Essen, Philharmonie Essen, Christian Gerhaher und die Bamberger Symphoniker, 01.05.2018

April 26, 2018 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Christian Gerhaher © Jim-Rakete / SonyClassical

Philharmonie Essen / Christian Gerhaher © Jim-Rakete / SonyClassical

Christian Gerhaher und Bamberger Symphoniker zu Gast

Jakub Hrusa dirigiert am Dienstag, 1. Mai 2018, um 19:30 Uhr in der Philharmonie Essen

„Das Herz geht einem dabei auf“, sagte Antonín Dvorák über die dritte Sinfonie F-Dur von Johannes Brahms. Genauso geht es wohl den meisten Zuhörern. In der Philharmonie Essen steht das Werk nun am Dienstag, 1. Mai 2018, um 19:30 Uhr auf dem Programm: Die Bamberger Symphoniker spielen die Sinfonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hr?ša. Mit dem Bariton Christian Gerhaher wird ein weiterer großer Künstler zu Gast sein. Er interpretiert den neu orchestrierten Liederzyklus „Das heiße Herz“ von Jörg Widmann, dem die Philharmonie Essen in dieser Spielzeit ein eigenes Künstlerporträt widmet. Zu Beginn erklingt Leoš Janá?eks Ouvertüre „Zárlivost“ zur Oper „Jenufa“.

[Von Christian Gerhaher wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht.]

Christian Gerhaher setzt nicht nur Maßstäbe als Liedinterpret, sondern ist auch in den großen Opernhäusern und Konzertsälen zu Gast. Er wurde mit bedeutenden Preisen wie dem Laurence Olivier Award oder dem Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet. Für Gerhaher komponierte Jörg Wdmann auch seinen 2013 uraufgeführten Liederzyklus „Das heiße Herz“ nach Gedichten von Klabund, Clemens Brentano, Peter Härtling, Heinrich Heine und aus „Des Knaben Wunderhorn“. In der Philharmonie Essen kommt nun die neu orchestrierte Fassung zur Aufführung. Die Uraufführung dieser Fassung findet wenige Tage zuvor am 26. April in der Konzerthalle Bamberg statt.

„Die Kunst des Hörens“:

Der Konzertabend beginnt um 19:30 Uhr mit einer Einführung mit Jörg Widmann, Jakub Hr?ša und dem Orchester, Konzertbeginn ist um 20:00 Uhr.

Konzerteinführung für Kinder:

Für Kinder ab 10 Jahren bietet die Philharmonie während des ersten Konzertteils eine separate Einführung in Brahms? Sinfonie an. Im zweiten Teil können sie das Werk dann gut vorbereitet live erleben.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Düsseldorf, Tonhalle, Christian Gerhaher – Liederabend mit drei Sternen, IOCO Kritik, 24.11.2017

November 27, 2017 by  
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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Bariton Christian Gerhaher und Pianist James Cheung

Liederabend mit drei Sternen in der Tonhalle

Von Albrecht Schneider

Moro, lasso, al mio duolo…
Mit der vibratolos gesungenen ersten Zeile des Madrigals von Carlo Gesualdo, mit deren fahlen dunklen Vokalen beginnt eine der Klagen über ein unseliges Schicksal. Die oft peinigende Beschaffenheit der Welt, die Bösartigkeit der Menschen, eine tötende Liebe und die düstere Drohung des Todes fassen die Dichter in Sprachbilder. Und die Musik weitet sie in eine vierte Dimension. Dann ist es die Sache der Interpreten, ob das kleine Kunstwerk zu Verstand und Gefühl der ZuhörerInnen durchdringt.

Tonhalle Düsseldorf / Christian Gerhaher © Sony / Gregor Hohenberg

Tonhalle Düsseldorf / Christian Gerhaher © Sony / Gregor Hohenberg

Das Programm des Abends lautete: „Schmerztherapie“
Lieder von Gesualdo, Johannes Brahms, Benjamin Britten. Claude Debussy und Franz Schubert stehen demnach unter Heilungsverdacht. Oder ist es deren Magie? Zauber? Oder doch bloß Placebo? Gar Aphrodisiakum? Nein, da sei der Teufel vor!
Zu Rezeption eines Gedichtes bedarf es keines Tons, Buchstaben genügen. In Musik gesetzt, als Lied, bleibt es einzig Druckerschwärze, sofern nicht die menschliche Stimme sich seiner annimmt.

Des Kunstlieds Gestaltung ereignet sich als eine der intimsten Formen des Konzertierens. Sänger und Klavierspieler stehen dort vorn, stehen dort unten, ein einsames Paar in der Weite des Konzertsaals. Musikanten, ausgeliefert dem Monster Publikum. Hustet es, läutet das Handy, wacht es oder lehnt es sich harmoniensüchtig und versunken zurück in seinen Stuhl? Oder möchte es die zwei wirklich erzählen hören von dem denkbaren, dem phantastischen, mythischen und dem profanen Weltgeschehen?

Ein Geiger, der eine Stradivari namens Lady Blunt streicht, wird kraft seiner Kunst all ihr Potential zum Tönen bringen. Der Protagonist dieses Abends (eine Klassifizierung als ‚Star‘ käme in seinem Fall ob dem Verschleiß dieses Begriffs einer Degradierung gleich) spielte mit gleicher Bravour ein anderes Instrument von nicht geringerer Güte: die Stimme Christian Gerhaher. Wer bislang diesen Sänger vom Namen her nicht kannte, der sollte von ihm erfahren, wie stupend er von Gesualdo bis zu den Komponisten unserer Zeit deren Intentionen gedanklich und musikalisch erfasst und souverän in Sprache und Ton umsetzt. Ihm zu zuhören bedeutet nicht, sich in Belcanto hüllen zu lassen, weil ihm die ‚Fülle des Wohllauts‘ (Thomas Mann) eignet, vielmehr mittels seiner Meisterschaft von diesen sublimen Kunstgebilden angesprochen, ja getroffen zu werden.

Tonhalle Düsseldorf / Liederabend Christian Gerhaher und James Cheung © Susanne Diesner

Tonhalle Düsseldorf / Liederabend Christian Gerhaher und James Cheung © Susanne Diesner

Nunmehr muss die Rede sein von dem ihm ebenbürtigen James Cheung am Klavier. Der Pianist begleitete mit Verve den Sänger auf dessen Gang zur Schmerztherapie durch die musikalischen Räume. Nicht als dessen gefälliger Untergebener, sondern als ein absoluter Instrumentalist, der sich einem die Kantilene der Stimme tragenden Klanggerüst verpflichtet wusste. Und der jeden Klavierpart makellos exekutierte, insbesondere den ausschweifenden, diffizilen eines Benjamin Britten. Beide Künstler gestalteten gemeinsam das eindrückliche Ganze.

Nach der Wehklage des Gesualdo durchwanderte Christian Gerhaher des Johannes Brahms dunklere metaphorische Landschaften, die dem Mensch abwechselnd beschaulichen wie minder erbaulichen Aufenthalt gewähren. Die hochromantischen, elaborierten Gesänge, oft etwas Volksliedhaftes beibehaltend, wirkten gleichwohl in des Baritons Wiedergabe weniger schmerzlindernd denn schmerzhaft.

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Brittens Vertonung der >Songs & Proverbs of William Blake< liegen triste Texte zugrunde. Dementsprechend sperrig klangen diese Elegien, fast gläsern hart, erfroren, weswegen man fürchten könnte, fielen sie auf den Boden, würden sie zerspringen. Nein, die Stimme beherrschte jeden Kälte- und Schwierigkeitsgrad einer Tonsprache, welche die düsteren Dichtungen in freier Tonalität reflektiert und dem Pianisten eine gewisse Virtuosität abverlangt.

Nach der Pause, das affektenreiche wie grantige Klima englischer Gesänge hinter sich lassend, erschloss Christian Gerhaher die lichtere, eher mediterrane Klangwelt des Claude Debussy. Der Franzose sparte bei der Komposition der Verse altfranzösischer Poeten nicht mit den Farben seiner Musikpalette, und sie begannen noch stärker zu leuchten, bisweilen geradezu grell, bei den mitunter nicht geringer grellen Trois Poèmes des Stéphane Mallarmé. Wunder nahm aufs Neue derartiger in Prosodie makelloser wie emphatischer Ausdruck der hochartifiziellen Stücke durch den Künstler.

Franz Schubert in Wien © IOCO

Franz Schubert in Wien © IOCO

Auf dem Weg zur angesagten Schmerztherapie stand am Ende  Franz Schubert. Aus dessen letzter Liederfolge, im Todesjahr 1828 geschrieben und später von dem verkaufstüchtigen Verleger Tobias Haslinger als >Schwanen-Gesang< vermarktet, brachte Christian Gerhaher die von Heinrich Heines Lyrik inspirierte Liedgruppe zu Gehör.

Der Künstler indessen entließ ein – leider – weitgehend älteres Publikum nicht schmerzdurchdrungen und nicht mit solchem Jammer im Ohr. Als Zugabe brachte er die >Taubenpost<, worin von der Sehnsucht als einem geflügelten, zielbewussten Postboten gesungen wird. Für das Zeitalter der E-Mails und SMS eine anachronistische, sehr poetische Erfindung.  Allein der einer Therapie bedürftige Mensch, Schmerzensmann wie Schmerzensfrau, bleibt eine aktuelle Wahrheit.

Einem grandiosen Künstler samt Klavierpartner angemessen der Applaus

—| IOCO Kritik Tonhalle Düsseldorf |—

München, Bayerische Staatsoper, Figaros Hochzeit von W. A. Mozart, IOCO Kritik, 07.11.2017

November 7, 2017 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart

 „Schwierige Türen“

Von Hans-Günter Melchior

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Alle kennen Figaros Hochzeit. Alle Männer. Sei es als Traum, sei es als Realität. Ein junge Frau, die man auch gerne mal in den Armen hielte, heiratet ihren Geliebten/Verlobten. Und man hält an seinem Traum fest. Bei manchen erfüllt er sich sogar: als außereheliche Beziehung.  Und alle Frauen kennen Figaros Hochzeit. Sie heiraten zwar, könnten sich aber ganz gut vorstellen, in den Armen dessen, der sie so heiß begehrt, ein wenig zu ruhen – und so weiter.

Das ist es, was Mozart wusste!

Und deshalb kennen – fast – alle die Geschichte, die Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte daraus gemacht haben. Vor allem Mozarts wunderbare, erotisierende Musik, die zwischen die Zeilen des Librettos schlüpft und ins Seelenleben der Protagonisten und der Zuhörer eindringt. Dass man am Ende sagt: So ist es, genau so. Als wäre es ich.

Ganz kurz und zur Erinnerung:

Susanna (Olga Kulchynska), Kammermädchen der Gräfin Almaviva (Federica Lombardi) heiratet Figaro (Alex Esposito), den Kammerdiener des Grafen Almaviva (Christian Gerhaher). Letzterer stellt aber der schönen Susanna nach, pocht zwar nicht ausdrücklich, aber doch faktisch auf dem ius prima noctis (Recht der ersten Nacht), einem „Gesetz“, das er gerade, offenbar in einer aufklärerischen Anwandlung, abgeschafft hat. Er verletzt dabei die Gefühle seiner Gattin auf das Nachhaltigste. Diese schmiedet mit ihrem Kammermädchen Susanna einen Plan: Susanna lockt den Grafen am Hochzeitsabend in den Park. Dort trifft er aber auf die als Kammermädchen Susanna verkleidete eigene Frau, während Susanna als Gräfin verkleidet ihren eifersüchtigen Ehemann Figaro narrt und erotisch reizt. Als der Schwindel auffliegt, zerfließen die männlichen Hauptpersonen, insbesondere der Graf, vor Reue und richten sich in der „gottgewollten“ Ordnung ein.

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Olga Kulchynska als Susanna und Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Olga Kulchynska als Susanna und Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Dazwischen ereignet sich allerlei komödiantischer Schnickschnack, ein wenig überdrehte Komik. Marcellina (Anne Sofie von Otter, die sehr schön Mozarts  in den musikalischen Fluss eingebautes Lied „Abendempfindung an Laura“ in deutscher Sprache vorträgt), eine gräfliche Angestellte, erhebt Rechte auf Figaro, beruft sich auf einen Vertrag, der ihr eine von Figaro zu zahlende Mitgift oder die Heirat mit diesem zuspricht. Sie wird von Bartolo (Manuel Günther), einem Arzt aus Sevilla, bei dem sie früher angestellt war, unterstützt. Als sie ihren vertraglichen Anspruch einklagen will, stellt sich heraus, dass sie Figaros Mutter und Bartolo dessen Vater ist. Na ja.

Durch die gesamte Oper irrlichtert – dies allerdings eine überaus wichtige Figur (eine Frauenrolle) –: Cherubino (Solenn´Lavanant-Linke) als lebendes Beispiel unerfüllter Sexualität. Die Gräfin und Susanna ordnen ihm zunächst die Aufgabe zu, als Mädchen verkleidet, den Grafen zu verführen. Als der argwöhnische Graf die Verkleidungszeremonie stört und zum Scheitern bringt, flüchtet Cherubino mit einen Sprung durchs Fenster in Garten. Er wird von dem Gärtner Antonio (Milan Siljanov) dabei beobachtet, was zu komischen Verwicklungen führt, weil Figaro behauptet, er sei es gewesen, der aus Angst vor dem wütenden Grafen aus dem Fenster gesprungen sei.

Don Curzio (Dean Power), ein stotternder Richter (gibt es sowas wirklich?!), soll das Urteil vollziehen, durch das Figaro zur Heirat mit Marcellina oder zur Zahlung einer Mitgift verpflichtet werden soll. Eine kleine Partie. Babarina (Anna El-Khashem), Tochter des Gärtners Antonio, war dem Grafen bereits zu Liebesdiensten, sie stellt ihn vor der Gräfin bloß, indem sie ihre Gelegenheitsbeziehungen offenbart.

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

In der Aufführung der Bayerischen Staatsoper sind alle Personen nicht das, was sie sind. Der Graf ist kein richtiger, autoritärer und über den Dingen stehender Herrscher, sondern ein eher Getriebener, ziemlich triebgesteuerter Wicht. Und Figaro und Susanna sind nicht so richtig geduckte Untergebene, sondern selbstbewusste Angestellte, die mit dem Grafen umspringen als befänden sie sich mit ihm auf Augenhöhe. Auch die Gräfin hat so ihre Mucken, sie macht sich mit ihrem Kammermädchen gemein und man hat den Eindruck, dass sie Figaro ganz gern sieht. Und Marcellina und ihre Helfer sind echte und moderne Bürger, die in Auftreten und Reden durchaus in der Lage sind, ihre Rechte zu verteidigen.

Alle eint so etwas wie unerfüllte Liebe. Vor allem aber ein sexuelles Bedürfnis, das quer durch die Standesränge – und durch die tradierten Ordnungscodices geht. Nicht nur der Graf verzehrt sich in einem Begehren, das ihn im Grunde erniedrigt. Selbst von Susanna hat man, folgt man dem Regisseur Christof Loy, durchaus den Eindruck, dass sie sich einer Liaison mit dem Grafen nicht besonders nachhaltig widersetzen würde. Die beiden turteln miteinander und kommen sich gefährlich näher. Das ist durchaus kein Fall von #Me Too, von missachteter sexueller Selbstbestimmung der Frau, nein, das alles geschieht durchaus gesetzeskonform, weil freiwillig, in beiderseitiger Übereinstimmung. Und wie Figaro seiner Susanna, die er ja für die Gräfin hält (!), an die Wäsche geht, offenbart mehr als geheime Wünsche –, Wünsche, die aus der gerade verbindlich gemachten Beziehung zur Angetrauten streben.

Das wird auch musikalisch deutlich. Schon im ersten Akt kommt es nur schwer zum Duett zwischen Susanna und Figaro. Während er das Zimmer vermisst und die Maße vor sich hinbrummelt, schwärmt sie von ihrem neuen Hut. Erst nach und nach kommen die beiden musikalisch zusammen. Und so geht es durch die ganze Oper weiter, es überwiegt zwischen den beiden das Streitbar-Dialogische. Ganz offen bekennt sich freilich nur die exemplarische Figur Cherubino zur bindungsfreien sexuellen Lust –, ein allgegenwärtiger Kobold, dem Mozart die herrlichsten Arien zuordnete (Non so più cosa son, cosa faccio…, ich weiß nicht, was ich bin, was ich tue…; und Voi che sapete… Sagt holde Frauen…).

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Olga Kulchynska als Susanna und Anne Sofie von Otter als Marcelline © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Olga Kulchynska als Susanna und Anne Sofie von Otter als Marcelline © Wilfried Hösl

Mit der erotischen Färbung des Werks haben Mozart und Da Ponte die politisch-kämpferische Vorlage Beaumarchais entschärft und ins Psychologische transponiert. Einzig in Figaros Arie: „Se vuol ballare, signor Contino…Will der Herr Graf den Tanz mit mir wagen…“, flammt der sozial- und gesellschaftskritische Kern des ursprünglichen Stoffes auf, eine Schlüsselszene. Die einzig wirklich Kampfansage von unten nach oben.

Stilgebendes Element der Inszenierung sind die Türen. Im ersten Akt sind sie so niedrig, dass man nur in gebückter Haltung eintreten kann. Dann werden sie immer größer. Im dritten Akt ist die Türklinke so hoch angebracht, dass man sich auf die Zehenspitzen stellen muss, um sie zu erreichen. Und im vierten Akt füllt eine riesige Tür bis unter die Decke den Bühnenraum aus, wo zuvor der Ausschnitt eines Gemäldes von Fragonard dominierte. Ganz klein sind die Personen vor diesem wie aus einem Vergrößerungsglas herausgefallenen Monstrum, das nur einen kleinen Spalt offen lässt, hinter dem die Schwärze der Nacht obskure Handlungen verschlingt.

Assoziationen an Kafka drängen sich auf. In der „Verwandlung“ ist ständig von Türen die Rede, die schwer zu öffnen und grundsätzlich immer verschlossen zu halten sind. Und in der Erzählung „Vor dem Gesetz“ bewacht ein Türsteher lauter offene Türen zum Gesetz hin, durch die zu gehen der einzige Besucher sich nicht traut und schließlich gleichsam unerlöst wartend stirbt. Vielleicht weil er weiß, dass er dem Gesetz nicht gewachsen wäre. Es sind bewusst schwierige Türen in dieser Aufführung. Hindernisse. Barrieren vor der Überwindung der Ordnung, vor dem, was sich hinter ihr an sie sprengenden Sehnsüchten verbirgt. Und doch lassen sie Schlupfwinkel offen. Ein philosophisch kluger Einfall der Regie, der die Ambivalenz des Geschehens verdeutlicht.

Constantinos Carydis leitet das hervorragend disponierte Staatsorchester (die Bläser!)  mit anfeuernder Gestik. Die straffen Tempi schaffen es, dass die Musik ins Blut geht. Und sie treiben die Darsteller zu Höchstleistungen an. Großer und anhaltender Jubel.

Le nozze di Figaro an der Bayerischen Staatsoper, weitere Vorstellungen: 10.11.2017; 15.7.2018, 17.7.2018

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

 

 

 

München, Bayerische Staatsoper München, Oper für alle 2017

Juni 19, 2017 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Oper für alle 2017

Während der Münchner Opernfestspiele laden die Bayerische Staatsoper und BMW München traditionsgemäß zu Oper für alle ein: Das Programm umfasst ein kostenloses Open-Air-Konzert und eine ebenfalls kostenfreie Opern-Liveübertragung auf dem Max-Joseph-Platz.

Wenn sich hunderte Menschen auf einem Platz bei Sonnenuntergang versammeln, auf Picknickdecken, Sitzkissen oder einfach auf dem Boden Platz nehmen, um der Musik zu lauschen, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre: ungezwungen, andächtig, freudig. Die Veranstaltungen von Oper für alle sind auch für die Bayerische Staatsoper etwas ganz Besonderes. Wir freuen uns, Ihnen auch in dieser Saison zwei Open-Air-Abende anbieten zu können.

OPEN-AIR-KONZERT
Beim Open-Air-Konzert am 24. Juni 2017 dirigiert Omer Meir Wellber das Bayerische Staatsorchester: Erleben Sie Symphonien von Sergej Prokofjew und Peter I. Tschaikowsky sowie Nikolai Rimski Korsakows „Lied des indischen Gastes“. Den Auftakt des Abends gestaltet das Jugendorchester des Bayerischen Staatsorchesters, ATTACCA.

Festspiel-Eröffnungskonzert Oper für alle
24. Juni 2017, 20.30 Uhr
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber
Bayerisches Staatsorchester
ATTACCA – Jugendorchester des Bayerischen Staatsorchesters

OPEN-AIR-ÜBERTRAGUNG
Richard Wagners Tannhäuser wird am 9. Juli 2017 live aus dem Nationaltheater auf den Max-Joseph-Platz übertragen. Generalmusikdirektor Kirill Petrenko hat die musikalische Leitung dieser Neuproduktion inne, für deren Inszenierung Romeo Castellucci verantwortlich zeichnet. Es moderiert: Thomas Gottschalk.

Tannhäuser
9. Juli 2017, 18.00 Uhr
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: Romeo Castellucci
mit Anja Harteros, Elena Pankratova, Klaus Florian Vogt, Christian Gerhaher, Georg Zeppenfeld u.a.

Bayerische Staatsoper / Tannhäuser © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Tannhäuser © Wilfried Hösl

Hinweise für die Veranstaltung Oper für alle: Das Mitbringen von harten und sperrigen Gegenständen wie Glasflaschen, Stühlen und Hockern ist laut Beschluss des Kreisverwaltungsreferats nicht gestattet. Regenschirme sind hiervon ausgenommen.

Wir empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Während der Veranstaltungen von Oper für alle kommt es zu einer Umleitung des Linienverkehrs der Trambahnlinie 19. Die Tiefgarage auf dem Max-Joseph-Platz kann bis kurz vor Veranstaltungsbeginne angefahren werden, während der Veranstaltung ist sie jedoch gesperrt:

Einstellung der Trambahnverkehr der Linie 19

Am 24.06.17 von ca. 17:30 – 23:30 Uhr
Am 09.07.17 von ca. 15:00 – 00:00 Uhr
Sperrung der Tiefgarage

Am 24.06.17 von ca. 20:30 – 22:30 Uhr
Am 09.07.17 von ca. 19:00 – 23:00 Uhr

—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—

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