Essen, Philharmonie Essen, Gesualdos Madrigale – Les Arts Florissants, 11.10.2019

Oktober 8, 2019 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Paul Agnew © Oscar-Ortega

Philharmonie Essen / Paul Agnew © Oscar-Ortega

Gesualdos Madrigale – mit dem Ensemble „Les Arts Florissants“

Vokalkonzert am Freitag, 11. Oktober 2019, um 20 Uhr

Welch klangvoller Name: Les Arts Florissants – die blühenden Künste! Vor genau 40 Jahren von William Christie in Paris gegründet, zählt dieses vokal-instrumentale Ensemble zu den weltweit führenden Interpreten im Bereich der Alten Musik. In der Philharmonie Essen ist die sechsköpfige Vokalformation des Ensembles am Freitag, 11. Oktober 2019, um 20 Uhr in der Reihe „Alte Musik bei Kerzenschein“ zu Gast. Unter der Leitung und Mitwirkung des Tenors Paul Agnew stehen die Madrigale aus dem dritten Buch des italienischen Renaissance-Komponisten Carlo Gesualdo im Mittelpunkt des Abends. Agnews Überzeugung: „Manchmal betrachtet als ein Verrückter, der allen Verstand verloren hat, war Gesualdo tatsächlich ein Künstler, der eine kompositorische Logik verfolgte und dazu beitrug, die Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks bis zum Äußersten zu treiben.“ Komplettiert wird das Programm mit Werken von Gesualdos Zeitgenossen Nicola Vicentino („Passa la nave mia colma d’oblio“) und Orlando di Lasso (Sibyllensprüche I bis XII).

Karten (Preis: € 28,00) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.philharmonie-essen.de

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Philharmonische Akademie, August 2019

Staatsorchester Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 

Die Philharmonische Akademie 2019

Ein Open-Air-Konzert auf dem Hamburger Rathausmarkt und fünf Akademiekonzerte in der Elbphilharmonie stehen Ende August 2019 auf dem Programm. Ein großbesetztes oratorisches Konzertprojekt mit über 450 Hamburger Chorsängerinnen und Sängern präsentiert Kent Nagano an drei Abenden im Großen Saal der Elbphilharmonie. In zwei kammermusikalisch besetzten Konzerten im Kleinen Saal sind Musiker der Philharmoniker und das US-amerikanische Vokalensemble Chanticleer zu erleben.

Während die Philharmonischen Akademiekonzerte der vergangenen Jahre noch ganz im Zeichen der intimen musikalischen Arbeit innerhalb des Philharmonischen Staatsorchesters standen, öffnete sich 2018 mit dem „Rathausmarkt-Open-Air“ das Projekt bereits weit für das Hamburger Publikum. 2019 gehen Kent Nagano und die Philharmoniker noch einen Schritt weiter und laden Hamburger Chöre ein, gemeinsam ein großes oratorisches Programm in der Elbphilharmonie aufzuführen.

Das „Te Deum“ von Hector Berlioz zählt aufgrund seiner riesigen Chorbesetzung zu den selten zu erlebenden Werken der Musikliteratur. Grund genug für Kent Nagano, damit seine Reihe großdimensionierter oratorischer Werke in der Elbphilharmonie fortzuführen, zu denen in der Vergangenheit etwa Mahlers „Symphonie der Tausend“ zählte. Im Rahmen der Philharmonischen Akademie hat Hamburgs Generalmusikdirektor nun erstmals Hamburgerinnen und Hamburger eingeladen in einem Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters mitzuwirken. Neben dem professionellen süddeutschen Chor „KlangVerwaltung“ sind elf weitere Chöre aus Hamburg und somit insgesamt über 450 Sängerinnen und Sänger an der Aufführung des „Te Deums“ beteiligt. Koordinativ unterstützt wird das Chorprojekt von der ehrenamtlich tätigen Hamburgerin Dr. Brigitte Mahn, die als begeisterte Chorsängerin ebenfalls mitsingt. Das Konzertprogramm, welches auch Mendelssohns „Walpurgisnacht“ umfasst, wird an drei Abenden vom 24.-26. August 2019 in der Elbphilharmonie zu erleben sein. Die drei Konzerte sind bereits ausverkauft (Restkarten ggf. an der Abendkasse).

Auch die beiden kammermusikalischen Akademieprogramme im Kleinen Saal der Elbphilharmonie am 25. und 27. August 2019 haben einen vokalen Schwerpunkt. Zu Gast ist das US-amerikanische Vokalensemble Chanticleer, das a-cappella-Repertoire von Hildegard von Bingen bis zu Tomás Luis de Victoria präsentiert und jeweils mit Kammermusikformationen des Philharmonischen Staatsorchesters im Wechsel auftritt.

Beschließen werden Kent Nagano und die Philharmoniker die diesjährige Philharmonische Akademie am 31. August 2019 wieder mit einem großen Open-Air-Konzert auf dem Hamburger Rathausmarkt. Bei freiem Eintritt präsentieren die Philharmoniker Gershwins populäre „Rhapsody in Blue“, Brahms erste Symphonie sowie weiteres Überraschungsprogramm. Die rund 2.500 Sitzplätze auf dem Rathausmarkt werden ab 19.00 Uhr freigeben.

Hintergrund

Kent Nagano hat die „Philharmonische Akademie“ zu Beginn seiner Amtszeit als Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Seitdem bilden diese Konzerte den Auftakt zur jeweils neuen Opern- und Konzertsaison. Nagano und die Philharmoniker verstehen darunter ein „offenes“ Projekt, ebenso experimentell ausgerichtet wie immer auch bedeutenden Komponisten, wichtigen Themen und musikalisch-inhaltlichen Erkundungen gewidmet. Die Musiker des Orchesters ordnen sich zu kleinen und größeren Gruppen, Kollektiven und Ensembles und begeben sich an Spielorte wie die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, das Planetarium oder das Hamburger Rathaus. 2018 spielten die Philharmoniker unter Kent Nagano erstmals open-air auf dem Hamburger Rathausmarkt und begeisterten rund 7.000 Zuhörer mit diesem musikalischen Geschenk an ihre Stadt.

Philharmonische Akademie 2017
youtube Trailer Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
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Übersicht über die Akademiekonzerte 2019


1. Akademiekonzert
Samstag, 24. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 20.00 Uhr
Sonntag, 25. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 19.00 Uhr
Montag, 26. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 20.00 Uhr

Felix Mendelssohn Bartholdy: Die erste Walpurgisnacht op. 60
Hector Berlioz: Te Deum op. 22
Kent Nagano, Dirigent
Annika Schlicht, Alt
Pavel Cernoch, Tenor
Thomas E. Bauer, Bass
Alsterspatzen – Kinderchor der Hamburgischen Staatsoper
Jugendkantorei Volksdorf
Kinder- und Jugendsingschule St. Michaelis
Kinderkantorei Bergstedt und Volksdorf
Cappella Vocale Blankenese
Compagnia Vocale Hamburg
Franz-Schubert-Chor Hamburg
Hamburger Bachchor St. Petri
Kammerchor Cantico
stimmwerk hamburg
Vokalensemble conSonanz
Chor der KlangVerwaltung
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
ausverkauft (ggf. Restkarten an der AK zu € 83,00 / 65,00 / 51,00 / 36,00 / 14,00)


2. Akademiekonzert
Sonntag, 25. August 2019, Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 11.00 Uhr
Hildegard von Bingen: O frondens virga
Josquin des Prez: Sanctus & Benedictus aus: Missa La Sol Fa Re Mi
Charles Gounod: Petite Symphonie B-Dur für Bläser
Felix Mendelssohn Bartholdy: Jubilate Deo op. 69,2
Johannes Brahms: Motette „Es ist das Heil uns kommen her“ op. 29,1
Antonín Dvorák: Serenade d-Moll op. 44
Chanticleer
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35,00 / 28,00 / 21,00 / 12,00


3. Akademiekonzert
Dienstag, 27. August 2019, Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 19.30 Uhr
Claudio Monteverdi: Madrigale
Carlo Gesualdo: Madrigale
Tomás Luis de Victoria: Motetten
Felix Mendelssohn Bartholdy: Oktett Es-Dur op. 20
Chanticleer
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35,00 / 28,00 / 21,00 / 12,00


Rathausmarkt-Open-Air
Samstag, 31. August 2019, Rathausmarkt, 20.00 Uhr
Johannes Brahms: Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68
George Gershwin: „Someone to watch over me“, „I got rhythm“, „Summertime“
George Gershwin: Rhapsody in Blue
sowie weiteres Überraschungsprogramm
Kent Nagano, Dirigent
Elbenita Kajtazi, Sopran
Oleksiy Palchykov, Tenor
Gilles Vonsattel, Klavier
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Eintritt frei


Karten : Restkarten für die Konzerte im Großen Saal der Elbphilharmonie gibt es ggf. in der Woche vor den Konzertterminen beim Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper, unter 040 35 68 68 sowie an der Abendkasse in der Elbphilharmonie.

Karten für die Konzerte im Kleinen Saal der Elbphilharmonie gibt es ebenfalls an den genannten Adressen sowie auch online unter www.staatsorchester-hamburg.de.

Der Eintritt für das Open-Air-Konzert ist frei. Die rund 2.500 Sitzplätze auf dem Rathausmarkt werden ab 19.00 Uhr freigeben.

—| Pressemeldung Staatsorchester Hamburg |—

Düsseldorf, Tonhalle, Christian Gerhaher – Liederabend mit drei Sternen, IOCO Kritik, 24.11.2017

November 27, 2017 by  
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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Bariton Christian Gerhaher und Pianist James Cheung

Liederabend mit drei Sternen in der Tonhalle

Von Albrecht Schneider

Moro, lasso, al mio duolo…
Mit der vibratolos gesungenen ersten Zeile des Madrigals von Carlo Gesualdo, mit deren fahlen dunklen Vokalen beginnt eine der Klagen über ein unseliges Schicksal. Die oft peinigende Beschaffenheit der Welt, die Bösartigkeit der Menschen, eine tötende Liebe und die düstere Drohung des Todes fassen die Dichter in Sprachbilder. Und die Musik weitet sie in eine vierte Dimension. Dann ist es die Sache der Interpreten, ob das kleine Kunstwerk zu Verstand und Gefühl der ZuhörerInnen durchdringt.

Tonhalle Düsseldorf / Christian Gerhaher © Sony / Gregor Hohenberg

Tonhalle Düsseldorf / Christian Gerhaher © Sony / Gregor Hohenberg

Das Programm des Abends lautete: „Schmerztherapie“
Lieder von Gesualdo, Johannes Brahms, Benjamin Britten. Claude Debussy und Franz Schubert stehen demnach unter Heilungsverdacht. Oder ist es deren Magie? Zauber? Oder doch bloß Placebo? Gar Aphrodisiakum? Nein, da sei der Teufel vor!
Zu Rezeption eines Gedichtes bedarf es keines Tons, Buchstaben genügen. In Musik gesetzt, als Lied, bleibt es einzig Druckerschwärze, sofern nicht die menschliche Stimme sich seiner annimmt.

Des Kunstlieds Gestaltung ereignet sich als eine der intimsten Formen des Konzertierens. Sänger und Klavierspieler stehen dort vorn, stehen dort unten, ein einsames Paar in der Weite des Konzertsaals. Musikanten, ausgeliefert dem Monster Publikum. Hustet es, läutet das Handy, wacht es oder lehnt es sich harmoniensüchtig und versunken zurück in seinen Stuhl? Oder möchte es die zwei wirklich erzählen hören von dem denkbaren, dem phantastischen, mythischen und dem profanen Weltgeschehen?

Ein Geiger, der eine Stradivari namens Lady Blunt streicht, wird kraft seiner Kunst all ihr Potential zum Tönen bringen. Der Protagonist dieses Abends (eine Klassifizierung als ‚Star‘ käme in seinem Fall ob dem Verschleiß dieses Begriffs einer Degradierung gleich) spielte mit gleicher Bravour ein anderes Instrument von nicht geringerer Güte: die Stimme Christian Gerhaher. Wer bislang diesen Sänger vom Namen her nicht kannte, der sollte von ihm erfahren, wie stupend er von Gesualdo bis zu den Komponisten unserer Zeit deren Intentionen gedanklich und musikalisch erfasst und souverän in Sprache und Ton umsetzt. Ihm zu zuhören bedeutet nicht, sich in Belcanto hüllen zu lassen, weil ihm die ‚Fülle des Wohllauts‘ (Thomas Mann) eignet, vielmehr mittels seiner Meisterschaft von diesen sublimen Kunstgebilden angesprochen, ja getroffen zu werden.

Tonhalle Düsseldorf / Liederabend Christian Gerhaher und James Cheung © Susanne Diesner

Tonhalle Düsseldorf / Liederabend Christian Gerhaher und James Cheung © Susanne Diesner

Nunmehr muss die Rede sein von dem ihm ebenbürtigen James Cheung am Klavier. Der Pianist begleitete mit Verve den Sänger auf dessen Gang zur Schmerztherapie durch die musikalischen Räume. Nicht als dessen gefälliger Untergebener, sondern als ein absoluter Instrumentalist, der sich einem die Kantilene der Stimme tragenden Klanggerüst verpflichtet wusste. Und der jeden Klavierpart makellos exekutierte, insbesondere den ausschweifenden, diffizilen eines Benjamin Britten. Beide Künstler gestalteten gemeinsam das eindrückliche Ganze.

Nach der Wehklage des Gesualdo durchwanderte Christian Gerhaher des Johannes Brahms dunklere metaphorische Landschaften, die dem Mensch abwechselnd beschaulichen wie minder erbaulichen Aufenthalt gewähren. Die hochromantischen, elaborierten Gesänge, oft etwas Volksliedhaftes beibehaltend, wirkten gleichwohl in des Baritons Wiedergabe weniger schmerzlindernd denn schmerzhaft.

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Büste in Aldeburgh © IOCO

Benjamin Brittens Vertonung der >Songs & Proverbs of William Blake< liegen triste Texte zugrunde. Dementsprechend sperrig klangen diese Elegien, fast gläsern hart, erfroren, weswegen man fürchten könnte, fielen sie auf den Boden, würden sie zerspringen. Nein, die Stimme beherrschte jeden Kälte- und Schwierigkeitsgrad einer Tonsprache, welche die düsteren Dichtungen in freier Tonalität reflektiert und dem Pianisten eine gewisse Virtuosität abverlangt.

Nach der Pause, das affektenreiche wie grantige Klima englischer Gesänge hinter sich lassend, erschloss Christian Gerhaher die lichtere, eher mediterrane Klangwelt des Claude Debussy. Der Franzose sparte bei der Komposition der Verse altfranzösischer Poeten nicht mit den Farben seiner Musikpalette, und sie begannen noch stärker zu leuchten, bisweilen geradezu grell, bei den mitunter nicht geringer grellen Trois Poèmes des Stéphane Mallarmé. Wunder nahm aufs Neue derartiger in Prosodie makelloser wie emphatischer Ausdruck der hochartifiziellen Stücke durch den Künstler.

Franz Schubert in Wien © IOCO

Franz Schubert in Wien © IOCO

Auf dem Weg zur angesagten Schmerztherapie stand am Ende  Franz Schubert. Aus dessen letzter Liederfolge, im Todesjahr 1828 geschrieben und später von dem verkaufstüchtigen Verleger Tobias Haslinger als >Schwanen-Gesang< vermarktet, brachte Christian Gerhaher die von Heinrich Heines Lyrik inspirierte Liedgruppe zu Gehör.

Der Künstler indessen entließ ein – leider – weitgehend älteres Publikum nicht schmerzdurchdrungen und nicht mit solchem Jammer im Ohr. Als Zugabe brachte er die >Taubenpost<, worin von der Sehnsucht als einem geflügelten, zielbewussten Postboten gesungen wird. Für das Zeitalter der E-Mails und SMS eine anachronistische, sehr poetische Erfindung.  Allein der einer Therapie bedürftige Mensch, Schmerzensmann wie Schmerzensfrau, bleibt eine aktuelle Wahrheit.

Einem grandiosen Künstler samt Klavierpartner angemessen der Applaus

—| IOCO Kritik Tonhalle Düsseldorf |—