Bonn, Theater Bonn, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 12.11.2018

November 13, 2018 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

 Lohengrin  –  Richard Wagner

 – Gescheiterte Hoffnungen oder des Mädchens Traum –

Von Uschi Reifenberg

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Die mit großer Spannung erwartete Premiere von Richard Wagners Lohengrin am Theater Bonn übertraf in der Tat sämtliche Erwartungen sowohl in musikalischer Hinsicht als auch in der Inszenierung von Marco Arturo Marelli und vereinte das Publikum an diesem besonderen Abend in kollektiver Begeisterung.

Der renommierte Schweizer Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli kehrte nach langjähriger Abstinenz an das Theater Bonn zurück, wo er bereits ab 1989 mit einer Reihe spektakulärer Inszenierungen seine internationale Karriere begonnen hatte.

Wagners Lohengrin, seine romantischste und vielleicht seine populärste Oper ist in mehrfacher Hinsicht ein Grenzfall. Kompositorisch beendet der Lohengrin die Reihe von Wagners romantischen Opern. Er weist keine für sich stehenden Formteile auf, Arien, Emsembles und Chorszenen werden bereits in den dramatischen Zusammenhang integriert und verweisen auf das durchkomponierte Musikdrama der späteren Jahre.

Lohengrin – Richard Wagner
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1848 beendete Wagner die Komposition des Lohengrin kurz vor Ausbruch der Märzrevolution und erlebte das Scheitern der bürgerlichen Hoffnungen zugleich als Ausweglosigkeit seiner eigenen Lebenssituation. Denn wie so oft sind bei Wagner Leben und Werk untrennbar miteinander verbunden. Als politischer Emigrant musste er – steckbrieflich  gesucht- in die Schweiz fliehen. Dort schrieb er seine entscheidenden theoretischen Hauptwerke, „Die Kunst und die Revolution“, „Das Kunstwerk der Zukunft“ und „Oper und Drama“, in denen sich Wagners persönliche revolutionäre Erfahrungen spiegeln und er seine Hoffnungen auf eine durch Kunst veränderten besseren Welt formulierte.

Auch das Leitmotiv von Wagners Lebensthema, die Erlösung durch Liebe, nimmt hier eine zentrale Stellung ein. Im Lohengrin als „allertragischstem Gedicht“ (Wagner) gelingt diese Erlösung nicht und ist zum Scheitern verurteilt.

Marelli beleuchtet in seiner Deutung des Werkes die Widersprüche der Lohengrin Tragödie, die – wie er im Programmheft erläutert- immer wieder Fragen aufwerfen und den vielschichtigen Stoff so reizvoll machen. In der Dialektik von Utopie und Realität, Liebe und Macht, Kunst und Politik liegt der unauflösbare Widerspruch und das Scheitern der Utopie einer Erlösung durch Liebe.

Theater Bonn / Lohengrin - hier : Anna Princeva als Elsa, Mirko Roschkowski als Lohengrin und Chor © Thilo Beu

Theater Bonn / Lohengrin – hier : Anna Princeva als Elsa, Mirko Roschkowski als Lohengrin und Chor © Thilo Beu

Im Zentrum von Marellis Sicht steht die weibliche Hauptfigur Elsa von Brabant. Während des Vorspiels blickt man auf einen geöffneten Bühnenraum mit ansteigenden Holzelementen, die neben- und  übereinander gestapelt sind (Bühnenbild und Lichtregie: Marco Arturo Marelli). In der Mitte befindet sich auf einer quadratischen Ebene Elsas  Mädchenzimmer mit Stuhl und Bett, in welches sich Elsa je nach Bedarf zurückzieht. Man sieht Elsa und ihren jüngeren Bruder Gottfried zunächst ins Gebet versunken. Elsa, fast noch ein Teenager, im weißem Nachthemd und langen Löckchen, rührend in ihrer Unschuld, ist nicht nur stark im religiösen Glauben, sie imaginiert zugleich einen Heilsbringer mittels ihrer visionären Kraft, der dann auch tatsächlich erscheint. Eine erhöhte runde Plattform im Hintergrund wird sichtbar, auf welcher eine Ritterrüstung mit Mantel und Schwanenmotiv sowie ein Flügel stehen, an welchem Wagner / Lohengrin sitzt und komponiert. Der Künstler höchstselbst als Erlöser. Beide Ebenen – die reale des Mädchenzimmers wie die überirdische Sphäre des Kunstraums – bleiben als Einheitsbühnenbild die ganzen drei Akte über präsent. Auch geometrisch werden die beiden Welten streng voneinander abgesetzt.

Der kleine Gottfried liest in einem Bilderbuch, währenddessen erscheint Ortrud aus dem Bühnenboden und entführt ihn aus dem Zimmer, Schwanenfedern verweisen auf seine Verwandlung. Später bei Lohengrins Ankunft nimmt dieser den Jungen in seine Obhut und lässt  ihn im Flügel verschwinden. Dort kann er schon mal fleißig üben …

Der Heerrufer in Uniform und Brieftasche ist ein treuer Untertan und versieht seine Aufgabe mit Disziplin und Hingabe. Er verrichtet seine Tätigkeit nicht nur auf der Bühne, sondern wird auch an wechselnden Standorten im Zuschauerraum positioniert, die die Wirkung seiner Proklamationen unterstreichen. Ein empathischer Herrscher ist König Heinrich, mit viel Verständnis für seine Untergebenen,  der sich auch mal mitfühlend auf Elsas Bett setzt und, wenn er sich seiner royalen Verantwortung bewusst wird, den bunt bedruckten Königsmantel umlegt.

Theater Bonn / Lohengrin - hier : Anna Princeva als Elsa, Tomas Tomasson als Telramund, Dshamilja Kaiser als Ortrud © Thilo Beu

Theater Bonn / Lohengrin – hier : Anna Princeva als Elsa, Tomas Tomasson als Telramund, Dshamilja Kaiser als Ortrud © Thilo Beu

Für deutsches Land das deutsche Schwert

Der Chor trägt bedrohliche überdimensionale Speere, die sich im 3. Akt wie Blitze von der Bühnendecke in den Boden spiessen, wenn sich die Einheiten der Wehrmacht kriegslüstern zur Mobilmachung zusammenfinden. Beim Bekenntnis „Für deutsches Land das deutsche Schwert“ recken sie reflexartig den rechten Arm in die Höhe, was in diesem Kontext nachvollziehbar ist. Telramund in militärischem Outfit entpuppt sich in seiner Anklage gegen Elsa selbstgefällig und großspurig, und legt dem König zum Beweis ein Papier vor.

Elsas ausweglose Situation stärkt ihren Glauben an einen Retter, das Wunder erscheint tatsächlich, eine sympathische Persönlichkeit im weißen Pyjama, glücklich über seine Mission, ein  Einsamer auf der Suche nach Liebe, zu dem Elsa sofort Vertrauen fasst. Ein schöner Regieeinfall ist, wenn Lohengrin sein Frageverbot ausspricht und Elsa, fassungslos vor Glück, seine Worte immer wieder nachspricht, um sie ja nicht zu vergessen. Scheu berührt sie ihren Erlöser, die fleischgewordene Inkarnation ihres Traums. Marelli blickt hier mit viel Sensibilität in die Jungmädchenseele.

Das subversive Duo Ortrud und Telramund kauern in ihrem Dialog im 2.Akt am Bühnenrand. Nach Telramunds Schuldzuweisungen zunächst in herzlicher Abneigung vereint, finden sie dann aber als Paar wieder zusammen. Zwei Ausgestoßene, die von der Hochzeitsgesellschaft verspottet werden. Telramund outet sich als ausgemachter Angeber, der nach seiner blamablen Niederlage im Zweikampf mit Lohengrin jetzt in Selbstmitleid badet und sich als Weichei entpuppt, ein Vorläufer Gunthers. –

Seine Gattin, eine fanatische Reaktionärin mit viel erotischer Ausstrahlung, in rotem Gewand (Kostüme: Ingeborg Bernerth), erinnert in ihrem Stolz und ihrer Unbeugsamkeit an eine antike Statue, wenn sie sich in ihren langen Mantel  hüllt und längst vergangene Zeiten beschwört. Ihre Intrigen spinnt sie in Elsas Zimmer beim Kaffeekränzchen in vordergründiger Zweisamkeit. Die beiden hätten eigentlich Freundinnen werden können, wäre da nicht Ortruds erpresserische Androhung ihres Selbstmordes und ihr manipulatives Vorgehen als „wilde Seherin“, wenn sie Elsa das kommende Unheil aus der Hand liest. Hochzeitsvorbereitungen scheuchen die Männer in Schlafanzügen in aller Frühe aus den Betten vor das Münster, wo sie sich – unterstützt von ihren Frauen- in Ihre Festgarderobe werfen. Eine  amüsante Szene.

Elsa ist hin- und hergerissen zwischen Euphorie und Zweifel, Ortruds Gift beginnt bereits zu wirken und Lohengrin muss sie fast gewaltsam zum Altar ziehen, denn „der Rache Werk hat nun begonnen“. Zum Brautgemach werden Elsa und Lohengrin mit verbundenen Augen geführt, es warten jede Menge Überraschungen auf das Paar. Sie werden mit Geschenken überhäuft, unter anderem auch mit einer kleinen Wiege, die bürgerliche Idylle könnte perfekt sein.

Theater Bonn / Lohengrin - hier : Anna Princeva als Elsa, Tomas Tomasson als Telramund, Pavel Kudinov als König Heinrich © Thilo Beu

Theater Bonn / Lohengrin – hier : Anna Princeva als Elsa, Tomas Tomasson als Telramund, Pavel Kudinov als König Heinrich © Thilo Beu

Lohengrin verhält sich in der intimen Zweisamkeit mit seiner Ehefrau zunächst noch etwas unbeholfen, aber je mehr sich Elsa wahnhaft in ihre Angst hineinsteigert, desto klarer verweist er  auf seine Sendung. Als Elsa wie unter Zwang die verhängnisvolle Frage nach der Identität Lohengrins stellt, erschlägt dieser den  hereinbrechende Telramund. Damit wird er unfreiwillig zum Mörder, immer wieder schaut er ungläubig auf seine blutige Hand. Im Bewusstsein des Scheiterns aller Utopien nimmt er Abschied von seiner Liebeshoffnung, aber auch von seiner Unversehrtheit. Bevor er seine letzte traurige Fahrt antritt, muss er auch die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuschen und seine Identität enthüllen. Die Gralserzählung singt er wieder am Flügel, die Gesellschaft verharrt wie erstarrt zwischen Truppenaufmarsch und Kriegsbeflaggung.

Ortruds letztes ekstatisches Aufbäumen für die Wiederherstellung der alten Ordnung zitiert den kleinen Gottfried aus dem Untergrund, dem Lohengrin die Symbole der Herrschaft übergibt. Dass er damit etwas anfangen kann, bleibt zu bezweifeln. Elsa bricht unter den Trümmern ihrer vernichteten Welt zusammen; Lohengrin entschwindet auf seiner Wolke zurück in den Elfenbeinturm seiner Einsamkeit. Ob die Kunst ihn rettet ?

Über die musikalische Seite der Aufführung lässt sich fast ausnahmslos in höchsten Tönen schwelgen, Sängerensemble, Orchester und Chor musizierten auf beeindruckendem Niveau und verbanden sich zu einer zu einer homogenen Gesamtleistung wie man sie nicht oft erleben darf.

Das Lohengrin Debüt von Mirko Roschkowski kann man wohl als rundum gelungen bezeichnen. Der sympathische Tenor besticht mit seiner warmen innigen, leicht dunkel mattierten Stimme und viel Belcanto-Schmelz. Die a capella Stellen des liedhaft zarten Schwanenliedes formt er mit  traumwandlerischer Intonationssicherheit wunderbar sensibel aus. Seine Höhe ist mühelos und glänzt eher bronzefarben als heldisch- strahlend, was seiner Gestaltung jenen leicht gebrochenen Grundton verleiht, der die tragische Aura dieser Figur umgibt. Sehr berührend und klug aufgebaut singt er die Gralserzählung, in der er auch mit metallischer Strenge aufzutrumpfen versteht.  Auf die weitere Entwicklung dieses vielversprechenden Tenors darf man sehr gespannt sein.

Die Elsa von Anna Princeva darf man ebenfalls als Glücksfall bezeichnen. Die zierliche Sängerin  mit der berührend kindlichen Ausstrahlung verfügt über einen substanzreichen lyrischen Sopran, der sich in allen Lagen mühelos behauptet und über genug Potenzial für die großen dramatischen Steigerungen verfügt, was sie in der Brautgemachszene eindrucksvoll unter Beweis stellt. Ihre Hinwendung zur Innerlichkeit unterstreicht sie mit tragfähigen Piani und weicher Legatokultur.

Dshamilja Kaiser ist als Ortrud eine Offenbarung. Selten hört man eine so kultiviert singende, perfekt phrasierende Ortrud, die mit ihrem Mezzo alle dynamischen Facetten dieser Partie auslotet. Ihre dramatischen Ausbrüche sorgen für Gänsehauteffekt, wirken dabei nie forciert, die Spitzentöne werden unangestrengt in den musikalischen Kontext integriert. Ein beeindruckendes Rollenportrait!

Theater Bonn / Lohengrin - hier : Mirko Roschkowski als Lohengrin © Thilo Beu

Theater Bonn / Lohengrin – hier : Mirko Roschkowski als Lohengrin © Thilo Beu

Tómas Tómasson zeigt den innerlich zerrissenen Telramund mit großer gestalterischer Intensität, deklamatorischer Klarheit und psychologischer Tiefenschärfe. Sein kerniger Bariton verfügt über ein weites Spektrum an Charakterisierungsmöglichkeiten, die er differenziert einzusetzen versteht.

Paul Kudinov verfügt als König über einen angenehm hell timbrierten Bass, dessen exponierte Höhenlagen sich wie selbstverständlich über das Orchester hinwegsetzen und nicht nur ihm, sondern auch dem Publikum viel Freude bereiten. Den Heerrufer gibt Ivan Krutinov souverän und mit königlich auftrumpfender Noblesse. Mit seiner vollen und tragfähigen Baritonstimme komplettiert er die fulminante Sängerriege.

Der Dirigent Dirk Kaftan und das Bonner Beethovenorchester sind ohne Zweifel mit höchstem Einsatz und glühendem Eifer bei der Sache. Dirk Kaftan führt das Orchester mit liebevoller Achtsamkeit durch die Partitur, besticht nicht nur mit poetischer Klangzauberei und weit atmenden Bögen, sondern auch mit perfekter Klangbalance und umsichtiger Sängerführung. Als Wagner-Dirigent versteht er, dramatische Spannungsabläufe und orchestrale Wucht unter Kontrolle zu halten und mit imposanten Steigerungen die Energien zu entfesseln. Beeindruckend gerät der Höhepunkt des gesamten Ensemble im 1. Akt.

Es wird beglückend präzise musiziert, herausragend hört man die Trompeten im 3.Akt, die seitlich der Bühne und auch im Zuschauerraum positioniert sind, was eine faszinierende Raumwirkung entfaltet.

Wunderbar anzuhören Chor und Extrachor ( Leitung: Marco Medved), sowie der Kinder- und Jugendchor ( Einstudierung: Ekaterina Klewitz).

Stehende  Ovationen beendeten einen außergewöhnlichen Abend

Lohengrin am Theater Bonn, weitere Vorstellungen 24.11.; 21.12.; 26.12.2018; 6.1.; 17.1.; 1.2.2018 und mehr

—| IOCO Kritik Theater Bonn |—

Bonn, Theater Bonn, Musical – Premiere Ein Käfig voller Narren, IOCO Kritik, 06.09.2014

September 10, 2014 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Varietéglitzer, ungleiche Lebensformen und Lebensalltag 

Der Pariser Schauspieler, Regisseur und Autor Jean Poiret, 1926 – 1992 war ein vielseitiger wie erfolgreicher Mann. Als Darsteller wirkte er in vielen Filmen und TV-Produktionen. 1973 schrieb Poiret für Pariser Bühnen das Theaterstück La Cage aux Folles, dessen Filmfassung 1978 mit Michel Serrault und Ugo Tognazzi in den Hauptrollen international erfolgreich war. Internationalen Theatererfolg brachten erst der Drehbuchautor Harvey Fierstein und der Komponist Jerry Herman in 1983: Am Broadway wurde es heimisch, im Pariser Théatre du Palais Royal wurde es ab 1983 900 Mal, sieben Jahre ohne Unterbrechung gespielt. 1985 feierte das Stück im Berliner Theater des Westens seine deutsche Premiere. Gloria Gaynor machte 1984 „I am what I am“, Outing-Song der Hauptdarsteller des Musicals, zum Welthit.

 Bonn / Kaefig Voller Narren / Goerges und Zaza © Thilo Beu

Bonn / Kaefig Voller Narren / Goerges und Zaza © Thilo Beu

Ein Käfig voller Narren ist unkonventionell. Denn die alltäglichen Lebenswelten werden aus Sicht des homosexuellen Varieté-Betreibers Georges (Mark Weigel) und seines Lebensgefährten, der Transvestiten-Diva Albin / Zaza (Dirk Weiler) gezeichnet. Die tanzende, singende Travestie-Welt mit ihren Glitzer-Anzügen, Strass und Federboas wird beständig von großen wie kleinen menschlichen Konflikten aufgemischt. Regisseur John Dew hatte das Musical zuvor im Staatstheater Darmstadt inszeniert. So erhält Theater Bonn eine choreographisch und musikalisch ausgereifte Produktion (Choreographie Julio Viera Medina). Auf der Drehbühne wechselt farbenreiches Travestie-Ambiente mit alltäglichen Wohnräumen, deftiges schnoddern mit feinem Humor; gleißende Smokings, knappe wie überbordende Kostüme der zwölf Cagelle-Tänzer (José-Manuel Vazquez) illustrieren den Flair einer ungewöhnlichen, leicht verruchten Halbwelt.

 Bonn / Kaefig voller Narren / Cagelles © Thilo Beu

Bonn / Kaefig voller Narren / Cagelles © Thilo Beu

Georges kündigt im ersten Bild zu Cabaret-Musik (Band La Cage) in silberfunkelndem Smoking die Travestie-Show mit der wunderbaren Zaza (alias Albin) an, die schrägen Cagelle-Tänzer singen in Travestie-Kostümen ihren Song „Wir sind was wir sind“. Doch im nächsten Bild, einem braven Wohnzimmer hadert Albin über Georges:Ich habe ein Hühnchen gerupft und wo war er?“; „Früher hast Du es geliebt, das Fußkettchen an meinen Knöchel zu legen!“ Albin fühlt sich von Georges vernachlässigt, singt verloren, traurig den MASCARA – Song „Wenn alles grau ist, trüb und trist, die Schminke her und weg den Mist“. Nur widerstrebend verwandelt sich Albin wieder zum Travestie-Star Zaza.

 Bonn / Kaefig voller Narren / Die Dindons und Zaaza © Thilo Beu

Bonn / Kaefig voller Narren / Die Dindons und Zaaza © Thilo Beu

In dies nicht ganz normale Alltagsgefüge platzt die Nachricht, dass Georges´ Sohn Jean-Michel (Angelo Canonico), Ergebnis einer kurzen, früheren Hetero-Beziehung, von Albin über Jahre liebevoll aufgezogen, heiraten möchte. „O, Georges, unser Kind will ein Mädchen heiraten. Was haben wir falsch gemacht?“ klagt Albin. Ausgerechnet die Tochter von Eduard Dindon (Franz Nagler), eines erzkonservativen Travestie-Feindes  und   dessen Frau Marie (Barbara Teuber), die junge Anne (Léonie Thoms), ist die Auserwählte von Jean-Michel.

Der Konflikt in der „Künstler-Familie“ baut sich auf, als Annes Eltern die Familie ihres zukünftigen Schwiegersohns Jean-Michel treffen möchten. Das Treffen plant Georges zunächst ohne Albin aber mit Jean-Michels leiblicher Mutter. Doch die Mutter sagt ab, schnell gestrickte Notlösungen verpuffen. Die erzkonservativen Dindons treten auf, das „Anders sein“ von Albin und Georges offenbart sich bald. Aus Eduard Dindons reaktionärem Herzen poltert es: „Erpressung von rechts, Betrug von links, Verderben vor mir und wer weiß, was von hinten kommt!“.

Doch ohne Happy End wäre Ein Käfig voller Narren kein erfolgreiches Musical. Und so findet sich auch im Theater Bonn zwischen sensibler Traurigkeit wie schrägem Humor alles zum guten wie bizarren Ende.

 Bonn / Premiere Ein Kaefig voller Narren / Ensemble © IOCO

Bonn / Premiere Ein Kaefig voller Narren / Ensemble © IOCO

Die reaktionären Dindons mutieren zu tanzenden Transvestiten, Anne steht zu ihrem Jean-Michel und Georges versöhnt sich mit Albin.

Auch ungleiche Lebensformen müssen durch den Alltag des Lebens Mark Weigel und Dirk Weiler geben dem Musical als Georges und Albin / Zaza in Sprache, Gesang und Gestus seinen exzentrischen Charakter. Ob Paris-Chapeaus, Rokoko-Vögel, Federpuschel: Die in hinreißenden Kostümen tanzenden Cagelles verströmen dazu den beständigen Hauch leicht zwielichtiger Varieté-Ambiente. Franz Nagler, kraftvolles Bonner Schauspiel-Urgestein, und Barbara Teuber setzen als irdisch polternde Eduard und Marie Dindon kraftvoll karikierende Kontrapunkte.  Angelo Canonico und Léonie Thoms, runden als Jean-Michel und Anne Dindon die gelungene, vom Publikum am 6.9.2014 stürmisch gefeierte Musical-Premiere im Theater Bonn ab.

IOCO / Viktor Jarosch / 08.09.2014

Weitere Vorstellungen: 13. September 2014; 5. Oktober 2014; 17.10.2014; 14.11.2014; 15.11.2014;  20.22.2014; 31.12.2014 15 Uhr; 31.12.2014 19.30 Uhr; 3. Januar 2015; 6.1.2015; 16. 1.2015; 6.2.2015; 7.2.2015; 27.2.2015; 6. März 2015; 22. 3. 2015; 2. April 2015; 9. April 2015

—| IOCO Kritik Theater Bonn |—

Bonn, Theater Bonn, Musicalpremiere: Ein Käfig voller Narren, IOCO Aktuell, 04.09.2014

August 27, 2014 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

Premiere: EIN KÄFIG VOLLER NARREN 

Musical in zwei Akten von Jerry Herman,  Buch von Harvey Fierstein nach  La cage aux folles von Jean Poiret,  Deutsch von Erika Gesell und Christian Severin

Premiere Donnerstag, 4. September 2014 um 19.30 Uhr;   weitere Vorstellungen 13.9.2014; 5. Oktober, 17.10.; 14.11.; 15.11.; 20.12.; 31.12. (15  + 19.30 Uhr); 3. Januar 2015; 6.1.2015; 16.1.2015; 6.2.2015; 7.2.2015; 17.2.2015

La cage aux folles ist der Name eines der beliebtesten und schillerndsten Treffpunkte des nächtlichen St. Tropez. Die allabendliche Show fasziniert und verwirrt das Publikum mit ihrem fantastischen Wechselspiel von Sein und Schein. Star der Show ist Zaza – mit bürgerlichem Namen Albin und ein Meister der Travestie. Albin lebt seit 20 Jahren mit Georges, dem Besitzer des „La Cage“, zusammen. Gemeinsam geht man schon lange durch dick und dünn – bis die Beziehung eines Tages auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird …

Das Musical nach dem Lustspiel LA CAGE AUX FOLLES von Jean Poiret – am 21. August 1983 am Broadway uraufgeführt – wurde in Amerika mit sechs Tony Awards prämiert und somit zum besten Stück der Saison 83/84 erklärt. Auch die deutsche Premiere wurde zu einem triumphalen Theaterereignis, das sich seitdem an vielen Bühnen wiederholt hat.

Nach Bonn kehrt für EIN KÄFIG VOLLER NARREN der Regisseur John Dew zurück, dessen Inszenierung von LES MISERABLES vielen Musicalfreunden noch lebhaft in Erinnerung sein dürfte.

Musikalische Leitung: Jürgen Grimm | Inszenierung: John Dew | Choreographie: Julio Viera Medina | Bühnenbild: Heinz Balthes | Kostüme: José-Manuel Vázquez | Licht: Max Karbe

Mit Dirk Weiler [Zaza/Albin], Mark Weigel [Georges], Angelo Canonico [Jean-Michel], Léonie Thoms [Anne], Franz Nagler [Edouard Dindon], Barbara Teuber [Mdme Dindon], Inken Lorenzen [Jacqueline]

Cagelles: Sara Blasco, Rachel Colley, Eveline Gorter, Marleen Jakob, Lisenka Kirkcaldy, Regina Kletnitch, Rebecca Meyer; Christopher Basile, David Hernandez, Fausto Israel, Marcelo Marinho, Jan-W. Schäfer, Michael Schnizler, Markus Wegner

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Bonn, Theater Bonn, Premiere DIE ARABISCHE PRINZESSIN, 15.06.2013

Juni 12, 2013 by  
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Theater Bonn

Bonn / Theater Bonn © Thilo Beu

Bonn / Theater Bonn © Thilo Beu

DIE ARABISCHE PRINZESSIN von Juan Crisóstomo de Arriaga

Märchenoper mit dem Kinder- und Jugendchor des THEATER BONN
Empfohlen ab 8 Jahren
 
Samstag, 15. Juni 2013, 18 Uhr, Alter Malersaal (Beuel), Am Samstag, den 15. Juni um 18 Uhr ist die Premiere der Kinder- und Jugendoper DIE ARABISCHE PRINZESSIN von Juan Crisóstomo de Arriaga im Alten Malersaal in Beuel mit dem Kinder- und Jugendchor des THEATER BONN. 
 
Die Geschichte mutet an wie ein Märchen aus TAUSENDUNDEINER NACHT: Prinzessin Amirah verliebt sich unsterblich in den armen Fischer Jamil. Für die Prinzessin steht fest: Er oder keiner soll es sein! Doch müssen die beiden viele gefährliche Abenteuer bestehen, Hindernisse überwinden und schmerzliche Erfahrungen sammeln, bevor die orientalische Liebesgeschichte schließlich zu ihrem glücklichen Ausgang findet. 
 
Nach seinen Erfolgen mit ELOISE und PEER GYNT erarbeitete Regisseur Jens Kerbel eine weitere Kinder- und Jugendoper am THEATER BONN. Das Bühnenbild entwarf Ansgar Baradoy, die Kostüme Mathilde Grebot. Die Aufführung wird empfohlen für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren.
 
Es spielt das Orchester der Jungen Oper Bonn unter der Leitung von Ekaterina Klewitz, die seit 2007 Leiterin des Kinder- und Jugendchores des THEATER BONN ist.
—| Pressemeldung Theater Bonn |—

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