Wien, Theater an der Wien, Guillaume Tell – Gioacchino Rossini, IOCO Kritk, 01.11.2019

November 2, 2018 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

 Guillaume Tell  –  Gioacchino Rossini

Von Elisabeth König

Guillaume Tell ist Rossinis letztes Bühnenwerk und wurde 1829 als französische Grande Opéra in Paris zur Uraufführung gebracht. Die Ouvertüre ist wohl eine der berühmtesten Melodien Rossinis, und das gewaltige, gut vierstündige Werk hält sich auf den Spielplänen der Opernwelt nicht zuletzt aufgrund seiner unglaublichen Lyrik, die über Rossinis Zeit hinausweist. Auch die Thematisierung eines Freiheitskampfes gegen eine unterdrückende Herrschaft trug gewiss immer schon zur Beliebtheit der Oper bei.

Theater an der Wien / Guillaume Tell - hier :  Ensemble © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Ensemble © Moritz Schell

Die Geschichte des Wilhelm Tell, seines Apfelschusses und seines Kampfes gegen Geßler kennen wir alle aus Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Auf diesem baut die Oper auf und fügt sich hiermit in die Reihe der Opernstoffe, mit denen das Theater an der Wien in dieser Saison den Fokus auf Schiller als Libretto-Quelle legt.

Der Vorhang eröffnet den Blick auf eine nebelschwadenverhangene Winterlandschaft, in deren eisiger Atmosphäre während der sehr zurückhaltenden Ouvertüre der Guerillakampf im unwirtlichen Schnee inmitten alptraumhaft wiedererwachter Toter gezeigt wird.

Die kühle, etwas sterile Inszenierung von Torsten Fischer erzählt nicht unbedingt nur die Geschichte eines Volkes, das seine Freiheit zurückfordert, sondern schildert einen Bürgerkrieg in einer blanken, geradezu anonymisierten Welt, die nahezu überall stattfinden könnte. Dabei gelingen ihm regelmäßig bemerkenswerte Bilder, die sich aus dem grauen Hintergrund abheben.

Theater an der Wien / Guillaume Tell  - hier : Mathilde und Arnold Melcthal © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Mathilde und Arnold Melcthal © Moritz Schell

Dem Regisseur gelang es in Kombination mit der Choreographie von Karl Alfred Schreiner, unter regem Einsatz der Drehbühne ein bewegte Chorregie zu schaffen, die vor allem in den Marschszenen Eindruck hinterlässt. Der Einsatz greller Videoeinspielungen von Jan Frankl gelang als vielfach bewährte Methode, Realitätsebenen zu kombinieren und diente als emotionales Reizmittel.

Die blanke Kargheit des Bühnenbildes von Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos mit seiner industriellen Knappheit vermochte es, die Aufmerksamkeit bei den Sängern zu behalten und gleichzeitig starke Momente einprägsam zu vermitteln. So wird die Hebebühne einerseits zu einem zweiten Handlungsspielraum, andererseits jedoch zum Symbol der Unterdrückung, unter dem das Volk symbolträchtig zermalmt wird. Ausstattung und Kostüme waren der Schlichtheit der Bühne angepasst und spiegelten die Schmucklosigkeit und Häuslichkeit auf der einen Seite wieder, während auf der anderen Seite Uniformen und allgegenwärtige Maschinengewehre die Diktatur und ihre Handlanger kennzeichneten.

Musikalisch war es ein Abend der feinen Zwischentöne und soliden Gestaltung. Die Wiener Symphoniker unter der musikalischen Leitung von Diego Matheuz spielten sicher und genau, der Schönberg-Chor war wie immer fantastisch einstudiert und motiviert.

Die SolistInnen waren – wie immer am Theater an der Wien- mit Bedacht gewählt und überzeugten mit durchwegs tollen Leistungen. Als väterliche Hauptfigur des Guillaume Tell zeigte Christoph Pohl große Eleganz in seiner Darstellung und wusste mit seinem weichen Bariton ausdrucksvoll zu überzeugen. An seiner Seite ist Marie-Claude Chappuis eine Hedwige mit emotionaler Tiefe und kampfesmutiger Stärke.

Theater an der Wien / Guillaume Tell - hier :  Ensemble © Moritz Schell

Theater an der Wien / Guillaume Tell – hier : Ensemble © Moritz Schell

Eine der berührendsten Leistungen des Abends war Anita Rosati als Tells rebellischer Sohn Jemmy. Mit einer emotionalen Stimmigkeit und ungebrochener Leidenschaft, sowie einem glockenhellen Sopran kaufte man ihr den jungen Knaben in jedem Moment ab.

John Osborn als Arnold Melcthal war eine weitere beeindruckende Performance des Abends. Mit dramatischen Höhenflügen und strahlender Tenorstimme weiß er die halsbrecherische Partie des zwischen Liebe und Vaterland zerrissenen Arnold mit Bravour zu meistern.

Ihm ebenbürtig war Jane Archibald als Habsburger-Prinzessin Mathilde zu hören, deren Mitleid mit ihrem Volk und Liebe zu Arnold für ergreifende Momente sorgte. Sie beeindruckte mit ihrer ersten Arie und im Liebesduett mit Arnold ebenso wie durch eine glasklare Höhe und berührende Piani.

Als diktatorischer Gesler (Französisch: mit nur einem S) zeigte Ante Jerkunica einen profunden, volltönenden Bass. Edwin Crossley-Mercier gibt einen elegant zurückhaltenden Walter Fürst, dessen Rolle als Spion am Ende die Fortführung der Unterdrückung mit anderen Mitteln symbolisiert. Jérôme Varnier gibt den Melcthal mit feurigem Eifer und patriotischer Intensität. Sam Furness war ein Rudolphe, der überzeugend zwischen Gewissensbissen und Schmierigkeit schwankte, Lukas Jakobski als Leuthold von beeindruckender Bühnenpräsenz und Stimmgewalt.

Alles in allem war es ein Abend voller großartiger künstlerischer Leistungen, der trotz vieler interessanter Regieeinfälle nicht immer die Spannung brachte, die das Werk durchaus bietet

—| IOCO Kritik Theater an der Wien |—

Berlin, Staatsoper im Schillertheater, Premiere RAPPRESENTATIONE DI ANIMA ET DI CORPO, 08.06.2012

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Staatsoper im Schiller Theater

Premiere am 8. Juni: René Jacobs und Achim Freyer interpretieren Emilio de` Cavalieris „Rappresentatione di Anima et di Corpo“ neu

Mit Emilio de’ Cavalieris zum Heiligen Jahr 1600 in Rom uraufgeführten „Rappresentatione di Anima et di Corpo“ (Das Spiel von Seele und Körper) feiert am 8. Juni ein Meilenstein des Musiktheaters Premiere an der Staatsoper im Schiller Theater. Das Werk stellt einen der ersten Versuche dar, eine dramatische Dichtung vollständig in Musik zu setzen. Als musika­li­scher Leiter hat René Jacobs eine eigene Auf­führungs­fassung er­arbeitet, die er gemein­sam mit Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner sowie Licht­designer Achim Freyer auf die Bühne bringen wird.

„Rappresentatione di Anima et di Corpo“ versammelt in Form eines allegorischen Spiels Protagonisten wie die Seele (Anima), den Körper (Corpo), die Zeit (Tempo), den Verstand (Intelletto), die Welt (Mondo) und das weltliche Leben (Vita mondana). In Achim Freyers Neuinszenierung wird das gesamte Ensemble von etwa 70 Musikern, Sängern und Spielern ständig auf der Bühne zu sehen sein, darunter auch die Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin mit Harfen, Lauten, Zinken, Posaunen, Blöckflöten, Gamben, Streichern, Percussion, zwei Orgeln und Cembalo. Außerdem tritt auf ein Himmelsorchester aus der Ferne und ein Höllenchor, der aus dem komplett überbauten Orchestergraben kommt.

Neben Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis als Anima und Bassbariton Johannes Weisser als Corpo gehören Gyula Orendt, Mark Milhofer, Kyungho Kim, Marcos Fink, Luciana Mancini, Narine Yeghiyan, Elisabeth Fleming, Benno Schachtner, Florian Hoffmann und Alin Anca zum Solistenensemble. Daneben singen und spielen eine 12-köpfige Madrigal­gruppe aus dem Staats­­opern­chor, zwei Knabensolisten des Staats- und Domchores sowie fünf Mitglieder des Freyer Ensembles.

Nach den Vorstellungen an der Staatsoper im Schiller Theater wird das Werk am 22. Juni in gleicher Besetzung konzertant in der Pariser Cité de la musique aufgeführt, aufgezeichnet und im Rundfunk gesendet.

Premiere am Freitag, 8. Juni 2012, 19.30 Uhr

Weitere Vorstellungen am 10., 13., 15., und 17. Juni

—| Pressemeldung Staatsoper im Schillertheater |—

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