Frankfurt, Oper Frankfurt, The Medium – Satyricon, IOCO Kritik, 27.07.2019

Juli 27, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

The Medium – Gian Carlo Menotti : Satyricon – Bruno Maderna

 – Erstaufführungen der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot –

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Ein Ort, der Theatergeschichte geschrieben hat, bietet den passenden Raum für zwei jeweils gut einstündige Opernwerke: The Medium von Gian Carlo Menotti und Satyricon von Bruno Maderna sind erstmals zusammen zu hören und zugleich auch Frankfurter Erstaufführungen. Menotti (1911-2007) und Maderna (1920-1973) waren Zeitgenossen und doch unterscheiden sich ihre Kompositionsweisen und Werke erheblich. Auch in der Thematik gehen diese beiden Komponisten mit italienischen Wurzeln getrennte Wege.

 Oper Frankfurt / The Medium - hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / The Medium – hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Das Bockenheimer Depot verfügt über den kleinen, keineswegs weniger bedeutenden, dafür aber intimen Rahmen. Das Depot, das im Frankfurter Stadtteil Bockenheim liegt, ist ein Relikt aus vergangenen Tagen: ein Betriebshof und Hauptwerkstatt der Straßenbahn Frankfurt. Entstanden ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1900, um die elektrifizierten Straßenbahnen beherbergen zu können, doch 1966 war damit Schluss. Nach diversen Nutzungen – so auch von Zirkus Roncalli 1986 – musste nach dem Opernbrand von 1987 das Schauspielhaus, das seine Bühne der Oper zur Verfügung stellte, ins Bockenheimer Depot ausweichen. Der Umbau in ein Theater mit etwa 400 Sitzplätzen rechnete sich langfristig, denn von 1985 bis 2004 residierte dort das legendäre Theater am Turm –  kurz TAT. Dieses musste seinen angestammten Platz am Eschenheimer Turm, der ihm auch den Namen eintrug, verlassen – und mit ihm ging auch ein Stück Frankfurter und deutsche Theatergeschichte verloren. Bis heute nutzen sowohl das Schauspiel- als auch das Opernhaus der Städtischen Bühnen diesen ungewöhnlichen Theaterraum. Und ein weiterer Großer der Frankfurter Theatergeschichte gehört dazu: William Forsythe, der dem Ballett Frankfurt zunächst als künstlerischer Direktor und dann als Intendant zwei Jahrzehnte bis 2004 vorstand, gab bis 2015 mit seiner Forsythe Company dort regelmäßig Ballettvorstellungen Die Nachfolgekompanie gastiert noch heute im Bockenheimer Depot.

Oper Frankfurt / The Medium - hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / The Medium – hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

In The Medium sehen wir einen dunklen Raum, rechts mit einer Treppe zu einer Tür nach oben führend. Links steht der Tisch für anstehende spiritistische Sitzung bereit. Es ist ein klaustrophobischer Ort, es gibt zwar Türen links und oben, aber sie bieten keinen Ausweg – zumindest nicht für die Bewohner, wie sich später zeigen wird, stattdessen wird alles noch düsterer werden. Die Séance verspricht den Besuchern Kontakt zu ihren zu früh Verstorbenen herzustellen. Da sind das Ehepaar Gobineau, das über den Tod ihres kleinen Sohnes nach all den Jahren nicht hinwegkommen ist, und Mrs. Nolan, die eine fast schon erwachsene Tochter verloren hat. Aber auch die Bewohner dieses okkulten Ortes tragen ihre Päckchen: Madame Flora – Meredith Arwady – ist eine Wucht und die zentrale Figur dieser Oper – trinkt, ist unbeherrscht und kann brutal werden; wie sie das darstellt und mit allen Facetten ihrer Stimme operiert – von beinahe nicht geglaubter Sanftheit bis zu scharfen Tönen – ist sie der Höhepunkt des Abends. Insbesondere gegen ihren stummen „Ziehsohn“ Toby richtet sich ihre Wut und auch hier gilt: großartig gespielt von Marek Löcker. Monica, die Tochter und von Louise Alder als liebenswürdige Antifigur zu ihrer Bühnenmutter dargestellt, versucht den Ausgleich zwischen beiden. Sie mag Toby, und sie gibt ihm die Wärme, die er sucht, aber sie wird ihn nicht retten können. Ihre Figur und ihre berührende glockenklare Stimme sind nicht nur dramaturgisch, sondern auch musikalisch der Kontrast zu Madame Flora und ihrem schroffen Wesen.

Während die Gobineaus schon erfahrene Teilnehmer sind, ist Mrs. Nolan unsicher, ob der Kontakt zu ihrer toten Tochter gelingen kann und ihr Frieden bringen wird. Die Sitzung beginnt wie immer: Der Kontakt zum kleinen Sohn der Gobineaus erfolgt sofort, und auch Mrs. Nolan, skeptisch und etwas irritiert über die Aussagen ihrer Tochter, scheint überzeugt. Bis Madame Flora vermeintlich von einer unsichtbaren Hand berührt wird. Jetzt kippt alles. Die Séance-Teilnehmer werden nach Hause geschickt, Toby für die mysteriöse Hand verantwortlich gemacht. Wie eine Furie wütet diese Frau, die doch alles im Griff zu haben schien, und tappt in ihre eigene Falle. Als sie erneut kommen, will sie ihnen vorführen, dass das alles nur Tricks waren: Monica ist über einen Spiegel als die tote Tochter Mrs. Nolans erschienen, auch die Gobineaus habe sie nur betrogen. Doch sie glauben ihr die Wahrheit nicht. Sie trinkt, hetzt gegen Toby, am Ende ist ihre Wut sein Tod: Er erhängt sich und baumelt vom angedeuteten Dachboden, wohin er sich immer vor ihr geflüchtet hat, herunter. Ein ausgezeichnetes Sängerensemble, das fein aufeinander abgestimmt ist: Barbara Zechmeister und Dietrich Volle sind ein bewährtes Team, das die Eltern eines toten Kindes bis in jedes Detail sehr gut spielen und singen. Kelsey Lauritano beeindruckt mit schöner Stimme und ebenso versiertem Spiel. Louise Alder ist der Halt bzw. der optimistische Teil, der Hoffnung aufzeigt, so dass man geneigt wäre zu glauben, es wird noch eine Wendung zum guten Ende geben. Marek Löckers Rolle ist zwar stumm, aber seine Präsenz ist so grandios, dass er allen ein ebenbürtiger Partner ist. Und natürlich die alles umwerfende Meredith Arwady,: wie wenige andere ist sie in der Lage von Zärtlichkeit – in Stimme und Haltung – zu Wut und Aggression zu wechseln.

Hans Walter Richter zeigt ein stimmiges Kammerspiel, indem sich das Drama langsam abzeichnet und am Ende fürchterlich kulminiert. Ihm zur Seite stehen: der Bühnenbildner Kaspar Glarner, die Kostümbildnerin Cornelia Schmidt und Jan Hartmann, der für das entsprechende Licht sorgte. Ein rundes, gelungenes Werk zu dem das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der souveränen Leitung von Kapellmeister Nikolai Petersen hervorragend beiträgt. Belohnt wurde nicht nur das Regieteam, sondern auch das Sängerensemble mit großem Applaus; Meredith Arwady ist die überragende Sängerin des Abends, die vom Publikum dafür begeistert gefeiert wurde.

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Satyricon – hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Der Raum ist bei Satyricon geweitet, alles ist offen und scheinbar heiter, heller, ein wahres optisches Kontrastprogramm zu The Medium. Auch musikalisch – die Leitung hat Simone di Felice übernommen – bietet es eine andere Klangwelt. Es ist eine musikalische Collage, die kräftig aus der Musikliteratur zitiert – von Tschaikowski bis Wagner, ebenso Tango und Jazz. Aber, wie Simone di Felice im Gespräch mit der Regisseurin Nelly Danker im Programmheft erläutert: „In ihren vielen kleinen Fragmenten ist die Musik absolut als eine italienische erkennbar. Für Maderna sind Instrumente wie Stimmen in einem Dialog, sie sprechen und streiten miteinander, wie Personen.

Tatsächlich findet ein ständiger „Dialog“ nicht nur der Instrumente, sondern auch der Protagonisten statt, den nachzuvollziehen aufgrund des überbordenden Bühnengeschehens und der gleichzeitigen Aktionen nicht unbedingt erleichtert wird. Bei Satyricon handelt es sich um ein Werk, das in unterschiedlicher Fassung bzw. Folge der sechzehn verschiedenen Szenen aufgeführt werden kann und soll. In fünf Sprachen wird das Gastmahl des Trimalchio gefeiert, eine Episode aus dem in Latein verfassten Romanfragment Satyricon von Petronius Arbiter aus dem 1. Jahrhundert zu Zeiten Kaiser Neros. Trimalchio, ein ehemaliger Sklave, ist zur Reichtum gekommen und gibt wieder eine Party, allerdings soll auf dieser seine eigene Beerdigung und sein letzter Wille verkündet und gefeiert werden. Natürlich kann das nur schrill und überzogen sein, und so lässt die Regisseurin Nelly Danker ein Laufband hinter der rechts stehenden Halbtreppe ständig neue Präsente auffahren, die kaum alle sinnvoll genutzt werden können – außer den Protz des Gastgebers zu demonstrieren. So wie auch die links freistehende Badewanne eher Lustspielen als ihrem eigentlichen Zweck dient. Überhaupt ist die Akrobatik ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser Inszenierung: Scintillas Gesang ist ebenso artistisch wie ihre körperlichen Verrenkungen, einer Trapezkünstlerin gleich hängt sie im und am weißen von der Decke baumelnden Tuch. Die weiteren Gäste dieser makabren Feier sind Habinnas, ihr Gatte, sowie Criside und Eumolpus. Auch die Sklaven Niceros, Philargyros und Cairo sind nur Staffage, einzig da, ihren Herren zufrieden zu stellen und dabei auch die Attacken seiner Frau Fortunata abzumildern. Da es kein richtig oder falsch bei diesem Werk gibt, ist Flexibilität von Musikern und Mitwirkenden gefordert. Simone di Felice, seit 2017/18 Kapellmeister an der Oper Frankfurt, bringt es präzise auf den Punkt: „Das ist wie beim Festessen einer italienischen Familie. Drei Stunden lang sprechen alle laut durcheinander, und keiner hört zu. Es gibt eigentlich keinen Dialog, sondern viele Monologe gleichzeitig und trotzdem haben am Ende alle eine gute Zeit – meistens.“  Leider hat das die Regisseurin allzu sehr beherzigt, so dass das Stück eher disparat wirkt und im optischen Overkill untergeht. Mehr Schein als Sein hat sie ihren Figuren – insbesondere dem Gastgeber Trimalchio bescheinigt –, so dass alles nur Oberfläche bleibt, von der von ihr beschriebenen „bissigen Gesellschaftssatire“ Bruno Madernas ist wenig zu spüren. Schade, denn sie hätte durch eine stringentere Erzählweise genau das zeigen können.

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Satyricon – hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Die Leistung aller Mitwirkenden kann gar nicht genug gelobt werden, das Publikum sah es ähnlich und belohnte die Mitwirkenden mit großem Applaus. Allen voran Peter Marsh als Trimalchio, der nicht nur mit den verschiedenen Sprachen hantieren muss, sondern musikalisch als ein mit Halbwissen um sich werfender in Gold gekleideter Gockel auftritt – mit großen Witz stattet er diesen über alle Epochen und Zeiten immer wiederkehrenden Zeitgenossen aus. Susanne Gritschneders eher geerdete oder berechnende Fortunata bildet einen schönen Kontrast dazu. Ambur Braid ist Scintilla, ihr zynisch angehauchter Mann Habinnas wird von Theo Lebow verkörpert. Criside, von Karen Vuong, und Eumolpus, von Mikolai Trabka, sind das andere Gästeehepaar. Die drei Sklaven werden von Kamil Mrozowski, Michael Gross und Manuel Gaubatz dargestellt. Unter Simone di Felice spielt ein fabelhaft aufgelegtes Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Für Bühnenbild zeichnet Kaspar Glarner, für Kostüme Cornelia Schmidt, für Licht Jan Hartmann und für Video Sami Bill verantwortlich.

Die Verschränkung der Stücke wirkt durchaus interessant, am Ende jedoch kann man sich nicht erwehren, nach der Sinnhaftigkeit der Verknüpfung zu fragen. Nichts verbindet sie, weder musikalisch noch inhaltlich – am ehesten noch, dass sie ein jeweils spezifisches gesellschaftliches Miteinander porträtieren und musikalisch erklingen lassen. Vielleicht hätte man beide Werke einer einzigen regieführenden Person überlassen sollen, so zerbröselte der Abend nach dem packenden ersten Teil zwar etwas, entwickelt aber insgesamt eine spannende, inspirierende Nachwirkung.

The Medium – Satyricon:  weitere Aufführungen im Bockenheimer Depot zur Zeit nicht auf dem Spielplan der Oper Frankfurt

 

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Neufassung Die Krönung der Poppea, 29.04.2017

April 25, 2017 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Die Krönung der Poppea  von Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi / Elena Kats-Chernin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

Mit der Monteverdi-Trilogie eröffnete Barrie Kosky 2012 seine Intendanz an der Komischen Oper Berlin und begeisterte Presse und Publikum. Der letzte Teil dieses Opern-Marathons, Die Krönung der Poppea, kehrt nun mit neuer Besetzung der Hauptpartien in einer musikalisch und szenisch überarbeiteten Fassung auf den Spielplan zurück. Die jungen Ensemblemitglieder Dominik Köninger und Alma Sadé verkörpern das in gefährlicher Leidenschaft füreinander entbrannte Liebespaar und beleuchten das Drama zwischen Liebe, Macht und Politik rund um den römischen Kaiser Nero und seine Geliebte Poppea darstellerisch und sängerisch aus neuer Perspektive. Komponistin Elena Kats-Chernin, die Claudio Monteverdis drei vollständig überlieferten Opern eigens für die Trilogie neu instrumentierte, überarbeitete ihre Instrumentierung für diese Wiederaufnahme und überrascht mehr als zuvor mit außergewöhnlichen Klangkombinationen. Regisseur Barrie Kosky arbeitete für die neue musikalische Struktur auch an der Szene, die zudem im Bühnenraum anders arrangiert sein wird als bei der Premiere 2012. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Matthew Toogood. Monteverdi macht seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Selbst die Prediger einer Moral sind zu Heuchlern geworden, die am Ende nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Die Unschuld der Liebe ist längst verloren und in ihr Gegenteil verkehrt. Liebe ist nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. So ist es ausgerechnet die »amour fou« der beiden Hauptfiguren, die das Gleichgewicht der politischen Mächte zu gefährden droht. In weiteren Partien sind u. a. Karolina Gumos, Maria Fiselier, Talya Lieberman, Thomas Michael Allen sowie Peter Renz als Amor zu erleben. Bis zum 3. Juni steht Die Krönung der Poppea auf dem Spielplan, ab 23. Juni 2017 kehrt mit Orpheus – erneut mit Dominik Köninger in der Titelpartie – der erste Trilogie-Teil zurück.

Libretto von Giovanni Francesco Busenello, Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf, Auftragswerk der Komischen Oper Berlin, Uraufführung L’incoronazione di Poppea im Winter 1642/43, im Teatro Santi Giovanni e Paolo, Venedig, Uraufführung Poppea im Rahmen der Monteverdi-Trilogie am 16. September 2012, Uraufführung der Überarbeitung Die Krönung der Poppea am 29. April 2017, Musikalische Leitung: Matthew Toogood, Inszenierung: Barrie Kosky, Bühnenbild/Kostüme: Katrin Lea Tag, Kostüme: Katharina Tasch, Dramaturgie: Ulrich Lenz, Licht: Alexander Koppelmann/Diego Leetz

Mit : Alma Sadé (Poppea), Dominik Köninger (Nero), Karolina Gumos (Octavia), Maria Fiselier (Otho), Julia Giebel (Drusilla), Jens Larsen (Seneca), Tansel Akzeybek (Valletto), Talya Lieberman (Damigella/Das Schicksal), Thomas Michael Allen (Arnalta), Tom Erik Lie (Amme), Peter Renz (Amor), Katarzyna Wodarczyk (Die Tugend), Adrian Strooper (Liberto) u. a.

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Hintergrund : Claudio Monteverdi und Die Krönung der Poppea,  Cremona, Mantua, Venedig – in diesen drei so unterschiedlichen oberitalienischen Städten spielt sich das Leben von Claudio Monteverdi ab, der in die Musikgeschichte zu Recht als Urvater der Gattung Oper eingegangen ist. Nicht nur mit seinen Lebensdaten (1567-1643) steht er zwischen Renaissance und Barock. Auch sein künstlerisches Werk ist zwischen diesen beiden kunstgeschichtlichen Epochen aufgespannt: Mit seinen Madrigalkompositionen bringt er die Vokalpolyphonie der Renaissance zu einem letzten Höhepunkt, mit seinen Opern wird er richtungsweisend für die um 1600 aufkommende, neue, Kompositionsweise des so genannten monodischen Stils.

Historische Personen und historisch belegte Ereignisse rund um den römischen Kaiser Nero bilden die Grundlage für Monteverdis letzte Oper Die Krönung der Poppea: Doch Monteverdi geht es nicht um historische Authentizität. Vielmehr macht er seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Weder die ehrgeizige Geliebte Poppea an der Seite des verliebten Machtmenschen Nero auf der einen Seite – noch Neros Lehrer und Mentor Seneca, der mit seinen Weisheiten die verstoßene Kaiserin Octavia zu trösten versucht, oder der von Poppea verschmähte Otho, der sein Schicksal bejammert und von Drusilla getröstet wird, auf der anderen Seite … Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Liebe ist in diesem Ränkespiel nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. Elena Kats-Chernin liest Claudio Monteverdi neu

Die uns überlieferten Handschriften der beiden letzten Opern Monteverdis lassen keinen Zweifel daran, dass es zwischen der notierten Form und der praktischen Ausführung eines größeren Anteils an ergänzender bzw. interpretierender Arbeit bedarf als bei einem Werk des 19. Jahrhunderts. Die Idee einer eindeutigen Festlegung im Sinne einer einzig gültigen Werkgestalt entstammt dem 18. und vor allem dem 19. Jahrhundert. Monteverdi und seinen Zeitgenossen wäre sie vollkommen fremd gewesen. Zahlreich sind die Bearbeiter*innen, die Monteverdis (heutigen Augen) fragmentarisch anmutende Opernwerke dem Publikum ihrer Zeit näher bringen wollten, darunter so bedeutende Namen wie Vincent d’Indy, Ottorino Respighi, Ernst Krenek, Luigi Dallapiccola, Nadia Boulanger, Luciano Berio, Bruno Maderna oder Hans Werner Henze. Von einer anderen Seite haben Musiker wie Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner oder Rene Jacobs versucht, die überlieferten Manuskripte mit den Augen von Monteverdis Zeitgenossen zu lesen und neu zu interpretieren.

Monteverdi gehörte zu den experimentierfreudigsten und offensten Komponisten der Musikgeschichte. Schließlich betrat er gerade mit seinen Opern völliges Neuland und besaß daher alle nur denkbaren Freiheiten. Nicht weniger experimentierfreudig ist das Schaffen der aus Usbekistan stammenden Komponistin Elena Kats-Chernin. Ähnlich wie Monteverdi zu seiner Zeit gehört auch sie nicht zu den Puristen. Als Grenzgängerin zwischen den unterschiedlichsten Kulturen (geboren in Taschkent, aufgewachsen in Moskau, Studium in Deutschland, lebt sie nun in Australien) eignet sie sich auf äußerst vitale Weise verschiedene Traditionen an, mit Hilfe derer sie auch populäre Quellen wie Jazz, Klezmer, Tango oder Ragtime in ihre Musik integriert. So findet in ihrer »Neuschöpfung« von Monteverdis letzter Oper neben traditionellen Instrumenten eines modernen Opernorchesters nicht nur ein barockes Instrument wie die Theorbe Verwendung, sondern auch für ein traditionelles Opernorchester eher ungewöhnliche Instrumente wie Saxophone, Banjos, eine Steel Guitar und ein Synthesizer. Ganz im frühbarocken Stil lässt sie – anders als die meisten Bearbeiter vor ihr – der Continuo-Gruppe Raum für improvisatorische Freiheiten.  Pressemeldung Komische Oper Berlin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

—| Pressemeldung Komische Oper Berlin |—

Essen, Philharmonie Essen, Festival für Neue Musik NOW!, 25.10. bis 17.11.2013

Oktober 22, 2013 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen Innen © PE-Frank-Vinken

Philharmonie Essen Innen © PE-Frank-Vinken

Festival für Neue Musik „NOW!“ widmet sich Klang und Raum

 
Dritte Auflage vom 25. Oktober bis 17. November 2013
 
Das Ruhrgebiet wird erneut zum Anziehungspunkt für Freunde zeitgenössischer Klänge: Vom 25. Oktober bis 17. November 2013 heißt es zum dritten Mal „NOW!“. Das Festival für Neue Musik steht diesmal unter dem Motto „sound surround“ und beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven das Phänomen von Klang und Raum. Die Philharmonie Essen lädt gemeinsam mit der Folkwang Universität der Künste, der Stiftung Zollverein, dem Landesmusikrat NRW sowie dem Kunstring Folkwang e.V. zu insgesamt 17 Konzerten ein. Erstmals ist das Festival auf drei aufeinander folgende Wochenenden im Oktober und November fokussiert. Gleichzeitig kommen neue Veranstaltungsorte hinzu: Neben der Philharmonie Essen, der Folkwang Universität der Künste und der Kokerei Zollverein, die bereits in den vergangenen Jahren beteiligt waren, geht es diesmal auch in die Jahrhunderthalle Bochum, den Essener Dom, das Museum Folkwang, das Chorforum Essen und den Club Hotel Shanghai. Vor allem aber stehen hochkarätige Künstler und Ensembles für die ausgezeichnete Qualität dieses Festivals: Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, das Kammerensemble Neue Musik Berlin, die Bang on a Can All-Stars, die Duisburger Philharmoniker sowie die Ondes Martenot-Spielerin Suzanne Binet-Audet und Matthew Herbert sind nur einige Namen, die eine wesentliche Rolle spielen.
 
Im spektakulären Auftaktkonzert am Freitag, 25. Oktober 2013, um 19:30 Uhr in der Jahrhunderthalle Bochum, kann das Publikum eine der bahnbrechendsten Klangraum-Kompositionen überhaupt erleben: In Karlheinz Stockhausens „Gruppen“ wird das Publikum in der Industriekathedrale von gleich drei Orchestern umringt, in diesem Fall von den Essener Philharmonikern, den Bochumer Symphonikern und dem Ensemble musikFabrik. Zur Uraufführung kommt außerdem „Quasar“ von Günter Steinke, der in seinem neuen Werk Stockhausens Komposition reflektiert. Die musikalische Gesamtleitung hat Johannes Kalitzke. Auch im abschließenden Konzert mit dem Titel „Xenakis“ am Sonntag, 17. November 2013, um 16:30 Uhr sind die Zuhörer in außergewöhnlicher Weise in das Klanggeschehen eingebunden. In den Werken „Terretektorh“ und „Nomos gamma“ des griechischen Komponisten Iannis Xenakis verteilen sich im Alfried Krupp Saal der Philharmonie nahezu einhundert Musiker im kreisförmig sitzenden Publikum.
 
Am Sonntag, 27. Oktober 2013, um 11 Uhr ist das diesjährige Festival-Motto „sound surround“ Thema eines Symposiums: Im RWE Pavillon der Philharmonie diskutieren die Komponisten Rebecca Saunders und Gordon Kampe, der Architekt Kaspar Kraemer und die Musikpublizistin Gisela Nauck unter anderem über die Frage, wie sich unser Hören im Zeitalter virtueller Räume verändert.
 
Zum Festival „NOW!“ erscheint ein Programmbuch mit Einführungen zu allen Werken und Biografien zu den beteiligten Künstlern. Die Publikation ist jeweils bei den Veranstaltungen erhältlich. (Auf Wunsch schicke ich Ihnen ab 15. Oktober gerne ein Exemplar in digitaler Form zu).
 
Eine Übersicht über alle Konzerte des Festivals finden Sie im Anhang.
 
Das Festival „NOW!“ wird gefördert von der Kunststiftung NRW.
 
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„NOW!“ sound surround 2013 – Konzertübersicht
 
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Freitag, 25. Oktober | 19:30 Uhr | Jahrhunderthalle Bochum, Halle 3
Stockhausen: „Gruppen“
 
Ensemble musikFabrik
Johannes Kalitzke, Dirigent
Essener Philharmoniker
Lucas Vis, Dirigent
Bochumer Symphoniker
Manuel Nawri, Dirigent
 
Günter Steinke „Quasar“ für Ensemble und großes Orchester im Raum (Uraufführung)
Karlheinz Stockhausen „Gruppen“ für drei Orchester, op. 6
 
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Samstag, 26. Oktober | 11:00 Uhr | Essener Dom
„Gloria“
 
Veronika Winter, Sopran
Constanze Backes, Sopran
Beat Duddeck, Alt
Rolf Ehlers, Alt
Georg Poplutz, Tenor
Nils Gebelhausen, Tenor
Thilo Dahlmann, Bass
Markus Flaig, Bass
Folkwang Vokalensemble
Johann Rosenmüller Ensemble
Jörg Breiding, Dirigent
 
Heinrich Schütz „Herr, unser Herrscher“, SWV 27
Giovanni Gabrieli „Plaudite, psallite“
Erik Mikael Karlsson „Intensities and interludes“
Gregorio Allegri „Miserere mei, Deus“
Gordon Kampe „Mondbeschreibungen“ für sechs Solostimmen, gemischten Chor, Ensemble und
Zuspielungen (Uraufführung)
Claudio Monteverdi „Gloria a 7“
Heinrich Schütz „Halleluja! Lobe den Herrn in seinem Heiligtum“, SWV 38
 
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Samstag, 26. Oktober | 15:30 Uhr | Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal
Hybride Musik für Mensch und Maschine
 
Katia Guedes, Stimme
Lesley Olson, Flöte
Alexandre Babel, Schlagzeug
Kammerensemble Neue Musik Berlin
Titus Engel, Dirigent
Dirk Reith, Klangregie
Thomas Neuhaus, Klangregie
Günter Steinke, Klangregie
Masahiro Miwa, Klangregie
Roland Pfrengle, Klangregie
Michael Schlappa, Bildregie
 
Dirk Reith / Thomas Neuhaus / Günter Steinke
„Essener Trilogie“ für Sound Box, StringThing, Talking Machine, 24 Piece Percussion, Installation,
Schlagzeug, Ensemble, Modulatoren und elektronische Klangerzeuger (Uraufführung)
Tom Johnson „Two pieces for the 24 Piece Percussion Installation“
Masahiro Miwa „hitonokiesari (people vanish)“ für Singing Machine, Ein Ton und neun Musiker (Uraufführung)
Schaun Tozer „All Change“ für Flöte und Flute Playing Machine
Roland Pfrengle „Projektionen – Technologie und Empfindung“ für Talking Machine, StringThing, 24
Piece Percussion Installation, Stimme, Flöte, Perkussion, Ensemble und Live-Elektronik (UA)
 
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Samstag, 26. Oktober | 19:30 Uhr | Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal
„Rituel“
 
Martin Fahlenbock, Flöte
Jaime Gonzalez, Oboe
Shizuyo Oka, Klarinette
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
François-Xavier Roth, Dirigent
 
Iannis Xenakis „Alax“ für drei Instrumentalgruppen
Alberto Posadas „Kerguelen“ – Tripelkonzert für drei Bläser und Orchester (Komposition der Donaueschinger
Musiktage 2013)
Pierre Boulez „Rituel in memoriam Bruno Maderna“ für Orchester in acht Gruppen
 
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Sonntag, 27. Oktober | 11:00 Uhr | Philharmonie Essen, RWE Pavillon
Symposium
 
Mit Rebecca Saunders, Kaspar Kraemer, Gisela Nauck und Gordon Kampe.
Günter Steinke, Moderation
 
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Sonntag, 27. Oktober | 15:00 Uhr | Philharmonie Essen, RWE Pavillon
„in sync“
 
Alban Wesly, Fagott
Bruce Collings, Posaune
Studio musikFabrik
Peter Veale, Dirigent
 
Harrison Birtwistle
„Ritual Fragment – A ceremony for fourteen musicians in memory of Michael Vyner“
James Tenney „Form 3 – In Memoriam Stefan Wolpe“
Atac Sezer „infinitimal“ für Fagott, Posaune und Ensemble (Kompositionsauftrag der Kunststiftung
NRW für das Studio musikFabrik)
 
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Sonntag, 27. Oktober | 17:00 Uhr | Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal
„Gesang der Jünglinge“
 
Carl Rosman, Klarinette
Ensemble musikFabrik
Paul Jeukendrup, Klangregie
 
Karlheinz Stockhausen „Gesang der Jünglinge“
Richard Barrett „Interference“ für Kontrabassklarinette mit Bass-Drum
James Tenney „Form 2“ in memoriam John Cage
Rebecca Saunders „Stasis“
 
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Freitag, 8. November | 19:00 Uhr | Folkwang Universität der Künste, Neue Aula
Ondes Martenot
 
Suzanne Binet-Audet, Ondes Martenot
Gilles Gobeil, Live-Elektronik, Spatialisierung / Klangregie
 
Gilles Gobeil „Bol-Hydre“
Gilles Gobeil „Des temps oubliés“
Gilles Gobeil „Voix blanche“
Gilles Gobeil „Là où vont les nuages …“
Gilles Gobeil „La perle et l’oubli“
 
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Freitag, 8. November | 21:30 Uhr | Kokerei Zollverein, Salzlager
Matthew Herbert & Band
 
Matthew Herbert
Yann Seznec, Electronics
Tom Skinner, Percussion
Sam Beste, Keyboard
 
Matthew Herbert „End of silence“
 
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Freitag, 8. November | 23:00 Uhr | Hotel Shanghai
C3 – Club Contemporary Classical Club Nacht
 
DJ-Sets von Matthew Herbert und Resident Tobias Becker.
Der Festivalpass “NOW!” gilt nicht für diese Veranstaltung.
 
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Samstag, 9. November | 20:00 Uhr | Kokerei Zollverein, Salzlager
Stefan Goldmann
Stefan Goldmann, Live-Elektronik
Stefan Froleyks, Gereon Voß, Matthias Engler, Perkussion
 
Stefan Goldmann „Solo-Set“
Stefan Goldmann „Trails“ für drei Perkussionisten und Live-Elektronik
 
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Sonntag, 10. November | 18:00 Uhr | Kokerei Zollverein, Salzlager
„Music for Airports“
 
Bang on a Can All-Stars
 
Michael Gordon „For Madeline“
Julia Wolfe „Believing“
Brian Eno „Music for airports” (Arrangement: Bang on a Can All-Stars)
 
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Freitag, 15. November | 18:00 Uhr | Chorforum Essen
„Lux aeterna“
 
Amen Feizabadi, Video
Dietrich Hahne, Video, Klangregie
Thomas Neuhaus, Klangregie
 
György Ligeti „Lux aeterna“ (9CH-Videokontrafaktur)
Jean-Claude Risset „Sud I“ (Tape)
Thomas Tallis „Spem in alium“ (9CH-Videokontrafaktur)
Jean-Claude Risset „Sud II“ (Tape)
Alessandro Striggio „Ecce beatam lucem“ (9CH-Videokontrafaktur)
Jean-Claude Risset „Sud III“ (Tape)
Dietrich Hahne „Moon.American.Floyd.“ (9CH-Videokontrafaktur)
 
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Samstag, 16. November | 16:00 Uhr | Philharmonie Essen, RWE Pavillon
Splash
 
SPLASH – Perkussion NRW
Stephan Froleyks, Dirigent
Ralf Holtschneider, Dirigent
 
Steve Reich „Drumming“ – Part 1
David Lang „Face so pale“ für sechs Schlagzeuger
Gerhard Stäbler „Kybele“ für drei Schlagzeuger
SPLASH – Perkussion NRW „Samba brasiliera“
 
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Samstag, 16. November | 18:00 Uhr | Folkwang Universität der Künste, Neue Aula
„Klicksonar“
 
Pia Hauser, Flöte
Jan Termath, Tuba
Ensemble folkwang modern
Eva Fodor, Dirigentin
 
Luigi Nono „Post-Prae-Ludium per Donau“ für Tuba und Live-Elektronik
Peter Eötvös „Windsequenzen“ für Flöte und Ensemble
Roman Pfeifer „Klicksonar“ für Ensemble und Live-Elektronik (Uraufführung)
 
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Sonntag, 17. November | 14:00 Uhr | Museum Folkwang, Karl-Ernst-Osthaus-Saal
„Farb-Räume“
 
E-MEX-Ensemble
Evelin Degen, Flöte
Joachim Striepens, Klarinette
Andreas Roth, Posaune
Kalina Kolarova, Violine
Burkart Zeller, Violoncello
Martin von der Heydt, Klavier
Michael Pattmann, Schlagzeug
Bernd Schultheis, Klangregie
Christoph Maria Wagner, Dirigent
 
Karlheinz Stockhausen „Studie I“
Cort Lippe „Music for septet and computer“ (Uraufführung)
Helmut Lachenmann „Intérieur I“, „Dal niente“, „Guero“ — Simultanaufführung für Schlagzeug, Klarinette
und Klavier
Gérard Grisey „Solo pour deux“ für Klarinette und Posaune
Tristan Murail „Treize couleurs du soleil couchant“ für Flöte, Klarinette, Klavier, Violine, Violoncello
und Live-Elektronik
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Sonntag, 17. November | 16:30 Uhr | Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal
Xenakis
MP6 multipercussion ensemble
Duisburger Philharmoniker
Rüdiger Bohn, Dirigent
Iannis Xenakis „Terretektorh“ für im Publikum verteiltes Orchester von 88 Instrumentalisten
Iannis Xenakis „Nomos gamma“ für im Publikum verteiltes Orchester von 98 Instrumentalisten
Witold Lutoslawski „Livre pour orchestre“
Iannis Xenakis „Persephassa“ für sechs Perkussionisten
Donnerstag, 23. Januar 2014 | 16:00 Uhr | Philharmonie Essen, Alfried Krupp Saal
Kompositionsprojekt „Sound Lab“
Lesley Olson, Workshop-Leitung
 
—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Chemnitz, Theater Chemnitz, 1. Sinfoniekonzert, 19./19.09.2013

September 16, 2013 by  
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Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz

1. Sinfoniekonzert

 
18. / 19. September 2013, 20.00 Uhr in der Stadthalle Chemnitz
 
Eintritt für Kinder und Enkel (bis 18 J.) der Konzertbesucher frei
 
Pjotr I. Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 „Pathétique“
 
Deutsche Erstaufführung
Bruno Maderna: Requiem für Soli, Chor und Orchester
 
Diana Tomsche, Sopran
Kathrin Göring, Alt 
Bernhard Berchtold, Tenor 
Rolf Broman, Bass
 
MDR Rundfunkchor
Einstudierung: Bart van Reyn
 
Dirigent: Frank Beermann
Robert-Schumann-Philharmonie
 
Mitschnitt durch Deutschlandradio Kultur, Ausstrahlung am 4. Oktober 2013
  
Mit einem Paukenschlag eröffnet die Robert-Schumann-Philharmonie die Konzertsaison 2013/2014: Pünktlich zum 40. Todesjahr des venezianischen Komponisten Bruno Maderna (1920-1973) erklingt sein lange verschollen geglaubtes Requiem als Deutsche Erstaufführung. Maderna gilt als eine der Säulen der Darmstädter Ferienkurse für neue Musik, doch bevor er sich der Avantgarde zuwandte, hatten seine Werke eher neoklassizistischen Charakter. Aus kurzer deutscher Gefangenschaft heimgekehrt, begann Maderna noch vor Kriegsende, ein monumentales Requiem zu entwerfen, das in seinen Dimensionen an die Pendants von Verdi oder Berlioz erinnert. Erschüttert von den Ereignissen des 2. Weltkrieges konnte er sich damals nicht vorstellen, etwas anderes zu komponieren als eine Totenmesse, gedacht als pazifistisches Manifest.
Der amerikanische Komponist und Kritiker Virgil Thomson bekam die Partitur zu Gesicht, war tief beeindruckt und versprach Maderna eine Uraufführung in den USA. Dazu kam es damals nicht, und da Maderna sich 1948 intensiver mit der Zwölftonmusik auseinanderzusetzen begann, verlor er selbst das Interesse an einer Aufführung. Erst 2009 wurde die Partitur in einem amerikanischen Archiv aufgefunden und im Teatro Fenice in Venedig uraufgeführt. 
 
Thematisch eng verknüpft, bildet die 6. Sinfonie von Pjotr I. Tschaikowsky (1840-1893) einen gewichtigen Kontrapunkt. Sie steht im Zusammenhang mit dem mysteriösen Tod des Komponisten nur 9 Tage nach der Uraufführung im Oktober 1893 in St. Petersburg. Die kontrastreiche Anlage des Werks, in der Tschaikowsky seine ganze sinfonische Meisterschaft entfaltet, mündet in ein Finale von Mahlerscher Düsternis, das durch die vorangegangene „Parade höllischer Mächte“ umso bestürzender wirkt und ein Werk von immenser Tragik beschließt – den frappierenden Abgesang eines tief unglücklichen Menschen auf Utopie und Realität des Lebens.
 
—| Pressemeldung Theater Chemnitz |—

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