Mörbisch, Seefestspiele Mörbisch, Das Land des Lächelns – Franz Lehár, 11.07.2019

Seefestspiele Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch / Land des Lächelns © Seefestspiele Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns © Seefestspiele Mörbisch

 Das Land des Lächelns  – Franz Lehár
Lehárs Meisteroperette zieht 2019 das Publikum in seinen Bann

Der Künstlerische Direktor Peter Edelmann bringt nach 18 Jahren Das Land des Lächelns von Franz Lehár wieder auf die Seebühne. Das Publikum nahm die Einladung des Mörbisch-Direktors an und reiste mit ins ferne China.

Seefestspiele Mörbisch / Panorama © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Panorama © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Mit der romantischen Operette von Franz Lehár folgt Peter Edelmann in seiner zweiten Saison am Neusiedler See seinem Vorhaben, die „erste Garde“ der Operetten auf die weltweit größte Operettenbühne der Welt zu bringen. Eine berührende Liebesgeschichte, die Dichte an unvergesslichen Melodien wie „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Immer nur lächeln“ und die imposante Seebühne inmitten der atemberaubenden Naturkulisse des Neusiedlersees sind die Zutaten für einen Operettenabend, der lange in Erinnerung bleibt.

Seefestspiele Mörbisch / Peter Edelmann © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Peter Edelmann © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Das Land des Lächelns ist die emotionalste aller Operetten, die keinen Besucher ungerührt lässt“, ist sich Peter Edelmann gewiss, „wir haben einen Abend voll Romantik und großer Gefühle erlebt! Gerade mit der heurigen Inszenierung ist es uns gelungen, das Publikum in jeder Hinsicht zu überraschen: Sei es mit den spektakulären Kulissen und technischen Raffinessen, mit traumhaften Kostümen für das gesamte Ensemble, aber ebenso mit einer Orchesterdarbietung und Klangqualität auf höchstem Niveau und nicht zuletzt mit einer hervorragenden Besetzung.“

„Die Seefestspiele Mörbisch sind für die Festivalregion rund um den Neusiedler See, die Kultur sowie für den Tourismus von großer Bedeutung und ein starker Partner. Peter Edelmann hat mit seinem Team mit einer spannenden Inszenierung und spektakulären Bühnenbildern Gespür für die Erwartungen des Publikums bewiesen. Diese Produktion von Das Land des Lächelns ist ein einzigartiges Festival-Highlight in diesem Sommer“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Seefestspiele Mörbisch / Tribüne - Anatevka © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Tribüne – Anatevka © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Zahlreiche prominente Gäste besuchten die heutige Premiere: Bundesminister Thomas Starlinger, die Landeshauptleute Hans Peter Doskozil, Michael Ludwig und Hermann Schützenhöfer, LH-Stv. Franz Schnabel, die Landesräte Verena Dunst, Astrid Eisenkopf, Christian Illedits, Alexander Petschnig und Daniela Winkler, Helmut Bieler, Hans Niessl, Dr. Franz Vranitzky, Franko Foda, Alfons Haider, Richard Lugner, Eva Maria Marold, Opernstars Martina Serafin und Ulrike Steinsky u.v.a.

Exotisches Flair am Neusiedlersee

Das Land des Lächelns mit der weltberühmten Arie „Dein ist mein ganzes Herz‘‘ sorgt nach 18 Jahren Abwesenheit mit fernöstlichem Zauber, großen Gefühlen und mit Lehárs großartiger Musik für ein Lächeln auf den Gesichtern der Besucher und jede Menge Gänsehaut-Feeling. Bei den Seefestspielen Mörbisch ist das Bühnenbild ein wichtiger Anziehungspunkt. Das Publikum zeigt sich von der Lage direkt am Rande des
Neusiedlersees ebenso beeindruckt, wie von den gigantischen Maßen der Kulissen. Heuer insbesondere von einem 14 Meter hohen und knapp 16 Tonnen schweren chinesischen Drachenkopf, der sich schnaubend über die Bühne bewegt und alle in seinen Bann zieht. Regie geführt und choreografiert hat bei dieser spektakulären Produktion der in Südafrika geborenen Leonard C. Prinsloo.

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Koichi Okugawa, Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Koichi Okugawa, Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Inhalt
In Das Land des Lächelns treffen zwei junge Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen aufeinander: Während seines Aufenthaltes in Wien lernt der chinesische Diplomat Prinz Sou-Chong die aus einer adeligen Familie stammende Lisa kennen. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und verlieben sich. Als Sou-Chong zum chinesischen Ministerpräsidenten ernannt wird, folgt ihm Lisa nach Peking. Dort wird sie mit fremden Sitten und uralten Traditionen konfrontiert, die ihre Liebe zu Sou-Chong auf den Prüfstand stellen

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Inszenierung   –   Der Reiz des Fremden
Nach 2014 (Anatevka) und 2015 (Eine Nacht in Venedig) hat Walter Vogelweider heuer erneut das Bühnenbild entworfen. Die Kulissen entführen die Besucher mit technischen Highlights und optischen Raffinessen in die gegensätzlichen Welten von Wien und Peking. Die Seefestspiele Mörbisch überzeugen auch heuer (2019!) wieder mit großen Dimensionen auf der Bühne. Der erste Teil des Stücks ist im Wiener Prater angesiedelt, wo sich Lisa und Sou-Chong bei einem Pferderennen kennenlernen. Das Bühnenbild verwandelt sich im zweiten Teil in die mystische Welt des Orients, wenn Lisa mit ihrem Prinzen nach China reist.

Land des Lächelns – Franz Lehár
youtube Trailer Seefestspiele Mörbisch
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

„In Zeiten, als Fernreisen gefährlich, unerschwinglich teuer und sehr zeitaufwendig waren, bot das Fremde eine große Projektionsfläche für romantisierende Ideen und Vorstellungen. Der Reiz des Exotischen wurde in allen Kunstrichtungen aufgenommen, in der Literatur, der Malerei, der Architektur, in der Musik und natürlich auch in den Operetten, Filmen, Werbung und, wie könnte es anders sein, im Prater. Von der romantisierten Vorstellung von Fortschritt und Industrialisierung, wechseln wir in die mystische Welt des Orients. So groß und unbedarft die Sehnsucht zu Anfang war, so dominant zeigt sich der 2. und 3. Akt. Ein überdimensionaler Drache beherrscht das Bühnenbild.“ (Walter Vogelweider)

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Elissa Huber, Benno Schollum, Won Whi Choi, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Elissa Huber, Benno Schollum, Won Whi Choi, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Genialer Melodiker
Mit dem gebürtigen Wiener Thomas Rösner steht ein international erfahrener Dirigent am Pult. Er ist Gründer und Leiter der österreichischen Beethoven Philharmonie und auch als Konzertdirigent weltweit gefragt.

„Lehár ist aus meiner Sicht mit seinem Land des Lächelns die einzigartige Meisterleistung gelungen, die Eingängigkeit der Melodien, die von einer Operette erwartet werden, mit der Eleganz, Klangschönheit und Differenzierung großer Oper in Einklang zu bringen. Lehar war ein großer Freund und Bewunderer Puccinis. In diesem Werk wird diese Nähe ganz besonders spürbar. So wie Puccini schreibt auch Lehár sehr anspruchsvoll und mit großer Schönheit für die menschliche Stimme. Beide sind Meister darin, das Orchester mit vielen Farben wirkungsvoll einzusetzen und dadurch auch den ganz unterschiedlichen Klangkolorit Chinas und Wiens zum Klingen zu bringen.“ (Thomas Rösner)

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Elissa Huber, Maximilian Mayer, Benno Schollum, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Elissa Huber, Maximilian Mayer, Benno Schollum, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Farbenprächtige exotische Welt
Christof Cremer, freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner, lebt in Wien und arbeitet international. Neben seiner Tätigkeit für das Theater konzipiert und kuratiert er Ausstellungen und arbeitet als Szenograph. Bereits fünf Mal hat Christof Cremer die Kostüme der Balletteinlagen des Neujahrskonzerts gestaltet.

„Das Land des Lächelns lebt vom großen Gegensatz der Welten. Einerseits die westliche Welt, die westliche Monarchie und andererseits eine exotische fernöstliche Welt. Dieser Gegensatz galt vor allem für die Zeit der Uraufführung. Heute ist dem Betrachter durch Bilder oder eigenes Erleben die chinesischen Kultur und Folklore vertraut. Deshalb sind die Kostüme des 2. und 3. Aktes abstrahierte, von der chinesischen Kunst und Mode inspirierte Kostüme. Die einzelnen Silhouetten erzählen etwas über die Figuren. So etwa, wenn von einer Frau als Braut nur das Gesicht sichtbar bleibt und dies noch unter einem Schleier. So erzählt das viel über den Wert der Frau in dieser Gesellschaft. Die Hauptfiguren finden sich im 2. und 3. Akt in einer umfassenden Spannung in Bezug auf die sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen. Die Kostüme unterstützen und unterstreichen das. In den Ballettkostümen sind auch Referenzen an den modernen Ausdruckstanz aus der Zeit der Uraufführung der Operette eingewoben. Vor allem im Akt 2 und 3 arbeiten wir mit großen graphischen Motiven und Mustern. Diese Ornamente entspringen der chinesischen Kunst oder den Stickereien der historischen Gewänder. So entsteht durch die Kostüme eine eigene farbenprächtige exotische Welt.“ (Christof Cremer)

Seefestspiele Mörbisch / Feuerwerk © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Feuerwerk © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Premierenbesetzung
Elissa Huber als Lisa, Won Whi Choi als Prinz Su-Chong, Katerina von Bennigsen als Mi, Maximilian Mayer als Graf Gustav von Pottenstein, Benno Schollum als Graf Ferdinand Lichtenfels, Gernot Kranner als Sekretär Fu Li, Koichi Okugawa als Onkel Tschang und Harald Serafin als Obereunuch.

Seefestspiele Mörbisch 2019 – 11. Juli bis 24. August: Tickets – Infos: www.seefestspiele.at, tickets@seefestspiele.at und Telefon +43 (0)2682 / 66210

 

—| Pressemeldung Seefestspiele Mörbisch |—

Köln, Oper Köln, Premiere La scuola de´ gelosi – Antonio Salieri, 31.03.2019

März 11, 2019 by  
Filed under Oper Köln, Premieren, Pressemeldung

oper koeln.jpg

Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

La scuola de´ gelosi –  Die Schule der Eifersucht

Premiere  So., 31. März › 18.00 Uhr StaatenHaus, Saal 3

Eine Frau ohne Liebhaber ist nicht tugendhaft, sondern reizlos. Ein Ehemann ohne Mätresse gilt als impotent oder ruiniert. Zumindest galt das, in privilegierten Kreisen, zu Antonio Salieris Zeit.

Salieri war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit und zählte als Hofkapellmeister des Wiener Hofes zu den einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten Europas. Sein dramma giocoso La scuola de´gelosi (Die Schule der Eifersucht) wurde in der Karnevalssaison 1778/1779 in Venedig uraufgeführt und eroberte schnell die Bühnen Europas.

Ein reicher Kaufmann ist blind vor Eifersucht und kurz davor, seine Ehefrau Ernestina einzusperren. Der notorisch treulose Graf hat sich aber für seine nächste Eroberung ausgerechnet jene Ernestina auserkoren … Ein rasanter Schlagabtausch mit leichtfüßigem Witz beginnt.

Selbst Johann Wolfgang von Goethe verehrte dieses Stück, wie er in einem Brief an Charlotte von Stein formuliert: »Die Oper gestern war einnehmend und gut aufgeführt. Es war La scuola de’ gelosi, Musik von Salieri, die Oper ist das Lieblingsstück des Publikums, und das Publikum hat recht. Die Oper ist sehr abwechslungsreich, und alles ist mit gutem Geschmack geschrieben. Mein Herz wurde von jeder Arie bewegt, besonders von den Finali und den Quintetten, die anbetungswürdig sind.«

Regisseurin Jean Renshaw steht als Garant für eine raffiniert-turbulente Inszenierung. Christof Cremer zeichnet verantwortlich für ein bewegtes Bühnenbild und fantastische Roben. Ein Großteil der Rollen ist mit Mitgliedern des Internationalen Opernstudios der Oper Köln besetzt. Mit Arnaud Arbet kehrt ein Dirigent zurück, der zu Beginn dieser Spielzeit bereits mit Mauricio Kagels Mare Nostrum einen großen Erfolg verbuchen konnte.

Besetzung  –  Musikalische Leitung Arnaud Arbet, Inszenierung Jean Renshaw, Bühne & Kostüme Christof Cremer, Licht Nicol Hungsberg

Mit  –  Graf BandieraWilliam Goforth, Gräfin Bandiera › Kathrin Zukowski, Blasio, Getreidehändler › Matteo Loi, Ernestina, Blasios Ehefrau › Alina Wunderlin, Lumaca, Blasios Diener › Matthias Hoffmann / Florian Köfler (18. April), Carlotta, ein Kammermädchen › Arnheidur Eiríksdóttir, Der Lieutnant, Blasios Cousin und Freund des Grafen › Anton Kuzenok, Tänzer › Martin Dvorák
Orchester › Gürzenich-Orchester Köln

Premiere  So., 31. März › 18.00 Uhr,  weitere Vorstellungen, Do, 4. April › 19.30 Uhr, Sa, 6. April › 19.30 Uhr, Sa, 13. April › 19.30 Uhr, Do, 18. April › 19.30 Uhr, So, 21. April › 18.00 Uhr

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Hagen, Theater Hagen, Das schlaue Füchslein von Leos Janacek, IOCO Kritik, 31.3.2018

April 1, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Hagen

theaterhagen_seit1911_2

Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Das schlaue Füchslein von Leos Janacek

 Hochhausdschungel – Ein Wald aus zahllosen Leitern

Von Viktor Jarosch

Leos Janacek, 1854 – 1928, lebte zumeist im tschechischen Brünn, abgeschieden von den großen Orten europäischer Musikkultur; er war scheu, vielleicht eigenbrötlerisch. Seine Werke wurden erst in den späten Jahren seines Lebens bekannt, wurde Janacek populär. Das schlaue Füchslein ist auch ein Spätwerk, 1824 in Brünn uraufgeführt; Janacek war bereits 70 Jahre. Die Entstehung: Der Zeichner Stanilav Lolek hatte Comic – Bilder, „aus dem Leben eines Fuchses“ gemalt; der Redakteur, Rudolf Tesnohlidek (1882 – 1928) formte aus diesen Zeichnungen einen ersten Cartoon, eine Art „slawischem Sommernachtstraum“, welcher  Tier- und Menschenwelten liebevoll verknüpft, Parallelen beschreibt und kunstvoll die Nähe des Menschen zum Tier zeichnet. Der  erfolgreiche Cartoon verleitete Leos Janacek zu seiner Komposition in welcher Moderne und Folklorismus, romantische Oper und Filmmusik eine Mischung eingehen.

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein - hier: Dorothea Brandt als Füchslein Schlaukopf und der Kinderchor des Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein – hier: Dorothea Brandt als Füchslein Schlaukopf und der Kinderchor des Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Das schlaue Füchslein, es klingt nach einer familientauglichen Kinderoper; doch tatsächlich ist es alles andere als das. Es ist eine tiefsinnige Parabel, in welcher sich Menschen, meist ein Förster, in  Natur und Tieren spiegeln. Realer Alltag, Ängste, Träume, Unterbewusstes und Handeln in lyrische Klangfarben zaubert. Menschen zeigen ihr unfertiges Wesen in dem das Unterbewußte eigentlich herrscht; die Tiere dieser Oper handeln tierisch real, vernünftig, nicht märchenhaft schwärmend.

Das Theater Hagen stimmt seine Besucher mit einem sinnigen Bühnenprospekt ein, dessen Mitte die originelle Karikatur eines Fuchsgesichtes zeigt. Das dann sichtbar werdende erste Bühnenbild ergreift: Regisseurin Mascha Pörzgen gestaltet im Schlauen Füchslein das Wesen von Menschen und Tiere als Ausdruck unserer  Fantasien, aber mit fließenden Grenzen. Wenngleich der Förster, ein Mensch, scheinbares Zentrum der Handlung zu sein scheint, ist er schwach, scheitert er; wirkt er wie alle menschlichen Wesen unfertig. Die Regie von Pörzgen macht im Theater Hagen die Füchsin Schlaukopf, das  natürlich wirkende Tier, die Natur zu den kreativ gestaltenden, zu wahren höheren Wesen. Wirken menschlich vernünfitg; „scharren nicht im Dreck“.  Mascha Pörzgen nutzt für ihre Inszenierung auch die Möglichkeiten der Drehbühne des Theater Hagen.  Der Wechsel zwischen einzelnen Bühnenbildern, von Mensch zu Tier zu Mensch, ist bruchlos, fließend, natürlich.

Der Förster, verheiratet, ruht in einem expressionistisch aktuell wirkenden „Leiterwald“. Einem Hochhausdschungel gleich ragen mit zahllose Leitern hoch hinauf, tragen symbolisierte grüne Baumkronen (Bühne und Kostüme Christof Cremer). Der Förster träumt  sehnsuchtsvoll von der schönen – nie auftretenden – Terynka, welche neu in sein Leben getreten ist. Tiere des Waldes umspielen ihn, eine Libelle als Fensterputzer macht vermeintliche Scheiben sauber. Ein Frosch weckt den Förster, springt ihm auf die Nase. Der Förster fängt fängt eine Füchsin, die Füchsin Schlaukopf, nimmt sie auf seinen Hof, wo sie alles „Elend der menschlich tierischen Welt“ erlebt: Die Försterin schlägt sie, die Kinder ärgern sie, ein lüsterner Dackel, den Förster metaphorisch darstellend, jagt sie, ein Hahn fordert, dem Lehrer gleich, beständig Disziplin. In der Wirtsstube des Dorfes trinken Schulmeister, Pfarrer und Förster Bier und   sind im Bann von der rätselhaften Terynka. Aus diesem menschlich tierischen Elend gelingt Füchsin Schlaukopf  die Flucht aus dem Försterhaus.

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein - hier : Veronika Haller als Gastwirtin/Hahn, Dorothea Brandt Füchslein Schlaukopf, Sophia Leimbach als Schopfhenne, Eichelhäher, Damenchor Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein – hier : Veronika Haller als Gastwirtin/Hahn, Dorothea Brandt Füchslein Schlaukopf, Sophia Leimbach als Schopfhenne, Eichelhäher, Damenchor Theater Hagen @ Klaus Lefebvre

Der Kreislauf des Lebens bleibt unerklärlich

Für das Tier – Für den Mensch

Zurück im Wald vertreibt sie in bösem Streit – und unter Teilnahme aller Tiere des Waldes –  einen Dachs (= Pfarrer) aus dessen Höhle. Einen „wohl erzogenen“ Fuchs heiratet sie, von einem Specht getraut, während eine Eule über Unmoral zetert. Die Hochzeit wird zu einem breiten folkloristischen Klangbild positiven Lebens. Alle Tiere des Waldes, Grille, Heuschrecke, Frosch und mehr feiern die Hochzeit ausgelassen mit. Mitsamt dem folgenden Familienleben der Füchsin Schlaukopf  zu einem „hellen“ parodistischen Höhepunkt der Oper. Doch dann greift Lebenskreislauf greift zu: Die Füchsin Schlaukopf  wird von dem Landstreicher Haraschta, der inzwischen Terynka ehelichte, erschossen. Ihr Tod, eher beiläufig dargestellt, wird zur banalen Realität, zum „dunklen“ Höhepunkt, wie auch zum Wendepunkt der Musik, welche nun Leere und Verlust wiedergibt. Das Fell der Füchsin Schlaukopf wird zu einem Muff für Terynka …. Der Förster, wieder allein im Wald, blickt auf alles  Geschehene zurück. Er sieht eine junge Füchsin, einen Frosch und mit ihnen das den für ihn unerklärlich bleibenden Kreislauf des Lebens, in welchem alles artgerecht ist: Vermeintlich intelligenzgesteuerte Menschen, werden überwiegend von ihrem Unter-bewusstsein dominiert; Tiere bleiben Tiere, welche die Hühner reißen oder einen Dachs vertreiben.

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein - hier : Olaf Haye als Háraschta der das ermordete Füchslein Schlaufkopf entfernt @ Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Das schlaue Füchslein – hier : Olaf Haye als Háraschta der das ermordete Füchslein Schlaufkopf entfernt @ Klaus Lefebvre

Das Theater Hagen IOCO bewundert dies seit Jahren –  besitzt ein starkes Ensemble, stimmlich wie  darstellerisch. Die modern lebendige Regie von Mascha Pörzgen in Verbindung mit einer wunderbar choreographierten Ensembleleistung macht das Schlaue Füchslein zu einem mitreißenden Erlebnis. Die großen Partien der Oper waren gut besetzt: Kenneth Mattice, mit lyrischer und gut verständlichen Bariton, überzeugt als träumender wie getriebener Förster; Dorothea Brandt ist Füchsin Schlaukopf dominiert mit bezaubernd timbrierten Sopran und filigraner Darstellungskraft; Rainer Zaun ist innerlich gescheiterten Pfarrer, der um seine Versetzung bittet; Boris Leisenheimer als gutartig liebenswerter Schulmeister; Olaf Haye ist  von Konventionen unbefrachteter Landstreicher Háraschta. Die Inszenierung am Theater Hagen aber leuchtet hell, weil neben den großen viele kleine Akteure auf der Bühne, Gastwirtin – Seppl – Grille – Frosch – Schopfhenne und mehr die bunten Episoden der Oper mit individuellen darstellerischen Facetten komisch wie originell bereichern: Der Kinderchor, die jungen Füchse darstellend, Larissa Funkhauser als Eule, die über Unmoral schimpft, Marilyn Bennett als vertriebener Dackel und als Specht…..

Das schlaue Füchslein ist eine komplexe Oper; in Inhalt, Interpretation und Komposition; für ein Orchester anspruchsvoll und schwer zu spielen, erst recht wenn es illustrative Stellen wie für Grille und Heuschrecke betrifft. Generalmusikdirektor Joseph Trafton und den Hagener Philharmonikern meisterten Leos Janaceks Komposition in sanfter Geschmeidigkeit, lyrisch fein und vereint mit dem starken Ensemble auf der Bühne.

Das Publikum im Theater Hagen feierte lange die moderne wie liebevoll verspielte Inszenierung und seine Darsteller, welche abermals in einer fordernden Oper große künstlerische Kraft unter Beweis stellten.

Das schlaue Füchslein am Theater Hagen, weitere Vorstellungen am 8.4.; 13.4.; 12.5.2018

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Premiere DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN – Leos Janacek, 24.03.2018

theaterhagen_seit1911_2

Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN von Leoš Janácek

 Für die deutsche Bühne bearbeitet und übersetzt von Max Brod
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Premiere: Samstag, 24. März 2018, 19.30 Uhr

Theater Haren / Das schlaue Füchslein - Dorothea Brandt (Füchslein), Kinderchor des Theater Hagen © Klaus Lefebvre.

Theater Haren / Das schlaue Füchslein – Dorothea Brandt (Füchslein), Kinderchor des Theater Hagen © Klaus Lefebvre.

Worum geht’s? Wie klingt ein Wald? Wir hören das Flirren der Insekten, das Knacken trockener Äste, die Rufe von Tieren und hier und da ein Rascheln unbestimmter Herkunft. In Janáceks Opernfabel sind wir mitten im Wald, wo ein Fuchsjunges vom Förster gefangen wird, nur um in der Försterei den Hühnerstall durcheinander zu bringen und dann doch wieder in den Wald zu fliehen. Hier wächst es zur umworbenen Fuchsdame heran, hält Hochzeit und zieht Kinder groß, die schnell ebenso frech werden wie die Mutter

IOCO besucht diese Premiere und informiert!

Im Einklang mit der Natur sich dem ewigen Werden und Vergehen zu überlassen – dieser Sehnsucht verschafft Janácek mit seiner musikalischen Waldgeschichte Gehör. Und vor diesem philosophischen Hintergrund erleben wir die doch eher schnöden Menschenträume darin: Der Förster, der in den Wald geht, um der ewigen Nörgelei seiner Frau zu entkommen, der Schulmeister der sich betrunken in eine Sonnenblume verliebt, und der Pfarrer, der abwandern muss, weil seine Vergangenheit ihn einholt: Die menschlichen Herren der Schöpfung entpuppen sich als wenig vorbildtauglich – sind die Tiere da womöglich menschlicher?

Das Bühnenbild des international gefragten Ausstatters Christof Cremer bringt einen metaphorischen Wald überaus sinnlich auf die Bühne, in dem die Figuren in verrückt tierisch menschlichen Kostümen auftreten, damit die Regie von Mascha Pörzgen, die zuletzt u.a. an der Staatsoper Berlin und Volksoper Wien inszenierte, die Geschichte aus der Perspektive der Füchsin erzählen kann. Und unter der Leitung von Generalmusikdirektor Joseph Trafton wird die anspruchsvolle, dabei eingängige Musik dieses 1924 in Brünn uraufgeführten Werkes zum besonderen Erlebnis, weil hier Moderne und Folklorismus, romantische Oper und Filmmusik eine Mischung eingehen, die Kenner wie Neugierige gleichermaßen in den Bann zieht.

Es singen und spielen: Marilyn Bennett, Dorothea Brandt, Kristine Larissa Funkhauser, Veronika Haller, Olaf Haye, Sophia Leimbach, Boris Leisenheimer / Richard van Gemert, Kenneth Mattice, Matthew Overmeyer / Egidijus Urbonas, Jennifer Panara, Rainer Zaun u.a.; Chor, Kinderchor und Statisterie Theater Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen.

Das schlaue Füchslein am Theater Hagen:  Weitere Vorstellungen: 29.3.; 8.4. (15 Uhr), 13.4., 18.4., 27.4.; 12.5., 16.5., 26.5.; 24.6. (18 Uhr) 2018 – jeweils 19.30 Uhr, soweit nicht anders angegeben,

—| Pressemeldung Theater Hagen |—