Bielefeld, Theater Bielefeld, Aida – Giuseppe Verdi, 04.02.2020

Januar 29, 2020 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

AIDA –  Giuseppe Verdi

Verbotene Liebe in Zeiten des Krieges

Vorstellungen  4.2.;  8.3.; 17.3.; 31.3.; 10.4.2020

Verbotene Liebe in Zeiten des Krieges, so ließe sich die Handlung von Giuseppe Verdis Aida knapp zusammenfassen. Genauer gesagt, ist damit die Ausgangssituation umrissen, denn mit welcher Meisterschaft es der große Italiener vermag, infolgedessen seine Hauptfiguren in ausweglose Situationen zu bringen und sie dennoch mit Liebe und Mut auszustatten, ist schlichtweg atemberaubend. Besonders, was das musikalische Gefühlsbarometer angeht, versteht sich. Nicht umsonst zählt Verdis drittletzte Oper zu den populärsten überhaupt. Ausgelöst durch die Umstände der Uraufführung und die Wünsche des Auftraggebers – kein Geringerer als der Khedive (Vizekönig) von Ägypten trat 1870 an Verdi heran, um eine Oper »im ägyptischen Stil« zu bestellen – war Aida von jeher mit dem Pomp einer einschlägigen Ausstattung behaftet; kaum eine andere Oper weckt wohl bei vielen Opernlieb- haber*innen so konkrete Bilder wie diese. Gleichwohl pulsiert im Schatten der großen Chorszenen ein auf den Punkt gebrachtes Kammerspiel, an dem nur wenige Figuren beteiligt sind – doch für die geht es um das große Ganze: die äthiopische Prinzessin fristet – incognito – ein Leben als Sklavin am feindlichen Hof des ägyptischen Pharaos.

AIDA – Giuseppe Verdi
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Ihre heimliche Liebe gilt Radames, dem erfolgreichen Hoffnungsträger des ägyptischen Militärs, auf den auch Prinzessin Amneris ein Auge geworfen hat. Ausgerechnet er wird ausgesandt, um Äthiopiens Truppen unter dem Befehl von Aidas Vater Amonasro zu bekämpfen. Zu Aidas Entsetzen gelingt den Ägyptern der Sieg; zugleich ist sie froh, dass Radames überlebt hat. Als sie unter den Gefangenen auch ihren Vater erblickt, ahnt sie allerdings nicht, dass der sie seinerseits zum Instrument machen will, um den so verhassten wie überlegenen Feind doch noch zu besiegen. Aida droht, zwischen der Liebe zu Radames und zu ihrem Vater zermalmt zu werden.

Ebendiese Angst und Ausweglosigkeit, die sich bei Aida in einer Todessehnsucht Luft macht, ist das Epizentrum, um das sich für Regisseurin Nadja Loschky und ihr Team (Ulrich Leitner, Bühne; Irina Spreckelmeyer, Kostüme) Verdis Musikdrama dreht. Sie erzählen Aidas Schicksal stets aus ihrer Perspektive und folgen dabei zugleich einer inneren wie der äußeren Handlung, ganz wie es dieses packende Musikdrama nachdrücklich einfordert. In der Titelrolle der AIDA ist die britische Sängerin Elizabeth Llewellyn zu Gast, als Radames ist Arthur Shen zu erleben. Aus dem Bielefelder Ensemble stehen ihnen mit Katja Starke (Amneris), Moon-Soo Park (Ramphis), Evgueniy Alexiev (Amonasro) und Yoshiaki Kimura (die Stimme des Königs) bewährte Hauptfigurendarsteller*innen gegenüber. Aida ist zugleich eine dankbare Aufgabe für den Bielefelder Opernchor und den Extrachor (Ltg. Hagen Enke) sowie selbstredend für die Bielefelder Philharmoniker. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von GMD Alexander Kalajdzic.

Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic Inszenierung Nadja Loschky Bühne Ulrich Leitner Kostüme Irina Spreckelmeyer Choreinstudierung Hagen Enke Dramaturgie Jón Philipp von Linden

Mit:   Evgueniy Alexiev / Kjell Brutscheidt / Yoshiaki Kimura / Elizabeth Llewellyn / Diana Marie Müller / Lena Paetsch / Moon Soo Park / Steffen Seithel / Elena Schneider / Arthur Shen / Katja Starke / Bielefelder Opernchor / Extrachor des Theaters Bielefeld / Bielefelder Philharmoniker

AIDA:  Karten www.theater-bielefeld.de / T. 0521 51-5454

Theater Bielefeld / AIDA - hier : Elizabeth Llewllyn als Aida © Bettina Stöß

Theater Bielefeld / AIDA – hier : Elizabeth Llewllyn als Aida © Bettina Stöß

MUSIKALISCHE LEITUNG   –  Alexander Kalajdzic, geboren in Zagreb, Kroatien, begann seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent des Nationaltheaters Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Alexander Kalajdzic ist sowohl in der Oper als auch im Konzertbereich gefragt. Sein Repertoire reicht vom frühen Barock bis zur Moderne, wobei sein besonderes Interesse der französischen Musik gilt. So führte er fast das gesamte Orchesterwerk von Ravel und Debussy mehrmals auf. Auch war er lange Zeit als Liedbegleiter und Kammermusiker aktiv und hatte bis vor kurzem einen Lehrstuhl für Orchestererziehung in Zagreb inne. Alexander Kalajdzic leitet als GMD seit Spielzeitbeginn 2010/11 die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG

 Nadja Loschky studierte Musiktheaterregie an der HfM Hanns Eisler in Berlin. Parallel zu ihrem Studium assistierte sie Hans Neuenfels und arbeitete als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater entstanden in den folgenden Jahren unter ihrer Regie auch erste Inszenierungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky Verdis La Traviata und Rossinis Der Barbier von Sevilla an den Städtischen Bühnen Osnabrück, sowie Faust von Charles Gounod am Staatstheater Kassel. 2011 debütierte sie mit der Uraufführung der Familienoper Mikropolis von Christian Jost an der Komischen Oper Berlin.

Im Jahr 2012 entstanden Inszenierungen von Brittens A Midsummer Night’s Dream am Staatstheater Kassel, Mozarts Entführung aus dem Serail am Theater Heidelberg sowie der Familienoper Die Schatzinsel (Frank Schwemmer) am Opernhaus Zürich, denen 2013 Verdis Simon Boccanegra am Theater Aachen und Händels Alcina am Luzerner Theater folgten. 2014 führte sie Mozarts Così fan tutte erneut ans Theater Heidelberg und mit Madama Butterfly inszenierte sie am Theater Bielefeld ihre erste Puccini-Oper. Für diese Produktion wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr arbeitete sie erneut am Opernhaus Zürich und brachte Christian Josts Rote Laterne zur Uraufführung. Anschließend inszenierte sie Boieldieus selten gespielte Oper La dame blanche am Oldenburgischen Staatstheater und Mozarts Le nozze di Figaro am Theater Heidelberg. 2016 präsentierte sie sich erneut am Luzerner Theater, diesmal mit einer Interpretation von Bellinis Oper Norma. Für ihre im gleichen Jahr entstandene Produktion Death in Venice von Benjamin Britten am Theater Bielefeld erhielt sie im Jahresheft der Fachzeitschrift »Opernwelt« eine Nominierung in der Kategorie »Beste Regie«. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte sie Verdis Macbeth am Oldenburgischen Staatstheater, dem Zingarellis Giulietta e Romeo am Barocktheater Schwetzingen folgte. Mit Monteverdi L’incoronazione di Poppea kam es im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Arbeit am Theater Bielefeld, 2018 gab sie ihr Regiedebüt an der Oper Graz mit Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas. In derselben Spielzeit wurde Nadja Loschky Hausregisseurin am Theater Bielefeld, wo sie Rihms Jakob Lenz inszenierte und dort im Anschluss die Spielzeit 2018/2019 mit Verdis La Traviata eröffnete. Im Frühjahr 2019 debütiert sie an der Oper Köln mit Dvoraks Märchenoper Rusalka und im Juni desselben Jahres war ihre Interpretation von Offenbachs Orpheus in der Unterwelt am Theater Bielefeld zu sehen. Neben ihrer Regietätigkeit ist sie projektbezogen auch als Dozentin an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« sowie der »UDK« Berlin tätig. Nadja Loschky hat ab der Spielzeit 2019/20 die künstlerische Leitung des Musiktheaters am Theater Bielefeld übernommen.

Theater Bielefeld / AIDA - hier : Brutscheidt, Kimura, Paetsch, Shen © Bettina Stöß

Theater Bielefeld / AIDA – hier : Brutscheidt, Kimura, Paetsch, Shen © Bettina Stöß

BÜHNE   –  Geboren 1976 im österreichischen Linz, studierte Ulrich Leitner nach Abschluss einer Tischlerlehre Bühnenbild an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und Szenenbild an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in PotsdamBabelsberg. 2003 erhielt er den Talentförderpreis durch die Landeskulturdirektion Oberösterreich. Seit 2001 ist er als freischaffender Bühnen- und Kostümbildner tätig, u. a. am Schauspiel Essen, Oper Köln, Theater Dortmund, Staatstheater Braunschweig, Theater Münster, Theater St. Gallen, Vereinigte Bühnen Krefeld und Mönchengladbach, Hebbel am Ufer Berlin, Theater Bremen, Theater Heidelberg und dem Saarländischen Staatstheater mit Regisseur*innen wie Johannes von Matuschka, Martin Schulze, Thomas Ladwig und Philipp Löhle. Von 2016 bis 2018 arbeitete er als Ausstattungsleiter am Landestheater Schwaben, wo er u. a. für die Ausstattung der vielbeachteten Uraufführung von Nebel im August in der Regie von Kathrin Mädler verantwortlich zeichnete. Mit Regisseurin Nadja Loschky arbeitet er nach Le Nozze di Figaro am Theater Heidelberg regelmäßig als Bühnenbildner zusammen. Aida ist nach Death in Venice und Jakob Lenz seine dritte Arbeit für das Theater Bielefeld.

KOSTÜME   –  Irina Spreckelmeyer absolvierte ihr Bachelorstudium im Fach Kostümbild bei Prof. Maren Christensen an der Hochschule Hannover. An der Universität der Künste Berlin setzte sie 2016 ihr Master-Studium bei Florence von Gerkan fort. Gemeinsam mit Regisseur Andreas Kriegenburg und der Kostümbildnerin Andrea Schraad war sie seit 2013 für die Produktionen Sklaven am Deutschen Theater Berlin und Così fan tutte an der Semperoper Dresden verantwortlich sowie für Don Juan kommt aus dem Krieg bei den Salzburger Festspielen, María de Buenos Aires am Theater Bremen, Die Frau ohne Schatten an der Hamburgischen Staatsoper und Der Spieler am Residenztheater in München. 2017 entwarf sie am Schauspiel Frankfurt die Kostüme für Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Drei Tage auf dem Land. Seit 2017 arbeitet sie regelmäßig mit Regisseurin Nadja Loschky zusammen.

BESETZUNG

Aida  Elizabeth Llewellyn, Radames  Arthur Shen, Amneris Katja Starke, Amonasro  Evgueniy Alexiev, Ramphis  Moon Soo Park, Sprecher des Königs  Yoshiaki Kimura, Die Hände des Königs  Kjell Brutscheidt, Yoshiaki Kimura, Lena Paetsch, Die Gestalt des Königs  Steffen Seithel, Tempelsängerin Elena Schneider, Ein Bote Vladimir Lortkipianidze, Vision Aidas Diana Marie Müller

Bekannt für ihre lebendigen Porträts der Puccini-Heroinen und für ihre volle, charakteristische Stimme, hat sich Elizabeth Llewellyn seit ihrem Debüt als Mimì (La Bohème) vor weniger als zehn Jahren rasch einen Namen als international herausragende Darstellerin und Sängerin gemacht. In London geboren, studierte sie am Royal Northern College of Music und dem National Opera Studio, unterstützt von der Peter Moores Foundation. Spezialisiert auf das italienische Repertoire, umfasst ihr Repertoire Cio-Cio San (Madame Butterfly), Magda (La Rondine), Giorgetta (Il tabarro), Tosca, Suor Angelica, Aida, Luisa Miller und Amelia (Simon Boccanegra), für die Elizabeth Llewellyn als Sängerin des Jahres 2013 in der Zeitschrift Opernwelt nominiert wurde. 2014 gab sie ihr Wagner-Debüt als Elsa in Lohengrin in Magdeburg, worüber das Opera Magazine schrieb: »Mit geradezu perfekter Diktion modulierte sie ihr stets leicht rauchiges Timbre von der verträumten Aussichtslosigkeit der ersten Szenen zu einem ungewöhnlich kraftvollen, konfrontierenden Ton. Ihre Stimme trägt sie in die entlegensten Winkel, sogar in Pianissimo-Passagen, und sie scheint sogar, während sie ihre Stimme am stärksten verströmt, noch Kraftreserven zu haben.« Die aktuelle Spielzeit hält aufregende Engagements für sie bereit, u. a. die Titelrollen von Puccinis Manon Lescaut (ihre siebte Puccini-Rolle) und Verdis Luisa Miller sowie ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper als Bess in Porgy and Bess. Auf dem Konzertpodium ist Elizabeth ebenfalls eine gefragte Sopranistin. Kürzlich sang sie Beethovens Missa Solemnis mit Sir Mark Elder, Mahlers achte Symphonie mit Esa-Pekka Salonen, Elgars Caractacus und Vaughan Williams A Sea Symphony mit Martyn Brabbins sowie ein Live-Konzert mit Strauss’ Vier letzten Liedern auf BBC Radio 3 mit Donald Runnicles und dem BBC Scottish Symphony Orchestra. In der aktuellen Saison singt Elizabeth abermals die Missa Solemnis mit dem BBC Symphony Orchestra und die neunte Symphonie mit dem North Carolina Symphony Orchestra.

Arthur Shen ist in Bryn Mawr, Pennsylvania geboren und wuchs in Walnut Creek, Kalifornien auf. Zunächst studierte der Tenor Informatik an der University of California at Berkeley und war 10 Jahren lang in der Branche tätig, zuletzt als VizePräsident einer Digitalmarketingfirma in New York. Von 2007 bis 2017 war Arthur Shen fest als Gesangssolist am Staatstheater Braunschweig engagiert. Dort hat er in über 300 Vorstellungen in über 30 verschiedenen Hauptpartien gesungen, u. a. Rodolfo in La Bohème, Cavaradossi in Tosca, Alfredo in La Traviata, Gustav in Maskenball, Edgardo in Lucia di Lammermoor und Des Grieux in Manon Lescaut (Puccini). Zusätzlich zu seinen Auftritten am Staatstheater Braunschweig, gastierte Arthur Shen u. a. an der Semperoper Dresden, der Komischen Oper Berlin, der San Diego Opera, beim Utah Festival Opera sowie am Staatstheater Stuttgart. Neben seiner Operntätigkeit ist Arthur Shen als Konzertsolist gefragt. Er sang mit der Deutschen Radio Philharmonie, der Deutschen Staatsphilharmonie RheinlandPfalz, den Nürnberger Symphoniker, den Göttingen Symphoniker, dem Orchestra of St. Luke’s (New York) sowie dem Staatsorchester Braunschweig. Zu seinem Konzertrepertoire zählt Verdis Requiem, Puccinis Messa di Gloria, Rossinis Stabat Mater, Mozarts Requiem, Beethovens Sinfonie 9, Mendelssohns Paulus, Bruckners Te Deum und Händels Messias.

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Roméo et Juliette – Charles Gounod, 01.02.2020

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Roméo et Juliette  –  Charles Gounod

Am Samstag, 1. Februar, um 19.30 Uhr bringt die Deutsche Oper am Rhein Charles Gounods Roméo et Juliette, seine Adaption der berühmten Shakespeare-Tragödie, im Theater Duisburg zur Premiere. Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein, erarbeitet das Meister­werk der französi­schen Romantik mit den Duisburger Philharmonikern und einer gegenüber der Düsseldorfer Premiere (30. März 2019) ganz neuen Sängerbesetzung: Die Sopranistin Sylvia Hamvasi (Juliette) und der Tenor Gustavo de Gennaro (Roméo) geben ihr Rollendebüt in den Titelpartien, als neue Ensemblemitglieder stellen sich Emmett O’Hanlon (Mercutio) und David Fischer (Tybalt) vor.

Deutsche Oper am Rhein / Sylvia Hamvasi (Juliette) und Gustavo de Gennaro (Roméo) © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Sylvia Hamvasi (Juliette) und Gustavo de Gennaro (Roméo) © Andreas Endermann

Regisseur Philipp Westerbarkei inszeniert die Tragödie als Sommernachts-Albtraum: In einer heißen Augustnacht trifft Roméo zufällig auf Juliette. Es ist Liebe auf den ersten Blick, allerdings eine verbotene, denn Juliette muss am nächsten Morgen Pâris heiraten. Doch die Macht der Liebe wirkt wie eine Droge, ein dunkel-süßes Gift mit tödlichem Ausgang. Zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Tatjana Ivschina hat Philipp Westerbarkei bereits Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“, Oliver Knussens „Wo die wilden Kerle wohnen“ und Puccinis „La Bohème“ auf die Bühne des Duisburger Theaters gebracht.


Aufführungen im Theater Duisburg:    Sa 01.02. (Premiere) / Mi 05.02. / Sa 08.02. / Di 18.02. / Mi 29.04. / Sa 09.05. / Do 14.05. – jeweils 19.30 Uhr

Tickets: Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203.283 62 100), Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211.89 25 211) und online über www.operamrhein.de.

Opernwerkstatt vor der Premiere: Im Gespräch mit Beteiligten der Produktion gibt die Dramaturgin Anne do Paço am Dienstag, 28. Januar, um 18.00 Uhr im Theater Duisburg Informationen zum Stück und seiner Inszenierung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Probenbesuch. Der Eintritt ist frei.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Braunschweig, Staatstheater Braunschweig, Faust – Charles Gounod, IOCO Kritik, 24.12.2019

Dezember 24, 2019 by  
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Staatstheater Braunschweig

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

Faust – Charles Gounod

–  Faust folgt dem Satan ….  Spannungsreiche Inszenierung –

von Christian Biskup

Das Staatstheater Braunschweig kann seit der Uraufführung des Faust I. am 19. Januar 1829 im alten Hagenmarkttheater eine besondere Faust-Tradition aufweisen. Während Charles Gounods Oper als Margarethe bis zum zweiten Weltkrieg regelmäßig auf den Plänen des Theaters stand, so war das Stück danach nur noch selten zu sehen. Nun steht das Werk nach einem Libretto von Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré in einer temporeich-amüsanten Inszenierung wieder auf dem Spielplan.

Die Handlung ist schnell erzählt: Faust ist seines Lebens überdrüssig, er sehnt sich nach der Jugend und will sein Dasein mit einem Giftbecher beenden. Er hadert mit Gott, ruft Satan zu sich, der ihm Marguerite in einer Vision erscheinen lässt. Bei einem Volksfest unterstellt Valentin seine Schwester Marguerite dem Freunde Siebel, da er in den Krieg ziehen muss. Zur allgemeinen Erheiterung will Wagner ein Lied anstimmen, doch Méphistophélès unterbricht ihn und verkündet die tragischen Kriegsschicksale einiger anwesender Männer und höhnt Marguerites Schönheit. Valentin will ihn bekämpfen, doch Satans Macht ist stärker und die Menge geht auseinander. Nun hat Faust freie Bahn zu Marguerite, doch sie lehnt seinen Arm ab.

Faust Charles Gounod
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In Marguerites Haus: Siebel bringt Blumen, Méphistophélès jedoch ein prächtiges Schmuckkästchen, welches Marguerite und Marthe in Begeisterung versetzt. Während Méphistophélès Marthe umspielt, kann sich Faust dem Objekt seiner Sehnsucht nähern und erlangt mit Satans Hilfe schließlich ihre Liebe. Ein Jahr später ist Marguerite jedoch allein – Faust hat sie verlassen, sie ihr gemeinsames Kind getötet. In der Kirche sucht sie Schutz, doch statt Gottes Trost verflucht Méphistophélès ihr Leben. Faust jedoch empfindet Reue, kehrt zu ihrem Haus zurück, wird dort von Valentin empfangen, den er im Duell tötet. Seine letzten Worte verfluchen seine Schwester. Faust und Méphistophélès zieht es zum Hexensabbat auf den Blocksberg. Faust jedoch will zu Marguerite, die auf ihr Richturteil wartet. Sie verzichtet auf Rettung durch den Satan. Während er sie verdammt, verkündet ein himmlischer Chor ihre Erlösung.

Auf dieses Bühnenwirksame Libretto komponiert Gounod eine Partitur, die ganz in der Tradition der Opéra-comique steht, jedoch auch schon einige Wagnerismen enthält. Die Inszenierung von Markus Bothe überzeugt durch eine lebendige Personenführung, großen Detailreichtum, raffinierte Nutzung der Drehbühne und ein hohes Tempo. Den ersten Akt verlegt Bothe von Fausts Studierstube in ein Krankenhaus, wo Faust in einem Bett zuckend vor sich hin siecht und schließlich zum Giftbecher (hier mit Schlaftabletten gefüllt) greifen möchte. Auf seinen Ruf „Satan erwache“, springt Satan hinter einem Vorhang hervor, der Faust mit ein paar pyrotechnischen Effekten von seinen übernatürlichen Kräften überzeugt. Gemeinsam ziehen sie in leicht morbides Wirtshaus, in dem fröhlich gezecht und gefeiert wird. Mit dem „Rondo vom goldenen Kalb“ merkt der Besucher spätestens, dass Méphistophélès im Fokus der Inszenierung steht und dass er alle Fäden der Handlung in der Hand hält. Er lässt die Feiergesellschaft – toll choreografiert – herumzucken und schließlich in der zweiten Strophe in eine große Prügelei übergehen. Weitere kleine Zaubertricks, wie die Verwandlung von Bier in Wein oder die Entwaffnungen Valentins, lassen auch die Gesellschaft erfahren, mit wem sie es zu tun haben. Faust und Marguerite rücken dabei etwas in den Hintergrund und können sich erst zum Ende des Aktes in den Vordergrund spielen.

Staatstheater Braunschweig / Faust - hier :Valentin Anikin als Mephitopheles, Kwonsoo Jeon als Faust © Bettina Stoess

Staatstheater Braunschweig / Faust – hier :Valentin Anikin als Mephitopheles, Kwonsoo Jeon als Faust © Bettina Stoess

Der dritte Akt spielt in Marguerites Zimmer. So unschuldig wie ihre Seele ist das Zimmer gestaltet (Bühne Robert Schweer). Weiß-hellblaue Tapeten, weiße Holzvertäfelungen, ein Kruzifix an der Wand, ein Fenster zum Park raus. Wie romantisch gelingt der Auftritt Siebels mit Blumenstrauß durch das Fenster, wie glänzend das Anlegen des Schmuckes, aus dem innerlich leuchtenden Schmuckkästchen! Doch auch hier zeigt der Regiesseur seinen Humor – direkt nach Méphistophélès Auftritt, hängt dieser seine Jacke über das Kruzifix. Durch stetige Auf- und Abtritte der Personen, aber auch durch die Allgegenwärtigkeit Méphistophélès, der gestisch das Geschehen im Zimmer auch von außerhalb kommentiert, wird der lange dritte Akt keinen Moment langweilig. Besonders sein Spiel mit Marthe ist an Komik kaum zu übertreffen. Trotzdem bleiben auch die Gefühle, auch Dank schöner Lichtregie, beim Zusammenkommen der beiden Protagonisten nicht auf der Strecke!

Umso krasser wirkt die Trostlosigkeit des Raumes im vierten Akt – fahles Licht, ein fast leerer Raum. Dazu passt auch der moderne Kircheninnenraum der Kirchenszene. Geradezu widerwärtig, lässt Markus Bothe Méphistophélès hinter dem Altar erscheinen, sich über diesen zu Marguerite emporräkeln, um in einem Höhepunkt seine Arme verfluchend um sie, von einem bedrohlich maskierten Chor umgeben, zu schlingen.

Der letzte Akt ist im Vergleich zu den vorherigen starken Akten etwas schwach geraten. Während der Bacchanal-Musik von Louis Schindelmeisser räumen Bühnenarbeiter die Bühne leer und geben den Blick auf ein gigantisches Skelett im Bühnenhintergrund frei, dessen Bedeutung sich dem Autoren nicht erschließt – Marguerite steht, von Leere umgeben alleine in der Mitte, Faust kann nicht richtig zu ihr vordringen. Die Szene wird so aufgelöst, dass Marguerite in den Hintergrund geht, der himmlische Chor schirmt ihn von seiner Geliebten ab.

Neben der starken Regie, ist auch die teils überragende Leistung des Ensemble ein Grund die Produktion zu sehen. Mit Ekaterina Kudryavtseva stand der Publikumsliebling der Braunschweiger als Marguerite zur Verfügung. Mit ihren langsam zum dramatischen neigenden, flexiblen Sopran konnte Sie das Publikum schnell für sich gewinnen. Anmutig, schlicht und anrührend gestaltete sie das Lied des „Königs von Thule“, wenige Minuten später mit gezielten Spitzentönen und flüssigen Koloraturen die Juwelenarie. Ihr unschuldiges Spiel ist glaubhaft, umso stärker wirkt ihre Verzweiflung, die sie auch stimmlich in dramatischen Ausbrüchen umsetzen kann. Das Publikum dankte mit viel Applaus und Bravo-Rufen.

Staatstheater Braunschweig / Faust - hier : Valentin Anikin als Mephitopheles, Ekaterina Kudryavtseva als Marguerite

Staatstheater Braunschweig / Faust – hier : Valentin Anikin als Mephitopheles, Ekaterina Kudryavtseva als Marguerite

Als Faust agierte der Koreanische Tenor Kwonsoo Jeon. Sein stimmliches Material, seine gute Diktion, aber auch sein Spiel, überzeugte. Seine Höhe hat strahlkraft und beeindruckt besonders durch die scheinbare Mühelosigkeit, die selbst beim hohen C der Kavatine „Salut, demeure chaste et pure“ keine große Anstrengung verrät. Dennoch bleibt er aufgrund der satanistischen Überpräzens etwas blass.

Valentin Aniken singt als Méphistophélès  und besonders spielt die komisch-bösartige Figur so stark, dass man sich wahrscheinlich keinen besseren Darsteller mehr vorstellen kann. Groß, schlaksig und mimisch enorm wandlungsfähig füllt er die Rolle köstlich aus. Das er nicht nur die zahlreichen kleinen Gags des Regisseurs, sondern auch dämonische Boshaftigkeit kann, zeigt das Ende des dritten Aktes: Faust erringt Marguerite und Satan hat seinen Vertrag erfüllt – dämonisches Lachen!

Stimmlich verfügt Aniken über einen voluminösen, volltönenden Bass mit starker Tiefe und baritonal glänzender Höhe. Leider ist seine Diktion und Aussprache teilweise so ungenau, dass man gar nicht feststellen kann, in welcher Sprache die Oper gerade gegeben wird. Dennoch wird das „Rondo vom goldenen Kalb“ nicht nur szenisch, sondern auch gesanglich ein Fest für die Ohren.

Neben den drei Hauptpersonen, konnten auch die Sänger der kleineren Rollen – übrigens wurden sämtliche Rollen aus dem Ensemble besetzt – überzeugen. Wunderbar naiv in ihrer Hosenrolle gestaltete Milde Tubelyté die Partie des Siebel. Zachariah N. Kariithi übernahm die Rolle des Valentin, die er besonders beim Verfluchen des Schwester ausdrucksstark auszufüllen vermochte. Beim Gebet des Valentin blieben die Emotionen aufgrund des etwas übermäßigen Vibratos zum Teil auf der Strecke. Weniger überzeugen konnte Zhenyi Hu als Marthe, was sicherlich auch an der etwas undankbaren Partie lag. Jisang Ryus wohlgeformt-klare Bassstimme konnte man in der kleinen Partie des Wagner hören.

Ebenfalls zum Erfolg des Abends trug das Staatsorchester Braunschweig unter Leitung des 1. Kapellmeisters Christopher Lichtenstein bei. Nachdem es bei der recht schwachen Ouvertüre noch zaghaft zuging und ein wenig im Zusammenspiel wackelte, änderte sich der Klang ab der ersten Gesangsnummer. Französische Leichtigkeit, Eleganz aber auch duftige Harfenarpeggien erfüllten den Theatersaal. Gerade kirchlich anmutende Elemente kostet er aus. Das Zusammenspiel zwischen Bühne und Graben war einwandfrei. Lichtenstein dirigiert sängerfreundlich, die Balance ist stets gegeben, wobei er dem Temperament auch freien Lauf ließ. Das orchestrale Highlight war dabei sicher das mitreißende Bacchanal von Schindelmeisser in der Walpurgisnacht. Der Chor (Einstudierung Georg Menskes) agierte bestens disponiert und mit großes Spielfreude!

Das Publikum dankt allen Mitwirkenden mit großem Applaus.

Besprochene Vorstellung  vom 20.12.2019 19.30 Uhr

Faust von Charles Gounod am Staatstheater Braunschweig; letzte Vorstellung dieser Spielzeit am 28.12.2019Vorstellungen

—| Pressemeldung Staatstheater Braunschweig |—

Lüneburg, Theater Lüneburg, „Le Savoir-vivre“ – Lüneburger Philharmoniker, IOCO Kritik, 17.10.2019

Oktober 17, 2019 by  
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Theater Lüneburg (c) Violaine Kozycki

Theater Lüneburg (c) Violaine Kozycki

Theater Lüneburg

 Lüneburger Philharmoniker –  Le Savoir-vivre

Französische „Lebenskunst“ erblüht in  Lüneburg

von Thomas Thielemann

Es ist eigentlich recht einfach, sich an einem großen Haus einen Musikgenuss zu verschaffen. Unsere Erfahrungen sind aber, dass die jungen und noch hungrigen Musikschaffenden vor allem an den kleineren Häusern zu finden sind, wo ihnen  Autoritäten nicht im Wege stehen.

Die Ankündigung des ganz eigenen Klangs der französischen Musik der Romantik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat uns am 13. Oktober 2019 zum 2. Saison-Konzert der Lüneburger Symphoniker „Le Savoir-vivre“ in das Theater Lüneburg mit seinen 542 Plätzen nach Norddeutschland gelockt.

Kompositionen von Camille Saint-Saëns, Erik Satie, Claude Debussy und Charles Gounod standen auf dem Programm. Dirigiert wurde das Konzert von dem jungen 1988 in Lübeck geborene Ulrich Stöcker, der seit der Spielzeit 2017/18 am Theater Lüneburg als „Erster Kapellmeister“ engagiert ist. Als Solistin hatten die Lüneburger Symphoniker die junge, hochbegabte Harfenistin Lea Maria Löffler (Foto) gewonnen.

Theater Lüneburg / Lüneburger Symphoniker © Jochen Quast

Theater Lüneburg / Lüneburger Symphoniker © Jochen Quast

Das „Morceau de conzert für Harfe und Orchester op. 154“ von Camille Saint-Saëns (1835-1921) ist 1918 als eines von drei Konzertstücken als unkonventioneller Beitrag zum Konzertleben komponiert worden. Nach einer hinreißenden Einführung folgen Variationen eines russischen Themas. Die Episoden zwischen Solistin und Orchester wurden von Ulrich Stöcker perfekt ausbalanciert. Die Zurückhaltung des Orchesters lassen die zarten Harfenklänge im Vordergrund.

Den komplizierten Orchesterexzessen seiner Zeit wollte der Außenseiter Erik Satie (1866-1925) schlichte Formen entgegensetzen. Er war es auch, der als erster in Frankreich gegen Richard Wagner rebellierte und seine Kollegen aufforderte, zur Abwechslung mal eigene Wege zu gehen. Ob seiner Verstocktheit und seines Sarkasmus wurden seine genialen Einfälle für Zufälle gehalten. So auch seine „Gnossiennes“, sechs etwa um 1893 geschriebene Klavier-Solokompositionen. Der Begriff Gnossiennes ist eine Schöpfung Saties und möglicherweise von einer Sektenverstrickung und seiner Beschäftigung mit der kretischen Mythologie abgeleitet.

Satie gilt als Vorreiter des Klingeltones. Seine Musik wurde in über einhundert Filmen verwendet. Nachdem im Nachlass Saties bereits Skizzen einer Orchestrierung der dritten Gnossienne aufgefunden worden waren, hat 1939 Francis Jean Marcel Poulenc (1899-1963) die Komposition dem Konzertsaal geöffnet. Mit seiner nur wenige Minuten dauerte Satie-Interpretation gelang es Stöcker, sein Publikum doch zu verblüffen und mitzureißen.

Theaer Lüneburg / Lüneburger Symphoniker - Ulrich Stöcker © Jochen Quast

Theaer Lüneburg / Lüneburger Symphoniker – Ulrich Stöcker © Jochen Quast

Im Pariser Instrumentenbauer-Konstrukt hatten sich im 19. Jahrhundert zwei der Firmen mit der Weiterentwicklung der herkömmlichen diatonischen Harfe beschäftigt und ihre neuen Modelle auf dem Markt etabliert. Der Konkurrenzkampf wurde in den Medien und im Konzertsaal geführt. So wurde 1904 Claude Debussy (1862-1918) vom Instrumentenbauer Pleyel beauftragt, die „Deux Danses für chromatische  Harfe und Streichorchester“ zu komponieren. Debussy schrieb zwei Tänze: den „Danse sacrée“ und den „Danse profane“. Dabei geht der geistliche Tanz ohne Pause in den weltlichen Tanz über.

Erard konnte dann 1905 Maurice Ravel gewinnen, dessen „Introduktion et Allegro für Harfe, Streichquartett, Flöte und Klarinette“ zur Aufführung mit seiner Doppelpedal-Harfe vorzustellen. Letztlich entschieden aber die Musiker und setzten diese als übliche Konzertharfe durch. Mithin hörten wir Debussys „zwei Tänze“ von Lea Maria Löffler auf einer Doppelpedal-Harfe gespielt, begleitet von den 21 Streichern der Lüneburger Symphoniker. Obwohl die Kompositionen Debussys mittlerer Schaffensperiode zuzurechnen sind und  parallel zu so wichtigen Werken wie „La Mer“ entstanden, haben sie eine einfache Tonsprache. Dem Anliegen der Arbeit als Werbebote eines Harfen-Modells zu entsprechen, hatte Debussy die klanglichen Möglichkeiten des Instruments voll ausgereizt, dem Solo einen besonders breiten Raum eingeräumt und eine eingängige melodisch-harmonische Gestaltung  gewählt. Der „Danse sacrée“ wurde von Lea Maria Löffler weich und ausdrucksvoll dargeboten, während der „profane Tanz“ im ¾-Takt recht beschwingt und etwas kullernd daher kam. Ulrich Stöcker mischte sich in das Geschehen kaum ein und konzentrierte sich, die Streicher im Hintergrund zu halten.

Mit einer Zugabe präsentierte die Harfenistin ihre prachtvolle Virtuosität

Dass Charles Gounod (1818-1893) zu den fruchtbarsten Komponisten seiner Zeit gehörte, ist uns dank seiner zwölf Opern, der Vielzahl von Oratorien und Streichquartetten bekannt. Aber als Sinfoniker war er uns kein Begriff. Gounod, mit den Geschwistern Mendelssohn befreundet, hatte auf einer Reise von Rom nach Berlin 1843 in Leipzig Station gemacht, wo zu dieser Zeit Felix in den Kantoreien von St. Thomas und St. Johanni den Nachlass des nahezu vergessenen Johann Sebastian Bach sichtete und für die Nachwelt erschloss. Heute lagern diese Schätze exakt dokumentiert in den klimatisierten Räumen des Bacharchivs. Stundenlang haben die beiden Freunde auf der Orgel der Thomas-Kirche Bach gespielt. Für Gounod öffnete sich ein völlig neuer musikalischer Horizont, von dem vor allem das etwas grenzwertige „Ave Maria“ bekannt ist. Der Gewandhauskapellmeister Mendelssohn machte Gounod aber auch mit seiner „Schottischen Symphonie“ bekannt.

Theater Lüneburg / Harfenistin Laura Maria Löffler © Melissa Rachel Kavanagh

Theater Lüneburg / Harfenistin Laura Maria Löffler © Melissa Rachel Kavanagh

Die Begeisterung Gounods für die deutsche Instrumentalmusik führte ihn in den Jahren 1855 und 1856 zur Komposition seiner beiden Symphonien. Eine spätere dritte blieb unvollendet. Diese Arbeiten waren aber für das französische Musikleben letztlich ungeeignet, weil sich dieses im Wesentlichen auf die Oper konzentrierte. Hinzu kommt, dass er in Aufbau und thematischer Verarbeitung auf die deutschen Klassiker und Frühromantiker zurückgriff. Seine Symphonie in D ist handwerklich gut gearbeitet und im besten Sinne unterhaltsam. Bemerkenswert ist vor allem der zweite Satz, in dem Gounod mit barocken und altertümlichen Wendungen spielt, zugleich aber auf den langsamen Satz in Mendelssohns „Italienischer Symphonie“ anspielt. Die Variation in der Mitte des Satzes mutet wie eine Huldigung an Bach an.

Beim Dirigat der D-Dur Symphonie Gounods stützte sich Ulrich Stöcker auf die sichere Basis der Violinen, die federnd den Ton angaben. Die Herausforderung der gehäuft auftretenden Bläser-Soli wurde von den Lüneburger Philharmonikern respektabel gemeistert, auch wenn das Zusammenspiel mit den Streichern zum Teil etwas kantig wirkte. Besonders lebhaft gelangen die schnellen Sätze. Das Allegro molto strömte regelrecht, während das Scherzo eher tänzerisch daher kam. Die konzentrierten Ansagen des noch jungen Dirigenten wurden von den Musikern freudig aufgenommen und zur Geltung gebracht. Das gewichtige neunminutige Finale ließ Stöcker zunächst streng und fast zögerlich einleiten, bis dann der Hauptteil fröhlich und munter geboten wurde, ohne über das Ziel hinaus zu schießen. Da schimmert bereits eine heranreifende Meisterschaft durch.

Die Lüneburger Stammhörer nahmen das außergewöhnliche Konzert differenziert auf. Kurios war, dass nach dem ersten Satz der Symphonie Beifall aufkam, weil offenbar nach den kurzen Stücken des ersten Konzert-Teiles ein mehrsätziges Werk kaum erwartet worden war.

—| IOCO Kritik Theater Lüneburg |—

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