Bregenz, Bregenzer Festspiele 2019, Rigoletto – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 10.08.2019

August 10, 2019 by  
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Bregenzer Festspiele / Seebühne von Bregenz im Abenddämmerlicht © Daniela Zimmermann

Bregenzer Festspiele / Seebühne von Bregenz im Abenddämmerlicht © Daniela Zimmermann

Rigoletto – Giuseppe Verdi

Monumentalshow mit  guten Stimmen, Akrobatik, Hollywoodflair

von Daniela Zimmermann

Alljährlich staunen zu den seit 1946 stattfindenden Bregenzer Festspielen 270.000 Besucher über spektakuläre Produktionen auf der Seebühne im Bodensee. Acht Millionen Euro standen Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl für die Produktion des Rigoletto von Giuseppe Verdi zur Verfügung; drei Jahre dauerte es, das Bühnenbild des Rigoletto für die Seefestspiele 2019 zu erstellen: Spektakuläres in Technik, Akrobatik, Lichtdesign, die optische Gewalt von Produktionen erschaffen auf Bregenzer Seebühne zur Komposition Verdis erneut eine hollywoodeske, fast hypnotische Dimension.

Rigoletto – Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Bregenzer Festspiele 2019
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Alles Geschehen auf der Seebühne Bregenz dreht sich 2019 um einen monumentalen  Clowns-Kopf;  Rigoletto? Staunend richten die Blicke der Besucher auf diesen Kopf: ein fast 14 Meter hohes und 13 Meter breites Element, inmitten der Seebühne platziert. Während der Vorstellung begleitet der Clowns-Kopf beständig die Handlung auf der Bühne. Von mächtige Kranauslegern getragen verleiht komplexe Technik im Innern des Kopfes dem Clown  Mimik, Ausdruck. Die Riesenaugen des Clowns bewegen sich: Freude, Genuss, Erstaunen, Entsetzen, Trauer werden sichtbar, Bodensee-Wasser wird in Strömen geweint. Philipp Stölzl ist nicht nur Filmregisseur mit Hang zum Monumentalen, sondern auch ein ebenso großartiger Bühnengestalter. So lagen in Bregenz Inszenierung und Bühne des Rigoletto in Stölzls Hand. Rechts und links des Clowns-Kopfes sind zwei elf Meter hohe Hände platziert. Die rechte Hand hält einen riesigen Gasballon; die fünf Finger der linken Riesen-Hand bewegen sich, werden (Foto) Teil der Inszenierung. Wendy Hesketh-Ogilvie choreographierte dazu Stunts und Abläufe des riesigen Ensembles.

Lichteffekte (Georg Veit),, Technik, Bühnenbild verbinden sich mit der natürlichen Abenddämmerung (die Vorstellungen beginnen um 21 Uhr) am Bodensee und schaffen eine atemberaubende Optik und Kulisse, welche sich gleichwertig neben der großen Musik von Giuseppe Verdi positioniert.

Bregenzer Festspiele / Rigoletto hier Bühnenbild © Ralph Larmann

Bregenzer Festspiele / Rigoletto hier Bühnenbild © Ralph Larmann

Zur Ouvertüre schwebt ein Narr an einem Ballon hängend leichtfertig herbei, verliert den Halt, stürzt ins Wasser. Dann wiederum schwebt der Hofnarr Rigoletto in einem Ballon auf die Bühne. In dem Korb eines anderen riesigen Fesselballons träumt Gilda von ihrer großen Liebe; zum Ende trägt dieser Fesselballon Gilda hell erleuchtet ganz in  himmlische Höhen. Mit dem Drama um Rigoletto und Gilda  zerfällt auch der Kopf des Narren beständig: Die Augen fallen aus ihren Höhlen, die Nase zerschlagen, die Zähne herausgebrochen.

Auf der Seebühne ist viel in Bewegung; Ruhe ist nur wenig zu spüren. Alle Handlung scheint der Aktion, einer Show gewidmet: Der große Hofstaat, einige tanzen als Affen herum andere als hirnlose Befehlsempfänger; Akrobaten seilen sich ab, turnen  herum oder fallen – gewollt – auch immer mal wieder in den See. Man ist fasziniert, begeistert, wenn auch über dem so perfekten optischen Bühnenspektakel der Hauch von Hollywood, von einer zirzensischen Show  schwebt beständig über der Vorstellung. Giuseppe Verdi und seine wunderbare Komposition werden Bestandteil einer packenden Supershow.

 Bregenz Festspiele / Rigoletto hier vielbruestige Geister schweben zur Arie La donna e mobile © Dietmar Mathis

Bregenz Festspiele / Rigoletto hier vielbruestige Geister schweben zur Arie La donna e mobile © Dietmar Mathis

Alle großen  Partien der Oper sind für die Festspiele sind dreifach besetzt. Yngve Söberg überzeugte in der besuchten Vorstellung als Hofnarr Rigoletto mit sicherem Bariton und optischer Präsenz  Charakter. Pavel Valuzhin, in der dominanten Partie des Herzog von Mantua, musste auf der großen Seebühne, inmitten so zahlreicher Darsteller große Strecken zurücklegen; der „große Verführer“  lässt in Bregenz wahrhaftig „die Puppen tanzen“, welche, sexy, sexy mit vielen Brüsten versehene Artisten (Foto) an den vier Fingern einer Hand schweben, während Valzhin als Herzog von Mantua mit dem großen Hit des Abends, La donna e mobile, das Publikum begeistert.  Ekatarina Sadovnikova ist eine traumhafte Gilda. Ob aus den schwindelnden Höhen des Ballons oder in der geöffneten Riesenhand, bei  akrobatischen Klettereien, sie singt innig, lyrisch mit feinem Timbre.  Gilda wird in Bregenz entführt, per Seil, vom Korb des Ballons in den geöffneten Riesenmund des Narren: ein akrobatisch, mutiger Akt für eine Sängerin! Ekatarina Sadovnikova vollführt ihre große Arie Caro Nome  denn auch in großer Höhe träumerisch zart im Ballonkorb in den Himmel schwebend. Der Mund des Narrenkopfes öffnet und schließt sich; ein Liebesnest symbolisierend, den Ort der Verführung. Wenn der Mund sich schließt, schließen sich auch genussvoll die Augen. Das Publikum träumt mit, feiert, ist begeistert.

Rigoletto – Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Bregenzer Festspiele 2019
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Enrique Mazzola dirigiert die Wiener Symphoniker im benachbarten Bregenzer Festspielhaus und sorgte für ein akkurat gespieltes Klangerlebnis. Monitore und gut abgestimmte Tonsysteme übertragen  alles auf die Tribüne am See; eine technische wie künstlerische Herausforderung; gelungen:  für Dirigent und Orchester. Mazzola spielt den Verdi zügig;  leise lyrische Töne, feine Nuancierungen wirken vernachlässigt: Darauf kommt es bei dem von optischen Eindrücken getragenen See-Spektakel wohl auch nicht wirklich an.

Die Bregenzer Seefestspiele schaffen mit Rigoletto auf der Seebühne Bregenz erneut ein betörendes Gesamtkunstwerk, dessen Musik begeisterte. Die für Produktionen auf der Seebühne Bregenz traditionelle wie zentrale Dimension von Monumentalität, Hightec und Hollywood bannt, überwältigt, lockte auch Show-affine Besucher in hohem Maße.

So entsprach die ungewohnte Reaktion des Publikums nach Ausklingen der letzten Takte des Rigoletto dem Event-Charakter des gerade auf der Seebühne erlebten: Kein Beifallssturm brach los sondern ein Handy- / Fotosturm: Alles, jeder auf der Tribüne filmte, fotografierte alles und jeden um jeden Preis. Beifall entwickelte sich nur zögerlich, nachdem jeder Besucher sicher war, alles für alle Freunde, Bekannte und Enkel auf der eigenen Kamera und natürlich auch dem Handy der Begleitung festgehalten und schon gemailt zu haben. 

—| IOCO Kritik Bregenzer Festspiele |—

Wien, Wiener Symphoniker, Jan Nast – Neuer Intendant der Wiener Symphoniker, 01.10.2019

Juli 11, 2019 by  
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Wiener Symphoniker

Wiener Konzerthaus

Wiener Symphoniker / Gruppenfoto am Podium des Großen Saales im Wiener Konzerthaus (mit Chefdirigent), © Stefan Oláh

Wiener Symphoniker / Gruppenfoto am Podium des Großen Saales im Wiener Konzerthaus (mit Chefdirigent), © Stefan Oláh

Jan Nast – Neuer Intendant der Wiener Symphoniker

Die Mitgliederversammlung der Wiener Symphoniker hat in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat des Orchesters den deutschen Orchestermanager Jan Nast als Nachfolger Johannes Neuberts zum neuen Intendanten bestellt. Antreten wird Nast die Stelle am 1. Oktober 2019.

Jan Nast ist derzeit Orchesterdirektor der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Hier hat er in der Ära von Giuseppe Sinopoli begonnen und später mit Christian Thielemann als Chefdirigenten zusammengearbeitet. Außerdem hat Nast die Staatskapelle zum Residenz-Orchester der Salzburger Osterfestspiele gemacht. Der ausgebildete Hornist und Kulturmanager begann seine Karriere als Orchestergeschäftsführer beim Philharmonischen Orchester Freiburg im Breisgau.

„Die Symphoniker sind das erste Orchester der Stadt Wien, sie strahlen international nicht nur durch ihre weltweiten Auftritte und ihre Konzerte im Wiener Konzerthaus und im Musikverein, sondern auch durch ihre Präsenz bei den Bregenzer Festspielen, im Theater an der Wien und bei den Wiener Festwochen“, sagt Jan Nast.Ich kenne kaum ein Orchester mit einer derartigen Publikumsbindung, nicht zuletzt durch seine Musikvermittlung, und bin der festen Überzeugung, dass dieser Klangkörper das Potenzial hat, den musikalischen Reichtum Wiens in höchster musikalischer Qualität zu verkörpern und die Menschen für die Musik zu begeistern. Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg mit dem Orchester, das von Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan oder Carlo Maria Giulini geleitet wurde, das derzeit von Philippe Jordan und von 2021 an von Andrés Orozco-Estrada geführt wird. Für mich sind die Begeisterung und die Leidenschaft der Musiker der Grund, gemeinsam mit ihnen neue Horizonte zu erkunden.“

„Mit Jan Nast ist es gelungen für mein Orchester einen Mann von internationaler Erfahrung und ausgezeichnetem Ruf zu gewinnen. Ich freue mich gleichermaßen, dass ich mit ihm mein Abschlussjahr als Chefdirigent der Wiener Symphoniker durchführen kann und dass mit ihm auch eine seriöse und vielversprechende Perspektive für die Zukunft gefunden wurde“, kommentiert der amtierende Chefdirigent der Wiener Symphoniker Philippe Jordan die Entscheidung.

„Mit Jan Nast konnte ein international erfahrener wie anerkannter Orchesterfachmann für Wien gewonnen werden“, erklärt die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Ich bin davon überzeugt, dass Nast die unter Johannes Neubert begonnene Positionierung der Wiener Symphoniker als weltweit rezensiertes A-Liga Orchester weiterführt und beglückwünsche daher unsere Musikerinnen und Musiker ausdrücklich zu ihrem neuen Intendanten.“

Thomas Schindl, Orchestervorstand der Wiener Symphoniker ergänzt: „Mit Jan Nast konnte ein erfahrener, in der internationalen Musikwelt äußerst angesehener und bestens vernetzter Orchestermanager zum Intendanten verpflichtet werden. Wir begrüßen diese Bestellung sehr. Neben seinen Qualifikationen, Erfahrungen und Kompetenzen haben uns vor allem seine Pläne und Ideen für die Zukunft der Wiener Symphoniker begeistert. Dass es gelungen ist, den Manager eines der weltweit führenden Orchester zu gewinnen, reflektiert auch, wie sehr wir in den vergangenen Jahren an Renommee und Strahlkraft gewonnen haben. Gemeinsam mit unserem aktuellen Chefdirigenten Philippe Jordan, dem kommenden Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada und unserem neuen Intendanten Jan Nast kann die positive Entwicklung des Orchesters der letzten Jahre so kontinuierlich vorangetrieben werden. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.“

Vakant wurde die Stelle durch den Wechsel des amtierenden Intendanten Johannes Neubert zum Orchestre National de France nach Paris zur Spielzeit 2019-20. Die Bestellung Jan Nasts erfolgte auf Empfehlung einer 10-köpfigen Expertenjury, die auf Initiative von Veronica Kaup-Hasler eingesetzt wurde. Mitglieder der Findungskommission waren. 55 Bewerbungen sind eingegangen: 40 männlich und 15 weiblich. 34 stammten aus dem Inland, 21 Personen haben sich aus dem Ausland beworben.

—| Pressemeldung Wiener Symphoniker |—

Bregenz, Festspielhaus, Moses in Ägypten von Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 29.07.2017

August 4, 2017 by  
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Bregenzer Festspiele

Festspielhaus Bregenz / Plakatmotiv Moses in Aegypten © Moodley

Festspielhaus Bregenz / Plakatmotiv Moses in Aegypten © Moodley

Der Auszug aus Ägypten – Und das Meer teilte sich…

Moses in Ägypten von Gioacchino Rossini

Von Daniela Zimmermann

1818 wurde Gioacchino Rossinis Oper  Mosè in Egitto (Moses in Ägypten)  im Teatro San Carlo in Neapel, dem berühmtesten Theater der Zeit, uraufgeführt; während des Fastenmonats. Da Vergnügliches in der Fastenzeit verboten war bezeichnete Rossini sein Werk als Oratorium; Stücke mit biblischem Inhalt waren erlaubt. Mosè in Egitto wurde damals nur selten  aufgeführt. Die Schwierigkeiten, sieben Plagen und die Teilung des Roten Meeres auf der Bühne darzustellen, machten die Oper für Regisseure wenig attraktiv. Schon Rossini war von den Bühneneffekten der Uraufführung enttäuscht. Die Bregenzer Festspiele brachten nun in Kooperation mit der Oper Köln mit technisch filigraner Innovation besonderes auf die Bühne des Festspielhaus Bregenz.

Festspiele Bregenz / Moses in Ägypten © Karl Forster

Festspiele Bregenz / Moses in Ägypten © Karl Forster

Der Auszug der Israeliten aus Ägypten wird im 2. Buch Mose des Alten Testament der Bibel ausführlich beschrieben: Die zehn Plagen, die Teilung des Roten Meeres, durch welche den Hebräern die Flucht aus Ägypten gelingt während die folgende Flutung des Meeres den verfolgenden Ägyptern den Tod bringt. Rossinis Librettist Andrea L.Tottola hat dieses Oratorium mit einem Liebeskonflikt bereichert: Osiride, Sohn des Faraone, liebt Elcia, eine Hebräerin. So beschwört Osiride seinen Vater Faraone die Hebräer nicht fortziehen zu lassen….

Festspiele Bregenz / Moses in Aegypten mit spannenden Projektionen von HOTEL MODERN © Karl Forster

Festspiele Bregenz / Moses in Aegypten mit spannenden Projektionen von HOTEL MODERN © Karl Forster

Regisseurin Lotte de Beer inszeniert Rossinis Moses in Ägypten in Zusammenarbeit in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Theaterkollektiv  Hotel Modern. Lotte de Beer grübelte: “Wie teile ich das Rote Meer? Wie behandle ich die Gottesvorstellung? Nehme ich sie ernst und akzeptiere die göttlichen Elemente..?“ In Zusammenarbeit Hotel Modern, bekannt durch für die Bühne gefilmte und projizierter winzige Puppen und Objekte, entwickelt Lotte de Beer ihr Szenarium: Mehrere hundert winziger Puppen werden erstellt. Die Skelette meist aus Kupferdraht, Kleidung aus Papier, Haare aus Wolle oder Federn; dazu werden Waffen, Fahrzeuge, Instrumente, Gebäude, Strassen nachgebildet; „Niemals perfekt, sondern stets in universeller Einfachheit“, so Lotte de Beer. Gemeinsam mit den Solist/innen und Chor wird dann im Festspielhaus Bregenz eine faszinierendste Geschichte des Alten Testaments nachgestellt, das damalige Schicksal Tausender plastisch sichtbar erzählt. Hunderte kleinster Puppen bewegen sich  simultan auf kleinen Tischen der Bühne und groß auf die hintere Bühne projiziert; man erlebt die Plagen emotional ergreifend: Riesige Insekten, die Verdunklung, die Zerstörung der Städte durch Feuer und Blitz und, höchst  spannend, die Teilung des Roten Meeres, der Exodus der Hebräer  und die anschließende Flut, tödlich für die verfolgenden Ägypter.

Festspiele Bregenz / Moses in Ägypten © Karl Forster

Festspiele Bregenz / Moses in Ägypten © Karl Forster

Das Team Hotel Modern ist in das Bühnengeschehen stets aktiv einbezogen. Sänger und Sängerinnen, in auffallend schlicht gehalten Kostümen, werden auch des Öfteren zurecht gerückt oder gestellt, wie Puppen. Hotel Modern arrangiert, betrachtet und ist beständig mit der Choreographie ihrer Kunstfiguren beschäftigt.  Dabei beherrscht eine riesige Kugel mit ägyptischer Wüstenlandschaft die Bühne. Gleichzeitig dient diese Kugel als Projektionsfläche für das grandiose Puppenspiel.

Die großartigen Wiener Symphoniker unter Enrique Mazzola, spielen Gioacchino Rossini wie immer  wie er meist ist, direkt, fröhlich. Selbst größtes Unheil kann Rossinis immer lebensfroher Lebenseinstellung wie seinen Kompositionen nichts anhaben: Lebendig, positiv, italienisch. So ist den Moses in Ägypten nicht wirklich ein Oratorium sondern eine Semi-Oper. Leidenschaftlich lieben sich Orsiride, Sunnyboy Dladla  und Elcia, Clarissa Constanzo. Dlada singt mit höhensicheren lyrischen Tenor und Clarissa Constanzo mit gefühlvoll ausdrucksstarkem Sopran, auch ihre Koloraturen sind sanft geformt. Die großen Gegenspieler sind  der Faraone, Andrew Forster Williams und Moses Goran Juric, beide stark in der Darstellung und mit wunderbaren Stimmen. Moses, eine wuchtige Erscheinung  mit seiner kräftigen Bassstimme mal drohend, dann wieder wütend und auch sanft, kämpft er gegen den Faraone, der sich sehr souverän gut zu behaupten weiß. Gesanglich und spielerisch sehr gut auch seine Gemahlin Amaltea, von  Mandy Fredrich überzeugend dargestellt.

Festspiele Bregenz / Moses in Ägypten © Karl Forster

Festspiele Bregenz / Moses in Ägypten © Karl Forster

Lotte de Beer und HOTEL MODERN  bringen in Bregenz Moses in Ägypten ungewöhnlich, weil tiefgründig und technisch höchst komplex.. Die emotional ergreifende Darstellung des Auszugs der Hebräer aus Ägypten mit zahllosen Kunstfiguren, packenden Projektionen und einem starkem Ensemble im Festspielhaus Bregenz war technisch filigran hat wohl kaum einen Besucher unberührt gelassen.

Ein Wermutstropfen: Die auffällige Produktion Moses in Ägypten ist 2017 in Bregenz nicht mehr zu sehen. Ab 13. April 2018 wird diese Moses in Ägypten – Inszenierung  durch die Oper Köln im StaatenHaus Köln gespielt.

—| Pressemeldung Bregenzer Festspiele |—

Bregenz, Festspiele 2017, Carmen – Im Bann von Karten und Symbolen, IOCO Kritik, 01.08.2017

August 1, 2017 by  
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Bregenzer Festspiele

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenz: Im Bann von Karten und Symbolen

Carmen von George Bizet

Von Daniela Zimmermann

Der prüfende Blick zum Himmel gehört dazu. Ausgerechnet an diesem Tag musste das Wetter nach all der vorangegangenen Hitze umschlagen; graue Wolken und Kühle. Aber wir, all die 7000 Zuschauer auf der ausverkauften Festspieltribüne am See, hatten Glück. Es blieb bei Wolken, es regnete nicht, das Event nahm seinen Lauf.

Der aus Dänemark stammende Regisseur Casper Holten bringt seine Carmen Inszenierung  in zwei  Stunden, ohne Pause. Holten und seine englische Bühnenbildnerin Es Devlin sind eingespielt. Das spektakuläres Bühnenbild von Es Devlin dominiert das Geschehen auf die Seebühne: Zwei riesige, 21 Meter hohe Hände links und rechts der Bühne, eine Hand mit glimmender Zigarette. Die Hände sind wirken etwas ungepflegt, der Nagellack blättert leicht ab. Überdimensionierte Spielkarten schweben zwischen den Händen in der Luft, verteilen sich auf dem Boden, bewegen sich beständig zur Komposition passend. Diesen Karten haucht Luke Halls mit faszinierenden, in Ausdruck und Farben beständig wechselnden Videoprojektionen die in Bizets´ Komposition gegebene Symbolik ein. Diese Karten, sich drehend, als beständig changierende Projektionsfläche wie als Lauffläche dienend und letztlich auch teilweise  im Bodensee versinkend, werden zum zentralen wie auffälligen  Element der  Carmen – Inszenierung der Bregenzer Festspiele 2017.

Bregenzer Festspiele / Carmen - Carmen, Solisten und Ensemble © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen – Carmen, Solisten und Ensemble © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Videoprojektionen Luke Halls beschreiben das Schicksal der  Protagonisten auf der Bühne: Die Herzdame leuchtet für die kartengläubige Zigeunerin und Schmugglerin  Carmen auf, der Karo Bube für Don José, das schwarze Pik As für Escamillo. Rote aufgedeckte Karten unterstreichen die quirlige Atmosphäre in der Schmugglerkneipe. Bei den Schmugglern verfließt das Schwarz der Karten in letztendlich trübe werdende Andalusische Postkarten. Gelegentlich werden auch Carmen  oder Micaela singend in Großaufnahme auf eine der Karte projiziert. Auf der optisch ohnehin so ansprechenden Seebühne Bregenz mag man Augenschmaus, mitreißende Optik: Die vielfältigen Videoprojektionen auf übergroße Spielkarten sind das höchst gelungenes Medium dieser Inszenierung.

Auch leidet die Seebühne nicht unter den räumlichen Beschränkungen eines Opernhauses, es können zusätzliche Register gezogen werden: Der Bodensee, das Element Wasser, wird in die Inszenierung einbezogen. Spielkarten versinken letztlich auch im Wasser, Escamillo entsteigt einem Boot, Carmen – auf der Flucht – springt ins Wasser und schwimmt von dannen, Schmugglerware wird leise per Boot verfrachtet, wunderbar choreographierte Ballettszenen in knöcheltiefem Wasser werden bei eindrucksvoller Beleuchtung (Bruno Poet) und pinkfarbenen Karten getanzt.

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Carmen ist eine selbstbewusste, starke Frau, freiheitsliebend und im jetzt lebend. Für konventionelles Leben nicht geschaffen. Deshalb war die Uraufführung 1875, wo konventionelles Gedankengut noch vorherrschend war, nicht gerade der große Erfolg. Heute garantiert Carmen, eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern, hohes Zuschauerinteresse. Der Inhalt handelt, wie bei so vielen Opern, von leidenschaftlicher Liebe und Tod bringende Eifersucht: Carmen verliebt sich in Sergeant Don José, der, ihr verfallen, seine Karriere opfert, in seinen Untergang steuert. Die Don José liebende liebende Micaela kann dessen Herz nicht mehr erreichen, während Carmen, ihre Freiheit lebend, sich in den Torero Escamillo verliebt. Der emotional überforderte und verzweifelte Don José tötet die spottende Carmen. In diesen Bregenzer Festspielen ertränkt er Carmen im Bodensee.

Alle Carmen Rollen der Bregenzer Festspiele sind bis zu dreifach besetzt. Zur von IOCO besuchten Vorstellung füllte die ukrainische Sängerin Lena Belkina in ihrem  Debut die große Partie der Carmen mit warm vollen Mezzo mühelos aus. Ebenso stark stellt Melissa Petit die Partie der Micaela, dem einfachen Mädchen vom Dorf, dar. Ihre Partie singt sie mit wunderbar lyrischem Timbre, klar, innig, sanft. Hinreißend ihr Gebet aus 20 Metern luftiger Höhe, auf der Spitze des Spielkarten-Schmugglergebirges.  Gegen diese starken Sängerfrauen Carmen und Micaela behauptet sich Martin Muchle  in seiner zwiespältigen Partie des Don José, rechtschaffend als Sergeant – unberechenbar als der Carmen verfallener, nur schwer. Der Escamillio-erfahrene Litauer Kostas Smoriginas gibt der zentralen Partie mit stattlicher Erscheinung und breitem, rundem Bassbariton den tragenden zentralen Charakter. Auch die weiteren Partien des Abends waren hervorragend besetzt.

Bregenzer Festspiele / Carmen - Carmen und die Arbeiterinnen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen – Carmen und die Arbeiterinnen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Wiener Symphoniker unter Paolo Carignani spielen mit hoher musikalischer Transparenz und Präzision; Ebenso der Prager Festspielchor und der Bregenzer Festspielchor und der Kinderchor der  Mittelschule Bregenz–Stadt runden das Klangvergnügen am Bodensee ab.

Carmen auf der einmaligen Seebühne Bregenz mit weitem Blick über den Bodensee ist ein großes Event, dominiert von einem spektakulären wie technisch facettenreichem Bühnenbild, packenden Video-Projektionen und faszinierenden Ballettszenen. Wenn auch die riesig dominante Bühnenbildoptik mit ihren technisch ausgeklügelten Facetten  den emotionalen Zugang des Besuchers zum sensiblen Charakter der Handlung wie zur Komposition ein wenig zu behindern scheint: Der Beifall der 7.000 Besucher auf der Seebühne Bregenz war eindeutig. Große Begeisterung für dies Carmen – Event!

Bregenzer Festspiele / Carmen - Bodensee und Carmen Bühnenbild bei Tag und ohne Projektionen © IOCO / Zimmermann

Bregenzer Festspiele / Carmen – Bodensee und Carmen Bühnenbild bei Tag und ohne Projektionen © IOCO / Zimmermann

Bregenzer Festspiele – Carmen von George Bizet wird auf der Seebühne Bregenz  bis zum 20. August 2017 aufgeführt.

Bregenzer Festspiele – Alle Karten Hier :
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