Berlin, Deutsche Oper Berlin, Aktuelles 2019/20 – Spielplan 2020/21, IOCO Aktuell, 20.04.2020

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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Spielplan 2019/20 – Keine Vorstellungen ab … bis …??? …  

Unsicherheiten dominieren den laufenden Spielplan

Deutsche Oper Berlin / Intendant Dietmar Schwarz © IOCO

Deutsche Oper Berlin / Intendant Dietmar Schwarz © IOCO

Aufgrund der bis 3. Mai 2020 verlängerten Kontaktbeschränkungen des Landes Berlin sieht sich die Deutsche Oper Berlin verpflichtet, alle  Vorstellungen bis inklusive 3. Mai 2020 abzusagen. Ebenso können keine Proben von Chor und Orchester stattfinden, sodass auch das Kinderkonzert sowie die Vorstellung von MADAMA BUTTERFLY am 7. Mai entfallen müssen. Die Deutsche Oper bedauet dies sehr und hofft, bald mitteilen zu können, wann wieder Vorstellungen auf unserer Bühne zeigen werden.

Was die Planungen für den Monat Mai 2020 anbelangt, so muss leider die für den 9. Mai angekündigte Premiere von Pjotr I. Tschaikowskijs PIQUE DAME für den genannten Termin abgesagt werden –zu gegebener Zeit wird über den neuen Zeitpunkt der Premiere informiert. Damit entfallen auch sämtliche für den Mai angekündigten PIQUE-DAME –Vorstellungen, die Opernwerkstatt sowie die Begleitveranstaltung AUS DEM HINTERHALT.

Spielplan 2020/21 – Die Deutsche Oper Berlin – stellt vor

Walküre, Siegfried, Fidelio, 7 Deaths of Maria Callas ….

in der kommenden Saison gelten vier der sieben Neuproduktionen auf der Hauptbühne Werken von deutschen Komponisten, und diese vier Werke haben zweifellos auch unseren Begriff von dem, was deutsch ist, mitgeprägt …

Deutsche Oper Berlin / GMD Donald Runnicles © Pablo Castagnola

Deutsche Oper Berlin / GMD Donald Runnicles © Pablo Castagnola

Zum Teil ist dieser Schwerpunkt natürlich dem neuen RING DES NIBELUNGEN geschuldet, dessen Teilstücke DIE WALKÜRE und SIEGFRIED wir als Premieren (am 27. September 2020 und 24. Januar 2021) im Rahmen der Neuinszenierung von Stefan Herheim und unter musikalischer Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles präsentieren. Aber wir haben den neuen RING zum Anlass genommen, uns zwei weiteren Werken der größten deutschen Komponisten zu nähern: Johann Sebastian Bachs MATTHÄUS-PASSION (25. April 2021) und Ludwig van Beethovens FIDELIO (12. Juni 2021).

Und so verschieden der RING, FIDELIO und die MATTHÄUS-PASSION als musikdramatische Meisterwerke auch sein mögen, so ist ihnen doch ein zentrales Anliegen gemeinsam: Sie wollen nicht nur anspruchsvoll unterhalten, sondern sie sind Ausdruck der Überzeugung, dass die Kunst dazu da ist, Diskurse anzustoßen und Ideen zu vermitteln. Durch diesen Anspruch reichen der RING ebenso wie FIDELIO und die MATTHÄUS-PASSION seit jeher über den bloßen Theaterrahmen hinaus: So wie Wagner für seine  Vision eine neue Art Theatererlebnis schuf, vereint FIDELIO Oper und Oratorium und auch die MATTHÄUS-PASSION ist ein Werk, das die Grenzen zwischen Aufführenden und Publikum zu überwinden versucht – in der Kirche ebenso wie im Konzertsaal oder auf der Opernbühne.

Wir freuen uns ganz besonders, für den RING mit Lise Davidsen als Sieglinde und Nina Stemme als Brünnhilde zwei der weltweit besten Wagner-Sopranistinnen gewonnen zu haben.

AIDA – ab 28.8.2020 wieder auf dem Spielplan
youtube Trailer Deutsche Oper Berlin
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Als Inbegriff protestantischer Musikkultur hat Bachs MATTHÄUS-PASSION mit ihrer theatralen Vergegenwärtigung der Passion immer wieder den Weg auf die Bühne gefunden. An der Deutschen Oper Berlin erarbeitet die Neuinszenierung Benedikt von Peter, der mit seiner Raumkonzeption den Gedanken des Stücks verwirklicht, musikalische Aktion und Publikum zu einer Gemeinde zu verschmelzen. Ihn interessiert insbesondere die Frage nach der Bedeutung des Passionsgedankens für eine diverse Gesellschaft, in der die christliche Religion an Relevanz verliert. Mit Alessandro de Marchi haben wir einen Dirigenten gefunden, der bereit ist, eine Synthese aus historischer Aufführungspraxis und den Erfordernissen eines modernen Theaterraums zu erarbeiten.

Mit Beethovens Oper FIDELIO wurde das Haus an der Bismarckstraße 1912 eröffnet und sie gehört ins Repertoire dieses Hauses. Regisseur David Hermann, seit seiner Inszenierung von Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN regelmäßiger Gast am Haus, wird dieses Mal von Bühnenbildner Johannes Schütz unterstützt. Als Florestan ist Brian Jagde zu erleben, Ingela Brimberg als Leonore. Donald Runnicles wird sowohl die FIDELIO-Premiere leiten als auch die konzertante Aufführung der Erstfassung des Werks, LEONORE, die am 15. September im Rahmen des Musikfests Berlin präsentiert wird

Darüber hinaus laden wir zu drei weiteren Neuproduktionen auf der großen Bühne ein: Marina Abramovics 7 DEATHS OF MARIA CALLAS eröffnet am 19. August 2020 als internationale Koproduktion die Spielzeit. Eine der wichtigsten Künstlerinnen unserer Zeit stellt sich am Beispiel der Callas der existenziellen Frage, wie persönliche Erfahrungen, Krisen, Enttäuschungen zu Kunst werden können und einem Kunstwerk sogar seine unvergleichliche Intensität verleihen. Sieben berühmte, durch Maria Callas interpretierte Operntode stehen im Zentrum dieses besonderen Abends. Der Komponist Marko Nikodijevic ist in dieser Saison Composer in Residence beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

Mit Verdis SIMON BOCCANEGRA (Premiere am 22. November) zeigen wir eine der politischsten Opern Verdis: Eine Oper, in der uns eine Gesellschaft gezeigt wird, die durch jahrzehntelange politische Kämpfe und Parteienbildungen geprägt ist und in der jeder, der an der Macht ist, früher oder später zu jenem Politiker-Typus wird, der nicht mehr aus Überzeugung, sondern nur noch aus Machtkalkül handelt. Mit dieser Neuproduktion kehrt der junge russische Regisseur Vasily Barkathov zu uns zurück, der hier sehr erfolgreich die Uraufführung von Aribert Reimanns L’INVISIBLE inszeniert hat, eine Produktion, die wir aus Anlass von Aribert Reimanns 85. Geburtstag im März 2021 übrigens wiederaufnehmen.

Tannhäuser – Making of ….
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Und außerdem bringen wir am 14. März eines der späten Meisterwerke der Puccini-Zeit, das es unserer Ansicht nach wiederzuentdecken gilt, auf die Bühne: Riccardo Zandonais 1914 uraufgeführte FRANCESCA DA RIMINI. Das Stück ist ein besonderer Wunsch von Christof Loy, dessen Inszenierung von Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE (IOCO DVD Rezension HIER) einen großen Eindruck hinterlassen hat. (Auch sie wird am 9. Mai wiederaufgenommen.) Wie bei HELIANE ist auch die Musik der FRANCESCA hoch sinnlich, schwelgerisch und farbenreich und kommt in dem strengen formalen Rahmen, den Christof Loy diesen Werken gibt, umso besser zur Geltung. Christof Loy sieht in FRANCESCA ebenso wie in HELIANE eine Systemsprengerin, eine Frau, die die Strukturen, in denen sie lebt, durch ihr Agieren zum Einsturz bringt. Sara Jakubiak interpretiert diese Figur, die Sie schon als Heliane erlebt haben – in der kommenden Spielzeit wird sie übrigens auch Venus / Elisabeth in TANNHÄUSER (Trailer oben) singen.

Die Tischlerei als Ort experimentellen Musiktheaters ist ein Ort genre-übergreifender Arbeiten, von Kooperationen mit Künstlern aus der Berliner und internationalen freien Szene sowie von Koproduktionen mit anderen Theatern, Festivals und Hochschulen. Die noch in dieser Saison anstehende Uraufführung ONCE TO BE REALISED. SECHS BEGEGNUNGEN MIT JANI CRISTOUS „PROJECT FILES“ (am 5. Juni 2020) ist eine Koproduktion mit der Münchener Biennale und dem Onassis Cultural Center Athen.

Und auch in der kommenden Saison kooperieren wir für THE MAKING OF BLOND von Gesine Danckwart (5. März) mit dem Burgtheater Wien, und für NEUE SZENEN V: 3 SCHEITERHAUFEN (30. April) entstehen bereits zum fünften Mal zusammen mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin drei Uraufführungen junger Komponist*innen, die in einem internationalen Wettbewerb ermittelt wurden.

Don Carlo – 2021 wieder auf dem Spielpan – doch ohne  ….
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Zu Beginn der Spielzeit 2020/21 wird die sowohl im Schauspiel als auch in der Oper aktive Regisseurin Anna-Sophie Mahler einen Abend unter dem Titel WALDESRUH vorstellen (1. Oktober), der Recherchen von einschlägigen Fachleuten zum Thema Wald ebenso einbezieht wie romantische Chorliteratur und Lieder. Morton Feldmans Stück für Klavier solo Triadic Memories wird den Musiktheaterabend abschließen.

Placido Domingo – 2020/21 nicht an der Deutschen Oper

Wie Sie der Saisonbroschüre entnehmen können, war das Engagement von Plácido Domingo als Marquis von Posa in den DON-CARLO-Vorstellungen im Juni 2021 geplant. Aus gegebenem Anlass arbeiten wir an einer Auflösung des Vertrages und geben die neue Besetzung der Partie sobald als möglich bekannt.

—| Pressemeldung Deutsche Oper Berlin |—

Basel, Theater Basel, Benedikt von Peter – Neuer Intendant ab 2020/21, IOCO Aktuell

August 22, 2018 by  
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Theater Basel

Theater Basel © Sandra Then

Theater Basel © Sandra Then

Benedikt von Peter – Neuer Intendant ab 2020/21

Benedikt von Peter wird ab Spielzeit 2020/21 neuer Intendant des Theater Basel. Der Verwaltungsrat der Theatergenossenschaft Basel hat ihn einstimmig gewählt. Von Peter ist einer der aussergewöhnlichsten Regisseure im deutschsprachigen Raum und gegenwärtig Intendant am Luzerner Theater. Er tritt die Nachfolge von Andreas Beck an. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt hat die Wahl des neuen Intendanten am 14. August 2018 einstimmig genehmigt und begrüsst.

Theater Basel / Benedikt von Peter © David Roethlisberger

Theater Basel / Benedikt von Peter © David Roethlisberger

Benedikt von Peter, 41, gilt als Theatererneuerer und bringt ideale Voraussetzungen mit, um als neuer Intendant ab 2020/2021 das Theater Basel erfolgreich zu leiten. Er erfüllt höchste künstlerische Ansprüche in den drei Sparten Oper, Schauspiel und Ballett und verfügt über eine überzeugende und gewinnende Führungspersönlichkeit. Dies bietet Gewähr für die strahlkräftige Weiterführung des grössten Dreispartenhauses der Schweiz. Für das Theater Basel ist Benedikt von Peter kein Unbekannter; 2009 inszenierte er hier Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» und 2011 Richard Wagners Parsifal.

Benedikt von Peter überzeugte die Findungskommission und den Verwaltungsrat mit einem integralen und spartenübergreifenden künstlerischen Ansatz, der sich auch in einem teamorientierten Führungsmodell abbilden soll. Seinen Ansatz wird er gemeinsam mit einem starken Leitungsteam entwickeln, welches er in den nächsten Monaten zusammenstellen wird.

Benedikt von Peter zeichnet eine zeitgenössische, aber zugängliche künstlerische Handschrift aus. Mit einer ganzheitlichen Bespielung von Theater-Räumen, durch eine starke regionale und lokale Vernetzung, sowie mit international gefragten Regiehandschriften möchte er das Theater Basel zu einem Begegnungsort für seine Zuschauer_innen und die Basler Bevölkerung werden lassen.

Der Verwaltungsrat ist überzeugt, dass Benedikt von Peter dank seiner ausgewiesenen Sozial-kompetenz und Teamfähigkeit die ideale Führungsperson für das Theater Basel sein wird und freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm.

Benedikt von Peter wurde 1977 in Köln geboren, studierte in Bonn Musikwissenschaft, Germanistik, Jura und Gesang. Danach war er an verschiedenen Häusern Regieassistent und gründete ein freies Theaterkollektiv. Nach einigen Jahren in der Freien Szene inszenierte er an Theatern und Opern in Deutschland und der Schweiz (u.a. Theater Basel, Oper Frankfurt, Staatstheater Hannover, Wiener Festwochen, Komische und Deutsche Oper Berlin), von 2012 bis 2016 leitete Benedikt von Peter die Musiktheatersparte des Theater Bremen. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Götz Friedrich-Preis, dem Theaterpreis «DER FAUST» sowie 2014 mit dem Kurt Hübner-Preis für das Musiktheater-Programm und die eigenen Produktionen am Theater Bremen. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist Benedikt von Peter Intendant des Luzerner Theaters.

Wir danken dem Stiftungsrat Luzerner Theater, dass Benedikt von Peter ab der Spielzeit 2020/21 die Verantwortung als Intendant für das Theater Basel übernehmen kann.

Der Findungskommission des Theater Basel gehörten die Verwaltungsratsmitglieder Dr. Caroline Barthe (Vorsitz), Adrienne Develey und Martin Lüchinger, Co-Leiterin Abteilung Kultur des Präsidialdepartements Basel-Stadt Sonja Kuhn sowie die externen Experten Stefanie Carp (Intendantin Ruhrtriennale), Stefan Bachmann (Intendant Schauspiel Köln) und Dietmar Schwarz (Intendant Deutsche Oper Berlin) an.

Basel, 21. August 2018:   Samuel Holzach, Präsident Verwaltungsrat Theater Basel, Dr. Caroline Barthe, Präsidentin Findungskommission Theater Basel und Vizepräsidentin Verwaltungsrat Theater Basel

—| Pressemeldung Theater Basel |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Erfolgreiches Festival Mannheimer Sommer geht zu Ende, Juli 2018

Juli 24, 2018 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

»Mannheimer Sommer«: Erfolgreiche Neuausrichtung des »Europäischen Festivals für Musik und Theater von Mozart bis heute« am Nationaltheater Mannheim

Mit dem »Mannheim Requiem«, einer Abschlussparty am Samstagabend sowie einem »Potluck«-Frühstück im Festivalzentrum ging am Sonntag, 22. Juli nach elf Festivaltagen der »Mannheimer Sommer« am Nationaltheater Mannheim zu Ende, der neben dem NTM und seinem Studio Werkhaus auch Schloss und Schlossgarten in Schwetzingen sowie weitere Orte in Mannheim bespielte.

Nationaltheater Mannheim / Mannheimer Sommer- SALONDELUMIERE ©   Christian Kleiner

Nationaltheater Mannheim / Mannheimer Sommer- SALONDELUMIERE ©
Christian Kleiner

8.931 Eintrittskarten wurden dafür gelöst, insgesamt rund 16.200 Zuschauer besuchten die über 40 Veranstaltungen (darunter 13 Eigenproduktionen des NTM) inklusive des zum Teil kostenfreien Rahmenprogramms mit seinen Konzerten im neobarocken Festivalzentrum und der großen Eröffnungsparade »The School of Narrative Dance«.

»Dass unser viele Grenzen sprengendes Konzept und die Neuausrichtung des Festivals von den Besuchern so begeistert aufgenommen worden sind, macht mich sehr glücklich. Eine bunte, fröhliche wie auch geradezu anarchische Vielfalt war zu erleben. Und natürlich freuen wir uns, dass wir auch mit den Besucherzahlen an die erfolgreichen Festivalausgaben der Vorjahre anschließen konnten«, sagte Opernintendant Albrecht Puhlmann.

Der künstlerische Leiter des Festivals, Chefdramaturg Jan Dvorak, ergänzte: »Die Feier künstlerischer, politischer und persönlicher Freiheit, gerade in Anbetracht der zunehmenden Infragestellung demokratischer, freiheitlicher Werte, war uns wichtig – und sie ist uns auf vielfältige, diskursive und inspirierende Weise geglückt.«

Nationaltheater Mannheim / Mannheimer Sommer- LANDSCHAFTSMUSIK_ ©  Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Mannheimer Sommer- LANDSCHAFTSMUSIK_ ©
Hans Jörg Michel

Mozart als Erneuerer der Oper, die Ideale der Aufklärung und die Innovationskraft des europäischen Musiktheaters standen im Zentrum des »Mannheimer Sommers«, der sein Programm rund um eine kontrovers diskutierte Neuinszenierung des »Don Giovanni« von Ekaterina Vasileva entfaltete: Von der choreografierten Parade (einer Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim), über partizipative Formate wie den »Salon des Lumières«, Produktionen mit dem Alphabet-Chor, über Jazz-, Pop- und Kammerkonzerte sowie gattungsübergreifende Installationen und Performances bis hin zu internationalen Gastspielen, etwa aus Dänemark, Italien und der Schweiz, reichte das vielfältige Spektrum, das den Blick, ausgehend von Mozarts Werk, ausweitete auf die Zukunft des Musiktheaters. Insbesondere die dänische Unterwasser-Produktion »Aquasonic« der Gruppe »Between Music« zog große überregionale Aufmerksamkeit auf sich.

Zehn Scouts, allesamt junge Kulturschaffende, unterstützten das Festivalteam bei der Organisation, Künstlerbetreuung, Kommunikation und Kunstvermittlung und besuchten Workshops von Künstlern, u.a. von Friedrich Liechtenstein und Benedikt von Peter.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Hannover, Staatsoper Hannover, La Traviata von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 17.01.2018

Januar 17, 2018 by  
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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

La Traviata von Giuseppe Verdi

“THIS IS FOR YOU”

Von Karin Hasenstein

Wie bringt man als Regisseur eine Oper auf die Bühne, die überall, wirklich überall gespielt wird und die jeder zu kennen glaubt, ist sie doch die meistgespielte Oper überhaupt?       Indem man Neues, etwas Ungewöhnliches wagt

Regisseur Benedikt von Peter nähert sich der Traviata auf ungewöhnliche Weise, indem er sie mit den Mitteln des modernen Regietheaters als Kammerstück  inszeniert, das seine Sichtweise vollständig auf die Figur der Violetta Valéry reduziert. Er verzichtet auf jede Ball- oder Festszene, wir sehen  keinen Karneval in Paris, keine Zigeunerinnen, keine Matadori. Nichts von alledem. Stattdessen verstörende innere Leere. Ein Psychogramm einer Todkranken und unglücklich Liebenden.

“THIS IS FOR YOU!“ Mit diesen Worten wird der Zuschauer eingeladen, sich auf die Reise mit Violetta zu begeben.  Noch bevor der erste Ton der Ouvertüre erklingt, wird der Blick des Zuschauers auf die offene Bühne gelenkt. Das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung von Gregor Bühl ist prominent auf der Bühne platziert, durch einen halbtransparenten Gazevorhang vom Geschehen auf der Vorderbühne abgegrenzt, jedoch akustisch allzeit beinahe überpräsent.

„Von der durchgefallenen Premiere zur meistgespielten Oper der Welt“

Der Orchestergraben hingegen ist vollständig abgedeckt und begrenzt Violettas Aktionsradius durch zusätzlich aufgebrachte weiße Begrenzungslinien. Innerhalb dieser ist sie gefangen, ein Fenster ohne Glasscheibe, ein Spiegel, eine Tür, ein Tisch mit zwei Stühlen- das ist das ganz aufs Wesentliche reduzierte Bühnenbild von Katrin Wittig, das unweigerlich an ein Gefängnis erinnert und Violettas Tragödie bereits zu Beginn erahnen lässt. Aus dieser Zelle wird es keinen Ausweg geben. Alle Versuche, durch das Fenster oder die Tür zu entkommen, auch nur Kontakt etwa zu Alfredo herzustellen, müssen im Ansatz scheitern, denn Violetta bleibt während der kompletten Aufführungsdauer von 2 Stunden 20 Minuten allein in ihrer Seelenwelt gefangen.

Staatsoper Hannover / La Traviata - hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Staatsoper Hannover / La Traviata – hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Alle anderen Personen singen ohne Kostüm (schwarze Konzertkleidung) aus dem ersten Rang. Alfredo, Giorgio Germont, selbst Annina oder der Dottore Grenvil, die großen Chorszenen- nichts davon wird inszeniert oder auf die Bühne gebracht. Der Chor agiert nicht als handelnde Personen, sondern als Griechischer Chor, bleibt rein kommentierend. Wie auch die anderen Personen Violettas Handeln nur von außen beobachten können, ohne Möglichkeit zum Eingreifen. Diese Konstellation erzeugt von Anfang an ein fast nicht aushaltbares Spannungsfeld, lenkt aber die Konzentration des Zuschauers konsequent auf die zentrale Figur auf der Bühne.

Violetta ist und bleibt allein. So wie in den ersten Takten der Ouvertüre, die für mich zum Schönsten gehören, was Verdi komponiert hat, sensibel und luzide vom Niedersächsischen Staatsorchester unter Gregor Bühl interpretiert, bereits das ganze Leid des Finales sich andeutet, wird dem Zuschauer klar: für diese Frau gibt es keine Liebe, keine Erlösung, kein “Happy End“. Dazu muss man weder die Oper kennen, noch die Romanvorlage von Alexandre Dumas, La Dame aux Camélias.

Das macht es der Sopranistin Nicole Chevalier nicht leichter, aber ihre sängerische und schauspielerische Leistung ist so großartig und eindrucksvoll, dass man die anderen Personen auf der Bühne zu keinem Zeitpunkt vermisst. Denn Benedikt von Peters Konzept geht auf.Die Ensemble-Oper wird zur One-Woman-Show und gewinnt durch die einzigartige Interpretation Nicole Chevaliers enorm an Kraft und Ausdruck. Bei der Projektion hinter beziehungsweise über dem Orchester fragt man sich eher ärgerlich, was das soll, die gepixelten Graphiken stellen weder etwas Konkretes dar, noch sind sie in irgendeiner Weise unterstützend oder hilfreich, werden im Gegenteil eher als störend empfunden und lenken vom Geschehen auf der Bühne ab, anstatt es zu unterstreichen. Dass Musik und Handlung gerade an Fahrt aufnehmen, merkt der geneigte Hörer schon von alleine.

Überhaupt funktioniert diese Traviata dank der großartigen Nicole Chevalier, die in unvergleichlicher Weise Violettas Irrtum verdeutlicht, sie könne ihr Leben ändern und mit Alfredo eine Liebe erleben, die ihr in ihrer früheren Rolle als Kurtisane unmöglich war. Von Beginn an ist klar, aus dieser Liebe zu Alfredo kann nichts werden, wenngleich alle Hauptfiguren ihren fatalen Irrtum erst vergleichsweise spät erkennen, zu spät, è tardi!

Was für die Dramaturgie sehr hilfreich ist, die totale Fokussierung auf Violetta, ist musikalisch nicht immer ein Gewinn. Das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Gregor Bühl beherrscht vom zartesten Pianissimo in den ersten Takten bis zum Fortissimo in den furiosen Chorszenen wie z.B. bei “Si ridesta in ciel aurora” und dem wohl bekanntesten Trinklied der Operngeschichte, dem unvermeidlichen Ohrwurm “Libiamo ne’ lieti calici”  alles an dynamischer Varianz, welche die Partitur fordert. Dennoch ist es wohl durch die Positionierung auf der Bühne stellenweise etwas überpräsent. Wenn ein Opernchor von circa 50 Personen im Mezzoforte nicht mehr gut zu hören ist, obwohl der Klangkörper mit dem Zuschauer im ersten Rang steht, dann reduziert das ein wenig den Genuss.

Staatsoper Hannover / La Traviata -  hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Staatsoper Hannover / La Traviata –  hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Ein besonderes akustisches Erlebnis hingegen bietet diese Aufstellung der anderen Solisten, wie Philipp Heo (Alfredo Germont), der großartige Brian Davis, der als Vater Giorgio Germont eine Wandlung vom gestrengen Vater, der  seinen Sohn unter keinen Umständen in dieser Verbindung sehen will, hin zum vergebenden und liebenden Vater vollzieht – freilich ist auch das zu spät – , sowie die weiteren Rollen, die hier nicht alle erwähnt werden können, ohne den Rahmen zu sprengen. Leider gehen diese fast unter, da sie bis zum Schlussapplaus naturgemäß im Rang völlig im Dunkeln agieren. Die Rezensentin störte das nicht. Für die Sänger, die allesamt durch sehr gute Leistungen überzeugten, ist das allerdings eine äußerst undankbare Konstellation, da sie ihren Gesang nicht durch szenisches Agieren unterstreichen können, sondern im Prinzip eine konzertante Aufführung darbieten. Einzig Alfredo versucht immer wieder, durch Bewegung und Gesten Kontakt zu Violetta in ihrer Zelle unten auf der Bühne herzustellen, was schon an der räumlichen Distanz scheitern muss und daran, dass Violetta ihn schlicht nicht wahrnimmt, wenngleich sie ihrerseits darstellerisch ans Äußerste geht. Auch hier manifestiert sich wieder die Ausweglosigkeit ihrer Liebe, das Drama, auf das alles zusteuert. Vielleicht sind die Personen aber auch tatsächlich nur in ihrer Einbildung vorhanden, vielleicht ist alles nur Imagination?

Philipp Heo ist der Spinto-Tenor, den diese Rolle braucht. Mit Durchschlagskraft nicht nur in den Spitzentönen, aber auch dem nötigen lyrischen Schmelz in den Arien “Un di felice” , “Lunge da lei”  und im Zusammenklang mit Violetta etwa bei Follie! Delirio vano è questo!” -ein “richtiges” Duett gönnt Verdi den Beiden nicht- bleibt er stets unangestrengt und überzeugt durch feine Legatolinie und kultivierte Stimmführung. Sein aus der Ferne gesungenes “Ah, quell’ amor” wirkt beschwörend und flehentlich. Am Rande sei erwähnt, dass gerade diese Konstellation, oft mit dem Tenor auf der Hinterbühne, zu heiklen Situationen im Zusammenklang mit dem Orchester führen kann. Dass es dazu nicht kam, wurde erfreut zur Kenntnis genommen.

Staatsoper Hannover / La Traviata - hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Staatsoper Hannover / La Traviata – hier Nicole Chevalier als Violetta © Thomas M. Jauk / Stage Picture

Nicole Chevalier verkörpert die Verirrte, vom rechten Weg Abgekommene so überzeugend, dass einem der Atem stockt. Gewiss ist heute “Rampengesang” nicht mehr ausreichend, um das Publikum mitzunehmen, aber ein dermaßen intensives Spiel sieht man auch bei den heutigen großen Sängerdarstellern selten.

Sie singt nicht Violetta, sie IST Violetta. Als sie schließlich im dritten Akt die Bühne nach vorne verlässt und in den ersten Reihen des Parketts direkt zwischen den verdutzten Zuschauern auf den Armlehnen stehend weitersingt, durchbricht sie zwar den Käfig des Bühnenbildes, bleibt aber stets ganz in der Rolle und besticht durchweg durch äußersten stimmlichen Ausdruck und feinste Dynamik selbst in den Spitzentönen.

Alle “Hits”, die Verdi dieser Rolle geschenkt hat, von “Follie, follie!” bis “E strano” präsentiert Nicole Chevalier absolut überzeugend und zu Herzen gehend. Beinahe glaubt man als Zuhörer noch im “Addio del passato” mit Violetta, dass alles gut werde, bis sie schließlich aus dem Tisch und ihrem pinkfarbenen Kleid aus vergangenen Tagen wie ein Kind eine Höhle baut und sich darin verkriecht.

Nicht unerwähnt bleiben sollte der Chor der Staatsoper Hannover (Einstudierung: Chordirektor Lorenzo Da Rio), der wie gewohnt mit großer Musikalität überzeugt. Lediglich in den Herrenchören im zweiten Akt bleiben kleinere Wünsche offen, die vermutlich der Choraufstellung im ersten Rang, unter dem akustischen “Deckel” des zweiten Ranges, geschuldet sind. Trotz stets – logischerweise auch für das Publikum – gut sichtbaren Monitoren am Portal fielen etwa in “Di Madride noi siam Mattadori” unnötig Stellen auf, an denen Herrenchor und Orchester nicht präzise zusammen waren, weil der Chor hörbar eilte. Bei dieser Aufstellung und Sicht auf den Dirigenten nicht nachvollziehbar. Das führt leider zu leichten Abzügen in der B-Note. Die Damen hatten dieses “Problem” offenbar nicht, sondern überzeugten mit “Noi siamo Zingarelle” mit großer Präzision und Textverständlichkeit.

 Paris Montmartre / Das Grab von Alphonsine Plessis, der Kameliendame - damals Violetta im realen Leben © IOCO

Paris Montmartre / Das Grab von Alphonsine Plessis, der Kameliendame – damals Violetta im realen Leben © IOCO

Am Ende bleibt Violetta alleine auf der Bühne zurück. Mit der klagenden Solovioline erklingt ihr “E strano”, sie halluziniert, sie würde ins Leben zurückkehren, und stirbt schließlich mit den Worten “O gioia” – Freude – auf den Lippen so einsam, wie sie im Grunde ihr Leben lang war. An ihrem Körper hat sie Plakate mit der Aufschrift “Amami Alfredo – Ich habe Alfredo geliebt” befestigt –  Bekenntnis oder Anklage?

Die über die fast zweieinhalb Stunden aufgebaute enorme Spannung entlädt sich in einem nicht enden wollenden Schlussapplaus des begeisterten Publikums, das die Sänger erst nach 25 Minuten stehenden Ovationen und unzähligen “Bravi” in die Nacht entlässt. Schöner kann eine Dernière nicht sein.

“THIS IS FOR YOU!”

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

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