Berlin, Deutsche Oper Berlin, Tannhäuser – Richard Wagner, IOCO Kritik, 15.05.2019

Mai 15, 2019 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg

Emma Bell – Peter Seiffert – Stimmpracht und Intensität 

von Michael Stange

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Kirsten Harms Tannäuser Inszenierung, Premiere November 2008, von dessen Reise aus dem Venusberg über die Wartburg nach Rom und zurück, auf der Suche nach Liebe, Lust und Anerkennung, besticht auf leerer Bühne durch intensiv wirkende Kostüme und ihre unprovokante Erzählung der Minnesängermär.

Von oben werden schwebenden Figuren hinuntergelassen. Mit der Hebebühne werden starke Akzente gesetzt. Metallische Rüstungen und farbenfrohe Kostümpracht des 2. Aktes werden mit einem Kaleidoskop von Hintergrundbildern ergänzt. So werden Richard Wagners Intentionen eindringlich ohne tiefenpsychologische Deutung an der Deutschen Oper Berlin auf die Bühne gebracht.

Tannhäuser –  Richard Wagner
youtube Trailer Deutsche Oper Berlin
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Wagner Sternstunde an der Deutschen Oper Berlin

Zur Ouvertüre schwebt ein Ritter im Blau durch die Wolken. Venus liegt auf einem Podest. Ihren Nymphen tummeln sich nackt im Bad. Venus und Tannhäuser sind umgeben von Klonen der Liebesgöttin. Das Finale des 1. Aktes ist eine Berglandschaft über der groteske Teufelspuppen flattern. Die Jagdgesellschaft begegnet Tannhäuser in metallischen Rüstungen auf eisernen Pferden (Foto).

Der zweite Akt zeigt zunächst eine leere Bühne mit in der Höhe schwebenden Rittern. Der Wartburgsaal ist tribünenartigen angeordnet und zeigt die bunte und farbenprächtig kostümierte Wartburggesellschaft. Das Hebe- und Senkbühnenbild entfaltet im Finale des 2. Aktes die stärkste Wirkung. Der wegen des Aufenthaltes im Venusberg ausgestoßene Tannhäuser steht als Sinnbild seiner Sünden unter der über ihm auf der Hebebühne stehenden Wartburggesellschaft.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Im dritten Akt siechen die Pilger auf Krankenbetten und über ihnen schweben wiederum die bekannten eisernen Ritter. Kern des Interpretationsansatzes ist, Elisabeth als mitleidsvolle und mildtätige Frau darzustellen. Daher wird ihr im ähnlichen Kostüm die lüsternen Liebesgöttin Venus gegenübergestellt. Beide vereinen sich im Finale zu einer Person in der zwei Seelen wohnen.

Dieser Opernabend stand im Zeichen von Sängern, Chor und Orchester. Von ihnen gingen Glanz und Magie der Aufführung aus; sie konnten sich beglückend auf der Bühne entfalten.

Die Elisabeth des Abends Emma Bell begann ihre Karriere im Mozart Fach. Ihren Rang belegte sie schon als Gewinnerin des Kathleen Ferrier Preises. Im jugendlich -dramatischen Fach zählen Rollen wie Agathe in Freischütz, Leonore in Fidelio, Elsa in Lohengrin und Elisabeth zu ihrem Repertoire. Sie paart phänomenale Stimmschönheit mit stupender Gesangstechnik. Ihr honigfarbenes Timbre ergänzt sie mit impressionistischer vokaler Ausdruckspalette und einer phänomenalen leuchtend blühenden Höhe. In der Arie „Dich teure Halle..“ verband sie sehnsüchtige, innige Momente mit jubelnden Phrasen. Die Tongebung bei „Allmächtige Jungfrau..“ war verhalten innwendig und eindringlich klagend. Die gesamte gesangliche Gestaltung war von immenser Poesie und sängerischer Fulminanz geprägt. Als Venus leistete sie gleichfalls Beachtliches und überzeugte mit sinnlich sirrendem Ton.

Peter Seiffert war als Tannhäuser ein „unbegreifliches Wunder“. Seit Jahren ist er der weltweit führende Rollenvertreter. Aufgrund seiner stimmtechnischen Meisterschaft gelangen alle schwierigen Momente dieser mörderischen Partie scheinbar mühelos. An diesem Abend hat er aber selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Seine Stimme verfügt über ein nahezu baritonales Fundament und eine immense strahlende Höhe. Mit betörender Tongebung sang er phänomenale Übergange vom Piano über das Mezza voce bis zum Forte. Fließend, völlig frei, dramatisch packend gefärbt, mit interpretatorischer Tiefe und Anteilnahme gefüllt füllte sein Tenor wie gemalt den Saal der DOB. Zugleich war die Stimme unglaublich fokussiert.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Selbst im Piano kam sie mühelos über das Orchester und die hohen Töne waren von metallischem prachtvoll strahlendem Glanz. In der Venus-Szene war schon bei seinem Erwachen die Stimme völlig präsent. Der dramatische Ausbruch bei „Allmächtiger, Dir sei Preis..“ war innig aber zugleich mächtig und erschütternd. In den schnellen Läufen im Finale des 1. Aktes reihten sich seine Töne wie an einer Perlenkette auf.

Im Duett des zweiten Aktes gelangen Peter Seiffert und Emma Bell – auch dank des sängerfreundlichen Dirigats – unglaublich poetische, innige Momente. Die Gesänge an die Venus waren betörend intensiv und Peter Seiffert war selbst im Finale des zweiten Aktes stets hörbar und übertönte Chor und Orchester.

Die Romerzählung begann er fahl verhalten und steigerte sich in den Ausbrüchen zu immenser Größe. Neben der gesanglichen Gestaltung entwickelte er eine überwältigende emotionale Ausdruckskraft. Die Darstellung des Zerbrechens am eigenen Fehlverhalten und fehlender Vergebung gelangen ihm mit einer unter die Haut gehenden stimmlichen Wandlungsfähigkeit und Intensität.

Simon Keenlyside als Wolfram von Eschenbach war Tannhäuser ein ebenbürtiges Gegenüber. Mit seine dunkel gefärbtem, heldenbaritonalen Timbre und seiner wohlklingenden Stimme setzte er berührende Akzente. Seine Auftritte im 3. Akt gestaltete er tief empfunden mit beeindruckender Wortdeutlichkeit und prächtiger gesanglicher Gestaltung.

Albert Pesendorfer war ein Landgraf mit Autorität uns sonorem Bass. Clemens Bieber ein klangschöner Walther von der Vogelweide und Seth Carico ein wohlklingender Heinrich der Schreiber.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - Schlussapplaus © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – Schlussapplaus © Patrik Klein

Dem von Jeremy Bines fulminant einstudiertem Chor der Deutschen Oper paarte filigranes und mit mächtig auftrumpfenden Momenten. Die Klangpracht und –schönheit und die Differenziertheit waren ungemein wirkungsvoll und wurden durch die mit den Bühnenbildern einhergehende gestaffelte Choraufstellung bis in die Tiefe der Bühne besonders hervorgehoben.

Stefan Blunier dirigierte das perfekt disponierte Orchester mit immenser Sensibilität und einem unvergleichlichen Sängerfreundlichkeit. Sänger und Chor trug er auf Händen und setzte markante Akzente gepaart mit filigranem Wohlklang.

Das Publikum verfolgte die Vorstellung gebannt und konzentriert. Lang anhaltender Jubel belohnte diesen phänomenalen Wagnerabend.  Nach der Vorstellung bemerkten selbst Opernveteranen an der Garderobe, dass sie nie einen Tannhäuser von so großartiger gesanglicher Perfektion und intensiver suggestiver Wirkung  auf der Bühne erlebt haben.  Eine Lehrstunde des Wagnergesangs.

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg – Deutsche Oper Berlin:  keine weiteren Vorstellungen in der Spielzeit 2018/19

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Trier, Theater Trier, Der fliegende Holländer von Richard Wagner, IOCO Kritik, 27.10.2017

Oktober 29, 2017 by  
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Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

 DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Richard Wagner

17.9.2017 – Der Wagner Verband Trier-Luxemburg feiert 30-Jähriges

Von Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

„Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir“. Franz Grundheber singt diese Zeilen beinahe flüsternd, empfindsam, innig. Plötzlich steht die Zeit im Theater Trier still.

Wir wurden alle mitgenommen auf die Reise des verfluchten, verzweifelten alten Mannes der seit Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten die Meere durchstreift und nun wieder an Land geworfen wurde. Alle sieben Jahre nur einmal.

Sinnlos, ohne Hoffnung – die eine treue Frau bis in den Tod – er hat sie noch nie gefunden. Schon im kraftvollen Monolog war klar, dass dieser Künstler das „jetzt und hier“  mit der Umsetzung seiner Rolle verband. 10 Tage vor seinem 80.Geburtstag bot der Sänger ein bis ins letzte ausgefeiltes Rollenportrait, so wie es immer seine große Kunst war.

Es war nicht zu erkennen, ob gespielt oder nicht, wenn er langsam schleppend aus dem Meer steigt. Wenn er aber im Zorn kraftvoll mit seinem Schicksal hadert („Wann dröhnt er, der Vernichtungschlag, mit dem die Welt zusammenkracht?“), ist er nicht mehr der gebrochene verzweifelte Seefahrer. Er lehnt sich dagegen auf und wehrt sich mit einer Stimme die in jeder Phase, jedem Wort farbreich, intensiv ist. Kein Vibrato wie man es von anderen älteren Sängern so oft gehört hat, klare starke Bögen. Nur manchmal kaschiert er es geschickt wenn der Atem nicht mehr so ganz ausreicht. Er verbirgt dies so gekonnt, dass er sogar daraus noch einen intensiven Ausdruck erzeugt. Dieser Holländer berührt zutiefst.

Nun hat Franz Grundheber seit vielen Jahren keinen Holländer mehr gesungen aber in seiner Heimatstadt Trier wollte man das 30-jährige Jubiläum des Wagner Verbandes Trier-Luxemburg mit ihm gemeinsam begehen. Er ließ sich überreden noch einmal, in fortgeschrittenem Alter diese Partie zu singen. Trotz einiger Zweifel ob seiner hohen Ansprüche an sich selbst, sagte trotz allem „ja“ zu diesem Projekt für seine Heimatstadt.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

 

Da er jedoch keinen konzertanten Holländer im Frack singen wollte, stellte er das Theater vor eine große Aufgabe eine semikonzertante Aufführung zu gestalten, bei der er mit vielen Ideen zur Verwirklichung beitrug. Eine machbare Aufgabe, trotz kleinem Budget, da alle Beteiligten mit Herz und Hirn bei der Sache waren.

Von der Bühnenmitte wurde ein Steg zum Bühnenrand aufgebaut, zu beiden Seiten Sitzreihen für den Chor, wobei der Steg den sitzenden Chor überragte.

Im Hintergrund eine Wand auf welche die Videoinstallationen von Momme Hinrichs (Fett Film) projiziert wurden. Diese Installationen trugen dazu bei die Atmosphäre des Meeres, später auch des Hauses Dalands, perfekt einzufangen. Dekoration war hier nicht notwendig. Es war alles da, ein Bild des Holländers (ein Gemälde von Franz Grundhebers Holländer aus Savonlinna) inklusive.

Wenn Daland mit dem Holländer nach Hause zu Senta kommt, treten die beide aus einer zuvor virtuell geöffneten Türe. Generell gab es in dieser Aufführung mehr Personenführung als bei einer wochenlang geprobten szenischen Aufführung. Als Beispiel: Senta und Holländer sehen sich nicht an, jeder ist in seinem Traum, in seinem Wahn gefangen nur beim Abgang am Schluss gehen sie gemeinsam ab. Für alles an Konzept, Bühne, Projektionen und Kostüme war Momme Hinrichs verantwortlich. Eine mehr als nur gelungene Arbeit.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Es sind alle Darsteller mit ihren Umsetzungen der Figur absolut glaubhaft im Sinn der Oper, im Sinn der Musik und des Textes. Diese Festvorstellung kann neben Franz Grundheber, als Star des Abends, ein hervorragendes Ensemble bieten. Clemens Bieber ist ein anrühriger, lyrischer, liebevoll besorgter Erik der auch heikle Stellen mit Leichtigkeit bewältigt, Thorsten Grümbel ein wohlstimmiger, eher leichterer Bass,  der den Daland mit Selbstverständlichkeit darstellt und im Solo im zweiten Akt besonders punktet.

Die Senta von Cornelia Ptassek ist höhensicher, ein wenig fehlt ihr die Sicherheit in der Mittellage aber ihr Finale ist stark und verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie agiert ein wenig kalt und unnahbar, was aber auch mit der Anforderung der Regie zusammenhängt.

Marion Eckstein gestaltet eine sehr starke Mary. Das wenige, das sie zu singen hat imponiert. Ihr schöner Mezzo verlangt nach mehr. Sie wertet diese Rolle mit einer sehr starken Persönlichkeit enorm auf, wie ich sie bisher noch nie erleben durfte. Thomas Greuel fügt sich ebenfalls bestens ein. Er kann dem Steuermann nicht nur eine wunderbare Stimme mitgeben, sondern ist auch impulsiv und  unbedarft, so wie es auch sein soll.

Großartig auch die Leistung des Konzertchors Trier, des Theaterchors Trier und des Extrachors des Theaters. Eine große Herausforderung für alle. Man darf dies nie mit einem großen Haus vergleichen. Wenn man weiß, wieviel Arbeit hinter der Erarbeitung eines solch großen Werkes steht, welches schon lange nicht mehr am Spielplan stand und die Choristen auch nicht alle hauptberuflich Sänger sind, ist diese Leistung umso beachtenswerter. Besonders eindringlich die Chorszene, bei welcher die Matrosen der Norweger und die des Holländers zu beiden Seiten getrennt singen. Da hört man jede Stimme – ein großes Lob an dieser Stelle an den Chor, der ja oft unterschätzt wird.

Ein kleines Manko der Vorstellung ist das teilweise etwas geschleppte Tempo vom Philharmonischen Orchester Triers  und dem Dirigenten Jochen Schaaf. Da hätte man sich ein wenig mehr Feuer und Leidenschaft gewünscht, auch ein wenig mehr Konturen und Feinabstimmungen – aber, auch hier waren nur wenige Proben möglich.

Standing Ovations und langer Jubel für alle Beteiligten, besonders für Franz Grundheber, der diesen Abend zu einem eindringlichen und unvergesslichen werden ließ. Er erzählt danach bei einem kurzen Empfang  im Foyer noch ein paar kurze Anekdoten und unterhält das Publikum seiner Heimatstadt  humorvoll und in seiner ganz besonders liebenswerten charmanten Art. Schade nur, dass diese sehr gelungene Umsetzung des Fliegenden Holländers nur für diesen einen Abend, den 17.9.2017, gestaltet wurde.

 

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Premiere: SALOME von Richard Strauss, 24.01.2016

Januar 22, 2016 by  
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Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

 SALOME  von Richard Strauss (1864 – 1949)

Musik und Libretto von Richard Strauss, nach dem Drama Salomé von Oscar Wilde
in der Übersetzung von Hedwig Lachmann, Uraufführung am 9. Dezember 1905 in Dresden, Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 24. Januar 2016, In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Premiere am 24. Januar um 18:00 Uhr, Weitere Vorstellungen:, Fr 29. Januar 2016, 20:00 Uhr, Mi 3. Februar 2016, 20:00 Uhr, Sa 6. Februar 2016, 20:00 Uhr, Sa 2. April 2016, 20:00 Uhr, Mi 6. April 2016, 20:00 Uhr

SALOME ist eine der ersten modernen „Literaturopern“. Strauss entschied sich schnell, das von Hedwig Lachmann übersetzte Drama Salomé von Oscar Wilde in Töne zu setzen. Kirchliche Vertreter protestierten heftig gegen diese Oper: Das steigerte gewiss die Neugier auf das ungewöhnliche Werk. Heute gibt es keine religiösen Bedenken mehr, und auch der Schleiertanz der Salome wird niemanden mehr empören. So interessiert vielleicht mehr, was in Herodes‘ Familie schief läuft. Salome ist dessen Stieftochter, er nähert sich ihr auf unangemessene Weise, ihre Mutter Herodias schreitet nicht ein. Salome flüchtet sich in eine eigene, imaginierte Welt, in der sie den Kampf mit ihrem Stiefvater aufnimmt. Der Prophet Jochanaan spielt darin eine bedeutende Rolle, er fungiert als Waffe gegen den Vater und als dessen Antipode. Die Uraufführung der SALOME 1905 in Dresden war ein durchschlagender Erfolg für den Komponisten. Er fordert darin das Genre heraus: Eine rauschhafte und liebestrunkene Musik kontrastiert das denkbar grässlichste, monströseste Geschehen.

SALOME ist die erste Arbeit von Claus Guth an der Deutschen Oper Berlin. Seit 1999, als er bei den Salzburger Festspielen mit großem Erfolg CRONACA DEL LUOGO von Luciano Berio inszenierte, gehört er zu den gefragtesten Opernregisseuren der Welt. Salzburg, wo er unter anderem die „Da Ponte-Trilogie“ inszenierte, Bayreuth, Zürich, Mailand, München, Hamburg, Frankfurt, Dresden und das Theater an der Wien gehören zu seinen regelmäßigen Stationen wie auch die Staatsoper im Schiller Theater.

Musikalische Leitung Alain Altinoglu, Inszenierung Claus Guth
Bühne, Kostüme Muriel Gerstner, Licht Olaf Freese
Dramaturgie Curt A. Roesler, Yvonne Gebauer, Choreografie Sommer Ulrickson

BESETZUNG:
Herodes: Burkhard Ulrich, Herodias: Jeanne-Michèle Charbonnet
Salome: Catherine Naglestad, Jochanaan: Michael Volle
Narraboth: Thomas Blondelle, Ein Page: Annika Schlicht
1. Jude: Paul Kaufmann
2. Jude: Gideon Poppe
3. Jude: Jörg Schörner
4. Jude: Clemens Bieber
5. Jude: Stephen Bronk
1. Nazarener: Noel Bouley
2. Nazarener: Thomas Lehman
1. Soldat: Alexei Botnarciuc
2. Soldat: Tobias Kehrer
Ein Cappadocier: Franz Xaver Schlecht
Ein Sklave: Matthew Peña
Orchester: Orchester der Deutschen Oper Berlin

—| Pressemeldung Deutsche Oper Berlin |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Wiederaufnahme: SAMSON UND DALILA von Camille Saint-Saëns, 21.02.2015

Februar 18, 2015 by  
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Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

 SAMSON UND DALILA von Camille Saint-Saëns

Libretto von Ferdinand Lemaire
Uraufführung am 2. Dezember 1877 in Weimar
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 15. Mai 2011
In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Wiederaufnahme 21. Februar 2015, 19:30 Uhr,  weitere Vorstellungen: 26. Februar, 19:30 Uhr; 1. März 2015, 18:00 Uhr

„Samson ist ein Revolutionär, den das Volk aus den eigenen Reihen und nicht der politischen Elite rekrutiert hat. Er kämpft für die Freiheit, ohne selbst frei zu sein … Aus dieser Konfliktkonstellation bezieht er ein gewaltiges Aggressionspotential. Dass sich sein Begehren auf Dalila richtet, wird ihm zum Verhängnis.“ (Patrick Kinmonth)

Im alttestamentarischen Buch der Richter ist der Israelit Samson die Hoffnung der Hebräer, die unter der Knechtschaft der Philister leben. An der Spitze seines Volkes besiegt er den Feind, verfällt aber den Verführungskünsten Dalilas. Sie entlockt ihm das Geheimnis seiner Stärke, er wird gefangen genommen und geblendet. Doch ein letztes Mal gelingt es ihm, übermenschliche Kräfte zu mobilisieren. Er reißt tausende Feinde mit in den Tod.

Die Rätselhaftigkeit der beiden alttestamentarischen Titelhelden nimmt Regisseur Patrick Kinmonth zum Ausgangspunkt für eine Identitätssuche im Zeitalter des erwachenden Interesses für Psychoanalyse und verortet die Figuren in der Entstehungszeit des Werkes, die geprägt ist vom Deutsch-Französischen Krieg, der in Frankreich eine tiefe Identitätskrise bis hin zum Bürgerkrieg auslöste. Paris im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ist ein opulenter, bunter, komplexer und konfliktreicher Kosmos, in dem sich die Kriegskatastrophen des 20. Jahrhunderts vorbereiten. Hier tragen Samson und Dalila ihren ideologischen Geschlechterkampf aus.

Grabstätte Famiele Camille Saint Saens © IOCO

Grabstätte Famiele Camille Saint Saens © IOCO

Die biblische Figur des Samson und die vielen Facetten seiner Persönlichkeit lassen so manchen Vergleich zu, doch – dies sei vorausgeschickt – keiner hält stand. Samson ist anders. Wenn auch seine Geschichte an den neutestamentarischen Nachfolger denken lässt: Samson ist kein Jesus. Seine Geburt, von einem Engel verkündet, verheißt die Befreiung Israels aus den Händen der Philister. Der Ort: Gaza, Palästina, um 1100 v. Chr. Vom (unfruchtbaren) Mutterleibe an ein Geweihter Gottes, ist Samson der unbesiegbare Held, die wirksame Waffe im Freiheitskampf der Hebräer. Der zornige junge Mann mordet und brandschatzt in den Lagern der Feinde. Auge um Auge.

In dieser Geschichte von Feindschaft und Heiligem Krieg, von Macht und Lust, gibt es keine Sieger, keine Wahrheit. Das Göttliche wird gemindert, Macht begrenzt, Tabus werden gebrochen, Liebe verraten. Einzig der Komponist leistet sich ungebrochenes Pathos im großen Duett Samson-Dalila im Zweiten Akt, das uns verführt, an eine große Liebesgeschichte zu glauben. Vielleicht ist sie das auch. Samsons Geschichte ist widersprüchlich, sie ist menschlich. Camille Saint-Saëns konnte die 1876 fertig gestellte Partitur erst 1877 durch Vermittlung seines Freundes Franz Liszt – mit überragendem Erfolg – in Weimar zur Uraufführung bringen. In Frankreich, wo man über die oratorien- und wagnerhaften Elemente des Werks seinerzeit die Nase rümpfte, folgte die Erstaufführung erst 13 Jahre später.

Die biblische Figur des Samson und die vielen Facetten seiner Persönlichkeit lassen so manchen Vergleich zu, doch – dies sei vorausgeschickt – keiner hält stand. Samson ist anders. Wenn auch seine Geschichte an den neutestamentarischen Nachfolger denken lässt: Samson ist kein Jesus. Seine Geburt, von einem Engel verkündet, verheißt die Befreiung Israels aus den Händen der Philister. Der Ort: Gaza, Palästina, um 1100 v. Chr. Vom (unfruchtbaren) Mutterleibe an ein Geweihter Gottes, ist Samson der unbesiegbare Held, die wirksame Waffe im Freiheitskampf der Hebräer. Der zornige junge Mann mordet und brandschatzt in den Lagern der Feinde. Auge um Auge.

Aus jenen feindlichen Lagern wählt er, wie später Romeo, seine Geliebte, was ihm zum Verhängnis wird: Dalila, die schöne Philisterin, die er heiß begehrt, ist keine Julia, rein, jugendlich, treu. Sie ist die düstere Frau, die Verführerin, eine Lilith-Figur, der Samson sich mit Haut und Haaren unterwirft.

Wie kannst Du sagen, Du habest mich lieb, wenn doch Dein Herz nicht mit mir ist. Dreimal hast Du mich getäuscht und mir nicht gesagt, worin deine große Kraft liegt. (Richter 16, 15)

Musikalische Leitung Jacques Lacombe Inszenierung Patrick Kinmonth Ausstattung Patrick Kinmonth, Darko Petrovic Licht Manfred Voss Chöre William Spaulding Choreografie Jonathan Lunn

BESETZUNG:
Dalila: Clémentine Margaine,  Samson: Aleksandrs Antonenko
Oberpriester des Dagon: Markus Brück,  Abimélech, Satrap von Gaza: Seth Carico
Ein alter Hebräer; Ante Jerkunica,  Kriegsbote der Philister: Clemens Bieber
Erster Philister: Gideon Poppe,  Zweiter Philister: Carlton Ford
Chöre: Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester: Orchester der Deutschen Oper Berlin
Tänzer: Opernballett der Deutschen Oper Berlin

Wiederaufnahme am 21. Februar 2015, 19:30 Uhr,  Weitere Vorstellungen: 26. Februar, 19:30 Uhr; 1. März 2015, 18:00 Uhr

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