Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Philharmonische Akademie, August 2019

Staatsorchester Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 

Die Philharmonische Akademie 2019

Ein Open-Air-Konzert auf dem Hamburger Rathausmarkt und fünf Akademiekonzerte in der Elbphilharmonie stehen Ende August 2019 auf dem Programm. Ein großbesetztes oratorisches Konzertprojekt mit über 450 Hamburger Chorsängerinnen und Sängern präsentiert Kent Nagano an drei Abenden im Großen Saal der Elbphilharmonie. In zwei kammermusikalisch besetzten Konzerten im Kleinen Saal sind Musiker der Philharmoniker und das US-amerikanische Vokalensemble Chanticleer zu erleben.

Während die Philharmonischen Akademiekonzerte der vergangenen Jahre noch ganz im Zeichen der intimen musikalischen Arbeit innerhalb des Philharmonischen Staatsorchesters standen, öffnete sich 2018 mit dem „Rathausmarkt-Open-Air“ das Projekt bereits weit für das Hamburger Publikum. 2019 gehen Kent Nagano und die Philharmoniker noch einen Schritt weiter und laden Hamburger Chöre ein, gemeinsam ein großes oratorisches Programm in der Elbphilharmonie aufzuführen.

Das „Te Deum“ von Hector Berlioz zählt aufgrund seiner riesigen Chorbesetzung zu den selten zu erlebenden Werken der Musikliteratur. Grund genug für Kent Nagano, damit seine Reihe großdimensionierter oratorischer Werke in der Elbphilharmonie fortzuführen, zu denen in der Vergangenheit etwa Mahlers „Symphonie der Tausend“ zählte. Im Rahmen der Philharmonischen Akademie hat Hamburgs Generalmusikdirektor nun erstmals Hamburgerinnen und Hamburger eingeladen in einem Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters mitzuwirken. Neben dem professionellen süddeutschen Chor „KlangVerwaltung“ sind elf weitere Chöre aus Hamburg und somit insgesamt über 450 Sängerinnen und Sänger an der Aufführung des „Te Deums“ beteiligt. Koordinativ unterstützt wird das Chorprojekt von der ehrenamtlich tätigen Hamburgerin Dr. Brigitte Mahn, die als begeisterte Chorsängerin ebenfalls mitsingt. Das Konzertprogramm, welches auch Mendelssohns „Walpurgisnacht“ umfasst, wird an drei Abenden vom 24.-26. August 2019 in der Elbphilharmonie zu erleben sein. Die drei Konzerte sind bereits ausverkauft (Restkarten ggf. an der Abendkasse).

Auch die beiden kammermusikalischen Akademieprogramme im Kleinen Saal der Elbphilharmonie am 25. und 27. August 2019 haben einen vokalen Schwerpunkt. Zu Gast ist das US-amerikanische Vokalensemble Chanticleer, das a-cappella-Repertoire von Hildegard von Bingen bis zu Tomás Luis de Victoria präsentiert und jeweils mit Kammermusikformationen des Philharmonischen Staatsorchesters im Wechsel auftritt.

Beschließen werden Kent Nagano und die Philharmoniker die diesjährige Philharmonische Akademie am 31. August 2019 wieder mit einem großen Open-Air-Konzert auf dem Hamburger Rathausmarkt. Bei freiem Eintritt präsentieren die Philharmoniker Gershwins populäre „Rhapsody in Blue“, Brahms erste Symphonie sowie weiteres Überraschungsprogramm. Die rund 2.500 Sitzplätze auf dem Rathausmarkt werden ab 19.00 Uhr freigeben.

Hintergrund

Kent Nagano hat die „Philharmonische Akademie“ zu Beginn seiner Amtszeit als Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Seitdem bilden diese Konzerte den Auftakt zur jeweils neuen Opern- und Konzertsaison. Nagano und die Philharmoniker verstehen darunter ein „offenes“ Projekt, ebenso experimentell ausgerichtet wie immer auch bedeutenden Komponisten, wichtigen Themen und musikalisch-inhaltlichen Erkundungen gewidmet. Die Musiker des Orchesters ordnen sich zu kleinen und größeren Gruppen, Kollektiven und Ensembles und begeben sich an Spielorte wie die Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, das Planetarium oder das Hamburger Rathaus. 2018 spielten die Philharmoniker unter Kent Nagano erstmals open-air auf dem Hamburger Rathausmarkt und begeisterten rund 7.000 Zuhörer mit diesem musikalischen Geschenk an ihre Stadt.

Philharmonische Akademie 2017
youtube Trailer Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]


Übersicht über die Akademiekonzerte 2019


1. Akademiekonzert
Samstag, 24. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 20.00 Uhr
Sonntag, 25. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 19.00 Uhr
Montag, 26. August 2019, Elbphilharmonie, Großer Saal, 20.00 Uhr

Felix Mendelssohn Bartholdy: Die erste Walpurgisnacht op. 60
Hector Berlioz: Te Deum op. 22
Kent Nagano, Dirigent
Annika Schlicht, Alt
Pavel Cernoch, Tenor
Thomas E. Bauer, Bass
Alsterspatzen – Kinderchor der Hamburgischen Staatsoper
Jugendkantorei Volksdorf
Kinder- und Jugendsingschule St. Michaelis
Kinderkantorei Bergstedt und Volksdorf
Cappella Vocale Blankenese
Compagnia Vocale Hamburg
Franz-Schubert-Chor Hamburg
Hamburger Bachchor St. Petri
Kammerchor Cantico
stimmwerk hamburg
Vokalensemble conSonanz
Chor der KlangVerwaltung
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
ausverkauft (ggf. Restkarten an der AK zu € 83,00 / 65,00 / 51,00 / 36,00 / 14,00)


2. Akademiekonzert
Sonntag, 25. August 2019, Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 11.00 Uhr
Hildegard von Bingen: O frondens virga
Josquin des Prez: Sanctus & Benedictus aus: Missa La Sol Fa Re Mi
Charles Gounod: Petite Symphonie B-Dur für Bläser
Felix Mendelssohn Bartholdy: Jubilate Deo op. 69,2
Johannes Brahms: Motette „Es ist das Heil uns kommen her“ op. 29,1
Antonín Dvorák: Serenade d-Moll op. 44
Chanticleer
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35,00 / 28,00 / 21,00 / 12,00


3. Akademiekonzert
Dienstag, 27. August 2019, Elbphilharmonie, Kleiner Saal, 19.30 Uhr
Claudio Monteverdi: Madrigale
Carlo Gesualdo: Madrigale
Tomás Luis de Victoria: Motetten
Felix Mendelssohn Bartholdy: Oktett Es-Dur op. 20
Chanticleer
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35,00 / 28,00 / 21,00 / 12,00


Rathausmarkt-Open-Air
Samstag, 31. August 2019, Rathausmarkt, 20.00 Uhr
Johannes Brahms: Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68
George Gershwin: „Someone to watch over me“, „I got rhythm“, „Summertime“
George Gershwin: Rhapsody in Blue
sowie weiteres Überraschungsprogramm
Kent Nagano, Dirigent
Elbenita Kajtazi, Sopran
Oleksiy Palchykov, Tenor
Gilles Vonsattel, Klavier
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Eintritt frei


Karten : Restkarten für die Konzerte im Großen Saal der Elbphilharmonie gibt es ggf. in der Woche vor den Konzertterminen beim Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper, unter 040 35 68 68 sowie an der Abendkasse in der Elbphilharmonie.

Karten für die Konzerte im Kleinen Saal der Elbphilharmonie gibt es ebenfalls an den genannten Adressen sowie auch online unter www.staatsorchester-hamburg.de.

Der Eintritt für das Open-Air-Konzert ist frei. Die rund 2.500 Sitzplätze auf dem Rathausmarkt werden ab 19.00 Uhr freigeben.

—| Pressemeldung Staatsorchester Hamburg |—

Köln, Oper Köln, Opern-Air zum Saisonauftakt 2019.20, 15.09.2019

oper koeln.jpg

Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Saisonauftakt  2019/20 –  Opern-Air  und  Mehr

Familienfest mit  Zauberflöte, Carmen, Fledermaus ….

Nach einer sehr erfolgreichen Spielzeit 2018.19 startet die Oper Köln am 15. September 2019 im StaatenHaus in die neue Saison. Ab 12 Uhr öffnen wir die Türen zum großen Familienfest: Groß und Klein erwartet ein abwechslungsreiches Programm mit spielerischen Einführungen in unsere diesjährigen Kinderopern-Produktionen und Ausflügen hinter die Kulissen der Oper Köln. Neben dem vielfältigen Rahmenprogramm wie einer Kostümversteigerung und einer Opern-Rallye werden anhand von Mozarts Die Zauberflöte Einblicke in die Arbeit der Kinderoper Köln geboten. Zahlreiche Partner der Oper Köln sowie Kölner Kultureinrichtungen sind wie bereits in den vergangenen Jahren mit Infoständen vor Ort vertreten.

Am Abend des 15. September 2019 eröffnen wir um 18 Uhr die Spielzeit offiziell mit der Premiere unseres ersten Opern-Air am Tanzbrunnen! Genießen Sie einen einzigartigen Abend mit dem exquisiten Ensemble, dem Internationalen Opernstudio und dem Chor der Oper Köln sowie dem Gürzenich-Orchester Köln, unter der Leitung des Wiener Opern- und Operettenspezialisten Alfred Eschwé. Dargeboten werden Ausschnitte u. a. aus Die Fledermaus von Johann Strauß, Orpheus in der Unterwelt und Hoffmanns Erzählungen vom Geburtstagskind Jacques Offenbach, Carmen von Georges Bizet und viele mehr. Zum Familienfest im StaatenHaus sowie zum Opern-Air am Tanzbrunnen am Sonntag, den 15. September 2019

So., 15. September › 18 Uhr

Auszug aus dem Programm

JOHANN STRAUSS »Die Fledermaus«
JACQUES OFFENBACH »Hoffmanns Erzählungen«
› »Barcarole«, »Leise tönt meiner Stimme Klang«, »Klein Zack«
JACQUES OFFENBACH »Orpheus in der Unterwelt«
› »Cancan«
FRANZ LEHÁR »Das Land des Lächelns«
› »Dein ist mein ganzes Herz«
GEORGES BIZET »Carmen«
› »Habanera«, »Schmugglerquintett«
JULES MASSENET »Manon«
› »Gavotte«
WOLFGANG AMADEUS MOZART »Die Zauberflöte«
› »Der Hölle Rache«, »Ein Mädchen oder Weibchen«
WOLFGANG AMADEUS MOZART »Don Giovanni«
› »Champagnerarie«
GIACOMO PUCCINI »Turandot«
› »Nessun dorma«
ANTONÍN DVO?ÁK »Rusalka«
› »Lied an den Mond«
HECTOR BERLIOZ »Le Carnaval romain« (Gürzenich-Orchester Köln)
GIUSEPPE VERDI »Nabucco«
› »Va, pensiero« (Gefangenenchor) (Chor der Oper Köln)

Musikalische Leitung Alfred Eschwé,  U.a. mit Adriana Bastidas-Gamboa / Claudia Rohrbach / Matthias Hoffmann / Martin Koch / Internationales Opernstudio / Chor der Oper Köln / Gürzenich – Orchester Köln

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme FAUSTS VERDAMMNIS, Juni 2019

Juni 18, 2019 by  
Filed under Oper, Oper Frankfurt, Pressemeldung

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Zweite und letzte Wiederaufnahme
LA DAMNATION DE FAUST (FAUSTS VERDAMMNIS)

Légende-dramatique in vier Teilen von Hector Berlioz
Text von Hector Berlioz und Almire Gandonnière
nach Faust. Der Tragödie erster Teil (1806) von Johann Wolfgang von Goethe
in der französischen Übersetzung (1828) von Gérard de Nerval
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Roland Böer
Inszenierung: Harry Kupfer
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Nina Brazier
Bühnenbild: Hans Schavernoch
Kostüme: Yan Tax
Licht: Joachim Klein
Video: Peer Engelbracht / impulskontrolle
Chor und Extrachor: Tilman Michael
Dramaturgie: Norbert Abels
Faust: Giorgio Berrugi
Méphistophélès: Kihwan Sim
Brander: Brandon Cedel
Marguerite: Cecelia Hall u.a.
Chor, Extrachor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Ensemble © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Ensemble © Barbara Aumüller

Fausts Verdammnis von Hector Berlioz (1803-1869) in der Inszenierung von Regie-Altmeister Harry Kupfer war die letzte Neuproduktion im Opernhaus der Spielzeit 2009/10. Ein Volltreffer, da waren sich Publikum und Presse einig. So konnte man in der FAZ lesen: „Die Aufführung wirkt (…) ungemein theatralisch lebendig, spannungsvoll, bildkräftig und farbenreich.“ Der Kritiker der Frankfurter Rundschau attestierte: „Harry Kupfer als kluger, sprudelnder, trickreicher Bühnenerzähler.“ Und der Radioberichterstatter des SWR2 schloss seine Rezension folgendermaßen: „Das war unterm Strich Musiktheater voller Saft und Kraft, mit opulentem Bühnenbild, spektakulären Effekten und klarer, stimmiger Symbolik. Altmeister Harry Kupfer mit seinen nun fast 75 Jahren [im Jahre 2010, Anm. d. Red.] präsentiert sich in beeindruckender Weise auf der Höhe seiner Regie-Kunst.“

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Kihwan Sim (Méphistophélès; mit roten Handschuhen) und Giorgio Berrugi (Faust) sowie im Hintergrund Ensemble © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Kihwan Sim (Méphistophélès; mit roten Handschuhen) und Giorgio Berrugi (Faust) sowie im Hintergrund Ensemble © Barbara Aumüller

Die Handlung folgt bis auf den Schluss der von Goethe stammenden literarischen Vorlage: Faust ist des Lebens überdrüssig und sehnt sich nach innerem Frieden. Méphistophélès verspricht ihm ewige Jugend und die Erfüllung all seiner Wünsche, zudem weckt er Fausts Verlangen nach Marguerite. Die junge Frau träumte kürzlich von einem Geliebten. Wieder glaubt sie zu träumen, als Faust erscheint und sie sich ihm hingibt. Als er von den Nachbarn entdeckt wird, ergreift er die Flucht. Méphistophélès hat den Tod von Marguerites Mutter verschuldet, sie selbst soll dafür mit dem Tode büßen. Faust fleht Méphistophélès an, das Mädchen zu retten. Umsonst – die beiden Männer fahren zur Hölle, Marguerites Musik aber spricht nicht von Verdammung…

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Brandon Cedel (Brander; auf dem Tisch sitzend) mit Herrenchor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Brandon Cedel (Brander; auf dem Tisch sitzend) mit Herrenchor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Die musikalische Leitung dieser zweiten und letzten Wiederaufnahme hat mit Roland Böer kein Unbekannter an der Oper Frankfurt inne. Ihr war er anfangs als Solorepetitor und von 2002 bis 2008 als Kapellmeister verbunden. Roland Böer ist seit 2009 musikalischer Leiter und seit 2015 auch Künstlerischer Direktor des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano. Ab der Spielzeit 2018/19 wird er für drei Jahre Erster Gastdirigent des Mikhailovsky-Theaters in Sankt Petersburg sein. Auch die übrige Besetzungsliste verzeichnet neue Namen: Der italienische Tenor Giorgio Berrugi gibt sein Hausdebüt als Faust. Von 2010 bis 2013 war er Ensemblemitglied an der Dresdner Semperoper. Seither ist er freiberuflich tätig, und zu seinen aktuellen Verpflichtungen gehören Alfred in Strauß’ Die Fledermaus an der Mailänder Scala, Cavaradossi in Puccinis Tosca in Rom, Rodolfo in Puccinis La Bohème in Neapel und Alfredo in Verdis La Traviata in Chicago. Alle weiteren Künstler*innen gehören zum festen Sängerstamm der Oper Frankfurt: Der südkoreanische Bassbariton Kihwan Sim (Méphistophélès) zählt seit 2012/13 zum Frankfurter Ensemble. Hier war er kürzlich erneut als Escamillo in Bizets Carmen zu erleben und gastierte zuvor als Masetto in Mozarts Don Giovanni an der New Yorker Metropolitan Opera – dies übrigens im Wechsel mit Brandon Cedel (Brander). Zu den Plänen dieses US-amerikanischen Bassbaritons gehören u.a. Argante in Händels Rinaldo beim Glyndebourne Festival und Basilio in Rossinis Il barbiere di Siviglia in Toronto. Wie Brandon Cedel gehört auch seine Landsfrau, die Mezzosopranistin Cecelia Hall (Marguerite), seit 2016/17 zum Frankfurter Ensemble. Sie war hier zuletzt u.a. als Humperdincks Hänsel und Mozarts Cherubino zu erleben.

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS - Cecelia Hall (Marguerite) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / FAUSTS VERDAMMNIS – Cecelia Hall (Marguerite) © Barbara Aumüller

Wiederaufnahme: Sonntag, 16. Juni 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 21. (Oper für Familien; pro Erwachsenen-Kaufkarte maximal drei Tickets für Kinder
und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre gratis, empfohlen ab 8 Jahren), 26.,
30. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren) Juni 2019
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Roméo et Juliette – Charles Gounod, IOCO Kritik, 09.04.2019

April 9, 2019 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Roméo et Juliette – Charles Gounod

– Love is a losing game –

von Albrecht Schneider

Liebe bedarf zu ihrer Offenlegung der Zeichen. Seien es Worte, gesprochene oder geschriebene, seien es Bilder, wie das von Amors Pfeil durchbohrte Herz, oder die Musik. Mit ihr und in ihr findet die Liebe wohl den reinsten Ausdruck. Gewiss sind innige wie feurige Briefe und Verse Meldungen liebender Seelen; allein ist es nicht letztlich doch der Gesang, welcher als flammende wie leidende Herzensergießung das allmächtige Gefühl am wahrhaftigsten zu offenbaren vermag?

In der bürgerlichen Welt wird die Liebe vom Standesbeamten besiegelt, im Mythos vom Tod. Bei ihm bedient sich gern die dramatische Oper; Tristan und Isolde, Aida und Radames, ja und Romeo und Julia, sie sind die eben todtraurigen Erzählungen von der Ausweglosigkeit eines dauernden Miteinander zweier Liebenden, die mit dem erzwungenen Verzicht auf die Liebeserfüllung freiwillig auch auf das Leben verzichten.

Roméo et Juliette – Charles Gounod
youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Nach Vertonung schreit geradezu die gefühlssatte Historie des Veroneser Liebespaares. Dessen bitterschokoladesüße Beziehung im Niemandsland zwischen den Familienfronten der Todfeinde Capulet und Montague, ein von Lerchen- und Nachtigallengesang tönendes Verona, Julias Haus samt Balkon im Mondenschein, und endlich eine düstere Krypta mit dem unselig-seligen Ende der beiden Unglücklichen, das hat Charles Gounod, 1818 – 1893, zu einer wahren Gesangsoper angestiftet. Sie schildert, bar der großen Tableaus eines Meyerbeer oder Spontini und mit nur wenigen hochdramatischen Szenen, lyrisch wie leidenschaftlich in Arien, Kavatinen, vier Liebesduetten und Chören die Amour fou sowie die Gemütsverfassungen ihrer Protagonisten. Die fünf Akte sind höchst melodisch und demnach für kleine wie große Ohren eingängig komponiert, weswegen sie hierzulande bei einigen hochbildungsbürgerlichen Puristen unter Kitschverdacht steht.

Wie leicht – nicht seicht! – und elegant die Komposition dem Franzosen gedieh, das hört man die ganze Zeit über: sie prä-sentiert sich ohne Schwulst und ohne jeden, bei germani-schem Publikum gern als Wert gehandelten, flachen Tiefsinn. In unserem Nachbarland sind Roméo und Juliette ein hochgeschätztes wie beliebtes Werk. Das von Gounods Nachfahre und Kollege Eric Satie in anderem Zusammenhang geäußerte Bonmot über den älteren Tonsetzer träfe auch hier durchaus zu: Eine sauerkrautlose Musik.

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette - hier : Maria Boiko als Stephano, Ovidiu Purcel als Romeo, Bogdan Baciu als Mercutio © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette – hier : Maria Boiko als Stephano, Ovidiu Purcel als Romeo, Bogdan Baciu als Mercutio © Hans Joerg Michel

Was also gibt’s zu gucken und zu hören, wenn ein junger Regisseur (Philipp Westerbarkei) das aus dem Geist der französischen Romanik komponierte alte Märchen ins 21. Jahrhundert holen will? Nun, der Haken oder die Crux bei seinem Unternehmen ist schlichtweg die Macht des Mythos Romeo und Julia; denn der ist als Urbild idealer Liebe eingraviert in unsere Köpfe, und, anders in Szene gesetzt, sollte er sich schon faszinierend wie einleuchtend darbieten, damit sich das Rührstück, wovon hier in wohlwollendem Sinn zu sprechen erlaubt ist, zu einer zeitnahen überzeugende musikalische Erzählung wandelt. Leonard Bernsteins West Side Story beruht unbestritten auf einem gelungenen Aneignen des klassischen Stoffs. Dessen Verlagerung indessen aus einem legendären Raum in einen prosaischen der Neuzeit kann auch Entzauberung heißen. Übrig bleibt dann lediglich die Idee von einer Liebe schlechthin.

Auf der Bühne der Rheinoper besteht der Ort des Geschehens permanent aus einem schwarzen Kubus, einem dunklen klaustrophobischen Gehäuse, das heutzutage die Regie gern verwendet als eine Bildmetapher des Eingesperrtseins in Konvention, Gesellschaft, das eigene Ich oder wo auch immer. Dort sind Roméo et Juliette, im Jargon formuliert, keine heurigen Hasen mehr, durchrast vom ersten Sturm der Gefühle: sie sind Mann und Frau mit Erfahrung in Sachen Geschlechterbeziehung. Auf dem Ball im Hause Capulet finden sie Gefallen aneinander, und alsbald zeigt sich, wie heikel das Verhältnis geraten wird: ihr Auftritt in einer die Figur betonende Silberrobe der Hautcouture, seiner simpelst in Hemd und Hose mit Hosenträgern. Die Distanz der Milieus und die darin lauernde Gefährdung des Zueinanderwollens, und erst recht die des Zusammenseins, deutet sich an. Der Chor der Festgäste kommentiert und markiert zugleich die äußeren Vorgänge wie jene in den Köpfen der Figuren. Auseinanderstrebend, sich neu gliedernd, wirkt er als eine bildhafte Umsetzung dessen, was real geschieht und zu geschehen droht. Derlei Aktionen durchziehen die gesamte Aufführung. Die Gründungsakte des Dramas ist bildlich und musikalisch schlüssig formuliert. Nein, heute Abend spielt sich hier gewiss keine Herzschmerzgeschichte ab.

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette - hier : Luiza Fatyol als Juliette, Michael Kraus als Capulet © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette – hier : Luiza Fatyol als Juliette, Michael Kraus als Capulet © Hans Joerg Michel

Die Süße wurden ihm ausdestilliert, allein die Musik besitzt sie nach wie vor. Mit ihrer schwelgerischen Melodik und Harmonik steht sie der Ablösung einer dramatischen Liebesgeschichte zweier reinen Seelen durch den Konflikt einer bornierten Gesellschaft mit zwei zwar mündigen, nur zur eigenen Emanzipation nicht fähigen Mitgliedern eigentlich im Wege. Ein Gefühl von Unvereinbarkeit, das bei mancher befremdenden Szene anfangs den Besucher beschleicht, weicht nach und nach der Einsicht von der Stimmigkeit von Bild, Geste und Gesang.

Es ist mehr denn ein hübscher Einfall der Regie, wenn in der hiesigen Aufführung während der Aktwechsel und vor dem geschlossenen Vorhang ein sehr jugendliches Liebespaar, untermalt von tönendem Herzpochen, pantomimisch das Hin und Weg, das Ja und Nein der klassischen zwei Figuren temperamentvoll imitiert.

Julietta Statue in Verona © IOCO

Giulietta Statue in Verona © IOCO

Juliette posiert oben auf einem Turm zusammengestellter Kneipenstühle, Roméos Liebesbeteuerungen tönen zu ihr hinauf, die ihren zu ihm hinab (Balkonszene?) Beide eingerahmt von den schwarzen Wänden, Dunkelheit liegt über Verona. Gounods Oper ist auch eine der Nacht, dabei belässt es die neue Deutung.

Im dritten Akt, nach der abermals in Düsternis vollzogenen heimlichen Trauung, erklimmt die Frau ein Felsklotz-ähnliches Objekt, welches bislang wie ein schwarzes Ungetüm im Hintergrund wartete. Der Mann steigt ihr nach! Oben singen sich beide ihr Glück von der Seele, es ist der Höhepunkt der Zweisamkeit und zugleich die Peripetie des Dramas: nunmehr kann es nur abwärts gehen, der Sturz ist zu ahnen. Es sind zwei bizarre, fatale Szenarien, deren letzte in gegenseitigem Erstechen ihrer Anhänger mündet.

Eine Gesellschaft, die ihre Konflikte mit dem Messer bewältigt, leidet keine Individuen, die sich ihren rigiden Manieren entziehen wollen. Für Juliette bietet die Liebe eine Chance des Entkommens aus dem im Kult des Hasses erstarrten orthodoxen Familienclan und mithin auch Rettung vor der angesagten Verheiratung mit der Bella Figura Paris. Roméo ist für die Frau das Versprechen für ein Leben im Irgendwo, jedenfalls fern der Veroneser Realität. „Je veux vivre“ hatte sie schon früh gesungen. Allein der Mann verliert sich im Gefühl, er ist ein Liebender im Rausch, kein Verständiger für das Verlangen der Geliebten. Der Ruin einer von Vornherein zukunftslosen Verbindung ist unabwendbar.

Das Finale, den fünften Akt, in der Originalversion das Sterben des Paares an Gift und durch Dolch oder letztlich an der Unmöglichkeit der Liebe, entwirft der Regisseur als zwischen Wirklichkeit, Traum und Vision changierend Sequenzen. Im ersten Akt noch scheint der feinen Dame aus dem Hause Capulet, vorgestellt als die einer obsoleten Tradition ausgelieferte Tochter, doch süchtig nach Trennung, kraft der Liebe eine temporäre Befreiung zu glücken. Symbolisiert wird die Tat, indem sie jetzt aus ihrer Silberglitzerrobe steigt, um dann im Untergewand sich sichtlich hilflos gegenüber der ungewohnten Freiheit zu fühlen. Bloß ist Mann in dem Moment nicht an ihrer Seite.

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette - hier : Ovidiu Purcel als Roméo, Luiza Fatyol als Juliette © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette – hier : Ovidiu Purcel als Roméo, Luiza Fatyol als Juliette © Hans Joerg Michel

Das autonome Atmen währt nicht lange. Der Geist ihres von Roméo erstochenen Cousins Tybalt zwängt sie in das Braut-kleid, der familiäre Kodex beharrt auf der Heirat mit Paris, das Drama ist wieder dort angelangt, von wo aus es seinen Anfang nahm. Indessen der verzweifelnde Roméo wohl weniger an dem eingenommenen Gift, denn an einer Überdosis Liebe dahinscheidet, entschwindet die wirkliche, die halluzinierte oder der Geist der toten Juliette im Bühnenhintergrund. Und wohin weiter? Zum Traualtar? Ins Grab? Oder in den Mythos ?

Die großen Liebenden brauchen ihr Unglück zur Unsterblichkeit. Sonst wird sie ihnen nicht zuteil. Seine verdankt das Paar aus Verona dem Drama Shakespeares. Des Stoffs hat man sich vielfach bedient: von West Side Story war bereits die Rede, besonders erwähnenswert sind Berlioz’ Sinfonie, Tschaikowskis Phantasieouvertüre und Prokofievs Ballett. Vermöge des vornehmlich tänzerischen wie gestischen Charakters eines Tanzpoems, im Zwanzigsten Jahrhundert komponiert, verheißt dessen Choreografie eher Erfolg denn eine lyrisch sentimentale Oper aus dem Neunzehnten, die dem Publikum als ein ganz und gar aktuelles Theaterstück angeboten werden soll.

Regisseur Philipp Westerbarkei hat sich in Düsseldorf der wahrlich nicht einfachen Aufgabe unterzogen, und gemeinsam mit der Dramaturgin Anne de Paco, der Bühnen-bildnerin Tatjana Ivschina und dem Lichtkünstler Volker Weinhart eine gegenwartsnahe und damit zwangsläufig wenig poetische, doch zumeist fesselnde, gelegentlich eigenwillige und niemals langweilende Inszenierung auf die Bühne gestellt.

Luiza Fatyols Stimme kennt Lust, Pein und Angst, durch alle Register hindurch singt sie makellos eine Juliette der divergierenden Gefühle. Diese Partie dünkt ihr wie auf den Leib geschrieben worden zu sein, ein Eindruck, den ihre Erscheinung bestätigt. Dem Roméo (Ovidiu Purcel) platzt schier die Brust vor lauter Liebesgefühl, nicht mit Schmelz, mit Verve attackiert sein Tenor der Liebsten Herz, ein hitziger Lover, dessen Gesang bis zum und selbst im Sterben nicht schwächelt.
Gounod hat die Nebenfiguren mit Musik nicht vernachlässigt, Tybalt (Ibrahim Yesilay) darf als capuletbesessener Familien-mensch so aggressiv tönen wie Montaguefreund Mercutio (Bogdan Baciu) con Allegro die Ballade von der Fee Mab vortragen. Bruder Laurent (Bogdan Talos) traut das Paar und klärt es mit balsamischem Bass über die Ehe auf. Der alte Capulet (Michael Kraus) begrüßt anfangs gutgestimmt seine Gäste wie er später gleich sonor den Totschlag des Neffen bejammert, indessen Roméos Begleiter Stephano (Hosenrolle Maria Boiko) keck sein/ihr Liedchen von der Taube zwitschert.

Zur gleichen Zeit hob sich am Anfang des Abends der Vorhang, setzte die Ouvertüre ein und zeigte sich der Chor (Ltg. Gerhard Michalski). Nach deren Schluss kündete er, gleich-sam als ein historisches Gedächtnis der Stadt Verona, von einer an der Feindschaft der Capulet und Montague zerbrechenden Liebe. Entlang der ganzen Aufführung haben dessen Sängerinnen und Sänger neben der Stimme auch mit dem Körper zu agieren und zu akzentuieren. Beide Aufgaben erledigen sie wie gewohnt perfekt.
Die Düsseldorfer Sinfoniker bereiten den Solisten und dem Chor einen Klangteppich aus, auf dem alle durch die Partitur fliegen, gleiten, torkeln und stürzen können. Die Musik ist ja eine voller Esprit, Dolcezza und Sentiment; dem Dirigenten David Crescenci eignet genügend Italianità, um das alles zum Hören zu bringen. Manche Bläserkantilene umrankt so blühend den Gesang wie wohl einst die Bouganvillea den Balkon der Signorina Julia.
Love is a losing game lautet die letzte Einblendung auf den gefallenen Vorhang. Wer verliert? Sie? Er? Beide? Gar die Liebe selbst?

Dem großen Beifall nach hat dies Spiel dem Publikum sehr gefallen

Roméo et Juliette an der Rheinoper, die weiteren Termine dieser Spielzeit 18.4.; 24.4.; 27.4.; 11.5.; 18.5.; 26.5.2019

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Nächste Seite »