Dresden, Sächsische Staatskapelle, 4. Symphoniekonzert – Reimann, Bartok, IOCO Kritik, 13.11.2019

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

 4. Symphoniekonzert – Sächsische Staatskapelle

  Neun Miniaturen von Aribert Reimann –  Herzog Blaubart von Bela Bartók

von Thomas Thielemann

Immerhin bedurfte es des 4. Symphoniekonzerts, ehe der Saison-Capell-Compositeur Aribert Reimann mit seinen „Neun Stücke für Orchester“-zu Gedichten von Paul  Celan ein Werk seines Schaffens vorstellte.

Der Komponist Aribert Reimann, geboren 1936,  und der Lyriker Paul Celan (1920-1970) lernten sich 1957 trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Sozialisation 1957 in Paris kennen und schätzen. Reimann ist der jüngste Sohn einer Berliner Kirchenmusiker-Familie, während Paul Celan, ursprünglich Antschel, in einer deutschsprachlichen jüdischen Familie in Cernowitz, damals Rumänien zugehörig, geboren wurde. Während Reimanns Weg zum erfolgreichen Komponisten geradlinig verlief, konnte Paul Celan nach Ghetto sowie Zwangsarbeit erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Bukarest sein Romanistik-Studium abschließen und als Übersetzer bzw. Lektor arbeiten. Offenbar begann er bereits als Student Lyrik zu schreiben, denn nachdem er 1947 über Ungarn nach Wien übersiedelte, konnte er im Folgejahr einen ersten Gedichtband vorlegen. Möglicherweise unter dem Einfluss von Ingeborg Bachmann, mit der ihn ein Liebesverhältnis verband, siedelte er im gleichen Jahr nach Paris um.

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Die Struktur der Lyrik von Paul Celan, seine logisch kaum fassbaren Sprachkunstwerke aus rätselhaften Chiffren und Metaphern beeindruckten Aribert Reimann derart, dass er sein Liedschaffen zu einem großen Teil mit Celan-Texten gestaltete.

Im März 1992 komponierte er neun Lieder ohne Klavier- oder Orchesterbegleitung für Mezzosopran nach Celan-Texten über das Leid, den Verlust, die Trauer und nannte den Zyklus „Eingedunkelt“. Die Wirkung der Uraufführung des Zyklus durch Brigitte Fassbaender im Juni 1993 auf die Zuhörer bestätigte das Vertrauen Reimanns in die expressive Kraft der Verse und veranlassten ihn, noch einmal die Auseinandersetzung mit den Gedichten Celans zu suchen. „Ich war von der Idee gefangen, die Welt der Gedichte in absolute Musik zu verwandeln“. Die Poesie Paul Celans tritt bei den Orchesterstücken zugunsten einer rein musikalischen Welt zurück.

Die musikalische Leitung des Konzerts hatte der 1958 geborene Kalifornier David Robertson übernommen. Robertson, Chefdirigent und künstlerische Leiter des Sydney Symphony Orchestra, gehört bisher noch nicht zu den ständigen Gastdirigenten der Staatskapelle. In Erinnerung ist uns eine Vertretung als musikalischer Leiter des 9. Symphoniekonzert im Februar 2016 wegen seines heiteren Auftretens geblieben. Ohne Probe hatte er Werke von Beethoven und Ruzicka dirigierte.

Die neun Miniaturen nach Versen von Paul Celan im besprochenen Konzert dirigierte David Robertson artikuliert und souverän, mit viel Sinn für Farbe, aber auch mit Deutlichkeit in den düsteren Momenten. Immer vermittelt er der Musik Reimanns Halt in sprach-analoger Klang-Rhetorik. Die Musiker, der Interpret und Aribert Reimann, der selbst anwesend war, erhielten mehr als nur freundlichen Beifall.

Sächsische Staatskapelle Dresden / 4. Symphoniekonzert - hier : Dirigent David Robertson © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / 4. Symphoniekonzert – hier : Dirigent David Robertson © Matthias Creutziger

Die Botschaft der im zweiten Konzert-Teil gebotenen konzertanten Aufführung von Bela Bartoks einaktiger Oper Herzog Blaubarts Burg ist fatalistisch. Ob seiner sexualneurotischen Verbrechen gehört der Ritter Blaubart zu den großen Bösewichtern der Literatur. Es gibt mit dem berüchtigtem Serienmörder Baron Gilles de Rais (1404-1440), einem Waffenbruder der Jeanne d´Arc, sogar ein historisches Vorbild. Sein Treiben hatte 1697 Charles Perrault im Märchenbuch Contes de am Mère l´Oye in die Literatur eingeführt, wobei im Märchen Blaubarts letzte Frau dem Schicksal ihrer Vorgängerinnen in letzter Sekunde entging. 1812 ging die Blaubart-Sage in die Märchensammlung der Gebrüder Grimm ein. Möglicherweise in der Folge der Forschungen Sigmund Freuds über psychische Abgründe des Menschen bekam die Blaubart-Legende um 1900 eine gewisse Renaissance.

Neben Maurice Maeterlinck, Paul Dukas, Judith Kuckart, Alfred Döblin und anderen  beschäftigte sich auch der Dichter und spätere Filmtheoretiker und -kritiker Herbert Bauer (1884-1949) mit der verstörenden Geschichte von männlicher Gewalt und weiblicher Neugierde. Mit Kodály, Bartók und dem Philosophen Georg Lukácz war er über das Land gezogen, um Volksmusik und im Volk kursierende Sagen zu sammeln. Dabei hatte er auf der Suche seines Ungartums den Namen Béla Balázs angenommen.

Als er seine symbolistische Fassung einer uralten ungarischen Volksballade im Salon des Ehepaars Kodály vorlas, äußerte Bartók die Idee einer psychologischen Programm-Musik und die Umwandlung des Stoffes in eine „klangfarbensymbolische Tiefendimension“. Bartók fühlte sich, so sein Biograf  György Kroó, zu dieser Zeit ob seiner Nietzsche Lektüre in einen sonderbaren Schwebezustand.

Bartók komponierte 1911 eine Erstfassung, die er 1912 und 1918 revidierte. Erst dann erlaubte das gespannte Verhältnis Bartóks zur akademischen ungarischen Musikszene eine Uraufführung. Die derzeit gespielte Fassung ist 1921 entstanden.

Die Handlung der Oper Herzog Blaubarts Burg umfasst lediglich, dass des Blaubarts neue Frau Judith seine Burg betritt, sieben schwarze Türen vorfindet, und von da an in alle sieben Räume einzudringen versucht. Das bedeutet, durch fortwährende Grenzüberschreitungen die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft des Mannes gegen seinen Willen zu erobern. Die Öffnung von Folterkammer, Waffenkammer, Schatzkammer, Zaubergarten und Landbesitz, sprich: seine Macht, erlösen Blaubart von seinen Komplexen. Judiths Dynamik treibt nahezu erpresserisch seine Erlösung. Trotzdem lenkt der Mann: Er entscheidet, wann die Tür geöffnet wird. Mit der siebten Tür, dem Tränen-See, kippt die Erlöserrolle zum besessenen Verlangen nach der ganzen Wahrheit. Hinter der sechsten Tür aber betreuen Blaubarts frühere Frauen: die erste „den Morgen“, die zweite „den Mittag“ und die dritte „den Abend“, weil auch sie zu viel wissen wollten. Für Judith bleibt damit die ewige Betreuung „der Nacht“. Für Blaubart ist der Versuch, wieder zu lieben, gescheitert.

Sächsische Staatskapelle Dresden / 4. Symphoniekonzert - hier : Dirigent David Robertson, Sopranistin Elena Zhidkova und Matthias Goerne © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / 4. Symphoniekonzert – hier : Dirigent David Robertson, Sopranistin Elena Zhidkova und Matthias Goerne © Matthias Creutziger

Den Prolog zur Oper sprach David Robertson auf Ungarisch und verweist den Zuhörer auf die Texteinblendungen. Sein Dirigat war intensiv, dynamisch und klangfarbenreich. Streckenweise ließ er das Orchester zu voller Pracht aufblühen. Dann aber blieb der Ton verhalten-intim in einem Schwebezustand und ein eisiger Hauch durchzog den Raum. Die eigentliche psychologische Konfrontation zwischen Judith und Blaubart wurde vornehmlich von einer hervorragend aufgestellten Staatskapelle mit ihren wunderbaren Solisten abgebildet. Besonders waren der Solo-Trommler Thomas Käppler, der Solo-Klarinettist Robert Oberaigner sowie die beiden Harfenistinnen Astrid von Brück und Johanna Schellenberger aufföllig. Auch konnten wir als neuen Konzertmeister Nathan Giem am ersten Pult erleben.

Diesem Konzept folgten die beiden Gestalter der Gesangspartien. Die wunderbare Mezzosopranistin Elena Zhidkova brachte die fortwährend vollzogenen und zunächst auch gelungenen Grenzüberschreitungen der Judith mit prachtvollem Stimmeinsatz zu Gehör. Dabei signalisiert sie einerseits den Wunsch nach Vereinigung, bringt aber andererseits den Gegensatz des Weiblichen zum Männlichen zur Geltung. Wenig beeindrucken sie seine „Lande“, die Herzog Blaubart prahlend, mit Blechunterstützung vom Rang, präsentiert. Die Erlöserrolle entwickelt die Sopranistin zunehmend zum besessenen Verlangen nach der „ganzen Wahrheit“. Elena Zhidkovas Judith handelt aus freiem Willen und akzeptiert ihr tragisches Ende nahezu gefühllos.

Anders der stimmlich hervorragend angepasste Herzog Blaubart von Matthias Goerne. Seine Einsamkeit, repräsentiert durch die Beschreibung der dunklen, kalten und kargen Burg, verändert sich durch den Kontakt mit der Frau. Andererseits entscheidet er, ob und wann er die nächste Tür öffnet, um sich die Liebe der Judith zu erhalten. Damit ist er nicht in der Lage, die Öffnung der siebten Tür zu verweigern. Das zwingt ihn letztlich, die aktive Figur der Judith als erstarrten Gegenstand zum Baustein seiner Burg zu machen.

Frenetischer Beifall des leider nicht voll besetzten Auditoriums für Solisten, Dirigent und  Staatskapelle war hörbarer Beleg für den Erfolg des 4. Symphoniekonzert der Sächischen Staatskapelle.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Premiere DER JUNGE LORD, 23.05.2019


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

 DER JUNGE LORD – Hans Werner Henze

Premiere 23. Mai 2019 19.30 Uhr

Nach einer Parabel aus Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven von Wilhelm Hauff In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Staatstheater am Gärtnerplatz / DER JUNGE LORD - Probe - Brett Sprague (Lord Barrat), Ensemble, Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

Staatstheater am Gärtnerplatz / DER JUNGE LORD – Probe – Brett Sprague (Lord Barrat), Ensemble, Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

Hans Werner Henzes komische Oper DER JUNGE LORD mit einem Libretto von Ingeborg Bachmann feiert am 23. Mai Premiere im Gärtnerplatztheater. Die Grand Dame des Musiktheaters Brigitte Fassbaender, die im Juli ihren 80. Geburtstag feiert, inszeniert das Werk. Die Musikalische Leitung hat Chefdirigent Anthony Bramall.

Ein kleines Provinzstädtchen will sich groß tun und macht sich dabei zum Affen – eine brillante Satire auf kleinbürgerliche Großmannssucht, aber auch eine Parabel über Fremdenfeindlichkeit und die Verführbarkeit der Gesellschaft.

Vor der Premiere laden wir Sie am 12. Mai zur Premierenmatinee ein. Dramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz informiert Sie gemeinsam mit beteiligten Künstlerinnen und Künstlern über das Stück und die Inszenierung – mit vielen musikalischen Beispielen. Sie erhalten zudem Einblicke in den Entstehungsprozess der Neuproduktion.

Musikalische Leitung   Anthony Bramall, Regie  Brigitte Fassbaender, Choreografische Mitarbeit   Alessio Attanasio, Bühne / Kostüme   Dietrich von Grebmer, Licht   Wieland Müller-Haslinger, Video   Raphael Kurig, Thomas Mahnecke, Dramaturgie   David Treffinger

Mit:  Sir Edgar – Dieter Fernengel, Sir Edgars SekretärChristoph Filler, Lord Barrat  Maximilian Mayer / Brett Sprague, Begonia   Bonita Hyman, Der Bürgermeister   Levente Páll, Oberjustizrat Hasentreffer Liviu Holender, Ökonomierat Scharf   Holger Ohlmann. Professor von Mucker   Juan Carlos Falcón, Baronin Grünwiesel   Ann-Katrin Naidu, Frau von Hufnagel   Anna-Katharina Tonauer, Frau Oberjustizrat Hasentreffer   Jennifer O’Loughlin, Luise   Mária Celeng, Ida   Ilia Staple, Ein Kammermädchen   Elaine Ortiz Arandes, Wilhelm   Lucian Krasznec, Amintore La Rocca   Alexandros Tsilogiannis, Ein Schneeschipper   Martin Hausberg, Chor, Extrachor und Kinderchor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Premiere   23. Mai 2019, Premierenmatinee   12. Mai 2019, Weitere Vorstellungen
Mai   26 / 30, Juni   5 / 8 / 14, 2019

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN, OKTOBER 2018

August 10, 2018 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung, Spielpläne

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM OKTOBER 2018


Sonntag, 28. Oktober 2018, um 18.00 Uhr im Opernhaus

Premiere / Frankfurter Erstaufführung
IOLANTA
Lyrische Oper in einem Akt von Peter I. Tschaikowski
In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Premiere
OEDIPUS REX
Opernoratorium in zwei Akten von Igor Strawinsky
In lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle / Nikolai Petersen; Regie: Lydia Steier

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle © Barbara Aumueller

Mitwirkende Iolanta: Asmik Grigorian (Iolanta), Robert Pomakov (König René), AJ Glueckert (Graf Vaudémont), Gary Griffiths (Robert), Andreas Bauer (Ibn-Hakia), Judita Nagyová (Martha), Kateryna Kasper (Brigitta), Nina Tarandek (Laura), Magnús Baldvinsson (Bertrand), Matthew Swensen (Almeric)
Mitwirkende Odipus Rex: Peter Marsh (Ödipus), Tanja Ariane Baumgartner (Jokaste), Gary Griffiths (Kreon), Andreas Bauer (Teiresias), Matthew Swensen (Hirte), Brandon Cedel (Bote)

Weitere Vorstellungen: 1., 3., 8., 11. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 16., 18. (18.00 Uhr), 23., 25. November, 1. Dezember 2018

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Lydia Steier  © Sandra Then

Oper Frankfurt / Lydia Steier © Sandra Then

Mit diesem Opern-Doppel – bestehend aus Iolanta von Peter I. Tschaikowski (1840-1893) und Oedipus Rex von Igor Strawinsky (1882-1972) – setzt die Oper Frankfurt ihre Tradition fort, Kurzopern aus verschiedenen Stilepochen miteinander zu kombinieren – zum Gewinn des Publikums. Tschaikowskis 1892 in St. Petersburg uraufgeführter Iolanta diente ein märchenhaftes Schauspiel (1845) des Dänen Henrik Hertz als literarische Vorlage. Die Komposition steht noch völlig in romantischer Tradition und lässt Anklänge an Wagners Tristan und Isolde hören; auch dies ein Werk, das die äußere Handlung durch die musikalisch geschilderten inneren Vorgänge und Entwicklungen der Protagonisten ausdrückt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich zunehmender Erfolg ein, zuerst nur in Russland, später auch im Ausland. Strawinskys Oedipus Rex gelangte 1927 in Paris zur konzertanten bzw. ein Jahr später in Wien zur szenischen Uraufführung. Das Libretto nach Sophokles stammt von Jean Cocteau, dessen Antikenrezeption Strawinsky faszinierte. Nach der Lektüre einer Biografie des Franz von Assisi kam der Komponist auf die Idee, das Werk ins Lateinische zu übersetzen. Wie zu einer Collage von objets trouvés verbinden sich Rhythmen und Harmonien, die ihre Einflüsse aus dem Mittelalter, aus russisch-orthodoxer Kirchen- und Volksmusik sowie aus der Klassik und dem Jazz beziehen. Auch hier fand die internationale Verbreitung erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

In beiden Stücken geht es um die Blindheit der jeweiligen Hauptperson – einmal im realen und einmal im übertragenen Sinne: Die Königstochter Iolanta kann nicht sehen und wird auf strenges Geheiß ihres Vaters von ihrer Umgebung in Unkenntnis über ihre Behinderung gehalten. Als der in sie verliebte Graf Vaudémont sie mit den Tatsachen konfrontiert, wird er vom König angeblich zum Tode verurteilt. Durch die Liebe findet Iolanta die Kraft, sich einer Therapie zu unterziehen, die ihr schließlich das Augenlicht wiedergibt. König Ödipus hingegen verschließt seine Augen vor der Tatsache, dass er unwissentlich zum Mörder des eigenen Vaters und zum Ehemann seiner Mutter Jokaste wurde. Als die Wahrheit ans Licht kommt, begeht seine Mutter Selbstmord, und er selbst sticht sich die Augen aus.

Die musikalische Leitung liegt bei Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der damit seine erste Neuproduktion der Saison 2018/19 an seinem Stammhaus vorlegt. Gerade an der Wiener Staatsoper mit Wagners Lohengrin zu Gast, wird er zusätzlich zu seinen hiesigen Aufgaben ab 2019/20 das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra Tokio als Chefdirigent übernehmen. Mit ihm wechselt sich bei dieser Produktion Kapellmeister Nikolai Petersen am Pult ab. Die Amerikanerin Lydia Steier wird als eine der führenden Opernregisseurinnen ihrer Generation gehandelt. Neben ihrem Debüt an der Oper Frankfurt gehören Puccinis Turandot an der Oper Köln, Berlioz’ Les Troyens an der Semperoper Dresden, Strawinskys The Rake’s Progress am Theater Basel und Mozarts Die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 2018 zu ihren jüngsten Aufgaben. Asmik Grigorian (Iolanta) stammt aus Litauen und gibt gleichfalls ihr Hausdebüt. Im Terminkalender der vielgefragten Sopranistin stehen Strauss’ Salome bei den Salzburger Festspielen 2018, Puccinis Madame Butterfly an der Königlichen Oper Stockholm und Marietta in Korngolds Die tote Stadt an der Mailänder Scala. Robert Pomakov (König René) gab hier 2016/17 sein Hausdebüt als Gremin in Tschaikowskis Eugen Onegin, kürzlich gefolgt von Oroveso in Bellinis Norma. Regelmäßig gastiert der kanadische Bass an der New Yorker Metropolitan Opera und der Opéra National de Paris. Der amerikanische Tenor AJ Glueckert (Graf Vaudémont) gehört seit 2017/18 zum Frankfurter Ensemble, wo er zuletzt Flamand in Strauss’ Capriccio, Skuratov in Janá?eks Aus einem Totenhaus und Froh in Wagners Das Rheingold verkörperte. Zudem gastierte er jüngst als Bacchus in Strauss’ Ariadne auf Naxos beim Glyndebourne Festival und als Erik in Wagners Der fliegende Holländer an der New Yorker Met. Seit 1998/99 gehört Peter Marsh (Oedipus) zum Ensemble der Oper Frankfurt, wo er zuletzt u.a. als Walter in Weinbergs Die Passagierin (in dieser Partie gastierte er auch in Wien und Tel Aviv), der Rebell in K?eneks Das geheime Königreich und Šapkin in Aus einem Totenhaus zu erleben war. Neben ihren internationalen Gastengagements sang Tanja Ariane Baumgartner (Jokaste) jüngst an ihrem Frankfurter Stammhaus Cassandre in Berlioz’ Les Troyens, Azucena in Verdis Il trovatore und Clairon in Strauss’ Capriccio sowie einen stark akklamierten Liederabend. Alle übrigen Partien sind mit Ensemblemitgliedern und Gästen besetzt.


Samstag, 6. Oktober 2018, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Erste Wiederaufnahme
CAPRICCIO
Konversationsstück mit Musik in einem Aufzug von Richard Strauss
Mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Lothar Koenigs; Inszenierung: Brigitte Fassbaender

Oper Frankfurt /Capriccio © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt /Capriccio © Monika Rittershaus

Mitwirkende: Kirsten MacKinnon (Gräfin Madeleine), Sebastian Geyer (Graf), AJ Glueckert (Flamand), Iain MacNeil (Olivier), Alfred Reiter (La Roche), Tanja Ariane Baumgartner (Clairon), Hans-Jürgen Lazar (Monsieur Taupe), Florina Ilie (Eine italienische Sängerin), Michael Petruccelli (Ein italienischer Tenor), Gurgen Baveyan (Der Haushofmeister), Katharina Wiedenhofer (Eine junge Tänzerin) u.a.

Weitere Vorstellungen: 12., 19., 26. Oktober, 4. (18.00 Uhr) November 2018

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mitten im Krieg legte Richard Strauss (1864-1949) mit seiner letzten, am 28. Oktober 1942 im Münchner Nationaltheater uraufgeführten Oper Capriccio sein musikdramatisches Vermächtnis vor. Das Dirigat oblag damals seinem Freund Clemens Krauss, der zudem das Libretto des Werkes eingerichtet hatte. Beide Künstler sind aus heutiger Sicht nur schwer vom Vorwurf der Nutznießerschaft am nationalsozialistischen System freizusprechen. Und so wollte sich Regisseurin Brigitte Fassbaender auch nicht damit abfinden, lediglich – wie es das Libretto vorsieht – die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern zu erzählen, sozusagen als Sinnbild der Erörterung zweier entgegengesetzter musiktheoretischer Positionen: Was ist wichtiger – das Wort oder die Musik?
Fassbaender verlegt also die in Paris angesiedelte Handlung in die vierziger Jahre zur Zeit der deutschen Besatzung und macht aus der Gräfin kurzerhand eine Resistance-Kämpferin, die es auf ihrem Schloss mit Kollaborateuren und Gleichgesinnten zu tun bekommt. Publikum und Presse zeigten sich nach der Premiere am 14. Januar 2018 von der tiefgründigen, aber auch äußerst humorvollen Inszenierung angetan. So berichtete etwa die Frankfurter Rundschau: „Wenn es so etwas wie eine »Modellaufführung« gibt, so wäre die Regiearbeit von Brigitte Fassbaender als solche zu apostrophieren: (…) besonnenes, unaufdringliches, zugleich gedanklich mutig-entschiedenes Regietheater.“

Oper Frankfurt  / Capriccio © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Capriccio © Monika Rittershaus

Anlässlich der ersten Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Saison 2017/18 weist der Besetzungszettel einige neue Namen auf: Die musikalische Leitung liegt bei dem deutschen Dirigenten Lothar Koenigs, der damit sein Hausdebüt vorlegt. Nach Chefpositionen in Cardiff und Osnabrück ist er freiberuflich tätig und regelmäßig zu Gast an den Opernhäusern von München, Hamburg, Dresden, Zürich, Mailand und London sowie an der New Yorker Metropolitan Opera. Die kanadische Sopranistin Kirsten MacKinnon (Gräfin Madeleine) feierte 2017/18 ihr stark akklamiertes Frankfurt-Debüt als Ines in Meyerbeers L’Africaine – Vasco da Gama. Ab der Spielzeit 2018/19 gehört sie nun zum Ensemble der Oper Frankfurt. An ihrer Seite steigt auch Sebastian Geyer (Graf) neu in die Produktion ein. Er gehört gleichfalls zum festen Sängerstamm der Oper Frankfurt und gastierte kürzlich als der Fremde in Millöckers Gasparone an der Wiener Volksoper. Die Partie des Monsieur Taupe übernimmt das langjährige Ensemblemitglied Hans-Jürgen Lazar, und aus dem Opernstudio der Oper Frankfurt steigen Iain MacNeil als Olivier sowie die „Neuzugänge“ Florina Ilie (Eine italienische Sängerin) und Michael Petruccelli (Ein italienischer Tenor) in die Inszenierung ein. Alle übrigen Künstler und Künstlerinnen sind mit der Produktion bereits vertraut.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

München, Gärtnerplatztheater, Spielzeitpremiere DON PASQUALE, 29.04.2018


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

DON PASQUALE von Gaetano Donizetti

Gärtnerplatztheater / Don Pasquale - Anja-Nina Bahrmann als Norina, Mathias Hausmann als Malatesta © Thomas Dashuber

Gärtnerplatztheater / Don Pasquale – Anja-Nina Bahrmann als Norina, Mathias Hausmann als Malatesta © Thomas Dashuber

Gaetano Donizettis Komische Oper DON PASQUALE feiert Spielzeitpremiere am 29.4.2018. Brigitte Fassbaender inszenierte die bekannte Geschichte vom alten Grantler, der von einer jungen Frau erbarmungslos an der Nase herumgeführt wird, die musikalische Leitung hat Michael Brandstätter.

Innerhalb von kaum elf Tagen hatte Gaetano Donizetti die Oper als Auftragswerk für das Pariser Théâtre-Italien auf ein zusammen mit Giovanni Ruffini erstelltes Libretto komponiert, das wiederum auf einer Vorlage von Angelo Anelli beruht. Das Publikum liebte die Musik von praller Komik im Stile der Commedia dell’arte bis hin zu wunderschön lyrischen Momenten sofort und hatte seinen Spaß mit der altbekannten Geschichte vom alten Grantler, der von einer jungen Frau erbarmungslos an der Nase herumgeführt wird. Schnell verbreitete sich das humorvolle Stück über die Bühnen der Welt. In der erfolgreichen Inszenierung von Brigitte Fassbaender ist der schrullige Alte am Gärtnerplatztheater zu erleben!  Hoch geht es her, wenn ein alter Hagestolz heiratet. Eigentlich soll die Hochzeit nur dazu dienen, dem Neffen Ernesto das Erbe zu vermiesen. Doch die falsche Braut Norina macht dem alten Onkel ganz gehörig die Hölle heiß.

Das Gärtnerplatztheater zeigt das humorvolle Stück mit Musik von praller Komik im Stile der Commedia dell’arte bis hin zu wunderschön lyrischen Momenten am 29.4.; 2., 5., 8. und 18 Mai 2018.


Gärtnerplatztheater / Don Pasquale - Mathias Hausmann als Malatesta, Marco Filippo Romano als Don Pasquale, Anja-Nina Bahrmann als Norina, Bogdan Mihai als Ernesto © Thomas Dashuber

Gärtnerplatztheater / Don Pasquale – Mathias Hausmann als Malatesta, Marco Filippo Romano als Don Pasquale, Anja-Nina Bahrmann als Norina, Bogdan Mihai als Ernesto © Thomas Dashuber

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

 

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