Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 2019/20: Barocktage, Premieren, Kinderorchester und mehr, IOCO Aktuell, 16.08.2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden –   Die  Saison 2019/20

– IOCO stellt vor –

Die Akzente der Berliner Staatsoper Unter den Lindender Spielzeit 2019/20: Sieben Premieren im Großen Haus; das Format LINDEN 21 (zwei Uraufführungen, eine Deutschen Erstaufführung, zwei Wiederaufnahmen); die zweiten BAROCKTAGE vom 1. bis 10. November 2019, mit Fokus auf Scarlatti und Purcell; die 25. Ausgabe der FESTTAGE (4. bis 12. April 2020, mit dem Beginn eines neuen Mozart-Da-Ponte-Zyklus’ und zyklischer Aufführung sämtlicher Sinfonien von Beethoven). Dazu bietet das Programm 28 wiederaufgenommene Musiktheaterwerke sowie mehr als 70 Konzerte. Insgesamt präsentiert die Staatsoper Unter den Linden 2019/20 über 300 Veranstaltungen, zudem zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Darüber hinaus feiert die Staatskapelle Berlin 2020 ihr 450-jähriges Bestehen: Ein Jubiläum, das in den Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 im Fokus stehen wird.

 Staatsoper Unter den Linden / Daniel Barenboim © Christian Mang

Staatsoper Unter den Linden / Daniel Barenboim © Christian Mang

SIEBEN PREMIEREN – André Heller inszeniert Rosenkavalier

Bei den sieben Premieren der Spielzeit 2019/20 wird es sechs Regie-Hausdebüts geben: Erstmals inszenieren an der Berliner Staatsoper David Bösch, Romeo Castellucci, Damián Szifron, André Heller, David McVicar sowie Vincent Huguet. Die siebte Premiere inszeniert Claus Guth, der damit seine sechste Regiearbeit am Haus zeigt. Bei den Premieren von LINDEN21 werden zudem Letizia Renzini, Pauline Beaulieu und Thom Luz ihr Hausdebüt an der Staatsoper Unter den Linden geben.

Daniel Barenboim wird in der Spielzeit 2019/20 die Eröffnungspremiere von Otto Nicolais DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR am 3. Oktober 2019 in der Regie von David Bösch dirigieren. 1849 an der Berliner Staatsoper (der damaligen Königlichen Hofoper Berlin) uraufgeführt, kehrt das Werk nun mehr als 30 Jahre nach der letzen Inszenierung wieder ans Haus zurück. René Pape gibt als Sir John Falstaff sein Rollendebüt, daneben sind u. a. Michael Volle, Pavol Breslik und Anna Prohaska zu erleben. Das Falstaff-Thema wird sich auch im weiteren Programm wiederfinden, mit der Wiederaufnahme von Verdis FALSTAFF sowie beim I. Abonnementkonzert mit Elgars Symphonischer Studie Falstaff.

Die Zauberflöte2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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Der argentinische Filmregisseur Damián Szifron, der mit seinem Film Wild Tales – Jeder dreht mal durch 2015 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, wird in der kommenden Spielzeit sein Opernregiedebüt geben. Gemeinsam mit Daniel Barenboim wird er Camille Saint-Saëns’ SAMSON ET DALILA (24. November 2019) erarbeiten. In den Titelrollen sind Brandon Jovanovich, der damit sein Haus- und Rollendebüt gibt, sowie Elena Garanca zu erleben.

Die FESTTAGE-Premiere, unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim, wird am 5. April 2020 Mozarts COSÌ FAN TUTTE sein. Diese Neuproduktion bildet den Auftakt eines Mozart-Da-Ponte-Zyklus’ zu den FESTTAGEN 2020 bis 2022, den Daniel Barenboim gemeinsam mit dem französischen Regisseur Vincent Huguet realisiert. Zum Ensemble zählen Elsa Dreisig (Rollendebüt Fiordiligi), Marianne Crebassa (Rollendebüt Dorabella), Paolo Fanale (Ferrando), Gyula Orendt (Guglielmo), Ferruccio Furlanetto (Don Alfonso) und Barbara Frittoli (Rollendebüt Despina).

Das Rheingold – 2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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 Daniel Barenboim wird zwei Mal Wagners RING-Tetralogie dirigieren, der in der Regie von Guy Cassiers zum ersten Mal Unter den Linden zu erleben ist, sowie die Wie-deraufnahmen von Verdis FALSTAFF (Januar / Februar 2020) und Bizets CARMEN (März 2020), die in der Regie von Martin Kušej nach neun Jahren wieder zu sehen ist. Im Konzertprogramm wird der Generalmusikdirektor vier Abonnementkonzerte der Staatskapelle Berlin gestalten. Des Weiteren dirigiert er 2019/20 den Zyklus sämtlicher Beethoven-Sinfonien während der FESTTAGE, die Konzerte zum Jahreswechsel und ein Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Paris.

Neben COSÌ FAN TUTTE wird es in der kommenden Spielzeit mit IDOMENEO (22. März 2020) eine weitere Mozart-Neuproduktion geben, dirigiert von Simon Rattle, der diese Oper zu seinen Lieblingswerken zählt. Erstmals arbeitet Rattle dabei mit Regisseur David McVicar zusam-men. Protagonisten sind u. a. Andrew Staples (Idomeneo), Magdalena Kožená (Idamante), Anna Prohaska (Rollendebüt Ilia) und Olga Peretyatko (Rollendebüt Elettra). Ein verstärkter Fokus auf Mozart zeigt sich auch im weiteren Programm mit den Wiederaufnahmen von DIE ZAUBERFLÖTE, DON GIOVANNI, LE NOZZE DI FIGARO sowie im Konzert- und Jugendprogramm.

Der fliegende Holländer2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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Mit Richard Strauss’ DER ROSENKAVALIER (9. Februar 2020) wird der Multimedia-künstler André Heller seine erste Oper inszenieren. Die musikalische Leitung übernimmt der Ehrendirigent der Staatskapelle Berlin, Zubin Mehta. Als Bühnenbildnerin konnte die österrei-chische Malerin Xenia Hausner gewonnen werden. Die Kostüme gestaltet der österreichische Modedesigner Arthur Arbesser. René Pape gibt hierbei sein Rollendebüt als Baron Ochs auf Lerchenau, ihm zur Seite stehen u. a. Camilla Nylund (Feldmarschallin), Michèle Losier (Rollendebüt Octavian), Roman Trekel (Herr von Faninal) und Nadine Sierra (Rollendebüt Sophie).

Dem Komponisten und Dirigenten Richard Strauss, der 20 Jahre als Hofkapellmeister und GMD an der Berliner Hofoper tätig war, ist in der Spielzeit 2019/20 ein Schwerpunkt gewidmet, der sich neben der Neuproduktion von DER ROSENKAVALIER in der Wiederaufnahme von SALOME sowie im Konzertprogramm, insbesondere in der Kammermusik, fortsetzt.

Mit CHOWANSCHTSCHINA von Modest Mussorgsky wird eine Oper des russischen Re-pertoires gespielt, die erstmals seit 1958 wieder an der Staatsoper Unter den Linden Premiere feiert. Vladimir Jurowski, Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und künftiger GMD der Bayerischen Staatsoper, wird mit dieser Neuproduktion sein Hausdebüt geben und die Staatskapelle Berlin zum ersten Mal dirigieren. Regie führt Claus Guth (7. Juni 2020), mit u. a. Mika Kares (Rollendebüt  Fürst Iwan Chowanski), Sergey Skorokhodov (Fürst Andrei Chowanski), John Daszak (Fürst Wassili Golizyn), Vladislav Sulimsky (Bojar Schaklowity), Alexey Tikhomirov (Dosifei), Marina Prudenskaya (Marfa), Andrea Danková (Susanna), Gerhard Siegel (Schreiber) und Anna Samuil (Emma).

Rigoletto 2019/20 auf dem Spielplan der Staatsoper
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BAROCKTAGE – 1. – 10. November 2019

IL PRIMO OMICIDIO von Alessandro Scarlatti ist die BAROCKTAGE-Premiere am 1. November 2019. René Jacobs dirigiert damit seine 27. Neuproduktion am Haus. Diesmal leitet er das belgische Ensemble B’ROCK ORCHESTRA, das erstmals an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben ist. Für Regisseur Romeo Castellucci ist es ein Berliner Operndebüt. Zum Ensemble zählen Kristina Hammarström (Caino), Olivia Vermeulen (Abel), Brigitte Christensen (Eva), Thomas Walker (Adamo), Benno Schachtner (Voce di Dio) und Arttu Kataja (Voce di Lucifero). Die Premiere ist eine Koproduktion mit der Opéra national de Paris und dem Teatro Massimo, Palermo. Die BAROCKTAGE finden 2019 vom 1. bis 10. November statt und widmen sich in der zweiten Ausgabe Alessandro Scarlatti und Henry Purcell im Spannungsfeld zwischen dem italie-nischen und dem englischen Barock. Neben der Premiere sind die Wiederaufnahmen von Purcells DIDO & AENEAS und KING ARTHUR zu erleben sowie die LINDEN 21-Uraufführung LOVE, YOU SON OF A BITCH – eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, bei der Werke von Alessandro und Domenico Scarlatti mit Live-Elektronik verschmelzen (Uraufführung: 25. Oktober, weitere Vorstellungen im Oktober sowie während der Barocktage). Das weitere Programm umfasst einen Round table sowie 16 Konzerte, die sich ebenfalls schwerpunktmäßig den beiden Komponisten Scarlatti und Purcell widmen. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau.

LINDEN 21 – 2 Uraufführungen

LINDEN 21 umfasst die Produktionen und Projekte des Spielplans, die den vielfältigen Formen zeitgenössischen Musiktheaters nachspüren. 2019/20 wird es dabei zwei Uraufführungen, eine Deutsche Erstaufführung sowie zwei Wiederaufnahmen – USHER von Claude Debussy / Annelies Van Parys in der Regie von Philipp Quesne sowie HIMMELERDE, ein Maskenmusiktheater von Familie Flöz und der Musicbanda Franui – geben.

Die erste LINDEN 21-Produktion der neuen Spielzeit wird am 25. Oktober 2019 im Alten Orchesterprobensaal die Uraufführung von LOVE, YOU SON OF A BITCH, eine Stückentwicklung von Letizia Renzini, sein. Arbeiten von ihr waren u. a. bei der Biennale Venedig, im Tanzeshus Stockholm, dem Royal Opera House London und der Philharmonie Luxembourg zu sehen.

Obwohl Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzensberger viel über eine kleine Fassung ihrer 1974 uraufgeführten Fernsehoper LA CUBANA diskutierten, kam es vor Henzes Tod 2012 nicht zur Realisierung dieses Projekts. Mit LA PICCOLA CUBANA (Deutsche Erstaufführung: 28. April 2020, Alter Orchesterprobensaal) kommt die kammermusikalische Fassung dieses Werks – um die Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba – in einer Einrichtung von Jobst Liebrecht, unter der musikalischen Leitung von Peter Ruzicka und in der Regie von Pauline Beaulieu erstmals zur Aufführung. LA PICCOLA CUBANA ist eine Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg, wo das Werk Anfang April 2020 uraufgeführt wird.

Thom Luz, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zum Theatertreffen eingeladen ist und 2014 von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt wurde, ist ein Grenz-gänger zwischen Sprech- und Musiktheater. Gemeinsam mit dem Musiker und Arrangeur Mathias Weibel hat Luz in den letzten Jahren eine Theatersprache entwickelt, die Stille, Bewegung, Text und Musik zu dichten, atmosphärischen Raumkompositionen verbindet. Die 1682 von dem Musiker und Musiktheoretiker Andreas Werckmeister formulierten Grundlagen zur wohltemperierten Klavierstimmung werden zum Ausganspunkt ihrer ersten Arbeit an der Staatsoper, in der sie sich unter dem Titel WERCKMEISTER HARMONIEN mit dem Schaffen und der Auf lösung von Ordnungen beschäftigen und nach einer Wahrheit im Zweifel suchen, im Raum zwischen den schwarzen und weißen Tasten (Uraufführung: 19. Juni 2020, Apollosaal). Die Produktion findet in Kooperation mit dem Theater Gessnerallee Zürich statt.

Staatsoper für Alle – Auch 2020 – Mit Sonderkonzert zum 450-jährigen Bestehen der Staatskapelle
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JUBILÄUM  – 450 JAHRE STAATSKAPELLE BERLIN

2020 blickt die Staatskapelle Berlin auf ihr bereits 450-jähriges Bestehen zurück. Grund genug dieses Jubiläum im Kalenderjahr 2020 – über die Spielzeiten 2019/20 sowie 2020/21 hinweg – zu feiern: Bereits mit den Konzerten zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020 wird das Jubiläumsjahr eingeläutet, das zu Anfang der Spielzeit 2020/21 mit einer FESTWOCHE im September seinen Höhepunkt findet – u. a. mit Sonderkonzerten wie STAATSOPER FÜR ALLE, dem KONZERT FÜR BERLIN in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und einem großen Geburtstagsfest in der Staatsoper Unter den Linden. Das Jubiläum wird über die Auftritte hinaus mit einer Buchpublikation, einer CD-Edition sowie einer Ausstellung zur Geschichte der Staatskapelle bedacht. Außerdem kommt es im Februar 2020 zum Abschluss der Symposionsreihe 450 Jahre Staatskapelle Berlin.

K O N Z E R T P R O G R A M M

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Program-men – im Opernhaus Unter den Linden sowie in der Philharmonie. Vier Doppeltermine stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim. Die weiteren Abonnementkonzerte werden geleitet von Zubin Mehta, Antonio Pappano, Herbert Blomstedt und Lahav Shani, der beim ersten Abonnementkonzert unter der Leitung von Daniel Barenboim ebenfalls als Solist am Klavier zu erleben ist. Weitere Solistinnen und Solisten sind Lisa Batiashvili (Violine), Martha Argerich ( Klavier), Yuja Wang ( Klavier), Pinchas Zukerman (Violine), Renaud Capuçon (Violine), Christian Schmitt (Orgel) sowie die Mezzosopranistin Elena Garanca. Die Sinfoniekonzerte schlagen dabei immer wieder Querverbindungen zum Opernprogramm, z. B. mit Edward Elgars Symphonischer Studie Falstaff« mit einem Camille Saint-Saëns gewidmeten Programm, mit Modest Mussorgskys Bildern einer Ausstellung sowie mit mehreren Werken von Mozart. Beim VII. Abonnementkonzert kommt Benjamin Attahirs Violinkonzert mit Renaud Capuçon als Auftragswerk der Daniel Barenboim Stiftung zur Uraufführung.

Anlässlich des Beethoven-Jahrs bringen die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim während der FESTTAGE 2020 alle neun Sinfonien Beethovens an vier Terminen zyklisch zur Aufführung. Ergänzt wird das Konzertprogramm durch ein Klavierrecital mit András Schiff, das sich Beethoven und Mozart widmet. Ebenfalls wieder während der FESTTAGE ist das Opernkinderorchester zu erleben. Unter der Leitung von Max Renne spielen die Kinder Auszüge aus den 2019/20-Premieren IDOMENEO, COSÌ FAN TUTTE und SAMSON ET DALILA sowie aus CARMEN.

Die 16 BAROCKTAGE-Konzerte (1. bis 10. November) widmen sich schwerpunktmäßig den Komponisten Scarlatti und Purcell. Zu den Gästen des Festivals zählen u. a. die Akademie für Alte Musik unter Fabio Biondi mit Raffaella Milanesi, Roberta Invernizzi, Sonia Prina und Aaron Sheehan als Solisten, die Scarlattis Oratorium La Vergine addolorata zur Aufführung bringen, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, der RIAS Kammerchor unter Robert Hollingworth, The Talis Scholars unter Peter Phillips, die Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone mit Serena Sáenz Molinero und Delphine Galou als Solistinnen, sowie Christian Zacharias, Dorothee Oberlinger, Margret Köll und Jean Rondeau. Unter der Leitung von Matthias Wilke spielen Mitglieder der Staatskapelle Berlin innerhalb des Festivals zwei Konzerte der Reihe Preußens Hofmusik mit Werken von Purcell.

Für junge Menschen von 6 bis 9 Jahren wird es ein Kinderkonzert mit Mitgliedern der Akademie für Alte Musik geben. Die Konzerte finden im Apollosaal, im Großen Saal sowie im Pierre Boulez Saal statt. Im November 2019 werden die Staatskapelle Berlin und ihr Generalmusikdirektor Daniel Barenboim mit den vier Sinfonien von Johannes Brahms in der Philharmonie de Paris zu Gast sein.

Bei den Konzerten zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2019 und 1. Januar 2020 erklingt Beethovens Sinfonie Nr. 9 unter der Leitung von Daniel Barenboim, mit Elena Stikhina, Marina Prudenskaya, Andreas Schager und René Pape als Solisten sowie mit dem Staatsopernchor. Des Weiteren wird mit Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 450 das Jubiläumsjahr 450 Jahre Staatskapelle Berlin eingeläutet, das 2020 gefeiert wird und zu Anfang der Spielzeit 2020/21 mit einer FESTWOCHE seinen Höhepunkt f indet.

Die Staatskapelle Berlin wird unter der musikalischen Leitung von Ilan Volkov die Uraufführung des Staatsballetts von Georg Friedrich Haas’ SYM-PHONIE MMXX in der Choreographie von Sasha Waltz zur Aufführung bringen (Uraufführung: 25. April 2020).

Die zehn Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle Berlin widmen sich 2019/20 dem kammermusikalischen Schaffen von Richard Strauss, der mit der Geschichte der Staatskapelle Berlin eng verbunden ist und das Orchester als Hof kapellmeister und GMD weit über 1000 Mal in Oper und Konzert dirigierte. Die selten zu hörenden Kompositionen werden in Beziehung gesetzt zu Werken seiner Zeitgenossen und Vorbilder.

Zu den weiteren Konzerten zählen das Klimakonzert des Orchesters des Wandels, das Adventskonzert mit dem Kinderchor, Konzerte im Pierre Boulez Saal, die Konzertreihe Preußens Hofmusik, die Museumskonzerte im Bode-Museum, Kinderkonzerte, Konzerte mit dem Interna-tionalen Opernstudio und der Orchesterakademie bei der Staatskapelle Berlin, Chorkonzerte sowie Sonderprogramme mit Gästen.

2019/20 finden Liedrecitals mit u. a. Angela Gheorghiu, Philippe Jaroussky und Renée Fleming im Großen Haus sowie mit Ensemblesolistinnen und -solisten der Staatsoper Unter den Linden im Apollosaal statt.

Le Nozze di Figaro2019/20 dem Spielplan der Staatsoper
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KINDER- UND JUGENDPROGRAMM

Seit Februar 2018 sind 88 Kinder, 7 bis 12 Jahre alt, Mitglied im Opernkinderorchester. In enger Zusammenarbeit mit den Berliner Musikschulen ermöglichen die Staatsoper und die Staatskapelle Berlin damit Kindern eine Teilhabe am professionellen Opernbetrieb und unterstüt-zen sie so in ihrer individuellen Entwicklung. Zweimal monatlich nehmen die Kinder an gemein-samen Stimmproben mit Musikpädagoginnen und -pädagogen, Musikerinnen und Musikern der Staatskapelle Berlin sowie an Orchesterproben unter der Leitung von Max Renne teil. Unter seiner musikalischen Leitung werden die jungen Musikerinnen und Musiker 2020 in drei Konzerten eine Brücke zum Opernprogramm 2019/20 schlagen, mit Auszügen aus IDOMENEO, COSÌ FAN TUTTE, CARMEN und SAMSON ET DALILA (12. April im Rahmen der FESTTAGE sowie 21. und 26. April 2020).

Das Kinderopernhaus Berlin, das inzwischen in vielen Schulen fest verankert ist, gehört ebenso wie das Opernkinderorchester zum Herzstück der Educationarbeit an der Staatsoper. Im Ursprungsbezirk Lichtenberg, ebenso aber auch in Marzahn und Reinickendorf existieren regionale Zentren, an insgesamt zehn Orten sind Schul-AGs initiiert worden, während in der Staatsoper Unter den Linden seit der Spielzeit 2018/19 die Fäden zusammenlaufen. Insgesamt werden Hunderte von Kindern aus allen Berliner Bezirken erreicht, die zum Teil erstmals mit der Kunstform Oper in Berührung kommen. In der Spielzeit 2019/20 beschäftigt sich das Kinderopernhaus Berlin mit dem jungen Mozart. Unter Anleitung erfahrener Profis aus der Opernwelt erarbeiten die Kinder dabei selbst eine Oper, auf Anregung und unter Verwendung von Mozarts Musik.  Unter dem Titel FINTA MIT FINTEN – DER JUNGE MOZART KOMPONIERT wird diese Produktion am 29. Mai 2020 im Alten Orchesterprobensaal Premiere feiern.

Als Kinderopernproduktion wird SCHNEEWITTCHEN von Wolfgang Mitterer nach Engelbert Humperdinck in der Inszenierung von Constanze Albert wieder zu erleben sein (Wieder-aufnahme: 13. März 2020). In ihrer gemeinsamen Produktion HOMO DEUS beschäftigen sich der Jugendklub und der Jugendchor mit Biotechnik, Cyborgs und künstliche Intelligenz und suchen nach der Absurdität und Poesie in der Welt der Zukunft (Premiere: 15. Mai 2020).

Für die Altersgruppen 3 – 5 Jahre, 6 – 9 Jahre und 10 – 12 Jahre werden Kinderkonzerte angeboten, die ebenfalls in Festivals wie die BAROCKTAGE eingebunden sind. Das weitere Angebot umfasst Workshops, Probenbesuche, die Kompositionswerkstatt, Projekte wie Rhapsody in School oder TUSCH – Theater und Schule, ein Opernreporter-Projekt, den Jugendklub sowie den Jugendchor.

—| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |—

Zürich, Opernhaus Zürich, 2019/20 – 9 Opernpremieren: Iphigénie, Makropulos, Belshazzar …, IOCO Aktuell, 15.08.2019

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich / Aussenansicht © Dominic Büttner

2019/20 : Operhaus Zürich – 9 Oper-, 3 Ballettpremieren, 17 WA

– IOCO stellt vor –

Das Opernhaus Zürich, früher Stadttheater Zürich, liegt im Zentrum von Zürich, am Sechseläutenplatz. Auf 1.100 Plätzen bietet es ein reiches kulturelles Angebot. 2017/18 besuchten 247.000 Besucher 327 Vorstellungen. Die Auslastungen auf der Hauptbühne der Spielzeit 2017/18  betrugen: Gesamtauslastung: 90.0% (Vorjahr: 85.1%), Auslastung Sparte Oper 88.3% (Vorjahr: 84.7%), Auslastung  Sparte  Ballett Zürich  98.0% (Vorjahr: 89.8%).

Der Spielplan für die Saison 2019/2020 enthält 350 Vorstellungen: Neun Opern-premieren und drei Premieren des Balletts Zürich auf der Hauptbühne sowie siebzehn Wiederaufnahmen des Opernrepertoires und fünf des Balletts bilden das Rückgrat des Hauses. Eine Neuproduktion des Internationalen Opernstudios am Theater Winterthur und eine Neuproduktion aus der Serie Junge Choreografen auf der Studiobühne, neun Konzerte der Philharmonia Zürich und des Spezialensembles Orchestra La Scintilla, sieben Liederabende mit Starsolisten, ein Opernball, der sich zum 20. Mal jährt sowie zahlreiche Angebote für Kinder, junge Erwachsene und Familien sind Teil eines Spielplans. Den Anfang der Saison 2019/20 macht ein grosses Eröffnungsfest und den Abschluss traditionell die Live-Übertragung oper für alle.

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

Operhaus Zürich / Zuschauerraum © Dominic Büttner

 PREMIEREN  OPER

Seit über dreissig Jahren ist Cecilia Bartoli dem Opernhaus verbunden. In der Saison 2019/20 steht eine Neuproduktion mit der Ausnahmekünstlerin auf dem Programm. Die Inszenierung von Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Tauride liegt in den Händen des Hausherrn Andreas Homoki. Die erste gemeinsame Arbeit der beiden wird von Gianluca Capuano am Pult der Philharmonia Zürich begleitet. Das Opernhaus Zürich hat dem jungen Schweizer Komponisten Stefan Wirth einen Kompositions-auftrag erteilt und kann ab Mai 2020 Girl with a Pearl Earring dem Publikum vorstellen. Die Handlung dieser Uraufführung kreist um die Entstehung eines Gemäldes von Jan Vermeer und basiert auf dem Bestseller von Tracey Chevalier, der mit Scarlett Johansson und Colin Firth verfilmt wurde.

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel - 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Opernaus Zürich / Hänsel und Gretel – 2019 wieder auf dem Spielplan © Tanja Dorendorf

Die hochkarätige Besetzung bringt ein Wiedersehen mit Thomas Hampson als Malerikone. Felicity Palmer, Laura Aikin und die junge Amerikanerin Lauren Snouffer stehen eben-falls für den hohen Anspruch dieses Projektes. Die Eröffnungspremiere der Saison widmet sich einer 337 Jahre alten Femme fatale. In Die Sache Makropulos von Leoš Janácek, wird Evelyn Herlitzius zum ersten Mal in einer Neuproduktion am Opernhaus Zürich zu erleben sein. Dmitri Tcherniakov konnte für die Inszenierung gewonnen werden. Eines der populärsten Werke des Operetten-Repertoires ist Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin. In Zürich unternehmen Annette Dasch und Pavol Breslik einen Ausflug in diese Form des Musiktheaters. Der musikalische Leiter des Abends ist der operettenerfahrene GMD und Intendant der Oper Leipzig Ulf Schirmer. Die Regie übernimmt Jan Philipp Gloger. Das weithin vergessene Genre Operette erlebt zurzeit eine Renaissance und hat auch in Zürich seit der Intendanz von Andreas Homoki ein Zuhause gefunden.

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Opernhaus Zürich / Intendant Andreas Homoki © Frank Blaser

Fabio Luisi, Piotr Beczala und Camilla Nylund werden im Rahmen einer Operettengala Arien und Duette von Lehár, Kálmán, Stolz und Strauss im Juni 2020 zu Gehör bringen. Eine Mischung aus Wiener Operettenheiterkeit und melancholischer Abschiedsstimmung ist die letzte gemeinsame Arbeit von Richard Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal Arabella. Julia Kleiter, Julie Fuchs und Josef Wagner debütieren als Arabella, Zdenka und Mandryka. Die Inszenierung der Liebes- / Gesellschaftskomödie besorgt Robert Carsen. Um die raffinierten Orchesterklänge und schwungvollen Wiener Walzer kümmert sich der GMD des Hauses Fabio Luisi persönlich. Die Abschlussproduktion der kommenden Saison ist gleichzeitig die erste gemeinsame Zürcher Arbeit von Fabio Luisi mit dem Regisseur Calixto Bieito. Verdis selten gespielte Oper I vespri siciliani wird im Rahmen der Festspiele Zürich im Juni 2020 Premiere feiern. Maria Agresta und Quinn Kelsey, der sein Rollendebüt begeht, singen die Hauptpartien dieser tragischen Liebesgeschichte im Milieu sizilianischer Widerstandskämpfer.

Nabucco – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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Ein Wiedersehen mit Christof Loy gibt es bei der Neuinszenierung von Donizettis Don Pasquale. In der Titelpartie wird Johannes Martin Kränzle wieder in Zürich zu sehen sein. Julie Fuchs gibt die gewiefte junge Witwe Norina und Edgardo Rocha den Neffen des alten Herrn. Enrique Mazzola kümmert sich um die musikalische Seite dieses Meisterwerks der komischen Oper. Sebastian Baumgarten wird Händels Oratorium Belshazzar mit Jakub Józef Orlinski, der mit seinem Rollendebüt auch zum ersten Mal am Opernhaus Zürich arbeitet, und Layla Claire in Szene setzen. Der Händel-Experte Laurence Cummings steht dafür am Pult des Orchestra La Scintilla.

Für das Opernhaus Zürich ist die Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Musiktheater und das Ballett ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Im November 2019 wird Coraline von Marc-Anthony Turnage als Familienoper ihren Weg auf die Zürcher Bühne finden. Die Geschichte um ein Mädchen, das in zwei Welten lebt wurde bereits erfolgreich verfilmt. Mit Joseph Haydns Il mondo della luna präsentieren sich im April 2020 die jungen Nachwuchssänger des Internationalen Opernstudios unter der Regie des jungen Japaners Tomo Sugao am Theater Winterthur.

WIEDERAUFNAHMEN – OPER

Weitere Höhepunkte am Opernhaus Zürich sind auch die zahlreichen Wiederaufnahmen mit herausragenden Besetzungen. Ans Opernhaus Zürich kehren zurück: Juan Diego Flórez, der als Rodolfo sein Rollendebüt in La bohème geben wird. Cecilia Bartoli und Javier Camarena, die wieder gemeinsam in La cenerentola auf der Zürcher Bühne stehen. Ein weiteres Rollendebüt wird Benjamin Bruns als Max im Freischütz feiern. Piotr Beczala, der im vergangenen Sommer sehr erfolgreich in der Bayreuther Neuproduktion den Lohengrin kurzfristig übernahm, wird im Juni 2020 in der Zürcher Inszenierung gemeinsam mit Elza van den Heever zu sehen sein. Christian Gerhaher und Gun-Brit Barkmin sind im Wozzeck das tragische Paar. Saimir Pirgu ist Faust, Anita Hartig Marguerite und Ildebrando d`Arcangelo Méphistophélès in Gounods Vertonung von Goethes Menschheitsdrama. Luca Pisaroni und Jane Archibald werden in «Don Giovanni» wieder zu Gast sein. Ein weiteres Epochalwerk des Opernrepertoires wird von Catherine Naglestad (Abigaille), Dalibor Jenis (Nabucco) und Vitalij Kowaljow (Zaccaria) bestritten. Plácido Domingo erfüllt sich einen Wunsch und singt für seine Zürcher Fans in einer einmaligen Galavorstellung von Verdis Nabucco die Titelpartie. Zum ersten Mal am Opernhaus Zürich zu Gast sind Andreas Schager als Florestan und Wolfgang Koch als Don Pizzaro. Sie werden zusammen mit Anja Kampe in Fidelio zu erleben sein. Kwang-chul Youn gibt den Heinrich in Wagners Lohengrin  und Jacquelyn Wagner die Agathe im Freischütz. Kristina Mkhitaryan und Liparit Avetisyan begehen als Violetta Valéry und Alfredo Germont ihr Hausdebüt. Am Pult der Philharmonia Zürich, werden bekannte und neue Gesichter zu sehen sein. Der GMD Fabio Luisi widmet sich in der kommenden Saison dem Verdi-Repertoire und dirigiert sein Orchester bei den Wiederaufnahmen von Nabucco und La traviata. Für Wagners Lohengrin konn-te abermals Simone Young gewonnen werden. Ebenfalls im deutschen Repertoire zu Hause ist Axel Kober, der Webers Freischütz interpretieren wird. In den Händen von Markus Poschner liegt Beethovens Fidelio. Für Alban Bergs Wozzeck wird Hartmut Haenchen zum ersten Mal im Zürcher Graben stehen. Ebenfalls zum ersten Mal am Opernhaus Zürich ist Ryan Mc Adams mit Gounods Faust. Um Mozarts Don Giovanni kümmert sich Riccardo Minasi und um Puccinis La bohème Marco Armiliato. Für Rossinis La cenerentola zeichnet Gianluca Capuano verantwortlich. Für die Erfolgsinszenierung des regierungskritischen russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov Così fan tutte steht Ottavio Dantone am Pult der Philharmonia Zürich.

Cosi fan tutte – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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 BALLETT ZÜRICH

Die Ballettsaison 2019/20 wird, wie schon fast traditionell, mit einer Uraufführung von Ballettdirektor Christian Spuck eröffnet. Zum ersten Mal kommt Helmut Lachenmanns Musiktheater Das Mädchen mit den Schwefelhölzern nach dem todtraurigen Märchen von Hans Christian Andersen als Ballett auf die Bühne. Die Neuproduktion und zugleich auch Schweizer Erstaufführung verbindet Tanz, Bilder und Gesang mit Lachenmanns faszinierender Musik und macht selbst den Zuschauerraum des Opernhauses zum Klangraum. Mehrere Werke von William Forsythe hat das Ballett Zürich bereits auf die Bühne gebracht und feiert den amerikanischen Choreografen nun mit einem eigenen Abend. Schlicht «Forsythe» heißt die Hommage und beinhaltet drei wegweisende Werke des Erneuerers des Tanzes: The Second Detail, Approximate Sonata in der Pariser Neufassung von 2016 und «One Flat Thing, reproduced». Im Rahmen des Ballettabends Walking Mad kehrt auch Hans van Manen, mit seinem vom Nederlands Dans Theater uraufgeführten Werk «Kleines Requiem», nach Zürich zurück. Ebenfalls vom NDT uraufgeführt wurde das titelgebende Stück von Johan Inger, zum berühmten «Boléro» von Maurice Ravel tanzt das Ballett Zürich zum ersten Mal ein Werk des schwedischen Choreografen.

Einen ganzen Abend voller neuer Werke bringt die Serie Junge Choreografen, in deren Rahmen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Zürich und des Junior Balletts die künstlerische Verantwortung für ihre eigenen Choreografien übernehmen. Wiederaufgenommen werden mit «Messa da Requiem» und «Nussknacker und Mausekönig» zwei Produktionen von Christian Spuck, der Doppelabend «Emergence» mit Choreografien von Crystal Pite und dem Choreografenduo Sol León & Paul Lightfoot, das Ballett Faust von Edward Clug sowie der Abend des Junior Balletts mit «Kreationen» von Filipe Portugal, Louis Stiens und Goyo Montero.

Hänsel und Gretel – 2019/20 wieder auf dem Spielplan
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KONZERTE, LIEDERABENDE UND EXTRAS

Die Philharmonia Zürich und das Spezialensemble Orchestra La Scintilla werden sich auch in dieser Saison außerhalb des Orchestergrabens präsentieren. Die Eröffnung der Philharmonischen Saison findet mit dem Violinisten Leonidas Kavakos unter der Leitung des Generalmusikdirektors Fabio Luisi und Werken von Beethoven und Wagner statt. Der begonnene Beethoven-Zyklus mit der italienischen Pianistin Beatrice Rana wird von Fabio Luisi mit zwei Konzerten fortgeführt. Gianandrea Noseda, der das Amt des Zürcher GMDs ab der Saison 2021/22 übernehmen wird, wird für ein Konzert mit Werken von Schubert, Tschaikowski und Mendelssohn in Zürich gastieren. Für ein Programm mit Werken von Mahler und Mozart steht Manfred Honeck am Pult der Philharmonia Zürich. Der Experte für historisch informierte Aufführungspraxis Riccardo Minasi wird sich ganz dem Orchestra La Scintilla widmen. Die Programme der vier Konzerte reichen von Haydns «Schöpfung» über Werke von Jan Dismans Zelenka und einem Konzert zum Thema Echos. Für Händels Wassermusik ist Lars Ulrik Mortensen Gast der Scintilla. In der Spielzeit 2019/20 präsentiert das Opernhaus Zürich wieder Liederabende mit Starssolisten: Angela Gheorghiu, Pretty Yende, Krassimira Stoyanova, Stéphanie D’Oustrac, Benjamin Bernheim, Christof Fischesser sowie Julia Kleiter und Michael Nagy, die gemeinsam einen Abend bestreiten.

Am 21. September 2019 veranstaltet das Opernhaus nach der Sommerpause das traditionelle Eröffnungsfest. Im ganzen Haus getanzt wird wieder beim Opernball am 14. März 2020. Die Benefizgala feiert dann ihr 20jähriges Bestehen. oper für alle auf dem Sechseläutenplatz findet am 13. Juni 2020 mit der Live-Übertragung der Mozart-Oper Don Giovanni statt

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Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.08.2019

August 9, 2019 by  
Filed under Bayreuther Festspiele, Hervorheben, Kritiken, Oper

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Lohengrin – Richard Wagner

– Aufregende Besetzungs-Scharade –

von Ingrid Freiberg

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Lohengrin ist die wohl schönste (und nach Wagners eigenen Worten „allertraurigste“) Oper des Meisters. Während seiner Beschäftigung mit Tannhäuser fand Richard Wagner zum mittelalterlichen Stoff in Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versepos Parzival und erkannte in dem strahlenden Ritter sich selbst als einen von Gott gesandten und von der öden Welt missverstandenen Künstler. So lässt sich Lohengrin auch als Seelen- und Künstlerdrama begreifen. Das Frageverbot Lohengrins kommt geradezu dem göttlichen Verbot des Genusses der Früchte vom Baum der Erkenntnis im Alten Testament gleich. Indem Elsa das Verbot bricht, landet Wagner einmal mehr bei der Ur-Schuld des Weibes. Elsas Gegenspielerin Ortrud ergeht es durch Wagners Behandlung auch nicht besser: Mit ihrer Zerstörung verweigert Richard Wagner, ein reaktionärer Anhänger der „Revolution von oben“,  den Frauen jegliches Recht auf Einmischung in Politik und Kunst.

Bayreuth 2018 – Lohengrin – Interview mit Regisseur Yuval Sharon
youtube Trailer der Bayreuther Festspiele 2018
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Die Uraufführung des Lohengrin, 1850 in Weimar, wurde von Wagners späteren Schwiegervater Franz Liszt geleitet. In Weimar konnte der Komponist nicht beiwohnen, da er wegen Mitbeteiligung an den revolutionären Aufständen steckbrieflich gesucht wurde und sich ins Schweizer Exil begeben hatte. Erst 1861 erlebte er erstmals eine (unbefriedigende) Aufführung des Lohengrin in Wien.

Erlösung – durch Lohengrin, den Sohn des Parzival

Eine in Bedrängnis geratene Thronerbin, eine verleumderische Gegenspielerin, ihr willfähriger Gemahl und ein König aus alter deutscher Zeit – das sind die Beteiligten an einem Konflikt, der nicht nach Lösung, sondern nach Erlösung verlangt. Diese soll der Schwanenritter Lohengrin, der Sohn Parzivals, bewirken, ausgesandt vom heiligen Gral, um der des Brudermordes angeklagten Elsa von Brabant in einem Gottesgericht beizustehen. Die Bedingung dafür ist Vertrauen. „Nie sollst du mich befragen“, fordert Lohengrin von seiner Schutzbefohlenen.

Schon das Vorspiel zum ersten Akt offenbart das kompositions- und orchestrierungstechnische Genie Wagners.Wir haben hier in der Tat ein gewaltiges, langsames crescendo, welches, auf dem höchsten Grade der Klangfülle angelangt, im umgekehrten Sinne sich zu einem Ausgangspunkte zurückwendet und in einem fast unhörbaren Säuseln endigt… für mich ist es ein Meisterwerk.“ (Hector Berlioz) Obwohl das Drama ganz vom Text her erschlossen und musikalisch durchgestaltet ist, lassen sich in der durchkomponierten Großform eingebettete „Nummern“ erkennen, wie Elsas Traumerzählung „Einsam in trüben Tagen“, Elsas Szene „Euch Lüften, die mein Klagen“ und das anschließende Duett mit Ortrud, das in der unübertrefflich schönen Phrase endet „Es gibt ein Glück, das ohne Reu‘ “, der Brautchor im dritten Akt, die Liebesszene im Brautgemach „Wir sind allein“ und Lohengrins Gralserzählung „In fernem Land“.

Elsa – emanzipiert von männlichen Dogmen und Ritualen

Für das Regiekonzept von Yuval Sharon sind vor allem die starken Frauenfiguren, Elsa und Ortrud, prägend und wie diese sich von blindem Gehorsam emanzipieren können. Er versucht darzulegen, wie verführbar Menschen durch Religion und Spiritualität sind, inwieweit leben sie sie oder lassen sie sich durch spirituelle Führer verführen? Verkörpert am Ende eine neue Generation in Gestalt von Elsas Bruder Gottfried die Hoffnung auf eine bessere Welt?

Dieser Konflikt zeigt sich schon in der ersten Szene mit König Heinrich. Der erste Satz des Chors ist „Wir geben Fried und Folge dem Gebot“. Ein Scheingericht gegen Elsa schließt sich an. Im 1. Aufzug erscheint Lohengrin noch zweifelsfrei positiv und rettet sie. Je länger Lohengrin in dieser Welt bleibt, desto korrumpierbarer und schmutziger wird er –  bis Elsa das am Ende nicht mehr aushalten kann und das Frageverbot missachtet. Das ist laut Yuval Sharon eine mutige tapfere Tat – ein Aufbegehren, nicht zerstörerische Neugier… Der durch Neo Rauch und Rosa Loy stark vorgegebene Rahmen führt allerdings zu einer etwas statuarischen Inszenierung, liefert eine Traumatmosphäre, das Unterbewusstsein zeigt skurrile Bilder…

 Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Versinken in ein Gemälde

Obwohl Neo Rauch, ein international erfolgreicher deutscher Maler und der bedeutendste Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule, zusammen mit Rosa Loy, die sich mit dem Mysterium der Frau, der neuen Weiblichkeit und der neuen Romantik beschäftigt, noch nie ein Bühnenbild bzw. Kostüme für ein Theater kreiert haben, tragen beide diese Produktion entscheidend mit. Für Bühnenbild und Kostüme des männlichen Personals zeichnet Neo Rauch verantwortlich, Rosa Loy für die Kostüme der Frauen. Das Bühnenbild birgt Assoziationen an die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts. Das Delfter Blau der Dekorationen hat Rosa Loy und Neo Rauch dazu inspiriert, für die Kostüme altniederländische Hauben und Krägen nach dem flämischen Maler Anthonis van Dyck zu kreieren… und romantisch blaue Wolkenformationen und Landschaftsszenerien zu malen. Mitten auf der Bühne steht – surreal – ein verlassenes Umspannwerk. Viele Figuren haben Flügel. Im Hintergrund ragen schemenhaft Felsen auf, es gibt Blitze, es geht um Licht und Dunkel. Wasser spielt eine Rolle, Sumpf, Schilf… Das Versinken in das Gemälde lässt der Musik Wagners nachhaltigen Raum. Ein wohltuendes Erlebnis in der oft mit Videos überfrachteten Theaterszene.

Aufregende Besetzungs-Scharade

Die Wiederaufnahme des Bayreuther Lohengrin 2019 wartet mit einem Novum auf: Lohengrin und Elsa sind in dieser Saison doppelt besetzt. Christian Thielemann, Musikdirektor der Bayreuther Festspiele, sieht dies als positiven Wettbewerb. Letztes Jahr gab es große Anerkennung für Piotr Beczala, der für Roberto Alagna eingesprungen war. 2019 singt er wieder, aber nicht alle Vorstellungen. Klaus Florian Vogt, der in Bayreuth „die Institution Lohengrin“ schlechthin ist, teilt sich mit ihm die Auftritte. Das hat durchaus Reizvolles. Die Partie der Elsa sollte ursprünglich Krassimira Stoyanova singen, die erkrankte; für sie wurde Camilla Nylund gefunden. Für zwei Vorstellungen war Anna Netrebko verpflichtet, die jedoch kurzfristig absagte… Die Scharade geht noch weiter: Annette Dasch wird nun in zwei Aufführungen die Elsa singen und Thomas J. Mayer ersetzt den erkrankten Tomasz Konieczny als Telramund. Und damit der Aufregung nicht genug, Elena Zhidkova ersetzt Elena Pankratova als Ortrud. Christian Thielemann sprach zu Beginn der Festspiele von einer „Super-Werkstatt Lohengrin, das hat sich nun in aufregender wie überraschender Hinsicht bewahrheitet!

Trotz aller Widrigkeiten lässt sich über die Aufführung am 3. August 2019 fast ausnahmslos in den höchsten Tönen schwelgen, Sängerensemble, Orchester und Chor musizieren auf beeindruckendem Niveau und verbinden sich zu einer homogenen Gesamtleistung wie man sie nicht oft erleben darf. Trotz der Umbesetzungen ist dieser Abend ein Fest!

Georg Zeppenfeld, derzeit nicht nur als wortprägnanter König Heinrich in der vordersten Liga, veredelte mit balsamischem sonoren Wohllaut seines Luxus-Basses die Königsfigur und beglückte mit exzellenter Klarheit und perfekter Rollenidentifikation.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der Tenor von Klaus Florian Vogt ist voluminöser geworden, mit durchaus sensiblen Seiten, schwankend zwischen Machismo-Ansprüchen an das männliche Geschlecht und einem Hauch von Selbstzweifeln, eine stimmlich und darstellerisch hervorragend gelungene Durchdringung des eben nicht nur edlen Charakters des Titelhelden. Er ist ohne Zweifel die Personifizierung des Lohengrin schlechthin. Seine Leistung kulminiert in einer fantastisch klar intonierten Gralserzählung gegen Ende des dritten Aufzugs. Seine Stimme klingt viril und kann durchaus autoritär das Frageverbot verkünden oder sich als Führer der Brabanter ausrufen. Man hört die „heldischen“ Passagen selten so klangschön. Seine Stimme und seine Ausstrahlung vereinigen alle Parameter zur idealen Gestaltung des Gralsritters. Sein tragfähiger, klarer Tenor, seine perfekte Diktion, das hell-silberne Timbre, seine Phrasierungskunst wie auch die Fähigkeit zu heldisch-dramatischen Ausbrüchen beglücken. In seiner Darstellung des Schwanenritters spannt er den Bogen vom unnahbaren Gottwesen bis zum einsamen, Liebe und Anerkennung suchenden Mannes, der als missbrauchte Reflektionsfigur an den unabänderlichen Verhältnissen scheitert. Vogts „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“ ist ein glanzvoller Höhepunkt des Abends.

Sechs gestandene Wagner-Sänger*innen teilen sich im Lohengrin die Hauptrollen. Neu im Ensemble und erst kurz vor der Wiederaufnahme eingesprungen ist Camilla Nylund als Elsa. In der Traumerzählung überzeugt sie mit berührend zarten Farben. Sie singt die Partie mit berückend schönem, ganz leicht eingedunkeltem Timbre. Strahlend und licht schwingt sich ihre wunderbar sicher geführte Sopranstimme auf, brilliert im Duett mit Ortrud und in der Brautgemachszene mit Lohengrin mit berührender Intensität, einer Intensität, die sie auch in der Darstellung erreicht.

Ortrud – Elena Zhidkova ist ein Glücksgriff

Vor Vorstellungsbeginn wird mitgeteilt, dass Elena Zhidkova – nach kurzer Einweisung – die Rolle der Ortrud übernimmt und nicht, wie zuvor angekündigt .Elena Pankratova. Elena Zhidkova ist  ein absoluter „Glücksgriff“! Mit großer stimmlicher Attacke porträtiert sie Ortrud als intrigante, machtgeile, giftige Gegenspielerin von Elsa von Brabant. Sie ist die dunkle Zauberin, die Kämpferin gegen das von Lohengrin verkörperte Patriarchat und verleiht dieser Figur eine ungemein packende Größe und Kraft. Überwältigend, mit punktgenau geführter Stimme und wohl dosierten dramatischen Ausbrüchen schleimt sie sich bei Elsa ein, um deren Psyche mit ihrem Gift durchtränken zu können. Dabei gestaltet sie ihre Einsätze zu regelrechten Feuerwerken mit eingebauten Vulkan-Ausbrüchen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Egils Silins singt an diesem Abend Heerrufer und Telramund

Mit „Seht da, den Herzog von Brabant!“ ruft Egils Silins, ein markant respekteinflößender Heerrufer des Königs, klangvoll und nobel zur Versammlung der Ritter auf. Ausdrucksvoll, mit kernig-kräftigem Bariton, zuweilen auch mit ungewöhnlich hintergründigen Tönen, verleiht er der Figur mehr Charakter als üblich. Er wird zum „Hasardeur“, als er im 2. Aufzug eine zusätzliche Aufgabe übernimmt und den inzwischen gänzlich indisponierten Tomasz Konieczny covert. Bereits mit seiner ersten Arie „Dank, König, dir, dass du zu richten kamst…“ lässt dieser wunderbar dramatische Bassbariton erkennen, dass er Probleme mit seiner Stimme hat. Egils Silins übernimmt die Rolle des Friedrich von Telramund. Den gelungenen Wechsel unterstützt auch das märchenhafte Bühnenbild: Kaum sichtbar und vollkommen überzeugend kann Silins, der immer mehr Tiefe bekommt und dabei durch sein völlig akzentfreies Deutsch besticht, übernehmen. Er ist ein geifernder Bösewicht wie aus dem Bilderbuch… und fängt das Malheur mit Bravour auf.

Der Chor der Bayreuther Festspiele (134 Personen!) überzeugt einmal mehr unter seinem langjährigen Leiter Eberhard Friedrich ohne jeden Abstrich, wird auch an diesem Abend stimmlich wie darstellerisch jeder Herausforderung gerecht und ist eine der tragenden Säulen der Aufführung…

Vollkommener Wagner-Klang

Silbrig-ätherische Klänge kann er ebenso zaubern wie atemberaubende Steigerungen: Christian Thielemann kennt – und kann seinen Wagner. Das zeigt sich gleich im Lohengrin-Vorspiel mit seiner mystischen Grals-Atmosphäre. Wie kein Zweiter beherrscht Thielemann die Finessen und Tücken der Bayreuther Akustik. Zwischen Debussy-hafter Zartheit und staatstragendem Pomp bietet sein Lohengrin perfekten Wagner-Klang. Das bestens vorbereitete Festspielorchester ist auf seinen Musikdirektor eingeschworen, bietet ihm lyrische Streichergesänge, warmes Holz und rundes, strahlkräftiges Blech. Wann hätte man die Bühnenmusik bei Wagner je so perfekt erlebt wie hier? Die ätherische A-Dur Sphäre des Vorspiels lässt er in blau-silberner Schönheit leuchten, in fein abgestuften Schattierungen von zarten piani – wie hingetupft – bis zum überschwänglichen Höhepunkt des Gralsthemas. Mit welch souverän unverkrampfter Lust sich Thielemann in das Wagner-Abenteuer begibt, ist eine Freude.

Minutenlanger, einhelliger Applaus mit dem in Bayreuth üblichen euphorischen „Getrampel“ zeigen, dass auch kulinarische Inszenierungen ihren Platz in den Herzen der Wagnerianer finden können.

—| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |—

Budapest, MüPa – Budapest, Wagner Tage 2019 – Der Ring des Nibelungen, IOCO Kritik, 28.06.2019

Juni 29, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Müpa, Oper

Müpa Budapest

Müpa Budapest © Müpa Budapest, Janos Posztos

Müpa Budapest © Müpa Budapest, Janos Posztos

Wagner Tage 2019 –  Budapest

Der Ring des Nibelungen – Müvészetek Palotája

von Thomas Thielemann

Die Texte zum Ring des Nibelungen sind zum größten Teil bereits in den 1840-Jahren in Dresden entstanden, nach dem sich Richard Wagner von der deutschen Sagen-Literatur, der griechischen Mythologie und von der Umgebung der Stadt hat anregen lassen. Insbesondere das Elbsandsteingebirge und der Fluss hat den jungen Kapellmeister so beeindruckt, dass ihn die Sachsen, „der Rhein sei eigentlich die Elbe“, für sich reklamieren.

Wagner Tage 2019 – Die Walküre
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Im Zürcher Hotel Baur au Lac hat Richard Wagner 1853 sein „tetralogisches Gedicht“ vor Freunden und anderen Interessierten mit großem Erfolg gelesen. Auch in Tribschen wurde der Text zum Ring mehrfach vorgelesen. Bereits 2011 hatte Adam Fischer, ob gezielt ist uns nicht bekannt, an diese Lesungen der Wagner-Texte angeschlossen und den Ring des Nibelungen ohne die früheren schwülstigen Theateraufführungen des Beginns des 20. Jahrhunderts sowie gewisser Unsäglichkeiten des Regietheaters aufgeführt.

Müpa Budapest © Gabor Kotschy

Müpa Budapest © Gabor Kotschy

Nun haben wir in der Zwischenzeit Richard Wagners wunderbare Musik und viele Möglichkeiten der Videoinstallationen erhalten. Deshalb hat Adam Fischer die Voraussetzungen des Bartok-Saals im Budapester Müvészetek Palotája (Palast der Künste), kurz MüPa, für halbszenische Aufführungen Wagnerscher Musikdramen erschlossen. Mit dieser Aufführungsform konzentrierte Adam Fischer sich und seine Zuhörer auf das Wesentliche der Wagnerschen Texte und auf die Musik des Meisters und kupierte damit deren Verfremdungen  von zum Beispiel Castorfs Bayreuther oder der des Chemnitzer Feministinnen-Quartetts und anderen.

Müpa Budapest / Béla Bartók National Concert Hall © Müpa Budapest, Janos Posztos

Müpa Budapest / Béla Bartók National Concert Hall © Müpa Budapest / Janos Posztos

Vergleichbar mit einem Restaurator, der unter der Übermalung eines Gemäldes das tatsächliche Bild des Künstlers der Mitwelt erschließt, hat uns Adam Fischer einen neuen und damit eventuell den wahren Richard Wagner nahe gebracht.

Für 2019 hatte man Hartmut Schörghofer mit einer Überarbeitung des Ring des Nibelungen betraut. Aufgeführt wurde diese Neufassung in zwei Zyklen vom 13. – 16. Juni und  20. – 23. Juni. Dazu hatte Adam Fischer hervorragende Sängerinnen und Sänger des Wagnerfachs zur Mitwirkung verpflichtet.

Müpa Budapest / Wagner Tage 2019 - Götterdämmerung © Balint Hirling / Müpa Budapest

Müpa Budapest / Wagner Tage 2019 – Götterdämmerung © Balint Hirling / Müpa Budapest

Für die halbszenische Darbietung traten die Sängerinnen im schwarzen Abendkleid und die Sänger, bis auf Ausnahmen, im Frack auf. Gesungen wurde auf hohem Niveau. Natürlich könnte man den hervorragend Gesang  der Catherine Forster als Brünnhilde, der Camilla Nylund als Sieglinde, des Gerhard Siegel als Mime und des Stefan Vinke als Siegfried herausheben. Aber das wäre ungerecht, weil eigentlich durchweg Spitzenleistungen geboten wurden. Selten hat man so geschlossene Walküren-Gruppen und so wunderbare Trios von Rheintöchtern und Nornen erleben können.

Da die Agierenden nur wenige Aktionen auszuführen hatten, wurde überwiegend direkt zum Publikum mit selten erlebter Textverständlichkeit agiert. Auch fehlte die Ablenkung einer Bühnendarstellung, so dass sich der Wagner-affine Besucher den inneren Zusammenhang des Werkes in einer seltenen Weise erschließen konnte. Soweit erforderlich, standen dem Besucher die Original-Texte sowie in ungarischer Übersetzung zur Verfügung.

Die Wagnersche Musik wurde durch Videoprojektionen von Hochgebirgspanoramen und Gegenwartsbezügen ergänzt wie von Tänzern mit zum Teil hochkreativen Szenen.

An jedem Abend wurden die Agierenden und die Budapester Wagner Tage 2019 frenetisch gefeiert. Nach der Götterdämmerung wollte das Stakkato-Klatschen und die stehenden Ovationen insbesondere für Dirigent Adam Fischer kein Ende nehmen

—| IOCO Kritik Müpa Budapest |—

 

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