Wien, Borromäussaal, „Italienisches & Deutsches“ – Arienabend, IOCO Kritik, 12.02.2020

Februar 11, 2020 by  
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Borromäussaal Wien / Thomas Weinhappel – Isabella Kuëss © Marcus Haimerl

Borromäussaal Wien / Thomas Weinhappel – Isabella Kuëss © Marcus Haimerl

„Italienisches & Deutsches“   –  Arienabend 

Thomas Weinhappel – Isabella Kuëss – Pantelis Polychronidis

von Marcus Haimerl

Gemeinsam mit der Sopranistin Isabella Kuëss und dem Pianisten Pantelis Polychronidis lud Bariton Thomas Weinhappel Mitte Jänner 2020 zu einem Arienabend in den prächtigen Wiener Borromäussaal im 3. Wiener Gemeindebezirk. Der Name war Programm und so regierten den ersten Teil des Abends italienische Komponisten wie Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Gaetano Donizetti und Pietro Mascagni.

Der zweite Teil stand unter dem Stern Richard Wagners, dies nicht zuletzt, da die Sopranistin Isabella Kuëss, Stipendiatin der Richard-Wagner-Stipendienstiftung 2019 war und der Wiener Richard Wagner-Verband Wien das Konzert unterstützte.

Gleich zu Beginn konnte Thomas Weinhappel beweisen, dass ihm die Bösewichte des italienischen Faches ebenfalls liegen. Auch als Barone Scarpia im Finale von Puccinis Tosca („Va, Tosca! Nel tuo cor s’annida Scarpia“) überzeugte er – wie so oft – mit seinen beiden größten Begabungen: Seinem nuancenreichen, kräftigen Bariton und seinem besonderen schauspielerischen Talent. Mehr als glaubhaft brachte er so die Dämonie dieser Partie zum Ausdruck.

Auch Isabella Kuëss zog gleich zu Beginn alle Register ihres Könnens: Die ebenso große stimmliche Herausforderung, Leonores Arie aus dem 1. Akt „Tacea la notte placida“ aus Giuseppe Verdis Il Trovatore, nahm sie mühelos an. Sie bewegte sich hier gekonnt von zarten lyrischen Stellen am Beginn der Arie bis hin zu anspruchsvollen, dramatischen Koloraturen.

Auch im nächsten Programmpunkt blieb man bei dem italienischen Meister aus Le Roncole. Gemeinsam sangen Thomas Weinhappel und Isabella Kuëss überaus berührend das Finale der Oper Rigoletto. Mit unglaublicher Innigkeit und tiefem Schmerz verabschiedete sich der Bariton von seiner Tochter, die mit ihrem klaren Sopran beeindruckte, um am Ende versiert in das heftige, tiefverzweifte und gefürchtete „la maledizione“ (Der Fluch) auszubrechen.

Pantelis Polychronidis war nicht nur ein großartiger und hochprofessioneller wie erfahrener Begleiter der beiden Gesangssolisten, sondern konnte auch als Instrumentalsolist seine Fähigkeiten bravourös zeigen: Mit dem Intermezzo aus Pietro Mascagnis bekanntesten Werk, dem Einakter Cavalleria Rusticana, stellte der aus Griechenland stammende Pianist mit feinem Anschlag und differenziertem Spiel seine unglaubliche Begabung unter Beweis. Auch mit Enrique GranadosDanza 5A (Andaluza) und Schumanns „Kinderszenen“ (im zweiten Teil des Abends) begeisterte Pantelis Polychronidis das Publikum mit seinem gewinnenden solistischen Können am Flügel.

Borromäussaal Wien / Thomas Weinhappel – Isabella Kuëss - Pantelis Polychronidis © Marcus Haimerl

Borromäussaal Wien / Thomas Weinhappel – Isabella Kuëss – Pantelis Polychronidis © Marcus Haimerl

Thomas Weinhappel setzte mit seinem Rodrigo, Marquis von Posa aus Verdis Meisterwerk Don Carlos („Io morro“) auf die leisen Töne und vermochte auch hier das Publikum durch die Verbindung von Spiel und Gesang ehrlich zu bewegen. Das optimale Maß zwischen Zorn und Schmerz fand er danach als Enrico („Cruda funesta smania“ aus Lucia di Lammermoor). Dass er nun auch vollkommen ins italienische Fach gefunden hat, bewies er aber nicht nur mit dieser Arie des Belcantokomponisten Gaetano Donizetti, sondern noch mehr als Renato aus Verdis Un ballo in maschera. Seine „Eri tu che macchiavi quell’anima“ hatte von allem etwas: Mit seiner inzwischen enormen Kraft machte er metallisch eindrucksvoll den Zorn des vermeintlich betrogenen Ehemanns Renato deutlich, erreichte mit warmen, geschmeidigen Legatobögen verblüffende tenorale Höhen als er sich an die erste Begegnung mit seiner Gattin Amelia erinnerte und beendete die Arie voller Schmelz in seinem tiefen Schmerz, dabei aber stets klar fokussiert und wortdeutlich.

Nach der Pause entführten die beiden Solisten ins Reich des deutschen Komponisten Richard Wagner. Isabella Kuëss präsentierte ihre Elsa („Einsam in trüben Tagen“ aus Lohengrin) und Elisabeth („Hallenarie“ aus Tannhäuser) als strahlende Heldinnen.

Mit ihrem kraftvollen, ausdrucksstarken, bereits hochdramatischen, und stets punktgenauen Sopran erinnerte die Wienerin an manchen Stellen trotz ihres jugendlichen Alters bereits an große Vorgängerinnen. Kuëss zeigte damit (nach ihrer im Koloraturfach angesiedelten, zarten Gilda aus dem ersten Teil) auch, dass sie eine der wenigen ist, die größte Wandlungsfähigkeit und brilliante stimmliche Technik beherrscht, ohne dadurch seelenlos zu werden. Ganz im Gegenteil!

Thomas Weinhappel stand ihr dabei in Nichts nach: Sein imponierender, mächtiger und Ehrfurcht gebietender Donner (Wagner Das Rheingold) ließ den edlen, zartbesaiteten Wolfram („Blick ich umher“ und „Abendstern“ aus Tannhäuser) eigentlich gar nicht vermuten. Erneut konnte er durch farbige, mühelos erreichte tenorale Höhen und durch gewaltige Kraftausbrüche ohne je zu outrieren, sein großes darstellerisches und stimmliches Können unter Beweis stellen.

Mit der leichtfüßigen Zugabe, dem Duett „Libiamo, libiamo ne’lieti calici“ (Giuseppe Verdi La Traviata) führten die begabten jungen Solisten das Publikum wieder an den Beginn des Abends, der von der begeisterten Zuhörerschaft des Borromäussaal auch noch auf dem Nachhauseweg in den höchsten Tönen gelobt wurde.

—| IOCO Kritik Borromäus-Saal Wien |—

Wien, Borromäussaal, Thomas Weinhappel – Musikalisches Portrait, IOCO Kritik, 26.04.2018

April 26, 2018 by  
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Thomas Weinhappel im Borromäussaal © Marcus Haimerl

Thomas Weinhappel im Borromäussaal © Marcus Haimerl

Thomas Weinhappel – Ein musikalisches Porträt

Lieder und Arien – Mozart, Verdi, Schubert uam

Von Marcus Haimerl

Mit seinem Lieder- und Arienabend im prächtigen Wiener Borromäussaal wollte der in Tschechien mehrfach ausgezeichnete Wiener Bariton Thomas Weinhappel dem heimischen Publikum seinen musikalischen Lebensweg präsentieren. Dieser umfasste Lieder und Arien von Wolfgang Amadeus Mozart, Erich Wolfgang Korngold, Reynaldo Hahn, Ambroise Thomas, Richard Wagner, Giuseppe Verdi und Franz Schubert.

Zu Beginn stand Mozart am Programm und schon bei Figaros Arie „Non piu andrai“ war klar, dass dies kein normaler Arienabend wird. Thomas Weinhappel beschränkt sich niemals darauf, neben dem Klavier zu stehen und zu singen, er führt die Arien szenisch auf und lebt sie. Farbenreich und spritzig wird diese Arie vorgetragen, Don Giovannis „Deh vieni alla finestra“ hingegen wieder unglaublich feinfühlig. Und mit der Champagnerarie („Fin ch’han dal vino“) tritt der Bariton den Beweis an, dass die Palette seiner Ausdrucksfähigkeit reich ausgestattet ist. Schon an dieser Stelle drängte sich dem begeisterten Publikum die Frage auf, wieso der österreichische Bariton Thomas Weinhappel nicht auf den großen Bühnen Wiens zu hören ist.

Johannes Brahms Denkmal in Wien © IOCO

Johannes Brahms Denkmal in Wien © IOCO

Nach einem unglaublich intensiven „Waldesrauschen“ Franz Liszts, dargeboten von seinem Begleiter, dem Pianisten Volker Nemmer lässt Thomas Weinhappel das Publikum bei Pierrots Tanzlied „Mein Sehnen, mein Wähnen“ aus Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ aufhorchen. Mit „Á Chloris“ von Reynaldo Hahn eröffnete Thomas Weinhappel Prof. Manfred Wabas Ausstellung „Michelangelos Sixtina in Wien“, weshalb dieses Stück im Programm auch nicht fehlen durfte. Und gleich im Anschluss erfährt das Publikum, dass der Bariton die Preise für seine Gestaltung des Hamlet in der gleichnamigen Oper von Ambroise Thomas völlig zu Recht erhalten hat. Als einziger österreichischer Konkurrent unter allen tschechischen Mitbewerbern wurde er mit dem höchsten Preis der Musikszene unseres nördlichen Nachbarlandes zum „besten Opernsänger des Jahres“ gewählt. Zwei Arien durfte man hier erleben: „Être ou ne pas être“ und „Spectre infernal – ombre chere“, beide Arien ebenfalls ein Bühnenerlebnis, mit Blicken und Gesten wurde hier der dänische Prinz lebendig.

Spätestens am Ende des ersten Teils ist klar, dass hier ein echter Künstler auf der Bühne steht, der es nicht nur versteht, die verschiedensten Emotionen durch die mit präziser Technik in Artikulation und Tongebung geführte Stimme darzustellen, sondern auch dank seiner Ausstrahlung auf das Publikum zu übertragen. Ein „musikalischer Botschafter der Gefühle“, möchte man sagen. Der Zuhörer kann sich nicht entziehen, denn Weinhappel lässt ihn mit Figaro mitlachen, ihn von Giovanni mitreißen und mit Hamlet mitleiden.

Ein Blick ins Programmheft gibt Aufschluss darüber, warum er dazu in der Lage ist: Thomas Weinhappel erkrankte während seiner Zeit als Wiener Sängerknabe schwer und fand Halt im Leben auf der Bühne. Auch wünschte er sich, dem Publikum „den Himmel bess’rer Zeiten zu erschließen“, wie er es im Abschlusslied des Abends („An die Musik“ von Franz Schubert) aufs Innigste besingt. Zweifelsfrei ist ihm diese Mission gelungen.

Nach der Pause präsentiert sich Thomas Weinhappel als Wagnersänger. Hier wird er zum leibhaftigen Minnesänger und kann dem Publikum vermitteln, was denn „der Liebe reinstes Wesen“ ist, einfach, edel und wahrhaftig. Und ein zweites Mal wurde Wolfram aus Wagners „Tannhäuser“ dargeboten. Der „Abendstern“ Weinhappels ist zweifelsfrei ein Versprechen an die Zukunft.

Mit dem Tod Rodrigos, des Marquis von Posa, steht die nächste tragische Rolle auf dem Programm. Erst noch mit zarter, lyrischer Stimme wird nun alle Dramatik in die Stimme gelegt, um seinen Freund Carlos zur Rettung Spaniens aufzufordern.

 Thomas Weinhappel im Borromäussaal © Marcus Haimerl

Thomas Weinhappel im Borromäussaal © Marcus Haimerl

Ein erneutes Solo für den Pianisten erlaubt dem Bariton eine kurze Pause. Volker Nemmer erweist sich den ganzen Abend als großartiger Begleiter, der zwischen Solospiel und Begleitung gut zu unterscheiden weiß. Mit einem Walzer aus den leider zu wenig gespielten „Valses Nobles“ von Schubert, läutet Volker Nemmer behände mit großem Fingerspitzengefühl und großer Kunstfertigkeit den letzten Teil des Abends ein. Mit den abschließenden Schubert Liedern erinnert sich Thomas Weinhappel an seine Kinderzeit: sein Vater, der auch gerne wie sein Sohn später, Sängerknabe geworden wäre, brachte ihm „Musensohn“, „Die Forelle“ und „Ständchen“ bei. Den fulminanten Abschluss bildete die Darbietung „An die Musik“, welche er einem Gebet gleichkommend, mit schwer zu überbietender Virtuosität singt.

Der große, mit Bravo-Rufen angereicherte, Applaus am Ende dieses Abends bescherte dem Publikum noch eine Zugabe. Mit Johannes Brahms „Wiegenlied“ wurde das Publikum, immer noch ergriffen, nach Hause geschickt.

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