Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Start in die Spielzeit 2020/21

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein für alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Start in die Spielzeit 2020/21
Oper und Ballett am Rhein präsentieren das Programm der ersten vier Monate (Sept.-Dez. 2020)

Am 11. September 2020 startet die Deutsche Oper am Rhein in die neue Spielzeit – aufgrund der Corona-Epidemie allerdings ganz anders als ursprünglich geplant. Innerhalb weniger Wochen hat Generalintendant Christoph Meyer mit seinem künstlerischen Team ein Programm kreiert, das verantwortungsvoll und zugleich mit großer künstlerischer Lust und Neugier mit den aktuellen Anforderungen umgeht. Auch der neue Ballettdirektor Demis Volpi war gezwungen, seine sorgfältig konzipierte erste Saison mit dem Ballett am Rhein noch einmal ganz neu zu denken. Fast jede der 13 Produktionen feiert sowohl in Düsseldorf als auch in Duisburg Premiere. Allein in den ersten vier Monaten der Spielzeit stehen rund 150 Vorstellungen auf dem Spielplan – knapp 100 im Opernhaus Düsseldorf, rund 50 im Theater Duisburg.

Den komplexen Abstands- und Sicherheitsbestimmungen, denen speziell das Musiktheater durch COVID-19 unterworfen ist, will die Deutsche Oper am Rhein mit Kunst begegnen, die sinnlich, überraschend, intensiv ist. Die 23 kompakten Programme in Oper und Ballett – jeweils nicht länger als 90 Minuten –stehen deshalb bewusst nicht unter dem Vorzeichen der reinen Reduktion, sondern – im Gegenteil – für neue Erzähl­formen, Stücke und Formate. So versteht sich der szenisch-musikalische Abend „Vissi d’Arte“ von Johannes Erath als poetische Wiedereroberung des Bühnen­raums. Angesichts der erlebten Fragilität lotet er die unmöglichen Möglichkeiten der Bühnenkunst aus und konzipiert mit Musik von Puccini, Verdi, Wagner, Strauss, Offen­bach und Nat King Cole eine vielstimmige Liebeserklärung an die Oper. Unter musikalischer Leitung von Wolfgang Wiechert kommt sie am 2. Oktober in Düsseldorf und am 26. November in Duisburg zur Premiere.

Opernbesucher treffen in der kommenden Spielzeit auf Protagonisten, die Nähe suchen und doch nicht zueinander finden können: Die Essenz der großen Liebesgeschichte von „Romeo und Julia“ kommt in einer Kammeroper von Boris Blacher auf die Bühnen in Duisburg (6. November) und Düsseldorf (19. Dezember). Richard WagnersTristan und Isolde“ lässt sich in einer intimen Bearbeitung von Eberhard Kloke für die Deutsche Oper am Rhein realisieren. Mit Weltklasse-Solisten wie Michael Weinius (Tristan), Linda Watson (Isolde) und Hans-Peter König (König Marke) bringen Generalmusikdirektor Axel Kober und Regisseur Dorian Dreher das große Liebesepos an drei aufeinanderfolgenden Abenden zur Premiere in Düsseldorf (3.?6. Dez.) und Duisburg (17.–19. Dez.).

Für Bühnenkunst, die unter widrigsten Umständen entstanden ist, steht „Der Kaiser von Atlantis“, Victor Ullmanns vielschichtige Parabel über absolute Macht, Todesangst und ihre Überwindung. Ilaria Lanzino inszeniert den 1943-44 im Konzentrationslager Theresienstadt entstandenen Einakter. Generalmusikdirektor Axel Kober führt durch die Partitur, die als eindringliches Zeugnis des engagierten künstlerischen Widerstands gegen ein tyrannisches Unrechtsregime erhalten geblieben ist.

Die Musik des 20. Jahrhunderts ist im Spielplan stark vertreten: Der jüdisch-polnische Komponist Mieczys?aw Weinberg spielt in seiner komischen Oper „Masel Tov! Wir gratulieren!“ bissig-humorvoll mit seinen musikalischen Wurzeln. Als Reminiszenz an die großen Stars des Close-Harmony-Gesangs eröffnet der moderierte Konzertabend „Comedian Harmonists in Concert“ in beiden Städten die Opernsaison. Und für Familien mit Kindern ab 6 Jahren tut sich die Deutsche Oper am Rhein mit dem Düsseldorfer Marionetten­theater zusammen: Manuel de Fallas Kammeroper „Meister Pedros Puppenspiel“ kommt als hinreißendes Stück „Theater auf dem Theater“ in einer Live-Video-Inszenierung von Torge Möller (fettFilm) auf die Bühnen in Düsseldorf (7. November) und Duisburg (4. Dezember).

Überraschende Begegnungen mit dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein versprechen Chorkonzerte und musikalische Blind Dates, die konzertante Offenbach-Operette „Salon Pitzelberger“, der Belcanto-Abend „Viva l’italianità!“ und ein Silvester-Überraschungskonzert.


Ballett am Rhein


Demis Volpi übernimmt ab der kommenden Spielzeit als Ballettdirektor die Leitung des Balletts am Rhein von Martin Schläpfer. Mit seinem Team aus Ballettmeister*innen und Dramaturg*innen stellt er ein Programm vor, das eine Brücke schlägt zwischen Kontinuität und Erneuerung, vertraute Fäden aufnimmt und eigene Sichtweisen zeigt. Auch die Compagnie mischt sich neu: Gut ein Drittel der derzeitigen Tänzer*innen begibt sich mit Demis Volpi auf neue Wege, hinzu kommen 27 Tänzer*innen aus anderen großen Compagnien und erstklassigen Schulen.

Demis Volpis erstes Programm heißt „A First Date“ und ist – wie der Titel verrät – dem gegenseitigen Kennenlernen gewidmet. In drei inhaltlich eigenständigen Episoden tanzt die Compagnie Ausschnitte aus Volpis bisherigen Arbeiten und präsentiert dessen erste Miniatur-Uraufführung mit dem Ballett am Rhein. Mario Galizzi und José Limón stellen ebenso wie Aszure Barton und Andrey Kaydanovskiy mit kurzen Kreationen weitere Handschriften vor, die das künstlerische Profil des Ballett am Rhein prägen werden. Die erste Episode aus „A First Date“ hat in Düsseldorf am 11. September und in Duisburg am 18. September Premiere.

Um das oft unsichtbare Phänomen der Vereinsamung in einer medial eng vernetzten Welt geht es in „Far and near are all around“ – übersetzt etwa „Umgeben von Ferne und Nähe“. Juanjo Arqués, seit 2016 als Young Creative Associate für das Het Nationale Ballet Amsterdam tätig, wagt mit seiner ersten Kreation für das Ballett am Rhein einen Blick hinter scheinbar schützende Fassaden. Die zweite Uraufführung des Abends choreografiert Demis Volpi zu Caroline ShawsPartita for 8 Voices“. Premiere in Düsseldorf ist am 15. Oktober, am 30. Oktober kommt das Programm auf die Duisburger Bühne.

Als „Entfernte Verwandte“ offenbaren sich Hans van Manen und Sharon Eyal erst auf den zweiten Blick. Es ist nicht ihr Stil, sondern ihr Bekenntnis zur Präzision, zur akkuraten, kompromisslosen Geste und ihre Verwurzelung im klassischen Ballett, die sie teilen. Mit „Dances for Piano“ und „Solo“ kommt Vertrautes auf die Bühnen in Düsseldorf und Duisburg, „Salt Womb“ indes ist das erste Stück der renommierten israelischen Choreografin, das vom Ballett am Rhein gezeigt wird. Am 13. November hat der Abend in Duisburg Premiere, am 20. November in Düsseldorf.

Die erste abendfüllende Uraufführung von Demis Volpi steht am 12. Dezember im Opernhaus auf dem Spielplan. Volpi ist ein Künstler, der von Erzählungen fasziniert ist und der in seinen Balletten mit Körpern und mit Bewegungen Geschichten erzählt. Für sein erstes Handlungsballett mit dem Ballett am Rhein setzt er sich mit einem Schauspiel auseinander.

Über Grenzen – Prometheus aus Licht“ heißt die Kooperation des Ballett am Rhein mit der Tonhalle Düsseldorf, die den Grundstein legt für weitere Zusammenarbeiten mit verschiedenen Kulturinstitutionen. Zu Beethovens „Die Geschöpfe des Prometheus“ entwickelt mit der jungen aufstrebenden Choreographin Virginia Segarra Vidal eine Künstlerin aus den eigenen Reihen ein Stück, zu dem die Medienkünstler Nick und Clemens Prokop (Trust Your Ears) den Raum mit einer spektakulären Lichtinszenierung bespielen.

Als weiteres Novum präsentiert sich der Vermittlungsbereich B*alle*tt am Rhein. Er lädt mit kreativen Angeboten Interessierte jeden Alters dazu ein, die Arbeit der Compagnie aktiv kennen zu lernen.


Das Spielzeitheft mit dem Programm von September bis Dezember 2020 ist ab 24. Juni im wiedereröffneten Opernshop Düsseldorf und an der Theaterkasse Duisburg erhältlich und online auf www.operamrhein.de zu finden (siehe https://www.operamrhein.de/de_DE/spielzeit-2020-21).

Für alle Vorstellungen sind schriftliche, telefonische und Online-Reservierungen möglich, die erst zu späteren Zeitpunkten in Buchungen umgewandelt werden können. So schafft die Deutsche Oper am Rhein die Voraussetzung, die Platzkapazität den jeweils geltenden Abstandsregelungen anzupassen.

Weitere Informationen: Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211-89 25 211), Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203-283 62-100), www.operamrhein.de.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Ein Freund, ein guter Freund – Robert Gilbert, IOCO Buchrezension, 16.04.2020

April 17, 2020 by  
Filed under Buchbesprechung, Hervorheben, Portraits

Ein Freund, ein guter Freund - Robert Gilbert © Ch. Links Verlag

Ein Freund, ein guter Freund – Robert Gilbert © Ch. Links Verlag

„Ein Freund, ein guter Freund – Robert Gilbert“

eine Biographie von Christian Walther – Ch. Links Verlag
978-3-96289-056-8 (ISBN)

von Kerstin Schweiger

Ein Wortartist zwischen Agitprop und Operette: Elegant spannte der Textdichter, Autor und Librettist Robert Gilbert das Seil zwischen den Buchstaben A und Z. Der 1899 in Berlin geborene Autor schrieb die Texte für Weltschlager wie „Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln geh‘n“, „Das gibt‘s nur einmal“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“. Aus seiner Feder flossen Operettenlibretti, Filmsongtexte und Drehbücher, Lyrik, Romanthriller, Kabaretttexte, aber auch politische Lieder und Gedichte, von Ernst Busch vorgetragen und Hanns Eisler vertont. Zum 120. Geburtstag von Robert Gilbert erschien im Herbst 2019 eine umfassende Biographie von Christian Walther im Ch. Links Verlag.

„Von Schopenhauer zum Gassenhauer“ –  Textdichter und Autor Robert Gilbert

Walther ist den Spuren Robert Gilberts u.a. nach München, Wien, Zürich und an Gilberts Schweizer Wohnort Minusio gefolgt und es ist ihm gelungen, sowohl die Person Robert Gilberts als auch die Texte des produktiven Berliners aus der Verborgenheit wieder ins rechte Licht zu rücken. Denn bisher gibt es in Berlin keine Gedenktafel oder einen Stolperstein für den jüdischen 1933 vertriebenen und in den 1950er Jahren nach Deutschland zurückgekehrten literarischen Tausendsassa.

Ein Lesevergnügen ist Walthers Buch obendrein, denn er lässt Gilbert selbst  zu Wort kommen mit Originalzitaten aus Briefen, Textzeilen seiner Schlager oder Lyrik und Prosatexten. Und wer hätte gedacht, dass der Erfolg des Musicals My Fair Lady in Deutschland nicht zuletzt auf der kongenialen Übersetzung von Robert Gilbert beruht. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ ist zum geflügelten Wort geworden. Und Christian Walther hat im Zuge seiner Recherchen gleich auch noch entdeckt, dass die beliebte Zeile wahrscheinlich sogar noch eine Co-Autorin hat, die bisher im Verborgenen blieb: Robert Gilberts Ex-Ehefrau Elke Gilbert erhält so hoch verdiente Aufmerksamkeit für ihre Übersetzertätigkeit. Gleichwohl Gilbert nach dem zweiten Weltkrieg aus den USA dauerhaft nach Deutschland bzw. in die Schweiz zurückgekehrt war und mit seiner Arbeit fast produktiver als vor der Emigration war, saß das Trauma der Verfolgung und Emigration tief. Als sich am 25. Oktober 1961 der Vorhang zur Deutschsprachigen Erstaufführung von My Fair Lady im Berliner Theater des Westens hob, war Gilbert, der als Übersetzer ins Deutsche verantwortlich zeichnete, nicht anwesend. Seine Bedenken – zwei Monate zuvor war die Mauer gebaut worden –  teilte er in einem Brief mit: „Warum soll ich mich in Gefahr begeben, der ich – in ähnlicher Weise – früher mal knapp entronnen bin“.

Aus dem Film „Die drei von der Tankstelle“ der Schlager „Ein Freund, ein guter Freund…“ mit Heinz Rühmann …, von Robert Gilbert
youtube Trailer von Rundfunker
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Gilbert, dessen Vater Jean Gilbert in Berlin als Kapellmeister und Operettenkomponist ganz groß herausgekommen war, hatte seine produktivste und erfolgreichste Zeit in den 1920er Jahren, bevor er 1933 – jüdischer Herkunft – in die Emigration gehen musste.

Geboren 1899 in der Warschauer Straße, kam Robert Gilbert 1918 in Kontakt mit dem revolutionären Spartakusbund, Flugblätter und ein „Waffenarsenal“ hortete er nach eigenen Angaben in seiner Wohnung. Stärkste Waffe des links orientierten Studenten war jedoch das Wort. So entstanden Agitproptexte für das „Rote Sprachrohr“, eine Gruppe von jungen Leuten, die mit Sketchen und Texten Kabarett machten. Dort begegnete er auch Hanns Eisler, der als Pianist dabei war. Für Eisler schrieb Gilbert Texte, die dieser vertonte.

Schnell war Gilbert gern gesehener Texter an anderen Kabaretts, die wie Pilze aus dem Nährboden der Umbruchszeit in der jungen Weimarer Republik schossen. Für Rosa Valletti und ihr Kabarett Größenwahn schrieb er Texte ebenso wie für Claire Waldoff („Warum liebt der Wladimir jrade mir“). Gilbert eroberte sich neben den Bühnen alle verfügbaren neuen Medien, von der Rundfunkkantate „Tempo der Zeit“ 1929 über Liedtexte und Drehbücher für den jungen Tonfilm, bis zur „Roten Roten Revue“, in der 1931 u.a. Ernst Busch, Helene Weigel und Blandine Ebinger mitwirkten.

Produktive Komponisten wie Robert Stolz, Friedrich Hollaender, Ralph Benatzky oder sein Lebensfreund Werner Richard Heymann, mit dem er ab 1930 seine bekanntesten Schlager u.a. für die Filme Die drei von der Tankstelle, Bomben auf Monte Carlo und die Comedian Harmonists schrieb („Ein Freund, ein guter Freund“, „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“, „Irgendwo auf der Welt“, „Das ist die Liebe der Matrosen“) rissen ihm die Texte aus der Hand, um die Bedürfnisse des Schlagermarkts für Filme, Revuen und Kabaretts zu bedienen. 1930 hat auch Benatzkys Im weißen Rössl Premiere, Gilbert wird in letzter Minute dazu geholt und textet alle Lieder neu. Obendrauf komponiert und steuert er den Hit „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ zum Sensationserfolg bei.

Der Schlager „Liebling, mein Herz läßt dich grüßen …“ mit Lilian Harvey und Willy Fritsch, von Robert Gilbert
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David Robert Winterfeldt lautetet der eigentliche Name des Textgenies, das sich das populäre, weltläufige und französisch anzusprechende Pseudonym Gilbert seines erfolgreichen Vaters ebenfalls zu eigen machte, schrieb auch unter dem Namen David Weber. Zum Beispiel das sozialkritische Stempellied 1929 in der Katakombe aufgeführt, für das Hanns Eisler die Musik schrieb und mit dem Gilbert unter dem Pseudonym David Weber die sozialen Verhältnisse analysierte und in zynische, Dialekt gefärbte Worte fasste. „Äußerst schnell schafft die Gesellschaft Menschen auf den Müll“.

Selbstreflektiert sah Gilbert später die Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre als seine Wandlung vom „Von Schopenhauer zum Gassenhauer“ aus finanzieller Notwendigkeit.  Der zynische Bänkelsänger konnte auch „lieb“, wenn es um den Broterwerb ging.

1933 wurde es für den jüdischen Kommunisten Gilbert und seine Familie höchste Zeit, das Land zu verlassen. Über Wien und Paris gelangte er in die USA. Er arbeitete dort unter Pseudonym weiter, publiziert in Exilblättern wie der Neuen Weltbühne seine Lieder wurden auch in Deutschland gespielt. Der Start in den USA ist schwer, doch Gilbert streckte die Fühler in alle Richtungen aus, Film, Broadway, Emigrantentheater, Operette. Hitlers erklärte Lieblingsoperette macht auch vor dem Broadway nicht halt. Für Robert Stolz‘ Produktion der Lustigen Witwe schrieb Gilbert Extra-Verse. Lyrik hieß das Medium seiner Selbstreflexion im Exil. In den USA erschien ein Gedichtband quasi im Selbstverlag, besprochen in der Emigrantenzeitschrift Aufbau: „Das lyrische Tagebuch eines Autors, der es fertig gebracht hat, mitten im Steinmeer von Manhattan Berliner Dialektgedichte zu schreiben“.

Was kann der Siegismund dafür, dass er so schön ist, gesungen von Max Hansen, von Robert Gilbert
youtube Trailer von jonjamg
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Kurz nach seiner Einbürgerung in den USA endete der Krieg und Gilbert ging 1949 in die Schweiz. Beispielhaft beginnt er einen Kampf um Rückübertragung mit Behörden und der GEMA, denn die von ihm genutzten Pseudonyme waren nicht be- bzw. anerkannt. Im Vergleich mit anderen Rückkehrern fasste Gilbert arbeitsmäßig schnell wieder Fuß. Er schrieb für Bühne, Film und Kabarett. Texte entstanden für eine Neuverfilmung von Im weißen Rössl und für den Film Alraune mit Hildegard Knef. Hier knüpfte Gilbert auch an die Zusammenarbeit mit Werner Richard Heymann an, der für den Film die Musik beisteuerte. Vielleicht war es Hannah Arendt die Gilbert in Anlehnung an Mozarts erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Autor Lorenzo Da Ponte als „Da Ponte“ ´Heymanns bezeichnete. Denn eng und langjährig befreundet war Gilbert seit den frühen 1920er Jahren mit dem Publizisten Heinrich Blücher und später auch mit dessen Ehefrau Hannah Arendt. Die Philosophin und Autorin verfügte sogar, dass Gilberts Schlager „Das ist die Liebe der Matrosen“ aus der Filmoperette Bomben auf Monte Carlo 1975 auf ihrer Beerdigung gespielt werden sollte. Herzenstreuer kann Freundschaft nicht sein. Unter der populären Oberfläche von Gilberts Text zu Werner Richard Heymanns Superschlager „Ein Freund, ein guter Freund“ („Die drei von der Tankstelle“) lag ein authentischer, integrer und menschlicher Kern.

„Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines Stückchen Glück“, ein Freund, ein guter Freund“ oder „Das ist die Liebe der Matrosen“. Mit „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“: Gilberts Lebensgeschichte changiert selbst zwischen Operette und knallharter Realität, tragikomisch mit Berliner Schnoddrigkeit weggelacht. In Buchstaben gegossen zwischen Berlin und New York, Karriere und Exil, Erfolg und Klinkenputzen am Broadway, Polit-Ballade und Musical. Sein Text-Talent und eine künstlerische Resilienz haben den Zeit- und Ideologiegraben der ausgelassenen toleranten Weimarer Republik zum Film, Kabarett und Theater der Nachkriegszeit mühelos überwunden. Max Raabe, bekannter Interpret von Gilbert-Texten, benennt die Treffsicherheit von dessen Texten im Vorwort des Buches: „Sie nehmen sich zurück, doch man erahnt die Klugheit hinter ihren Versen. Denn in dieser scheinbaren Mühelosigkeit steckt natürlich viel Arbeit“.

Und für Christian Walther scheint „gerade ein Teil der politischen Lyrik hochaktuell, die Liedtexte haben sich ohnehin weitgehend als immergrün erwiesen“. Er fand den „Spagat von Revolution und Unterhaltung, den Wandel von Kommunist zu Antikommunist, die erzwungene Wanderung von Berlin durch die Stationen des Exils bis schließlich in die letzte Heimat, ins Tessin“ in der Lebensgeschichte von Robert Gilbert besonders spannend.

Der Band Ein Freund, ein guter Freund ist mehr als eine Biographie. Gilberts Texte, insbesondere mit der Musik von Werner Richard Heymann, seinem Lieblingsfreund und Komponisten, sind bis heute präsent. Es ist das Verdienst von Christian Walther, die Texte in den zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen und ihrem Autor im Spiegel der Zeitgeschichte einen verdienten Platz in der Geschichte des Unterhaltungssektors im 20. Jahrhunderts zuzuweisen.

—| IOCO Buchbesprechung |—

Mainz, Staatstheater Mainz, Spielplan 2020/21

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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Spielplan 2020/21

Eigentlich sollte in diesen Tagen das frisch gedruckte Jahresheft mit dem Spielplan für 2020/21 vorliegen, den wir Ihnen wie üblich in einer Pressekonferenz vorgestellt hätten. Eigentlich. Denn nun haben wir den Druck vorerst gestoppt. Da wir nicht wissen, wann wir wieder spielen können, ist eine sinnvolle Terminplanung der kommenden Saison noch nicht möglich. Stattdessen operieren wir mit unterschiedlichen Szenarien (Spielbeginn im späten Frühling, kurz vor den Ferien oder erst nach den Ferien), jede Verschiebung hat weitreichende Auswirkungen auf den Probenplan, die Disposition, die Verfügbarkeit der künstlerischen Teams — ein Mehrspartenhaus ist ein kompliziertes Gebilde.

Denn was wir spielen wollen, haben wir gemeinsam mit
Generalmusikdirektor Hermann Bäumer, mit den
Kolleg*innen in der Dramaturgie und der Tanzdirektion
in den letzten Monaten entworfen – und das hat natürlich
weiter Bestand.

SCHAUSPIEL
Manches im Spielplan bekommt vor der Folie der aktuellen Lage eine zusätzliche, schärfer konturierte Dimension. Wir erleben gerade, dass ein politischer und gesellschaftlicher Diskurs komplett unter dem Mandat der gesundheitlichen Fürsorge stattzufinden hat. So vernünftig das ist — es erstickt die Stimmenvielfalt, von der Demokratien leben. Zeitgleich scheint sich Europa zu verabschieden, die Nationen ziehen sich auf sich selbst zurück und Autokraten nutzen die Gunst der gefährlichen Stunde. Der Begriff der Nation ist ein wichtiges Motiv im Schauspielplan 20/21, ebenso wie Texte, die sich mit einem Ausnahmezustand, sei er gesellschaftlich oder privat, auseinandersetzen — denn natürlich hat sich die dramatische Literatur immer für diesen besonders interessiert. Unser Alltag fühlt sich derzeit an wie eine einzige große Ausnahme, das gesellschaftliche Leben ist zum Stillstand gekommen.

Für eine Gesellschaft von Individualisten, die gewohnt sind, über alles und vor allem über sich selbst frei verfügen zu können, und diesen Zustand zumindest unbewusst für unerschütterlich hielten, bedeutet das einen kulturellen Schock. Dabei vergessen wir, dass zumindest die Alten und Älteren unter uns sich noch an eine Welt im Ausnahmezustand erinnern können. Im Jahr 2020 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal, im Jahr 2021 die Reichsgründung zum 150. Mal. Zwei grauenhafte Kriege, Teilung und Wiedervereinigung — manche einschneidenden Ereignisse werden langsam aber sicher zu bloßen historischen Fakten, die an die Stelle von persönlichen Erinnerungen treten. Die Zeitzeug*innen der Kriegs- und Nachkriegszeit werden immer weniger, lange können wir sie nicht mehr befragen.

Also versichern wir uns im Schauspielplan der kommenden Saison der Zeugenschaft in der Literatur — Autor*innen insbesondere des 20. Jahrhunderts, die als literarische Chronist*innen ihrer Zeit für uns wertvoll sind. Denn wir spüren gerade in überfordernden Zeiten wie diesen, dass es hilfreich für die Gegenwart und erst recht für den Entwurf von Zukunft ist, die Vergangenheit nicht zu vergessen.

Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Anna Seghers, Rainer Werner Fassbinder, Franz Xaver Kroetz sind solche Autor*innen, deren Werke wir aus genanntem Grund auf den Spielplan gesetzt haben. So unterschiedliche Töne sie anschlagen, ist ihnen zugleich gemein, dass sie sich in einer Poetik der kritischen Zeitgenossenschaft bewegen, ihre Texte mischen sich ein, beziehen Partei, sind kämpferisch, sprachmächtig und wirkungsvoll. Mutter Courage (Regie: K.D. Schmidt), Der Untertan (Regie: Christoph Frick), Transit (Regie: Brit Bartkowiak),

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Regie: Pauline Beaulieu) und Nicht Fisch nicht Fleisch (Regie: K.D. Schmidt) und viele andere Stücke erzählen davon, was die gesellschaftlichen Bedingungen ganz konkret für die Figuren bedeuten, ihre Geschichten werden von und mit der Geschichte geschrieben — und umgekehrt. Ihre fiktiven Biografien wurzeln zugleich im Boden der sehr speziellen deutschen Historie. Das kann übrigens auch bei aller (oder vielleicht wegen aller) Realitätsspiegelung ausgesprochen komisch sein, wie in Sven Regeners Herr Lehmann in einer Inszenierung von Jule Kracht. Sprachmächtig und zugleich ein Spiel mit der Macht — und der Gewalt — der Sprache ist Friedrich Schillers Kabale und Liebe, das unser neuer Hausregisseur Alexander Nerlich im Großen Haus inszenieren wird.

Außerdem gehen wir Projekte an, die sich noch konkreter mit der deutschen Geschichte beschäftigen — die natürlich immer Teil der europäischen Geschichte ist. Der flämische Autor Stijn Devillè schreibt in unserem Auftrag ein Stück, das sich mit dem Versailler Vertrag und seinen Folgen auseinandersetzt, Hans Werner Kroesinger, bekannt für seine Theaterrechercheprojekte, wird sich künstlerisch dem Westwall widmen und Ensemblemitglied Denis Larisch der immer noch nicht überwundenen Fremdheit zwischen Ost und West.

Damit soll im Staatstheater Mainz auch für Künstler* innen der Raum geschaffen werden, neue Texte zu entdecken und zu entwickeln, Freiräume, in denen Autor*innen, Regisseur*innen und Ensemblemitglieder gemeinsam etwas ganz Neues schaffen — fünf Uraufführungen sind 20/21 im Schauspiel zu erleben.

MUSIKTHEATER
Die Eröffnungspremiere der Oper entstand genau in der Umbruchszeit der Reichsgründung, ihre Uraufführung 1873 wurde wegen der Wirtschaftskrise („Gründerkrach der Börsen“) mehrfach verschoben —

Die Fledermaus
von Johann Strauß wurde also geboren in einer Ausnahmesituation, womit wir wieder beim Thema wären. Die Sehnsucht nach kluger Unterhaltung wird bei uns durch die verordnete Vereinzelung unserer Zeit befeuert und so ist der Saisonstart mit einem rauschhaften Champagnerwerk Grund zur Vorfreude, die Produktion entsteht in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg und der Opéra National du Rhin, die musikalische Leitung liegt bei Daniel Montané, es inszeniert Waut Koeken.

Danach wird es in der Opernsparte zeitgenössisch: Wie schon mit Perelà widmet sich das Staatstheater der Deutschen Erstaufführung einer französischen Oper. Entstanden 1937, ist dieses ungewöhnlicher Weise von zwei Komponisten (Arthur Honegger und Jacques Ibert) gemeinsam geschaffene Werk eine einzigartige Mischung aus Walzerklängen, Revolutionsliedern und französischer Musiksprache. L‘Aiglon ist eine Auseinandersetzung mit der grausamen Realität des Krieges — erzählt über die Geschichte des Sohnes von Napoleon, dessen Herrsch- und Kriegslust jäh stirbt, als er die Stimmen der Gefallenen hört. Generalmusikdirektor Hermann Bäumer steht am Pult, die Regie liegt in den Händen von Anselm Dalferth.

Neben zwei eher seltener gespielten Werken von Giuseppe Verdi (Ernani — Musikalische Leitung: Daniel Montané, Inszenierung: Barbora Horáková Joly) und Wolfgang Amadeus Mozart (La finta giardiniera — Musikalische Leitung: Christian Rohrbach, Inszenierung: Cordula Däuper) ist — wie im Schauspiel — auch das Programm der Oper 2020/21 geprägt durch Künstler* innen des 20. und 21. Jahrhunderts: Wolfgang Rihm, Claude Vivier sowie Isabel Mundry. Rihms Die Eroberung von Mexico werden im Großen Haus zu erleben sein und wir freuen uns auf ein Wiedersehen — und hören mit Robert Houssart als Dirigent und Elisabeth Stöppler als Regisseurin. Einem anderen Eroberer folgen wir an einen auch für uns neuen Ort: Claude Viviers Marco Polo wird in den noch leeren Räumen des neuen Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (RGZM) Premiere haben (Musikalische Leitung: Hermann Bäumer, Inszenierung: Stefanie Hiltl). Im Dickicht von Isabel Mundry und Händl Klaus ist eine Uraufführung in Koproduktion mit den Schwetzinger SWR Festspielen, musikalisch geleitet von Samuel Hogarth und inszeniert von David Hermann.

Mit einem großen Werk des 19. Jahrhunderts stellt sich der neue Hausregisseur im Schauspiel, Alexander Nerlich, auch in der Oper vor: Carl Maria von Webers Der Freischütz gilt als der Inbegriff der romantischen Oper — und doch sind die Themen Glaube und Aberglaube, sozialer Druck und Versagensangst so weit weg nicht von unseren heutigen Nöten. Das Philharmonische Staatsorchester dirigiert Hermann Bäumer.

TANZ
Für tanzmainz stellt sich die Frage nach der Entstehungszeit der Werke weiterhin nicht, denn die erfolgreiche Tanzsparte wird als „Place of Creation“ auch weiterhin grundsätzlich originäre Werke erschaffen. Dafür aber stellt sich in allen Produktionen eine andere im Wortsinne existenzielle Frage – nämlich die nach der Identität. Ikarus will in der Choreografie von Felix Berner herausfinden, wie nah man denn nun der Sonne kommen kann — also: wie viel Risikobereitschaft es braucht, damit man über sich hinauswächst. The Cell des taiwanesischen Choreografen Po-Cheng Tsai bleibt nah am Menschen, an seinen vielen Facetten, die in einer Persönlichkeit miteinander ringen — dabei verbindet er zeitgenössischen westlichen Tanz, Urban Dance und asiatische Bewegungstraditionen. Koen Augustijnen und Rosalba Torres Guerrero sind seit ihrer gefeierten Produktion Hochzeit in Mainz keine Unbekannten mehr. Inspiriert von Igor Strawinskys Musik und gemeinsam mit dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz suchen sie in Le Sacre nach heutigen Entsprechungen des ungezügelten bäuerlichen Lebens — und werden fündig in der Subkultur des Londoner Nachtlebens.

Vor der aktuellen Kulisse einer nie dagewesenen gesellschaftlichen und sozialen Abstinenz erscheint diese Feier der Freiheit fast schon wie ein utopisches Moment. wannabee (not) me von Willi Dorner ist die zweite Produktion des Staatstheaters für die neuen Räume des RGZM – eine Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit, mit der Suche nach dem eigenen Ich. Und mit Sphynx, der Uraufführung von Rafaële Giovanola, sind wir schließlich bei all dem Rätselhaften angelangt, das uns ausmacht und das sich im Bewegungsuniversum von uns Menschen ausdrückt — eine Einladung zum Perspektivwechsel.

JUSTMAINZ
Selbstverständlich erwartet auch Kinder und Jugendliche 2020/21 wieder ein voller Spielplan. Gleich zwei Familienstücke stehen auf dem Programm: Timm Thaler im Kleinen Haus und im Großen Haus Die Bremer Stadtmusikanten. Dazu kommen Produktionen aller Sparten auf allen Spielstätten — unter anderem mit dem Kindermusiktheater Wunderland und der oben bereits genannten Tanzproduktion Ikarus. Auch wenn wir nicht wissen, wann wir wieder spielen können: Sicher ist, dass die Premieren, die in diesen Wochen ausfallen — von dem Musiktheater Al gran sole carico d’amore, das wir wenige Stunden vor der Premiere absagen mussten, über das Schauspiel Tage des Verrats bis zur Tanzuraufführung Welcome Everybody, dessen Titel gerade unangenehm ironisch klingt, nachgeholt werden, wenn nicht in dieser, dann in der nächsten Spielzeit!

BIS BALD
… steht seit fast vier Wochen auf einem Banner am Großen Haus des Staatstheaters. Ein leeres Theater ist ein Unort. Und für uns bedeutet es eine Zerreißprobe, gerade jetzt nicht gegen das anspielen zu können, was um uns herum geschieht. Wenn Meinungsfindung ausschließlich im Netz und in den Medien stattfindet, fehlt eine wichtige Dimension. Die kulturelle ebenso wie die politische Versammlung sind ein wichtiges gesellschaftliches Korrektiv, seit der antiken Agora ist die Kraft der Versammlung integraler Bestandteil der Demokratie. Und wir brauchen Theater, brauchen eine andere als die rein faktische Ebene, wollen uns an die Fersen von Figuren heften, die uns fiktives Erfahrungswissen voraushaben, wollen uns in den Stoffen aus allen Jahrhunderten abgleichen mit dem, was gedacht, erlebt und gedichtet wurde.

Die Perspektive zurück auf die Entstehung einer Nation und ihre wechselhafte Geschichte, die wir vor allem im Schauspiel 2020/21 einnehmen, führt uns zu der Frage, was wir heute daraus machen. Wie gestalten wir Gesellschaft in einer Zeit, in der Soziologen uns als selbstinszenierungssüchtige Singularitäten beschreiben? Und wie wird unsere Welt nach diesem Ausnahmezustand, in dem wir soziale Distanz verordnet bekamen, aussehen? Sicher ist: Wir werden wieder spielen und wir werden das Theater brauchen, wenn wir bald, hoffentlich sehr bald, auf diese Zeit zurückblicken.


Spielzeit 20/21


Premieren 2020/21

Die Fledermaus
Johann Strauß
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Daniel Montané
Inszenierung: Waunt Koeken
In Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg
und der Opéra national du Rhin

Die bitteren Tränen der Petra von Kant
Rainer Werner Fassbinder
Schauspiel, U17
Inszenierung: Pauline Beaulieu
Eine Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville de
Luxembourg

Herr Lehmann
Sven Regener
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Jule Kracht

Grenzenlos Kultur
Inklusives Theaterfestival
Kleines Haus, U17 und andere Spielstätten

Kabale und Liebe
Friedrich Schiller
Schauspiel, Großes Haus
Inszenierung: Alexander Nerlich

Sensemann & Söhne (UA)
Jan Neumann
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Jan Neumann
In Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater
Weimar

L’Aiglon (DE)
Arthur Honegger, Jacques Ibert
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Anselm Dalferth

Ikarus (UA)
Felix Berner
Tanz, U17
Choreografie: Felix Berner

Die Bremer Stadtmusikanten
Marc Becker nach den
Gebrüdern Grimm
Schauspiel, Großes Haus
Inszenierung: Marc Becker

The Cell (UA)
Po-Cheng Tsai
Tanz, Kleines Haus
Choreografie: Po-Cheng Tsai

Nicht Fisch nicht Fleisch
Franz Xaver Kroetz
Schauspiel, U17
Inszenierung: K.D. Schmidt

Der Freischütz
Carl Maria von Weber
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Alexander Nerlich

Transit
Anna Seghers
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Brit Bartkowiak

Die Eroberung von Mexico
Wolfgang Rihm
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Robert Houssart
Inszenierung: Elisabeth Stöppler

Wunderland
Anno Schreier
Oper, U17
Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner

Fastnachtsposse
Großes Haus

Der Widerspenstigen Zähmung
William Shakespeare
Schauspiel, U17
Inszenierung: Stephanie van Batum

Mutter Courage und ihre Kinder
Bertolt Brecht
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: K.D. Schmidt

Le Sacre (UA)
Koen Augustijnen & Rosalba Torres
Guerrero
Tanz, Großes Haus
Choreografie: Koen Augustijnen und
Rosalba Torres Guerrero
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer

Ernani
Giuseppe Verdi
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Daniel Montané
Inszenierung: Barbora Horáková Joly

AufSichtBeton (UA)
Denis Larisch
Schauspiel, Orchestersaal
Ein Projekt von Denis Larisch

tanzmainz festival #4
Großes Haus, Kleines Haus, U17

Marco Polo
Claude Vivier u. a.
Oper, RGZM
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Stefanie Hiltl

Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen
James Krüss
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Asl? K?slal

La finta giardiniera
Wolfgang Amadeus Mozart
Oper, Großes Haus
Musikalische Leitung: Christian Rohrbach
Inszenierung: Cordula Däuper

Einfache Leute (UA)
Anna Gschnitzer
Schauspiel, U17
Inszenierung: Alexander Nerlich

wannabee (not) me (UA)
Willi Dorner
Tanz, RGZM
Choreografie: Willi Dorner

Sphynx (UA)
Rafaële Giovanola
Tanz, Kleines Haus
Choreografie: Rafaële Giovanola

Westwall (UA)
Hans Werner Kroesinger
Schauspiel, U17
Text, Konzept: Regine Dura, Hans-Werner Kroesinger
Inszenierung: Hans-Werner Kroesinger

Im Dickicht (UA)
Isabel Mundry, Händl Klaus
Oper, Kleines Haus
Musikalische Leitung: Samuel Hogarth
Inszenierung: David Hermann
Eine Koproduktion mit den Schwetzinger SWR Festspielen
Theaterclubs
U17

Der Untertan
Heinrich Mann
Schauspiel, Kleines Haus
Inszenierung: Christoph Frick

Wiederaufnahmen Oper

Al gran sole carico d’amore
Luigi Nono
Großes Haus

Carmina Burana
Carl Orff
Großes Haus

Comedian Harmonists
Gottfried Greiffenhagen und
Franz Wittenbrink
Kleines Haus

Das Kind der Seehundfrau
Sophie Kassies,
Robin Schulkowsky
U17

Das Tal der Ahnen (UA)
Eine imaginäre Prärie mit Werken von
Henry Purcell, Franz Kafka, Frank
Zappa u. a.
Filiale

Fish Forward (UA)
Musiktheater mit Werken
von Hogarth, Beethoven und Böll
Kleines Haus

Klangjäger
nach einer Idee des Theaters
Pilkentafel
Mobil (Klassenzimmerstück)

Manon Lescaut
Giacomo Puccini
Großes Haus

The Producers
Mel Brooks und Thomas Meehan
Großes Haus

Zweieinander (UA)
Anselm Dalferth,
Ina Karr, Birgit Kellner,
Johannes Stange, Joss Turnbull

Wiederaufnahmen Schauspiel

Aggro Alan (DSE)
Penelope Skinner
Filiale

Der Bärbeiß
Annette Pehnt
U17

Die Physiker
Friedrich Dürrenmatt
Kleines Haus

Drei Schwestern
Anton Tschechow
Kleines Haus

Hexenjagd
Arthur Miller
Kleines Haus

Krabat
Otfried Preußler
Kleines Haus

Nachts (bevor die Sonne aufgeht) (DSE)
Nina Segal
Filiale

Sophia, der Tod und ich
Thees Uhlmann
Filiale

Tage des Verrats (DSE)
Beau Willimon
Kleines Haus

Was denn da fehlt oder Wie ich im Datingportal Foucault kennen lernte (UA)
Vincent Doddema
Filiale
Wer werden (UA)
Hannah Biedermann
U17

Werther
nach Johann Wolfgang von Goethe
Großes Haus

Wiederaufnahmen Tanz

kreuz&quer (UA)
Felix Berner
Glashaus

Popcorn (UA)
Andreas Denk
U17

Soul Chain (UA)
Sharon Eyal
Kleines Haus

Welcome Everybody (UA)
Pierre Rigal
Großes Haus

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—

München, Deutsches Theater, Berlin Berlin – Show der goldenen zwanziger Jahre, IOCO Kritik, 25.01.2020

Deutsches Theater München © Robert Goetzfried

Deutsches Theater München © Robert Goetzfried

Deutsches Theater München

Berlin Berlin  –   Show about the Roaring Twenties

 Deutsches Theater München

von Daniela Zimmermann

Die große Show der Goldenen Zwanziger Jahre: direkt aus dem Admiralspalast von Berlin nach München ins Deutsche Theater. Das Deutsche Theater München ist erste Adresse für Entertainment auf höchstem Niveau und Musical-Haus der bayerischen Landeshauptstadt. Aber auch Konzert, Tanzshow und Revue gehören zum Programm des größten Gastspielstheaters in Deutschland.

In den goldenen 20er Jahren der Autorin dieser Rezension war das Deutsche Theater München die große Faschingshochburg: aufwendige Dekorationen zierten traumhafte Faschingsfeste und große Bälle. Seit seiner Eröffnung in 1896 war das Deutsche Theater ein  vielseitiger Unterhaltungspalast. 1943 zerstörten die Bomben das schöne Theater; notdürftig repariert wurde es bereits 1951 wiedereröffnet. 2009 wurde dann 5 Jahre aufwendig saniert; seit 2014 ist das Deutsche Theater gesuchte Spielstätte für anspruchsvolle Musicals, Shows, Konzerte und Varieté.

Berlin Berlin – The roaring Twenties
youtube Trailer der BB Promotion
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Der Admiralspalast Berlin ist  das  Pendant zum Deutschen Theater München. Im art-déco Stil, 1910 erbaut. Als lebensfroher Vergnügungsort, war der Admiralspalast in den 20er Jahren heißer Treffpunkt der Berliner Szene. Dort ging, berlinerisch ausgedrückt, die Post ab. 100 Jahre sind seither vergangen. Heute bewegen wir bewegen uns wieder in den 20ern und hoffen wieder auf die Aufbruchsstimmung von damals, die so viel Kreativität, Freizügigkeit und pure Lebensfreude freisetzte.

BB Entertainment inszenierte die Revue Berlin Berlin; eine Eigenproduktion in Zusammenarbeit mit dem Admiralspalast Berlin. Dort, wurde Berlin Berlin im Dezember 2019 uraufgeführt. An das Deutsche Theater München kam die Show mit  großzügig besetztem Ensemble, Live Band und schönen Requisiten der 20er Jahre: Geschrieben von Christoph Biermeier. Vollbepackt mit 31 mitreißenden Liedern, fast alle aus den 20ern, alle so bekannt, dass man frohgesinnt mitsingen möchte:. „Bei mir bist Du schön“, „Im weißen Rössel am Wolfgangsee“, „Veronika der Lenz ist da“,  die Moritate von Mackie Messer und mehr.  Hinreißend präsentiert von Sebastian Prange der Lach Foxtrott. Die Revue bezieht dabei oft auch das Publikum ein und sorgt so für wunderbare Stimmung unter den Besuchern. Berlin in den Jahren von 1920: Es ist froh und pulsiert mit voller Lebenskraft.

Die Handlung: Ein Admiral a.D. (Martin Bermoser) lädt in den Admiralspalast und fungiert als Conférencier. Als solcher führt er in das verruchte Berliner Leben ein. Anfangs wenig schmissig gewinnt die Revue dann an Fahrt:  Es wird gekokst, natürlich fließt der Champagner reichlich, auf der Bühne herrschen Glanz und Glamour. Ein illuminierter vielfältig genutzter Aufgang wird ebenfalls Teil hinreißender Showeinlagen

Wir begegnen dabei, wie sollte es anders sein, bekannte Menschen, welche die 20er Jahre von damals mitgeprägten. Im Admiralspalast treffen sich alle: Beroldt Brecht und Kurt Weill,  wie sie noch schnell einen Hit zu Papier bringen. Anita Berber, verkörpert von Sophia Euskirchen, ist hemmungslos und frivol. Ihr Solo Cabaret ist ein Höhepunkt der Revue. Die Songs Cabaret und Money wurden zwar erst 1966 geschrieben,  passten aber so gut in diese Zeit, dass sie in die Berlin Berlin Revue aufgenommen wurden.

Ein Symbol der Zeit ist Marlene Dietrich: lasziv, sexy  mit ihrer rauchigen Stimme. Nina Janke wirkt in dieser Rolle etwas steif, auch fehlt ihr das spezielle Dietrich Timbre in den berühmten „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Die Dietrich war eben einmalig. Doch Kutte, ein Berliner Junge (Sebastian Prange) ist in vielen kleinen Auftritten und mit perfektem Berlinerisch stets humorig präsent. Mit seinem Lach Foxtrott fliegen ihm alle Herzen im Publikum zu. Er besorgt auch für die spezielle Berliner Atmosphäre.

Deutsches Theater München / Berlin Berlin - Revue über die roaring Twenties hier Dominique Jackson als Josephine Baker © Christian Kleiner

Deutsches Theater München / Berlin Berlin – Revue über die roaring Twenties hier Dominique Jackson als Josephine Baker © Christian Kleiner

Einen großen Auftritt nach der Pause begeisterten die Comedian Harmonists mit mehreren ihrer bekannten Lieder.“ Mein kleiner, grüner Kaktus“,  „Veronika, der Lenz ist da“ und mehr. Das tanzende Ensemble stets in authentischen Kostümen: Viel Glitzer, Pailletten, Franzen, Federn, kurze Röcke oder noch weniger sorgten für das 20 Jahre Flair. Und dazu, Schlag auf Schlag, Musik in den Rhythmen der Zeit. Jazz frisch importiert aus Amerika, Foxtrott und vor allem der Charleston.  Strümpfe mit Strapsen und die Zigaretten mit den eleganten Zigarettenspitzen. Bubiköpfe, das Charleston Kleid und  Perlen. Hier stimmt die Choreografie, ist perfekt.

Josephine Baker, perfekt dargestellt von Dominique Jackson im berühmt berüchtigten Bananenröckchen und glitzernden Perlenschnüren, wird zum Ende der Revue zu einem weiteren Höhepunkt des Abends. Sie war ein großer Star auch im damaligen Berlin. Dominique Jackson faszinierte, tanzte und sang als lasziv bekleidete Josephine Baker, mit  schwingenden Hüften. Doch dann endet alles: Brachial brechen die Nazis herein und beenden Traum und Mythos der 20iger Jahre. Eine große Hakenkreuzfahne fällt von oben herab auf die Bühne: Spaß und die Freiheit enden. Josephine Baker, bekommt im Deutschen Theater München Auftrittsverbot: Die hässliche braune Zeit bricht an.

Doch die Revue Berlin Berlin in München endet so nicht. Kutte, der Berliner Junge kommt noch einmal und bringt alle wieder in Stimmung mit seinem einmaligen Lach-Foxtrott.

Das Publikum war begeistert und hoffte, mögen doch die 20iger des 21. Jahrhunderts  ebenso „roaring“ werden wie die leider vergangenen….


Derzeit wird im Deutschen Theater München getanzt, aber kein Theater gespielt: Alle Jahr wieder verwandelt es sich immer Mitte/Ende Januar in Münchens größtes Ballhaus und wird zur prunkvollen Kulisse für glanzvolle Galas und rauschende Tanznächte. Die nächste Theaterpremiere steht dann am 5. März 2020 auf dem Programm, wenn mit Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street die gefeierte Neuinszenierung des Musical-Thrillers von Stephen Sondheim im englischen Original erstmals im süddeutschen Raum zu erleben ist.

Berlin Berlin auch in: ….  Köln, Düsseldorf und mehr ….  HIER!

Berlin Berlin – Die große Show der 20er Jahre – die im Dezember ihre Uraufführung am Admiralspalast Berlin erlebte – Premiere. Die Show wandert über viele Bühnen Deutschlands: Musical Dome, Köln: 21.1.-2.2.; Düsseldorf Capitol Theater 4.2. – 9.2.; Hamburg Kampnagel 11.2. – 16.2.; Stuttgart Theaterhaus 18.2. – 23.2.; Berlin Admiralspalast 15.12.2020 – 3.1.2021.

—| IOCO Kritik Deutsches Theater München |—

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