Bayreuth, Siegfried Wagner – sein Leben und seine Werke, IOCO Interview, 24.03.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Siegfried Wagner  – Leben und  Werke

 IOCO Interview  mit  Peter P. Pachl – Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft e.V., ISWG, Bayreuth

von Christian Biskup

Wahn! Wahn! Überall Wahn!  –  Und eine Leidenschaft…

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Am 6. Juni 1869 ging ein großer Wunsch von Richard und Cosima Wagner in Erfüllung: sie bekamen als drittes Kind endlich den lang ersehnten männlichen Erben: Siegfried Helferich Richard Wagner, der Sohn des Meisters Richard Wagner ward geboren, die Bayreuther Festspiele für eine weitere Generation gesichert. Doch Siegfried war viel mehr als Fortführer der Festspieltradition. Vierzehn Opern, darunter Der Bärenhäuter – erfolgreichste Oper des Jahres 1899 – eine langsame Abkehr der Cosima-Wagner-Tradition, zahlreiche Dirigate in der ganzen Welt zeichneten das künstlerisch reiche Leben von  Siegfried Wagner als er am 4. August 1930 in Bayreuth starb – inmitten von mit Arturo Toscanini betriebenen Tannhäuser Proben. Siegfried, Frau  Winifred Wagner (*1897 in Hastings, England – 1980 in Überlingen) und die enge Verbindung beider zu Adolf Hitler, blockierte nach dem Tod von Siegfried Wagner die Aufführung seiner Werke. Heute, jedoch nur langsam, werden die Werke Siegfried Wagner – Manifeste für Weltoffenheit und Toleranz – wiederentdeckt.

Peter P Pachl - Siegfried Wagner Gesellschaft Bayreuth © Peter P Pachl

Peter P Pachl – Siegfried Wagner Gesellschaft Bayreuth © Peter P Pachl

Peter P. Pachl ist Mitbegründer und Vize-Präsident.der Internationalen Siegfried Wagner-Gesellschaft (ISWG).  Geboren 1953 in Bayreuth, ist er großer Verfechter für das Werk des Meistersohns. IOCO-Korrespondent Christian Biskup (CB) sprach mit Peter P. Pachl (PPP) über die ISWG, Siegfried Wagner und Schwierigkeiten, die mit dem Einsatz für dessen Werke verbunden waren.

CB: Herr Pachl, Sie sind Regisseur, Publizist, Universitätsdozent, Professor und Autor – sie schrieben – abgesehen von Zdenko von Krafts tendenziöser Biografie – die erste Biografie von Siegfried Wagner nach 1945. Und wenn man Ihre Aktivitäten für den Komponisten, den Meistersohn Siegfried Wagner betrachtet, so kommt man schnell zu der Frage: warum denn ausgerechnet er?

PPP: Das ist die Frage, ja? Das ist natürlich eine sehr individuelle Frage und liegt sehr an mir. Ich denke, das Schöne bei großen Kunstwerken und bei großen Künstlern ist, dass es viele Zugänge, unterschiedliche Ambitionen und Verwandtschaften gibt. Bei mir ist tatsächlich der Punkt, dass ich mich von Klein-auf immer sehr für die Outlaws interessiert habe, für jene, die aus irgendwelchen Gründen verfemt sind, in der Schublade gehalten wurden. Besonders auch dann, als ich die Möglichkeit hatte, diese bisherige Schwärmerei des Heranwachsenden, tatsächlich beruflich in die Tat umzusetzen. Und das habe ich dann auch gemacht. Für verfemte Komponisten wie Alexander Zemlinsky, Franz Schreker, Anton Urspruch, Erich Jaques Wolff um nur einige Komponisten zu nennen, setzte ich mich und habe ich mich nachhaltig immer wieder eingesetzt. In diese Kategorie gehört auch Siegfried Wagner, der von der eigenen Familie unterdrückt wurde. Zunächst dadurch, dass die Werke nicht gespielt werden durften, wie auch dadurch – was ich am eigenen Leib wahrnehmen musste – dass man überhaupt nicht an diese Werke herankam. Es bedeutete ein großes Glück, den einen oder anderen Klavierauszug in einem Antiquariat, die eine oder andere Partitur in einer Universitätsbibliothek zu entdecken. Aber an den Großteil der Kompositionen kam man gar nicht heran. Und eine weiterer Punkt der Verfemung Siegfried Wagners war, dass bereits in dessen Jugend und im weiteren Leben des Komponisten die Unterdrückung, das Zurechtbiegen, das ihn In-einem-anderen-Licht-erscheinen-lassen begonnen hat.

Siegfried Wagner, Bayreuth © Christian Biskup

Siegfried Wagner, Bayreuth © Christian Biskup

CB: Ich nehme aber auch an, dass Sie die Musik von Siegfried Wagner sehr schätzen?

PPP: Ja, das ist richtig. Aber erstmal gab es keine Musik, es gab zum Anfang meiner Interesses schlicht keine Noten.. Wie kam ich dann darauf? Ich bin ich Bayreuth geboren. Mein Vater hat mir ermöglicht, schon als Zehnjähriger die Bayreuther Festspiele zu besuchen. Das waren Zeiten, in denen es im Festspielhaus nicht nur freie Plätze, sondern bei den damals nicht so goutierten Werken wie bei Der fliegende Holländer oder Parsifal sogar freie Reihen gab.

Ich hatte das große Glück, von meinen Eltern jedes Jahr mit in die Festspielaufführungen genommen zu werden. Und dabei besuchte ich mit meinen Eltern mal die Eule, die Lieblingskünstlerkneipe Siegfried Wagners. Damals hingen dort noch sehr viele der Stassen-Pastellzeichnungen zu seinen Opern. Ich konnte diese Szenen damals in Bayreuth, welches auch einseitig auf Richard Wagner fixiert war, nicht zuordnen und fragte meinen Vater, was das denn sei. Er antwortete: „Das sind die Opern Siegfried Wagners, die spielt man jetzt nicht, aber das kommt auch mal wieder.“ Und das war für mich der Schlüsselsatz.

Ich hatte ziemlich schnell alle Werke Richard Wagners von Rienzi, später auch von den Feen und der Hochzeit auswendig gelernt und dachte mir: Gott-bewahre, wenn ich jetzt noch so einen Kosmos auswendig lernen muss. Ich beruhigte mich selbst, indem ich mir sagte, ich würde mich informieren und mir zunächst einmal etwas von Siegfried Wagner anhören muss. Im Jahr 1969, seinem 100. Geburtstag, würde es ja mehrere Theater geben, die Opern von ihm spielen werden – und da fahr ich dann hin und mache mir selbst ein Bild und einen Klangeindruck: dachte ich! Ich hatte damals, als Gymnasiast, die Zeitschrift Oper und Konzert abonniert und jeden Monat gesucht: nichts von Siegfried Wagner. Und dann wollte es der Zufall, dass es doch das ein oder andere Konzert gab, in der Zeitschrift nicht verzeichnet. Eines dieser Konzerte war in Hof in Nordbayern, wohin meine Eltern – mit mir im alter von drei Jahren – hinzogen. Dort stand am 14. Februar 1969 das Violinkonzert von Siegfried Wagner auf dem Programm – und von diesem Klangerlebnis war ich richtiggehend hin und weg.

Siegfried Wagner – Violinkonzert
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CB: Tatsächlich scheinen ihre positiven Ansichten auch immer mehr in der Musikwelt anzukommen. Die Aufführungen von Werken Siegfried Wagners mehren sich, längst vergriffene Notenausgaben erfahren einen Neusatz, so seine teils unveröffentlichten Lieder aber auch seine Erfolgsoper Der Bärenhäuter.

PPP: Die Partitur des Bärenhäuter ist ein Reprint. Jedoch seit dem vergangenen Jahr – von der Öffentlichkeit noch kaum bemerkt – begann die Arbeit an einer kritischen Gesamtausgabe der Werke Siegfried Wagners. Angefangen wurde und wird mit jenen Werken, die nachfolgend zur Aufführung anstehen. Der erste Band An Allem ist Hütchen Schuld! ist eine sehr gute und insbesondere fehlerfreie Edition von Ulrich Leykam. Das Aufführungsmaterial war für die Orchestermusiker sehr gut spielbar, was auch der Dirigent David Robert Coleman bestätigte. Diese Neu-Edition soll das Gesamtwerk umfassen. Der nächste, schon fertig gesetzte Band ist Sonnenflammen für kommenden Sommer und dann folgt eine Neuausgabe der Oper Rainulf und Adelasia, obgleich diese vor knapp zwei Dezennien überhaupt zum ersten Mal erschienen war.

CB: Wie ging das Ganze überhaupt los, die Sache mit Siegfried Wagner und der ISWG?

PPP: Es war und ist das erklärte Ziel der ISWG, Siegfried Wagner populär zu machen, die Werke zur Aufführung zu bringen. Das ist – und zwar in der erste Linie die Bühnenwerke – auch das in der Satzung festgeschriebene Ziel. Nun war es aber so: 1972 gründeten sieben für eine Vereinsgründung erforderliche Mitglieder – vor allem junge Studenten in meinem Alter und ein paar ältere Bayreuth-Besucher, die zwar Siegfried Wagner auch nicht mehr persönlich erlebt hatten, aber denen er als Komponist noch ein Begriff war – die Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft als eingetragenen Verein. Gleich darauf erfolgte von Winifred Wagner ein Brief an alle Wagner-Verbände, es möge niemand diesem Verein beitreten, denn es sei eine Gesellschaft, die von der Familie nicht gewünscht würde.

Für Winifred Wagner war Hauptstein des Anstoßes das Wort „Internationale“. Und entsprechend willfährig reagierte ihr Klientel und wir hatten es entsprechend schwer. Gleichwohl hat uns das nicht gekümmert. Es wäre natürlich schön, eine große Mitgliederzahl zu erreichen, aber darum ging es der ISWG nie, sondern darum, möglichst effektiv etwas zu erschaffen, etwas zu bewegen. Eine besondere Schwierigkeit stellte die Tatsache dar, dass Winifred Wagner – als Rechte-Inhaberin – keine Aufführungserlaubnis erteilen wollte. Dann gab es aber doch eine glückliche Entwicklung: Otto Daube, ein junger Freund Siegfried Wagners und zu dessen Lebzeiten auch einer der ersten Siegfried-Wagner Biografen, hatte uns empfohlen, uns an Friedelind Wagner zu wenden, denn diese sei die erklärte Lieblingstochter Siegfried Wagners gewesen. Tatsächlich war Friedelind bereit, Mitglied und Präsidentin zu werden – und so erfolgte ein erster Aufschwung für die ISWG. Friedelind Wagner stand jedoch vor demselben Problem, was Opernaufführungen angeht, wie auch wir. Aber sie hat als Erste das Aufführungsverbot durchbrochen, und zwar mit dem englischen Dirigenten Leslie Head, der – wie so Viele vor ihm, auf die Idee gekommen war, Siegfried Wagner zu spielen.

Hätte Wieland Wagner 1969 noch gelebt, so hätte er seinen Plan, zum hundertsten Geburtstag seines Vaters eine Oper von ihm auf ganz neue Weise zu inszenieren – er hatte ja eine ganze Reihe von Siegfried Wagner bereits als ganz junger Künstler realisiert – wahrgemacht, aber da war er ja schon drei Jahre tot. Häufiger wollten Dirigenten und Regisseure gern eine Oper Siegfried Wagners realisieren. Weil Winifred Wagner vom Verlag Max Brockhaus mit Ende des Krieges das gesamte Aufführungsmaterial nach Bayreuth geholt hatte, mussten sich alle Interessenten an Winifred wenden. Und Winifred Wagner schrieb stets zurück: „Lassen Sie das, Sie tun uns und sich damit keinen Gefallen“. Und dann haben es die meisten schon gelassen. Und wer dann aber zäher war und weiterfragte, dem schrieb sie, es sei ja eine ehrenvolle Absicht, aber das Aufführungsmaterial sei im Krieg verloren gegangen. Das war eine Lüge, denn sie hatte das gesamte Notenmaterial in Stellagen ordentlich sortiert, in einem eigenen Trakt des Siegfried-Wagner-Hauses untergebracht. So erging es auch als Leslie Head bei seiner Anfrage für London. Da Friedelind die Rolle der Mita als eine Idealpartie für ihre Freundin Hanne Lore Kuhse empfand, hatte sie Leslie Head empfohlen, er solle den Friedensengel machen. Und Der Friedensengel war jenes Werk, über welches der ansonsten zu wenig Aussagen geneigte Biograph Zdenko von Kraft berichtet, dass Winifred Wagner es am wenigsten mochte.

Leslie Head erhielt, wie immer, die Antwort: „Sie tun uns und sich damit keinen Gefallen, lassen Sie das!“ Doch sie schrieb – immer in Absprache mit Friedelind Wagner – dass er die Oper trotzdem gerne einstudieren und aufführen würde. „Kein Material mehr vorhanden!“, so die Antwort Winifreds. Und dann ein Trick, wie er wohl nur Friedelind Wagner einfallen konnte. Head schrieb: „Das macht nichts, wir haben eine Partitur, wir stellen das Material eben selbst neu her.“ Darüber hat Winifred einen solchen Schreck bekommen, denn sie dachte: „Um Gottes Willen, wenn die das tatsächlich drucken, dann verbreiten sie es, und dann haben sie die Rechte, und so weiter.“ Deshalb antwortete sie, sie hätte das Aufführungsmaterial doch gefunden und sie wäre bereit, es für eine einmalige Aufführung – aber nur konzertant – bereitzustellen. So kam es immerhin zu dieser Aufführung, und damit war das Eis ein allererstes Mal gebrochen. Und wenn man das Eis einmal bricht, dann kann man es auch ein anderes Mal brechen. Während ich in London nicht so aktiv in die Vorbereitungen involviert war, haben wir es auf dieser Schiene dann in Deutschland fortgeführt und die Opern Sternengebot und Sonnenflammen in Wiesbaden konzertant zur Aufführung gebracht, später auch Schwarzschwanenreich in Solingen und Herzog Wildfang in München.

Sonneflammen - Oper von Siegfried Wagner © Christian Biskup

Sonneflammen – Oper von Siegfried Wagner © Christian Biskup

CB: Wenn man auf die umfassende Homepage der Gesellschaft blickt, so fallen zwei große Termine ins Auge. Am 30. Juli und 2. August sowie 15. und 16. August sollen die SW Opern Sonnenflammen (Foto oben, 1918 in Darmstadt uraufgeführt. Konzertante  Wiederaufführung 1979 in Wiesbaden und 2002 im Opernhaus Halle) und Rainulf und Adelasia szenisch in Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth während der Festspielzeit aufgeführt werden. Kommen neben den Richard-Wagner-Festspielen nun auch Siegfried-Wagner-Festspiele nach Bayreuth?

PPP: Das ist sicherlich Ansichtssache. Eigentlich kann man sagen, sie sind schon da. 2014 kam Katharina Wagner auf mich zu und sagte, man müsse doch über den Schatten der Eltern springen, und wir sollten in Bayreuth auf einer zweiten Schiene die Opern Siegfried Wagners vorstellen – so wie sie bereits im Richard Wagner-Gedenkjahr die drei Jugendopern Richard Wagners in Bayreuth als Gastspiele realisiert hat. Damals stand allerdings die Idee an, dass die Stadthalle in Bayreuth umgebaut würde, und das Markgräfliche Opernhaus war bereits im Zuge der Restaurierungen geschlossen. Dessen Wiedereröffnung hat sich dann jedoch einige Jahre länger hingezogen, mit Wasserschaden und all den Verzögerungen, die bei öffentlichen Bauten so gerne passieren.

Und so wurde der für uns erstmögliche Termin das Jahr 2019, was eben auch – leider muss man sagen – das Gedenkjahr des 150. Geburtstages von Siegfried Wagners war. Denn für viele war damit das Thema Siegfried Wagner sozusagen abgehakt: „Jaja, jetzt hatte er einen runden Geburtstag, da gab mal eine Oper von Siegfried Wagner“. Und das war eben von vornherein nicht so geplant! Es war – bereits fünf Jahre früher – gedacht, dass es jedes Jahr zwei Opern geben sollte, die in Zusammenarbeit mit Opernhäusern produziert werden, so wie das für die Jugendopern Richard Wagners zusammen mit der Oper Leipzig realisiert worden war; und diese Opern sollten dann sowohl in Bayreuth als auch im jeweiligen Opernhaus weiter gespielt werden. Auf dieser Schiene erfolgt nun spät, aber doch die szenische Uraufführung von Rainulf und Adelasia an jenem Ort, an dem Siegfried Wagner im Jahre 1194, die Handlung lokalisiert hat, nämlich in Reggio Calabria. Reggio Calabria produziert diese Oper und bringt sie dort open-air zur Uraufführung. Diese Produktion geht dann auch für zwei Gastspiele nach Bayreuth, am 30.7 und 2.8. – das sind die von Katharina Wagner gewählten Nicht-Premieren-Tage im ersten großen Zyklus. Mitte August folgt Sonnenflammen, was im tschechischen Karlovy Vary mit den Karlsbader Symphonikern erarbeitet wird, die im Vorjahr – zu unserer großen Freude – An Allem ist Hütchen Schuld! so schön begleitet haben, dass jene Besucher, die den Vergleich hatte sagten, es sei noch besser gewesen als zuvor mit den Bochumer Symphonikern.

CB: Sonnenflammen hat mit irisierenden Klängen und dem weltzerstörenden Feuer am Ende schon ein wenig Schrekersche Fin de siecle-Stimmung. Rainulf und Adelasia hingegen ist eine historische Tragödie zur Zeit Kaiser Heinrich VI. Warum ausgerechnet diese beiden Opern?

PPP: Wie soll man mit der neuen Reihe in Bayreuth beginnen – mit Opus 1 anfangen oder mit Opus 18, oder man kombiniert zwei Werke aus unterschiedlichen Entstehungsphasen? Das Spannende ist, dass die Opern Siegfried Wagners ja alle miteinander verzahnt sind, auf einander Bezug nehmen. Die beiden Werke dieses Sommers haben mit den 20er Jahren zu tun, deren Retrospektive ein Säkulum später, mit dem Jahr 2020 eingeläutet werden. Genau vor 100 Jahren, im Jahre 1920, begann Siegfried Wagner Rainulf und Adelasia zu komponieren, und noch bevor Arnold Schönberg seine Zwölftontheorie veröffentlicht hatte, hat Siegfried Wagner hier ganz bewusst – in einem Stück das von Hypnose und neuen Erkenntniswegen handelt – mit Zwölftonreihen gearbeitet, wie Eckart Kröplin dies anlässlich eines Symposiums in Bad Urach erstmals nachgewiesen hat. Kein Wunder also, dass Arnold Schönberg Siegfried Wagner so hoch geschätzt hat; denn das bekannte er ja 1913 schon mit den Ausspruch, dass Siegfried Wagner ein größerer und bedeutenderer Künstler sei, als viele, die jetzt sehr berühmt sind. Dies ist einer der Gründe für die Fokussierung auf Rainulf und Adelasia. Der andere ist, dass ebenfalls im Jahre 1920 Siegfried Wagner erstmals eine Oper von sich selbst inszeniert hat. Das war Sonnenflammen in Dresden an der Sächsischen Staatsoper; Franz Stassen war sein Ausstatter, Richard Tauber sang den Fridolin und Heldentenor Fritz Vogelstrom den Gomella. Eine damals äußerst ungewöhnliche Aufführung bis in jene Besetzung hinein, die der Komponist als sein eigener Regiesseur gewählt hat. 1920 ist der Angelpunkt – und natürlich gibt es auch diverse innere Zusammenhänge zwischen diesen beiden Opern.

CB: Wie werden die Aufführungen denn finanziert? Ist die Siegfried-Wagner-Gesellschaft so erfolgreich, dass die Opern, die nicht nur ein großes Orchester sondern auch erstklassige Sänger benötigen, nur aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden kann?

PPP: Ja, das wäre schön, da wären wir bei jenem Punkt, den wir früher angesprochen haben: wenn wir so viele Mitglieder hätten… Die Finanzierung ist natürlich genau der schwierige und problematische Punkt – wie kann man etwas realisieren ohne dazu die Mittel zu haben? Natürlich nur mit Hilfe von Förderung, die wir ja im Vorjahr von der Stadt Bayreuth, der Oberfranken-Stiftung und vom Kulturfonds Bayern bekommen haben, wenn auch in geringerem Umfang als beantragt und eigentlich geplant. Deshalb gabs Vorjahr statt einem Sinfoniekonzert ein Konzert mit Klavierbegleitung und ein paar Kammermusikwerken, als ein Überbnlick über das Schaffen, das wir in den kommenden Sommern vorstellen wollen. Die Finanzierung erscheint in diesem Jahr noch schwieriger. Unser Vorhaben steht, was die Finanzierung angeht, in der Tat auf sehr wackeligen Beinen. Selbstredend sind Anträge gestellt sind, aber die Zusage wird teilweise erst relativ spät im Jahr entschieden. Das ist natürlich die Crux solcher Anträge im Kunstbereich. Wenn man erst anfangen würde, zu planen wenn die Anträge genehmigt sind, dann gäbe es keine Sänger und keine Räumlichkeiten mehr und man müsste es aus diesen Gründen lassen.

Also gilt es, sozusagen ins kalte Wasser zu springen und den Glauben nicht zu verlieren. Wir wollen bis 2025 alle Opern Siegfried Wagners in Bayreuth in dieser Reihe einmal vorgestellt haben und Siegfried Wagner in Bayreuth so zu einem Faktum machen. Dazu braucht man langen Atem. Realisieren können wir diese Aufführungen – so auch im Vorjahr – nur, indem wir mit dem pianopianissimo-musiktheater zusammenarbeiten. Dieses wurde 1980 auf Empfehlung von August Everding in München gegründet um jenseits gewerkschaftlicher Zwänge und jenseits großer Budgets im Opernbereich Unmögliches doch möglich zu machen. Und das pianopianissimo-musiktheater-ensemble hat – das kann man an den CD- und DVD-Aufnahmen mehrerer Opern Siegfried Wagners auch überprüfen – immer wieder bewiesen, dass man auch großartige (und sonst viel teurerer) Künstler gewinnen kann, die hier aus künstlerischer Begeisterung und Freude an der Sache nur für eine Aufwandsentschädigung arbeiten – jenseits der Gagen, die sie sonst an Opernhäusern zurecht erhalten.

Festspielleiter Siegfried Wagner, links, in Bayreuth © Chrisitan Biskup

Festspielleiter Siegfried Wagner, mittig, in Bayreuth © Chrisitan Biskup

CB: Ist das auch der Grund, weshalb keine Deutschen Orchester, sondern das Karlsbader Sinfonieorchester und das Orchestra Filharmonica della Calabria die Ausführenden sind?

PPP:  Jein. Es waren lange Zeit die Nürnberger Sinfoniker im Gespräch und sogar bereits in der Planung. Diese haben u.a. auch schon den „Kobold“ gespielt. Und sie standen auch in der Diskussion für die im vergangenem Jahr erfolgte Aufführung von An Allem ist Hütchen Schuld!. Die Italiener wollten ursprünglich mit diesem Siegfried Wagner -erfahrenen Orchester aus Deutschland zusammenarbeiten, und es gab bereits konkrete Planungen. Aber es ist auch spannend, wenn dieses Werk nicht nur vom Chor aus Reggio Calabria und einer vornehmlich italienischen Sänger*innen-Mannschaft, sondern eben auch vom dortigen Orchester interpretiert wird – zumal es ein sehr gutes Orchester ist, das Filippo Arlia dort leitet.

CB: Für die Aufführungen wurde das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ausgewählt. Warum ausgerechnet das Haus, das Richard Wagner aufgrund seiner geringen Größe abgelehnt hat? Wie kann man sich die Inszenierung vorstellen und wo wird insbesondere das Orchester untergebracht?

PPP: Letzteres wird von Fall zu Fall unterschiedlich gelöst werden. Die ISWG wartet natürlich auch auf den Umbau der Stadthalle, die dann Friedrichsforum heißen und als weitere Bühne zur Verfügung stehen wird. Daneben wird vielleicht auch immer wieder das Markgräfliche Opernhaus eine Bühne sein, wie sie es schon zu Lebzeiten des Komponisten bei Gastspielen war. Das berühmteste dieser Gastspiele mit Opern Siegfried Wagners dort war 1944 Wieland Wagners Inszenierung von An Allem ist Hütchen Schuld!, aus Altenburg. Für die Positionierung des Orchesters kann man letztlich verschiedene Lösungen wählen. Wir haben bei An Allem ist Hütchen Schuld!, (siehe Video unten) das Orchester hinter die Bühne gesetzt. Wir haben das in Bochum in einer viel größeren Location, dem Auditorium Maximum der Ruhr-Universität, so praktiziert. Die Bühne war zu ebener Erde, und dann dahinter das Orchester. Deshalb haben wir in Bayreuth das Orchester ebenfalls auf der Bühne gesetzt und haben davor, auf Bühne und Vorbühne, also auf zwei Ebenen, gespielt. Und in diesem Jahr wird es so sein, dass das Orchester vor der Bühne sitzt.

iswg,

An Allem ist ein Hütchen Schuld – Märchenoper von Siegfried Wagner
youtube Video von Peter P Pachl – Siegfried Wagner Gesellschaft
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CB: Im August 2019 wurde im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth Siegfried Wagners Märchenoper An Allem ist Hütchen Schuld!  anlässlich den Jubiläumsjahres aufgeführt. Wie waren die Resonanzen?

PPP: Die Resonanzen kann man im Pressespiegel des nächsten ISWG-Mitteilungsblatts im nächsten Sommer nachlesen. Bei Kritiken geht es doch darum, dass sie ein Werk zur Diskussion stellen und das Gespräch darüber evozieren. Die berühmte Anekdote von Bertolt Brecht, der nach der Uraufführung seiner Mutter Courage das Telegramm erhalten hatte, Mutter Courage – großer Erfolg“ und daraufhin zurücktelegrafierte, man möge es sofort absetzen, zeigt, wie wichtig die Reibung/Auseinandersetzung des Publikums mit der aktualisierten Spielvorlage ist. Ein Pro und Contra hat es seltsamerweise in Bayreuth sehr viel stärker als für die zugrunde liegende Bochumer Produktion gegeben. In Hagen hingegen hat die Produktion von An Allem ist Hütchen Schuld! den erstaunlichen Fall ausgelöst, dass wirklich ein halbes Hundert ausschließlich begeisterte Kritiken erschienen sind. Doch das hat der Oper letztlich auch nicht geholfen. Vielleicht hat Brecht recht, dass die Spaltung des Publikums, die der Meinungen und der Medien, einfach die bessere Ausgangslage für einen Autor und für sein Werk sind.

CB: Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass die Familie Wagner nicht sehr bestrebt war, das Werk Siegfried Wagners aufzuführen. Winifred, seine Frau, sprach ein Aufführungsverbot un sprach sich mit Sohn Wolfgang gegen die Gründung der ISWG aus. Nur Tochter Friedelind war angetan und wurde sogar Präsidentin der Gesellschaft. Wie erklären Sie sich diese starke Abneigung der Familie?

PPP: Die Zu- und Abneigung auf Seiten der Familie Wagner kann man nicht über einen Kamm scheren. Bei Winifred ist da ein sehr starker psychologische Ansatz zur Deutung nötig, aber auch wichtig und erforderlich. Ich denke, es war eine Art von Revanche an ihrem toten Ehemann, insbesondere dafür, dass sie Leitung der Festspiele nur für so lange erhalten hat, bis sie sich wieder verheiraten würde. Zwar hat sie dieses Testament mitunterschrieben. Aber erst dann ist ihr klar geworden, sie darf nicht wieder heiraten, wenn sie Festspielleiterin sein will. Und das wollte sie sein! Wie kann man sich an Einem rächen, der tot ist? Eigentlich nur, indem man versucht dessen Werk verstummen zu lassen. Dies war aber sehr schwierig, denn in den Dreißigerjahren gab es sehr viele Regie- und Dirigierschüler von Siegfried Wagner, die es sich nicht haben nehmen lassen, Siegfried Wagners Werke aufzuführen. Deshalb blieb Winifred nur die Möglichkeit, die Noten zu sich zu holen, damit niemand mehr sie aufführen konnte. Bei den Söhnen: Wieland Wagner hat sich immer in erster Linie als Sohn eines Komponisten verstanden und dann erst als Enkel. Aber er kam an die Leitung der Festspiele in einer Zeit, wo es galt, erst einmal Richard Wagner wieder durchzusetzen, zu „entnazifizieren“.

Bei Wolfgang Wagner war es wiederum anders. Er hat in der Zeit des Dritten Reichs sehr viel Negatives, auch Dinge, die nur unter vorgehaltener Hand über seinen Vater erzählt wurden, aufgenommen. Er hatte ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und das offenbarte sich dann auch in seinem erklärten Desinteresse für dessen Werk. Denn dieses ist ein Manifest ist für eine liberale und antimilitaristische Haltung, ein Bekenntnis zum Außenseitertum und zu ungewöhnlichen gesellschaftlichen Lösungen, bis zur Forderung der Beseitigung gängiger Moral und Gesetzgebung. Und dann kam bei Wolfgang Wagner eine weitere Überzeugung hinzu: „Es ist schlimm genug, dass es Beethoven und Mozart gibt, für die Geld ausgegeben wird, das Geld sollte alles für Richard Wagner ausgegeben werden. Wir können uns doch in der eigenen Familie keine Konkurrenz machen!“ Das war seine ehrliche Meinung.

CB: Aber heute steht die Familie Wagner den Plänen der ISWG offen gegenüber?

PPP: Die Familie ist groß… Festspielleiterin Prof. Katharina Wagner ist wirklich sehr offen. Zu meiner großen Freude hat sie sich sehr begeistert über die von ihr besuchte Bayreuther Aufführung des „Hütchen“ geäußert, nicht nur uns gegenüber sondern auch in der Öffentlichkeit.

CB: Wissen Sie schon, wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll?

PPP: Auch da haben wir natürlich schon Pläne geschmiedet. Wir wollen erneut eine ausländische Bühne, ein ausländisches Orchester, die diese Oper dann im Repertoire weiterspielt, gewinnen. Wir wollen wieder zwei Werke haben, die offen miteinander korrespondieren (denn in einer versteckteren Weise tun sie dies ohnehin immer durch die identischen musikalischen Themen), die aber darüber hinaus auch thematische Zusammenhänge aufweisen, wie in diesem Jahr Fremdheit vs. Integration.

Es gibt hierfür schon Vorgespräche, einen Plan A und einen Plan B – aber noch in der Werkstatt.

CB: Das klingt spannend! Vielen Dank für dieses hochinteressante Interview!

—| IOCO Interview |—

Wolfsburg, Scharoun-Theater Wolfsburg, SCHWANENSEE – Ukrainische Staatsoper „Taras Schetschenko“, IOCO Kritik, 25.02.2020

Februar 25, 2020 by  
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Theater Wolfburg

Scharoun Theater Wolfsburg © Stadt Wolfsburg / Lars Landmann

Scharoun Theater Wolfsburg © Stadt Wolfsburg / Lars Landmann

 Schwanensee  – Ukrainische Staatsoper „Taras Schetschenko“

Kein sterbender Schwan – aber Happy End für Alle

von Christian Biskup

Jedes Jahr touren zahlreiche Ensembles mit dem Stück durch Deutschland – Schwanensee! Ob mit oder ohne Orchester, die Ballettgruppen kommen meist aus Osteuropa, denn dort wird der Spitzentanz, anders als an den meisten deutschen Häusern, traditionell noch an den verschiedensten Theatern der Länder auf die Bühne gebracht. Das Ballett und Orchester der Ukrainischen Staatsoper „Taras Schetschenko“ Kiew folgte der Einladung ins Scharoun-Theater Wolfsburg und führte dem Publikum die ganze Kunst des Spitzentanzes vor.

Schwanensee von Pjotr Ijitsch Tschaikowsky  ist ein Klassiker der Ballettliteratur. 1877, bei der Uraufführung im Bolschoi-Theater von Moskau war das Stück kein Erfolg. Damals was das Bolschoi-Theater noch nicht das Bolschoi von heute. Mangelnde Vorbereitung, zu schwierige Musik und eine schlechte Ausstattung ließen das Stück schnell vom Spielplan verschwinden. Erst 1895 wurde mit der Choreografie von Marius Petipa (1818-1910) und Lew Iwanow (1824-1901) ein Siegeszug eingeleitet, der bis heute anhält. Und auf jene Choreografie, sowie auf die Wiederaufführungen von Alexander Gorsky (1871-1924), Fjedor Lopuchow (1886-1973) und Vladimir Burmeister (1904-1971) beruft sich die Choreografie von Valerie Kovtun (1944-2005), die bereits 1986 Premiere hatte und bis zum 23.02 auf Deutschland-Tournee war. Wer auf den sterbenden Schwan wartete, wartete jedoch vergeblich. In Tschaikowskys Schwanensee gibt es kein Sterbesolo, dieses wurde 1905 erst zu Camille Saint-Saens Schwanenmusik aus dem Carneval der Tiere für Primaballerina Anna Pawlowa choreografiert. Tatsächlich gibt es jedoch für Tschaikowskys Schwanensee verschiedene Finalversionen, die ein Sterbesolo erlauben würden. Doch die Inszenierung der Ukrainischen Staatsoper „Taras Schetschenko“ spielt die Version mit „Happy End“ für die Hauptprotagonisten:

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE © Staatsoper Kiew

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE © Staatsoper Kiew

Prinz Siegfried feiert mit Freunden seinen 21. Geburtstag. Von seiner Mutter erhält er eine wertvolle Armbrust versehen mit der Erinnerung, dass er beim Hofball am nächsten Tag aus vier potenziellen Bräuten eine auszuwählen habe. Als der Abend anbricht und der Prinz weiße Schwäne vorüberziehen sieht, entschließt er sich auf die Jagd zu gehen. Am See angekommen, sieht er, dass sich die Schwäne in schöne Schwanenmädchen verwandeln. Odette, die Prinzessin, berichtet, dass der böse Zauberer Rothbart sie in Schwäne verwandelt hat und er nur zur Mitternachtszeit keine Macht mehr über sie hat, weshalb sie in ihrer menschlichen Gestalt erscheinen. Erlösung vom Fluch gibt es nur, wenn ihnen jemand ewige Treue schwört. Wird der Schwur gebrochen, bleiben sie für immer Schwäne. Bezaubert von ihrer Schönheit schwört Siegfried Treue und bittet sie zum Ball zu kommen. Doch sie kann nicht. Rothbart, der den Schwur beobachtet hat, schmiedet derweil schon Pläne, wie er sie in seiner Macht behalten kann.

Beim Hofball im Festsaal des Schlosses am nächsten Tag lehnt Siegfried alle potenziellen Bräute ab – seine Gedanken gelten nur Odette. Erst als Rothbart mit seiner Tochter Odile erscheint, die vom Vater die Gesichtszüge Odettes erhalten hat, ist Siegfried entflammt, glaubt er doch Odette zu sehen. Seiner Mutter berichtet er, dass sie seine Braut sein soll. Rothbart und Odile verlassen daraufhin triumphierend den Saal. Als an einem Palastfenster die traurige Odette erscheint, erkennt er den Betrug und eilt schnell zum See der Schwäne. Er erklärt Odette den Betrug und beteuert, dass sein Treueschwur nur ihr gegolten habe. Doch Rothbart gibt so schnell nicht auf – er entfesselt die Elemente und beginnt mit Siegfried zu kämpfen. Dieser verletzt ihn so schwer, dass Rothbart seine Zauberkraft verliert – die Schwanenmädchen sind erlöst!

Die Ausstattung von Maria Lewitskaja ist konventionell-konservativ aber sehr poetisch. Gemalte Bühnenprospekte, von denen der Schwanensee in seinen blau-schimmernden Tönen besonders hervorsticht, sowie die prachtvolle Ausstattung des Festsaales mit Thronsessel sind mit den prächtigen Kostümen ein Genuss für die Augen. Eine kluge Lichtregie verstärkt die jeweilige Stimmung. Hier wird nur erzählt, nichts gedeutet, was den Gegnern von jeglicher Art von Regietheater sicher entgegen kommt. Trotzdem oder deshalb ist der Abend nicht langweilig, was an den starken Leistungen der Tänzer liegt. Den größten Erfolg konnte Daniil Silkin und das Corps de Ballet im neapolischen Tanz der Tanzfolge im dritten Akt erringen. Sein zahlreichen schwindelerregenden Fouettés en tournant sowie das perfekte Timing zur Musik machten ihn – trotz der Kürze des Auftritts – zum Publikumsliebling des Abends.

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE hier die Primaballerina Anastasia Schewtschenko als weißer Schwan © Staatsoper Kiew

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE hier die Primaballerina Anastasia Schewtschenko  © Staatsoper Kiew

Doch auch die 1993 geborene Primaballerina Anastasia Schewtschenko konnte in der Doppelrolle der Odette / Odile überzeugen. Grazil und elegant, sowie zu Beginn ihres Auftritts wunderbar scharwenzelnd, gab sie mit fließenden Armbewegungen die begehrenswerte Schwanenprinzessin. Ihre Wandlung zur dunklen Odile gelang spielerisch. Ihr Bühnenpartner Oleksi Tiutiunnyk in der Rolle des Prinzen begeisterte besonders durch seine Grand jetés, die großen Sprünge, die ihn scheinbar schwerelos über die Bühne schweben ließen, wobei sich offenbarte, dass die Wolfsburger Bühne für sein Können eigentlich zu klein ist. Sehr beeindruckend gelang der Kampf zwischen Siegfried und dem Zauberer Rothbart (kraftvoll und energiestrotzend Volodymyr Kutuzov), der temporeich und sehr dynamisch choreografiert wurde. Für viel Beifall sorgte auch der Tanz der kleinen Schwäne (Inna Chorna, Ievgeniia Korshunova, Jateryna Chupina, Kateryna Dehtiarova), welcher in Reihe en croix getanzt wurde und sicher eine der beliebtesten Nummern des Ballettes ist. Das Pas de Trois begleitete viele Nummern – mit wenigen synchronen Unsicherheiten – poetisch und originell choreografiert.

Das Orchester der Staatsoper „Taras Schewtschenko“ unter der Leitung von Mykola Djadjura spielte die Ballettmusik hörbar mit Freude, wobei es schon erstaunlich ist, wie unterschiedlich die Musik mit einem östeuropäischen Orchester klingt. Das ukrainische Orchester spielt die Musik gemäß der russischen Tradition weitaus schroffer und weniger stark romantisierend. Dramatische Elemente werden deutlich hervorgehoben, lyrische Momente entkitscht wo es geht, man spielt in recht flotten Tempi. Dies funktioniert in Verbindung mit der Choreografie ausgesprochen gut, die so stets dynamisch bleibt. Viel Applaus vom Publikum für Dirigent und Orchester!

Nach gut drei Stunden und zwei Pausen, in denen ausschließlich lobende Worte für Ensemble und Inszenierung zu hören waren, endet der Abend mit Standing Ovations für alle Beteildigten. Das ukrainische Ensemble kann auf der ersten Station ihrer Tournee einen großen Erfolg verbuchen.

—| IOCO Kritik Scharoun Theater Wolfsburg |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Richard Strauss – Also sprach Zarathustra, IOCO Kritik, 21.02.2020

Februar 21, 2020 by  
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Staastoper Hannover.jpg

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

 Also sprach Zarathustra – Richard Strauss

– Zwischen Philosophie und Bergweltpanorama –

von Christian Biskup

Die Anfangstakte stehen in ihrer Berühmtheit sicher nicht der von Beethovens 5. Sinfonie oder Wagners Walkürenritt nach. Ob bei den Simpsons, dem Außerirdischen Alf, bei 2001:Odyssee im Weltraum oder in Willi Wonkas Schokoladenfabrik, das Hauptmotiv des Werkes ist stets Ausdruck erhabener, wichtiger Momente – Der Beginn von Richards Strauss‘ sinfonischer Dichtung Also sprach Zarathustra ist Kult, und so steht auch das 5. Sinfoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover in der Staatsoper kurz und knapp unter diesem Motto.

Staatsoper Hannover / Solist Lukas Vondracek © Irene Kim

Staatsoper Hannover / Solist Lukas Vondracek © Irene Kim

Am Beginn des Konzertes stand jedoch das dritte Klavierkonzert Sergei Rachmaninovs auf dem Programm. 1909 komponiert, erlangte es zwar nicht die überbordende Beliebtheit des zweiten Konzerts, doch ist es – nicht zuletzt aufgrund der Anfangstakte – ein regelmäßiges und geschätztes Repertoirestück, welches begeistern kann. Zudem hält es angeblich den Rekord für die meisten Noten pro Sekunde in einem Klavierkonzert. Als Solist für das Konzert konnte der tschechische Pianist Lukáš Vondrácek gewonnen werden. Geboren 1986, gewann er mit eben jenem Konzert 2016 den Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerb und ist spätestens seitdem auf den Konzertpodien der Welt ein gern gesehener Gast – so auch in Hannover!

Die berühmten, an ein russisches Volkslied gemahnenden Anfangstakte waren ein Genuss. Vom ersten Augenblick an offenbart Vondrácek seine lyrische Stärke. Weich und silberklar ausgespielt, auf ein Minimum an Lautstärke zurückgenommen, entfaltet das Thema – wunderbar dezent vom Orchester begleitet – unmittelbar seine melancholische Wirkung. Auch im weiteren Verlauf, zeigt Vondrácek seine perfekte Klaviertechnik. Die virtuosen Kniffe, die Rachmaninov in seinem Werk eingebaut hat, sind schon eine Herausforderungen, besonders in der Kadenz. Doch ob rasante Läufe, wuchtig akkordisches Spiel oder Tastenrepititionen – es wird mit Bravour gemeistert. Dabei verliert sich Vondrácek jedoch nicht in bloßer Lautstärke – seine gestaltenden lyrischen Linien blicken stets durch, so besonders im schwermütig anmutenden zweiten Satz, dessen Wirkung nur durch das teils sehr lautstarke Niedertreten des Dämpferpedals gemindert wird. Attaca wird das strahlende Finale eingeleitet. Rhythmisch mitreißend und klar akzentuiert führt Vondrácek den Satz hin zum breiten, schmachtenden Höhepunkt, der mit seinen Rubati auch im Zusammenspiel mit dem Orchester hervorragend gelang. Nach den letzten Schlussakkorden brach ein Beifallssturm für den Pianisten hervor, der erst nach zwei Zugaben vom Publikum entlassen wurde. Herausragend war dabei seine Interpretation von Debussy’s Prelude „La Cathédrale Engloutie“. Sein fein differenziertes Spiel und die empfindsamen Dynamikabstufungen ließen Debussys Werk zu einer farbenprächtigen Klangmagie werden – erneut viel Beifall.

Staatsoper Hannover / Niedersächsisches Staatsorchester Hannover © Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover / Niedersächsisches Staatsorchester Hannover © Staatsoper Hannover

Die Dirigentin Xian Zhang erwies sich schon bei dem Klavierkonzert als Glücksgriff für den Abend – klare Zeichengebung, ein dynamisch ungemein ausgewogenes Begleiten und die organische Gestaltung der Übergänge ließen in ihr eine erfahrene Orchesterleiterin erahnen, die in Deutschland noch nicht so präsent ist. Dabei weist die sympathische Musikerin bereits eine beachtliche Karriere auf. Protege von Lorin Maazel, 2005-2007 Music Director beim Sioux City Orchestra, 2009-2016 Direktorin des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, aktuell Leiterin des New Jersey Symphony Orchestras sowie erste Gastdirigentin des BBC National Orchestra of Wales, mehrere Auftritte bei den BBC Proms, sowie Gastdirigate bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Nun also Hannover – mit Richard Strauss‘ sinfonischer Dichtung Also sprach Zarathustra. Vertonter Nietzsche? Ob und wie es Strauss gelungen ist, Nietzsches dichterisch-philosophisches Werk adäquat zu vertonen – darüber scheiden sich die Geister. Cosima Wagner schrieb sogar an Strauss:Ich hatte den Titel Ihrer symphonischen Dichtung für einen Zeitungsscherz gehalten“. Dass es sich um großartige Musik handelt, darüber war man sich in Hannover hingegen einig!

Staatsoper Hannover / Dirigentin Xian Zhang © B Ealovega

Staatsoper Hannover / Dirigentin Xian Zhang © B Ealovega

Den berühmten Sonnenaufgang nahm Zhang flott, klangvoll, aber ähnlich wie bei Strauss‘ eigenen Aufnahmen ohne das ganz große Pathos. Den packt sie in das religiös anmutende „Von den Hinterweltlern“, welches sie schwelgerisch und gedehnt ausmusizieren lässt. In welch großen Bogen sie das Orchester, bis zu dem klangmächtigen erneuten Ausbruch des Anfangs- bzw. Natur-motivs führt, ist beeindruckend. Stets bemühmt um einen transparenten Orchesterklang, gelingt es bei den knapp 100 Musikern dennoch nicht immer jedes Motiv prägnant hervorzuholen. Sichtlich genießend und mit zahlreichen Rubati versehen, lässt Zhang das Tanzlied erklingen, welches solitisch hervorragend vom Konzertmeister Gabriel Adorjan gestaltet wurde. Bayrische Gemütlichkeit, Alpenpanorama entsteht unwillkürlich vor dem geistigen Auge des Zuhörers. Sehr überzeugend der Schluss – ganz verhaucht, wie ein Klang aus weiter Ferne, geradezu transzendent lässt Zhang das Monumentalwerk in seiner harmonischen Zweideutigkeit aushauchen.

Nach einem Moment der Stille tosender Applaus für die energiegeladene Dirigentin und das Orchester im mit 1200 Plätzen nahezu ausverkaufte Haus.

—| IOCO Kritik Staatsoper Hannover |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 18.02.2020

Februar 18, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, StaatsOper Hannover

Staastoper Hannover.jpg

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini

– (K)eine haarige Angelegenheit – 

von Christian Biskup

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Mit nur 23 Jahren schrieb Gioacchino Rossini sein wohl bekanntestes Werk Il Barbiere di Siviglia – und wenn nicht in der legendären Dauer von 13 Tagen, so doch wohl in wenigen Wochen. Die Premiere 20. Februar 1816 in Rom war ein Fiasko – von dem sich Rossini und das Werk nach der Komödie Le Barbier de Séville ou La précaution inutile von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, aber glücklicherweise schnell erholten. Bis heute feiert das Werk einen Siegeszug über die Bühnen – so auch in der Produktion des Staatstheaters Hannover. Es ist schon erstaunlich, wie gut der gut 200 Jahre alte Humor auch noch heute funktioniert und das Publikum mitreißt. Das Libretto von Cesaren Sterbini ist temporeich, gut nachverfolgbar und vor allem im seinem Aufbau und Gestaltung auch für heutige Inszenierungen ungemein dankbar:

 

Pierre Augustin Caron de Beaumarchais Paris © IOCO _ Felix

Pierre Augustin Caron de Beaumarchais Paris © IOCO _ Felix

Graf Almaviva hat sich in die ihm unbekannte Rosina verliebt, die unter der Fuchtel des Doktor Bartolo gehalten wird, der sie selber gerne ehelichen möchte. Da passt es gut, dass der stattbekannte Barbier Figaro Zugang zum Hause Bartolos hat und verspricht – gegen ein schönes Sümmchen selbstverständlich – den Grafen in das Haus des Doktors einzuschleusen. Dort im Haus rechnet man schon mit dem Nebenbuhler und es wird kräftig überlegt, wie man diesen loswerden könnte, wobei sich auch der Musiklehrer Basilio eifrig engagiert. Rosina hat derweil schon einen Liebesbrief an den sich als mittelloser Student Lindoro ausgebenden Grafen geschrieben. Dieser – nun in der Rolle eines betrunkenen Soldaten – bittet um Einquartierung im Hause des Doktors. Ein Bescheid, dass Bartolo von der Pflicht der Einquartierung befreit sei bringt das Fass zum Überlaufen.

Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini
youtube Trailer Staatsoper Hannover
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Lärm und Zank bringt die Wache auf den Plan. Der Graf gibt sich jedoch dieser zu erkennen und wird – zur Überraschung der Anwesenden – freigelassen. Im zweiten Akt wagt sich der Graf als Vertretungsmusiklehrer Don Alonso erneut in Bartolos Haus. Als Vertrauensbeweis übergibt er dem Hausherrn den Liebesbrief den Rosina geschrieben hat. Nun kann die Gesangsstunde beginnen. Als Bartolo ein romantisches Lied an sein Mündel anstimmen möchte, unterbricht Figaro die Szene – die Rasur ist an der Reihe. Doch da taucht der gar nicht kranke Basilio auf. Die Stimmung droht zu kippen, doch mit Geld und Genesungswünschen wird er wieder nach Hause geschickt. Doch Bartolo hat die derweil stattgefundene Verabredung Don Alonsos mit Rosina mitbekommen und wirft sie hinaus. Er zeigt Rosina den Liebesbrief, die sich als Opfer eine Täuschung sieht. Sie willigt in die Heirat mit ihm ein. In der Nacht klärt der Graf noch schnell alles auf – der Heirat steht nichts mehr im Weg!

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Die Handlung wird von Regiesseurin Nicola Hümpel zeitlos in recht abstrakten Räumen angesiedelt. Ein Hof mit Balkon ist angedeutet, ein Raum in Doktor Bartolos Haus, in der Mitte stets eine große Projektionsfläche. Was auf der Bühne von Oliver Proske erstmal trist anmutet, weiß die Regiesseurin, die mit Perfomances und Installationen mehrfach preisgekrönt wurde, mit sehr viel Leben zu füllen. Und doch ist man im Publikum auf die Leinwand fixiert. Mit Kameras wird das bis ins kleinste Detail enstudierte mimische Spiel wie im Kinosaal angeworfen, was besonders zu köstlichen Momenten beim vor Wut zerissen Bartolo führt. Jeder kleine Augenblick des Gefühlslebens wird unmittelbar erfahrbar. Und trotz dieser Fixierung ist die Figurenführung exquisit.

Die Regisseurin nimmt das Tempo des Librettos auf, nutzt die köstliche Situationskomik aus und sorgt doch für große Bilder, so wenn sich Rosina furienhaft gegen die Projektion des übergroßen Bartolos wirft und auch mal der Mittelfinger mehr oder weniger dezent in seine Richtung weist. Die komischen Momente überwiegen doch. Das Publikum lacht lauthals wenn der Barbier die Canzone des Grafen mit seinem Rasier-Lederriemen statt mit der Gitarre begleitet, wenn Figaro zur Rasur einen großen Schaumberg in Bartolos Gesicht klatscht, wenn der Graf als peppiges Prince-Double als Vertretungsmusiklehrer auftaucht und die Gesangsstunde vom zum Klavier umfunktionierten Sofa aus leitet. Alle Figuren werden mit Charakter gefüllt und die Inszenierung zeichnet sich durch eine komische Frische aus, die nichts mit altbackenem Humor zu tun hat. Der einzige wirkliche Minuspunkt sind die Übertitel, die zum Teil verspätet aber vor allem so stark verkürzt sind, dass große Textstellen fehlen, was besonders in den konversationsreichen Rezitativen zu bemängeln ist.

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Auch in musikalichen Dingen bewegt sich die Staatsoper auf erstklassigem Niveau. Anna-Doris Capitelli kann als Idealbesetzung für die Rolle der Rosina gelten. Ihr angenehm angedunkelter Mezzo nimmt die Koloraturen fließend mit Leichtigkeit. Ihr Stimme ist in allen Lagen klar und direkt, niemals schrill. Spielfreudig wirft sie sich aus den Armen Bartolos in die Arme des Grafen. Dieser wird von dem südafrikanischen Tenor Sunnyboy Dladla gesungen. Wie sein Name schon zu ahnen gibt, ist sein Spiel euphorisch und mitreißend. Sein sehr vibratoreicher Tenor hat Schmelz und Wärme, wobei seine Stärke in den leisen hohen Tönen liegt. Seine Canzonen und Cavantinen gelingen hervorragend mit ihren klar gesungenen Melismen.

Als etwas schrägen Charakter, mit hoch aufgestylten Haaren und rosasamtenen Umhang (Kostüme von Esther Bialas) gibt Hubert Zapiór den leicht exzentrischen Barbier. Stimmlich kann er durch geradezu teils akrobatische Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme punkten. Obgleich sein kraftvoller Bariton in seiner berühmten Arie etwas dem Tempo hinterherhingt, gelingt ihm ein musikalisch überzeugend überschwängliches Rollenportrait, in das er sich vom Spiel her geradezu hineinstürzt. Welch Gegensatz ist da Daniel Miroslaws Basilio, den er elitär und etwas spießig anlegt. Mit einem voluminösen Bass ausgestattet, konnte er besonders mit der La calunnia-Arie überzeugen und sorgt zudem für so manchen Lacher durch sein lebhaftes Spiel im Quintett des zweiten Aktes.

Als spielerischen Höhepunkt ist Frank Schneiders Darstellung des Doktor Bartolo zu bezeichnen. Was der Mensch an verschiedenen mimischen Ausdrucksmöglichkeiten für seine Wut ob des Nebenbuhlers hat, ist schon den Besuch wert. Musikalisch ist besonders die lebhafte Gestaltung seiner Rezitative hervorzuheben. Auch die weiteren Rollen waren rollendeckend besetzt. James Newby gab den Fiorillo, Carmen Fuggis eine ebenfalls wunderbar schräge Berta, Darwin Prakash den Offizier. Eduardo Strausser leitete das klein besetzte Niedersächsische Staatsorchester Hannover sicher, transparent und meistens äußerst sängerfreundlich. Mit Eleganz und Leichtigkeit, aber auch mit italienisches Feuer führte er klanglich angenehm trocken durch die Partitur. Musikalisch und szenisch ein absolut runder Abend.

Das mit 1200 Plätzen ausverkaufte Haus liebte die Vorstellung und brachte tobend und jubelnd Sängern und Orchester lautstakt ihre Begeisterung zum Ausdruck

Der Barbier von Sevilla an der Staatsoper Hannover; die nächsten Termine 21.2.; 7.3.; 15.3.; 30.4.; 7.5.; 9.5. 2020

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