Bochum, Ruhrtriennale, Barbara Frey – Intendantin Ruhrtriennale – 2021 – 2023, IOCO Aktuell

Ruhrtriennale

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW / Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Barbara Frey © Tobias Kreutzer/MKW

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW / Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Barbara Frey © Tobias Kreutzer/MKW

Barbara Frey  – Intendantin  Ruhrtriennale  2021 – 2023

Ruhrtriennale – Größtes Kulturfestival in Nordrhein Westfalen

Die Schweizer Theaterregisseurin und Musikerin Barbara Frey ist eine sehr erfolgreiche und anerkannte Theatermacherin im deutschsprachigen Raum. NRW Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen stellte am 3. Juli 2019 die künftige Intendantin der Ruhrtriennale vorgestellt. Die Schweizer Theaterregisseurin und Musikerin Barbara Frey übernimmt ab November 2020 für drei Jahre (Spielzeiten 2021–2023) die künstlerische Leitung des größten Kulturfestivals in Nordrhein Westfalen. In seiner heutigen Sitzung hat der Aufsichtsrat der Kultur Ruhr GmbH unter dem Vorsitz von Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen die neue Intendantin ernannt. „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, Barbara Frey als zukünftige Intendantin der Ruhrtriennale zu gewinnen. Sie hat die vergangenen zehn Jahre mit großem Erfolg die Geschicke des Schauspielhauses Zürich gelenkt und ist eine sehr anerkannte Theatermacherin im deutschsprachigen Raum und in Europa. In Zürich hat sie gezeigt, dass sie für ein offenes, neugieriges und lebendiges Theater auf höchstem Niveau steht. Ich bin sehr gespannt auf das künstlerische Programm unter ihrer Leitung und die Produktionen, mit denen sie die besonderen Industriestätten des Ruhrgebiets bespielen wird“, sagte Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

„Ich freue mich sehr über meine Berufung als Intendantin der Ruhrtriennale ab 2021. Die Spielorte der Ruhrtriennale sind historisch gesehen unvergleichlich. Sie erzählen von vergangener Zukunft. Wir werden danach forschen, was die Umwidmung der Räume bedeutet: Aus stillgelegten Stahlwerken und Zechen entstehen immer wieder neue Denkorte der Kultur. Dies ist einzigartig, eine große Herausforderung und eine schöne Vision für die intensive Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kunstformen und anderen kulturellen Zusammenhängen. Die Kulturschaffenden in Nordrhein-Westfalen sind, ebenso wie das dortige Publikum, zu Recht bekannt für ihre Offenheit, Neugierde und Zugewandtheit zu allen erdenklichen Formen künstlerischer Energien“, sagte Barbara Frey.


Zur Person  –  Barbara Frey (*1963 in Basel) studierte in Zürich Germanistik und Philosophie und spielte als Schlagzeugerin in verschiedenen Schweizer Bands. Ihre Karriere am Theater begann 1988 als Musikerin und Regieassistentin am Theater Basel unter der damaligen Leitung von Frank Baumbauer. Seit 1992 arbeitet Barbara Frey als Regisseurin, anfangs in der freien Szene sowie am Theater Neumarkt in Zürich, am Nationaltheater Mannheim und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Von 1999 bis 2001 war sie Hausregisseurin an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, 2005 bis 2008 in gleicher Funktion am Deutschen Theater Berlin. Wiederholt inszenierte sie etwa am Theater Basel, am Bayerischen Staatsschauspiel in München und bei den Salzburger Festspielen.

Zuletzt, seit der Spielzeit 2009/10 und noch bis zum Ende der Spielzeit 2018/19, war Barbara Frey Intendantin des Schauspielhauses Zürich. Zu Beginn ihrer Intendanz inszenierte sie etwa Schillers Maria Stuart und Shakespeares Was ihr wollt. Ihre jüngste im Mai in Zürich aufgeführte Produktion Die Toten nach einer Erzählung von James Joyce war von großem Erfolg gekrönt. Unter Barbara Freys künstlerischer Leitung wurde das Schauspielhaus Zürich mehrere Male zum renommierten Berliner Theatertreffen eingeladen. Darüber hinaus wurden Inszenierungen im Rahmen des Festivals „Radikal jung!“, während der Mülheimer Theatertage, auf dem Schweizer Theatertreffen und beim Prager Theaterfestival Deutscher Sprache gezeigt. Internationale Gastspiele führten das Schauspielhaus Zürich in die Theatermetropolen des deutschsprachigen Raums sowie u.a. nach Spanien, die Niederlande, Portugal, Russland, China und Taiwan. Während ihrer Zürcher Jahre inszenierte Barbara Frey an der Semperoper Dresden sowie immer wieder am Burgtheater Wien. 2016 erhielt sie im Rahmen des Dritten Schweizer Theatertreffens in Genf den renommierten Schweizer Theaterpreis.

Ruhrtriennale 2019
Die diesjährige Spielzeit der Ruhrtriennale findet vom 21. August bis 29. September 2019 statt. Unter der derzeitigen Intendantin Stefanie Carp sind rund 150 Veranstaltungen vorbereitet, darunter Musiktheater, Schauspielproduktionen sowie Konzerte. Zudem sind vier Installationen bei freiem Eintritt zu besuchen. Unter den insgesamt 36 Produktionen sind 14 Ur- und Erstaufführungen.  Mehr als 840 Künstlerinnen und Künstler aus 35 Ländern werden bei der Ruhrtriennale 2019 in 13 Spielstätten in Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck auftreten.

—| Pressemeldung Ruhrtrienale |—

—| Pressemeldung Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW |—

Wien, Burgtheater, Glaube Liebe Hoffnung – Ödön von Horváth, IOCO Kritik, 12.10.2018

Oktober 13, 2018 by  
Filed under Burgtheater Wien, Kritiken, Schauspiel

Burgtheater Wien © Georg Soulek / Burgtheater

Burgtheater Wien © Georg Soulek / Burgtheater

Burgtheater Wien

Glaube Liebe Hoffnung – Ödön von Horváth

–  Fiktion oder Wirklichkeit: Alles nur im Auge des Betrachters ? –

Von Viktor Jarosch

Ödon von Horváth Grabstätte in Wien © IOCO

Ödon von Horváth Grabstätte in Wien © IOCO

Ödön (Edmund – ung.) von Horváth (1901 – 1938) entstammt einer österreichich-ungarischen Diplomatenfamilie und lebte nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Doppelmonarchie zumeist in Wien und Murnau. Glaube Liebe Hoffnung war sein neuntes Drama, welches er gemeinsam mit dem Gerichtsreporter Lukas Kristl 1932 schrieb. Kristl beklagte sich seinerzeit bei  Horvath, daß Dramatiker immer nur über große Kapitalverbrechen schreiben, niemals über  kleine Verbrechen, denen man landauf-landab begegnet, oft  durch  Unwissenheit ausgelöst, doch mit  dramatischen Folgen für das Leben vieler Menschen. Die Protagonisten in Glaube Liebe Hoffnung, Elisabeth, den Schupo, Frau Amtsgerichtsrat, den Oberinspektor: ihre Schicksale sind real, hat Kristl persönlich erlebt. Mit Ödön von Horváth schuf Kristl das Drama Glaube Liebe Hoffnung.

Horváth sucht in seinen sozialpolitischen Werken die „Demaskierung des Bewusstseins“: der von Totalitarismus und Kriegen zerrissenen menschlichen Einzelschicksale;  von verarmten Kleinbürgern, Frauen in patriarchalischer Unterdrückung und einer sozial entmündigten  Gesellschaft.  Aggressive, gefühlskalte  aber reale Minderwertigkeitsgefühle von Mittel- und Unterschicht, in engstem Miteinander gelebte Gefühlskälte wird mit eigener Sprache, „Ur-Wienerisch“, konterkariert er: Gewohnte, gelegentlich artifizielle Umgangssprache von Mittel- und Unterschicht paart Horváth mit eigener, leerer Dialogsprache und schafft grausam schräg wie abstrus wirkende Synthesen. In Horváths  Welt, in einer gedanken- wie rücksichtslosen Gesellschaft überleben Banditen, Scharlatane und  Adabeis  gut; Schwache dagegen werden zerrieben.

Ödön von Horvath, von den Nationalsozialisten verfolgt,  von einem fallenden Ast 1938 in Paris erschlagen, zeigt in Glaube  Liebe Hoffnung, dass Tiefgründiges, Lächerliches wie Brutales oft nur einen kleinen Spalt breit getrennt leben: höchst aktuell in unserer heutigen, von wie vielen Gesellschaftsschichten über  iPad, Facebook, Twitter und Co. so intensiv wie rücksichtslos getriebenen Kommunikationswelle. Der Untertitel des Stückes  „Ein Totentanz in fünf Bilder“ konterkariert erste, im Titel Glaube Liebe Hoffnung aufkeimende  Lebensfreude.

Glaube Liebe Hoffnung – Ödön von Horváth
Youtube Trailer  des Burgtheater Wien
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die Handlung: Glaube Liebe Hoffnung zeichnet das Schicksal der jungen, hoffnungsfrohen Elisabeth, welche unbedingt für ihr Dasein arbeiten möchte; in ihrem gelernten Gewerbe Mieder, Hüftgürtel. Doch sie benötigt dafür einen kostenpflichtigen Wandergewerbeschein;  das für den Kauf erforderliche Geld versucht sie, durch den Verkauf ihres Leichnams schon zu Lebzeiten beim Anatomischen Institut zu erlangen; dies misslingt, doch der  Präparator des Instituts verliebt sich, leiht Elisabeth das notwendige Geld. Als er erfährt, dass Elisabeth „sein“ Geld nicht zur Bezahlung des Wandergewerbescheines verwendete sondern zur Bezahlung einer Vorstrafe, um dann der Wandergewerbeschein zu kaufen verlässt er Elisabeth ..

Regisseur Michael Thalheimer, am Berliner Ensemble derzeit beruflich zu Hause, inszeniert Glaube Liebe Hoffnung am Burgtheater. Mit zahlreichen, erfolgreichen  Inszenierungen, ua.  Elektra, Die Perser, ist Thalheimer in Wien wie am Burgtheater bestens etabliert.  Die Bühne im Burgtheater prägt ein breiter, riesiger Trichter (Bühne Olaf Altmann), der über der  leeren, fahl beleuchteten  Bühnenmitte endet: ein greller, schmaler Lichtstrahl aus dem Trichter-Ende leuchtet grell auf die unter ihm agierende „Menschheit“, auf  ausgespuckte Unterschichten.  Elisabeth (Andrea Wenzl) erscheint  dort in gleissendem Lichtkegel in hellem Sommerkleid; sie ist menschliche Lichtgestalt.

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung - hier : Merlin Sandmeyer als Schupo, Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung – hier : Merlin Sandmeyer als Schupo, Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Elisabeth zieht im Lichtkegel langsam ihre Lippen nach und erklärt der   unsichtbaren Umwelt wie dem Publikum  jung, naiv in Horvartschen Metaphern ihr Verhalten: „Im Oktober werden es acht Monate, dass ich abgebaut worden bin … Die letzte Brosche ist versetzt… Aber ich habe den Kopf nicht hängen lassen.“ Elisabeth bleibt stets lebensbejahendes Wesen; die raue herzlose Gleichgültigkeit ihrer Umgebung nimmt sie nicht wahr. Ein Schupo (Merlin Sandmeyer), erster Vertreter der unsozialen Wirklichkeit,  erscheint hinter ihr in verdrehter Motorik,  riecht an ihren Körper als wäre sie ein fremdes Wesen: Verdrehtes, Unsoziales ist die Realität des Schupos. Elisabeth in ihrer Menschlichkeit wird in der Realität des Schupo zum „Unmensch“, zum Außenseiter.

Der expressionistische Regieansatz Michael Thalheimers macht Ödön von Horváths Postulat, „möglichst rücksichtslos gegen Dummheit und Lüge zu sein“, mit der ersten Szene sichtbar: Elisabeth, von Andrea Wenzl  mit filigraner Dominanz vorgetragen, bleibt immer starke Frau, stets menschlich: „es kann doch auch weniger ungerecht zugehen“.. Bis zu ihrem Tod ist sie stets Mensch, der „den Kopf nicht hängen läßt“ und ist damit doch allzeit Außenseiter. Denn die Gesellschaft, in ihren banalen, rohen Verformungen, ist die herrschende Realität, welche Elisabeth letztlich tötet. Ödön von Horváth, ist bei aller Schrägheit der Sprache in seinen Werken immer kritisch; nichts hält er von “Juxspiegelbilder, parodiert nicht“.

Die reale Gesellschaft, die Umwelt von Elisabeth, jede Person wird  im Burgtheater in plakativer oft surrealer Optik überzeichnet: zunächst im Anatomischen Institut, wo Oberpräparator (Branko Samarovski), Präparator (Falk Rockstroh) und Vizepräparator (Marcus Kiepe) in blutverschmierten Fleischerschürzen grölend lachen, Tauben füttern oder sich in tiefstem Wienerisch anbrüllen: „Drinnen liegen die Finger und die Gurgeln nur so herum, daß es eine wahre Freud ist! Tuns die beiden Herzen und die halberte Milz gefälligst in die Schublad! Kreuzkruzifix, ist das aber eine Schlamperei!“. So plakatieren auch alle anderen Figuren ihre Gesellschaft, die Realität, das vermeintlich „Normale“: In detailreicher Optik und Sprache sind sie fühlbare Gegenspieler von Elisabeth: Irene Prantl (Christiane von Poelnitz), die bizarre Wäscheverkäuferin; der in Selbstmitleid vergehende Amtsgerichtsrat (Peter Mantic); Der Baron mit dem Trauerflor (Robert Reinagl); Eltz (Daniel Jesch), welcher Elisabeth eher nebenbei vergewaltigt.

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung - hier : Falk Rockstroh (Präparator), Branko Samarovski (Oberpräparator), Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Burgtheater Wien / Glaube Liebe Hoffnung – hier : Falk Rockstroh (Präparator), Branko Samarovski (Oberpräparator), Andrea Wenzl (Elisabeth) © Reinhard Werner / Burgtheater

Elisabeth stirbt, verhungert, von Menschen umgeben, inmitten der Gesellschaft; ihre letzten Worte: „aber ich lasse den Kopf nicht hängen“. Der Schupo wühlt eine Blume aus der Hosentasche und wirft sie beiläufig auf die Tote. Gefühlsloses, hohles Verhalten hatte sich zum letzten Mal gezeigt.

Die fünf Bilder des „Totentanzes“ werden ebenso plakativ wie Spannung aufbauend getrennt: in düsterer Beleuchtung marschiert in großer Zahl uniformiert und gleichförmig die Weltgemeinschaft über die Bühne, alles niederreißend, was sich in den Weg stellt; begleitet von der stampfenden Rockmusik Led Zeppelins, Deep Purple, Janis Joplins.

Das ergreifende Geschehen auf der Bühne weicht zum Ende großem Zuspruch: Regisseur Michael Thalheimer, Bühne Olaf Altmann, Kostüme Katrin Lea Tag wie die die Darsteller auf der Bühne werden gefeiert: Andrea Wenzl polarisierte, gestaltete Menschlichkeit in filigraner Feinheit, während Schupo, Präparator, Prantl und das Ensemble in schwarzer Parodie in brillanter Personenführung Ecken und Kanten der realen wie tumben Gesellschaft spiegeln.

Das Burgtheater besitzt mit dieser Inszenierung von Glaube Liebe Hoffnung eine zeitgemäße wie anspruchsvolle Produktion. 1.340 Besucher im ausverkauften Burgtheater zollten ausdauernd großen Beifall, der bei Andrea Wenzl als Elisabeth in Jubel überging.

Burgtheater Wien / Zum Premierenbeifall das Ensemble von Glaube Liebe Hoffnung © IOCO

Burgtheater Wien / Zum Premierenbeifall das Ensemble von Glaube Liebe Hoffnung © IOCO

Glaube Liebe Hoffnung von Ödön von Horváth am Burgtheater Wien; weitere Vorstellungen am 14.10.; 27.10.; 11.11.; 15.11. 25.11.; 30.11.2018; weitere Termine folgen

—| IOCO Kritik Burgtheater Wien |—

Gera, Theater und Philharmonie Thüringen, Premiere SUNSET BOULEVARD, 08.06.2018

T&PhilThüringen_logo_300

Theater und Philharmonie Thüringen

Theater und Philharmonie Thüringen / SUNSET BOULEVARD - Angelika Milster ( Norma ) © Sabina Sabovic

Theater und Philharmonie Thüringen / SUNSET BOULEVARD – Angelika Milster ( Norma ) © Sabina Sabovic

SUNSET BOULEVARD mit Angelika Milster

Premiere Fr 08.06.2018 / 19:30 Uhr  –  AUSVERKAUFT !

Musicalstar Angelika Milster gab zu Beginn dieser Spielzeit im Landestheater Altenburg ihr Rollendebüt als Norma Desmond in Andrew Lloyd Webbers Musical Sunset Boulevard. Als Joe Gillis ist Kai Wefer aus dem Musiktheaterensemble von Theater&Philharmonie Thüringen an ihrer Seite zu erleben. Jetzt kommt die Inszenierung von Michael Wallner nach Gera. Die Premiere am 8. Juni um 19.30 Uhr im Großen Haus ist wie alle Vorstellungen bis zum Ende der Saison ausverkauft. Der Vorverkauf für die neue Spielzeit läuft.

Die musikalische Leitung hat Thomas Wicklein. Für das Bühnenbild zeichnet Till Kuhnert, für die Kostüme Hilke Förster. Das Thüringer Staatsballett tanzt in der Choreografie von Lillian Stillwell, der Opernchor singt in der Einstudierung von Chordirektor Holger Krause. In weiteren Rollen: Claudia Müller (Betty Schaefer), Johannes Beck (Max von Mayerding), Ulrich Burdack (Cecil B. de Mille), Andreas Veit (Sheldrake), Florian Neubauer (Artie Green) und János Ocsovai (Myron/ Schauspieler/ Manfred/ Richard/ Kameramann von de Mille) u.a.

Basierend auf dem gleichnamigen Film von Billy Wilder (1950), der die glitzernde Filmwelt der Traumfabrik Hollywood ironisch hinterfragt, schuf Andrew Lloyd Webber 1993 eines der erfolgreichsten und zugleich emotional packendsten Musicals. Das Schicksal Norma Desmonds steht exemplarisch für alle Menschen, die gefangen in ihrer Vergangenheit, den Bezug zur Realität im Hier und Heute verloren haben.

Joe Gillis hält zufällig in der Einfahrt eines stattlichen Anwesens am berühmten Sunset Boulevard. Dort residiert die Stummfilmdiva Norma Desmond. Einst zu großem Ruhm und Reichtum gelangt, lebt sie jetzt einsam und zurückgezogen, schwelgt in Erinnerungen an vergangene Zeiten und gibt sich der Illusion hin, ihre einzigartige Filmkarriere fortzusetzen. Ihr Butler unterstützt sie in ihrem Wahn. Als Norma hört, dass Joe Drehbuchautor ist, sieht sie in ihm die Chance, den Weg zurück in die Studios zu finden. Doch mittlerweile verwirklichen andere Akteure im Hollywood der 50er Jahre ihren Traum vom großen Erfolg.

Theater und Philharmonie Thüringen / SUNSET BOULEVARD - Angelika Milster ( Norma ), Kai Wefer (Joe Gillis) © Sabina Sabovic

Theater und Philharmonie Thüringen / SUNSET BOULEVARD – Angelika Milster ( Norma ), Kai Wefer (Joe Gillis) © Sabina Sabovic

Mit der Rolle der Grizabella in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musical-Welterfolgs Cats in Wien wurde Angelika Milster zum Star. Auch in Berlin, Paris und Washington, als Sängerin in den Genres Musical, Schlager und Klassik sowie als Schauspielerin im Film und auf der Bühne feierte sie große Erfolge und wurde vielfach ausgezeichnet (Ernst-Lubitsch-Preis, Goldene Schallplatte, ECHO).

Angelika Milster wuchs in Hamburg auf. Bereits mit zwölf begann sie, Gesangsunterricht zu nehmen und besuchte von 1968 bis 1971 die renommierte Schauspielschule von Margot Höpfner. Schon für ihre erste Filmrolle in Meine Sorgen möcht` ich haben erhielt sie 1975 den Ernst-Lubitsch-Preis.

Nach einem Ausflug in die Welt des Kabaretts am Düsseldorfer Kom(m)ödchen spielte sie dann 1983 die Rolle, die ihr Leben nachhaltig veränderte: In der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicalwelterfolgs Cats in Wien übernahm sie den Part der Grizabella. „Erinnerung“ wurde zu ihrem Erkennungslied und machte Angelika Milster zum Musicalstar Nummer Eins im deutschsprachigen Raum. Sie bekam ihre erste eigene Fernsehshow (Mein Musicalhaus, 1985) und wurde mit der Goldenen Europa und einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Auch im Ausland wurde man hellhörig. Für die Europatournee seines Liederzyklus Song & Dance im Jahr 1988 wurde sie von Andrew Lloyd Webber für die Rolle der Emma ausgewählt, und mit der Kurt-Weill-Revue aus dem Theater des Westens Berlin gastierte sie 1991 in Paris und Washington. Dem Theater des Westens blieb sie auch in den folgenden Jahren treu und spielte dort u. a. Hauptrollen in UFA-Revue (1992), Blue Jeans (1994), Hello Dolly (1995) und Gypsy (1996).

Eine völlig andere musikalische Richtung folgte Anfang 2002: Für eine Reihe von Kirchenkonzerten erarbeitete sich Angelika Milster ein völlig neues Repertoire von klassischen und geistlichen Liedern. Publikum und Presse reagierten gleichermaßen begeistert, so dass dieses Programm seither fester Bestandteil ihrer alljährlichen Konzertauftritte ist.

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er studierte Regie und Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, war als Schauspieler u.a. am Burgtheater Wien und am Schillertheater Berlin engagiert und ist seit 1986 auch als freischaffender Opern- und Schauspielregisseur tätig. Dabei hat er in Österreich, Deutschland und in der Schweiz in vielen renommierten Häusern inszeniert.

Wallner ist auch als Schriftsteller tätig und hat neben Kinder- und Jugendromanen auch Romane für Erwachsene geschrieben. Ab 2003 hat er auch Drehbücher verfasst, die verfilmt wurden.

Für seine Arbeiten hat er u.a. im Jahr 1994 die Kainz-Medaille der Stadt Wien für die Regie des Stückes Krieg von Rainald Goetz erhalten. 2001 bekam er den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar für seinen ersten Roman Manhattan fliegt.

GERA:  Fr 08.06.2018 / 19:30 Uhr Premiere Großes Haus Gera, So 10.06.2018 / 14:30,  Sa 16.06.2018 / 19:30 Uhr, Fr 22.06.2018 / 19:30 Uhr, Mo 29. 10.2018 / 19.30 Uhr, Di. 30. 10. 2018 / 19.30 Uhr, Mi 31.10. 2018 /18.00 Uhr, Di 06.11. 2018 / 19.30 Uhr, So 21.04. 2019 / 14.30 Uhr und 19.30 Uhr, Mo. 22. 04. 2019 / 14.30 Uhr
ALTENBURG:  Mi 3. 10. 2018 /18.00 Uhr Landestheater Altenburg, Sa 27.04. 2019 / 19.30 Uhr, So 28.04. 2019 / 18.00 Uhr

—| Pressemeldung Theater und Philharmonie Thüringen |—

Wien, Volksoper, Gypsy – Musical von Jule Stynes, IOCO Kritik, 15.09.2017

September 15, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Musical, Volksoper Wien

volksoper_wien.JPG

Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

 Gypsy – Musical  von Jule Stynes

 Von Marcus Haimerl

Jule Stynes Musical Gypsy, 1959 nach den Memoiren der Burlesque-Künstlerin Gypsy Rose Lee uraufgeführt, erzählt vielmehr die Geschichte ihrer Mutter Rose Hovick, die vom großen Erfolg träumt und diesen mit Hilfe des Talents ihrer beiden Töchter zu erreichen hofft. Kinder-Talentshows und Vorsingen in Vaudeville-Theatern stehen an der Tagesordnung, denn Mama Rose lässt nichts unversucht, um aus beiden Kindern Stars zu machen und diese auf die Bühne und ins Rampenlicht zu bringen.

Volksoper Wien / Musical Gypsy -  Ensemble mit Maria Happel als Mama Rose in der Mitte © Jenni Koller / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Musical Gypsy – Ensemble mit Maria Happel als Mama Rose in der Mitte © Jenni Koller / Volksoper Wien

Jenes Rampenlicht, in dem Rose selbst gerne stehen würde und in welches sie sich auch immer wieder drängt um Musikern, Beleuchtern und Theaterdirektoren zu schmeicheln oder um ihnen Anweisungen zu geben. Als Erste flieht die jüngere Tochter June vor der Übermutter. Sie heiratet heimlich und macht unter dem Namen June Hovac Karriere als Schauspielerin in Hollywood und am Broadway. Letztendlich wendet sich auch Louise, die ältere Schwester, von der Mutter ab und wird zur titelgebenden Burlesque-Tänzerin Gypsy Rose Lee.

Volksoper Wien / Musical Gypsy -  Maria Happel als Mama Rose © Johannes Ifkovits

Volksoper Wien / Musical Gypsy – Maria Happel als Mama Rose © Johannes Ifkovits

Bereits der Auftrittsapplaus verrät den eigentlichen Star des Abends: Maria Happel als Rose. Diese Partie fordert neben musikalischem Können auch exzellentes Schauspiel. Inklusive einer gehörigen Portion Humor bringt Maria Happel all diese Voraussetzungen mit und brilliert als entschlossene Mutter mit einer gehörigen Portion Durchsetzungsvermögen. Aber auch Verletzlichkeit und Verzweiflung lässt sie in ihrer Darstellung immer wieder aufblitzen und läuft auch gesanglich immer wieder zur Höchstform auf.

Ebenfalls hervorragend besetzt sind die Nebenrollen. Toni Slama als Agent, Fast-Ehemann und Ersatzvater ist berührend in seiner fast schon verzweifelten Liebe zu Rose, die ihres Ehrgeizes wegen kein Happy End finden kann. Die Volksopern-Debütantin Lisa Habermann in der Rolle der Louise und späteren Gypsy Rose Lee konnte mit der Entwicklung von der vernachlässigten, burschikosen Tochter zur selbstbestimmten, femininen Striptease-Tänzerin genauso nachhaltig überzeugen wie Marianne Curn in ihrer Rolle als Baby June. Auch die Kinderdarsteller der beiden Schwestern, Livia Ernst und Katharina Kemp, leisteten Beachtliches. Eine großartige Leistung auch von Peter Lesiak als Tulsa, der zusätzlich mit einer Stepp-Einlage das Publikum begeisterte. Als herrlich komischer Burlesque-Star Tessie Tura im rosa Ballettröckchen zog Christian Graf, ab Saison 2017/18 festes Ensemblemitglied der Wiener Volksoper, alle Register seines Könnens und sorgte auch für einige Lacher.

Volksoper Wien / Musical Gypsy_ Ensemble © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Musical Gypsy_ Ensemble © barbara pálffy / volksoper

Lorenz C. Aichner am Pult, lief mit dem Volksopernorchester zu wahrer Höchstform auf und lieferte erstklassige Broadwayklänge.

Werner Sobotka setzte mit seinem Team (Bühnenbild Stephan Prattes, Kostüme, Elisabeth Gresel) das Musical klug in Szene. Was eignet sich besser als überdimensionale, nostalgische Kisten und Koffer als Kulisse für eine Familie, die ständig unterwegs ist. Diese ermöglichen einen schnellen Kulissenwechsel und da wird schon mal aus einer Kiste ein China-Restaurant oder ein Büro und aus einem Koffer im Stile Louis Vuittons die Luxusgarderobe der berühmt gewordenen Gypsy Lee Rose.

Auch wenn trotz Kürzungen vereinzelt Längen zu spüren waren, dankte das Publikum mit ausgiebigem Jubel den Protagonisten und die Volksoper hat mit Gypsy einen neuen Publikums-Hit in ihrem Repertoire.

Musical Gypsy:  Premiere 10. September 2017, weitere Vorstellungen am 12., 14., 17., 23., 25., 28. September, 1., 4., 9., 12., 17., 19., 28. Oktober,, 4., 11., 12. November 2017

 

Nächste Seite »