Hamburg, Staatsoper Hamburg, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 01.01.2020

Dezember 31, 2019 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Lohengrin – Staatsoper Hamburg

Kultinszenierung – Seit 21 Jahren an der Staatsoper

von Christian Biskup

Lohengrin im Klassenzimmer? Was Traditionalisten vehement verneinen würden, läuft in Hamburg seit nun 21 Jahren und hat Kultstatus. Kein Wunder also, dass das Werk in der Inszenierung von Peter Konwitschny auch am zweiten Weihnachtstag für ein fast ausverkauftes Haus sorgt, wozu auch sicher Klaus Florian Vogts Engagement für die Titelrolle in der diesjährigen Wiederaufnahme maßgeblich beiträgt.

Die Handlung: Friedrich von Telramund bezichtigt Elsa von Brabant, ihren Bruder Gottfried um die Ecke gebracht zu haben. Im Gottesgericht soll vor König Heinrich ihre Schuld festgestellt werden. Ein Ritter erscheint, von einem Schwan gezogen, an Elsas Seite. Er – eigentlich ein Traumobjekt Elsas – kämpft für sie, gewinnt, und verschont doch Telramunds Leben. Elsa soll als Dank seine Frau werden, jedoch nie nach seiner Herkunft fragen. Doch Telramund und seine Frau Ortrud, die letzte eines heidnischen Fürstengeschlechts, intrigieren. Sie weckt in Elsa das Gift der Neugierde und des Misstrauens, sodass diese in der Brautnacht schließlich die entscheidende Frage stellt. Der Ritter versucht sich zu winden, doch als Telramund ihn in der Nacht überfällt, der dabei getötet wird, ist der Moment der Offenbarung gekommen. Als Lohengrin, Sohn des Gralskönigs Parsifal, gibt er sich zu erkennen. Das Wissen um seinen Namen zwingt ihn jedoch zur Rückkehr nach Montsalvat. Während er geht, kehrt Gottfried zurück. Er war Lohengrins Schwan, von Ortrud verzaubert. Elsa stirbt, doch der Weg für den neuen Herrscher ist frei.

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Richard Wagners Werk, entstanden im Vormärz der Revolution, ist nicht nur der Mythos. Es thematisiert Auflehnung, Auflehnung gegen Staaten, gegen Gebote, gegen Autoritäten. Dies findet man in Telramund und Ortrud, aber natürlich auch in Elsas Misstrauen in das mächtige Frageverbot. In der Auflehnung sieht Regisseur Peter Konwitschny etwas typisch Pubertäres, typisch jugendlichen Widerstandsgeist. Deshalb verlegt er die Handlung vom sagenhaften Brabant in ein Klassenzimmer zur Zeit des letzten Kaisers (Bühne und Kostüme: Helmut Brade) – was erstaunlich gut funktioniert. Hier haben Träume Platz und werden lebendig. Der Klassenbeste darf die Königskrone tragen, sein Kumpan wird dessen Heerrufer und Elsas Traum vom starken Ritter wird ebenfalls zur Wirklichkeit. In dieser jugendlichen Schuldimension werden die Träume greifbarer, alltäglich, etwas, was ein jeder im Publikum noch nachspüren kann. Welche Frau träumt denn nicht von einem großen, starken Mann (der auch noch gut singen kann…)?

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO _ Rainer Maass

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO _ Rainer Maass

Konwitschnys Inszenierung besticht durch eine enorm vielfältige und detailreiche Personenführung. Häufig neigt der Lohengrin-Chor ja eher zur Steh-Rum-Staffage – nicht jedoch bei Konwitschny. Tische werden beklettert, Schwämme und Papierflieger geworfen, es wird gerangelt, gekämpft, aber auch individuell mit den Protagonisten agiert, so wunderbar lebendig bei Elsas Brautzug. Der strahlend helle Auftritt Lohengrins – er wird samt mit den Armen wedelnden Schwan/Gottfried aus dem Bühnenboden hochgefahren – ist die Erfüllung von Elsas Traum. Das Klassenzimmer wird allgemein zum Ort des Träumens. Bahnt sich der Kampf an, ordnen die Teenies ihre überdimensionalen Tische zur Arena an. Ist die Hochzeit angesetzt, wird wieder neu formatiert und romantisch eingedeckt. Fantasiewelten sind schnell geschaffen. Wie poetisch es dabei im Klassenzimmer zugehen kann, zeigt der Brautgang, eingebettet in eine Unterrichtsstunde über den Aufbau eines Münsters. Jubelnde Klassenkameraden, frisches Grün und bunte Papierschnipsel statt Reis und Rosenblüten erfüllen den Saal – ein wirklich schönes Bild. Genauso ästhetisch gelingt der Sonnenaufgang im zweiten Akt, der sich durch die Fenster zeigt. Was zu Zeiten Meyerbeers eine Theaterrevolution war, überzeugt auch noch heute und beendet das scheinbar nächtliche Nachsitzen Ortruds und Telramunds. Die Brautnacht Elsas und Lohengrins wird in den Sexualkundeunterricht eingebettet. Doch in diesem endet der Traum. Nach Telramunds Tod schließt die Oper auf offener Fläche. Der Hintergrund ist schwarz, Lohengrin muss gehen, die Teenie-Klamotte ist vorbei.

Was sich nach oberflächlichen Theaterspaß anhört, geht doch auch in die Tiefe. Gerade durch die Nahbarkeit der Inszenierung entstehen anrührende, intime Momente. Die Gralserzählung wird zu einem Moment der Trostlosigkeit. Übermenschliches und Menschliches kann nicht zusammen kommen, zumal Lohengrin als Gralsritter keusch zu leben hat. Gottfried gibt – stark gerüstet – nun zurückverwandelt – zumindest Hoffnung für Brabant.

Musikalisch war der Abend sehr gut bis durchwachsen. Am meisten konnte Andrzej Dobber in der Rolle des Heerrufers überzeugen. Kraftvoll strotzend, durchdringend und in allen Lagen sicher sowie spielerisch hervorragend, ist er eine Luxusbesetzung für die Rolle. Auch Tanja Ariane Baumgartners Ortrud konnte sich hören lassen. Sehr textverständlich und stets zwischen Dämonie und heuchlerischer Freundlichkeit spielt und lebt sie die – im Schulkontext – Klassenzicke. Ihre Stimme hat Durchschlagskraft, ihre dunkle Tiefe wie auch die gewaltigen Spitzentöne beeindrucken. Da hatte es ihr Partner Wolfgang Koch als Telramund schon schwerer. Schauspielerisch absolut glaubhaft, konnte er stimmlich mit seinen männlichen Kollegen nicht mithalten. Teilweise überforcierend und mehr sprechend als singend versucht er zwar expressiv die Verzweiflung darzustellen, was jedoch zu Lasten der Musik und Noten geht.

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Christof Fischesser als König Heinrich hingegen gelingt der Spagat zwischen größtmöglichem Ausdruck und getreuer Musikgestaltung. Sein flexibler Bass hat nicht das größte Volumen, kann sich aber doch stets dem Orchester gegenüber behaupten. Besonders seine leisen Stellen wie „Gott laß mich weise sein“ gelingen wunderbar sanft und sind hervorragend geführt. Simone Schneider legt ihre Elsa eher lyrisch an. Ihr runder Sopran neigt nicht so sehr zu dramatischen Ausbrüchen, sondern kann mit Schönklang punkten. Spielerisch bleibt sie eher blass. Bleibt noch Klaus Florian Vogt. An seinem Gesang scheiden sich die Geister. Sein sehr kopfiger Tenor ist purer Schönklang, strahlend hell, ideal für die Rolle des Parsifal, die er auch in Bayreuth schon mehrfach gesungen hat. Sein Lohengrin ist ebenfalls sehr lyrisch gehalten. Dramatische Ausbrüche fehlen fast völlig, auch macht sich die fehlende Tiefe teils bemerkbar. Ein paar Phrasen gestaltet er glaubhaft expressiv, doch ist er mehr lichte Traumgestalt als ein krafttrotzender Held, was aber im Zusammenhang der Inszenierung nicht stört, sondern gut passt. Seine Gralserzählung wird zum Gänsehautmoment obgleich einige Phrasen unglücklich gestaltet wurden.

Das Orchester unter Kent Nagano ist der Schwachpunkt der Produktion. Nagano hält das Orchester stets neutral, kostet nicht den Klang aus, Pathos wird ausgelassen wo es geht. Dies ist gerade auf dem Höhepunkt des Vorspiels zum ersten Akt schade, welches dymanisch zudem sehr eigenwillig gestaltet ist. Während die Geigen zu Beginn wunderbar aus dem Nichts erklingen, entwickelt sich einfach zu wenig, auf dem Höhepunkt nimmt Nagano den Klang gar zurück. Auch das geniale Vorspiel zum dritten Akt vermisst jeglichen Überschwang. Die ganz leisen Stellen sind am stärksten, aber das ist bei Lohengrin einfach zu wenig. Das Zusammenspiel zwischen Bühne und Graben ist einwandfrei, die Chöre agieren mit großer Spielfreude und guter Textverständlichkeit.

Das Publikum spendet besonders Klaus Florian Vogt und Tanja Ariane Baumgartner viel Applaus, der in seiner Begeisterung Bayreuth-Ähnliche Ausmaße zeigte!

Besuchte Vorstellung – 26.12.2019 – 16.00 Uhr

Lohengrin an der Staatsoper Hamburg, letzte Vorstellung der Spielzeit 03.01.2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Zürich, Opernhaus Zürich, 2019/20 – 9 Opernpremieren: Iphigénie, Makropulos, Belshazzar …, IOCO Aktuell, 15.08.2019

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

2019/20 : Operhaus Zürich – 9 Oper-, 3 Ballettpremieren, 17 WA

– IOCO stellt vor –

Das Opernhaus Zürich, früher Stadttheater Zürich, liegt im Zentrum von Zürich, am Sechseläutenplatz. Auf 1.100 Plätzen bietet es ein reiches kulturelles Angebot. 2017/18 besuchten 247.000 Besucher 327 Vorstellungen. Die Auslastungen auf der Hauptbühne der Spielzeit 2017/18  betrugen: Gesamtauslastung: 90.0% (Vorjahr: 85.1%), Auslastung Sparte Oper 88.3% (Vorjahr: 84.7%), Auslastung  Sparte  Ballett Zürich  98.0% (Vorjahr: 89.8%).

Der Spielplan für die Saison 2019/2020 enthält 350 Vorstellungen: Neun Opern-premieren und drei Premieren des Balletts Zürich auf der Hauptbühne sowie siebzehn Wiederaufnahmen des Opernrepertoires und fünf des Balletts bilden das Rückgrat des Hauses. Eine Neuproduktion des Internationalen Opernstudios am Theater Winterthur und eine Neuproduktion aus der Serie Junge Choreografen auf der Studiobühne, neun Konzerte der Philharmonia Zürich und des Spezialensembles Orchestra La Scintilla, sieben Liederabende mit Starsolisten, ein Opernball, der sich zum 20. Mal jährt sowie zahlreiche Angebote für Kinder, junge Erwachsene und Familien sind Teil eines Spielplans. Den Anfang der Saison 2019/20 macht ein grosses Eröffnungsfest und den Abschluss traditionell die Live-Übertragung oper für alle.

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

 PREMIEREN  OPER

Seit über dreissig Jahren ist Cecilia Bartoli dem Opernhaus verbunden. In der Saison 2019/20 steht eine Neuproduktion mit der Ausnahmekünstlerin auf dem Programm. Die Inszenierung von Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Tauride liegt in den Händen des Hausherrn Andreas Homoki. Die erste gemeinsame Arbeit der beiden wird von Gianluca Capuano am Pult der Philharmonia Zürich begleitet. Das Opernhaus Zürich hat dem jungen Schweizer Komponisten Stefan Wirth einen Kompositions-auftrag erteilt und kann ab Mai 2020 Girl with a Pearl Earring dem Publikum vorstellen. Die Handlung dieser Uraufführung kreist um die Entstehung eines Gemäldes von Jan Vermeer und basiert auf dem Bestseller von Tracey Chevalier, der mit Scarlett Johansson und Colin Firth verfilmt wurde.

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel - 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel – 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Die hochkarätige Besetzung bringt ein Wiedersehen mit Thomas Hampson als Malerikone. Felicity Palmer, Laura Aikin und die junge Amerikanerin Lauren Snouffer stehen eben-falls für den hohen Anspruch dieses Projektes. Die Eröffnungspremiere der Saison widmet sich einer 337 Jahre alten Femme fatale. In Die Sache Makropulos von Leoš Janácek, wird Evelyn Herlitzius zum ersten Mal in einer Neuproduktion am Opernhaus Zürich zu erleben sein. Dmitri Tcherniakov konnte für die Inszenierung gewonnen werden. Eines der populärsten Werke des Operetten-Repertoires ist Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin. In Zürich unternehmen Annette Dasch und Pavol Breslik einen Ausflug in diese Form des Musiktheaters. Der musikalische Leiter des Abends ist der operettenerfahrene GMD und Intendant der Oper Leipzig Ulf Schirmer. Die Regie übernimmt Jan Philipp Gloger. Das weithin vergessene Genre Operette erlebt zurzeit eine Renaissance und hat auch in Zürich seit der Intendanz von Andreas Homoki ein Zuhause gefunden.

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Fabio Luisi, Piotr Beczala und Camilla Nylund werden im Rahmen einer Operettengala Arien und Duette von Lehár, Kálmán, Stolz und Strauss im Juni 2020 zu Gehör bringen. Eine Mischung aus Wiener Operettenheiterkeit und melancholischer Abschiedsstimmung ist die letzte gemeinsame Arbeit von Richard Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal Arabella. Julia Kleiter, Julie Fuchs und Josef Wagner debütieren als Arabella, Zdenka und Mandryka. Die Inszenierung der Liebes- / Gesellschaftskomödie besorgt Robert Carsen. Um die raffinierten Orchesterklänge und schwungvollen Wiener Walzer kümmert sich der GMD des Hauses Fabio Luisi persönlich. Die Abschlussproduktion der kommenden Saison ist gleichzeitig die erste gemeinsame Zürcher Arbeit von Fabio Luisi mit dem Regisseur Calixto Bieito. Verdis selten gespielte Oper I vespri siciliani wird im Rahmen der Festspiele Zürich im Juni 2020 Premiere feiern. Maria Agresta und Quinn Kelsey, der sein Rollendebüt begeht, singen die Hauptpartien dieser tragischen Liebesgeschichte im Milieu sizilianischer Widerstandskämpfer.

Nabucco – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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Ein Wiedersehen mit Christof Loy gibt es bei der Neuinszenierung von Donizettis Don Pasquale. In der Titelpartie wird Johannes Martin Kränzle wieder in Zürich zu sehen sein. Julie Fuchs gibt die gewiefte junge Witwe Norina und Edgardo Rocha den Neffen des alten Herrn. Enrique Mazzola kümmert sich um die musikalische Seite dieses Meisterwerks der komischen Oper. Sebastian Baumgarten wird Händels Oratorium Belshazzar mit Jakub Józef Orlinski, der mit seinem Rollendebüt auch zum ersten Mal am Opernhaus Zürich arbeitet, und Layla Claire in Szene setzen. Der Händel-Experte Laurence Cummings steht dafür am Pult des Orchestra La Scintilla.

Für das Opernhaus Zürich ist die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Musiktheater und das Ballett ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Im November 2019 wird Coraline von Marc-Anthony Turnage als Familienoper ihren Weg auf die Zürcher Bühne finden. Die Geschichte um ein Mädchen, das in zwei Welten lebt wurde bereits erfolgreich verfilmt. Mit Joseph Haydns Il mondo della luna präsentieren sich im April 2020 die jungen Nachwuchssänger des Internationalen Opernstudios unter der Regie des jungen Japaners Tomo Sugao am Theater Winterthur.

WIEDERAUFNAHMEN – OPER

Weitere Höhepunkte am Opernhaus Zürich sind auch die zahlreichen Wiederaufnahmen mit herausragenden Besetzungen. Ans Opernhaus Zürich kehren zurück: Juan Diego Flórez, der als Rodolfo sein Rollendebüt in La bohème geben wird. Cecilia Bartoli und Javier Camarena, die wieder gemeinsam in La cenerentola auf der Zürcher Bühne stehen. Ein weiteres Rollendebüt wird Benjamin Bruns als Max im Freischütz feiern. Piotr Beczala, der im vergangenen Sommer sehr erfolgreich in der Bayreuther Neuproduktion den Lohengrin kurzfristig übernahm, wird im Juni 2020 in der Zürcher Inszenierung gemeinsam mit Elza van den Heever zu sehen sein. Christian Gerhaher und Gun-Brit Barkmin sind im Wozzeck das tragische Paar. Saimir Pirgu ist Faust, Anita Hartig Marguerite und Ildebrando d`Arcangelo Méphistophélès in Gounods Vertonung von Goethes Menschheitsdrama. Luca Pisaroni und Jane Archibald werden in «Don Giovanni» wieder zu Gast sein. Ein weiteres Epochalwerk des Opernrepertoires wird von Catherine Naglestad (Abigaille), Dalibor Jenis (Nabucco) und Vitalij Kowaljow (Zaccaria) bestritten. Plácido Domingo erfüllt sich einen Wunsch und singt für seine Zürcher Fans in einer einmaligen Galavorstellung von Verdis Nabucco die Titelpartie. Zum ersten Mal am Opernhaus Zürich zu Gast sind Andreas Schager als Florestan und Wolfgang Koch als Don Pizzaro. Sie werden zusammen mit Anja Kampe in Fidelio zu erleben sein. Kwang-chul Youn gibt den Heinrich in Wagners Lohengrin  und Jacquelyn Wagner die Agathe im Freischütz. Kristina Mkhitaryan und Liparit Avetisyan begehen als Violetta Valéry und Alfredo Germont ihr Hausdebüt. Am Pult der Philharmonia Zürich, werden bekannte und neue Gesichter zu sehen sein. Der GMD Fabio Luisi widmet sich in der kommenden Saison dem Verdi-Repertoire und dirigiert sein Orchester bei den Wiederaufnahmen von Nabucco und La traviata. Für Wagners Lohengrin konn-te abermals Simone Young gewonnen werden. Ebenfalls im deutschen Repertoire zu Hause ist Axel Kober, der Webers Freischütz interpretieren wird. In den Händen von Markus Poschner liegt Beethovens Fidelio. Für Alban Bergs Wozzeck wird Hartmut Haenchen zum ersten Mal im Zürcher Graben stehen. Ebenfalls zum ersten Mal am Opernhaus Zürich ist Ryan Mc Adams mit Gounods Faust. Um Mozarts Don Giovanni kümmert sich Riccardo Minasi und um Puccinis La bohème Marco Armiliato. Für Rossinis La cenerentola zeichnet Gianluca Capuano verantwortlich. Für die Erfolgsinszenierung des regierungskritischen russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov Così fan tutte steht Ottavio Dantone am Pult der Philharmonia Zürich.

Cosi fan tutte – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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 BALLETT ZÜRICH

Die Ballettsaison 2019/20 wird, wie schon fast traditionell, mit einer Uraufführung von Ballettdirektor Christian Spuck eröffnet. Zum ersten Mal kommt Helmut Lachenmanns Musiktheater Das Mädchen mit den Schwefelhölzern nach dem todtraurigen Märchen von Hans Christian Andersen als Ballett auf die Bühne. Die Neuproduktion und zugleich auch Schweizer Erstaufführung verbindet Tanz, Bilder und Gesang mit Lachenmanns faszinierender Musik und macht selbst den Zuschauerraum des Opernhauses zum Klangraum. Mehrere Werke von William Forsythe hat das Ballett Zürich bereits auf die Bühne gebracht und feiert den amerikanischen Choreografen nun mit einem eigenen Abend. Schlicht «Forsythe» heißt die Hommage und beinhaltet drei wegweisende Werke des Erneuerers des Tanzes: The Second Detail, Approximate Sonata in der Pariser Neufassung von 2016 und «One Flat Thing, reproduced». Im Rahmen des Ballettabends Walking Mad kehrt auch Hans van Manen, mit seinem vom Nederlands Dans Theater uraufgeführten Werk «Kleines Requiem», nach Zürich zurück. Ebenfalls vom NDT uraufgeführt wurde das titelgebende Stück von Johan Inger, zum berühmten «Boléro» von Maurice Ravel tanzt das Ballett Zürich zum ersten Mal ein Werk des schwedischen Choreografen.

Einen ganzen Abend voller neuer Werke bringt die Serie Junge Choreografen, in deren Rahmen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Zürich und des Junior Balletts die künstlerische Verantwortung für ihre eigenen Choreografien übernehmen. Wiederaufgenommen werden mit «Messa da Requiem» und «Nussknacker und Mausekönig» zwei Produktionen von Christian Spuck, der Doppelabend «Emergence» mit Choreografien von Crystal Pite und dem Choreografenduo Sol León & Paul Lightfoot, das Ballett Faust von Edward Clug sowie der Abend des Junior Balletts mit «Kreationen» von Filipe Portugal, Louis Stiens und Goyo Montero.

Hänsel und Gretel – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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KONZERTE, LIEDERABENDE UND EXTRAS

Die Philharmonia Zürich und das Spezialensemble Orchestra La Scintilla werden sich auch in dieser Saison außerhalb des Orchestergrabens präsentieren. Die Eröffnung der Philharmonischen Saison findet mit dem Violinisten Leonidas Kavakos unter der Leitung des Generalmusikdirektors Fabio Luisi und Werken von Beethoven und Wagner statt. Der begonnene Beethoven-Zyklus mit der italienischen Pianistin Beatrice Rana wird von Fabio Luisi mit zwei Konzerten fortgeführt. Gianandrea Noseda, der das Amt des Zürcher GMDs ab der Saison 2021/22 übernehmen wird, wird für ein Konzert mit Werken von Schubert, Tschaikowski und Mendelssohn in Zürich gastieren. Für ein Programm mit Werken von Mahler und Mozart steht Manfred Honeck am Pult der Philharmonia Zürich. Der Experte für historisch informierte Aufführungspraxis Riccardo Minasi wird sich ganz dem Orchestra La Scintilla widmen. Die Programme der vier Konzerte reichen von Haydns «Schöpfung» über Werke von Jan Dismans Zelenka und einem Konzert zum Thema Echos. Für Händels Wassermusik ist Lars Ulrik Mortensen Gast der Scintilla. In der Spielzeit 2019/20 präsentiert das Opernhaus Zürich wieder Liederabende mit Starssolisten: Angela Gheorghiu, Pretty Yende, Krassimira Stoyanova, Stéphanie D’Oustrac, Benjamin Bernheim, Christof Fischesser sowie Julia Kleiter und Michael Nagy, die gemeinsam einen Abend bestreiten.

Am 21. September 2019 veranstaltet das Opernhaus nach der Sommerpause das traditionelle Eröffnungsfest. Im ganzen Haus getanzt wird wieder beim Opernball am 14. März 2020. Die Benefizgala feiert dann ihr 20jähriges Bestehen. oper für alle auf dem Sechseläutenplatz findet am 13. Juni 2020 mit der Live-Übertragung der Mozart-Oper Don Giovanni statt

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Zürich, Opernhaus Zürich, Premiere La forza del destino, 27.05.2018

Mai 14, 2018 by  
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Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

 La forza del destino – Giuseppe Verdi

Premiere So, 27 Mai 2018

«Die Welt spielt verrückt. Was sind das bloss für Zeiten!» Dieser Satz aus Fra Melitones Munde, dem brummeligen Mönch aus La forza del destino (Die Macht des Schicksals), könnte programmatisch für Giuseppe Verdis 1861 uraufgeführte Oper stehen. Tatsächlich ist die Welt in diesem Musikdrama arg aus den Fugen. Verdi zeichnete mit seiner Oper ein schonungsloses Porträt einer von Kriegen geprägten, zerbrochenen Gesellschaft, in der Liebe, Zuneigung und Barmherzigkeit das Weltendunkel nur punktuell aufhellen. Die Hauptfiguren dieser Oper, die Liebenden Leonora und Don Alvaro sowie Leonoras Bruder Don Carlo, werden mitten in diese chaotische Welt hineingeworfen. Ein fataler Pistolenschuss, der Alvaro zum unglücklichen Mörder von Leonoras Vater macht, bewirkt, dass sich die Wege der Liebenden schicksalshaft trennen. Leonoras Bruder Carlo agiert in seiner verbohrten Rachsucht und seinem Hass zerstörerisch.

Mit La forza del destino schuf Verdi eine seiner kraftvollsten Partituren. Dass sie in den Händen von Fabio Luisi einen idealen Interpreten findet, dürfte nicht erst seit seiner aufregenden Interpretation von Verdis Requiem deutlich geworden sein. Die grossformatige Anlage des Stücks ist auch für Regisseur Andreas Homoki wie geschaffen. Die horrend schwierigen Gesangspartien sind exquisit besetzt: Als Leonora ist zum ersten Mal an unserem Hause die abchasisch-russische Sopranistin Hibla Gerzmava zu hören, den Alvaro singt Yonghoon Lee, und als Carlo ist der am Opernhaus bestens bekannte George Petean zu erleben.

Bei der Einführungsmatinee am Sonntag, 13. Mai um 11.15 Uhr im Bernhard Theater, ist unsere Dramaturgin Kathrin Brunner mit Regisseur Andreas Homoki sowie den Sängerinnen Hibla Gerzmava, J‘Nai Bridges und dem Bariton George Petean im Gespräch. Musikalische Ausschnitte geben erste Einblicke in die Produktion.
Partner Opernhaus Zürich

Musikalische Leitung Fabio Luisi Inszenierung Andreas Homoki, Bühnenbild Hartmut Meyer, Kostüme Mechthild Seipel, Lichtgestaltung Franck Evin, Choreographische Mitarbeit Kinsun Chan, Choreinstudierung Janko Kastelic Dramaturgie Kathrin Brunner

Donna Leonora : Hibla Gerzmava, Don Carlo di Vargas : George Petean, Don Alvaro :Marcelo Puente, Preziosilla : J’Nai Bridges, Il Marchese di Calatrava, Padre Guardiano : Christof Fischesser, Fra Melitone : Ruben Drole, Mastro Trabuco : Jamez McCorkle

Philharmonia Zürich, Chor der Oper Zürich, Chorzuzüger, Zusatzchor des Opernhauses Zürich

La forza del destino – weitere Vorstellungen  So, 27 Mai 2018, 19:00, Mi, 30 Mai 2018, 19:00, Sa, 2 Jun 2018, 19:00, Do, 7 Jun 2018, 20:00, So, 10 Jun 2018, 19:30

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