Brüssel, Theatre Royal de la Monnaie, Das Märchen vom Zaren Saltan – Rimski-Korsakov, IOCO Kritik, 14.06.2019

Theatre Royal de la Monnaie Brüssel © Pierre Stubbe

Theatre Royal de la Monnaie Brüssel © Pierre Stubbe

Theatre Royal de la Monnaie

Das Märchen vom Zaren Saltan –  Nikolai Rimski-Korsakow

– Die Oper mit dem Hummelflug –

von Ingo Hamacher

Er hat es getan! Dmitri Tcherniakov hat gewagt, sich in seiner Brüsseler Inszenierung des Märchen vom Zaren Saltan, einer russischen Kultur-Ikone ersten Ranges, über alle Konventionen der Inszenierungs-Tradition hinweg zu setzen, und ein lebendiges, heutiges Stück mit Menschen aus Fleisch und Blut zu präsentieren. Dem Intendanten des Bolschoi-Theaters, der extra zur Generalprobe eingeflogen sei, habe der Atem gestockt: Es sei wunderschön, aber in Russland völlig undenkbar! Das Bühnenbild: 7 Küchenstühle.

Das Märchen vom Zaren Saltan  –  Nikolai Rimski/Korsakov
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Doch der Reihe nach:   „Das Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, dem ruhmreichen und mächtigen Recken Fürst Gwidon Sohn des Saltan, und von der wunderschönen Schwanenprinzessin“, so der volle Name des Stückes, im Westen kaum gespielt, ist – ähnlich der Zauberflöte in Deutschland – regelmäßig auf allen russischen Spielplänen zu finden. Die Geschichte spielt in der Stadt Tmutarakan, was einerseits einen historischen Ort bezeichnet, andererseits im Russischen auch so viel wie „in der tiefsten Provinz“ bedeutet.

Der mächtige Zar Saltan lässt sich von hinterlistigen Frauen betrügen und verurteilt seine verleumdete Frau mit ihrem neugeborenen Sohn zum Tode. Doch die beiden können sich retten. Das Kind reift zum Mann und ist in allem das Gegenteil seines Vaters. Der Zarensohn rettet einen Schwan aus Todesnot. Der Schwan schenkt dem Zarewitsch eine Stadt, ein goldene Nüsse knackendes Eichhorn und dreiunddreißig aus der Flut emporsteigende wehrhafte Recken. Dem um Liebe werbenden Jüngling aber schenkt sich der Schwan selbst in Gestalt einer Schwanen-Prinzessin. Der Ruhm des Paares und seiner Reichtümer dringt zum Zaren Saltan und lockt ihn zum Inselland Bujan, um dort die Wunder zu sehen. Das größte Wunder aber widerfährt Zar Saltan, als er die Totgeglaubten und reuevoll Betrauerten – Frau und Sohn – in die Arme schließen kann und Verzeihung findet.

Mit fünfzehn Werken ist die Oper Das Märchen vom Zaren Saltan im Schaffen Rimski-Korsakows das zentrale Genre und er selbst einer der produktivsten Komponisten des Mächtigen Häufleins. Die Gruppe der Fünf oder Das mächtige Häuflein war eine Gruppe russischer Komponisten des 19. Jahrhunderts. Die Komponisten schlossen sich 1862 in Sankt Petersburg zusammen. Ihr Ziel war die Förderung einer nationalrussischen Musik. Die Gruppe der Fünf setzte sich damit von russischen Komponisten ab, die sich stärker an westeuropäischen Vorbildern orientierten.

Theatre Royal de la Monnaie /  Das Märchen vom Zaren Saltan  - hier : C.Wilson als Babarikha, B.Bobro als Povarikha, S.M. Fisher als Tkatchikha, A. Jerkunica als Saltane, S.Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O.Kulchynska als Schwan © Forster

Theatre Royal de la Monnaie /  Das Märchen vom Zaren Saltan  – hier : C.Wilson als Babarikha, B.Bobro als Povarikha, S.M. Fisher als Tkatchikha, A. Jerkunica als Saltane, S.Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O.Kulchynska als Schwan © Forster

Rimski-Korsakow hatte das Glück, dass die meisten seiner Opern sehr bald nach der Partitur-Reinschrift an einer Bühne in Petersburg oder Moskau uraufgeführt wurde. Die unmittelbare Aufeinanderfolge von Komposition und klanglich-szenischer Realisation war eine wesentliche Bedingung für die Produktivität und das reformatorische Streben des Komponisten. Zentrale Uraufführungen fanden an einer Privatoper statt, an der künstlerisch bedeutende, national orientierte Bühnenbilder gestaltet wurden, die im Kontrast zu den feudal-kosmopolitischen Inszenierungsgepflogenheiten der großen zaristischen Operninstitute standen.

Das Opernschaffen des in seiner Zeit national wirksamen und auch international erfolgreichen Komponisten erfuhr nach seinem Tode eine Verfremdung hin zur volkloristisch-bunt gemalten Märchenerzählung, bzw. Schilderungen altrussischer Sitten und heidnischen Brauchtums. Hatte Rimsky-Korsakow noch lebendige Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts vor Augen gehabt, wurden sie zunehmend zu folkloristisch aufgeputzten Puppen reduziert.  Zar Saltan: Weit mehr als ein Märchen!

Beziehung des Menschen zur Natur

Das naheyu alle Werke Rimskiy-Korsakows durchdringende Interesse am heidnischen Polytheismus entsprach dem Wunsch, der autoritär-monistische Zarismus möchte einer „vielgöttrigen“ Demokratie weichen. Einer erstarrten, von Zwängen und Gewalt beherrschten Gesellschaft wird die Natur als Alternative gegenüber gestellt. Der Wald, der See, das Meer, das Firmament werden zu Orten, an denen Elementargeister im freien Spiel ihrer Existenzformen zu finden sind, so z.B. die Schwanenprinzessin. Den Weg zu solchen Orten und Wesen aber suchen und finden nur Menschen, die eine Sehnsucht aus ihrer bisherigen Umwelt heraustreibt, wie z.B. Gwidon. Der lebendige Austausch zwischen Menschen und Phantasiewesen führt zu einer Erweiterung des Menschseins, zu der die versteinerten Mächtigen nicht fähig sind.

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : B.Volkov als Gvidon © Forster

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan – hier : B.Volkov als Gvidon © Forster

Frauen als (Domostroi-)Opfer und als Idealbilder

Iwan IV. (der Schreckliche, 1530 – 1584) veranlasste die Niederschrift eines Sittenkodex, der als Domostroi (Hausordnung) bekannt wurde und bis ins 20. Jahrhundert hinein Gültigkeit und Folgen haben sollte. Nach der Domostroi wurde die Frau auf gleicher Stufe wie das Vieh dem feudal-patriarchalischen Hausstand zugeordnet. Die für ihr ‚Versagen als Ehefrau’ (Geburt eines nicht normgerechten Kindes) mit dem Tode bestrafte Militrissa ist ein Beispiel für die vielen unter Knechtung leidenden Opfer. Dem gegenüber erscheint die befreite, geistig und sexuell emanzipierte Frau als Phantasiegestalt und Märchen- bzw. Elementarwesen, wie wir sie in der Schwanen-Zarewna als unabhängiges, freies Wesen finden.

Kritik an der Macht

Rimski-Korsakow wird nachgesagt, er habe sich keine Gelegenheit entgehen lassen, über die Macht zu lachen, verdeutlicht durch die marionettenhaft-beschränkte Musik, mit der er seine Mächtigen kennzeichnet, so eben auch den aufschneiderisch-prahlenden Ton des Zaren Saltan.

Das Bild der Schwanen-Prinzessin

In der bäuerlichen slawischen Kultur wurden über Jahrhunderte hinweg animistische und totemistische Vorstellungen gegen die mit der Zentralgewalt eindringenden monistische Religion reproduziert. Die Natur tritt als besondere, fremde und selbständige Größe in Erscheinung. Elementarkräfte – Wasser, Wind, Feuer – sowie Tiere erscheinen als Wesenheiten mit Verstandeskräften und Empfindungen, die sie dem Menschen vergleichbar machen, dem sie aber doch fremd bleiben. Es ist daher für Gwidon und seine Mutter nicht verwunderlich, wenn der Schwan mit Mädchenstimme spricht. Der Schwanenvogel muss nicht von einem Zauber befreit werden, er verwandelt sich auch nicht in eine Schwanhilde, sondern er wechselt einfach zu einer auch vorher schon immanenten Identität seiner Doppelexistenz: der Schwanen-Prinzessin.

Im Schlusschor wird dem Schwan gehuldigt, und in der Huldigung wird eine zusätzliche Bedeutung seiner Doppelexistenz ausgesprochen: als Schwan tummelte er sich glücklich im Meer, Mühsal erwartet ihn als Mensch. Die Entscheidung, eine Ehe einzugehen, wird nicht als befreiender Akt gefeiert, sondern der Schwanen-Prizessin und jetzigen Frau Gwidons wird Bewunderung dafür ausgesprochen, die Bürde des Mensch- und Frau-Seins auf sich zu nehmen.

Jedes Bild leitet Rimski-Korsakow mit aus dem Ton des altrussischen Jahrmarkttheaters aufgegriffenen Trompetenfanfaren ein. „Der Prolog und jeder Akt beziehungsweise jedes Bild heben mit derselben kurzen Trompetenfanfare an; sie will das Publikum auffordern, Ohren und Augen für das nun folgende Geschehen zu öffnen; eine Originelle und gerade für das Märchen geeignete Lösung“.  (Rimski-Korsakow)

Rimski-Korsakow hat für das Stück drei farbenprächtige sinfonische Orchestervorspiele komponiert. Der marionettenhafte Marsch des Orchestervorspiels zum I. Akt „Zar Saltan zieht in den Krieg“ ist zugleich die Musiksphäre der Figur des Saltan. In der „Meeresfahrt der Tonne“ (Orchestervorspiel zum II. Akt) verbindet sich der Klagelaut der Militrissa – das alte tradierte Seufzermotiv – mit dem Gesang der wiegenden Wellen und dem Blinken der Sterne und wird zu einer klagenden Stimme im Universum. Im Orchestervorspiel zum letzten Bild wird der Marionettenton im Tanzlied des Nüsse knackenden Eichhorn wieder aufgegriffen und mit dem Donnerton der aus dem Meer aufsteigenden Recken kontrastiert. Es vollzieht sich der Übergang des Schwans zur liebenden Zarewna.

 Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan / hier : S Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O. Kulchynska als Schwan © Forster

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan / hier : S Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O. Kulchynska als Schwan © Forster

Auf all die Symbole und Bedeutungen, die sich in der Märchenvorlage von Alexander Puschkin und der Kompositionsarbeit von Rimski-Korsakov und seinem Librettisten Wladimir Belski finden – im Westen nie verstanden; im Osten mehrheitlich vergessen – verzichtet Dmitri Tcherniakov in seiner Produktion und reduziert das Stück auf einen zentralen Handlungskern: Eine alleinerziehende Mutter und einen Sohn, der in einer Traumwelt lebt. Eine verlassene Ehefrau und ihr autistischer Sohn.

Militrissa tritt in knielangem Rock und Pullover vor den eisernen Vorhang und berichtet von ihrem schweren Los als verlassene Ehefrau, alleinerziehend mit einem autistischen Sohn in Jogginghose und Sandalen, der mit niemandem außer ihr spricht und seinen Vater nie kennen gelernt hat. Auf dem Boden Spielzeuge: Die Puppe einer Schwanenprinzessin, ein orangenes Plastikeichhorn und 33 Zinnsoldaten. 7 Küchenstühle. Inzwischen sei er, der nur in der Welt seiner Märchen lebe, groß genug die Familiengeschichte zu erfahren. Und sie hoffe, eine Frau für ihn zu finden, die, wenn sie nicht mehr da sei, sich um ihren Sohn kümmern würde und ihn vielleicht sogar mit ihrer Liebe heilen würde. Träume einer besorgten Mutter. Mit den Bildern seiner Märchenwelt wolle sie ihm alles erklären.

Alain Altinoglu, der Klangzauberer aus Brüssel, verzichtet auf die einleitenden Trompetenfanfaren. Wir sehen schließlich kein Märchen, sondern den harten Lebensalltag einer überforderten Frau.

Das Märchen vom Zaren Saltan  –  Nikolai Rimski/Korsakov
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Prolog

Die Protagonisten der Familiengeschichte betreten die Bühne in comicartigen historisierenden russischen Kostümen. Nicht der Zar belauscht die 3 Schwestern, sondern es sind die 4 Frauen (die drei Schwestern und die verwitwete Mutter), die sich um die Gunst des attraktiven Mannes bemühen. Die Älteste, Powaricha, sagt, wenn sie Zarewna wäre würde sie dem Zaren ein riesiges Bankett geben, die Mittlere, Tkatschicha, würde ihm ein kostbares Gewand nähen, die Jüngste, Militrissa, aber meint, sie würde ihm einen Heldensohn gebähren. Daraufhin nimmt der Zar Militrissa zur Frau. Aus Missgunst und Eifersucht schmieden die Schwestern und Mütterchen Babaricha ein Komplott.

Erster Akt

Die im Prolog gesponnene Intrige wird in die Tat umgesetzt. Der Zar verlässt seine schwangere Frau um Krieg zu führen, derweil schicken die Schwestern (die inzwischen am Hof angestellt sind) einen Brief an ihn, in dem sie verkünden, die Zarin habe ein Monster geboren. Als die Zarin endlich froh verkündet einen Sohn zu haben, hat bereits ein Brief des Zaren den Hof erreicht, der befielt, Militrissa samt ihres vermeintlichen Monsterkindes in eine Fass zu stecken und dieses ins Meer zu werfen. Dem Befehl des Zaren wird Folge geleistet.

Zweiter Akt

Der Eiserne Vorhang hat sich gehoben, statt dessen begrenz nun ein weißes Tuch, das als Projektionsfläche für die folgenden Videos dient, den nur wenige Meter tiefen Bühnenraum. Zum Vorspiel des zweiten Akt treibt das Fass im stürmischen Meer umher, bis dass es ans Ufer der Insel Bujan gespült wird. Die Projektionen übersetzen uns das Bild in die Gegenwart: Die vom Mann verlassene Ehefrau mit ihrem kranken Kind ist hilflos den Launen und Bosheiten der eigenen Familie und der Gesellschaft ausgesetzt. Die rettende Insel, auf die Beide sich zurück ziehen, ist die Einsamkeit der eigenen kleinen Wohnung. Dort können die Verfolgten ungestört leben und gemeinsam ihre fantastischen Märchengeschichten ausspinnen, die der Sohn Gwidon so liebt.

Wir erleben in den wunderschönen, gezeichneten Traumfilmen wie ein Geier einen Schwan bedroht. Prinz Gwidon rettet den Schwan. Eine zunehmend verskribbelnde Projektion verdunkelt den Hintergrundvorhang, und wenn er sich plötzlich wieder erhellt, sehen wir in einem organisch geschwungenen in die Tiefe reichenden Höhlengebilde eine traumschöne Schwanen-Prinzessin, die ihm mit engelsgleicher Menschenstimme dankt und als Geschenk ein Königreich auf der Insel herbei zaubert/zeichnet und Gwidon zu dessen König macht.

Dritter Akt

Die Handelsschiffe des Zaren Saltans besuchen Gwidons Königreich. Dieser beklagt, seinem Vater nie begegnet zu sein. Der Schwan verwandelt ihn in eine Hummel, so dass er mit den Schiffen zum Zaren fliegen kann, um seinen Vater kennen zu lernen.   Hier kommt es zum berühmten „Hummelflug“.   In der Stadt des Zaren angekommen, erzählen die Seeleute von Gwidons wundersamen Inselreich, worauf der Zar beschließt, diese Wunder mit eigenen Augen sehen zu wollen. Militrissas Schwestern und Mütterchen Babaricha versuchen, den Zaren mit weiteren Wunderschilderungen abzulenken: Die vieltürmige Stadt, ein Eichhorn, das goldene Nüsse knackt, und den dreiunddreißig bewaffneten Recken, die dem Meer entstiegen sind. Der Zar lässt sich nicht abhalten und die Hummel bestraft die bösen Frauen, indem sie sie sticht, alles durch wunderbare Projektionen herrlich bebildert.

Vierter Akt

Gwidon sitzt am Strand und wünscht sich eine Braut. Er erzählt dem Schwan von der sagenumwobenen Prinzessin, von der Mütterchen Babaricha erzählt hat. Der Schwan erforscht Gwidon und erkennt die ernste Absicht des jungen Mannes, worauf sich der Vogel als die schöne Schwanen-Zarewna zu erkennen gibt und ihn heiratet.

Der Märchentraum ist vorüber; die bunten Kostüme sind verschwunden. Die Realität ist wieder da. Die Familie kommt ebenso zur anstehenden Hochzeit, wie der Ehemann/Vater. Erstmalig erkennt er, das ein autistisches Kind kein verstoßenswertes Monster, sondern ein liebendes und liebenswürdiges Wesen ist, ein Held seiner eigenen Träume. In seiner Freude, Sohn und Frau wieder gefunden und ihr Verzeihen erhalten zu haben, kann er auch den anderen Frauen ihre Bosheit und Intrige verzeihen. Alle stimmen in den Jubel über die Hochzeit Gwidons und der reizenden jungen Frau ein, deren Liebe auch Heilung bringen soll. Nur Gwidon rastet in seiner situativen Überforderung völlig aus, schlägt mit Kopf und Fäusten hysterisch gegen die Wand bis dass er ohnmächtig zusammenbricht. Enttäuschung auf allen Gesichtern: Das Leben ist eben kein Märchen, in dem Wünschen noch geholfen hat.

Großer Applaus für eine hervorragende musikalische und sängerische Leistung. Auch die kleinsten Rollen waren noch mit Spitzensängern besetzt, so daß nicht nur keinerlei Schwächen auftraten, sondern jede einzelne Partie vollumfänglich überzeugte. Geradezu überirdisch der Gesang der Schwanen-Prinzessin Olga Kulchinskaya, kongenial ihre Kollegin Svetlana Aksenova als Militrissa. Stimmlich ausgezeichnet, aber vor allem durch seine auffallend glaubhafte schauspielerische Verkörperung des autistischen Jungen bestach Bogdan Volkov.

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : das Ensemble © Forster

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan – hier : das Ensemble © Forster

Besetzung

Musikalische Leitung: ALAIN ALTINOGLU  (* 1975, Paris) ist ein französischer Dirigent armenischer Abstammung. Er ist an großen Opernhäusern weltweit zu Gast. Seit Januar 2016 ist Altinoglu Chefdirigent am Theatre Royal de la Monnaie

Regie und Bühne: DMITRI TCHERNIAKOV, 1970 in Moskau geboren. Sein Studium an der Russischen Akademie der Darstellenden Künste schloss er 1993 ab. Tcherniakov entwirft die Bühnenbilder seiner Produktionen ausnahmslos selbst, des öfteren auch die Kostüme. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter der italienische Franco Abbiati Preis und die Goldene Maske, Rußlands bedeutendster Theaterpreis.

Kostüme: ELENA ZAYTSEVA, in St. Petersburg geboren und beendete 1991 ihr Studium an der Fakultät für Theater-Produktion der St. Petersburg Theatre Arts Academy. Sie arbeitete für das Mariinsky- und das Bolschoi-Theater, bevor sie internationale Arbeiten übernahm.

Videoregie | Beleuchtung: GLEB FILSHTINSKY, Seit dreißig Jahren arbeitet der aus St. Petersburg stammende Gleb Filshtinsky als Lichtdesigner und war dabei an mehr als dreihundert Produktionen im Bereich des Musiktheaters, Sprechtheaters, Konzert, aber auch im Event- und Museumsbereich beteiligt.

Ensemble

Zar Saltan: ANTE JERKUNICA,  Der gebürtige Kroate ist derzeit einer der gefragtesten Bässe auf internationalen Bühnen. Seit 2006 ist er im Ensemble der Deutschen Oper Berlin, jedoch ist er auch an vielen anderen Bühnen in Gastauftritten zu erleben. Hunding, Sarastro, Marke und Iwan Chowanski sind Beispiele seiner großen Rollen.

Zarin Militrissa: SVETLANA AKSENOVA,  Die in St. Petersburg geborene Svetlana Aksenova studierte Gesang am renommierten Rimsky-Korsakov St. Petersburg State Conservatory, wo sie bereits als Studentin in der Titelrolle von Tschaikowskys »Iolanta« auffiel. Sie verfügt zudem über ein großes Konzertrepertoire.

Tkatschicha: STINE MARIE FISCHER,  2015 debutierte die deutsche Altistin am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel. Seit der Spielzeit 2015/16 gehört die Altistin dem Ensemble der Staatsoper Stuttgart an. 2019 folgte ihr Debut in der Elbphilharmonie mit den Hamburger Symphonikern.

Powaricha: BERNARDA BOBRO,  Die aus dem slowenischen Maribor stammende Sopranistin Bernarda Bobro debütierte u.a. 2005 an der Hamburgischen Staatsoper, 2006 bei den Salzburger Festspielen und 2009 am Théâtre Royal de la Monnaie. Wegen ihrer exquisiten Technik und brillanten Stimme ist sie international gefragt.

Babaricha: CAROLE WILSON,  Die britische Mezzosopranistin debütierte 1995 in Glyndebourne und ist seither an vielen großen Häusern zu Gast.

Zarewitsch Gwidon: BOGDAN VOLKOV, (* 1989) ist ein ukrainisch-russischer Tenor, der dem Jungen Ensemble des Bolschoi angehört. Für die Rollen in den Produktionen von Weinbergs Der Idiot und Rimsky-Korsakows Schneeflöckchen am Bolschoi-Theater erhielt Bogdan Volkov den National Opera Award Onegin.

Schwanen-Zarewna: OLGA KULCHYNSKA, (*1990)  Die ukrainisch-russische Sopranistin gehört ebenfalls dem Jungen Ensemble des Bolschoi an. Im Großen Haus des Bolschoi sang sie bereits die Titelrolle in Rimski-Korsakows Die Zarenbraut.

Alter Mann: VASILY GORSHKOV,  Skomoroche / 1. Seemann: ALEXANDER VASSILIEV, Bote / 2. Seemann: NICKY SPENCE, Seemann: ALEXANDER KRAVETS, Sinfonieorchester und Chor der la Monnaie., Eine Koproduktion mit dem TEATRO REAL

Das Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, den ruhmreichen und mächtigen Recken Fürst Gwidon Saltanowitsch, und von der wunderschönen Schwanen-Zarewna, Oper in vier Akten und einem Prolog, sieben Bildern, Musik von Nikolai Rimski-Korsakow, Libretto von Wladimir Belski nach Alexander Puschkin, Uraufführung am 2. November 1900 im Theater Solodownikows Moskau mit dem Ensemble der Russischen Privatoper von Sawwa Mamontow

—| IOCO Kritik Théâtre Royal de la Monnaie |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Die Liebe zu den drei Orangen – Sergej Prokofjew, IOCO Kritik, 10.12.2018

Dezember 10, 2018 by  
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Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Die Liebe zu den drei Orangen – Sergej Prokofjew

Lachen als Heilmittel – nicht nur für kranke Prinzen, sondern auch für Opernbesucher aller Altersklassen: Axel Ranisch verpixelt an der Staatsoper Stuttgart Prokofjews Die Liebe zu (den) drei Orangen zu einem veritablen und mitreißenden Computerspiel und spielt so mit dem Möglichen und dem Unmöglichen, den Grenzen und dem Grenzenlosen der Oper, des Theaters – ja des Lebens

Von Peter Schlang

Der menschliche Alltag und die daraus entstehende Lebenserfahrung lehren, dass es verschiedene Ursachen für die Freude und erst recht das daraus resultierende Lachen gibt. Die Schadenfreude wird dabei gemeinhin als die moralisch verwerflichste Form angesehen; bezüglich ihrer befreienden, positiven Wirkung auf die von ihr befallenen Menschen dürfte sie aber auf einer entsprechenden Skala wohl weit oben rangieren.

Die Liebe zu den drei Orangen  – Sergej Prokofjew
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Dies lässt sich nicht nur im menschlichen Alltag immer wieder unter Beweis stellen, sondern seit 1921 auch in Sergej Prokofjews skurriler Märchenoper Die Liebe zu den drei Orangen beobachten. In ihrem, vom Komponisten nach einer Vorlage des italienischen Komödiendichters Carlo Gozzi selbst erstellten Libretto findet ein an „Lachhemmung“ und in der Folge davon auch an vielerlei psychosomatischen Störungen leidender Prinz sein Lachen nicht durch allerlei gut geplante Späße des aus Carlo Goldonis Diener zweier Herren bekannten Spaßmachers Truffaldino wieder, sondern durch ein blödes Missgeschick, bei welchem die ihm und seinem königlichen Vater feindlich gesinnte Zauberin Fata Morgana stürzt. Darüber tief erzürnt, übt die Zauberin eine für ihren Berufsstand typische Form der Rache und „verurteilt“ den Prinzen dazu, sich in drei Orangen zu verlieben, was dem an seinen Vater gefesselten Sohn in Wahrheit aber dazu verhilft, sich von diesem zu befreien und (zu) sich selbst zu finden.

Nach allerlei Erschwernissen und Abenteuern, die nicht nur in der Natur der Sache liegen, sondern durch Fata Morgana verursacht und verschärft und durch deren Gegenspieler, den dem König und dem Prinzen nahestehenden Zauberer Celio, wiederum abgeschwächt werden, kann es endlich zur Hochzeit des glücklichen Prinzen mit Ninetta kommen. Diese war wie zwei andere Damen je einer der drei Orangen entschlüpft, blieb aber im Gegensatz zu ihren beiden Kolleginnen am Leben.

Unterlegt werden diese zwei Handlungsebenen – die Liebes- und Emanzipations-geschichte des ursprünglich depressiven Prinzen wird ja stark durch die genannten beiden Magier gesteuert – durch eine dritte, nämlich den Streit der Anhänger verschiedener Literaturformen. Sie befeuern die eh schon skurrile, verwirrende Handlung durch wahre Salven an literatur-, und insgesamt kunstkritischen Sottisen, welche den seinerzeitigen Richtungsstreit der italienischen Komödienfürsten Carlo Gozzi und Carlo Goldoni – beide hatten ihre große Zeit in den 60er Jahren des18. Jahrhunderts – und ihre sich dahinter verbergende Vorliebe für bestimmte literarische Formen und Mittel aufs Korn nehmen.

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen - hier : Carola Wilson als Fata Morgana und Michael Ebbecke als Zauberer Celio © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen – hier : Carola Wilson als Fata Morgana und Michael Ebbecke als Zauberer Celio © Matthias Baus

Die sich daraus ergebende und in der modernen Textfassung Werner Hintzes (Auf ihn bzw. sie geht auch der neue, leicht verkürzte Titel Die Liebe zu drei Orangen zurück.) noch zugespitzte, rasant-verwirrende Tragikomödie, die sich ohne Abstriche zu einem Musterbeispiel für das Spiel auf dem und mit dem Theater entpuppt, erlebte am 2. Dezember, also rechtzeitig zum Beginn der Adventszeit, in der Stuttgarter Staatsoper als dritte Neu-Inszenierung in der noch jungen Intendanz Viktor Schoners ihre Premiere.

Und Viktor Schoner und sein Dramaturgie-Team waren weitsichtig und mutig genug, zur opernreifen Umsetzung dieses alle Grenzen der Oper überschreitenden, phantasieschwangeren Stoffes ein ebenso mutiges, wildes, ja geradezu verrücktes Quintett zu engagieren. An dessen Spitze sorgt der junge, durch allerlei außergewöhnliche Arbeiten für Film und Fernsehen bestens für diese Aufgabe empfohlene Berliner Regisseur Axel Ranisch für eine wahre Flut an Bildern, Gags und Einfällen. Deren verrücktester, gleichzeitig aber auch genialster war sicher die Idee, die Oper im Jahr 2018 als Computerspiel der frühen neunziger Jahre, es trägt den reißerischen Titel „Orange Desert III“, auf die Bühne und auch an deren als riesige Projektionsfläche dienende Rückwand zu bringen. Dafür ist der Computer-Experte Till Nowak der geeignete Partner, denn ihm gelingt es nicht nur, die immerhin zweistündige Opernhandlung komplett computergerecht und widerspruchsfrei zu visualisieren und ohne jeden Bruch in die Form einer (ehemals) zeitgenössischen Computeradaption zu bringen, sondern dabei auch die erwähnten drei Handlungsebenen wie mit Geisterhand miteinander zu verweben. So durchkreuzen und vermischen sich Sphären des Phantastischen und des Realen, des Theaters und der alltäglichen Welt in einem Fort und sorgen für eine regelrechte Orgie an Aktionen und Reaktionen, welche die Möglichkeiten des Theaters und des Spiels an sich bis zum Letzten ausreizt, gleichzeitig aber auch alle Grenzen verwischt und die Sinne herrlich verwirrt.

Axel Ranisch nutzt diese Konfusionen und die weiteren, sich daraus ergebenen Möglichkeiten – oder befeuert er sie umgekehrt durch seine Ideen noch? – für seine Lust am Erzählen, am Spiel mit Überraschungen und an der Betonung des Märchenhaft-Illusionären und entzündet einen regelrechten Vulkan an grotesken Szenen, Komik und Illusionen, wie man ihn in dieser Dichte und Form auf der Bühne äußerst selten zu sehen bekommt. Denn um so etwas erleben zu können, muss man normalerweise ins (sehr gute) Kino gehen – oder eben am Computer spielen!

Wunderbare, kongeniale Erfüllungsgehilfinnen bei der Erschaffung seiner Phantasiewelt findet Axel Ranisch in seiner Bühnenbildnerin Saskia Wunsch, die nicht nur ein Bühnenbild aus drei Ebenen schafft, die sich ähnlich der Handlung ständig verschieben und vermischen, sondern dabei auch die Grenzen zwischen dem Bildschirm-Hintergrund und der Bühne verwischt, indem sie dieser und den darauf zu sehenden Aufbauten das gleiche verpixelte Ansehen verpasst wie dem auf dem übergroßen Computerbildschirm zu verfolgendem Geschehen und dessen dabei zu sehenden Figuren.

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen - hier : Elmar Gilbertsson als Prinz und Daniel Kluge als Truffaldino © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen – hier : Elmar Gilbertsson als Prinz und Daniel Kluge als Truffaldino © Matthias Baus

Eine ähnlich phantastische Anmutung geben Bettina Werner und Claudia Irro ihren phantasievollen, unsagbar bunten und auf ganz verschiedene Kunstepochen und
-richtungen anspielenden Kostümen, mit denen sie nicht nur die Protagonistinnen und Protagonisten, sondern auch den Chor der Staatsoper Stuttgart zu charaktervollen wie schrägen Mitspielern des auf der Bühne sich entfaltenden Panoptikums machen.

Auch musikalisch bewegt sich diese Stuttgarter Produktion auf allerhöchstem Niveau, auch wenn die Musik gegen Ende der Aufführung, wenn die dramatischen, technischen und schauspielerischen Effekte kulminieren, etwas unter die Räder zu geraten droht und nicht mehr mit dem Feuerwerk an Farben, Tricks, Gags und dem dadurch entstehenden Lärm mithalten kann. Das tut aber weder dem Gesamteindruck der Aufführung noch der musikalischen Leistung der einzelnen Sängerinnen und Sänger oder der beiden großen Kollektive des Abends einen Abbruch.

Von Letztgenannten liefert das unter der besonnenen wie wagemutigen Leitung des argentinischen Dirigenten Alejo Pérez stehende Staatsorchester die sichere Grundlage für eine absolut geschlossene musikalische Darbietung. Der Dirigent und seine Musikerinnen und Musiker arbeiten dabei die zahlreichen, in der Partitur Prokofjews verborgenen komischen Elemente genauso wirkungsvoll heraus wie die vielen musikalischen Anspielungen auf Komponisten und Stile unterschiedlichster Epochen. Dabei reizt Pérez die Skala an Klangfarben und Dynamik gekonnt und mit größtmöglichem Bezug zur Bühne aus, was die Sängerinnen und Sänger, auch dank der einfühlsamen Choreografie Katharina Erlenmaiers, wunderbar ausnutzen und die von ihnen geforderten ausgeprägten Bewegungen gekonnt auf die aus dem Graben kommende Musik abstimmen, ja geradezu aus ihr heraus entwickeln.

Dies gilt nicht nur für den wie immer famosen Staatsopernchor, innerhalb dessen dem an diesem Abend am vorderen rechten Bühnenrand agierenden Männerchor der Sonderlinge, eine Mischung aus Kunstrichtern und Regie-Assistenten, der größte Anteil an Handlung wie an stimmlicher Anforderung zukommt.

Libretto und Partitur dieser sich für alle Gruppen von Zuschauern und Zuhörern bestens eignenden Oper wollen es, dass neben dem Chor auf der Bühne ein zweites Gesangskollektiv zu erleben ist, das der Solistinnen und Solisten, die allesamt an diesem Abend ihr jeweiliges Rollendebüt feiern. Sie bilden, bis auf eine Gast-Ausnahme fest zum teilweise neu formierten Haus-Ensemble gehörend, bei dieser Premiere ein Protagonisten-Ensemble der absoluten Sonderklasse.

So überzeugt Goran Juric als König mit seinem geschmeidigen, profunden Bass und seiner stimmlichen wie darstellerischen Präsenz genauso wie der alle Gefühlsschwankungen von niedergeschlagen bis manisch gekonnt ausreizende Elmar Gilbertsson als sein Sohn, also der die Handlung verursachende Prinz. Dass beide Sänger durch die neue Intendanz an das Haus am Eckensee gekommen sind, darf als ähnlicher Glücksfall bezeichnet werden wie das Engagement der an vielen Opernhäuser der Welt auftretenden Mezzosopranistin Carole Wilson als Fata Morgana. Sie gibt dieser Rolle der Zauberin genau die Mischung aus Verschlagenheit, Dämonie und Verführungskraft, die man von einer solchen Figur gemeinhin erwarten darf und überzeugt mit ihrer großen stimmlicher Verwandlungsfähigkeit genauso wie durch ihre darstellerische Wucht.

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen - hier : Daniel Kluge (Truffaldino), Matthew Anchel (Die Köchin), Elmar Gilbertsson als Prinz © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen – hier : Daniel Kluge (Truffaldino), Matthew Anchel (Die Köchin), Elmar Gilbertsson als Prinz © Matthias Baus

Als ihr Gegenüber Celio besticht der in seinem Äußeren an einen Star-Wars-Krieger erinnernde Michael Ebbecke mit baritonalem Glanz und einem für einen Zauberer fast zu würdigen Auftreten, während der famose, sich von Rolle zu Rolle zu einem Charakterdarsteller höchster Güte entwickelnde Daniel Kluge (ein ehemaliger Aurelius Sängerknabe aus Calw) als Prinzenkumpel Truffaldino ohne Abstriche zu begeistern vermag.

Die weiteren Sängerinnen Stine Marie Fischer als Prinzessin Clarice, Aytaj Shikhalizade als Linetta, Fiorella Hincapié als Smeraldina resp. Nicoletta, Esther Dierkes als Ninetta und Sänger Shigeo Ishino als Premierminister Leander, Johannes Kammler als Pantalone, Matthew Anchel als Farfarello und Köchin, Christopher Sokolowski als Zeremonienmeister und das Kinderchor-Mitglied Ben Knotz als Serjoscha nur zu erwähnen, heißt nicht, ihre Leistung und ihren Beitrag zu diesem Opernerlebnis der Extraklasse kleinzureden.

Und so zollte das begeisterte Premierenpublikum auch ihnen wie allen ausführlicher gewürdigten Mitwirkenden begeisterten Beifall, ja, das ausverkaufte Stuttgarter Opernhaus erlebte einen Jubelsturm, wie man ihn auch beim so begeisterungs-fähigen Stuttgarter Publikum äußerst selten erlebt.

Und wenn man seinen Blick kurz von den auf der Bühne feiernden und gefeierten Künstlerinnen und Künstlern abwandte und zur Intendanten-Loge im ersten Rang schweifen ließ, konnte man dort einen zufrieden lächelnden Victor Schoner sehen, der mit dieser Produktion einen weiteren herausragenden Erfolg seiner noch jungen Intendanz verbuchen darf.

Die Liebe zu den drei Orangen an der Staatsoper Stuttgart; weitere Vorstellungen 14., 17. und 19. Dezember 2018, 04. und 11. Januar sowie am 09., 14. und 22. April 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Die Liebe zu drei Orangen – Sergej Prokofjev, 02.12.2018

November 6, 2018 by  
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Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

  Die Liebe zu drei Orangen – Sergej Prokofjew

Premiere Sonntag, 02. Dezember 2018, 18 Uhr, weitere Vorstellungen : 05. / 14. / 17. / 19. Dezember 2018  – 04. / 11. Januar 2019 – 09. / 14. / 22. April 2019

– Von einem Prinzen, der nicht lachen kann –

Axel Ranisch inszeniert Die Liebe zu drei Orangen als Familienoper, Alejo Pérez dirigiert

Am Sonntag, 02. Dezember 2018, feiert Sergej Prokofjews Die Liebe zu drei Orangen Premiere im Stuttgarter Opernhaus. Der junge Berliner Filmemacher, Tatort-, Löwenzahn-, Theater- und Opernregisseur Axel Ranisch wird die skurrile Märchenoper für die ganze Familie in deutscher Sprache in Szene setzen. Die Musikalische Leitung übernimmt Alejo Pérez. Der argentinische Dirigent war jüngst in Stuttgart bei Cherubinis Medea am Pult des Staatsorchesters zu Gast und wird ab der Spielzeit 2019/20 Generalmusikdirektor der Flämischen Oper Gent / Antwerpen.

Prokofjews Oper handelt von einem Prinzen, der nicht lachen kann. Er wird schließlich zwar geheilt, gleichzeitig aber auch dazu verdammt, sich in drei Orangen zu verlieben. Im Mittelpunkt der Neuproduktion stehen der Staatsopernchor Stuttgart sowie die Sängerinnen und Sänger des Stuttgarter Solistenensembles: So sind unter anderem die neuen Ensemblemitglieder Goran Juric als Kreuz-König / Herold und Johannes Kammler als Pantalone zu erleben. Stine Marie Fischer singt erstmals Prinzessin Clarice. Aytaj Shikhalizade, Fiorella Hincapié und Esther Dierkes geben ihre Debüts als verzauberte Prinzessinnen Linetta, Nicoletta und Ninetta. Neu zum Ensemble gehört auch der isländische Tenor Elmar Gilbertsson, der alternierend mit Ensemblemitglied Kai Kluge den Prinzen verkörpert und sich mit Truffaldino – interpretiert von Ensemblemitglied Daniel Kluge – auf die abenteuerliche Suche nach den drei Orangen begibt.

Für Axel Ranisch und sein Team steht bei dieser vorweihnachtlichen Neuproduktion die Lust am Erzählen, am Märchenhaften und am Überraschenden im Vordergrund. Der Regisseur setzt dabei nicht nur auf seine eigene Fabulierkunst, sondern gibt gemäß seiner eigenen künstlerischen Biografie auch der Video- und Computerspielästhetik Raum, um Die Liebe zu drei Orangen als unterhaltsame, komische, melancholische und märchenhafte Produktion für die ganze Familie auf die Bühne zu bringen.

Hinweis : Am Samstag, 17. November 2018, laden Regisseur Axel Ranisch und das Sängerensemble interessierte Opernbesucherinnen und –besucher zu einer öffentlichen Probe von 9.45 bis 11.30 Uhr ins Opernhaus ein. Die Probe findet mit Klavierbegleitung statt. Im Anschluss an die Probe findet ein Publikumsgespräch im Foyer I. Rang statt. Der Eintritt zur öffentlichen Probe ist frei. Kostenlose Platzkarten sind ab sofort an der Theaterkasse (Theaterpassage) oder unmittelbar vor der öffentlichen Probe an der Veranstaltungskasse im Opernhaus erhältlich.

Musikalische Leitung Alejo Pérez / Christopher Schmitz (19.12.2018), Regie Axel Ranisch, Bühne Saskia Wunsch, Kostüme Bettina Werner, Claudia Irro, Licht Reinhard Traub, Dramaturgie Ingo Gerlach, Video Till Nowak, Chor Manuel Pujol,

Der Kreuz-König / Der Herold   Goran Juric, Der Prinz Elmar   Gilbertsson / Kai Kluge, Prinzessin Clarice Stine Marie Fischer, Leander Shigeo Ishino, Truffaldino Daniel Kluge, Pantalone Johannes Kammler / Dominic Große, Der Zauberer Celio Michael Ebbecke, Fata Morgana Carole Wilson, Linetta Aytaj Shikhalizade, Nicoletta / Smeraldina Fiorella Hincapié*, Ninetta Esther Dierkes, Die Köchin / Farfarello Matthew Anchel, Der Zeremonienmeister Christopher Sokolowski*, *Mitglieder des Internationalen Opernstudios

Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart, Statisterie  Staatsoper Stuttgart

 


Begleitveranstaltungen


Öffentliche Probe : Samstag, 17. November 2018, 9.45 bis 11.30 Uhr im Opernhaus Im Anschluss: Publikumsgespräch im Foyer I. Rang. Der Eintritt zur öffentlichen Probe ist frei. Kostenlose Platzkarten (für Parkett und I. Rang) sind ab sofort an der Theaterkasse (Theaterpassage) oder unmittelbar vor der öffentlichen Probe an der Veranstaltungskasse im Opernhaus erhältlich.

Einführungsmatinee : Sonntag, 18. November 2018, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Konzeption der Neuinszenierung.

Einführungen : Eine Einführung vor jeder Vorstellung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.

—| Pressemeldung Oper Stuttgart |—

München, Bayerische Staatsoper München, Les Contes d’Hoffmann 27. & 30. 07.2017

Juli 24, 2017 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Umbesetzung: In unseren Festspielvorstellungen von Les Contes d’Hoffmann am 27. und 30. Juli 2017 wird Diana Damrau die Partien der Antonia, Giulietta und Stella sowie Olga Pudova die Partie der Olympia für die erkrankte Aleksandra Kurzak übernehmen.

Weitere Umbesetzungen: In unseren Festspielvorstellungen von Semiramide am 21. und 24. Juli 2017 wird Nikola Hillebrand die Partie der Azema für die erkrankte Elsa Benoit übernehmen. Außerdem wird in unserer Festspielvorstellung von Lady Macbeth von Mzenskam 22. Juli 2017 Carole Wilson die Partie der Axinja für die erkrankte Heike Grötzinger übernehmen.

Hinweis für Vorstellungsbesucher: Aktuell gibt es mehrere Baustellen im Umkreis der Maximilianstraße. Wir empfehlen Ihnen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen und etwas mehr Zeit für die Anreise einzuplanen.

Bayerische Staatsoper / Diana Damrau © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Diana Damrau © Wilfried Hösl


Diana Damrau studierte Gesang an der Musikhochschule Würzburg. Seit ihren ersten Engagements in Würzburg, Mannheim und Frankfurt am Main ist sie regelmäßig u. a. an den Opernhäusern von New York, London, Paris, Mailand, Wien, Madrid, Brüssel, Berlin, Hamburg und Dresden sowie bei den Salzburger Festspielen zu Gast. 2007 wurde sie zur Bayerischen Kammersängerin ernannt. Ihr Repertoire umfasst Partien wie die Königin der Nacht (Die Zauberflöte), Donna Anna (Don Giovanni), Norina (Don Pasquale), Amina (La sonnambula), Gilda (Rigoletto), Elvira (I puritani), Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Sophie (Der Rosenkavalier), Leila (Les Pêcheurs de perles) und die Titelpartie in Lucia di Lammermoor. Heute Abend ist sie bei einem Festspiel-Liederabend gemeinsam mit Helmut Deutsch im Nationaltheater zu hören.


Olga Pudova, geboren in St. Petersburg, studierte am dortigen Konservatorium „N. A. Rimski-Korsakow“. Sie war Solistin der Mariinsky Academy of Young Opera Singers und im Young Singers Project of the Salzburger Festspiele. Ihr Debüt gab sie am Mariinski-Theater als Contessa di Folleville in Rossinis Il viaggio a Reims. Seither tritt sie in den großen Opernhäusern von Europa und den USA auf, darunter die Wiener Staatsoper, das Teatro Regio in Turin, die Vlaamse Opera, die Komische Oper Berlin, das Gran Teatre del Liceu in Barcelona und die Opéra national de Paris. Zu ihrem Repertoire zählen Partien wie Gilda (Rigoletto), Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Rosina (Il barbiere di Siviglia) und Königin der Nacht (Die Zauberflöte) sowie die Titelpartien in Snjegurotschka und Lucia di Lammermoor.


Nikola Hillebrand studierte Gesang bei Fenna Kügel-Seifried an der Hochschule für Musik und Theater in München. Seither widmet sie sich besonders dem Konzertrepertoire u. a. mit Händels Messias, Mozarts Exsultate Jubilate, Pergolesis Stabat Mater, Rossinis Petite Messe Solenellesowie den Liedern u. a. von Schumann, Schubert und Strauss. Auf der Opernbühne ist sie in Partien wie Blonde (Die Entführung aus dem Serail), Barbarina/Susanna (Le nozze di Figaro), Oscar (Un ballo in maschera), Königin der Nacht (Die Zauberflöte), Despina (Così fan tutte) und Sophie (Der Rosenkavalier) sowie in der Titelpartie von L’incoronazione di Poppea zu erleben, so u. a. am Theater Bonn und bei den Festivals in Glyndebourne und Salzburg. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist sie Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim.


Carole Wilson debütierte 1995 in Glyndebourne und trat seither an zahlreichen Opernhäusern auf, darunter das Royal Opera House Covent Garden in London, das Teatro alla Scala in Mailand, die Opéra national de Paris, das Teatro Real in Madrid, das Theater an der Wien, das Théâtre Royal de La Monnaie in Brüssel sowie die Opernhäuser in Amsterdam, Genf, Monte Carlo, Montpellier und Antwerpen und bei den Festspielen in Baden-Baden. Von 2014 bis 2016 war sie Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Zu ihrem Repertoire gehören Partien wie Die Hexe (Rusalka), Annina (Der Rosenkavalier), Adelaide (Arabella), Berta (Il barbiere di Siviglia), Gertrude (Roméo et Juliette), Mary (Der fliegende Holländer), Herodias (Salome) sowie Bobilikha (Schneeflöckchen).

—| Pressemeldung Bayerische Staatsoper München |—