Wien, Wiener Staatsoper, Saisonauftakt 01.09. – Tag der offenen Tür, IOCO Aktuell

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Saisonauftakt 2019/2020 – 1. September 2019

IOCO Video – Jahrespressekonferenz zum Spielplan 2019/20

Mit sieben Opernwerken, zwei Ballettprogrammen, einem Konzert, zwei Matineen sowie mehreren Sonderveranstaltungen startet die Wiener Staatsoper im September 2019 in die neue Spielzeit 2019/2020, die letzte von Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Ballettdirektor Manuel Legris verantwortete Saison.

Wiener Staatsoper 2019/20 – IOCO Video zur Jahrespressekonferenz der Staatsoper
youtube Video von IOCO Düsseldorf
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Den Auftakt zur neuen Spielzeit bildet auch heuer wieder traditionellerweise der beliebte Tag der offenen Tür am Sonntag, 1. September 2019. An zwei Terminen (14.00 – 16.30 Uhr sowie 17.30 – 20.00 Uhr) werden spannende Einblicke hinter die Kulissen des Opern- und Ballettbetriebs mit u. a. Proben mit Publikumslieblingen wie KS Ildikó Raimondi und Zoryana Kushpler, einer Technik- und Bühnenshow mit szenischen Ausschnitten aus L’italiana in Algeri, La Bohème und Sylvia, der Ausstellung von Kostümen, Requisiten, historischem Notenmaterial und vielem anderen mehr geboten.

 Eckdaten der Wiener Staatsoper zur Saison 2018/19

In der Spielzeit 2018/2019 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen Einnahmenrekord durch Kartenverkauf erzielen: 37.695.162,26 Euro (2017/2018: 35.298.761,91) – um 2.314.762,26 über den Plansoll. Die Sitzplatzauslastung betrug insgesamt 99,10% (2017/2018: 98,61%).

Insgesamt 622.081 Gäste (2017/2018: 608.955), besuchten 291 Opern-, Ballett-vorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne (2017/2018: 292), 72 Vorstellungen im Studio Walfischgasse (2017/2018: 90) sowie 18 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2017/2018: 20).

Die ersten Vorstellungen der Spielzeit 2019/20

Die erste Vorstellung der Staatsopernsaison 2019/2020 ist Verdis La traviata am Mittwoch, 4. September 2019. Irina Lungu verkörpert die Violetta, Charles Castronovo den Alfredo Germont und KS Thomas Hampson den Giorgio Germont. Giampaolo Bisanti leitet erstmalig La traviata im Haus am Ring.

Reprisen: 7. und 10. September


Am Donnerstag, 5. September 2019 wird Offenbachs Les Contes d’Hoffmann im Haus am Ring wiederaufgenommen: Anstelle des erkrankten Yosep Kang verkörpert Dmitry Korchak den Hoffmann und gibt damit sein Rollendebüt im Haus am Ring. Weiters sind erstmals an der Wiener Staatsoper Olga Peretyatko als Olympia, Antonia und Giulietta, Gaëlle Arquez als Nicklausse / Muse, Luca Pisaroni als Lindorf, Coppélius, Miracle und Dapertutto und Michael Laurenz als Andrès, Cochenille, Frantz und Pittichinaccio zu erleben. Es dirigiert: Frédéric Chaslin.

Reprisen: 8., 11. und 15. September


Ab Freitag, 6. September 2019 steht Verdis Don Carlo wieder auf dem Staatsopernspielplan. Ihre Rollendebüts im Haus am Ring geben Fabio Sartori in der Titelpartie und Dmitry Ulyanov als Großinquisitor. Anja Harteros ist erneut als Elisabetta zu erleben, KS René Pape als Philipp II., KS Simon Keenlyside als Rodrigo und Elena Zhidkova als Eboli. Jonathan Darlington dirigiert erstmals Don Carlo im Haus am Ring.

Reprisen: 9. und 12. September


Weiters stehen im September auf dem Spielplan: Verdis Il trovatore unter der der Leitung von Alberto Veronesi mit Yusif Eyvazov, Michelle Bradley, Roberto Frontali, Monika Bohinec (19., 22. und 25. September); Donizettis L’elisir d’amore mit Pavel Petrov, Maria Nazarova, Samuel Hasselhorn, Paolo Rumetz, dirigiert von Jonathan Darlington (21. und 24. September); Strauss’ Salome unter Dennis Russel Davies, mit Ausrine Stundyte, Alan Held, Jörg Schneider, Linda Watson (27. September, außerdem noch am 1. und 4. Oktober) und Puccinis La Bohème u. a. mit Aida Garifullina, Jinxu Xiahou, Adrian Eröd, es dirigiert Louis Langrée (29. September 2019, weitere Vorstellungen am 3. und 7. Oktober).


Am Dienstag, 17. September 2019 kehrt Elisabeth Kulman mit einem Solistenkonzert zurück an das Haus und präsentiert mit einem 7-köpfigen Ensemble ihr Programm „La femme c’est moi“.


Das Wiener Staatsballett eröffnet seine Saison in der Wiener Staatsoper am 13. September 2019 mit Manuel Legris’ Sylvia (Reprisen am 14., 18. und 20. September) sowie mit dem vierteiligen Abend Forsythe | van Manen | Kylián (Vorstellungen am 26., 28. und 30. September 2019).


Ebenfalls im September findet der erste Termin in dieser Spielzeit der beliebten Reihe „Kammermusik der Wiener Philharmoniker“ im Gustav Mahler-Saal statt (28. September 2019).

Parallel dazu laufen seit dem gestrigen Montag, 26. August 2019 die Proben für die erste Premiere in dieser Spielzeit: Brittens A Midsummer Night’s Dream (Premiere am 2. Oktober 2019) unter der Leitung von Simone Young (Dirigentin) und Irina Brook (Regisseurin). Schon am Sonntag, 22. September 2019 lädt die Wiener Staatsoper zur Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Neuproduktion.


In der AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE werden im September „Bild und Bühne – Die Entwicklung des Bühnenbilds von 1600 bis heute“ (Vortrag von Rudi Risatti, 20. September), eine Einführung in die Musik von Die Frau ohne Schatten (mit dem musikalischen Studienleiter Jendrik Springer, 25. September) sowie zwei Schulvorstellungen von Der Karneval der Tiere angeboten.


Die Vorstellungen von La traviata am 7. September, Don Carlo am 12. September, Les Contes d’Hoffmann am 15. September und Il trovatore am 25. September 2019 werden mit WIENER STAATSOPER live at home über www.staatsoperlive.com weltweit in HD übertragen.


Im Rahmen von „Oper live am Platz“ werden im September 18 Vorstellungen live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen, den Auftakt bildet La traviata am 4. September 2019.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

München, Bayerische Staatsoper, Alceste – Christoph Willibald Gluck, IOCO Kritik, 26.07.2019

Juli 26, 2019 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Alceste  –  Christoph Willibald Gluck

 Aufrechnung: Einer muss sterben, damit ein anderer leben kann

von Hans-Günter Melchior

Was für eine Zumutung. Da haben sich die Götter etwas Grausames ausgedacht: der sterbenskranke und vom Volk geliebte König Admète kann nur überleben, wenn ein anderer Mensch für ihn stirbt. Mensch gegen Mensch; eine Aufrechnung: einer muss sterben, damit ein anderer leben kann.

Aber obwaltet da nicht ein höheres Gesetz, eine Weisheit?: wenn diejenigen Menschen, für die die Zeit reif ist, nicht Platz machen, ist für die Nachfolgenden kein Raum. Es ist ein Lebensgesetz überhaupt. Und so unerbittlich es einerseits ist, so einsichtig ist es andererseits. Einsichten der Mythologie.

ALCESTE Christoph Willibald Gluck
youtube Trailer des Bayerischen Staatsoper
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Dass es freilich Alceste sein sollte, die vom König geliebte Gattin und Mutter seiner Kinder, die sich zu opfern entschlossen ist, widerstreitet den innersten Gefühlen des Herrschers bis zur Verzweiflung. Lieber will er sterben, als dieses Opfer annehmen. So ist es fast immer: in den Grundfragen des Lebens kann man es sich nicht aussuchen, das Leben ist reduziert auf die Naturgesetze.

Zunächst weiß der König freilich nicht, welche Entscheidung ihm bevorsteht. Das Volk jubelt und ermuntert ihn zum Weiterleben. Als gebe es dies: ein Leben grundsätzlich höher zu bewerten als ein anderes. Als Alceste idem Ehemann freilich gesteht, für ihn sterben zu wollen, ist er entschlossen, sich dem Willen des Volkes zu versagen. Staatsräson gegen Liebe. Der König entscheidet sich für die Liebe.

Bayerische Staatsoper München / Alceste - hier : Dorothea Röschmann als Alceste, Charles Castronovo als Admète, Compagnie Eastman © Bayerische Staatsoper / Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper München / Alceste – hier : Dorothea Röschmann als Alceste, Charles Castronovo als Admète, Compagnie Eastman © Bayerische Staatsoper / Wilfried Hoesl

Da erscheint Hercule, sozusagen als deus ex machina, und wird von Évandre, einem Vertreter des Volkes, von der ausweglosen Lage unterrichtet. Am Ende würden beide sterben: der König, der den Tod der Gattin aus Gram nicht überlebt und diese selbst, die sich umsonst opferte. Eine für Hercule unannehmbare Vorstellung. Die Ehegatten erscheinen bereits vor dem Eingang zur Unterwelt, bereit und darauf beharrend, jeweils für den anderen zu sterben.

Hercule greift entschlossen ein. Er holt die beiden ins Leben zurück, indem er den Göttern der Unterwelt den Zugriff auf das Paar verweigert und die Totenwächter zurücktreibt. Glücklich vereint kehren die Eheleute, vom Volk gefeiert, ins Leben zurück und huldigen Apollon, der die Tat des Hercule preist.

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Ein originärer Stoff für eine Oper. Geradezu opernhaft. Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787) hat 1767 dazu eine elegische Musik komponiert, die sich fein zurückhält, sich nur stellenweise zu emotionalen Aufschwüngen entschließt, insbesondere in der Partie der Alceste. Dem Stoff angemessen fließt sie wie ein Trauergesang durch die Handlung und verzichtet auf jedes auftrumpfende Getöse.

Der Regie ist dies offenbar zu wenig. Das im Innern Aufwühlende, die eigentlich ins Innere verlegte Handlung, wird auf einer zunächst –, nämlich in den ersten beiden Akten –, abstrakt wirkenden und hohe Tempel mit gradlinigen Säulen andeutenden Bühne in äußere, tänzerische Bewegung umgesetzt. Soll wohl den Kampf der Seelen versinnbildlichen. Da wuselt es (Foto, Trailer) choreographisch um die Akteure herum, Tanzeinlagen jede Menge rund um die Protagonisten, wie sie beschwörend, schlangenartige Verrenkungen, manche an akrobatische Zirkusnummern erinnernd.

So bewundernswert tänzerisch dies auch sein mag: es bringt Unruhe in den schwergewichtigen Stoff und lenkt vom inneren Drama ab, ohne ihm wirklich etwas hinzuzufügen. Man versteht ja auch, was gemeint ist. Und es nimmt der Musik die Tiefe.

Sinnvoll und wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassend sind die Tanzeinlagen lediglich im dritten Akt, wo übergroße, auf Stelzen sich bewegende schwarze Gestalten in flatternden Gewändern die Schrecken der Unterwelt darstellen. Sie dringen auf die schicksalhaft verstrickten Personen wie grotesk verzerrte Ungeheuer ein, bald von oben aus kabinenartigen Abteilen, bald auf gleicher Ebene, gespenstig, polypenartig, diese vereinnahmend. Das wirkt beklemmend und nimmt den Stoff inhaltlich unmittelbar auf. Ein bezwingender Einfall, zumal die Überhöhung der Gestalten, ihre Schwärze das Schicksalhafte des Geschehens verdeutlicht.

Einmal mehr bewährt sich das großartige Orchester unter der Leitung von Antonello Manacorda. Ruhig fließt die Musik, der Dirigent versagt sich jedem Seelenpomp.

Opernsteckbrief zu ALCESTE, Oper von Christoph Willibald Gluck
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Auch das Ensemble auf der Bühne ist seiner nicht leichten Aufgabe gewachsen. Die Alceste von Dorothea Röschmann hat es da am schwersten. In der Höhe merkt man ihren Sopran ein wenig die Kraftanstrengung an. Der Admète des Charles Castronovo beeindruckt durch die makellose Reinheit seiner hohen Stimmlage, ebenso wie der markige Bass des von Michael Nagy verkörperten Hercule. Der Évandre des Manuel Günther beeindruckte durch stimmliche Reinheit. Die Leistung des Ballett, der Tänzer der Compagnie Eastman, Antwerpen steht außer Kritik. Ob sie sich sinnvoll dem dramatischen Stoff fügt, bleibt offen.

So bleibt zur Münchner Inszenierung der Alceste letztlich ein etwas zwiespältiger Eindruck. Dem Publikum jedenfalls hat die Aufführung gefallen. Stürmischer Beifall belohnte das Orchester mit seinem Dirigenten sowie das gesamte Ensemble.

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—