Baden-Baden, Festspielhaus, Spanisches Flair im Silvesterkonzert, 31.12.2019

Dezember 16, 2019 by  
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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Feliz Año Nuevo! – Spanisches Flair im Silvesterkonzert

Feurige Leidenschaften und spanische Rhythmen erwarten die Besucher am letzten Tag des Jahres im Festspielhaus Baden-Baden. Am 31. Dezember, 16 Uhr, stehen Ausschnitte aus George Bizets Carmen und weitere Werke mit spanischem Temperament auf dem Programm. Dargeboten von der französischen Mezzosopranistin Gaëlle Arquez, dem spanischen Tenor Joel Pietro und dem Wiener KammerOrchester unter der Leitung von Thomas Guggeis.

Festspielhaus Baden - Baden / Wiener Kammer Orchester © Lukas Beck

Festspielhaus Baden – Baden / Wiener Kammer Orchester © Lukas Beck

Was hatten Bismarck, Queen Victoria, Thomas Mann und Theodor W. Adorno gemeinsam? Sie alle waren Bizets Carmen verfallen und blieben mit ihrer Begeisterung nicht allein. Für Friedrich Nitzsche, einen ihrer ersten Fans, war die Carmen der entscheidende Anlass, um seine endgültige Loslösung von der Musik Richard Wagners zu vollziehen. Und dabei wurden hier all die Carmen-Zigarren, Carmen-Liköre und der Carmen-Strumpf noch nicht erwähnt! Bizets Oper, deren Welterfolg bei ihrer Uraufführung 1875 noch gar nicht absehbar war, ist eben beides: bedeutend und populär zugleich – ein Kunstwerk, das diesen Spagat spielend schafft. Und obgleich das Werk mit dem Mord an seiner Titelheldin endet, ist die Musik stets leicht, witzig und erotisch. Dieser Mord ist Teil der Faszination, wird Carmen doch exakt in dem Augenblick von ihrem Liebhaber getötet, in dem der Torero auf der Arena einen Stier ersticht. Carmen IST dieser Stier: Mensch und Mythos zugleich, heute würde man sagen: eine Marke, ein Star. Wenn Auszüge aus Carmen des Großteil des Silvesterkonzerts im Festspielhaus ausmachen, passt das wie der Säbel zum Torero: Vereint der Silvester in sich Weltliches mit Magischem, steht für das Vergehen wie für einen Neuanfang.

Allerdings begrüßen wir an diesem letzten Abend des Jahres ein neues Orchester, einen neuen Dirigenten und auch eine neue Solistin, da die Regierung der Insel Gran Canaria aufgrund einer angespannten Haushaltslage nach den Waldbränden des Sommers 2019 einige Projekte – auch die ihres Sinfonieorchesters – neu überdenken musste. Davon betroffen war auch die geplante Reise des Orchesters nach Baden-Baden und die dazu gehörenden Proben. Das brachte die gesamte Konzert-Produktion ins Schleudern. Entgegen bisheriger Veröffentlichungen wird am 31. Dezember 2019 an der Seite des spanischen Tenors Joel Prieto nicht Ana María Martínez, begleitet vom Orchestra Filharmónica de Gran Canaria unter Karel Mark Chicon im Festspielhaus auftreten, sondern die französische Mezzosopranistin Gaëlle Martinez die gerade ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper feierte. Als Dirigent übernimmt der junge deutsche Shooting-Star Thomas Guggeis, Kapellmeister der Staatsoper Stuttgart, der an der Staatsoper Unter den Linden für die Rettung einer Salome -Premiere groß gefeiert wurde. Nun feiert er mit dem Wiener KammerOrchester sein Baden-Baden-Debüt.

Festspielhaus Baden - Baden / Joel Prieto © Simon Pauly

Festspielhaus Baden – Baden / Joel Prieto ©
Simon Pauly

Die französische Mezzosopranistin Gaëlle Arquez gehört zu den aufstrebenden Stars der Opernwelt. Nach ihrem Abschluss am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gab die Sängerin 2013 ihr Debüt an der Pariser Opéra Bastille als Zerlina in Michael Hanekes Don Giovanni unter der Leitung von Philippe Jordan. Seitdem wird sie an die renommiertesten Opernhäuser weltweit eingeladen. Ihr Rollendebüt als Carmen feierte sie 2016 in Barrie Koskys von der Kritik gefeierten Inszenierung in Frankfurt. Mit der gleichen Produktion gab Gaëlle Arquez ihr Hausdebüt am Londoner Royal Opera House Covent Garden und open-air sang sie Carmen beim Gstaad Festival und bei den Bregenzer Festspielen 2017 und 2018. Auch im Teatro Real Madrid und an der Bayerischen Staatsoper war sie in der Titelpartie von Bizets Oper zu erleben und 2020 debütiert sie als Carmen in China mit dem Shanghai Symphony Orchestra unter Long Yu. Sie sang Juditha in Vivaldis „Juditha-Triumphanen“ an der Niederländischen Nationaloper, Iphigénie in Glucks Iphigénie en Tauride am Théatre des Champs-Elysées und war in Cherubinis Médée am La Monnaie in Brüssel zu hören. In der aktuellen Saison tritt Gaëlle Arquez als Muse/Nicklausse in Offenbachs Hoffmanns Erzählungen an der Wiener Staatsoper und der Opéra Bastille auf . Ihr jüngster Erfolg ist eine Reihe umjubelter Aufführungen an der New Yorker Metropolitan Opera als Cherubino in Mozarts Le nozze di Figaro.

Festspielhaus Baden - Baden / Gaelle Arquez © Julien Benhamou / DG

Festspielhaus Baden – Baden / Gaelle Arquez © Julien Benhamou / DG

Seit der Tenor Joel Prieto 2008 den renommierten Operalia-Wettbewerb gewann, zählt er zu den gefragtesten Sängern seiner Generation. Er ist regelmäßig an den bedeutenden Opernhäusern und Konzertsälen zu Gast sowie bei den Festivals in Edinburgh, Spoleto, Aix-en-Provence, den BBC Proms und den Salzburger Festspielen, zuletzt in der Barrie-Kosky-Inszenierung Orpheus in der Unterwelt. Joel Prieto stammt aus Spanien, wuchs in San Juan in Puerto Rico auf und studierte an der Manhattan School of Music und am Atelier Lyrique der Opéra Paris. Von 2006 bis 2008 war er Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, wo er als Tamino in Mozarts Zauberflöte sein Debüt gab und in der aktuellen Spielzeit als Don Ottavio auf der Bühne steht. Sein Repertoire umfasst neben den wichtigsten Tenorrollen Mozarts auch Partien, die von Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ bis zu Federico Moreno Torrobas Luisa Fernanda reichen. Er sang an der Opéra de Lausanne, am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, dem Liceu in Barcelona und war am Teatro Real in Madrid als Fenton in Verdis „Falstaff“ sowie als Kaplan in Kurt Weills „Street Scene“ an der Opéra de Monte-Carlo zu erleben. Auf dem Konzertpodium sang er Oratorien und Messen von Mozart, Beethoven und Haydn.

Festspielhaus Baden - Baden / Thomas-Guggeis © Matthias Baus

Festspielhaus Baden – Baden / Thomas Guggeis © Matthias Baus

Mit seinem kurzfristigen Einspringen für Christoph von Dohnányi bei der umjubelten Neuproduktion von Hans Neuenfels‘ „Salome“ an der Staatsoper Berlin sorgte Thomas Guggeis im Januar 2018 international für Aufsehen. Er erhielt erneut positive Rückmeldungen für sein Einspringen für die im März 2019 abgesagten Konzerte von Paavo Järvi mit der Staatskapelle Berlin. Seit der Spielzeit 2018/19 ist der 26-Jährige Kapellmeister an der Staatsoper Stuttgart, wo er u.a. La Bohème, Il barbiere di Siviglia, Der Freischütz und „Die Zauberflöte“ dirigierte. Neben seiner Tätigkeit in Stuttgart ist Thomas Guggeis an der Berliner Staatsoper unter den Linden als Assistent von Daniel Barenboim tätig. Dort dirigierte er Carmen, La traviata und „Katja Kabanova“. In dieser Spielzeit debütiert er am Pult der Staatskapelle Dresden und dem Swedish Radio Symphony. 2016 und 17 war Thomas Guggeis als Assistent von Franz Welser-Möst bei den Salzburger Festspielen tätig. Guggeis studierte Dirigieren in München und Mailand bei Bruno Weil, Marcus Bosch und Vittorio Parisi und vervollständigte seine Ausbildung durch verschiedene Meisterkurse.

Das Wiener KammerOrchester wurde 1946 von Franz Litschauer gegründet und hat sich in den 73 Jahren seines Bestehens als eines der weltweit führenden Kammerorchester etabliert. Sehr wichtig für die musikalische Geschichte des Orchesters war die Zusammenarbeit mit dem Chefdirigenten Carlo Zecchi und den Gastdirigenten Yehudi Menuhin, Heinz Holliger, Sir Neville Marriner und Ádám Fischer, welchen das Orchester lang anhaltende Impulse verdankt. Im Jahr 1946 dirigerte Benjamin Britten Orchester bei der Aufführung seiner Serenade Op. 31. 1952, im Alter von 9 Jahren, hat Daniel Barenboim sein Debüt mit dem Orchester gegeben, 1964 ist Alfred Brendel mit dem Orchester aufgetreten. In Wien tritt das Orchester zusätzlich zu den selbst veranstalteten Zyklen in zahlreichen Konzerten, u. a. im Wiener Musikverein, auf. Seit der Spielzeit 2012/13 ist das Wiener KammerOrchester am Theater an der Wien und der Wiener Kammeroper als Opernorchester tätig. Sein hohes internationales Ansehen dokumentieren die regelmäßigen Tourneen, die unter anderem nach Japan, China, die USA und Südamerika sowie nach Russland und in alle Länder Europas führten. Das Wiener Kammerorchester arbeitete mehrere Male mit dem Hamburg Ballett John Neumeier und dem Arnold Schönberg Chor zusammen und ist weltweit ein gerne gesehener Gast bei wichtigen Veranstaltern und Konzerthäusern.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Paris, Opéra Comique, Ercole Amante – Pier Francesco Cavalli, IOCO Kritik, 13.11.2019

November 13, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Opera Comique

l´Opéra Comique Paris © Sabine Hartl, Olaf-Daniel Meyer

l´Opéra Comique Paris © Sabine Hartl, Olaf-Daniel Meyer

l´Opéra Comique Paris

Ercole Amante  –  Pier Francesco Cavalli

– spannende Polit-Show von Louis XIV – dem „Sonnenkönig“ –

von Peter M. Peters

Nach langen geheimen Verhandlungen zwischen Spanien und Frankreich durch den Kardinal Jules Mazarin (1602-1661) wurde die Hochzeit zwischen dem 22 jährigen König Louis XIV (1638-1715) und der Prinzessin Marie-Thérèse d`Autriche, Infante d`Espagne (1638-1683) im Jahre 1660 beschlossen. Die Hochzeit ist für den 7. Februar 1662 vorgesehen. Nach langem Zögern willigte der schon sehr berühmte venezianische Komponist Pier Francesco Cavalli (1602-1676) auf eine Einladung nach Paris von Mazarin ein, um eine Oper für den Ruhm und der Macht der glorreichen französischen Monarchie zu komponieren. Im Zentrum der Oper sollte natürlich der junge König als ruhmreicher Held heraus gehoben werden, sodass man auch ein prächtiges Ballet im französischen Geschmack integrierte, dass der Hofkomponist und Super-Intendant Jean-Baptiste Lully (1632-1687) komponierte. Louis war wohl selbst ein guter Tänzer und so stand er mitunter auf der Bühne und interpretierte die Rolle seines Lebens: den SONNENKÖNIG.

Ercole Amanti – Pier Cavalli
youtube Trailer Opéra Comique Paris
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Cavalli musste zu seinem Leide in Zusammenarbeit mit dem allgewaltigen und eifersüchtigen Intrigant Lully diese Prachtoper komponieren. Es wurde eine gewaltige pompöse Show mit reichen Dekorationen, Szenenverwandlungen im Sinne des französischen Absolutismus und natürlich des Zeitgeschmacks. Es war eine politische Propaganda- und Machtdemonstration wie wir sie wohl in unserer langen Menschheitsgeschichte genug gesehen haben. In gleicher Zeit wurde im Palais des Tuileries ein Saal von übergroßen Dimensionen mit einer Kapazität von mehr als 7000 Personen fassenden Raum von dem italienischen Architekt Carlo Vigarani (1637-1713) konstruiert. Die Premiere am 7. Februar 1662 war für Cavalli eine große Enttäuschung, denn in diesem gigantischen Saal war die Akustik unzureichend und der große Lärm der Bühnenmaschinen nicht zum Vorteil für seine Musik. Außerdem war das Publikum mit der italienischen Sprache nicht sehr vertraut, so dass am Ende nur die Ballettmusiken von seinem Erzfeind Lully bejubelt wurden. Der schon betagte und kränkelnde Komponist verließ sehr verärgert umgehend die französische Hauptstadt um die strapazierende Rückseite nach Venedig zu unternehmen. Er schwor sich damals nie mehr eine Oper zu komponieren, jedoch nach einigen Wochen vergaß er sein Gelübde.

l´Opera Comique Paris / Ercole Amante © DR S. Brion

l´Opera Comique Paris / Ercole Amante © DR S. Brion

Wie schon geschrieben, die Oper musste sich nach dem damaligen Geschmack des französischen Publikums anpassen: in fünf Akten und einem Prolog, mehrere „sinfonies“, einige „ensembles“  viele „chœurs“ und diverse „ballets“. Das Libretto von Francesco Buti (1604-1682) bedient sich der Rhetorik und dem Geschmack der Metapher des französischen Theaters. Auch der Inhalt des Werkes ist dem Zeitgeschmack angepasst, indem man sich von den Metamorphosen des Ovids inspiriert, die voll von Allegorien und Symbolen sind. Der junge König wird mit dem Halbgott Ercole verglichen. Der Vergleich eines starken Halbgottes und Verführers mit dem jungen König ist äußerst schmeichelhaft, jedoch auch eine Lektion über die Moral. Denn an diesem Zeitpunkt hegte er eine tiefe Leidenschaft für die Nichte des Kardinals Mazarin, Marie Mancini (1639-1715), die er jedoch aus Staatsräson aufgeben musste.

Trotz der Anpassung an den französischen Zeitgeschmack hat sich das Charakteristische der Musik- Sprache Cavallis erhalten, indem man Rezitative alternierend mit Deklamation und Passagen  „arioso“ im „stile concitato“ in Momenten der Verzweiflung findet. jedoch auch „Lamentos“  von starker emotioneller Kraft (z.B. das Lamento de Deianira : „Misera, ahimè, che ascolto“ und viele sehnsüchtige Liebesduette. Aber das Libretto lieferte auch viele Vorwände den großen Maschinenpark auf der Bühne zu nützen: bewegliche Staturen, entfesselte Meere, Abstieg zur Unterwelt, Erscheinung der Götter und Geister. Das alles in einer opulenten Bühnenlandschaft mit Palästen, Gärten und Grotten zum Träumen und viele anderen fantastischen Dingen. Dennoch ist der Ercole Amante für Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und wurde erst in jüngster Zeit wieder entdeckt.

Dieses außergewöhnliche Werk ist ein idealer Repräsentant einer unermesslichen Prachtentfaltung und Herrlichkeit des XVIII. Jahrhunderts. Das einzige Manuskript das die Zeit überlebt hat ist konserviert in der Biblioteca Marciana in Venedig und enthält kostbare Präziosen der vielen „ritornelli“, der instrumentalen Original-Begleitungen, die erstaunlichen dynamischen Indikationen „„Toudoucement“, „Bien fort messieurs“). Somit hat Cavalli und der venezianische Stil entscheidenden Einfluss auf die spätere „tragédie lyrique française“  genommen und sein Rivale Lully profitierte besonders davon. Der Prolog ist eine Allegorie über die allmächtige Größe und Macht Frankreichs in dem die Sonne nie unter geht und die Götter selbst steigen herab um ihren Sohn Louis alias Sonnenkönig zu preisen. Man denkt unweigerlich an den Größenwahn und der Blindheit der Mächtigen dieser Welt. Denn knapp ein Jahrhundert später mit der Revolution ist der ganze Wahnsinnstraum wie vom Winde verweht. In der Oper selbst verfolgen wir die turbulenten Abendteuer des starken Ercole, der sich nicht scheut selbst die Götter heraus zu fordern, und symbolisch gesehen ist auch hier eine Parallele zwischen dem Halbgott und Louis zu sehen. Wie in allen barocken Operntexten folgen wir Szenen zwischen Tragik und Komik: Hass, Liebe, Wut, Rachsucht und vielen Tränen, jedoch am Ende folgt immer des Happy-End oder die Erlösung wie in diesem Fall.

l´Opera Comique Paris / Ercole Amante © DR S. Brion

l´Opera Comique Paris / Ercole Amante © DR S. Brion

Die Premiere am 4. November 2019 in der Opéra Comique Paris: Indem Valérie Lesort und Christian Hecq (Sociétaire der Comédie Francaise) in der Inszenierung die Maschinerie des XVII. Jahrhunderts respektiert und mit modernen Mitteln integriert, wird es ein wunderschönes und komisches vergleichendes Märchen. In über drei Stunden wird ein nie ausgehendes Feuerwerk mit einem derartigen kribbelnden Ideenreichtum das Publikum verzaubern. Im Laufe der vielen Szenenwechsel erscheinen Zauberblumen in denen Venus und ihre Gefährtinnen versteckt sind, um mit Schönheit und Liebeslist neue Opfer zu finden. Monster erinnern an den Film Shrek oder an die Welt der Alice im Wunderland. Juno steigt in einem vogelschwingenden Luftschiff zu den Sterblichen herunter. Eine Art Entenhelikopter fliegt mit Diane verführerisch im Weltall um jederzeit im Sturzflug zu erscheinen. Wilde orkanartige Meere aus dem Neptun in einem U-Boot à la Jules Verne erscheint. Bänke aus Hecken geschnitten werden monsterhaft lebendig um ihre Opfer zu umschließen. Palastsäulen werden gerade zu verrückt und purzeln durcheinander. Derartige schöpferische Kräfte und erfinderische Traumvisionen sieht man selten so ideal vereint und so ist es auch ein mehr als verdienter Triumph für das Inszenierungspaar.

Ercole Amanti – Raphael Pichon und sein Regie-Konzept
youtube Trailer Opéra Comique Paris
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Raphaël Pichon und sein Ensemble Pygmalion hat das fast vergessene Werk Cavallis wunderschön in all seiner Größe und Majestät zu neuem Leben erweckt indem er den Wert und den ganzen Reichtum dieser Partition aufzeigt. Besonders hebt er Cavallis Musik als Scharnier zwischen Renaissance und Barock hervor, um gewissermaßen eine Musikbrücke für die Zukunft zu sein. Dass sein Ensemble einschließlich Chor heute zu den Großen unter den Interpreten für alte Musik zählt brauchen wir wohl nicht betonen.

Die Solisten sind von der Titelrolle bis in die kleinste Nebenrolle äußerst gut besetzt sodass es ein Hörgenuss für jeden Musikfreund ist. Ercole wird von dem jungen brasilianischen Bass Nahuel Di Pierro interpretiert. Mit seinem tiefschwarzen Timbre ist er eine Idealbesetzung für diesen robusten und naiven Helden, der teilweise fast brutale Manieren zeigt, doch im Grunde immer der naive und sogar fast trottelhafte Junge bleibt. Man denkt unweigerlich an Rollen wie Papageno oder Osmin, denn Komik, Ironie und Lächerlichkeit sind nicht weit entfernt.

Für die Göttin der Götter Giunone (Juno) hat man die große gefeierte italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus mit Recht ausgewählt. Denn ihre weich fließende dunkle samtige Stimme erzielt wahre Wunder in der Interpretation dieser schwierigen und komplexen Rolle. Mit ihren unerschöpflichen Reserven zeigte sie in vielen Stimmfarben sentimentale Gefühle aber auch drohende Autorität und rasenden Zorn.

Die Prinzessin Deianira ist die verlassene Gattin unseres Helden Ercole, hier glaubwürdig von der italienischen Mezzosopranistin Giuseppina Bridelli gesungen und gespielt. Zwischen sehnsüchtigem Klagen, tränenreicher Verzweiflung und rasender Wut manipuliert sie alle Welt um am Ende die gewünschte Rache an Ercole zu erzielen. Die Iole der jungen italienischen Sopranistin Francesca Aspromonte atmet die ungeahnte liebesvolle Atmosphäre eines naiven jungen Mädchens. Ihr in allen Tonregistern glasklarer Sopran jubiliert mit Leichtigkeit über alle Hürden des Orchesters.

Opera Comique Paris / Ercole Amante © DR S. Brion

Opera Comique Paris / Ercole Amante © DR S. Brion

Der Illo des polnischen *Tenors Krystian Adam steht ihr da ebenbürtig zur Seite um zusammen das unglückliche Liebespaar glaubwürdig zu machen. Mit seinem klaren flexiblen und leichten lyrischen Timbre war er der ideale Partner der Iole und ihre Stimmen verflochten sich in Schönheit und Einklang um die wunderschönen sehnsüchtigen Liebesduette zu meistern.

Die italienische Sopranistin Giulia Semenzato ist die Interpretin von Venere (Venus), Cinzia (Diane) und Bellezza (Schönheit) und sie schlüpft behände von einer Person zur Anderen um jedem die nötige und eigenständige Persönlichkeit zu verleihen und das in Stimme und Spiel. Der Italiener Lucca Tittoto verleiht seine imponierende Bassstimme an Nettuno um seine einzige Arie wütend und zornig umgeben von tobender Meeresgewalt meisterhaft zu schmettern.

Die beiden komischen Gestalten dieser Geschichte sind wie in fast allen venezianischen Opern und so auch in den Werken Cavallis und seines Lehrers Monteverdi szenisch integriert und interpretieren die Diener, Lakaien, Ammen, Hofnarren und die schlauen Ratgeber ihrer Herren. Sie scheinen der Comedia dell Arte entstiegen zu sein und in der Vergangenheit wurden sie ausschließlich von Kastraten gesungen, aber im Laufe der Zeit haben die Countertenor ihr Fach übernommen. Unsere Beiden nennen sich: Il Paggio und Licco. Der Erste ist der junge immer lächelnde Diener unseres Liebespaares (Iole und Illo) und in Harlekin-Manier findet er immer neue Anlässe seine Drolligkeit und Tölpelhaftigkeit unter Beweis zu stellen. Fabelhaft gesungen von dem amerikanischen Counter Ray Chenez mit einer klaren Sopranstimme die in allen Lagen natürlich klingt und nie in billigen Manierismus fällt. Licco ist schon ein alternder aber äußerst verschlagender Helfer seiner Herrin Deianira und der vor keinem Kunstgriff und Trick halt macht, um den starken Ercole für seine Herrin zur Strecke zu bringen. Eine Paraderolle für den französischen Counter Dominique Visse, der seine Aufgabe mit viel Witz und Ironie gestaltete. Seine nicht mehr sehr junge und teilweise kratzende Stimme hat er mit viel Intelligenz und Routine in Einsatz gebracht. Der Sänger war lange Zeit auf allen großen Bühnen der Welt zu Hause und schien abonniert zu sein für diese typischen Rollen.

l´Opera Comique Paris / Ercole Amante hier Schlussapplaus © Peter Michael Peters

l´Opera Comique Paris / Ercole Amante hier Schlussapplaus © Peter Michael Peters

Diese Produktion ist ein großes Ereignis und ein überwältigender Erfolg bei Presse und Publikum. Sie wird danach in der Opéra Royal in Versailles gezeigt und geht höchst wahrscheinlich auf eine größere Tournee. Die Opéra Comique (auch Salle Favart genannt) ist unter Louis XIV am 26.Dezember 1714 gegründet worden und hat sich im Herzen von Paris am Platz Boieldieu etabliert. Bestehend aus einer Wanderbühne, die auf Jahrmärkten und Straßenplätzen ihre Pantomimen und Parodien unter lautem Gelächter zeigte, war der Grundstock einer neuen Truppe gelegt. Das Theater musste mehrmals aus Geldmangel schließen, oder Umziehen wegen Rechtsstreitigkeiten. Auch brannte das Haus zweimal ab im Laufe seiner ruhmreichen Geschichte. Im Gegensatz zu ihrer großen Schwester, die Opéra National, war sie von Beginn an offen für neue Werke, so wurden u.a. mit großem Erfolg Opern von Adam, Auber, Bizet, David, Massenet, Gounod und Thomas bis hin zu Debussy hier zur Erstaufführung gebracht worden. Bis zum heute Tage hat sie diese Tradition behalten, indem jede Saison mindesten eine neue Oper das Licht der Welt erblickt. Das dritte und letzte Haus ist vom Architekten Louis Bernier erbaut und die Eröffnung war am 7.Dezember 1898. Das Theater hat kein permanentes Orchester und alle Produktionen werden mit ausgeliehenen Künstlern geschaffen, jedoch eine kleine Truppe von jungen Sängern ist hier zu Hause.

Ercole Amante, Opéra Comique Paris –  Besuchte Vorstellung 4. 11 2019

–| IOCO Kritik Opera Comique Paris |—

Köln, Oper Köln, Premiere Carmen, 10.11.2019

November 4, 2019 by  
Filed under Oper, Oper Köln, Premieren, Pressemeldung

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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Premiere von »Carmen« am Sonntag, den 10. November 2019 um 18:00 Uhr
im StaatenHaus, Saal 1

mit der Neuproduktion von George Bizets »Carmen« widmet sich Regisseurin Lydia Steier nach ihrem »Turandot«-Erfolg an der Oper Köln erneut einer starken, unangepassten Frauengestalt. Die verführerische Carmen verkörpert viele Leidenschaften, aber auch Projektionen: Liebe, Erotik, Freiheit, aber auch Kriminalität und schließlich der Tod gehören zu ihrem Leben. Bizet verbindet diese ergreifende Geschichte mit einigen der heute berühmtesten Melodien der Operngeschichte. Für die Neuproduktion an der Oper Köln konnte der französische Dirigent und Bizet – Experte Claude Schnitzler gewonnen werden. Adriana Bastidas-Gamboa, herausragendes Ensemble-Mitglied der Oper Köln, debütiert in der Rolle der Carmen. Ihr zur Seite steht Martin Muehle in der Rolle des Don José. Der brasilianische Tenor ist dem Kölner Publikum als Kalaf in Turandot in bester Erinnerung! Oliver Zwarg, zuletzt als Gilles de Rais in »Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna« und als Frank Maurrant in Kurt Weills »Street Scene« an der Oper Köln zu sehen, wird den Escamillo geben.

Besetzung
Musikalische Leitung Claude Schnitzler / Gabriel Feltz (17., 20., 22., 26. und 28.12.2019 / 2., 5.
und 7.1.2020) / Arnaud Arbet (13. und 15.12.2019)
Inszenierung Lydia Steier
Bühne Momme Hinrichs (fettFilm)
Kostüme Gianluca Falaschi
Licht Andreas Grüter
Chor Rustam Samedov
Dramaturgie Birgit Meyer

Mit
Carmen › Adriana Bastidas-Gamboa / Rihab Chaieb / Stéphanie D‘Oustrac
Don José › Martin Muehle / Dmytro Popov / Young Woo Kim
Micaëla › Ivana Rusko / Claudia Rohrbach / Julia Novikova
Escamillo › Oliver Zwarg / Samuel Youn / Kostas Smoriginas / Erwin Schrott
Zuniga › Matthias Hoffmann / Lucas Singer / Thomas Faulkner
Frasquita › Alina Wunderlin / Ye Eun Choi
Mercédès › Arnhei?ur Eiríksdóttir / Regina Richter
Le Dancaïre › Miljenko Turk / Stefan Hadži?
Le Remendado › Alexander Fedin / Anton Kuzenok
Chor und Extrachor der Oper Köln
Mädchen und Knaben des Kölner Domchores / Schüler des Mittelstufenchores am
Max Ernst Gymnasium Brühl
Gürzenich-Orchester Köln

Weitere Vorstellungen
Do, 14. November › 19:30 Uhr
So, 17. November › 18:00 Uhr
Mi, 20. November › 19:30 Uhr
Sa, 23. November › 19:30 Uhr
Do, 28. November › 19:30 Uhr
So, 01. Dezember › 18:00 Uhr
Mi, 04. Dezember › 19:30 Uhr
Sa, 07. Dezember › 19:30 Uhr
Fr, 13. Dezember › 19:30 Uhr
So, 15. Dezember › 18:00 Uhr
Di, 17. Dezember › 19:30 Uhr
Fr, 20. Dezember › 19:30 Uhr
So, 22. Dezember › 16:00 Uhr
Do, 26. Dezember › 16:00 Uhr
Sa, 28. Dezember › 19:30 Uhr
Do, 02. Januar › 19:30 Uhr
So, 05. Januar › 16:00 Uhr
Di, 07. Januar › 19:30 Uhr (letzte Aufführung)

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Coburg, Landestheater Coburg, Carmen – Georges Bizet, 18.10.2019

Oktober 18, 2019 by  
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Landestheater Coburg

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

Landestheater Coburg © Andrea Kremper

CARMEN – Georges Bizet

Libretto Henri Meilhac und Ludovic Halévy, nach  Prosper Mérimée

Wiederaufnahme: Das knisternde Spiel von Liebe und Eifersucht zieht wieder auf die Bühne des Großen Hauses – Carmen lädt ein in die Arena

Georges Bizets Oper Carmen in der Inszenierung von Alexander Müller-Elmau wird am Freitag, 18. Oktober um 19:30 Uhr im Großen Haus wiederaufgenommen.

Landestheater Coburg / Carmen © Sebastian Buff

Landestheater Coburg / Carmen © Sebastian Buff

Der Mörder Don José wartet im Gefängnis auf seine Hinrichtung. In Rückblenden erinnert er sich an die schicksalshafte Begegnung mit der Zigeunerin Carmen, die anders als er die Freiheit der Liebe über alle Konventionen stellt. „Die Liebe ist ein wilder Vogel, den niemand zähmen kann“, singt sie in ihrer berühmten Habanera. Auch Don José gelingt es nicht, sie zu zähmen – als Carmen ihn für den Stierkämpfer Escamillo verlässt, tötet er seine Geliebte aus Eifersucht.

„Vivat! Der Stierkampf ist schön, auf dem blutigen Sand stürmt der Stier, den man reizt, in Sprüngen voran, Vivat! Bravo! Sieg! Genau ins Herz getroffen! Der Stief fällt!“ (Chor IV,1) – Der Regisseur Alexander Müller-Elmau erzählt in seiner Inszenierung auf der Bühne des Coburger Landestheaters die Geschichte der Frau, die jeden Mann in ihren Bann zieht. Als zentrales Motiv dient ihm in diesem feurigen Spiel der Leidenschaft der Stier(kampf), der immer präsent ein Teil des Bühnenbildes darstellt und entwickelt ein psychologisch-albtraumhaftes Inszenierungskonzept, das jenseits aller Zigeunerromantik und Spanienklischees liegt. Anders als bei der Uraufführung von Georges Bizets Oper, die in einem Skandal endete, fasziniert die Geschichte der Femme fatale heute das weltweite Publikum – eine Mischung aus sinnlicher Lust, Liebe und dem Wunsch nach Freiheit.

Die drei Kandidaten für die Stelle des Generalmusikdirektors des Philharmonischen Orchesters Landestheater CoburgMoritz Gnann, Daniel Carter und Harish Shankar – werden jeweils eine Vorstellung der Oper leiten (22.10.2019: Moritz Gnann; 13.11.2019: Daniel Carter; 28.11.2019: Harish Shankar) und sich damit als Dirigenten auch dem Publikum vorstellen.


CARMEN  –  Oper in vier Akten von Georges Bizet | Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der Novelle „Carmen“ von Prosper Mérimée

Musikalische Leitung Paul Willot-Förster, Chorleitung Mikko Sidoroff, Leitung Kinderchor Daniela Pfaff-Lapins, Inszenierung und Bühne Alexander Müller-Elmau, Kostüme Julia Kaschlinski, Dramaturgie Dorothee Harpain

Mit:  Don José Sergant,  Milen Bozhkov, Escamillo, Stierfechter Marvin Zobel, Remendado Peter Aisher, Dancaïro Christian Huber, Zuniga Bartosz Araszkiewicz / Marcello Mejia-Mejia, Moralès Michael Lion, Carmen Kora Pavelic / Emily Lorini, Micaëla Olga Shurshina, Frasquita Dimitra Kotidou / Francesca Paratore, Mercédès Anne Heßling

Chor des Landestheaters Coburg, Kinderchor des Landestheaters Coburg, Extrachor des Landestheaters Coburg, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Carmen – Wiederaufnahme 18. Oktober 2019 19:30, weitere Vorstellungen, Di, 22.10.2019, 19:30 Uhr, Mi, 13.11.2019, 19:30 Uhr, Do, 28.11.2019, 19:30 Uhr, Fr, 06.12.2019, 19:30 Uhr, Sa, 21.12.2019, 19:30 Uhr, So, 29.12.2019, 19:30 Uhr

Karten :  Theaterkasse DI bis FR 10:00 – 17:00 Uhr, SA 10:00 – 12:00 Uhr

—| Pressemeldung Landestheater Coburg |—

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