Verona, Arena di Verona 2019, 97. Opernfestival – Tosca, 10.08. – 06.09.2019

Juni 4, 2019 by  
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Arena di Verona

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

97. Opernfestival Arena die Verona – 21.6. – 7.9.2019

Tosca – Giacomo Puccini 10.8. – 6.9.2019

Das 97. Opernfestival in der Arena di Verona beginnt am 21. Juni 2019 mit La Traviata von Giuseppe Verdi, eine neue Inszenierung des legendären Franco Zeffirelli,*1923. Die Festspiele dauern bis 7. September 2019. An 51 Abenden werden in der „Tradition der Arena“ klassische Opern für das spektakuläre römische Amphitheater inszeniert. Große Stars der Opernbühne geben hier gerne ihr Stelldichein. Über 600.000 Besucher werden das 97. Opernfestival 2019 in der Arena di Verona erneut zum größten Opernereignis der Welt  machen. Fünf Opern stehen 2019 auf dem Spielplan:  La Traviata, Aida, Il Trovatore, Carmen, Tosca. 

Nabucco  2000  – Va pensiero
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Geschichtliches: Seit 1913, dem 100. Geburtsjahr von Giuseppe Verdi, populärster aller Opernkomponisten und sensibler Menschenfreund, finden in der antiken Arena di Verona die über zwei Monate dauernden Opernfestspiele statt. Stimm- und Lebensfreude sind die besonderen Merkmale dieses Opernfestivals. Verona feiert dies Festival im humanen Geiste Giuseppe Verdis, „lebendig, mitten im Volk“

Tosca –  Inszenierung aus 2006 – Regie Hugo de Ana

Tosca wurde am 14. Januar 1900 in Rom im Costanzi Theater unter musikalischen Leitung von Leopoldo Mugnone uraufgeführt. Eine nervöse Stimmung herrschte an jenem Abend: Es war die Rede von einer Bombe, die im Theater explodieren könne, und als kurz nach Beginn der Aufführung merkwürdige Laute zu vernehmen waren, unterbrach Mugnone die Aufführung, stieg fluchtartig vom Dirigentenpult und ordnete an, den Vorhang fallen zu lassen. Es handelte sich jedoch nur um lautes von verspätet eingetroffenen Besuchern verursachtes Stimmengewirr. Der Vorhang hob sich erneut und alles ging, wie geplant, seinen Gang.

Tosca – Giacomo Puccini 2017
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Heute ist Tosca immer noch weltweit eine der beliebtesten Opern. Trotz der inzwischen aufgekommenen Begeisterung des Publikums standen die Musikkritiker der Oper von Anfang an eher skeptisch gegenüber; sie kritisierten sie jahrelang wie kein anderes von Puccini geschaffenes Werk.

Siebtes Werk auf dem Spielplan an 5 Abenden ab 10. August 2019 ist Giacomo Puccinis Tosca in der Inszenierung aus dem Jahr 2006 von Hugo de Ana, der auch die Regie, das Bühnenbild, die Kostüme und das Lightening Design zeichnet.

Hugo de Ana hat die Inszenierung der Tosca für die riesigen  Räume und Flächen der Arena eigens für die Opernsaison 2006 gestaltet; sie erweckt jedes Mal große Verwunderung und Erstaunen sowie endlosen Beifall beim Publikum der Arena. Zur Inszenierung einer «Oper mit Personen», so hat sich der Regisseur geäußert, hat sich de Ana für eine theatralische, filmhafte Gestaltung entschieden, die die Psychologie der Personen vermittelt und deren dramatische Absichten tiefgreifend wahrgenommen werden können.

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Musikalische Leitung Daniel Oren, Regie, Bühnenbild, Kostüme und Licht Hugo de Ana, Knabenchor A.LI.VE. unter der Leitung von Paolo Facincani, Chordirektor Vito Lombardi
Leiter Bühneausstattung Michele Olcese, Orchester, Chor und Techniker der Arena di Verona

Besetzung : Tosca  –  Saioa Hernández (10, 16/8 – 6/9), Hui He (23, 29/8), Cavaradossi  – Yusif Eyvazov (10, 16, 23/8), Murat Karahan (29/8 – 6/9), Scarpia  – Ambrogio Maestri (10, 16, 23, 29/8),  Claudio Sgura (6/9), Angelotti  – Krzysztof Brczyk (10, 16, 23/8), Romano Dal Zovo (29/8 – 6/9), Ein Mesner – Biagio Pizzuti, Spoletta – Roberto Covatta (10, 16, 23/8), Francesco Pittari (29/8 – 6/9), Sciarrone –  Nicolò Ceriani, Ein Schließer, Stefano Rinaldi Miliani, Ein Hirtenknabe – Enrico Ommassini (10, 16, 23/8), Vittoria Pozzani (29/8 – 6/9)

—| Pressemeldung Fondazione Arena di Verona |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Wiederaufnahme Simon Boccanegra, 15.10.2017

Oktober 10, 2017 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Simon Boccanegra wieder an der Staatsoper Hamburg

Die Staatsoper Hamburg präsentiert ab 15. Oktober 2017 in fünf Vorstellungen wieder Giuseppe Verdis Oper Simon Boccanegra in der vielbeachteten Inszenierung von Claus Guth (2006).

Es gibt ein Wiedersehen mit der chinesischen Sängerin Guanqun Yu, die zu den vielversprechendsten Sopranistinnen der jüngeren Generation gehört. Sie ist regelmäßig an internationalen Opernhäusern zu Gast und war zuletzt an der Staatsoper Hamburg als Mathilde in Gioachino Rossinis Guillaume Tell zu erleben.

In weiteren Rollen singen in Simon Boccanegra Claudio Sgura, Alexander Vinogradov, Alexey Bogdanchikov, Alin Anca, Massimo Giordano, Sascha Emanuel Kramer und Soomin Lee sowie der Chor der Hamburgischen Staatsoper.

Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters steht Christoph Gedschold.

Giuseppe Verdi
Simon Boccanegra
Musikalische Leitung: Christoph Gedschold
Chor: Eberhard Friedrich
Inszenierung: Claus Guth
Bühnenbild und Kostüme: Christian Schmidt
Licht: Wolfgang Göbbel

Mit: Simon Boccanegra Claudio Sgura, Jacopo Fiesco Alexander Vinogradov, Paolo Albiani Alexey Bogdanchikov, Pietro Alin Anca, Amelia Grimaldi Guanqun Yu, Gabriele Adorno Massimo Giordano (Rollendebut), Capitano dei Balestrieri Sascha Emanuel Kramer, Ancella di Amelia Soomin Lee, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Vorstellungen am 15. Oktober um 15.00 Uhr sowie am 18., 24., 27. Oktober und 2. November jeweils um 19.00 Uhr, Informationen unter: www.staatsoper-hamburg.de

—| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Otello von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 10.01.2017

Januar 10, 2017 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Otello wird an sich selbst irre“

 Otello von Giuseppe Verdi in Szene gesetzt von Calixto Bieito

Premiere der Übernahme vom Theater Basel aus der Saison 2014/15 am 8.1.2017

Von Patrik Klein

Eine der letzten Produktionen aus der „guten, alten Zeit“ der Hamburgischen Staatsoper verschwindet vom Spielplan und wird ersetzt durch eine moderne, kontrovers aufgenommene, aber auch in einigen Sängerleistungen umjubelte Inszenierung des spanischen „Skandalregisseurs“ Calixto Bieito.

Staatsoper Hamburg / Otello - Jago, Rodrigo , Cassio , Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Jago, Rodrigo , Cassio , Chor © Hans Jörg Michel

Die überaus erfolgreiche, traditionelle und werktreue Regie von August Everding aus dem Jahr 1975, inzwischen über 130mal im Großen Haus gegeben, mit überwiegend bemerkenswerten musikalischen und gesanglichen Qualitäten, vor allem in den ersten Jahren, als sich im Haus am Dammtor noch die erste Riege der Sängerelite die Klinke in die Hand gab, ist seit dem Abend des 8. Januars 2017 endgültig Vergangenheit. Das mag den einen betrüben und den anderen freuen.

Der Regisseur Adolf Dresen hat hierzu (sinngemäß) formuliert: „Die Werktreue ist für eine Oper ebenso schädlich wie die Werkverwurstung„. Der Anspruch der meisten Künstler in der Oper heutzutage ist jedoch, gleichermaßen dem Werk und der heutigen Realität gerecht zu werden. Calixto Bieito gelingt das eindrucksvoll im Haus am Dammtor.

Von Beginn an herrscht eine düstere Atmosphäre auf der Bühne. Der Blick des Zuschauers fällt auf eine mit Stacheldraht versehene Hafenszene. Diese wird durch den auf der Bühne platzierten dominierenden gelben Kran symbolisiert. Hier tobt das Leben, es pulsiert die Wirtschaft und hier wird bis zur Erschöpfung gearbeitet. Statisten und Mitglieder des Chores betreten die Bühne aus dem Off, ihre gefesselten Hände als Symbol ihrer Unfreiheit sind gegen den Himmel hilfesuchend ausgestreckt. Auch der gelbe Kran symbolisiert die Unfreiheit, da an ihm im 3. Akt ein Arbeiter aufgehangen wird.

Hamburg / Staatsoper_Otello_Jago_Rodrigo_Chor © Hans Jörg Michel

Hamburg / Staatsoper_Otello_Jago_Rodrigo_Chor © Hans Jörg Michel

Jetzt erst hebt der italienische Dirigent Paolo Carignani den Taktstock für die berühmte Sturmszene zu Beginn dieses Dramas. In der Trinkszene wenig später wird der Unterschied zwischen arm und reich, frei und unfrei sowie mächtig und wehrlos besonders deutlich. Sektkorken knallen wie bei der Siegerkür der Formel 1. Es erfreut die an den folgenden Intrigen und Machtkämpfen Beteiligten. Der verschüttete Anteil wird von den Machtlosen gierig aufgenommen. Otello ist ein erfolgreicher Aufsteiger, einer von der Seite der Mächtigen. Nachdem Jago die Zweifel gesät hat, ist er ein von Minderwertigkeitsgefühlen geprägter Anführer und Populist, unsicher seiner selbst und damit hochgefährlich. „Eifersucht“ ist sein zweiter Name. Durch die Intrigen seiner Widersacher beginnt seine Einsamkeit, die ihn in den Zustand der absoluten Ausweglosigkeit treibt, ihn letztendlich „irre macht“.  Weder Desdemona noch die unterwürfig agierende Emilia können das Unheil trotz Treuschwüren und Fürbitten abwenden.

Staatsoper Hamburg / Otello - Desdemona - Emilia © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Desdemona – Emilia © Hans Jörg Michel

Die dramaturgisch stärksten Szenen sind im 3. und 4. Akt zu erleben, wenn Otello seine innere Wut nach außen kehrt und dem „unmündigen, unfreien“ Volk seine „untreue“ Gattin vorführt, die dann vom leicht zu instrumentalisierenden Volk bestehend aus Statisten und Damen aus dem Chor heftig umringt und angepöbelt wird. Auch währendem Otello seine Desdemona auf der mittleren Ebene des Krans erwürgt, sitzt am Bühnenrand eine völlig aufgelöste Emilia, die in ihrer Verzweiflung einen Schal Stück für Stück zerfetzt. Otello ist am Ende getäuscht, hat sich selbst ins Abseits manövriert und wird von der Gesellschaft ausgestoßen. Zum folgerichtigen letzten Schritt, nachdem er Desdemona erdrosselt hat, klettert er auf den Ausleger, der weit ins Publikum ragt, singt sein „Un altro bacio“ alleingelassen in den Zuschauerraum und stirbt an einem Herzinfarkt.

Verdi hat mit den Figuren Otello, Jago und Desdemona drei ganz besondere musikdramatische Charaktere entwickelt. Für eine erfolgreiche Aufführung braucht man dazu drei überragende Sängerpersönlichkeiten, einen großartigen Dirigenten mit Feingefühl für die Sänger und einen sicheren Chor. Diese Anforderungen werden am meisten erfüllt vom Titelhelden und vom Chor der Hamburgischen Staatsoper.

Staatsoper Hamburg / Otello - Desdemona, Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Desdemona, Chor © Hans Jörg Michel

Der international erfahrene und gefragte Italiener Marco Berti, der in Hamburg sein Debut feiert, gibt den Otello. Erst vor einer Woche springt er ein für den erkrankten Carlos Ventre und muss sich in kürzester Zeit in die Produktion einfinden. Mit vollem körperlichen und musikalischen Einsatz meistert er die anspruchsvolle Partie oft an die stimmlichen Grenzen gehend, manchmal sogar etwas darüber hinaus und verliert damit ein wenig an Linie. In den leisen lyrischen Passagen überzeugt seine klangschöne Tenorstimme besonders. Ihm zur Seite steht die aus St. Petersburg stammende Desdemona von Svetlana Aksenova, die ebenso ihr Debut an der Hamburgischen Staatsoper feiert. In den ersten beiden Akten wirkt sie noch unsicher, stimmlich spröde und für ein Haus dieser Größe etwas unterdimensioniert, kann sich aber in den beiden Schlußakten erheblich steigern und ihrem Gatten durch feine Stimmführung besonders in den leiseren Passagen ebenbürtig erscheinen. Sie bekommt dafür auch entsprechenden Beifall.

Staatsoper Hamburg / Otello - Rodrigo und Cassio, Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Rodrigo und Cassio, Chor © Hans Jörg Michel

Als Jago kann man den italienischen Bariton Claudio Sgura erleben. In Hamburg trat er bereits in der vorhergehenden Saison als Jack Rance (La Fanciulla del West) auf. Hier gibt er den prächtig disponierten Bösewicht allerdings etwas zu schmalbandig, an Schwärze in der Stimmfärbung fehlend. Seine große schlanke Statur und Bühnenpräsenz kompensieren diese stimmlichen Abstriche jedoch etwas. Denkt man hier an Jagos aus den vergangenen Jahrzehnten, so wird die gesangliche Kluft zwischen damals und heute im Haus am Dammtor besonders deutlich.

So gewinnt man das Gefühl, die Hamburgische Staatsoper setzt zur Zeit bei Neuproduktionen eher auf teure, spektakuläte Regisseure statt auf sängerisch, musikalischen Hochgenuss.

Solide sind die Leistungen von Markus Nykänen als Cassio (jedoch ist auch seine Stimme für ein Haus dieser Größenordnung zu klein), Alexander Roslavets als Lodovico, das Hamburger Urgestein Peter Galliard als Rodrigo, Bruno Vargas als Montano und vor allem Nadezhda Karyazino als Emilia.

Wieder einmal kann man sich auf den Chor der Hamburgischen Staatsoper verlassen, der seit einigen Jahren von dem aus Berlin (Staatsoper Berlin) kommenden und bei den Bayreuther Festspielen erfahrenen Chorleiter Eberhard Friedrich geleitet wird. Die Inszenierung verlangt ihnen viel Beweglichkeit ab. Dennoch wird präzise eingesetzt und musiziert. Der Italiener Paolo Carignani, der von 1999 bis 2008 Generalmusikdirektor an der Oper Frankfurt war und bereits Erfahrung mit dem Philharmonischem Staatsorchester Hamburg durch Aufführungen von Wagners Parsifal in 2008 hat, konnte die Probenzeit krankheitsbedingt nur angeschlagen gestalten. Das Orchester erklingt stellenweise einfach zu laut und lässt die gewünschte Balance zwischen Graben und Bühne gelegentlich vermissen.

Staatsoper Hamburg / Otello - Ensemble © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Otello – Ensemble © Patrik Klein

Das Premierenpublikum hat die Aufführung erwartungsgemäß kontrovers aufgenommen. Im fast ausverkauften Haus der Hamburgischen Staatsoper werden die Sänger, der Chor, das Orchester und der Dirigent mit viel Beifall bedacht. Für das Regieteam mit Calixto Bieito, Susanne Gschwender verantwortlich für das Bühnenbild, Ingo Krüger für die Kostüme und Michael Bauer für das Licht, gibt es sowohl Beifall als auch heftige Missfallenskundgebungen.

Otello an der Staatsoper Hamburg: Weitere Aufführungen am 11.1., 14.1., 17.1., 20.1., 25.1. und am 7.2.2017…bei den Aufführungen am 17.1., 20.1., 25.1. und am 7.2.17 singt Carlos Ventre den Otello)

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—