Leipzig, Oper Leipzig, Tobias Wolff – Neues Leitungsteam, IOCO Aktuell, 27.02.2021

Februar 27, 2021 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

OPER LEIPZIG – Ab Spielzeit 2022 – Neues Leitungsteam

Zum 01. August 2022 wird Tobias Wolff die Intendanz der Oper Leipzig übernehmen. Der designierte Intendant hat jetzt sein neues künstlerisches Leitungsteam vorgestellt: Operndirektorin und stellvertretende Intendantin wird Dr. Cornelia Preissinger. Marlene Hahn kommt als neue Chefdramaturgin von der Oper Graz. Der bereits seit 2015/16 in Leipzig engagierte Kapellmeister Christoph Gedschold wird unter der neuen Intendanz zum Musikdirektor berufen.

Tobias Wolff ist  noch bis Ende Mai 2021 Geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, 2022/23 ist seine erste Saison als Intendant der Leipziger Oper. Das Programm und die Ausrichtung der Leipziger Saison 22/23 für Oper, Musikalische Komödie und Leipziger Ballett bereitet er zusammen mit seinem Leitungsteam vor und gibt es voraussichtlich im ersten Quartal 2022 bekannt.

Oper Leipzig / hier das neue Leitungsteam ab Spielzeit 2022 - oben links Tobias Wolff, Dr. Cornelia Preissinger, darunter Marlene Hahn, Christoph Gedschold © Oper Leipzig

Oper Leipzig / hier das neue Leitungsteam ab Spielzeit 2022 – oben links Tobias Wolff, Dr. Cornelia Preissinger, darunter Marlene Hahn, Christoph Gedschold © Oper Leipzig

Tobias Wolff –  ab Spielzeit 2022/23  – Intendant Oper Leipzig

Ein Studium der Musikwissenschaft am Trinity College in Cambridge 1995 bis 1998 setzte Tobias Wolff bis 2002 mit einer musikalischen Ausbildung Viola an der Folkwang Universität der Künste Essen und der Robert-Schumann Hochschule Düsseldorf fort. Das Internationale Beethovenfest in Bonn und die Deutsche Oper Rhein waren seine ersten beruflichen Stationen. Seit 2002 lebt er in Leipzig, wo er zunächst freiberuflich als Musiker, Konzertvermittler und Musikjournalist tätig war, u. a. für die Leipziger Volkszeitung und MDR Kultur. 2006 begann Tobias Wolff als Chefdramaturg und Marketingleiter am Theater Altenburg-Gera. Zur Saison 2010/11 übernahm er als Verwaltungsdirektor und erfolgreicher Krisenmanager die Geschäftsführung des Fünfspartenhauses.  Parallel schloss er eine Managementausbildung an der Handelshochschule Leipzig 2011 mit dem internationalen MBA ab und wurde noch im selben Jahr zum Geschäftsführenden Intendanten der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen berufen, einem der weltweit ältesten Festivals für Barockmusik.  Der Kulturmanager positionierte das Festival international neu, initiierte unkonventionelle Formate und förderte strategisch Nachwuchs und Musikvermittlung – u. a. belohnt mit gleich zwei Helpmann Awards, dem Förderpreis Musikvermittlung des Musiklandes Niedersachsen sowie mit einer EU-Förderung des von ihm mit-initiierten Stipendienprogramms eeemerging. Im Coronajahr 2020 engagierte Tobias Wolff sich kulturpolitisch als Mitbegründer und Sprecher des Forum Musik Festivals, einem Zusammenschluss von über 100 Festspielorganisationen deutschlandweit. Die Int. Händel-Festspiele Göttingen 2020 – mittlerweile verschoben auf September 2021 – feiern das 100jährige Bestehen des Festivals und sind auf Tobias Wolffs eigenen Wunsch die letzten in seiner Verantwortung.

Ab der Spielzeit 2022/2023 wird Tobias Wolff neuer Intendant und Erster Betriebsleiter der Oper Leipzig. Die Entscheidung der Auswahlkommission bestätigte die Ratsversammlung der Stadt Leipzig in ihrer Sitzung am 4. September 2019. Tobias Wolff wird die Position ab dem 1. August 2022 besetzen und damit die reguläre Nachfolge von Prof. Ulf Schirmer antreten.

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO - H Gallée

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO – H Gallée

 Cornelia Preissinger – 2022/23  – Operndirektorin / stellvertretende Intendantin

Cornelia Preissinger studierte Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur in München. Bereits für ihre Magisterarbeit an der LMU erhielt sie von der Richard-Strauss-Gesellschaft München 1989 den Förderpreis für NachwuchswissenschaftlerInnen. 1993 promovierte sie über Johannes Brahms’ vokale und instrumentale Gestaltungsprinzipien in „Vier ernste Gesänge“ Opus 121 – gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes und dem Freistaat Bayern.

Ihr beruflicher Werdegang umfasste seitdem Positionen als Operndirektorin, Disponentin und Dramaturgin in Opernhäusern wie der Deutschen Oper am Rhein, dem Landestheater Linz, dem Staatstheater Kassel und bis 2019 die Position als stellvertretende Intendantin an der Staatsoper Hannover. Als Dramaturgin verantwortete sie zahlreiche Neuproduktionen und Uraufführungen, begleitete Kammermusikreihen und initiierte neue Projekte der Musikvermittlung für Kinder und Erwachsene. Cornelia Preissinger ist in der Musikwelt auch bekannt als Autorin diverser Fachartikel und durch ihre Vorträge zu musikwissenschaftlichen und musikhistorischen Themen. Ehrenamtlich engagierte sie sich in Jury und Leitung des Wettbewerbs „Komponistinnen nach Frankfurt“, initiierte eine Konzertreihe der internationalen Forschungsstätte „Archiv Frau und Musik“ und war zudem Mitglied des Kuratoriums für die Freie Szene in Düsseldorf.

Marlene Hahn – 2022/23 – Chefdramaturgin

2022/23 wechselt Marlene Hahn als Chefdramaturgin an die Oper Leipzig und gehört zum Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff.

Marlene Hahn absolvierte an der Universität Augsburg neben dem interdisziplinären Elitestudiengang Ethik der Textkulturen das Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Zuvor arbeitete sie bereits für ein Jahr in New York City im Bereich Marketing und Sales Management. Während ihres Doppelstudiums arbeitete sie für das jährliche Augsburger Brechtfestival und das Mozartfest und betreute als Regieassistentin verschiedene Opernproduktionen. Ein Jahr vor ihrem zweifachen Studienabschluss erhielt sie im Herbst 2010 eine Festanstellung als Dramaturgin im Bereich Musiktheater und Konzert am Staatstheater Augsburg und wurde 2015 mit dem Augsburger Theaterpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus war sie von 2012 bis 2016 Künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs.

Seit 2015 ist Marlene Hahn als Dramaturgin im Bereich Musiktheater und Ballett an der Oper Graz engagiert, schreibt zudem eigene Stücke und führt Regie. Beispielsweise inszenierte sie 2017 die Operncollage „Hotel Elefant“ zur Grazer Kulturgeschichte und 2021 folgt Harrison Birtwistles zeitgenössische Oper The Corridor. Des Weiteren konzipierte sie Komponistenporträts für Kinderkonzerte, die sie in Augsburg, Graz und zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 auch in Bonn erfolgreich auf die Bühne brachte. 2017 wurde sie vom Wagner Forum Graz zur Richard-Wagner-Stipendiatin ernannt. Zusätzlich ist Marlene Hahn Initiatorin und Moderatorin der Videoreihe „Klappe auf!“ der Oper Graz und Künstlerische Leiterin der Mitternachtsshow der Grazer Opernredoute.

Christoph Gedschold – 2022/23 – Musikdirektor

An der Oper Leipzig ist Christoph Gedschold seit der Spielzeit 2015/16 Kapellmeister und wird im Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff 2022/23 die Position des Musikdirektors übernehmen.

Bereits während seines Klavier- und Dirigierstudiums in Leipzig und Hamburg korrepetierte der Pianist und Dirigent Christoph Gedschold im Rahmen des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich. 2002 wurde er Kapellmeister und Korrepetitor am Theater Luzern und arbeitete beim Lucerne Festival u. a. für Claudio Abbado, Mariss Janssons und Pierre Boulez. 2005 assistierte er Ulf Schirmer bei den Bregenzer Festspielen und wechselte an das Staatstheater Nürnberg. 2009 wurde er als Erster Kapellmeister an das Staatstheater Karlsruhe berufen. An der Oper Leipzig ist Christoph Gedschold seit der Spielzeit 2015/16 als Kapellmeister engagiert und dirigierte die Premieren von „Freischütz“, „Herzog Blaubarts Burg“, „Rusalka“, „Die verkaufte Braut“, „Pagliacci“ u. v. a.. Außerdem dirigiert er seit 2015 regelmäßig an weiteren großen Opernhäusern in Deutschland: Er leitete Premieren wie „Die Passagierin“ von Mieczysaw Weinberg an der Semperoper und an der Oper Frankfurt, in Köln die Premieren von „Rusalka“ und „Die Zauberflöte“. An der Opera de Oviedo, Spanien, dirigierte er die Premiere der „Götterdämmerung“. Hinzu kommen Repertoirestücke wie „Simon Boccanegra“, „La Traviata“, „Katja Kabanova“, „Manon Lescaut“ und „Die tote Stadt“ an der Staatsoper Hamburg, „Ariadne auf Naxos“ in Frankfurt, „Turandot“ in Köln sowie Dirigate an der Semperoper in Dresden.

Neben der regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester dirigierte Christoph Gedschold u. a. die Staatskapelle Dresden, die Hamburger Philharmoniker, das MDR-Sinfonieorchester, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken und das Gürzenich-Orchester Köln. Gastspiele führten ihn u. a. zum Orchestre symphonique de Montréal, Sinfonieorchester Basel und nach Tokio zum New Japan Philharmonic. Auf CD präsentierte das Münchner Rundfunkorchester unter seiner Leitung die „Preis-Symphonie“ von Georg Schumann in Kooperation mit BR Klassik.

—| IOCO Aktuell Oper Leipzig |—

Dresden, Semperoper, Gustav-Mahler-Jugendorchester mit Herbert Blomstedt, IOCO Kritik, 03.09.2019

September 3, 2019 by  
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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Das Gustav-Mahler-Jugendorchester – unter Herbert Blomstedt

– Junge Talente treffen auf Jahrzehnte Pulterfahrung –

von Thomas Thielemann

Nachdem 1976 das Jugendorchester der Europäischen Union seine Tätigkeit aufgenommen hatte, bemühte sich eine Gruppe um Claudio Abbado (1933-2014), das gemeinsame Musizieren auch jungen österreichischen Musikern mit Kollegen aus der Tschechoslowakei und Ungarn zu ermöglichen. Im Jahre 1978 wurde deshalb  das European Community Youth Orchestra gegründet, um freie Probespiele in Ländern des Ostblocks zu ermöglichen. 1986 formte Abbado aus der zunächst lockeren Vereinigung das Gustav Mahler Jugendorchester, das seit 1992 für junge Musiker bis zum 26. Lebensjahr aus ganz Europa zugänglich wurde. Damit war das einzige internationale Jugendorchester, das künstlerisch und organisatorisch unabhängig von öffentlichen, institutionellen sowie privatwirtschaftlichen Trägern tätig ist, entstanden. Seine Tätigkeit ist nicht gewinnorientiert und gilt heute als besondere Talentschmiede für europäische Orchestermusiker.

Alljährlich bewerben sich über 2000 Musiker, von denen die talentiertesten in die Orchesterprojekte, den Auftritten in renommierten Konzertsälen und führenden Festivals, einbezogen werden. Dann arbeiten sie mit den bedeutendsten Dirigenten und Solisten unserer Zeit zusammen und sammeln so Erfahrungen, die für ihre künftige Laufbahn als Profi-Musiker entscheidend werden können. Musiker der sächsischen Staatskapelle, so der 1. Konzertmeister Matthias Wollong, die Solooboistin Céline Moinet, der Solokontrabassist Petr Popelka und zwölf weitere jetzige Mitglieder sind über das Jugendorchester nach Dresden gekommen. Auch in der Dresdner Philharmonie sind acht „Ehemalige“ tätig.

Im sächsischen Konzertleben hat das Gustav-Mahler-Jugendorchester inzwischen

Semperoper / Gustav Mahler Jugendorchester mit Herbert Blomstedt © Matthias Creutziger

Semperoper / Gustav Mahler Jugendorchester mit Herbert Blomstedt © Matthias Creutziger

einen festen Platz. Mit der Sächsischen Staatskapelle verbindet das Orchester  ein Kooperationsvertrag.

Das Konzert am 1. Semper 2019 im Semperbau war eine Hommage an ein Konzert vom 8. September 2010 mit dem gleichen Dirigenten Herbert Blomstedt, dem identischen Solisten Christian Gerhaher und einem vergleichbaren Programm: Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler und der 9. Symphonie von Anton Bruckner.

Nun traf wieder die jahrzehntelange Pulterfahrung auf den jungen Künstlernachwuchs. Auch einer der profiliertesten Lied- und Konzertsänger Christian Gerherhar gestaltete wieder einen Teil des Konzerts, diesmal am Beginn des Abends mit den „Rückert-Liedern“ von Gustav Mahler.

Friedrich Rückert (1788-1866) war als Sprachgelehrter, der sich mit über 40 Sprachen beschäftigt hatte, einer der Begründer der deutschen Orientalistik und ein unwahrscheinlich kreativer Dichter. Mit seinen Gedichten kompensierte er seine Gefühlswelt. Nach dem Scharlach-Tode zweier seiner Kinder zum Jahreswechsel 1833 zu 1834 hat er allein zur Bewältigung seines Schmerzes 426 Gedichte geschrieben, von den einige Gustav Mahler für seine Kindertotenlieder auswählte. Für seine Rückert-Lieder wählte Mahler fünf selbstständige Einzelwerke Rückerts, die Mahler offenbar besonders berührten. Neben „Blicke mir nicht in die Lieder“, „Ich atme einen Linden Duft“, „Um Mitternacht“ und „Liebst du um Schönheit“ beeindruckte ihn besonders „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.

Christian Gerhaher sang mit klarem schlanken Bariton und vorbildlicher Textverständlichkeit in ruhigem Erzählton. Er konnte den jeweiligen Charakter der Lieder eindringlich verdeutlichen, auch mit zärtlicher Süße, wo es angebracht war. Dabei begeisterte vor allem seine natürliche Tongebung. Kein Forcieren, stattdessen Strahlkraft und subtile Schattierungen sowie Intellekt. Grandios seine Interpretation der Rückert´schen „Mitternacht“. Das erzeugte schon Schauer beim Hörenden.

Semperoper / Herbert Blomstedt © Matthias Creutziger

Semperoper / Herbert Blomstedt © Matthias Creutziger

Herbert Blomstedt begleitete mit dem Orchester zurückhaltend ohne Kontraste in idealer über die Jahre herausgebildeter Partnerschaft.

Anton Bruckner komponierte seine sechste Symphonie A-Dur (WAB 106) nach einer schöpferischen Pause von fünf Jahren 1879 bis 1881 unbeschwerter und weltlicher als die vorherigen. Der Komponist bezeichnete sie launig als seine „keckeste“ und war vom Ergebnis so befriedigt, dass er das Gefühl hatte, das Werk sei vollkommen. Er beließ seine Arbeit in der ursprünglichen Form, so dass erstmals von einer Bruckner-Symphonie keine Zweit- oder gar Drittfassung existiert. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass die Sechste sich erst spät im Konzertbetrieb etablieren konnte. Im Februar 1883 brachten die Wiener Philharmoniker nur die beiden Mittelsätze zur Aufführung. Auch Gustav Mahler hatte für die Gesamt-Erstaufführung 1899 die Instrumentierung stark verändert und das Werk gekürzt. Erst 1935 erklang unter Paul van Kempen die Komposition nach der von Robert Haas wieder rekonstruierten Original-Partitur. Aber erst durch die Aufnahme in Gesamteinspielungen und Bruckner-Zyklen hat sich die Sechste im Konzertbetrieb gleichberechtigt eingeführt.

Im zweiten Teil des Konzertes traf eine .jahrzehntelange Pulterfahrung auf den jungen Künstlernachwuchs. Bruckner-Dirigate mit Herbert Blomstedt haben wir mehrfach in den vergangenen Jahrzenten sowohl mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden, als auch mit dem Gewandhausorchester Leipzig erleben dürfen. Da war der Vergleich seiner Dirigate der Spitzenorchester mit der Führung des Jugendorchesters durchaus aufschlussreich. Während Blomstedt die Profi-Klangkörper mit Gelassenheit führt und der Musik einen breiten Klang-Raum eröffnet, gab er dem Jugendorchester stärkere Impulse. Mit präziser, effektiver Zeichengebung hielt er die Fäden der musikalischen Entwicklung fest in der Hand und ließ seine Führung in den reichliche sechzig Minuten nicht für einen Augenblick schleifen.

Dies war auch bei den noch jungen Musikern notwendig. Denn während die Streicher auf hohem Niveau, mit Begeisterung und innerer Beteiligung musizierten, fehlte es bei den Bläsern an solistischen Initiativen. Insbesondere beim Adagio kamen die stark geforderten Hörner und Tuben an ihre technischen Grenzen. Dabei fing Blomstedt einiges dank seines gestalterischen Überblicks und seiner Präsenz als Interpret ab. Über Strecken wirkte dabei der greise Dirigent jugendlicher als eine Reihe der Orchestermusiker.

Bereits mit dem ersten Satz spürte man, wohin Blomstedt seine Musiker führen wollte. Ruhig lässt er Themen und Motivgruppen vorüberziehen. Auch mit der Durchführung spürt man, da dirigiert einer, der in der Tiefe seiner Seele Ruhe und Überblick schätzt. Sachlich bleibt auch der Satzschluss. Mit sachlicher Innigkeit wurden auch im Adagio die Bruckner-Themen miteinander verflochten. Nichts erhält den Eindruck von Sentimentalität oder gar Kitsch. Auch das Scherzo machte dem Dirigenten und den Musikern richtig Spaß, so dass Blomstedt das Orchester mit Freude in das Finale mit seinen Verzögerungen, Anspannungen sowie Entfesselungen regelrecht hineindrängen konnte.

Erwartungsgemäß wurde vor allem der in Dresden hochbeliebte und geschätzte Dirigent mit stehendem Applaus gefeiert. Aber auch das mit über einhundert Musikern stark besetzte Gustav-Mahler-Jugendorchester konnte sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen.

—| Pressemeldung Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Wien, Wiener Staatsoper, 150 Jahre Wiener Staatsoper – ARTHAUS MUSIK, IOCO DVD Rezension, 06.08.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

150 Jahre Wiener Staatsoper –   CD / DVD  zum Jubiläum

EAN:  4058407093954   – UPC:  4058407093954

von Marcus Haimerl

Am 25. Mai 2019 feierte die Wiener Staatsoper ihr 150-jähriges Jubiläum mit der Premiere einer Neuinszenierung von Richard Strauss Frau ohne Schatten, welche 100 Jahre zuvor ihre Uraufführung hier feierte. Zudem war der Komponist gemeinsam mit Franz Schalk von 1919 bis 1924  Direktor des Haus am Ring.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Staatsoper veröffentlichte ARTHAUS MUSIK, Halle (Saale) eine CD-/ DVD- Box mit großen Aufführungen und Premieren an der Wiener Staatsoper. Die DVD-Box umfasst insgesamt acht DVDs aus den Jahren 1978 bis 2014 und die Direktionszeiten von Egon Seefehlner (1. Amtszeit), Lorin Maazel, Claus Helmut Drese, Ioan Holender und Dominique Meyer und umfasst folgende Aufnahmen: Il Trovatore (Verdi), Carmen (Bizet), Turandot (Puccini), Elektra (Strauss), Lohengrin (Wagner), Don Giovanni (Mozart), Alcina (Händel) und Ariadne auf Naxos (Strauss).

IL TROVATORE (Giuseppe Verdi)

Am 1. Mai 1978 wurde Verdis Il Trovatore in der Inszenierung Herbert von Karajans aufgezeichnet. Es war die 98. Vorstellung in der Karajan-Inszenierung, die bereits 1968 Premiere feierte und mit 169 Aufführungen bis 1991 dem Repertoire erhalten blieb.

Die großartige Besetzung, die es nur in zwei Vorstellungen im Mai 1978 zu erleben gab, liest sich wie das who-is-who des Verdi-Gesanges der 60er und 70er Jahre. Piero Cappuccilli als Conte di Luna, Raina Kabaivanska als Leonore, Fiorenza Cossotto als Azucena und Placido Domingo als Manrico in der klassischen und etwas düsteren Inszenierung Karajans, der auch am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper stand, ist in jedem Fall eine der großen Sternstunden des Hauses.

ARTHAUS DVD / 150 Jahre Wiener Staatsoper © ARTHAUS Musik

ARTHAUS DVD / 150 Jahre Wiener Staatsoper © ARTHAUS Musik

CARMEN (Georges Bizet)

Am 9. Dezember 1978 hatte Bizets Oper Carmen in der Inszenierung des 2019 verstorbenen Franco Zeffirelli Premiere. Diese ebenfalls ausgesprochen klassische Inszenierung steht aktuell immer noch auf dem Spielplan und erlebte am 12. September 2018 seine bereits 164. Aufführung.

Unter dem Dirigat von Carlos Kleiber sangen in der Premiere Elena Obraztsova als Carmen, Plácido Domingo den Don José, Yuri Mazurok den Escamillo, Isobel Buchanan die Micaela und Kurt Rydl den Zuniga. Elena Obraztsova sang die Carmen insgesamt nur sieben Mal an der Wiener Staatsoper: einmal 1975 in der Inszenierung von Otto Schenk und sechs Mal in der Inszenierung von Franco Zeffirelli. Maßstäbe setzte Agnes Baltsa in dieser Zeffirelli-Inszenierung von. Sie sang diese Partie zwischen 1984 und 2004 insgesamt 59 Mal. Diese hervorragend besetzte Aufzeichnung von Bizets Meisterwerk zählt zweifelfrei auch zu den Höhepunkten in der Geschichte der Wiener Staatsoper.

TURANDOT (Giacomo Puccini)

1983 feierte Puccinis letzte Oper Turandot Premiere in einer Inszenierung des für seine Musical-Inszenierungen bekannten Harold Prince. Die opulente Umsetzung in den Bühnenbildern und Kostümen von Timothy O’Brien und Tazeena Firth erinnern auch ein wenig an das Genre Musical. Ebenso beeindruckend ist auch hier die Besetzung. Die ungarische Sopranistin Eva Marton gab die eisige Prinzessin Turandot, als Calaf erlebte man José Carreras und als Liù die italienische Sopranistin Katia Ricciarelli. In dieser starken Besetzung erlebt man auch die Aufzeichnung dieser spannenden Produktion. Auf insgesamt 61 Vorstellungen brachte es die Inszenierung ehe sie im März 2004 zum letzten Mal aufgeführt wurde.

ELEKTRA (Richard Strauss)

Ehe es durch die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg im Jahr 2015 ersetzt wurde brachte es Harry Kupfers Inszenierung von Richard Strauss Atriden-Drama Elektra auf insgesamt nur 65 Aufführungen bis 2012. Die Premiere fand am 10. Juni 1989 zum 125. Geburtstag von Richard Strauss statt. In Kupfers Inszenierung dominiert die zerbrochene Statue Agamemnons die Bühne, auf welcher die hochkarätige Premierenbesetzung zu erleben war. Eva Marton als Elektra, Brigitte Fassbaender als Klytämnestra, Cheryl Studer als Chrysothemis, James King als Aegisth, Franz Grundheber als Orest und Claudio Abbado am Pult machen diese Aufzeichnung zu einem intensiven Erlebnis.

LOHENGRIN (Richard Wagner)

Bereits 1985 debütierte der spanische Tenor Plácido Domingo als Schwanenritter Lohengrin an der Wiener Staatsoper. Kein Wunder also, dass Placido Domingo auch zur Premierenbesetzung der Neuinszenierung durch Wolfgang Weber im Jahr 1990 gehörte. In dieser klassischen Regiearbeit, in welcher der Schwan als Projektion den Bühnenhintergrund dominiert, sangen neben dem spanischen Startenor in der Titelrolle Stars wie Cheryl Studer die Elsa, Hartmut Welker und Dunja Vejzovic Telramund und Ortrud und Georg Tichy den Heerrufer. Unter dem grandiosen Dirigat von Claudio Abbado wurde auch hier Operngeschichte geschrieben.

DON GIOVANNI (Wolfgang Amadeus Mozart)

Vor 150 Jahren wurde das Haus am Ring mit Mozarts Don Juan feierlich eröffnet. Somit darf auch dieses Werk in der DVD-Box nicht fehlen. Die Produktion des Hauses am Ring, die für die Wiener Festwochen allerdings am Theater an der Wien aufgeführt wurde, stammt aus dem Jahr 1999. Zu dieser Zeit als das Regietheater schon länger auf dem Vormarsch war erlebte der Zuseher ein opulentes Kostümspektakel in der Regie von Roberto de Simone.  Unter dem großartigen Dirigat von Ricardo Muti verkörperten Carlos Álvarez den Don Giovanni, Franz Josef Selig den Commendatore, Adrianne Pieczonka die Donna Anna, Michael Schade den Don Ottavio, Anna Caterina Antonacci die Donna Elvira, Ildebrando D’Arcangelo den Leporello, Angelika Kirchschlager die Zerlina und Lorenzo Regazzo den Masetto in einer absolut sehenswerten Produktion.

ALCINA (Georg Friedrich Händel)

Unter Direktor Dominique Meyer kehrte auch die Barockoper an die Wiener Staatsoper zurück. Anstelle des Orchesters der Wiener Staatsoper setzte man auf Originalklangensembles wie im vorliegenden Fall Les Musiciens du Louvre-Grenoble unter dem Dirigat von Marc Minkowski. Die beinahe märchenhafte Umsetzung stammt von Adrian Noble, musikalisch brillieren Anja Harteros als Alcina, Vesselina Kasarova als Ruggiero, Veronika Cangemi als Morgana, Kristina Hammarström als Bradamante, Benjamin Bruhns als Oronte und Adam Plachetka als Melisso. Diese Produktion markierte den Beginn der Rückkehr der Barockoper an die Staatsoper, die in der Erstaufführung von Georg Friedrich Händels Oper Ariodante im Jahr 2018 gipfelte.

Ariadne auf Naxos – Christian Thielemann und Ensemble studieren die Oper ein
youtube Trailer Staatsoper Wien
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ARIADNE AUF NAXOS (Richard Strauss)

Im Dezember 2012 löste die von den Salzburger Festspielen übernommene Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf nach 162 Vorstellungen die klassische Inszenierung von Filippo Sanjust ab. Bechtolf rückte die Handlung in die Zeit der Uraufführung, der zweite Teil, die Aufführung der Oper seria Ariadne gemeinsam mit der Opera buffa fand zwischen sandverzierten Klaviertrümmern statt. Die Aufzeichnung dieser Oper bot ein Wiedersehen mit dem 2019 plötzlich verstorbenen Kammerschauspieler Peter Matic, der als Haushofmeister aus dieser Produktion nicht mehr wegzudenken ist. Auch dem viel zu früh verstorbenen Tenor Johan Botha als Tenor / Bacchus wird mit dieser Aufnahme ein Denkmal gesetzt. Aber auch der Rest der Besetzung lässt sich hören: Soile Isokoski als Primadonna/ Ariadne sang hier eine ihrer letzten szenischen Produktionen; Sophie Koch als Komponist, Jochen Schmeckenbecher als Musiklehrer, Daniela Fally als Zerbinetta, sowie Adam Plachetka, Carlos Osuna, Jongmin Park und Benjamin Bruhns als Harlekin,Scaramuccio, Truffaldin und Brighella und das Dirigat Christian Thielemanns machen diese Aufzeichnung zu etwas ganz Besonderem.

Die im Beige der Wiener Staatsoper gehaltenen DVDs zeigen auf der Vorderseite eine Ansicht des Schwindfoyers, die DVD-Innenseite eine Perspektive von der Bühne auf den Zuschauerraum. Die acht DVDs befinden sich in einem Schuber mit einem Bild der Wiener Staatsoper auf der Vorderseite der Box.

Die limitierte Ausgabe von 1.869 Stück der DVD-Box mit einer Gesamtspielzeit von 1.290 Minuten ist um rund 100 € im Fachhandel erhältlich.

—| IOCO CD-Rezension |—

Essen, Philharmonie Essen, Herbert Blomstedt dirigiert das Gustav Mahler Jugendorchester, 31.08.2019

Juli 31, 2019 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Herbert Blomstedt © Martin Lengemann

Philharmonie Essen / Herbert Blomstedt © Martin Lengemann

Saisonauftakt 2019/2020  –  Philharmonie Essen

Herbert Blomstedt, Gustav Mahler Jugendorchester, Christian  Gerhaher

  Samstag, 31. August 2019, um 20 Uhr zu Gast

Jahrzehntelange Pulterfahrung trifft auf jungen Künstlernachwuchs: Zum Saisonauftakt präsentiert die Philharmonie Essen mit Herbert Blomstedt und dem Gustav Mahler Jugendorchester eine besonders reizvolle Konstellation. Im ersten Konzert der Spielzeit 2019/2020 am Samstag, 31. August 2019, um 20 Uhr ist mit dem Bariton Christian Gerhaher außerdem einer der am meisten gefragten Sänger zu Gast. Gemeinsam mit dem Orchester interpretiert er Gustav MahlersFünf Lieder nach Friedrich Rückert“. Die anschließende Aufführung der 6. Sinfonie A-Dur von Anton Bruckner ist zugleich der Auftakt zu einem großen Bruckner-Schwerpunkt der Philharmonie Essen, bei dem in der neuen Spielzeit sechs Sinfonien des Komponisten erklingen werden.

Das Gustav Mahler Jugendorchester wurde 1986 von Claudio Abbado gegründet. Dieser legte von Anfang an großen Wert darauf, dass namhafte Dirigenten das Ensemble leiten. Pierre Boulez, Riccardo Chailly, Mariss Jansons, Christoph Eschenbach, Bernard Haitink und viele andere haben bislang mit dem GMJO zusammengearbeitet. Auch Herbert Blomstedt konnte dem Orchester bereits wichtige Impulse verleihen. Nun ist der in den USA geborene Sohn schwedischer Eltern erneut mit den jungen Musikerinnen und Musikern unterwegs.

Der Münchner Bariton Christian Gerhaher ist nicht nur einer der profiliertesten Lied- und Konzertsänger, sondern auch auf den internationalen Opernbühnen zu Gast. Mit dem London Symphony Orchestra, dem Royal Concertgebouw Orchestra und besonders den Berliner Philharmonikern arbeitet Gerhaher regelmäßig zusammen. In der Philharmonie Essen konnte man ihn zuletzt 2018 mit den Bamberger Symphonikern und Jörg Widmanns Zyklus „Das heiße Herz“ erleben.

Karten (Preis: € 25,00 – 45,00) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.philharmonie-essen.de

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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