München, Bayerische Staatsoper, Lear – Aribert Reimann nach W. Shakespeare, IOCO Kritik, 05.06.2021

Juni 5, 2021 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Lear  –  von Aribert Reimann nach William Shakespeare

Lears museales Elend

von  H G Melchior

Also zunächst einmal singt es in einem selbst. Lange entbehrte man Oper schmerzlich und im Kopf schwirrt es und jubelt es und – na ja, man singt eben: „Dich teure Halle grüß´ ich wieder…“ aus Wagners Tannhäuser und ist glücklich vereint mit vielen anderen Glücklichen. Es ist jedenfalls für den Rezensenten – und offensichtlich für sehr viele Besucher –  sogar ein wenig mehr, ein geradezu erhebendes Gefühl, in das sich Dankbarkeit mischt, die Oper wieder betreten zu können. Maskenbewehrt zwar, aber ohne Test und Impfnachweis. Für Stunden ist die Pandemie überwunden…

Lear von Aribert Reimann
Youtube Trailer Bayerische Staatsoper
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Aber es ist hier von der Oper Lear von Aribert Reimann die Rede, wohlgemerkt: nicht von König Lear, denn nach dem Libretto ist das kein König mehr, sondern ein verelendeter Greis.

Christoph Marthaler hat das mit seiner Bühnenbildnerin Anna Viehbrock sehr ernst genommen und Lear zum Museumsdirektor degradiert, der kurzsichtig in seinem Naturhistorischen Museum an einer Vitrine mit Käfern herumhantiert, während in großen Vitrinen an der Seite das übrige Personal sich langsam aus der musealen Starre löst und in die Handlung eingreift.

Nachgebildet ist der Raum dem Naturhistorischen Museum in Basel. Christoph Marthaler meint in dem im Programmheft abgedruckten Interview, zu Lear befragt: „Er sammelt Insekten, tötet und klassifiziert sie und präpariert sie schließlich auch wieder… Es gibt also einen Kreislauf des Lebens, eine Wandlung zwischen Leben und Sterblichkeit.“

Etwas Totes, meint Marthaler, könne „sehr lebendig wirken und umgekehrt“.

Wirklich?  Marthaler macht geltend, das habe jedenfalls für ihn sehr viel mit Lear zu tun. Gerne hätte man da etwas Genaueres gewusst. Zum Beispiel, warum das wirklich sehr viel mit Lear zu tun hat, aufgespießte Käfer zu besichtigen. Vielleicht meint er es so: Ein pathologisch Verwirrter,  ein närrischer Schizophrener kann im Falle seines falschen Glücks vor Vitalität nur so sprühen, während  ein Nachdenken versandender/versunkener Gelehrter dagegen tot wirk, auf fatale Weise leblos und vom Leben abgezogen.

Bayerische Staatsoper / Lear hier Brendan Gunnell, Andrew Watts, Christian Gerhaher © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Lear hier Brendan Gunnell, Andrew Watts, Christian Gerhaher © Wilfried Hoesl

Also gut. Nehmen wir es einmal als Denkansatz. So richtig überzeugend ist es – inszeniert –  freilich nicht. Der nüchterne Museumsraum wirkt im Verlauf der Oper abgenutzt, verbraucht, öde und fast nutzlos. Er löst die Hoffnungen, die sich an den Anfang knüpfen, nicht ein. Ein langhaariger Museumsführer steht mit seinem Publikum vor den Vitrinen und gestikuliert erklärend – das war es im Grunde mit der Museumsidee. Ein wenig gewollt und viel Fantasie fordernd schleppt sich das Geschehen dann in diesem Raum, der von vier, schräg angelegten, großen Fensterflächen an der Decke beleuchtet wird, weiter. Auf bildnerisch und inszenatorisch verwirkliche Stimmungsschwankungen und Naturereignisse, Verzweiflungszenarien, Depressionen , psychische und materielle Verarmung, hell, dunkel, Sturm und Nachtfinsternis wird verzichtet. Stattdessen werden Holzkabinen, aus denen die handelnden Person zögernd hervortreten herumgeschoben: als sollte hilflose Bewegung, Fremdbestimmtheit u.ä. dargestellt werden. Oder was?

Kurzum: so richtig überzeugend ist diese Inszenierung nicht.

Dass aus der Aufführung dennoch ein roßer Abend wurde, lag vor allem am bewundernswerten Ensemble, dem beeindruckend souveränen Dirigenten Jukka-Pekka Saraste und der großartigen Orchesterleistung.

Die Partitur Aribert Reimanns ist nicht nur für die Handelnden, sondern auch für den Zuhörer eine intellektuelle Aufgabe und ein Genuss zugleich (der Rezensent war als junger Spund 1978 bereits in der Uraufführung 1978). Da wechseln Flächiges mit Hysterisch-Hochsteigendem, in Koloraturen Gipfelndes und Absteigendes mit lyrischen Passagen. Und kein einziges Ton Tonalität, hingegen Zwölftonreihen und Cluster, vor allem auch Rhythmisches und fast ins Psychotische sich steigernde Expressivität. Wobei das Orchester teils begleitet, teils kommentiert.

Laut ist es, es herrscht allgemein ein Gestus der ständigen Seelenzerrissenheit, teils der Anklage, teils der Verzweiflung, teils der Hoffnungslosigkeit. Das Werk ist in dieser Unbedingtheit und Expressivität exemplarisch, eine Ausdrucksform der Moderne schlechthin, die wenig Raum gibt für flächige Beruhigung und ein Ausruhen im Illusorischen.

Das alles ist schwer, unglaublich schwer zu bewältigen. Und das Ensemble samt Dirigent und Orchester hat es geschafft.

Freilich ist der Lear Christian Gerhahers selbst im tiefsten Elend ein noch in der Narretei reflektierender Herr, stimmlich zuweilen weicher als es dem Komponisten vorgeschwebt haben mag, jedenfalls kein tumber Narr im schizophrenen Formenkreis des Wahnsinns, sondern immer noch – jedenfalls, wenn er von Gerhaher verkörpert wird, –  der ehemalige König, der eine gewisse Achtung einfordert, weniger Mitleid als Bedauern darüber, dass so einer abdankte. Das haben andere Regisseure durchaus verschieden gesehen. In den Kammerspielen wurde Lear (vor Corona), freilich als König Lear, eben als abgedankter Despot dargestellt, dem keiner eine Träne nachweinen muss, wenn ihm die Töchter Goneril und Regan Gerechtigkeit widerfahren lassen. Und auch bereits Bertolt Brecht ist   mitleidlos mit dem sein Reich aufteilenden, eine Landkarte in einem Anfall von Willkür zerreißenden Lear umgegangen.

 Bayerische Staatsoper / Lear - hier :  Christian Gerhaher, Marc Bodnar © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Lear – hier : Christian Gerhaher, Marc Bodnar © Wilfried Hoesl

Bei Marthaler ist das – gemäßigte – Mitleid mit dem Alten wieder eingekehrt. Halb tot ist dieser Lear zwar nicht, von Sturm und Nacht ist ja auch weit und breit nichts zu sehen. Freilich meisterhaft verwirklicht in Stimme und Stimmung des großen Künstlers Gerhaher, dem man eben den Museumsdirektor eher abnimmt als einen den Urgewalten ausgelieferten Verstoßenen. An manchen Stellen schimmerte der wunderbar weichen, zum Lyrischen neigende Bariton durch – und es waren dankbar empfangene Eindrücke.

Sehr beeindruckend die Töchter: Angela Denoke als Goneril, Ausrine Stundyte als Regan und – besonders – die Cordelia der Hanna Elisabeth Müller. Nicht allein stimmlich, sondern auch schauspielerisch wurden die hoch anspruchsvollen Rollen bewältigt. Hervorzuheben im insgesamt perfekten Männerensemble der Edgar Andrew Watts´. Eine unglaublich schwierige Rolle als Countertenor.

Die Hervorhebung einiger Protagonisten heißt nicht, andere vernachlässigen zu wollen. Matthias Klink als Edmund, Georg Nigl als Closter, Brenden Gunnell als Kent, der Narr Graham Valetines –, sie alle waren den höchsten Ansprüchen, die eine solche Partitur an die Sänger stellt, gewachsen.

Vor allem dann aber das Orchester unter Jukka-Pekka Saraste. Begeisternd das Ausleuchten  der Seelenabgründe. Das Stimmungzerfetzende, Expressive. Man musste sich einhören. Die anfängliche Distanz endete, je überzeugender Saraste das Orchester führte beim Zuhörer zum Mitvollzug der seelischen Tiefenzustände. Kann man mehr von einer musikalischen Aufführung verlangen? Der von dieser Musik zu einer Höchstleistung herausgeforderte Zuhörer war am Ende ein wenig erschöpft.

Kaum endender Beifall am Schluss. Das Publikum wollte nicht aufhören zu klatschen. Vorhänge. Dabei durften nur relativ wenige in diesem großen Haus erscheinen. Sie erzeugten einen Jubelsturm als wäre das Haus bis auf den letzten Platz besetzt.  Wie schön wäre das gewesen.

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—


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München, Bayerische Staatsoper, Ab 13.5.2021 wieder live – WALKÜRE, LEAR …, IOCO Aktuell, 14.05.2021

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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

WALKÜRE, DER SCHNEESTURM,  LEAR, SCHÖN IST DIE WELT

13. 5. 2021  –  Wiedereröffnung der Bayerischen Staatsoper 

Die Bayerische Staatsoper öffnet am Donnerstag, 13. Mai 2021, nach mehr als einem halben Jahr ohne Saalpublikum, wieder ihre Pforten für Zuschauerinnen und Zuschauer. Auf dem Programm steht eine konzertante Vorstellung des ersten Aufzugs von Richard Wagners Die Walküre. Bis Ende Mai folgen eine weitere Walküre, Vorstellungen des Bayerischen Staatsballetts, die Wiederaufnahme von Franz Lehárs Operette Schön ist die Welt und am 23. Mai die Premiere der Neuproduktion von Aribert Reimanns King Lear.

DIE WALKÜRE  konzertant — live und auf STAATSOPER.TV

Die erste Vorstellung der Walküre (1. Akt) am 13. Mai wird sowohl für Saalpublikum, als auch per Live-Stream auf STAATSOPER.TV stattfinden. Es singen Lise Davidsen (Sieglinde)Jonas Kaufmann (Siegmund) und Georg Zeppenfeld (Hunding). Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters steht Asher Fisch. Der Stream auf STAATSOPER.TV ist die insgesamt 40. Übertragung der Saison, mit dem die Staatsoper die 1-Million-Marke an Abrufen erreichen wird. Ab dem 15. Mai, 19 Uhr steht ein Video-on-Demand der Vorstellung zur Verfügung, ein 24-Stunden-Ticket kostet EUR 9,90.

Bayerische Staatsoper / Die Walküre  - hier : zur Wiederaufnahme 2018 © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Die Walküre – hier : zur Wiederaufnahme 2018 © Wilfried Hoesl

DER SCHNEESTURM  –  BAYERISCHES STAATSBALLETT

Das Bayerische Staatsballett kehrt am 19. Mai mit dem zeitgenössischen Dreiteiler Paradigma auf die Bühne zurück. Der Abend mit Choreographien von Russell MaliphantSharon Eyal und Liam Scarlett wird im Mai insgesamt dreimal gespielt. Am 29. und 31. Mai zeigt das Ensemble Andrey Kaydanovskiys Neukreation Der Schneesturm, die erst im April 2021 zum Auftakt der digitalen Ballettfestwoche digitale Uraufführung gefeiert hatte.

SCHÖN IST DIE WELT – Franz Léhar

Schön ist die Welt feierte im Januar 2021 im Rahmen unserer Montagsstücke-Serie in einer szenischen Einrichtung von Tobias Ribitzki Premiere und kehrt nun für zwei Vorstellungen auf die Bühne der Bayerischen Staatsoper zurück.

Schön ist die Welt – Franz Léhar
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Zum Stück:  Ein Königssohn und eine Prinzessin sollen verheiratet werden. Beide möchten jedoch ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben und blicken dem gemeinsamen Eheleben mit Argwohn entgegen. Auf einer Reise zu ihrer jeweiligen Bestimmung begeben sich beide auf ein Bergplateau und erkennen, umgeben von der Schönheit der Alpenwelt und verschont von einer Lawine, ihre Liebe zueinander.

Mit diesem Stück erweist sich Franz Lehár als der „Wagner der Operette“ und Schön ist die Welt somit als sein Tristan mit Happy End. Der Komponist kreiert mit diesem Werk ein „Kinobild auf der Operettenbühne“: Ein raffiniertes Hybrid und gerade deshalb prädestiniert für eine Neuvorstellung in diesen hybriden Zeiten.

Der Schauspieler Max Hopp leitet als Conférencier durch die Aufführung und spielt auch die Rolle des Königs. Neben ihm singen Julia Kleiter (Prinzessin Elisabeth), Sebastian Kohlhepp (Prinz Georg), Eliza Boom (Herzogin Maria Branckenhorst), Manuel Günther (Graf Sascha Kalowitsch) und Juliana Zara (Mercedes del Rossa). Am Pult des Bayerischen Staatsorchester steht Yoel Gamzou.

LEAR – Aribert Reimann – Premiere am 23. Mai 2021
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 LEAR  –  Aribert Reimann

Die Premiere ist für den 23. Mai geplant, die Vorstellung am 30. Mai wird in Kooperation mit BR-Klassik live auf STAATSOPER.TV und BR KLASSIK CONCERT übertragen und ist ab dem 1. Juni als Video-on-Demand für 30 Tage kostenlos abrufbar.

Zum Stück: König Lear will sein Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Diejenige, die ihn am meisten liebt, soll am meisten bekommen. Da Cordelia in nur schlichten einfachen Worten ihre Liebe beschreibt, enttäuscht sie ihren Vater, und geht leer aus. Unter den beiden anderen Töchtern wird das Reich aufgeteilt, und alsbald herrschen Zwietracht und Intrige. Lear zerbricht daran, wird ein machtloser Bettler und verfällt dem Wahn.

Basierend auf William Shakespeares Tragödie King Lear – das Libretto richtete Claus H. Henneberg ein – komponierte Aribert Reimann die Oper Lear, die als Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper 1978 im Nationaltheater zur Uraufführung kam. Reimanns Komposition zeigt eine Dramaturgie, die in hohem Tempo das Spiel der Machtbesessenheit zum Movens macht. Lears Gesangslinie von exorbitanter Virtuosität gekennzeichnet verdeutlicht den gebrochenen König mit seinen nur auf der Oberfläche wirrwirkenden Redeweisen. Die instrumentalen Cluster-Strukturen dieses Monumentalwerks erschaffen eine atemberaubende Atmosphäre und sind Grund dafür, dass als Opernklassiker des 20. Jahrhunderts diese Metamorphose als Spiegel unserer Zeit nicht mehr wegzudenken ist.

Christian Gerhaher gibt sein Rollendebüt als Lear in Aribert Reimanns Vertonung von William Shakespeares King Lear, welche 1978 am Münchner Nationaltheater Uraufführung feierte. Der Schweizer Regisseur Christoph Marthaler gibt sein Hausdebüt. Das Bühnenbild stammt von Marthalers langjähriger künstlerischen Partnerin Anna ViebrockJukka-Pekka Saraste leitet nach einem Engagement beim 5. Akademiekonzert 2018/19 seine erste Staatsopern-Premiere.

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CORONA  –  Das Publikums-Hygienekonzept im Mai

Das Hygienekonzept vom Herbst, erprobt im Rahmen des damaligen Pilotprojekts, wurde an die aktuellen Bestimmungen angepasst. In den Verkauf gehen ein Drittel der verfügbaren Plätze pro Vorstellung mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Haushalten. Jeder Ticketkauf muss personalisiert erfolgen, um bei Bekanntwerden einer Infektion eine rasche Nachverfolgung der Kontakte sicherzustellen. Im Übrigen ist der Mindestabstand von 1,5 Meter im gesamten Haus einzuhalten; der Zugang zum Sitzplatz ist klinkenlos möglich. Der Einlass erfolgt über mehrere Eingänge, die auf den Tickets vermerkt sind.

Der Zutritt ist ausschließlich Personen erlaubt, die keine typischen COVID-Symptome haben, in den vergangenen 14 Tagen keinen Risikokontakt zu einem COVID-Infizierten hatten und folgende Dokumente vorweisen können:

  • Ticket für die Vorstellung und Personalausweis

PLUS

  • Negativer PCR-Test: Der PCR-Test darf höchstens 48 Stunden vor Beginn der Veranstaltung vorgenommen worden sein; der Nachweis ist durch eine personalisierte Bescheinigung (Papierform oder digital) zu erbringen.

ODER

  • Negativer Antigen-Schnelltest: Der Schnelltest darf höchstens 24 Stunden vor Beginn der Veranstaltung vorgenommen worden sein und muss von einer medizinischen Fachkraft oder vergleichbaren, hierfür geschulten Person durchgeführt worden sein (z.B. im Testzentrum, in einer Apotheke; keine Selbsttests zugelassen); der Nachweis ist durch eine personalisierte Bescheinigung (Papierform oder digital) zu erbringen.

ODER

  • Impfpass zum Nachweis des vollständigen Impfschutzes (ab zwei Wochen nach der abschließenden Impfung).

ODER

  • Nachweis einer überstandenen COVID-Infektion: Nachweis durch personalisiertes positives PCR-Testergebnis, welches mindestens 28 Tage alt und nicht älter als 6 Monate ist.

Die Bayerische Staatsoper bittet alle Kartenkäufer, grundsätzlich PCR- oder Schnelltests am Tag der Vorstellung selbständig durchzuführen und die Bestätigung über das Testergebnis ausgedruckt mitzubringen.

Vom Betreten bis zum Verlassen des Hauses ist eine FFP2-Maske (oder eine Maske mit gleichwertigem medizinischen Standard) zu tragen. Die Theatergastronomie sowie die Abendkasse bleiben geschlossen, um unnötige Kontakte zu vermeiden.
Die Funktion „Print@Home“ ist bevorzugt zu nutzen.

Kartenverkauf für die Vorstellungen bis Ende Juni

Der Vorverkauf für die beiden Vorstellungen Die Walküre (1. Akt) beginnt am 11. Mai 2021 ab 10:00 Uhr. Abonnenten der Bayerischen Staatsoper erhalten einen Rabatt von 20 % des Kartenpreises. Ab dem 17. Mai startet der Kartenverkauf im wöchentlichen Turnus: Jeweils montags um 10 Uhr (bzw. Dienstag, 25.5.) gehen die Vorstellungen für die laufende Woche bis inklusive dem darauffolgenden Montag online und telefonisch in den Vorverkauf. Diese Regelung gilt für alle Vorstellungen bis inklusive 23. Juni. Die Tageskasse ist vorerst nur für Click & Collect bereits gebuchter Karten geöffnet.

Zwischenbilanz: 10 Monate Hygienekonzept an der Bayerischen Staatsoper

Seit Anfang August 2020 arbeitet die Bayerische Staatsoper mit einem umfangreichen Hygiene- und Sicherheitskonzept zum Schutz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Künstlerinnen und Künstlern sowie unserem Publikum. Zeit, um nach 10 Monaten eine Zwischenbilanz zu ziehen: Lesen Sie hier über den Rückbau des Orchestergrabens auf Originalzustand, die Erhöhung der Testkapazitäten vor Lear und die Anzahl an positiven Corona-Fällen in der Saison 20-21 an unserem Haus

—| IOCO Aktuell Bayerische Staatsoper München |—


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Zürich, Opernhaus Zürich, Livestream Prorgramm – Absage aller Vorstellungen bis 02.01.2020

November 24, 2020 by  
Filed under Livestream, Oper, Opernhaus Zürich, Pressemeldung

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Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Absage aller Vorstellungen bis 2. Januar 2020
oper für alle digital – replay
Live-Streaming Premiere Simon Boccanegra

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 28. Oktober zahlreiche einschneidende Massnahmen beschlossen, darunter das unbefristete Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen. In der Folge musste das Opernhaus Zürich in Absprache mit dem Kanton alle Vorstellungen für den November absagen. Nachdem diese Bestimmungen weiterhin unverändert in Kraft sind, werden nun weitere Vorstellungsabsagen unumgänglich. So leisten wir unseren Beitrag zur Eindämmung des Corona-Virus und hoffen, den Spielbetrieb bald wieder aufnehmen zu können.

Alle Veranstaltungen und Aufführungen bis 2. Januar 2021 müssen ersatzlos entfallen. Dazu zählen auch die Wiederaufnahmen von Rossinis Il viaggio a Reims von Christoph Marthaler und Händels Alcina von Christof Loy mit Cecilia Bartoli mit allen geplanten Terminen, die teilweise auch im Januar 2021 liegen. Über weitere Auswirkungen auf den Spielplan werden wir mit Blick auf die Entscheidungen des Bundesrates fortlaufend informieren. Alle Karten für oben genannte Veranstaltungen werden automatisch storniert und erstattet. Kundinnen und Kunden werden zu diesem Zweck direkt kontaktiert.

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Hinter verschlossenen Türen entsteht die Neuproduktion von Verdis Simon Boccanegra in der Regie von Andreas Homoki und unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Premiere mit dem Rollendebüt von Christian Gerhaher wird am Sonntag, 6. Dezember um 17 Uhr live von arte TV übertragen und ist anschliessend vier Wochen in der Mediathek auf ARTE Concert kostenlos online verfügbar.

In der Zwischenzeit bieten wir im Rahmen von «oper für alle digital – replay» grosse Opern- und Operettenproduktionen als kostenlosen Stream auf unserer Website an. Dank der treuen Unterstützung der Zurich Versicherung, stehen Gaetano Donizettis Maria Stuarda mit Diana Damrau und Salome Jicia von Freitag, 20. bis Sonntag, 22. November sowie Emmerich Kálmáns Operette Die Csárdásfürstin mit Annette Dasch und Pavol Breslik von Freitag, 27. bis Sonntag, 29. November auf dem Programm des Online-Spielplans. Diese Produktionen wurden zur Saisoneröffnung aufgezeichnet. Über weitere Online-Formate im Dezember, die wir zurzeit erarbeiten, werden wir zeitnah informieren. Alle Informationen zu unseren Streaming-Angeboten finden Sie hier.


Maria Stuarda Gaetano Donizetti — Wenn zwei königliche Rivalinnen als dramatische Soprane aufeinandertreffen, sind die Folgen tödlich. Gaetano Donizetti hat die Konfrontation zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. zum Herzstück seiner Oper gemacht: Hasserfüllt schleudern sich in unserer Starbesetzung Diana Damrau und Salome Jicia Vorwürfe und Beleidigungen ins Gesicht.
Kostenlos streamen von Freitag, 20. bis Sonntag, 22. November 2020


Die Csárdásfürstin Emmerich Kálmán — Höchst aktuell dienen in der Csárdásfürstin die Liebe und das Feiern des Lebens als Rettungsanker vor einer drohenden Katastrophe. Die Feierlaune der Protagonisten scheint sich immer über einem drohenden Abgrund zu bewegen. Auf dem Vulkan tanzen in unserer Produktion Annette Dasch und Pavol Breslik unter der musikalischen Leitung von Lorenzo Viotti.
Kostenlos streamen von Freitag, 27. bis Sonntag, 29. November 2020

—| Pressemeldung Oper Zürich |—


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Dresden, Semperoper, Saisoneröffnung mit Mahler Jugendorchester, IOCO Kritik, 31.08.2020

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Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Gustav Mahler Jugendorchester  –  Othmar Schoeck, Franz Schubert

von Thomas Thielemann

Ungeachtet der erheblichen Einschränkungen des Kulturlebens, wurde die Dresdner Gepflogenheit, die Saison in der Dresdner Semperoper mit dem Gustav Mahler Jugendorchester zu eröffnen, auch für die Spielzeit 2020/21 beibehalten. Begreiflicherweise waren erhebliche Programm- und Besetzungsänderungen erforderlich, um trotzdem ein niveauvolles Konzert zu bieten. In erster Linie waren die Kooperationsbeziehungen zur Sächsischen Staatskapelle mit dem Einsatz von 26 Kapellmitgliedern und Akademisten zu konkretisierten. Auch gelang es, für die Begleitung der Darbietung von Othmar Schoecks Liederfolge Elegie, den durch frühere Zusammenarbeit dem Jugendorchester den verbundenen Bariton Christian Gerhaher zu gewinnen.

Der Schweizer Komponist und Dirigent Othmar Schoeck (1886-1957) ist unter anderem bei Max Reger in Leipzig ausgebildet worden. In Dresden brachte er seine wichtigsten Bühnenwerke Penthesilea 1927 und Massimilla Doni 1937 zur Uraufführung.

 Semperoper Dresden / hier Dirigent Duncan Ward und Christian Gerhaher © Oliver Killig

Semperoper Dresden / hier Dirigent Duncan Ward und Christian Gerhaher © Oliver Killig

Schoeck wird vor allem als einer der bedeutendsten Liedkomponisten des 20. Jahrhunderts geschätzt. Sein 1923 geschaffenes Opus 36 Elegie entstand in einer Zeit seines tiefen Liebeskummers zunächst mit Texten von Nikolaus Lenau (1802-1850). Den düsteren Lenau-Liedern fügte er später Kompositionen nach Gedichten von Joseph von Eichendorff (1788-1857) zu, um den Zyklus etwas „aufzuhellen“. Mit der Naturverbundenheit und Melancholie fühlte sich der Komponist auf das innigste verbunden. Mit der durchdachten Instrumentierung und dem Einsatz der Stimme erzeugt Schoeck beim Publikum bewegende Stimmungen, vorausgesetzt die Zuhörer lassen sich auf das Fehlen spektakulärer Momente ein. Schoeck zwingt den Sänger geradezu zur Bescheidenheit und fordert vom Auditorium einen gewissen intellektuellen Einsatz, so dass sich die Elegie den meisten Konzertbesuchern bei der ersten Begegnung wohl kaum erschlossen hat. Deshalb empfand ich die Wahl des fast einstündigen Werkes für ein Jugendorchester-Konzertes etwas gewagt.

 Semperoper Dresden / hier : Christian Gerhaher © Oliver Killig

Semperoper Dresden / hier : Christian Gerhaher © Oliver Killig

So einfühlsam, fantasieintensiv und zugleich energievoll wie von Christian Gerhaher, hört man die Lieder selten. Mit betont heller Stimmführung vermied er das Deklamierende und sang nuancenreich und fantasievoll. Die begrenzte Orchesterbegleitung, Flöte, Englischhorn, zwei Klarinetten, Horn, Schlagzeug, Klavier und Streicher, erlaubte ihm, die Melancholie der Komposition voll zur Geltung zu bringen. Das Verträumte, die Innenschau und ruhige Trauer liegt Gerhaher, wobei er durchaus auch dramatisch mit strahlender Stimme auffahren kann. Obwohl die Gedichte von Lenau und Eichendorff nicht unmittelbar zusammenhängen, gelang es dem Dirigenten Duncan Ward mit dem Kammerensemble, eine wirklich konkrete Abfolge der psychischen Zustände des Erzählenden zu schaffen.

Sanft, mit Eichendorffs „Wehmut“ eröffnet, folgt Nikolaus Lenaus deprimierender „Liebesfrühling“. Mit „Stille Sicherheit“ und „Frage nicht“ taucht mehrfach auf, warum die Liebe zerbrochen sei. Dazu treten mit „Warnung und Wunsch“ Gedanken auf ein mögliches Handeln zum Retten der Beziehung auf, flackern mit LenausWaldgang“ und „An den Wind“ Hoffnungen. Ein ständiger Wechsel zwischen Rückbesinnungen, Niedergeschlagenheiten, angedachten Aktivitäten und Hoffnungen bis sich der Protagonist sich im „Der Einsame“ (nach Eichendorffs Der Einsiedler) in sein Schicksal fügt.

Der britische Dirigent Duncan Ward (geboren 1989) wollte ursprünglich sein Debüt bei der Staatskapelle im März diesen Jahres geben. Nun konnte er den Dresdnern zeigen, wie exponiert und brillant er mit einem reduzierten Orchester prachtvolle Wirkungen erreichen kann.

Semperoper Drseden / hier : Gustav Mahler Jugendorchester und Dirigent Duncan Ward © Oliver Killig

Semperoper Drseden / hier : Gustav Mahler Jugendorchester und Dirigent Duncan Ward © Oliver Killig

Auch mit Schuberts 5. Symphonie bot Ward im zweiten Konzert-Teil feine Nuancen und Transparenz. Franz Schubert (1797-1828) komponierte die D-Dur-Symphonie im Herbst des Jahres 1816, nach dem etwas missglückten Versuch, sich mit einer c-Moll-Symphonie Beethoven zu nähern. Der 19-jährige Schubert begriff offenbar selbst, dass er mit seiner Vierten statt einer tragischen, eine pathetische Komposition geschaffen hatte. Mit seiner Fünften schuf er mit einem ganz eigenen Tonfall und ihrer unbeschwerten Melodik sein bekanntestes kleines Orchesterwerk. Jugendliche Unbekümmertheit kombiniert mit künstlerischer Reife lassen das Werk gleichberechtigt zwischen Mozart, Haydn und Mendelssohn stehen. Duncan Ward gewinnt mit der sparsamen Orchesterbesetzung einen beeindruckenden Klangreichtum, bewegliche Transparenz sowie feine Nuancen und gibt damit dieser Musik ihre Jugendlichkeit zurück. Besonders gefiel, wie Ward mit seinem körperbetonten Dirigat das Menuetto zur Geltung bringen konnte.

Ich hätte für den Programmgestalter keinen Vorschlag, welche Musik er der hochemotionalen Elegie-Interpretation Christian Gerherhars ohne Pause hätte folgen lassen können, ohne deren Wirkung zu beeinträchtigen. Für mich war der Wechsel von der Nachwirkung der Elegie ohne Pause zu Schuberts fröhlicher Musik äußerst problematisch und ich habe in meinen Empfindungen den Hauptanteil des Schubertschen Allegro noch bei Schoeck zugebracht.

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

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