Köln, Gürzenich Orchester, Francois-Xavier Roth – bleibt in Köln, IOCO Aktuell, 10.05.2020

Grüzenich Orchester

Gürzenich Orchester Köln / Francois-Xavier Roth © Holger Talinski

Gürzenich Orchester Köln / Francois-Xavier Roth © Holger Talinski

François-Xavier Roth  –   bleibt in Köln

François-Xavier Roth verlängert seinen Vertrag als Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Oper Köln 

François-Xavier Roth verlängert seinen Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2024/25 mit der Option auf eine Erweiterung bis zur Saison 2026/27. Seit nunmehr fünf Spielzeiten leitet der charismatische Franzose die musikalischen Geschicke des Gürzenich-Orchesters und der Oper Köln. Gemeinsam mit seinem Team überrascht er das Publikum jede Saison aufs Neue, sei es mit seinen innovativen Programmgestaltungen, international beachteten Uraufführungen wie Lab.Oratorium von Philippe Manoury oder beeindruckenden Opernproduktionen wie Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann.

Genreübergreifende Partnerschaften und die Entwicklung verschiedener Audience-Development-Programme wie die Gründung des Kölner Bürgerorchesters stehen ebenfalls im Zentrum der Orchesterarbeit. Erste Aufnahmen der Mahler-Symphonien Nr. 3 und Nr. 5 mit dem Gürzenich-Orchester Köln erhielten ein positives Presseecho. In Anerkennung seiner musikalischen Leistungen in Köln und seiner Arbeit mit dem französischen Ensemble Les Siècles wurde Roth im Februar 2020 der Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik zugesprochen.

 Gürzenich Orchester / Francois-Xavier Roth am Pult © Holger Talinski

Gürzenich Orchester / Francois-Xavier Roth am Pult © Holger Talinski

François-Xavier Roth: »Es ist mir eine große Freude und Ehre, meinen Vertrag als GürzenichKapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln zu verlängern. Ich fühle stärker als je zuvor, dass es mit den Musikerinnen und Musikern des Gürzenich-Orchesters und dem Team der Oper Köln keine Grenzen für außergewöhnliche musikalische Erlebnisse gibt. Ich freue mich sehr auf meine nächsten Jahre in Köln und möchte voller Energie und Leidenschaft gemeinsam mit meinem Gürzenich-Orchester für und mit den Kölnerinnen und Kölnern musikalisch Bewegendes schaffen.«

Oberbürgermeisterin der Stadt Köln Henriette Reker ist hocherfreut, den international gefeierten Ausnahmekünstler in der Stadt halten zu können: »François-Xavier Roth ist ein charismatischer und innovativer Musiker, der international für seine ungewöhnliche und kluge Programmgestaltung und seine Kommunikationsfähigkeit mit dem Publikum bekannt ist, das er immer wieder begeistert. Ich freue mich sehr, dass er mit der Bereitschaft zur Vertragsverlängerung gerade in dieser Zeit ein klares Bekenntnis zur kreativen Musik- und Kulturstadt Köln abgibt. Ich freue mich auf viele weitere inspirierende Jahre mit François-Xavier Roth.«

Kulturdezernentin der Stadt Köln Susanne Laugwitz-Aulbach ist sehr glücklich über die Entscheidung von François-Xavier Roth, auch über 2022 hinaus in Köln zu bleiben: »Roth ist ein musikalischer Visionär, der in den vergangenen Jahren das Gürzenich-Orchester auf ein außergewöhnliches Niveau gehoben hat und den Kölnerinnen und Kölnern in der Philharmonie und an der Oper musikalische Sternstunden bereitet. Mit seiner Verlängerung als Generalmusikdirektor der Stadt Köln kann die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden.«

Die Soldaten an der Oper Köln – Dirigat F X Roth
youtube Trailer Oper Köln
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Stefan Englert, Geschäftsführender Direktor des Gürzenich-Orchesters: »Die Vertragsverlängerung von François-Xavier Roth ist ein ein klarer und verheißungsvoller Schritt in Richtung Zukunft für die Musikstadt Köln, die François-Xavier seit 2015 auf einzigartige Weise prägt. Gemeinsam mit unserem traditionsreichen und zugleich innovativen Gürzenich-Orchester bewegt er die Kölnerinnen und Kölner mit der zutiefst menschlichen und verbindenden Kraft der Musik. Zusammen können wir in den kommenden Jahren Außerordentliches erreichen. Aufbauend auf der Arbeit der vergangenen Spielzeiten wollen wir das Orchester noch stärker in der Stadt und darüber hinaus als exzellenten und einzigartigen Klangkörper profilieren, der Zuhörerinnen und Zuhörern allerorts fantastische musikalische Erlebnisse ermöglicht. Mit Leidenschaft werden wir uns dieser Aufgabe widmen, darauf freue ich mich ungemein.«

Orchestervorstand Georg Heimbach: »Wir freuen uns sehr über die Vertragsverlängerung von François-Xavier Roth, mit dem wir seit fünf Jahren begeistert zusammenarbeiten. Unter seiner Leitung haben sich uns und unserem Publikum neue Sichtweisen auf bekanntes Repertoire erschlossen. Für große Komponisten wie Strauss, Mahler oder Bartók waren wir immer ein Uraufführungsorchester, das sich für die Musik der Gegenwart stark gemacht und eingesetzt hat. Diese Tradition hat François-Xavier Roth dankbar aufgegriffen und gibt Neuem regelmäßig einen Raum in unseren Programmen. So schafft die Stadt Köln mit dieser Entscheidung Klarheit darüber, dass wir unseren Weg zu einem herausragend innovativen Orchester unter Führung von François-Xavier Roth auch die nächsten Jahre fortsetzen können – für die Kölner Bürgerinnen und Bürger als immer stärker gefragter Botschafter für unsere Stadt. Dies heute, in der künstlerischen Durststrecke der Covid-19-Zeit zu erfahren, ist für uns eine beglückende Nachricht im richtigen Moment. Wir freuen uns sehr!«

Im Juni präsentieren François-Xavier Roth und das Gürzenich-Orchester bei Myrios Classics eine Einspielung der Schumann-Symphonien 1 und 4. Weitere Informationen zu Aufnahmen sowie zum Programm der Saison 2020/21 finden Sie unter www.guerzenich-orchester.de Verfolgen Sie auch François-Xavier Roths Reihe #beethovenhören auf der Facebook-Seite des Gürzenich-Orchesters. Dort erläutert Gürzenich-Kapellmeister Roth in kurzen Videos die Musikwelt Beethovens.

—| IOCO Aktuell Gürzenich Orchester Köln |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Iphigénie en Tauride, BORIS und Die Soldaten – im Web, April 2020

April 30, 2020 by  
Filed under Livestream, Oper, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Iphigénie en Tauride, BORIS und Die Soldaten – kostenlos im Web

Oper trotz Corona: Die Staatsoper Stuttgart setzt ihr digitales On-Demand-Programm mit Unterstützung der LBBW mit Iphigénie en Tauride, BORIS und Die Soldaten fort

Die behördlichen Verordnungen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus wurden bis zum 3. Mai 2020 verlängert. Dies bedeutet, dass mindestens bis zu diesem Datum auch keine Vorstellungen in den Spielstätten der Staatstheater Stuttgart stattfinden.

https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/oper-trotz-corona

Im Rahmen des kostenlosen Opernprogramms „Oper trotz Corona“ auf der Website der Staatsoper Stuttgart ist ab Freitag, 01. Mai 2020, 17 Uhr Christoph Willibald Glucks Meisterwerk der Frühklassik Iphigénie en Tauride zu sehen. Die Inszenierung von Krzysztof Warlikowski ist eine Produktion der Opéra national de Paris und feierte im April 2019 Premiere in Stuttgart. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Stefano Montanari.

Staatsoper Stuttgart / IPHIGÉNIE EN TAURIDE © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / IPHIGÉNIE EN TAURIDE © Martin Sigmund

Direkt daran anschließend folgt ab Freitag, 08. Mai, um 17 Uhr die jüngste Neuproduktion der Staatsoper aus dem Februar 2020: BORIS in der Inszenierung von Paul-Georg Dittrich verzahnt Modest Mussorgskis Historien-Drama Boris Godunow mit der Uraufführung von Sergej Newskis Secondhand-Zeit, einem Auftragswerk der Staatsoper Stuttgart. Es dirigiert Titus Engel.

Staatsoper Stuttgart / Boris Godunow © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Boris Godunow © Matthias Baus

Schließlich ist ab Freitag, 15. Mai, um 17 Uhr Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten in einer Aufzeichnung von 1989 zu erleben. Das 1965 in Köln uraufgeführte Werk gilt bis heute als eines der aufführungstechnisch anspruchsvollsten und gleichzeitig überwältigendsten des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In seiner Rezeptionsgeschichte nimmt die Stuttgarter Inszenierung von Harry Kupfer einen bedeutenden Platz ein. Die Musikalische Leitung hat Bernhard Kontarsky.

Staatsoper Stuttgart / Die Soldaten © Hannes Kilian

Staatsoper Stuttgart / Die Soldaten © Hannes Kilian

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Dresden, Kulturpalast, Berliner Philharmoniker – Kirill Petrenko, IOCO Kritik, 25.02.2020

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

Berliner Philharmoniker – Kirill Petrenko

Strawinsky – Zimmermann – Rachmaninow

von Thomas Thielemann

Um bei ihrem Stammpublikum auch außerhalb der vier-wöchentlichen Festspielzeit präsent zu bleiben, veranstalten die Dresdner Musikfestsiele in sporadischen Abständen über das Jahr verteilt hochkarätige Palastkonzerte. Am 21. Februar 2020 hatte Jan Vogler, Leiter der Musikfestspiele, die Berliner Philharmoniker eingeladen, mit ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee in Dresden Station zu machen. Kirill Petrenko konnten wir zuletzt im April 2012 mit der Sächsischen Staatskapelle in einem Skrjabin-Rachmaninow-Konzert erleben. Von einem Gastspiel der Philharmoniker in Dresden fehlt mir jede Erinnerung.

Berliner Philharmoniker © Oliver Killing

Berliner Philharmoniker © Oliver Killing

Drei Aspekte waren mir beim Besuch des Konzerts wesentlich:

Es war mir wichtig, die Berliner Philharmoniker mit dem Dirigat Kirill Petrenkos im Konzertsaal des Dresdner Kulturpalastes mit seiner guten, aber nicht unproblematischen Klangentwicklung  bei ihrem Hausdebüt zu erleben. Den Berlinern muss man durchaus bescheinigen, dass das Orchester mit dem für sie neuen Saal hervorragend klar gekommen ist. Die Instrumentalgruppen standen im richtigen Verhältnis zueinander und boten einen perfekten Mischklang. Die Holzbläser konnten ihr Können hören lassen, ohne dass sie die Streicher überbordete. Selbst die oft bemängelte Pauke war mustergültig eingeordnet.

Gern hätte ich die Musiker auch in den anderen fünf Stationen begleitet. Dieses Konzert wird in den sechs doch recht verschiedenartigen Sälen unterschiedlich zur Wirkung gekommen sein.

Geboten wurden drei Meisterwerke von Igor Strawinsky, Bernd Alois Zimmermann und Sergej Rachmaninow, die alle zwischen 1940 und 1955 komplettiert worden waren.

Igor Stravinsky - Toteninsel Venedig © IOCO

Igor Stravinsky – Toteninsel Venedig © IOCO

Als Igor Strawinsky (1882-1971) 1945 den Auftrag erhielt, für die Philharmonic Symphony Society of New York ein sinfonisches Werk zu schaffen, komponierte er offenbar zeitnah nur den Finalsatz. Dabei band er die Harfe und das Klavier in den vollen Orchestersatz ein. Als Kopfsatz der „Sinfonie in drei Sätzen“ nutzte er einen Entwurf aus dem Jahre 1942, der aber als Klavierkonzert geplant war. Folglich muss auch der Pianist bei der Aufführung durchaus solistische Aufgaben bewältigen. Andere Quellen vermuten ein „Concerto for Orchestra“ mit einem hervorgehobenen Klavierpart als den ersten Satz.

Für den zweiten Satz verwendete Strawinsky Teile einer 1943 begonnenen Harfen- und Flöten-lastigen Komposition, die ursprünglich für den Film The Song of Bernadette vorgesehen, aber nicht zu Ende geführt worden war.

Der große Außenseiter der deutschen Avantgarde-Komponisten der Nachkriegszeit Bernd Alois Zimmermann (1918-1970) arbeitete bereits seit 1942, von Tänzen, Klängen und Rhythmen der Brasilianischen Volksmusik angeregt, an der Adaption südamerikanischer Musik. Um 1950 war eine „Brasilianische Ouvertüre“ vollendet. Im Verlauf der nächsten Jahre weitete er diesen „ersten Satz“ schrittweise zu einer Ballett-Suite mit fünf Sätzen aus, deren Namen „Alagoana“ er von einem Brasilianischen Bundesstaat ableitete. Inspiriert vom Scheitern der Heiratspläne seines Bruders mit einer Brasilianerin und angeregt durch einen südamerikanischen Schöpfungsmythos, der von der Entstehung des Todes aus der Liebe zwischen Mann und Frau handelt, unterlegte er der Musik 1955 ein Libretto. Bewusst verwendete er nicht das Originalmaterial, sondern bot, was die brasilianische Musik, auch nach seiner Stimmungslage, in ihm auslöste.

 Berliner Philharmoniker © Oliver Killing

Berliner Philharmoniker © Oliver Killing

Die Ursprünge der Sinfonischen Tänze für Orchester op. 45 von Sergej Rachmaninow (1873-1943) reichen bis in das Jahr 1915 zurück. Rachmaninow arbeitete damals an einer Ballett-Partitur, die er „die Skythen“ nennen wollte. Der als Schöpfer des klassischen Balletts geltende Tänzer und Choreografen Michail Fokine (1880-1942) sollte das Werk auf die Bühne bringen. Aber Fokine war über Paris und Berlin längst nach Amerika gegangen. Und obwohl Rachmaninow und Fokine später eine enge Freundschaft verband, hat dieser erst 1939 ein Werk seines Freundes, die „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“, in London als Ballett inszeniert. Rachmaninow fand, nachdem er im August 1939 endgültig in die USA übersiedelt war, bei der Sichtung seiner Manuskripte im Sommer 1940 die Blätter der unvollendeten Partitur und übernahm Ansätze der 25-Jahre alten Noten in eine große, visionäre Komposition. Nach der Überlieferung soll er einen Monat lang an dem Vorhaben täglich vierzehn Stunden gearbeitet haben, bis er Ende Oktober 1940 den Schlusspunkt unter eine Partitur von Symphonischen Tänzen setzten konnte.

Bei der Programmgestaltung seiner Tournee verzichtete Petrenko, möglicherweise auch bewusst, auf die Einbeziehung populärer Werke. Der Reiz des Programms besteht in der tatsächlichen Zeitspanne der Entstehung der Werkteile von 1915 bis 1955 und auch darin, dass es sich bei allen drei Werken um tänzerische Musik handelte.

Vor dem Dresdner Konzert hatte Petrenko das Programm innerhalb von neun Tagen viermal in Berlin und jeweils einmal in Hamburg, in Hannover, in Köln sowie in Frankfurt dirigiert. Doch es wirkte auch im letzten der neun Konzerte nichts routiniert oder gar abgegriffen, was letztlich ein Orchester dieser Qualität auch auszeichnet.

Die „Sinfonie in drei Sätzen“, insbesondere den Kopfsatz habe ich selten so kraftvoll gehört. Petrenko zeichnete mit den Musikern beeindruckend die Formstrukturen und ließ auch den Holzbläsern den ihnen gebührenden Raum.

Zimmermanns Capricho Brasileiros „Alagoana“ mit seinen sieben Schlagwerken gestaltete sich in der Mitte des Programms mit seinen reichen, teils mysteriösen Klangfarben für mich zum Höhepunkt des Gebotenen. Wann hört man, wie im ersten Satz, dass Flöte, Englischhorn, Saxophon  mit der Celesta und dem Cembalo gemeinsam spielen? Auch das Klavier war mit einbezogen. Aber gerade dieser Konzert-Teil wurde vom Publikum lediglich mit gutem Beifall bedacht.

Bei Rachmaninows  „Symphonischen Tänzen“ bezauberte im ersten Satz eine reine Holzbläser-Passage. Auch intensivierte Petrenko bei Rachmaninows letztem vollendetem Werk sein Dirigat und betonte neben Stimmung des letzten vollendeten Werkes des Komponisten die Spannung zwischen Lebenslust und Todessehnsucht. Dafür erhielten Dirigent und Orchester für den Konzertabschluss jenen Jubel, den ich dem „Alagoana“ zugedacht hätte.

Nun wünschen wir uns, Kirill Petrenko mit „seinen“ Berlinern in Bälde mit einem Bruckner- oder / und Mahler-Konzert wieder zu erleben.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—

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