Wien, Wiener Staatsoper, ONLINE-SPIELPLAN IM NOVEMBER 2020

November 3, 2020 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 ONLINE-SPIELPLAN IM NOVEMBER 2020

Die Wiener Staatsoper öffnet im Lockdown ihr digitales Archiv

Für den Zeitraum der vorübergehenden Schließung (3. bis inkl. 30. November 2020) wird die Wiener Staatsoper Video-Mitschnitte aus dem digitalen Archiv kostenlos als Stream anbieten.

Das Online-Programm orientiert sich dabei zum großen Teil am regulären Spielplan. Somit sind gleich zwei ganz aktuelle Produktionen schon in dieser Woche zu sehen: Dmitri Tcherniakovs Eugen Onegin, aufgenommen am vergangenen Samstag, sowie Cavalleria rusticana / Pagliacci, eine Aufzeichnung der heutigen Vorstellung mit Roberto Alagna in der Rolle des Canio.

Die Streams sind in Österreich wie auch international kostenlos auf der Webseite play.wiener-staatsoper.at verfügbar. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr, die Übertragungen sind 24 Stunden lang abzurufen.


Das Programm für die erste Woche:


Dienstag, 3. November 2020, 19.00 Uhr

Piotr I. Tschaikowski 
EUGEN ONEGIN, (Vorstellung vom 31. Oktober 2020)
Musikalische Leitung: Tomáš Hanus
Inszenierung und Bühne: Dmitri Tcherniakov

Tatjana: Nicole Car
Eugen Onegin: Andrè Schuen
Olga: Anna Goryachova
Lenski: Bogdan Volkov
Fürst Gremin: Dimitry Ivashchenko


Mittwoch, 4. November 2020, 19.00 Uhr

Benjamin Britten
A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM, (Vorstellung vom 2. Oktober 2019)
Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Irina Brook

Oberon: Lawrence Zazzo
Titania: Erin Morley
Puck: Théo Touvet
Lysander: Josh Lovell
Demetrius: Rafael Fingerlos
Hermia: Rachel Frenkel
Helena: Valentina Nafornita
Bottom: Peter Rose
Quince: Wolfgang Bankl
Flute: Benjamin Hulett
Snout: Thomas Ebenstein
Snug: William Thomas
Starveling: Clemens Unterreiner


Donnerstag, 5. November 2020, 19.00 Uhr

Pietro Mascagni, Ruggero Leoncavallo
CAVALLERIA RUSTICANA / PAGLIACCI (Vorstellung vom 2. November 2020)
Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Inszenierung, Bühne & Kostüme: Jean-Pierre Ponnelle

Santuzza: Eva-Maria Westbroek
Turiddu: Brian Jagde
Alfio: Ambrogio Maestri
Lucia: Zoryana Kushpler
Lola: Isabel Signoret

Canio (Pagliaccio): Roberto Alagna
Nedda (Colombina): Aleksandra Kurzak
Tonio (Taddeo): Ambrogio Maestri
Beppo (Arlecchino): Andrea Giovannini
Silvio: Sergey Kaydalov


Freitag, 6. November 2020, 19.00 Uhr 

Piotr I. Tschaikowski 
EUGEN ONEGIN (Vorstellung vom 31. Oktober 2020)
Musikalische Leitung: Tomáš Hanus
Inszenierung und Bühne: Dmitri Tcherniakov

Tatjana: Nicole Car
Eugen Onegin: Andrè Schuen
Olga: Anna Goryachova
Lenski: Bogdan Volkov
Fürst Gremin: Dimitry Ivashchenko


Samstag, 7. November 2020, 19.00 Uhr

Olga Neuwirth
ORLANDO (Vorstellung vom 18. Dezember 2019)
Musikalische Leitung: Matthias Pintscher
Regie: Polly Graham

Orlando: Kate Lindsey
Narrator: Anna Clementi
Guardian Angel: Eric Jurenas
Queen/Purity/Friend of Orlando’s Child: Constance Hauman
Sasha/Chastity: Agneta Eichenholz
Shelmerdine/Greene: Leigh Melrose
Orlando’s Child: Justian Vivian Bond


Sonntag, 8. November 2020, 19.00 Uhr

Charles Gounod
ROMÉO ET JULIETTE (Vorstellung vom 1. Februar 2017)
Musikalische Leitung: Plácido Domingo
Inszenierung: Jürgen Flimm
Lichtarchitektur: Patrick Woodroffe

Roméo: Juan Diego Flórez
Juliette: Aida Garifullina
Stéphano: Rachel Frenkel
Tybalt: Carlos Osuna
Mercutio: Gabriel Bermúdez
Frère Laurent: Dan Paul Dumitrescu


Montag, 9. November 2020, 19.00 Uhr (Vorstellung vom 17. Februar 2019)

Giacomo Puccini
TOSCA
Musikalische Leitung: Marco Armiliato
Inszenierung: Margarethe Wallmann

Floria Tosca: Sondra Radvanovsky
Mario Cavaradossi: Piotr Beczala
Baron Scarpia: Thomas Hampson
Cesare Angelotti: Ryan Speedo Green
Mesner: Alexandru Moisiuc

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Cavalleria rusticana – Luci mie traditrici – Premiere, 11.10.2020

Oktober 7, 2020 by  
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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Pietro Mascagni:  Cavalleria rusticana  – Salvatore Sciarrino: Luci mie traditrici

Ein Doppelabend über die Eifersucht

Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert das Staatsorchester Stuttgart; Inszenierung von Barbara Frey; Eva-Maria Westbroek kehrt nach Stuttgart zurück

Für die zweite Musiktheater-Premiere der Spielzeit bringt die Staatsoper Stuttgart zwei italienische Werke als Doppelabend auf die Bühne: Am Sonntag, 11. Oktober 2020 um 18 Uhr feiert Barbara Freys Inszenierung von Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana und Salvatore Sciarrinos Luci mie traditrici ihre Premiere im Stuttgarter Opernhaus. Eva-Maria Westbroek – international gefeiertes Ensemblemitglied von 2001 bis 2006 – kehrt in der Rolle der Santuzza an die Staatsoper zurück, Arnold Rutkowski verkörpert Turiddu. Die weiteren Rollen übernehmen Dame Rosalind Plowright (Lucia), Dimitris Tiliakos (Alfio), Ida Ränzlöv (Lola), Christian Miedl (Graf Malaspina) und Rachael Wilson (Gräfin Malaspina). Die musikalische Leitung des Staatsorchesters sowie die pianistischen Teile des Abends übernimmt Generalmusikdirektor Cornelius Meister. Mascagnis Komposition erklingt in einer eigens für diese Produktion erarbeiteten neuen Fassung für Kammerorchester und Banda von Sebastian Schwab.

Mit dem Einakter Cavalleria rusticana (Sizilianische Bauernehre) gelang Pietro Mascagni im Jahr 1890 ein Meisterwerk der veristischen Oper. Das Libretto basiert auf einer Novelle des Schriftstellers Giovanni Verga: Santuzza ahnt, dass ihr Verlobter Turiddu sie wegen der Frau des arglosen Alfio sitzenlässt. An einem einzigen Vormittag führt diese Ahnung zur Gewalttat, denn Männer wie Frauen, Mütter wie Söhne folgen einem gesellschaftlichen Codex, der seit Generationen festschreibt, was Treue und Ehre bedeuten.

Nach der Souveränität des fühlenden Subjekts fragt einhundert Jahre später auch Salvatore Sciarrino in seiner Oper Luci mie traditrici (Meine trügerischen Augen). Mit einem ganz auf Reduktion setzenden musikalischen Idiom erzählt auch er von obsessiver Eifersucht. Misstrauen und Täuschung zwischen einem Grafen, der Gräfin, ihrem voyeuristischen Diener und einem Besucher führen hier zum Doppelmord. Doch hinter der äußeren Handlung tritt in Sciarrinos von prägnanter Stille durchsetzten Partitur das Drama von der Ungewissheit der Gefühle und fatal sich zersetzender Liebe hervor. Die 1998 in Schwetzingen uraufgeführte Kammeroper erklingt in der Originalfassung für 21 Musiker*innen.

Die Regisseurin des Abends, Barbara Frey, war zwischen 2009 und 2019 Künstlerische Direktorin und Intendantin des Schauspielhauses Zürich und erhielt 2016 den Schweizer Theaterpreis. Daneben inszenierte sie unter anderem in Hamburg, Berlin, München, Salzburg und Wien. Für die designierte Intendantin der Ruhrtriennale ist es nach Jenufa an der Bayerischen Staatsoper bereits die zweite Zusammenarbeit mit der Sopranistin Eva-Maria Westbroek. Barbara Freys Inszenierung des Doppelabends Cavalleria rusticana / Luci mie traditrici war ursprünglich für die Spielzeit 2019 / 20 geplant.

PREMIERE
Sonntag, 11. Oktober 2020, 18 Uhr

Weitere Vorstellungen
18. / 20. / 24. Oktober 2020, 19 Uhr

Pietro Mascagni / Salvatore Sciarrino
Cavalleria rusticana /
Luci mie traditrici

Musikalische Leitung Cornelius Meister
Regie Barbara Frey
Bühne Martin Zehetgruber
Kostüme Bettina Walter
Licht Alexander Koppelmann
Chor Manuel Pujol
Dramaturgie Miron Hakenbeck, Barbara Eckle

Cavalleria rusticana
Santuzza Eva-Maria Westbroek
Turiddu Arnold Rutkowski
Lucia Dame Rosalind Plowright
Alfio Dimitris Tiliakos
Lola Ida Ränzlöv

Luci mie traditrici
Gräfin Malaspina Rachael Wilson
Graf Malaspina Christian Miedl
Der Gast / Stimme hinter dem Vorhang Ida Ränzlöv
Ein Diener Elmar Gilbertsson

Staatsopernchor Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart

Die nächsten Premieren:

27.10.2020
Gustav Mahler/ Arnold Schönberg:  Das Lied von der Erde
Elfriede Jelinek: Die Bienenkönige
Musikalische Leitung: Cornelius Meister, Regie: David Hermann

15. November 2020
Jules Massenet: Werther
Musikalische Leitung: Marc Piollet, Regie: Felix Rothenhäusler

19. Dezember 2020
Maurice Ravel, Schorsch Kamerun: Die verzauberte Welt
Musikalische Leitung: Dennis Russel Davies, Regie: Schorsch Kamerun

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Saison 2020/21 – doch nur bis Januar 2021, IOCO Aktuell, 24.07.2020

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Die Staatsoper Saison 2020/21 – bis Januar 2021

Nur 38 statt 68 Vorstellungen im Opernhaus

Wer ist wir?

  • Fünf Musiktheater-Premieren im Opernhaus bis Dezember
  • Deutlich reduzierte Anzahl von Vorstellungen durch Kurzarbeit
  • Coronatauglicher Abstand auf der Bühne und im Publikum
  • Wir stellen Fragen nach unserer eigenen Geschichte.
    Womit identifizieren wir uns? Und: Wer ist eigentlich wir?“ (Viktor Schoner)
  • Max Herre ist Artist in Residence
  • Staatsoper unterwegs: Konzerte in Clubs, Projekte in Stadt und Land
  • Gastspiele, Familienkonzert und Parcours beim JOiN

Am 22. Juli 2020 gaben Opernintendant Viktor Schoner, die Leiterin des JOiN Elena Tzavara und Generalmusikdirektor Cornelius Meister im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Staatstheater Stuttgart das Programm der kommenden Saison bis Ende Januar 2021 bekannt.

Alle Premieren der neuen Saison verbindet die Leitfrage „Wer ist wir?. Wann wird aus unterschiedlichen Menschen eine Gemeinschaft? Wer repräsentiert sie? Wo bleibt die Stimme der*s Einzelnen in diesem „wir“ – bei unterschiedlichsten Perspektiven, Standpunkten und Identitäten? Wie positioniert sich Deutschland in einem europäischen Kontext?

Staatsoper Stuttgart / Intendant Viktor Schoner @ Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Intendant Viktor Schoner @ Matthias Baus

Viktor Schoner über das Programm der neuen Saison:Hinter den Premieren dieses Herbstes steht trotz aller Modifikationen eine klare programmatisch-dramaturgische Linie: eine Art Selbstbefragung, die wir an uns als Gesellschaft richten wollen, ohne dabei abgrenzend zu sein: Wer ist eigentlich wir? In der Familie, im städtischen Zusammenleben, in der Frage nach der geschichtlichen Bedeutung der Nationen und im Verhältnis zu unseren Nachbarn. Definiert sich ein Wir tatsächlich leichter über Abgrenzung, wie es vor allem Populisten formulieren? Das Verhältnis von Deutschland und Frankreich spielt genauso eine Rolle wie die Frage nach systemsprengenden und angepassten Persönlichkeiten.“

Im Zentrum der heutigen Jahrespressekonferenz standen die Neuproduktionen der Staatsoper Stuttgart und des JOiN als umfassendem Vermittlungsprogramm sowie die Kooperationsprojekte der Staatsoper Stuttgart. Nach dem „Oper trotz Corona“-Programm mit über 100 Vorstellungen im ganzen Stadtraum kehrt die Staatsoper Stuttgart im Herbst hauptsächlich wieder in den Littmann-Bau zurück.

Dabei ist die Vorstellungsanzahl deutlich reduziert. Statt wie ursprünglich geplant 68 können bis Ende Januar nun nur 38 Vorstellungen im Opernhaus gezeigt werden. Zudem beginnt die Saison erst am 1. Oktober, darüber hinaus wird es im Januar 2021 keine Opernaufführungen geben. Insgesamt liegt der Fokus auf fünf Musiktheater-Premieren und Spezialformaten, es wird lediglich zwei Repertoirevorstellungen geben. Intendant Viktor Schoner: „Die Einsparungsmaßnahmen durch Kurzarbeit fordern von uns allen Opfer. Der Repertoirebetrieb, wie wir ihn kennen, wird in der kommenden Saison nicht stattfinden. Dennoch freue ich mich, dass wir unsere Premieren, für die bereits seit Monaten in unseren Werkstätten gebaut wurde oder deren Bühnenbilder bereits fertig gestellt waren, wie geplant realisieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Fünf Premieren, Spezialformate, ein Gastspiel und Repertoire

Neben zwei Opern des Repertoires werden die fünf Neuproduktionen einen weiten Bogen von Mozarts Zauberflöte bis hin zu Salvatore Sciarrino schlagen. Dezidiert Familientaugliches steht hier neben Experimentellem, Populäres neben selten zu Hörendem. Zusätzlich zu den wenigen Repertoirevorstellungen wurden außerdem neue Projekte angesetzt: konzertante Aufführungen, ein Abend mit Verfilmungen von Madrigalen, eine Gesprächsreihe mit Chorkonzert und vieles mehr.

Generalmusikdirektor Cornelius Meister

Cornelius Meister dirigiert in den ersten Monaten der kommenden Saison zwei Opern-Neuproduktionen: Die eigentlich für Ende Juni 2020 vorgesehene Premiere des Doppelabends von Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana kombiniert mit Salvatore Sciarrinos Kammeroper Luci mie traditrici (Meine verräterischen Augen) in der Regie von Barbara Frey ist nun die zweite Premiere der neuen Saison. Im Oktober feiert dann Gustav Mahlers Das Lied von der Erde in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg und in der Kopplung mit Elfriede Jelineks Die Bienenkönige Premiere in einer szenischen Aufführung, Regie führt David Hermann. Diese Produktion ist die einzige Premiere, die aufgrund der Corona-Maßnahmen modifiziert werden musste: Ursprünglich war für Ende Oktober die Neuproduktion von Richard Strauss‘ großdimensionierter Oper Die Frau ohne Schatten vorgesehen. Die eigentlich für diese Produktion vorgesehenen Sänger*innen Ks.Simone Schneider, Evelyn Herlitzius, Michael König und Martin Gantner werden auch Das Lied von der Erde gestalten.

Außerdem übernimmt Cornelius Meister die Musikalische Leitung des programmatischen Eröffnungskonzerts der Saison: Bei  Denk ich an Deutschland in der Nacht  treffen so unterschiedliche Künstler*innen wie Max Herre oder Schorsch Kamerun mit Sänger*innen des Stuttgarter Ensembles und dem Staatsorchester Stuttgart zusammen. Ein Abend zwischen E und U, zwischen Musik und Literatur, zwischen deutscher Romantik und Hiphop.

Die im Opernhaus einmalige konzertante Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni wird ebenfalls Cornelius Meister dirigieren. Ihr geht ein lange verabredetes Gastspiel in der Kölner Philharmonie am 1. November voraus. In der Titelrolle tritt Björn Bürger auf. Im Beethoven-Saal der Liederhalle wird Cornelius Meister außerdem einen Zyklus mit allen Brahms-Sinfonien an zwei aufeinander folgenden Tagen dirigieren.

„Für jedes Werk im Herbst haben wir einen eigenen Klangraum geschaffen: Gesang und Orchester werden bei jeder Oper und bei konzertanten Aufführungen aus unterschiedlichen Richtungen zu hören sein. Dabei beziehen wir den Orchestergraben, die Bühne, die Logen, den dritten Rang und das Foyer ein. Das ganze Opernhaus wird zum Klingen gebracht, und das Publikum hat so die Möglichkeit, die Protagonist*innen der Staatsoper und des Staatsorchesters aus Perspektiven zu erleben, die vollkommen neu und jedes Mal anders sind“, so Cornelius Meister.

Spezialformate, Artist in Residence und Gastspiel

Denk ich an Deutschland in der Nacht ist der inhaltlich-programmatische Auftakt zur neuen Saison mit dem Thema „Wer ist wir?“. Der Konzertabend ist der Versuch, das „Konstrukt Deutschland“ humoristisch, assoziativ und ironisch, aber auch auf ganz ernsthafte Weise zu befragen. Unter der musikalischen Leitung von GMD Cornelius Meister werden dabei Werke von Gustav Mahler, Ludwig van Beethoven, Clara und Robert Schumann, Fanny Hensel und Arnold Schönberg zu hören sein – und dabei konfrontiert mit Musik von und mit Max Herre und Schorsch Kamerun, der auch die Spielleitung unternehmen wird.

Der Rapper, Singer-Songwriter und Produzent Max Herre ist gleichzeitig Artist in Residence an der Staatsoper Stuttgart: In der Saison 2020/21 wird der das Opernhaus zu seinem „Musikzimmer“ machen und neben dem Eröffnungskonzert Denk ich an Deutschland in der Nacht mit dem Staatsorchester Stuttgart im Juni 2021 mit dem Staatsorchester, dem Pianisten Roberto Di Gioia und dem Projekt Web Web als Jazzer auftreten. Intendant Viktor Schoner:Wir alle hier lieben die Oper, haben aber gleichzeitig keine musikalischen Scheuklappen – und Max Herres Musik mag ich schon seit Jahren. Mit ihm konnten wir einen der wichtigsten und klügsten deutschen Hip-Hop Musiker gewinnen, in unterschiedlichen Formationen im Opernhaus seiner Heimatstadt aufzutreten.“

Zweimal ist am 31. Oktober und 1. November La Fiesta von Israel Galván im Opernhaus als Gastspiel zu sehen: Gemeinsam mit Sänger*innen, Musiker*innen und Tänzer*innen dekonstruiert der als Avantgardist und Enfant terrible der spanischen Flamenco-Szene bekannte Tänzer und Choreograph das zum Aushängeschild spanischer Kultur gewordene Gesamtkunstwerk „Flamenco“.

Wer ist wir?, das Thema der neuen Saison, steht inhaltlich über einer neuen Gesprächsreihe, die im Oktober ihren Auftakt nimmt. Zwei Gäste werden bei dieser Reihe miteinander in Dialog treten, und die zu Grunde liegende Frage bewusst offen, kritisch, global und postnational stellen. Umrahmt werden diese Gespräche teilweise von einem der zentralen Kollektive der Staatsoper Stuttgart, dem Staatsopernchor, der auch musikalisch ein vielfältiges „Wir“ thematisieren wird.

Während der Zeit des Lockdowns des Opernhauses haben sechs Videokünstler*innen sechs Musikfilme mit Sänger*innen des Ensembles gedreht: Sechs Filme über Gefühle im Ausnahmezustand auf der Basis von frühbarocken Madrigalen, diese poetischen Seelenminiaturen von Claudio Monteverdi, Tarquino Merula und Carlo Milanuzzi, werden im Dezember unter dem Titel Quälend süße Einsamkeit im Opernhaus gezeigt. Dazu wird Musik aus der Zeit Monteverdis unter der Musikalischen Leitung von Stefano Montanari gespielt. Entstanden sind die Filme an erstarrten Orten des öffentlichen Lebens – dem Flughafen, der Staatsgalerie oder dem verwaisten Opernhaus.

Neben der konzertanten Aufführung von Mozarts Don Giovanni stehen außerdem zwei Arienabende auf dem Programm: Am 11. November präsentieren Catherine Naglestad und Nicholas Brownlee unter der Musikalischen Leitung von Valerio Galli Höhepunkte der Opernliteratur. Am 17. Dezember stehen Elizabeth Caballero, Diana Haller und Adam Palka auf dem Konzertpodium im Opernhaus. Die Musikalische Leitung hat dann Karsten Januschke. Die Programme werden noch bekannt gegeben.

Projekte im Stadtraum

Viktor Schoner:Wenn die Corona-Krise eines gezeigt hat, dann, dass verlässliche Partner in dieser Stadt sich gegenseitig stützen: Gemeinsam mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern in der Stadt und im Land haben wir in den vergangenen Monaten emotional beflügelnde und künstlerisch bereichernde Erfahrungen gemacht. Diese Haltung wollen wir uns auch in Zukunft bewahren.“

Die bisher im Foyer des Opernhauses stattfindenden Liedkonzerte werden zu Beginn der neuen Saison in Räumen stattfinden, die von der Krise leergefegt wurden: Clubs, Hotellobbys und viele weitere Locations werden Spielorte für die eigens dafür konzipierten Programme sein.

Auch die Lunchkonzerte sind ab Herbst an verschiedenen Orten im Stuttgarter Stadtraum zu Gast: Musiker*innen des Staatsorchesters werden bei diesem beliebten Format zur Mittagszeit mit etwa 30-minütigen Programmen auftreten.

Die Zauberflöte – Welterfolg von Barrie Kosky – nun auch in Stuttgart
youtube Trailer Komische Oper Berlin
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Neuproduktionen

Den Auftakt der Opernsaison am 3. Oktober 2020 markiert die Premiere der Neuproduktion von Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte. Die Inszenierung von Barrie Kosky (siehe Trailer oben) und Suzanne Andrade ist eine Produktion der Komischen Oper Berlin, die bereits weit gereist ist und nun auch mit dem Ensemble der Staatsoper in Stuttgart zu sehen sein wird. Am Pult des Staatsorchesters Stuttgart steht Hossein Pishkar, der bereits in der letzten Saison als Dirigent bei einem Sinfoniekonzert mit Werken von Sciarrino, Romitelli und Beethoven debütierte. Josefin Feiler und Carina Schmieger treten als Pamina auf, alternierend mit Vera-Lotte Böcker als Gast. An ihrer Seite singen Mingjie Lei und Kai Kluge aus dem Stuttgarter Solistenensemble Tamino. Beate Ritter und Ks. Yuko Kakuta sind in der Rolle der Königin der Nacht zu erleben, als Sarastro David Steffens und Michael Nagl.

Am 11. Oktober 2020 folgt ein Doppelabend mit Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana und Salvatore Sciarrinos Luci mie traditrici (Meine verräterischen Augen) in der Inszenierung von Barbara Frey, der bereits in der aktuellen Spielzeit angekündigt war und nun Premiere feiert. Es dirigiert Cornelius Meister. Die eigens erstellte Orchestrierung von Sebastian Schwab spielt mit Klängen aus unterschiedlichen Räumen. Eva-Maria Westbroek (Santuzza), Arnold Rutkowski (Turridu), Rosalind Plowright (Lucia), Dimitris Tiliakos (Alfio)und Ida Ränzlöv (Lola) gestalten die Hauptpartien in Mascagnis beliebter Verismo-Oper. Eine weitere tragende Rolle kommt dem Staatsopernchor Stuttgart zu. In Sciarrinos 1998 in Schwetzingen uraufgeführter Oper, die in der Originalbesetzung mit 17 Orchestermusiker*innen aufgeführt wird, singen Rachael Wilson (La Malaspina), Elmar Gilbertsson (Un servo della casa), Ida Ränzlöv (L’Ospite) und Christian Miedl (Il Malaspina). Generalmusikdirektor Cornelius Meister: „Welch Glück, dass wir gezwungen waren, über den Orchesteraufbau bei Salvatore Sciarrinos Oper, der ursprünglich allein für den Orchestergraben gedacht war, noch einmal nachzudenken! Der feine und differenzierte Klangreichtum seiner Instrumentation kommt durch die Anordnung im Raum nun viel besser zur Geltung.“

Das Lied von der Erde von Gustav Mahler in der Fassung für Kammerorchester von Arnold Schönberg und Rainer Riehn am 27. Oktober 2020 ist die dritte Premiere der Saison – und ersetzt die ursprünglich für diesen Termin geplante Premiere von Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss, die aufgrund der großformatigen Besetzung unter den geltenden Hygienerichtlinien nicht zu realisieren gewesen wäre. Die Inszenierung stammt von David Hermann, der als Regisseur auch Strauss‘ Oper erarbeitet hätte. Nun inszeniert er mit den Sänger*innen Ks. Simone Schneider, Evelyn Herlitzius, Michael König und Martin Gantner eine szenische Version von Gustav Mahlers Symphonie auf Gedichte aus Hans Bethges Die chinesische Flöte im Rohbau des Bühnenraums, den Jo Schramm für Die Frau ohne Schatten entworfen hat. Gekoppelt wird Mahlers Musik mit Elfriede Jelineks Prosatext Die Bienenkönige. Die Schauspielerin Corinna Harfouch wird das Gesangsensemble für diesen Teil erweitern. Das Staatsorchester Stuttgart spielt unter der Leitung von Cornelius Meister.

Jules Massenets Werther ist die vierte Premiere der neuen Saison am 15. November 2020. Marc Piollet zeichnet für die Musikalische Leitung verantwortlich. Die Inszenierung stammt von Felix Rothenhäusler, der die Oper als Studie über die „Gefühlsextremist*innen“ Werther und Charlotte deutet. Die Titelrolle wird dargestellt von Jarrett Ott – und damit ist die Oper in Stuttgart in der selten zu erlebenden Bariton-Fassung zu hören. Seine Geliebte Charlotte wird von Rachael Wilson dargestellt, ihr Verlobter Albert ist Pawec Konik.

Die verzauberte Welt ist der Titel eines Musiktheaterabends für alle ab 6 Jahren, in dessen Mittelpunkt Maurice Ravels L’Enfant et les sortilèges steht und der am 19. Dezember 2020 Premiere feiert. Konzipiert und inszeniert wird die Oper von Schorsch Kamerun, der das Stück durch Ravels Märchensuite Ma Mère L’Oye sowie eigene Songs und Texte ergänzt. Die Musikalische Leitung hat der ehemalige Stuttgarter Generalmusikdirektor Dennis Russell Davies inne. Die zentrale Rolle des Kindes in L’Enfant et les sortilèges wird von Diana Haller dargestellt. Zudem sind bei dieser Produktionen in Zusammenarbeit mit dem JOiN Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren zum Mitmachen eingeladen: Sie werden gemeinsam mit dem Sängerensemble auf der Bühne des Opernhauses stehen.

Repertoire

Lediglich zwei Werke aus dem Repertoire der Staatsoper Stuttgart werden in der ersten Hälfte der Spielzeit 2020/21 wieder aufgenommen, davon eine konzertante Aufführung:

Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni kommt am 9. November 2020 einmalig im Stuttgarter Opernhaus und bei einem Gastspiel in der Philharmonie Köln (1. November 2020) konzertant zur Aufführung. Es dirigiert Generalmusikdirektor Cornelius Meister. Die Titelpartie singt Ensemblemitglied Björn Bürger.

Giacomo Puccinis Madama Butterfly steht am 12. Dezember 2020 wieder auf dem Spielplan der Staatsoper Stuttgart. Dirigentin Oksana Lyniv kehrt ans Pult des Staatsorchesters zurück. Die sängerischen Hauptpartien gestalten Elizabeth Caballero (Cio-Cio San) und Ensemblemitglied Pavel Valuzhin (Pinkerton). Ob die Oper in der Inszenierung von Monique Wagemakers oder konzertant zu sehen sein wird, entscheidet sich im Laufe des Herbstes.

Solistenensemble und Internationales Opernstudio

Das Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart ist zusammen mit dem Staatsorchester und dem Staatsopernchor das Herzstück des Hauses. Intendant Viktor Schoner: „In der kommenden Spielzeit wird es im Solistenensemble eine große Kontinuität geben. Unsere Sängerinnen und Sänger sollen sich gemäß der großen Ensembletradition des Hauses langfristig optimal weiterentwickeln können: durch neue Herausforderungen in einer Arbeitsatmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und der Wertschätzung.“

Neu im Ensemble sind ab der Saison 2020/21 die beiden Sopranistinnen Carina Schmieger und Claudia Muschio sowie der Bassbariton Jasper Leever, die aus dem Internationalen Opernstudio übernommen werden. Acht Plätze für junge Nachwuchssängerinnen und -sänger werden in der kommenden Spielzeit im Opernstudio angeboten, wovon sechs neu besetzt werden: Neu hinzu kommen Linsey Coppens aus den Belgien, Gerard Farreras und Laia Vallés Montojo aus Spanien, Ángel Macías und Jorge Ruvalcaba aus Mexiko und Clare Tunney aus Großbritannien. Ein weiteres Jahr im Opernstudio bleiben Charles Sy aus Kanada und Alexandra Urquiola aus Kuba.

Musiktheater im JOiN: Mitmachen und Zuschauen in jedem Alter!

Neben einer Musiktheaterneuproduktion für alle ab 6 Jahren und einem Familienkonzert mit dem Staatsorchester im Opernhaus sowie den beliebten Sitzkissenkonzerten bietet die Junge Oper im Nord, das JOiN, auch in den ersten Monaten der neuen Saison ein breitgefächertes Programm an: für junge Menschen ab drei Jahren, aber darüber hinaus auch für alle Altersgruppen, die aktiv singen oder performen möchten.

Elena Tzavara, die künstlerische Leiterin des JOiN, über ihr Programm: „Unsere große Stärke ist unsere Kreativität, die nicht nachlassen sollte, wenn es um kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche geht. Gerade in dieser gesellschaftlich allumfassenden Krise sind wir als Kulturakteure aufgefordert, alles zu tun, um Kinder und Jugendliche zu erreichen – jetzt mehr denn je.“

Ein zentrales Projekt des JOiN in der Saison 2020/21 ist die Neuproduktion von Die verzauberte Welt mit Musik von Maurice Ravel, die am 19. Dezember im Opernhaus Premiere feiert. Dazu sind Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren eingeladen, gemeinsam mit der Protestmusik-Ikone Schorsch Kamerun, der den Abend inszenieren wird, auf der Bühne zu stehen. Bewerbungen für einzelne Jugendliche oder ganze Schulklassen sind ab sofort möglich per Mail an join@staatstheater-stuttgart.de.

Auch im Opernhaus wird am 10. Oktober 2020 das Das Dschungelbuch als „tierisch-lustiges Familienkonzert“ für alle ab 6 Jahren zu erleben sein. In einem Arrangement und unter der Musikalischen Leitung von Alexander Erbrich werden dann die Hits aus dem gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm mit dem Staatsorchester Stuttgart zu erleben sein.

Vor Weihnachten wird Artus – Ein Film-Projekt als Preview gezeigt: Eigentlich hätte Nicholas Koks und Jan Homolkas Adaption von Henry Purcells King Arthur in der Inszenierung von Elena Tzavara bereits in der laufenden Saison Premiere feiern sollen – Corona hat dies verhindert. Nun ist gemeinsam mit dem Projektchor, bestehend aus 30 Jugendlichen, Mitgliedern des Ensembles und des Opernstudios sowie des Staatsorchesters ein Filmprojekt entstanden, in das es noch vor Weihnachten erste Einblicke im JOiN gibt. Dazu wird Claudio Monteverdis Il combattimento di Tancredi e Clorinda im „Vorprogramm“ aufgeführt. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Am 6. Dezember lädt das JOiN zu einem Nikolaus-Parcours ein: Dabei können Kinder und ihre Familien die vorweihnachtliche Junge Oper im Nord erkunden – und sich dabei auf die Suche nach musikalischen Nikolaus-Überraschungen machen.

Zurück im Repertoire ist mit Leonard Evers Musiktheater Gold ab 7. November 2020 eine der Erfolgsproduktionen des JOiN: Angelehnt an das Märchen Vom Fischer und seiner Frau der Brüder Grimm erzählt diese ebenso poetische wie tiefsinnige Kinderoper in der Inszenierung von Jörg Behr von der Suche nach dem Glück.

Den Einstieg ins Musiktheater für Kinder ab drei Jahren und ihre Familien bieten erneut die beliebten Sitzkissenkonzerte, die in der neuen Saison im Foyer des JOiN zu erleben sein werden. In der ersten Spielzeithälfte stehen Die Grille und die Ameise, Das Ding aus dem Klangsumpf, Das kleine Ich-bin-ich und Das Lamm, das zum Essen kam auf dem Programm. Zusätzlich sind die Sitzkissenkonzerte in der neuen Spielzeit auch als Gastspiele für Kindergärten und Grundschulen buchbar: Die Musiker*innen des Staatsorchesters kommen mit den unterschiedlichen Programmen direkt vor Ort!

Partizipation und Vermittlung

Bereits ab November laufen die Vorbereitungen für das Straßenoratorium Nesenbach, das im Juli 2021 im Stuttgarter Stadtraum gezeigt wird: An acht Terminen werden dann an acht unterschiedlichen Orten Menschen jeden Alters gemeinsam singen und performen. Eingeladen sind bereits jetzt alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, sich per Mail an join@staatstheater-stuttgart.de anzumelden. Probenbeginn ist der 4. November 2020.

Zuerst zum Workshop, dann ins Sinfoniekonzert: Bei allen Sonntagsterminen der drei Sinfoniekonzerte bis Januar sind Kinder zwischen 4 und 10 Jahren wieder eingeladen, zunächst an einer spielerischen und musikalischen Einführung teilzunehmen, um dann den zweiten Teil des Sinfoniekonzerts zu erleben. Vor der Pause werden die Kinder durch erfahrene Pädagog*innen auf das Programm vorbereitet und besuchen anschließend gemeinsam mit den anderen Kindern das Konzert.

Unter dem Titel GLOW – Gläserne Opernwerkstatt sind alle Initiativen des JOiN gebündelt, die Zuschauer*innen und Gruppen aller Altersstufen hinter die Kulissen blicken lassen: Ob Proben- oder Aufführungsbesuch, Workshops, Vor- und Nachbereitungen, kleine Stückentwicklungen, ein Urban-Gardening-Projekt, der Preview-Club oder digitale Angebote – die Gläserne Opernwerkstatt ist ein Angebot für alle, die sich bereits für Oper begeistern oder vielleicht zum ersten Mal mit dieser Kunstform in Berührung kommen.


Karten

Schriftliche Kartenbestellungen sind für alle Vorstellungen ab sofort möglich. Die Information über eine Kartenzuteilung erfolgt vor Vorverkaufsbeginn.

Der Kartenvorverkauf für die ersten Monate der neuen Saison beginnt folgendermaßen:

17. August für alle Veranstaltungen im September

15. September für alle Veranstaltungen im Oktober

15. Oktober für alle Veranstaltungen im November

Online
www.staatsoper-stuttgart.de

Telefonisch
+49 711 20 20 90, Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr

Persönlich
Öffnung der Tageskasse ab 1. September:
Mo-Mi 10-14 Uhr
Do-Fr. 14-18 Uhr

Abonnements
Alle Abonnements der kommenden Saison bleiben bestehen. Allerdings können in der nächsten Spielzeit in den Spielstätten aufgrund der derzeit gültigen Abstandsregelungen weniger Sitzplätze angeboten werden als bisher.
Mehr dazu: www.staatstheater-stuttgart.de/abo

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Arlene Saunders, 1930 – 2020, eine Würdigung, IOCO Portrait, 14.05.2020

Mai 13, 2020 by  
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Arlene Saunders © Wolfgang Schmitt / Lead Technologies

Arlene Saunders © Wolfgang Schmitt / Lead Technologies

ARLENE SAUNDERS – Ein Mensch – EINE KARRIERE

5. Oktober 1930 – 17. April 2020

von Wolfgang Schmitt

In den 1960er und 70er Jahren war sie die „Primadonna assoluta“ der Hamburgischen Staatsoper während der Liebermann-Ära. Nun wurde auch Arlene Saunders ein prominentes Opfer der zur Zeit grassierenden Corona-Pandemie.

Geboren am 5. Oktober 1930 in Cleveland, Ohio, als Arlene Pearl Soszynski, entdeckte sie schon als 10jährige ihre Leidenschaft für die Oper, und so studierte sie nach der High School Gesang am dortigen Baldwin-Wallace College of Arts. Ein erstes Engagement führte sie an die National Opera Company in Raleigh, North Carolina, wo sie u.a. die Rosalinde in der Fledermaus, Donna Elvira in Don Giovanni und sogar die Titelrolle in Cole Porters Musical Kiss me Kate sang.

Bei einem Wettbewerb amerikanischer Opernsänger in New York errang sie den ersten Platz und erhielt ein Stipendium, mit dem sie nach Italien ging, wo sie ihre Gesangsstudien vervollkommnete und am Mailänder Teatro Nuovo ihr Rollendebüt als Mimi in Puccinis La Boheme geben konnte. Zurück in Amerika engagierte Julius Rudel sie an die New York City Opera, wo sie als Giorgetta in Puccinis Il Tabarro debütierte und in Partien des lyrischen Sopranfachs besetzt wurde, u.a. in Charpentiers Louise. Mit der New Yorker Metropolitan Opera ging sie auf die jährliche MET-Tour quer durch die USA und sang das Evchen in den Meistersingern und Rosalinde in der Fledermaus (alternierend mit Beverly Sills).

1963 war Rolf Liebermann, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, auf Talentsuche in New York, Arlene Saunders sang für ihn die Arie der Magda aus Puccinis La Rondine und wurde vom Fleck weg engagiert. Hamburg wurde nun ihr Zuhause und ihr künstlerischer Lebensmittelpunkt. Mit ihrem neu erworbenen weißen Karmann-Ghia liebte sie es, die Stadt und das Hamburger Umland zu erkunden. Ihre Hamburger Debüt-Partie war die Pamina in der Zauberflöte, für die sie dann auch gleich gastweise ans Staatstheater Stuttgart engagiert wurde, auch für die Mimi luden die Stuttgarter sie sogleich ein. In Hamburg folgten Rollendebüts als Marzelline in Fidelio, Marie in Die verkaufte Braut, Liu in Turandot (mit Birgit Nilsson und James McCracken), Iphis in Jephta, Antonia in Hoffmanns Erzählungen, Fiordiligi in Cosi fan tutte, und Ann Truelove in The Rake’s Progress (die Premierenserie dirigierte Igor Strawinsky persönlich).

Arlene Saunders als Manon in Manon Lescaut 1982 © Colin Graham

Arlene Saunders als Manon in Manon Lescaut 1982 © Colin Graham

Ihr Hamburger Festvertrag ließ ihr jedoch genügend Freiraum für internationale Gastspiele, und so sang sie 1965 die Micaela in Carmen (mit Marilyn Horne, Franco Corelli und Justino Diaz) in Philadelphia, 1966 die Pamina beim Glyndebourne Festival, 1967 die Marguerite in Faust (mit Alfredo Kraus) an der San Francisco Opera, dort folgten Charpentiers Louise und Freia in Rheingold. Sie gastierte als Mimi in Florenz und an der Mailänder Scala, und gab in Toronto ihr Kanada-Debüt in Glucks Orfeo ed Eurydice. An der Wiener Staatsoper debütierte sie als Marzelline in Fidelio, sang dort auch Eva und Donna Elvira.

Mit der Deutschen Oper Berlin schloß sie einen Gastvertrag und debütierte dort als Nedda in einer Neuinszenierung des Bajazzo. In Hamburg erweiterte sie ihr Repertoire um Partien wie Tatjana in Eugen Onegin, Figaro-Gräfin, Agatheim Freischütz, um mit der Elsa in Lohengrin endgültig ins jugendlich-dramatische Sopranfach zu wechseln (in dieser Premiere sang Placido Domingo seinen ersten Lohengrin). Es folgten Neuinszenierungen von Arabella, Ariadne auf Naxos (mit dieser Produktion gastierte die Hamburgische Staatsoper auch beim Edinburgh Festival), Tannhäuser / Elisabeth (in der Regie von Harry Meyen, dem damaligen Ehemann von Romy Schneider, was dem Premierenabend einen besonderen Glamour verlieh, denn auch Magda Schneider und viele andere Größen des deutschen Films waren zugegen), Die Walküre / Sieglinde, sowie ihre erste Tosca. Die Tosca sang sie kurz darauf in Cincinnati, dort auch die Mimi. Es folgte eine Arabella-Neuproduktion in Amsterdam, und an die San Francisco Opera kehrte sie zurück als Eva für eine Neuinszenierung der Meistersinger von Nürnberg (mit Theo Adam und James King als Partner). An der Oper in Boston debütierte sie als Natascha in der amerikanischen Erstaufführung von Prokoffievs Krieg und Frieden (inszeniert und dirigiert von Sarah Caldwell), und in Washington sang sie die Uraufführung der eigens für sie von Alberto Ginastera komponierten Oper Beatrix Cenci, mit der das J.F. Kennedy Center for the Performing Arts 1971 feierlich eröffnet wurde, diese Produktion wurde später von der New York City Opera übernommen.

Arlene Saunders als Marschallin © Seattle Opera

Arlene Saunders als Marschallin © Seattle Opera

Auch an der Hamburger Oper wirkte Arlene Saunders bereits in zwei Opern-Uraufführungen mit, in Giselher Klebes Jakobowsky und der Oberst (Marianne) – mit der die Hamburger Staatsoper eine Gastpielreise an die New Yorker MET unternahm, gemeinsam mit The Rake’s Progress -, und in Giancarlo Menottis Hilfe, Hilfe, die Globolinks (Madame Euterpova), welche auch verfilmt wurde. Weitere Opernfilme der Rolf-Liebermann-Produktionen, in denen Arlene Saunders mitwirkt, sind Figaros Hochzeit (Gräfin), Der Freischütz (Agathe), Die Meistersinger von Nürnberg (Eva), und Arabella (bei Arthaus auf DVD erhältlich). Im Dezember 1972 gab es an der Hamburger Staatsoper die Uraufführung von Paul Burkhards Oper Ein Stern geht auf aus Jaakob, in der Arlene Saunders die Maria und Vladimir Rudzak den Josef sang, diese Oper wurde fürs Fernsehen aufgezeichnet und am Weihnachtsabend ausgestrahlt. Ein weiterer Fernsehfilm ist Carl Millöckers Gasparonemit Arlene Saunders als Carlotta, Barry MacDaniel in der Titelpartie, sowie Martha Mödl und Benno Kusche (als Zenobia und Nasoni). In dieser Zeit nahm Arlene Saunders für Philips die Operetten Der Zarewitsch und Der Graf von Luxemburg auf. Bei RCA waren bereits Mendelssohns Sommernachtstraum unter Erich Leinsdorf, und Mozarts Il Re Pastore (mit Arlene Saunders als Tamiri sowie Lucia Popp, Reri Grist und Luigi Alva) erschienen.

Auch als Konzertsängerin war Arlene Saunders stets aktiv, so sang sie u.a. Beethovens Missa solemnis unter Leonard Bernstein beim Tanglewood Festival, Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder und Franz Schrekers Lieder von Walt Whitman“ unter Erich Leinsdorf in der Berliner Philharmonie, Haydns Schöpfung unter Igor Markevitch in Monte Carlo, Beethovens Neunte in der Hamburger Musikhalle, Geoffredo Petrassis Orationes Christi unter Massimo Freccia in Berlin; auch Liederabende gab sie u.a. in Hamburg, Hannover und Oslo mit Liedern von Richard Wagner, Richard Strauss, Franz Liszt, Heitor Villa-Lobos, Silvestre Revueltas, Aaron Copland und Samuel Barber.

Die 1970er und 80er Jahre verliefen weiterhin höchst erfolgreich für Arlene Saunders: An der Hamburgischen Staatsoper folgten weitere Rollendebüts als Marschallin im Rosenkavalier, als Gräfin in Capriccio, und als Chrysothemis in Elektra. An der Opéra de Paris debütierte sie in einer Tosca-Neuinszenierung (mit Placido Domingo und Gabriel Bacquier als Partner unter der Leitung von Charles Mackerras), sang die Sieglinde in einer Neuinszenierung der Walküre in der Regie von Peter Stein, in späteren Spielzeiten dort auch die Chrysothemis / Elektra und die Marschallin. Eine besonders beachtete Produktion war die Ballett-Inszenierung von Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder, von Maurice Béjart choreogrphiert und mit Arlene Saunders singend und agierend inmitten der Tänzerinnen und Tänzer ins Bühnengeschehen integriert. An der Seattle Opera sang sie die Marschallin in einer Neuproduktion des Rosenkavalier, diese Partie auch in Brüssel und in Stuttgart. Am Opernhaus Köln sang sie ihre erste Senta im Fliegenden Holländer sowie eine weitere Tosca-Neuinszenierung. Als Tosca war sie ebenfalls Gast am Teatro Nacional Sao Carlos in Lissabon. In Turin wirkte sie mit in einer RAI-Rundfunkproduktion von Hindemiths Cardillac (Partie der Tochter).

An die Wiener Staatsoper kehrte sie zurück als Donna Elvira und als Elsa. Es folgten Auftritte an der New Yorker Metropolitan Opera als Eva in den Meistersingern (mit Thomas Stewart und Jean Cox), und als Elsa in einer Lohengrin –Neuproduktion in Hartford (mit Karl-Walter Böhm und Mignon Dunn). Schließlich gab sie ihr Rollendebüt als Minnie in Puccinis La Fanciulla del West an der Boston Opera. Die Minnie wurde zu einer ihrer Lieblingspartien, mit der sie auch an die New York City Opera zurückkehrte und die sie 1979 ans Teatro Colón Buenos Aires (mit Placido Domingo und Gianpiero Mastromei als Partner) und schließlich 1980 ans Londoner Royal Opera House Covent Garden führte. An der English National Opera North in Leeds gastierte sie als Senta (mit Norman Bailey als Holländer) und sang dort 1982 höchst erfolgreich ihre erste Manon Lescaut. In London sang sie die Titelpartie in Richard Strauss‘ Die Liebe der Danae in einer BBC-Rundfunkproduktion unter der Leitung von Charles Mackerras, die auf CD erschienen ist. Am Grand Théatre de Genève sang sie zur Saisoneröffnung 1980-81 die Elsa im „ Lohengrin  und die Marschallin im „ Rosenkavalier. Weitere Rollendebüts gab Arlene Saunders als Nadia in der amerikanischen Erstaufführung von Michael Tippets The Ice Break in Boston, als Santuzza in Cavalleria rusticana in Buenos Aires, als Marquise in Verdis Un Giorno di Regno beim Verdi-Festival in San Diego, und als Giulietta in Les Contes d’Hoffmann an der Hamburger Staatsoper, wo sie im Rahmen ihres Gastvertrages weiterhin die Mimi, Tosca, Senta, Chrysothemis, sowie während der Weihnachtszeit stets die Gertrud in Hänsel und Gretel sang (sie war 1972 die Premieren-Gertrud).

Arlene Saunders als Senta in Leeds © Colin Graham

Arlene Saunders als Senta in Leeds © Colin Graham

Es folgten weitere interessante Engagements beim Maggio Musicale Fiorentino, Florenz, als Tannhäuser – Elisabeth (mit Wolfgang Neumann, Hermann Prey und Brenda Roberts in den anderen Hauptpartien), als Tosca am Teatro dell’Opera in Rom, als Marschallin in Neuproduktionen des Rosenkavalier in Boston, Bordeaux und Bonn sowie beim Viennese Festival in Minneapolis, und als Senta im Holländer beim Wolf Trap Festival. Ihr australisches Debüt gab sie in der Saison 1983-84 an der Oper in Sydney in ihrer Paraderolle, der Minnie in La Fanciulla del West, der Rundfunkmitschnitt dieser Premiere ist auf CD erschienen. Ihren Abschied von der internationalen Opernbühne nahm sie 1985 als Marschallin in einer Neuinszenierung des Rosenkavalier am Teatro Colón in Buenos Aires, um sich ins Privatleben zurückzuziehen, sich ihren zahlreichen Hobbies zu widmen – unter anderem der Aquarell-Malerei -, und von Hamburg nach New York umzuziehen. Dort lebte sie mit ihrem Ehemann, dem Psychologen Dr. Raymond Raskin bis zu dessen Tod 2017 in einer schönen großen Wohnung mit Blick auf den East River. Am 17. April starb Arlene Saunders, 89jährig, in einer New Yorker Seniorenresidenz. Als unvergleichliche Interpretin insbesondere von Strauss-, Wagner- und Puccini-Partien wird sie uns unvergesslich bleiben.

—| IOCO Portrait |—

 

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