Hannover, Staatsoper Hannover, Spielzeit 2020/21 – Laura Bermann stellt vor, IOCO Aktuell, 24.05.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

  Spielzeit 2020/21  –  19.9. Eröffnungspremiere – The Greek Passion
– Der Kompass schwankt –

Intendantin Laura Berman, Ballettdirektor Marco Goecke, designierter Generalmusikdirektor Stephan Zilias  –  stellen vor

Die Intendantin der Staatsoper Hannover Laura Berman hat gemeinsam mit Ballettdirektor Marco Goecke und dem designierten Generalmusikdirektor Stephan Zilias das Programm der Spielzeit 2020/21 unter dem Motto  Der Kompass schwankt  vorgestellt. „Als wir uns für Der Kompass schwankt als Motto für die Spielzeit 2020/21 entschieden haben, war Covid-19 noch unbekannt. Wir beobachteten um uns eine Welt, die auf der Suche war: auf der Suche nach Wertekriterien, die zunehmend fließend zu sein schienen. Dann überholte uns die Wirklichkeit einer Pandemie, und der Kompass kam mehr denn je ins Schwanken. Wir präsentieren im Moment darum ein bisschen unseren Traum: Denn ob alles so stattfinden kann, wie wir es uns im Moment wünschen, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten erst noch zeigen“, ist sich Intendantin Laura Berman bewusst.

Zehn Opern-Neuproduktionen sowie 16 Wiederaufnahmen, drei neue Ballettabende mit drei Wiederaufnahmen, acht Sinfoniekonzerte, drei Kinderkonzerte, sowie Sonderprogramme sollen ab Herbst 2020 auf die Bühne gebracht werden. Durch die Corona-Pandemie sind Premieren ausgefallen, konnten Proben nicht stattfinden und mussten ganze Produktionen abgesagt werden. Dies wirkt sich auch auf die Spielzeit 2020/21 und sowie die folgenden aus. So werden vier Produktionen in der neuen Spielzeit zur Premiere kommen, die ursprünglich für diese Jahreshälfte geplant waren – so wird die Eröffnungspremiere der Saison am 19.09. Bohuslav Martinus Oper The Greek Passion in einer Inszenierung von Barbora  Horáková  sein, die eine Woche vor ihrer ursprünglichen Premiere im März abgesagt werden musste und  Der Mordfall Halit Yozgat von Ben Forst kommt 2021 zur Uraufführung. Auch die Neukreation Der Liebhaber von Ballettdirektor Marco Goecke nach Marguerite Duras wird nun endlich zu sehen sein. Die Uraufführung ist für Januar 2021 geplant.

Tristan und Isolde  – 2020/21 wieder auf dem Spielplan
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In der Oper werden weiterhin bekannte Dirigenten und Regienamen sowie neue künstlerische Handschriften zu erleben sein. Musical-Kultregisseur bringt Stephen Sondheim Thriller Sweeney Todd ins Opernhaus, Joe Hill-Gibbins und der renommierte Dirigent Christoph Gedschold nehmen sich Heribert Reimanns höchst theatralischer Oper Lear an und Regisseur Martin G. Berger kehrt gemeinsam mit Michele Spotti nach Hannover zurück, um die Spielzeit mit Così fan tutte zu beschließen. Hannovers neuer Generalmusikdirektor wird in zwei Neuproduktionen die musikalische Leitung übernehmen und gemeinsam mit Hausregisseurin Barbora Horáková Bizets Carmen und zusammen mit Immo Karaman Giuseppe Verdis Otello erarbeiten.

Für junges Publikum steht mit Humanoid, einer Science-Fiction-Oper des gefeierten Komponisten Leonard Evers, unter anderem eine Deutsche Erstaufführung neben der märchenhaften Gänsemagd von Iris ter Schiphorst auf dem Programm im Ballhof. Stimmen, eine Veranstaltungsreihe über die Kraft des Singens geht in ihre zweite Saison, ebenso die kleine Themenschwerpunktreihe mit Festival: Dämonen. Darüber hinaus kehrt selbstverständlich der Opernball im Februar 2021 zurück ins Opernhaus.

Die Balletcompagnie bringt zwei dreiteilige Abende zur Premiere und gibt damit dem Publikum die Möglichkeit, höchst unterschiedliche Choreographien von Lukáš Timulak, Ji?í Kylián, Juliano Nunes, Shahar Binyamini, Paul Lightfoot  und Sol León zu erleben. Das Feld an erstklassigen Choreograph*innen, die Ballettdirektor Marco Goecke nach Hannover einlädt, wird während der OsterTanzTage 2021 noch erweitert.

In den Sinfoniekonzerten stehen neben Künstler*innen des Opernensembles und des Staatsorchesters, international renommierte Gäste gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsorchester auf der Bühne. Neben Generalmusikdirektor Stephan Zilias werden Nuno Cuelho, Baldur Brönnimann, Michele Spotti, Roland Kluttig und Alondra de la Parra die Konzerte dirigieren. Stephan Zilias eröffnet die Spielzeit mit dem Konzert zugunsten der Stiftung Staatsoper Hannover am 05.09. und wird gemeinsam mit seinem Orchester, Solist*innen der Staatsoper, dem Chor, Extrachor und dem weltweit gefeierten französischen Tenor Benjamin Bernheim Ausschnitte aus dem Programm der Spielzeit präsentieren.

Ein besonderes Projekt wird im Februar 2021 in Hannover zu sehen sein: Staatsoper und Produktionshaus, Staatsorchester und experimentelles Musikensemble tun sich zusammen, um mit klassischem Orchesterrepertoire neue Darstellungsformen von Musik als Musiktheater erproben. Bei Neun, gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes, wird Orchestermusik im performativen Rahmen neu erfahrbar.

„Welche Aspekte unseres Lebens fließen in diese Maßstäbe ein, deren Konsequenzen eine gesellschaftliche Moral erst bilden? Welche Regeln geben wir unserem Zusammenleben? Kunst, Kultur und Theater sind die Orte, an denen sich die Gesellschaft gedanklich und emotional mit diesen Fragen beschäftigen kann – auch das wird angesichts der Pandemie noch einmal besonders klar. Gemeinsam mit meinem ganzen Team lade ich Sie ein, sich mit uns auf Richtungssuche zu begeben und die Ausschläge der Kompassnadel zu beobachten und zu diskutieren,“ freut sich Laura Berman auf die neue Spielzeit.

Dazu ist die Staatsoper der Ort, an dem sich die diverse Stadtgesellschaft begegnen kann. Über die Produktionen hinaus und packt  Xchange, die Vermittlungsabteilung der Staatsoper Hannover, einen Rucksack voller Musik, Tanz und Ideen und geht mit Bürger*innen jeden Alters auf kreative Tuchfühlung: Vom Kinderfest in der Oper über Spielclubs bis hin zu Workshops für Senioren.

Die kommende Spielzeit wird aufgrund der Corona-Pandemie mit zahlreichen Auflagen und Schutzmaßnahmen einhergehen, dazu gehört vor allem die Reduzierung der Platzkapazitäten, um die vorgeschriebenen Abstandsregeln einzuhalten. Dies hat auch Auswirkungen auf das Abonnement-System der Staatstheater Hannover: Feste Sitzplätze und Terminserien können nicht gewährleistet werden, so dass die Festplatz-Abonnent*innen für die Spielzeit 2020/21 Gutscheine erhalten, mit denen sie flexibel Vorstellungen besuchen können. Anders als bisher gewohnt, werden die Vorstellungen der Staatsoper an vier Terminen in den Vorverkauf gehen – mit zwei Tagen exklusivem Vorkaufsrecht für Festplatz-Abonnent*innen.

OPER

Premieren

THE GREEK PASSION,  Oper von Bohuslav Martin? 19.09. – 30.10.2020 & 10.04. – 02.05.2021,  TEUFELS KÜCHE  Kochoper von Moritz Eggert AB 25.09.2020,  CARMEN Oper von Georges Bizet 24.10.2020 – 15.01.2021,  HUMANOID Science-Fiction-Oper von Leonard Evers,  DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG AB 30.10.2020,  SWEENEY TODD Musical-Thriller von Stephen Sondheim 04.12.2020 – 04.02.2021 & 13.06. – 13.07.2021,  DER MORDFALL HALIT YOZGAT  Oper von Ben Frost Koproduktion mit Schauspiel Hannover und Holland Festival URAUFFÜHRUNG  Frühling  2021,  OTELLO  Dramma lirico von Giuseppe Verdi 25.03. – 15.05.2021,  DIE GÄNSEMAGD Kinderoper von Iris ter Schiphorst AB 20.05.2021, LEAR Oper von Aribert Reimann 22.05. – 26.06.2021,  COSI FAN TUTTE Dramma giocoso von Wolfgang Amadeus Mozart 19.06. – 16.07.2021

Der Barbier von Sevilla – 2020/21 wieder auf dem Spielplan
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Wiederaufnahmen

DON GIOVANNI Dramma giocoso von Wolfgang Amadeus Mozart 09.09. – 16.10.2020, TRISTAN UND ISOLDE Musikdrama von Richard Wagner 11.10. – 07.11.2020,  HÄNSEL UND GRETEL, Märchenspiel von Engelbert Humperdinck 13.11. – 25.12.2020,  UND WIE KLINGST DU? Interkultureller Ohrenöffner AB 15.11.2020,  HEUTE ABEND: LOLA BLAU Musical von Georg Kreisler AB 05.12.2020,  LA JUIVE,  Oper von Fromental Halévy 30.01. – 19.02.2021,   KUCKUCK Oper für Babys bis 18 Monate AB 30.01.2021,  IL BARBIERE DI SIVIGLIA Opera buffa von Gioacchino Rossini 06. – 20.02.2021,  L’ELISIR D’AMORE,  Melodramma giocoso von Gaëtano Donizetti 21.02. – 26.03.2021,  ZÄHLEN UND ERZÄHLEN,  Musiktheater von Mauricio Kagel AB 25.02.2021,  DIALOGUES DES CARMELITES Oper von Francis Poulenc 05. – 27.03.2021,  KÖNIG HAMED UND PRINZESSIN SHERIFA,  Musiktheater von Zad Moultaka AB 21.03.2021, L’INCORONAZIONE DI POPPEA , Oper von Claudio Monteverdi 17.04. – 08.05.2021,  DIE ZAUBERFLÖTE,  Oper von Wolfgang Amadeus Mozart 29.04. – 21.05.2021,  LA BOHÈME,  Oper von Giacomo Puccini 13.05. – 10.06.2021,  DER FREISCHÜTZ, Oper von Carl Maria von Weber 29.05. – 30.06.2021

BALLETT  –  Premieren

Serge Nijinski Paris © IOCO

Serge Nijinski Paris © IOCO

RASTLOS,  Choreografien von Lukáš Timulak, Jirí Kylián und Juliano Nunes 08.11.2020 – 07.01.2021,  DER LIEBHABER,  Ballett von Marco Goecke frei nach Marguerite Duras URAUFFÜHRUNG 23.01. – 04.04.2021,  NACHTSCHWARZ UND WINDSCHIEF,  Choreografien von Shahar Binyamini, Paul Lightfoot & Sol León und Marco Goecke 24.04. – 15.06.2021

Ballett – Wiederaufnahmen

3 GENERATIONEN,  Choreografien von Emrecan Tanis,, Hans van Manen und Marco Goecke 13.09. – 10.10.2020,   NIJINSKI,  Ballett von Marco Goecke 12.12.2020 – 29.01.2021,   BEGINNING,  Choreografien von Medhi Walerski, Andonis Foniadakis und Marco Goecke 01.07. – 15.07.2021

KONZERTE

Sinfoniekonzerte

HEROES 1. Sinfoniekonzert 27. & 28.09.2020,  RITUAL 2. Sinfoniekonzert 01. & 02.11.2020 , SENTIMENT 3. Sinfoniekonzert 06. & 07.12.2020 , AERIALITY 4. Sinfoniekonzert 10. & 11.01.2021,  MYTHOS 5. Sinfoniekonzert 14. & 15.02.2021,  FRÜHLING 6. Sinfoniekonzert 11. & 12.04.2021 TRAGISCH  7. Sinfoniekonzert 30. & 31.05.2021 SOMMERNACHT 8. Sinfoniekonzert 17. & 18.07.2021

Festivals

OSTERTANZTAGE 2021 30.03. – 04.04.2021,  FESTIVAL:  DÄMONEN Einführungen, Nachgespräche, Gesprächsrunde, Filmreihe 16. – 18.04.2021,  OPEN STAGE Musikfestival 10.07.2021 & … DAS KINDERFEST IN DER OPER 17.01.2021,  NEUN – ABSCHIED Performance AB 13.02.2021,   OPERNBALL 26. & 27.02.2021

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Dresden, Semperoper, Staatskapelle Dresden – 12. Symphoniekonzert, IOCO Kritk, 10.07.2019

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper in hellem Sonnenschein © Matthias Creutziger

 Staatskapelle Dresden  –   12. Symphoniekonzert

Martinu: Zweites Violinkonzert – Suppé, Strauss: Mit „Wiener Schmäh“

von Thomas Thielemann

Der noch-amtierende „Capell-Virtuos“ Frank Peter Zimmermann und seine wunderbare Geige Lady Inchiquin  verabschiedeten sich im letzten Saisonkonzert in der Semperoper von der Staatskapelle Dresden und deren Stammpublikum mit Bohuslav Martinu´s  Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 H 293. Das Orchester wurde von Manfred Honeck dirigiert.

Semperoper Dresden / Frank Peter Zimmermann und Lady Inchiquin © Harald Hoffmann

Semperoper Dresden / Frank Peter Zimmermann und seine Geige Lady Inchiquin © Harald Hoffmann

Bohuslav Martinu, 1890 in Böhmen geboren, ging 1923 nach Paris um seinen bei Josef Suk begonnenen Kompositionsuntericht bei Albert Roussel zu komplettieren, aber auch um dem Prager „Smetana-Kult“ zu entkommen und sich anderen Einflüssen zu öffnen. Der Impressionismus, der Neoklassizismus Strawinskys sowie der Jazz, aber auch Honegger und Milhaud beeinflussten sein Schaffen. Häufig stellte er die Stilistik seiner Arbeiten um.  In den 1930er Jahren widmete er sich dem Irrationalen und einer von Fantasien bestimmten Traumlogik. Zunehmend bekommen Elemente des Fantastischen Platz in seinen Arbeiten. In seinen letzten Schaffensjahren – Martinu starb  nach  langem USA-Aufenthalt 1959 in der Schweiz, öffnete er sich philosophischen Gedankengängen und kehrte zu den Impressionistischen Harmonien zurück. Nie verblasste aber seine Verbundenheit zur Musik seiner böhmischen Heimat.

Für seine geringe Präsenz in den Konzertsälen dürfte der eigenwillige Formenbau seiner Musik, ihre Beweglichkeit, ihr Mangel an festen Themengebilden und wohlvertrauten Anhaltspunkten verantwortlich sein. Das stellt die Interpreten vor Schwierigkeiten, die sie bei dieser anscheinend so milden Tonsprache kaum vermuten. Die Avantgardisten wenden sich ab, selbst Neo-Barock und Folklorismus werden ihm angehängt.

 Sächsische Staatskapelle Dresden / 12. Symphoniekonzert mit Manfred Honeck © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / 12. Symphoniekonzert mit Manfred Honeck © Matthias Creutziger

Frank Peter Zimmermann ist es zu verdanken, dass Martinus Violinkonzerte in der letzten Zeit häufiger in den Konzertprogrammen auftauchen.

Natürlich gibt es auch eine Anekdote zur Entstehung des Violinkonzerts Nr. 2: der ukrainische Geigenvirtuose Mikhail Elman (1891-1967) wollte sich im Januar 1943 in der Carnegie Hall Schostakowitsch-Musik mit dem Boston Symphonie Orchestra anhören, hatte aber das Datum verwechselt und war in ein Konzert mit Martinus erster Symphonie geraten. Mischa Elman war von der Musik so begeistert, dass er den Komponisten am folgenden Tag aufsuchte, um von Martinu ein auf ihn abgestimmtes Violinkonzert zu erbitten. Erst als Elman für Martinu ein Konzertprogramm improvisierte, um seinen charakteristischen lyrischen und durchsetzungsfähigen Stil zu demonstrieren, änderte der Komponist seine barsche Ablehnung in Schweigen. Nachdem der verunsicherte Geiger längere Zeit von Martinu nichts hörte, überraschte ihn der Komponist eines Tages mit der fertigen Partitur. Noch am 31. Dezember 1943 wurde das Werk mit dem Solisten Mikhail Elman in Boston aufgeführt.

Das besuchte Konzert begann mit der pointierten Andante-Einleitung durch das von Manfred Honeck geleite Orchester, der sich Zimmermann betont und ruhig mit einem Solo entgegen stellte. Den Hauptteil des ersten Satzes bildete eine lyrisch-musikalische Kommunikation bis der Solist mit einer Kadenz das Orchester moderater zum Andante des Satzbeginns zurückführte. Den Mittelsatz spielten Solist und Orchester sanft, einer schönen Kadenz und mit einem ruhigen Zusammenspiel, bevor Manfred Honeck die Darbietung in das Poco Allegro  überleitete. Zimmermann spielte schnell, lebhaft und dramatisch, erhöhte, gemeinsam mit Honeck, zum Satzende das Tempo, um den Abschluss als furioses Finale zu erreichen.

Klaus Peter Zimmermann hatte mit seiner Interpretation mit Elan die süffigen Lyrismen der Komposition ausgeschöpft und mit schlanken, klaren Ton ein fulminantes Plädoyer für diese gewaltige Musik geboten. Er hatte spürbar viel Arbeit in die Verdaulichkeit des Stückes investiert. Seine Bogenarbeit ist charakteristisch durchdacht, insbesondere seine Liebe zum Detail. Andererseits schlich sich der Eindruck ein, dass Orchester und Solist kaum miteinander, eigentlich, ob der Schwierigkeiten der Komposition, mehr nebeneinander gespielt hätten. Das mag aber auch an der mangelnden Klarheit des Klangspektrums gelegen haben. Der Orchesterklang wirkte stellenweise matschig, expressionistisch und gelegentlich atonal.

Dementsprechend war auch der Beifall, gemessen an der Leistung der Agierenden, recht matt. Eingerahmt war das Violinkonzert von Antonin Dvoráks Karneval-Ouvertüre op. 92  von 1891 und einer Zusammenstellung Wiener Musik.

Dvorák komponierte am Beginn der 1890er Jahre drei Konzertouvertüren unter dem Titel „Natur, Leben und Liebe“. Später erst wies er jedem der Teile einen Titel zu, offenbar um ihnen einen leichteren Zugang zu den Konzertsälen zu ermöglichen. Der erste Teil wurde „In der Natur“, der zweite „Karneval“ und der dritte „Othello“  benannt. Das karnevalistische

Sächsische Staatskapelle Dresden / 12. Symphoniekonzert © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / 12. Symphoniekonzert © Matthias Creutziger

Treiben steht für rauschhafte Feste und Partys, alle Lust und Schönheit des Lebens, und für den Komponisten als offenen Raum für unsere Inspiration. Mit vollem Orchestereinsatz und vielen Beckenschlägen ließ Manfred Honeck die Ouvertüre beginnen. Ausgelassen und nahezu unkontrolliert hielt das Leben Einzug. Bis dann die Streicher den Genuss des Lebens mit viel Romantik kontrastierten. Die Solo-Klarinette übernahm ein Motiv aus der „Natur“ und veranlasste ein Nachdenken. Immerhin ist irgendwann Aschemittwoch. Mit differenziert instrumentiertem Tschingderassabum klang die Ouvertüre aus und bereitete so die Stimmung für das Violinkonzert.

Wer im Haus die Idee umsetzte, die Konzertsaison mit Wienerischem von Franz von Suppé und den Strauss-Brüdern abzuschließen, bleibt einer Überlegung wert. Zumal die Freunde der Staatskapelle derzeit nicht gut auf die Donau-Metropole zu sprechen sind. War es der Wunsch von Franz Welser-Möst, der ursprünglich dies Konzert dirigieren sollte? War es dem Umstand geschuldet, dass Orchester und Dirigent am Abend der Generalprobe ihr Open-air-Konzert  Klassik Picknickt zu bestreiten hatten?

Jedenfalls entwickelte sich der zweite Teil des Konzertes eher zu einem Gaudi, als zu einem ernst zunehmendem Symphoniekonzert. Die Musiker hatten offensichtlich Freude und Spaß; auch das Publikum war nach dem schwer verdaulichen ersten Konzert-Teil  von der leichten Muse angetan. Mit dem gebürtigen Österreicher Honeck war auch ein Fachmann, der die „Wiener Musik“ mit ihrem raffinierten Schmäh mit der Muttermilch aufgesogen hat, am Pult tätig.

Die Schluss-Ovationen des Publikums waren ebenso intensiv 

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Pygmalion und Martinus Ariadne, 22.04.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Pygmalion von Donizetti –   Ariadne von Martinus

Die Plattform Regie gibt Künstlern der Deutschen Oper am Rhein die Möglichkeit, am eigenen Haus selbst Inszenierungen zu entwickeln. Bei der Premiere am Sonntag, 22. April, um 18.30 Uhr im Theater Duisburg stellen sich Kinga Szilágyi und Volker Böhm mit zwei Einaktern aus zwei verschiedenen Stilepochen vor, die auf antiken Stoffen basieren. Beide handeln von Irrwegen der Liebe und existenziellen Auseinandersetzungen mit dem eigenen Ich: Pygmalion erzählt von einem Künstler, der sich in seine Kunst verliebt; Ariadne stellt uns den Athener Helden Theseus vor, der im Kampf um die Geliebte in sich selbst seinen erbitterten Gegner findet.

Deutsche Oper am Rhein / Pygmalion -Ariadne © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein /
Pygmalion -Ariadne © Hans Jörg Michel

Volker Böhm, Erster Spielleiter an der Deutschen Oper am Rhein, inszeniert Pygmalion. Es ist das erste Bühnenwerk des späteren Belcanto-Meisters Gaetano Donizetti und trägt erste Anzeichen eines Künstler­dramas. Unter der musikalischen Leitung von Ville Enckelmann sind Ovidiu Purcel als Pymalion und Lavinia Dames als Galathea zu erleben. Kinga Szilágyi, die seit der Spielzeit 2014/15 als Regieassistentin an der Deutschen Oper am Rhein engagiert ist, setzt Bohuslav Martinus EinakterAriadne in Szene. Musikalisch geleitet von Jesse Wong singt Heidi Elisabeth Meier die Titelpartie an der Seite von Laimonas Pautienius als Theseus und Lukasz Konieczny als Minotaurus.

 

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Essen, Philharmonie Essen, Orchester Anima Eterna Brugge, 09.10.2016

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Philharmonie Essen

Philharmnie Essen / Jos van Immerseel © Alex Vanhee

Philharmnie Essen / Jos van Immerseel © Alex Vanhee

 Aus der Neuen Welt  von Antonin Dvorak

Vor zehn Jahren waren sie mit einem Mozart-Zyklus in Essen zu Gast. Nun sorgen sie wieder für frischen Wind in der Philharmonie, diesmal mit tschechischer Romantik. Der Abend mit Jos van Immerseel und seinem Orchester Anima Eterna Brugge wird überraschende Einsichten bringen. Das alte Repertoire-Schlachtross, die Sinfonie  Aus der Neuen Welt  von Antonín Dvorák präsentiert sich in neuem Licht. In den Archiven des New York Philharmonics hat Hilary Metzger, die Cellistin des Ensembles, geforscht. Alte Bogenstriche, Fingersätze und Artikulationen hat sie ans Tageslicht geholt: eine Sinfonie Nr. 9 aus erster Hand, auf authentischem Instrumentarium. Der ebenso märchenhafte wie blutige „Wassermann“ ist eine weitere Frucht von Dvoráks USA-Aufenthalt. Zwischen diesen kraftvollen Werken bildet das luftige Cembalokonzert von Bohuslav Martinu einen markanten Kontrast.

Das Konzert mit dem Orchester Anima Eterna Brugge am Sonntag, 9. Oktober 2016, um 17 Uhr ist besonders für Familien geeignet. Kinder ab zehn Jahren erhalten in der ersten Konzerthälfte eine eigene Einführung in die Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvorák. Im zweiten Teil haben sie dann die Möglichkeit, dieses Werk mit ganz anderen Ohren zu hören. Familien, die dieses Angebot wahrnehmen möchten, erhalten stark vergünstigte Kartenpreise: Ein Erwachsener und ein Kind zahlen zusammen 16,60 Euro.

Im ersten Konzertteil können die Erwachsenen mit Der Wassermann ein weiteres Werk von Antonín Dvorák sowie das Cembalokonzert von Bohuslav Martinu erleben. Solistin ist die tschechische Organistin und Cembalistin Katerina Chroboková – oder kurz „KATT“, wie sie sich selbst nennt. Die musikalische Leitung an diesem Abend hat Jos van Immerseel.

Ein weiterer Erwachsener zahlt 10 Euro, ein weiteres Kind 6,60 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich bei Merja Dworczak (Education) unter education@philharmonie-essen.de oder Tel. (02 01) 81 22-826.

Die Philharmonie Essen bietet Einführungen für Kinder in sechs Konzerten in dieser Spielzeit an (weitere Termine: 11.11., 19.11., 4.12.2016; 19.3., und 28.4.2017).

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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