird, ganz im Sinne Mozarts mit feiner noch etwas kleiner, zärtlicher Stimme, die mit dem schön dunkel gefärbten Timbre verführerisch klang.

„Wie der Felsen, der ohne Schranken…“ singt Maria Bengtsson als Fiordiligi in zu Herzen gehender Art und Weise. Die international bekannte Schwedin, die bereits erfolgreich an den großen Bühnen Europas sang, ist dem Hamburger Publikum bestens bekannt, als sie in der vergangenen Saison die Sopranpartie im Verdi  Requiem gab. Sie konnte auch an diesem Premierenabend mit ihrer Stimme mehr als überzeugen, ja sogar begeistern. Ihre Interpretation und Darstellung der Partie ist herausragend, wenn sie ihren feinen und samtigen Sopran mit ganz leicht dunkler Färbung für ihre berührenden Koloraturen erklingen lässt. Sie überzeugt in allen Facetten ihrer Gesangs- und Schauspielkunst.
Endlich erscheinen die beiden „verkleideten“ Offiziere Ferrando und Guglielmo. Zwei zottelige Wesen huschen auf die Bühne, die wie Monster aus einem Horrorfilm anmuten. Mozarts Text hingegen fragt nach „Sind es Walachen oder Türken?“. Nein, es sind hier bei Herbert Fritsch absurde „Zottelmonster“ mit allerdings freigelegten Gesichtszügen. Können oder sollten die beiden Damen sie denn nun doch nicht erkennen? Oder wollen sie sie vielleicht gar nicht erkennen?

Kartal Karagedik singt die Arie des Guglielmo „O seid nicht so spröde…“ äußerst fein akzentuiert, mit überzeugender Technik und schön phrasierend. Seit 2015 ist er nun Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg und hat seine Baritonstimme klug und erfolgreich weiterentwickelt. Man darf sehr gespannt auf seine weitere Entwicklung sein.
Es folgt die Arie des Ferrando „Der Odem der Liebe…“, die der aus Turkmenistan stammende und seit vielen Jahren im Ensemble der Staatsoper Hamburg singende, international erfahrene Künstler Dovlet Nurgeldiyev berührend gestaltet. Seine für Mozart Opern nahezu perfekte Stimmführung erinnert immer wieder an den jungen Fritz Wunderlich. Ganz selbstverständlich klingt alles ganz leicht von Innen herausströmend legato, sowohl die präzisen Töne als auch die unter die Haut gehenden Phrasierungen und Färbungen. Spielend leicht kommen die Spitzentöne wie zusätzliche Farbtupfer in der eh schon knallbunten Inszenierung. Entsprechend heftig ist am Ende des langen Abends auch sein Schlussbeifall.

Das Finale des ersten Aktes erinnert immer deutlicher an Slapstick. Die Zottelmonster mit roten Pfoten wirbeln so lange herum, bis die ins Auge gefassten Damen langsam erweichen und der mittlerweile im schwarzen Flatterkostüm steckende Arzt alias Despina erscheint, der die scheinbar vergifteten langhaarigen Buhler retten muss. Das finale Sextett dann mehr oder weniger an der Rampe im wippenden Takt mit überdeutlichen Bewegungen und Gesten: „Das Komischste ist dieser Zorn und diese Welt?“

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte - hier : v.l. Pietro Spagnoli, Kartal Karagedik, Dovlet Nurgeldiyev, Sylvia Schwartz © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte – hier : v.l. Pietro Spagnoli, Kartal Karagedik, Dovlet Nurgeldiyev, Sylvia Schwartz © Hans Jörg Michel

Der zweite Akt beginnt mit MozartsKleiner Nachtmusik“ auf dem Cembalo gespielt mit rotierendem Diskothekenkronleuchter. Es geht in der Manier des ersten Aktes einfach so weiter. Sind die Damen nun wirklich so leicht zu überwinden oder tun sie nur so? Wir wissen es nicht und werden es in dieser Inszenierung auch nicht erfahren. Mit gefühlt tausendfachen Farb- und Bildwechseln, wild überzogenen und übertriebenen Gesten, zum Teil irren Spiegelungseffekten und Kulissenwandlungen geht die Handlung denn doch meist nur als „Rampentheater“ in die Schlussphase, in der alles auffliegt und die Frauen

irgendwie „alt aussehen“. Man kandiert über die untreue Damenwelt Così fan tutte…So machen es ALLE. „Alles schilt auf die Weiber, doch ich verzeihe“  klingt es aus dem Halse Don Alfonsos, der als „Betrüger“ an den Pranger gestellt wird. Ein scheinbares „Happy End“ mit Vorbelastung. Zum Ende gibt es noch einmal grelle Farbenpracht mit sechs Darstellen, die an der Rampe fleißig hampeln.

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte : hier : v.l. Maria Bengtsson, Ida Aldrian © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Cosi fan tutte : hier : v.l. Maria Bengtsson, Ida Aldrian © Hans Jörg Michel

 Das Publikum in der Staatsoper Hamburg spendet insgesamt freundlichen Applaus. Zustimmung erhalten alle Solisten, der Chor und das Orchester der Staatsoper Hamburg. Für die Regie teilten sich die Reaktionen in zwei Lager: Für die einen war es die witzigste und schönste Komödie des Jahres und für die anderen ein „Albtraum in Technicolor“.

Cosi fan tutte an der Staatsoper Hamburg: Weitere Termine: 8.9., 12.9., 16.9., 18.9., 23.9., 26.9., 29.9.2018

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

 

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