Wien, Kammeroper Wien, A Quiet Place – Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 28.03.2018

März 29, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Operette, Wiener Kammeroper

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Kammeroper Wien @ Peter M. Mayr

Kammeroper Wien @ Peter M. Mayr

 Theater an der Wien

A Quiet Place  –  Leonard Bernstein

Eine „Kammerfassung“  –  Von Garth Edwin Sunderland

Von Marcus Haimerl

Als Komponist seriöser Werke wollte Leonard Bernstein in Erinnerung bleiben. Ein Wunsch, der sich mit zunehmenden Alter verstärkt hat. An seinem 55. Geburtstag soll er unter Tränen gesagt haben, dass er nur zwei Jahre jünger als Beethoven zum Zeitpunkt seines Todes sei und noch immer kein Meisterwerk geschrieben habe. Sein Ziel: eine amerikanische Oper zu schreiben. 1952 schuf Bernstein mit dem jazzigen Einakter Trouble in Tahiti, Grundlage für seine abendfüllende Oper A Quiet Place, beide Werke wurden in einer Doppelvorstellung in Houston uraufgeführt, der Erfolg blieb jedoch aus. Auch eine Überarbeitung gemeinsam mit dem Dirigenten John Mauceri und seinem Librettisten Stephen Wadsworth, in welcher Trouble in Tahiti als Rückblenden in den zweiten Akt integriert wurde, brachte bei den Aufführungen in Mailand, Washington und Wien für Bernstein keinen wirklichen Erfolg. Themen wie Selbstmord, Homosexualität, geistiger Verwirrtheit und Entfremdung tragen nicht gerade zur leichten Verdaulichkeit dieser Oper bei.

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

2009, neunzehn Jahre nach Bernsteins Tod, erteilte Kent Nagano den Komponisten Garth Edwin Sunderland den Auftrag aus A Quiet Place eine Kammerfassung zu erstellen. Sunderland reduzierte die Instrumentierung, entfernte die Rückblenden und fügte nicht nur einen Teil der Musik, sondern auch vollständige Arien aus der Houstoner Fassung wieder ein und verkürzte Bernsteins Oper auf knapp 100 Minuten.

In seinem Einakter Trouble in Tahiti gibt Bernstein Einblicke in die Probleme des Zusammenlebens des jungen Paares Dinah und Sam. Mit A Quiet Place wird diese Geschichte schließlich fortgesetzt. Dinah kam bei einem Autounfall ums Leben, nach langer Zeit kommt die Familie wieder zusammen. Tochter Dede kommt mit ihrem Mann François, welcher zugleich der Ex-Freund von Sohn Junior ist, verspätet. Junior selbst platzt in die Feierlichkeiten. Nachdem die Gäste gegangen sind, eskaliert die Situation, Sam wirft den Kindern das Zuspätkommen vor und Juniors Psychose entlädt sich in einer Provokation gegenüber seinem Vater. In den Tagebüchern seiner Frau findet Sam einen Abschiedsbrief. François Vorwürfe wegen Juniors Verhaltens bei der Trauerzeremonie führen zu einem weiteren neurotischen Anfall. François findet Trost in Dedes Armen, man beschließt Dinahs Garten auf Vordermann zu bringen. Am nächsten Morgen schwelgt Dede in Erinnerungen an ihre Mutter. Gemeinsam mit Junior beginnt sie Spiele aus der Kinderzeit. Sam überreicht seinem Schwiegersohn schließlich den Abschiedsbrief mit der Bitte, diesen vorzulesen.

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Der Plan noch einige Tage im Elternhaus zu verbringen führt zu einem neuen Streit, wer mit wem ihm Zimmer schläft. François erinnert an Dinahs Worte „We are only who we are“ und betont, dass alle sich ändern können, wenn sie nur wollen.

Für die Produktion der Neuen Oper Wien in der Wiener Kammeroper reduzierte Regisseur Philipp M. Krenn die eigentlichen Handlungsorte (Aufbahrungshalle, Sams Haus, Garten des Hauses) auf den bieder ausgestatteten Wohnraum des Hauses (beeindruckendes Bühnenbild und Kostüme von Christian Tabakoff). In dieser räumlichen Beschränkung kann sich das schon lange schwelende Familiendrama besonders gut entladen. Philipp M. Krenn lässt am Ende jedoch Zweifel ob des friedlichen Endes, richtet doch Junior am Ende, während sich der Vorhang schließt, eine Pistole gegen seinen Vater. Hier hielt das Publikum hörbar den Atem an und wartete auf einen Schuss, welcher zur Erleichterung aller dann aber nicht zu hören war.

Dirigent Walter Kobéra animiert das amadeus ensemble-wien zu Höchstleistungen und auch bei den Sängern gibt es hervorragende Leistungen. Steven Scheschareg, 1999 bereits als junger Sam in der Produktion der Neuen Oper Wien in Trouble in Tahiti zu erleben, überzeugt auch als Old Sam in der Fortsetzung. Anfänglich mit stoischer Miene entlädt sich das häusliche Gewitter mit seinem gewaltigen Bariton, an den ruhigeren Stellen jedoch sanft und einfühlsam gestaltet er diese Rolle mit allen notwendigen Emotionen. Unglaublich intensiv und leidenschaftlich ist der junge Bariton Dániel Foki als Junior in Darstellung und Gesang. Das Publikum reagierte entsprechend begeistert.  Auf gleich hohem Niveau agiert der kanadische Tenor Nathan Haller als berührender, tiefgründiger François. Die estnische Sopranistin Katrin Targo lebte die Rolle der Dede in fast allen emotionalen Facetten aus.

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Auch die kleinen Partien sind allesamt exzellent, fast schon luxuriös besetzt: Bariton Georg Klimbacher als Dinahs Bruder Bill, die Sopranistin Rebecca Blanz als Dinahs Freundin Susie, der österreichische Bass Johannes Schwendinger als Dinahs Arzt und Veronika Dünser als dessen betrunkene Gattin, Tenor Savva Tikhonov als Analytiker und Markus Miesenberger als Bestattungs-Unternehmer.

Das Publikum zeigte sich sichtlich begeistert ob der Ehrenrettung dieses doch zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Werks. Besser kann man den 100. Geburtstag Leonard Bernsteins kaum begehen.

Kammeroper Wien – A Quiet Place – von Leonard Bernstein; weitere Vorstellungen 29.4.2018, 30.4.2018, 2.4.2018


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Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Premiere The Rake’s Progress, 10.02.2018

Januar 24, 2018 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Rudolstadt

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Theater Rudolstadt

Theater Rudolstadt / The Rake’s Progress © Martina Pipprich

Theater Rudolstadt / The Rake’s Progress © Martina Pipprich

Karriere eines Wüstlings The Rake’s Progress

Oper von Igor Strawinsky, Libretto von H.W. Auden und Chester Simon Kallman, englisch mit deutschen Übertiteln, Kooperation mit Hochschule für Musik Mainz

 


Vom Aufstieg und Fall eines Wüstlings
Strawinskys einzige Oper feiert am Theater Rudolstadt Premiere

Mit der Aussicht auf Reichtum und ein rauschhaftes Leben verzichtet Tom Rakewell auf Geliebte und Job. Der Teufel selbst setzte ihm den Floh ins Ohr. Doch auf den kometenhaften Aufstieg folgt in Igor Strawinskys einziger abendfüllender Oper ein Abstieg im freien Fall. Am 10. Februar feiert Karriere eines Wüstlings oder The Rake‘s Progress am Theater Rudolstadt in Kooperation mit der Hochschule für Musik Mainz Premiere.

Grabstätte von Igor Stravinsky © IOCO

Grabstätte von Igor Stravinsky © IOCO

Die Handlung ist von den gleichnamigen Kupferstichen William Hogarths inspiriert. Vom Teufel verführt, lässt sich Tom Rakewell ohne Rücksicht auf Verluste vom Leben berauschen. Erst als er erkennt, dass er seine Seele verkauft hat, bittet er beim dämonischen Nick Shadow um eine letzte Chance auf Erlösung. Sie wird ihm mit einem Kartenspiel gewährt. Dank seiner ehemaligen Geliebten, die trotz allem schützend zu ihm steht, kann er seinen Widersacher zwar schlagen, aber um einen hohen Preis: Vom Wahnsinn umnachtet findet Tom Rakewell sein Ende in einem Irrenhaus.

Strawinskys neoklassizistisches Werk, entstanden 1951, orientiert sich an den Nummernopern Mozarts und zitiert die Klangsprache des 18. Jahrhunderts. Für die musikalische Leitung steht Chefdirigent Oliver Weder am Pult der Thüringer Symphoniker. Regisseurin Christiane Lutz verlegt die Handlung ins internationale, für seine Skrupellosigkeit bekannte Bankenmilieu. Sie inszenierte u. a. an der Staatsoper Wien, der Semperoper Dresden und bei den Salzburger Festspielen. Als Kostümbildnerin steht ihr Natascha Maraval zur Seite, mit der sie u. a. 2014 ins Finale des Regiewettbewerbs „Ring Award“ kam. Das Bühnenbild stammt von Christian Tabakoff. Zu erleben ist ein junges Sängerensemble der Hochschule für Musik Mainz.

Karten für die Premiere am 10. Februar, 19.30 Uhr im Meininger Hof Saalfeld und die insgesamt vier weiteren Aufführungen am 11. und 13. Februar, jeweils 15 Uhr sowie am 16. und 17. Februar 2018, 19.30 Uhr sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich. Zu allen Terminen findet 30 Minuten vor Beginn eine Stückeinführung statt.

Musikalische Leitung: Oliver Weder, Inszenierung: Christiane Lutz, Bühne: Christian Tabakoff, Kostüme: Natascha Maraval

Es singen: Trulove: Yijin Jiang / Ann: So Young Park/Angela Shin / Tom Rakewell: Keith Bernard Stonum/Isaac Lee / Nick Shadow: Younjin Ko/Kyung Jae Moon / Mother Goose: Maria Dehler/Maike Menningen / Baba: Hyemi Jung/Ruth Katharina Peeck / Sellem: Daniel Tilch/Fabian Kelly / Wärter: Younjin Ko/Kyung Jae Moon / Bridget: Eunyoung Park;

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

 


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