Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Spielplan Oktober 2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Spielzeit 2019/20
TfN ? Produktionen im Oktober 2019


REPERTOIRE:


IM WEIßEN RÖSSL
Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky
Turbulent geht es in Sachen Liebe im Weißen Rössel zu und es braucht schon einen richtigen Kaiser, um wieder Ordnung zu schaffen und allen Beteiligten zu einem glücklichen Ende zu verhelfen. Die schräge Österreich-Revue war 1930 in Berlin das Theaterereignis und ist nun in Hildesheim als großes Alpenspektakel in der Halle39 zu erleben. Musikalische Leitung Achim Falkenhausen Inszenierung Erik Petersen Bühne Hannes Neumaier Kostüme Kristopher Kempf Choreografie Ludwig Mond Chöre Achim Falkenhausen Dramaturgie Susanne von Tobien Mit Lisa Maria Hörl/ Neele Kramer (Josepha Vogelhuber), Peter Kubik/ Gerald Michel (Leopold Brandmeyer), Uwe Tobias Hieronimi (Wilhelm Giesecke), Meike Hartmann/ Antonia Radneva (Ottilie), Julian Rohde (Dr. Erich Siedler), Johannes Osenberg/ Stefan Freiberger (Sigismund Sülzheimer), Jens Krause/ Dieter Wahlbuhl (Prof. Dr. Hinzelmann), Sandra Pangl/ Meike Hartmann (Klärchen), Piet Bruninx/ N.N./ Levente György (Kaiser), Nicolo Soller/ N.N. (Piccolo), Elisabeth Köstner/ Steffi Fischer/ Kathelijne Wagner (Kathi/Zenzi/Stubenmädchen), Stefan Freiberger/ Jesper Mikkelsen (Reiseführer), Opernchor, Extrachor, Kinder- und Jugendchor des TfN, Orchester des TfN
Termine im Oktober in der Halle39 (Schinkelstraße 7, 31137 Hildesheim)


TfN IN LANGENHAGEN:


Theater für Niedersachsen / Kohlhaas © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas © T.Behind-Photographics

MICHAEL KOHLHAAS
Schauspiel nach der Novelle von Heinrich von Kleist
In seiner berühmten Novelle beschreibt Kleist eine der interessantesten, weil widersprüchlichsten Figuren der deutschen Literatur. Als Opfer staatlicher Willkür begehrt Michael Kohlhaas mutig gegen die Obrigkeit auf, getrieben von seinem starken Gerechtigkeitssinn. Doch kalte Rachsucht macht ihn bald zum Wutbürger, Fanatiker, Terroristen. Michael Kohlhaas ist faszinierend: anziehend in seiner Hingabe, abstoßend in seiner brutalen Radikalität – und mit Themen wie Selbstjustiz, staatliche Willkür und Eigendynamik von Gewalt aktuell wie nie. Für das TfN hat Moritz Nikolaus Koch eine eigene Bühnenfassung erstellt. Es spielen Dennis Habermehl und Dieter Wahlbuhl. Inszenierung und Ausstattung Moritz Nikolaus Koch Musik Oliver Niess MitDennis Habermehl (Erzähler I – Kohlhaas), Dieter Wahlbuhl (Erzähler II – alle anderen), Oliver Niess (Bühnenmusiker/ Soundler) Dauer ca. 2 Stunden 20 Minuten, inklusive einer Pause WIEDERAUFNAHME: Mi, 2.10., 20:00 Uhr, Theatersaal Langenhagen,
in Hildesheim: Sa, 23.11., 19.30 Uhr, Großes Haus

JUGEND OHNE GOTT
Schauspiel nach dem Roman von Ödön von Horváth
Nur Hohn und Spott haben die Jugendlichen für die humanistischen Ideale ihres Lehrers. Doch dann geschieht auf ihrer Klassenfahrt ein Mord! – Die TfN-Bühnenfassung überträgt die Geschichte in eine nahe Zukunft: Was geschieht, wenn eine demokratische in eine totalitäre Gesellschaftsform kippt? Inszenierung Alice Asper Ausstattung Bernhard Niechotz Dramaturgie Astrid Reibstein Mit Dennis Habermehl (Der Lehrer), Jonas Kling (Zachi), Jonas Nowack (Timi), Emma Henrici (Olli), Karla Hennersdorf (Eva), Martin Schwartengräber (Caesar/ Feldwebel 3/ Moderator), Michaela Allendorf (Lehrerin/ Feldwebel 1/ Präsidentin/ Mutter von Timi), Simone Mende (Direktorin/ Feldwebel 2/ Mutter von Nicki/ Mutter von Zachi), Statisterie
TERMIN: Mi, 30.10., 20:00 Uhr, Theatersaal Langenhagen

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas - von links_D. Habermehl, D. Wahlbuhl © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas – von links_D. Habermehl, D. Wahlbuhl © T.Behind-Photographics


JUNGES THEATER:


Theater für Niedersachsen / Nieselprim © Christine Kundolf-Köhler

Theater für Niedersachsen / Nieselprim © Christine Kundolf-Köhler

NIESELPRIM NERVT
Ein Tanz- und Singstück | Uraufführung | Koproduktion des TfN mit tanz.Utan, ab 6 Jahren
Wie spannend es sein kann, sich auf etwas Fremdes einzulassen und welche Spuren wir gegenseitig in unseren Leben hinterlassen, zeigt diese Geschichte mit Tanz, Musik und wenigen Worten, wo aus rasantem Spiel und kleinen Ausrufen Lieder werden, aus Slapstick Tanz, aus Engstirnigkeit Weite und aus Gegensätzen ein Wir. Außerdem gibt es allerlei seltsame Maschinen, eine Kinoorgel und viel zum Lachen. Inszenierung Marcel Sparmann Choreografie Nicole Pohnert Musik Daniel Pohnert Ausstattung Swana Gutke Mit Nicole Pohnert, Daniel Pohnert
Premiere am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 11:00 Uhr, theo

ALLES FAMILIE
Nach dem Buch von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl Koproduktion des TfN mit dem Theater Karo Acht, ab 6 Jahren
Temporeich und musikalisch spielt sich das Theater Karo Acht durch die Szenen von (un-)gewöhnlichen Familienbanden, kleinen Problemen und großen Glücksmomenten. Dabei wird sinnlich erfahrbar, wie unterschiedlich und vielfältig, wie komisch, aber manchmal auch tragisch Familienleben heute sein kann. Inszenierung Kian Pourian Text Lorenz Hippe Bühne Alexander Tripitsis Kostüme Ulrike Schörghofer Mit Imme Beccard, Julia Solórzano, Christopher Weiß Dauer ca. 70 Minuten, keine Pause
Wiederaufnahme am Samstag, 5. Oktober 2019, 15:00 Uhr, Probebühne 2 (Einlass über den Bühneneingang)

DAS KLEINE BLAU UND DAS KLEINE GELB
Ein Theaterstück vom Gleich- und Anderssein nach einem Bilderbuch von Leo Lionni Koproduktion des TfN mit dem Theater Karo Acht, ab 2 Jahren
Ein Theaterstück für die jüngsten Zuschauer rund um Dinge, Farben und Spielen. Es geht um das Gleich- und Anderssein, um Freundschaft, um das sich und die anderen Verlieren, Suchen und Wiederfinden. Inszenierung Kian Pourian Bühne Alexander Tripitsis Kostüme Ulrike Schörghofer Mit Julia Solórzano, Sebastian Schlemminger Dauer ca. 50 Minuten, keine Pause
Wiederaufnahme am Donnerstag, 10. Oktober 2019, Probebühne 2 (Einlass über den Bühneneingang)


EXTRA:


INNEN STADT THEATER
Mitte Oktober staubt und lärmt es noch im TfN: Endspurt ist angesagt für die Sanierungsarbeiten im Großen Haus, einzig das Kinder- und Jugendprogramm spielt weiterhin im Haus. Auf Theater verzichten müssen Sie dennoch nicht: Bis Mitte November präsentieren wir vielfältige Sonderprogramme, zu Gast bei zahlreichen Kooperationspartnern in der Hildesheimer Innenstadt.

THEKEN-TALK
Persönliche Einblicke in die neue Spielzeit von Jörg Gade, Craig Simmons und Susanne von Tobien Entdecken Sie die Vielfalt der Spielzeit 2019/20 und erleben Sie, wie unsere Theaterleitung spielerisch, musikalisch und persönlich aus dem Nähkästchen plaudert … Montag, 21. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Eintritt frei Stadtschenke im Van der Valk Hotel, Markt 4, 31134 Hildesheim

DER SOUNDTRACK MEINES LEBENS
Besondere Einblicke in das Leben von TfN-Künstlern Der erste Kuss, der schlimmste Liebeskummer, der schönste Sommer – zu gewissen Momenten und Lebensphasen gehören einfach bestimmte Songs! Lernen Sie den Lebenssoundtrack von Intendant Jörg Gade und Schauspieler Martin Schwartengräber kennen – inklusive Geschichten und Anekdoten drum herum. Donnerstag, 24. Oktober 2019, 20:00 Uhr, LitteraNova, Eintritt frei LitteraNova, Wallstraße 12a, 31134 Hildesheim

JEDE MUSIK HAT IHREN HIMMEL
Konzert mit dem Opernchor des TfN Getreu diesem Verdi-Zitat sorgen sie in Opern, Musicals und Konzerten für himmlische Abende am TfN, nun können Sie die Mitglieder des Opernchors ganz geerdet in gemütlicher Atmosphäre erleben: Unter der Leitung von Chordirektor Achim Falkenhausen präsentieren sie Ihnen die schönsten Chornummern aus Opernklassikern wie „Nabucco“ oder Wiederentdeckungen wie „Die Pantöffelchen“. Montag, 28. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Eintritt frei Besucherzentrum Welterbe Hildesheim & tourist-information, Rathausstraße 20, 31134 Hildesheim

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

Wien, Volksoper Wien, Spielzeit 2019/20: Volksoperfest – Cabaret mit Bettina Mönch, IOCO Aktuell, 23.08.2019

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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

 

 Volksoper Wien –  Spielzeit 2019/20 – Eröffnung am 1.09.2019

Volksoper Wien / Intendant Robert Meyer © Johannes Ifkovits / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Intendant Robert Meyer © Johannes Ifkovits / Volksoper Wien

Mit einem Eröffnungsfest für die ganze Familie startet die Volksoper Wien am 1. September 2019 in die Spielzeit 2019/20. Vor der Volksoper erwartet die Besucher ein vielfältiges Programm. Besondere Highlights sind die begehrten Backstage-Führungen und das Meet & Greet mit Pinocchio und Peter Pan und Tinkerbell. Um 19:00 Uhr feiern man mit der Hommage an Dagmar Koller auf der Bühne der Volksoper den 80. Geburtstag des  Ehrenmitgliedes.

Intendant Robert Meyer – zur Spielzeit 2019/20:  „Im Mittelhochdeutschen ist die „mære“ ein Bericht oder eine Nachricht. Die Verkleinerungsform „Märchen“ bezieht sich auf kurze Erzählungen, die von fantastischen Vorgängen berichten, die allerdings symbolhaft unsere eigene Lebenswirklichkeit widerspiegeln. Im Musiktheater arbeiten wir keineswegs in einer Märchenwelt: Ein strenger Ablauf von Studium, Proben und Vorstellungen, dazu Termin- und Budgetdruck und alle möglichen Probleme und Problemchen prägen unsere Tage. Was jedoch aus dieser fordernden Arbeit entsteht, soll Sie, das Publikum, in eine Märchenwelt versetzen.

Volksoper Wien – der Spielplan 2019/20
youtube Trailer Volksoper Wien
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Die Geschichten, die unsere Premieren der kommenden Saison erzählen, haben zum Teil tatsächlich Märchenstoffe: Ein Untoter spukt nachts im Schloss (in der Familienoper Das Gespenst von Canterville, die wir zur Österreichischen Erstaufführung bringen); durch Hexenmacht übernehmen Mitglieder des königlichen Gemüsebeets die Macht (in Offenbachs König Karotte); ein schottisches Dörfchen erwacht nur alle hundert Jahre aus dem Schlaf (in Lerner & Loewes Musical Brigadoon). Doch auch wenn Magie und Übernatürliches auf den ersten Blick zu fehlen scheinen, wenn Ort und Zeit recht genau bestimmt und die Vorgänge „real“ sind, fühlen wir etwa in Kander & EbbsCabaret (Premiere 14.9.2019) monströse Kräfte am Werk, eine irrationale Bedrohung, die zu Anfang der 1930er Jahre Deutschland erfasste. Und ist die Liebe von Saffi und Bárinkay im Zigeunerbaron etwa nicht eine märchenhafte „Himmelsmacht“ in turbulenten Zeiten? Muss sich der tragische Titelheld in Boris Godunow nicht den Mächten des Wahnsinns geschlagen geben? Und fühlt sich ein Österreicher in den Gefilden der Traumfabrik wirklich märchenhaft glücklich? Diese Frage stellt unsere Kasino-Produktion, die Europäische Erstaufführung von Tod Machovers Schoenberg in Hollywood. Gewiss, in den letztgenannten Werken begegnen uns weder Feen noch sprechende Tiere – aber singende und tanzende Menschen auf der Bühne sind meiner Ansicht nach ebenso märchenhafte Wunderwerke. Apropos Tanz: Neben den oben erwähnten Neuproduktionen im Bereich Musiktheater trägt auch das Wiener Staatsballett mit La Piaf und Appassionato – Bach und Vivaldi das Seine zu einem abwechslungsreichen und hoffentlich beglückenden Spielplan bei.“

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 Volksoper Wien – Der Spielplan 2019/20

Neun Premieren, sechs Wiederaufnahmen (drei Trailer siehe unten) und 20 Stücke im Repertoire bilden den abwechslungs-reichen Spielplan der 13. Saison der Direktion Robert Meyer, und das mit einer enormen Bandbreite: Ein Klassiker des Operettenrepertoires, Der Zigeunerbaron, trifft auf die Wiederentdeckung der Offenbach-Rarität König Karotte. Der monumentalen russischen Volksoper Boris Godunow stehen die Österreichische Erstaufführung der Familienoper Das Gespenst von Canterville und die Europäischen Erstaufführung von Tod Machovers Schoenberg in Hollywood im Kasino am Schwarzenbergplatz gegenüber. Das Musical Cabaret (Premiere 14.9.2019) entführt in das Berlin der 1930er, während das Musical-Märchen Brigadoon in den schottischen Highlands angesiedelt ist. Und mit La Piaf huldigt das Wiener Staatsballett einerseits der großen französischen Chansonnière und orientiert sich andererseits in der Uraufführung von Appassionato – Bach und Vivaldi an Meisterwerken des Barock.

Gräfin Mariza – wieder auf dem Spielplan der Volksoper
youtube Trailer Volksoper Wien
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Als Wiederaufnahmen kehren mit Gräfin Mariza und Die lustige Witwe zwei Werke der silbernen Operettenära in gefeierten Inszenierungen wieder. Die Opern Carmen und Rigoletto (nun in italienischer Sprache) thematisieren die Liebe in ihrer Unausweichlichkeit, während im Musical Kiss me, Kate der Rosenkrieg tobt. Mit Carmina Burana wird ein besonders effektvoller und beim Publikum beliebter Ballettabend wiederaufgenommen.
Eröffnet wird die Saison am 1. September 2019 mit dem traditionellen Volksopernfest und einer Hommage an Dagmar Koller.

Cabaret   –   „Willkommen, Bienvenue, Welcome!“ Mit der Premiere von Cabaret eröffnen wir die Saison und heißen das Musical des Autorenduos Kander und Ebb in der Regie von Volksoperndebütant Gil Mehmert und unter der Musikalischen Leitung von Lorenz C. Aichner zum ersten Mal an der Volksoper willkommen.
Nach langer Abwesenheit kehrt Ruth Brauer-Kvam in dieser bittersüßen Ode an das Berlin der 1930er-Jahre als Conférencier wieder an die Volksoper zurück. Die Rolle der Sally Bowles hat Liza Minelli in der mit acht Oscars ausgezeichneten Verfilmung von Cabaret 1972 für alle Zeit geprägt. Wer könnte die legendäre Nachtclubsängerin an der Volksoper besser verkörpern als Bettina Mönch, die zuletzt der Hollywooddiva Gloria Mills in Axel an der Himmelstür Glamour verlieh.   –   Premiere am 14. September 2019

Das Gespenst von Canterville   –   Ein Untoter spukt nachts im Schloss und findet erst recht keine Ruhe, als ein Immobilienmakler mit seinen aufmüpfigen Zwillingssöhnen einzieht und das Anwesen in ein schickes Hotel umbauen möchte. Philipp M. Krenn inszeniert die österreichische Erstaufführung von Das Gespenst von Canterville des zeitgenössischen Komponisten Marius Felix Lange als humorvolle Gruseloper für die ganze Familie. Morten Frank Larsen schlüpft in die Rolle des gepeinigten Gespensts Sir Simon und Gerrit Prießnitz steht am Pult des Volksopernorchesters.   –   Österreichische Erstaufführung am 18. Oktober 2019

Carmina Burana – wieder auf dem Spielplan der Volksoper
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König Karotte   –   Übersinnliches ist auch in Jacques Offenbachs König Karotte im Spiel, wenn die Mitglieder des königlichen Gemüsebeets die Macht ergreifen. Die Wiederentdeckung von Jacques Offenbachs „Komischer Zauberoper“ voller bissiger literarischer und politischer Anspielungen ist das Jubliläums-highlight zum 200. Geburtstag des Komponisten. Wir zeigen die Inszenierung von Matthias Davids als Koproduktion mit der Staatsoper Hannover unter der Musikalischen Leitung von Guido Mancusi. Mirko Roschkowski verkörpert den vergnügungssüchtigen Regenten Fridolin XXIV, der einer vegetarischen Läuterung bedarf.   –   Premiere am 23. November 2019

Brigadoon   –   Eine Liebesgeschichte in den schottischen Highlands, die die Grenzen von Zeit und Raum überwindet… Brigadoon war 1947 der erste durchschlagende Erfolg des Musicalduos Alan J. Lerner und Frederick Loewe, der späteren Schöpfer von My Fair Lady und Gigi. Die Volksoper präsentiert das große romantische Musical unter der Leitung von Lorenz C. Aichner halbszenisch als Österreichische Erstaufführung. Die Ensemblemitglieder Rebecca Nelsen und Ben Connor verkörpern das Liebespaar Fiona und Tommy. Sarah Schütz, die furiose Ruth des diesjährigen Musicalhits Wonderful Town, erzählt als schräge Meg Brockie vom Hochzeitstag ihrer Eltern.   –   Österreichische Erstaufführung am 1. Dezember 2019

Der Zigeunerbaron   –   1885 bescherte die Uraufführung des Zigeunerbaron Johann Strauß den größten Bühnenerfolg zu Lebzeiten und dem Operetten-Repertoire einen in seinem musikalischen Reichtum bis heute hinreißenden Meilenstein. Zwei rivalisierende Schlitzohren treffen in der sumpfigen Landschaft des habsburgisch-verwalteten Banat aufeinander: der gierige Schweinezüchter Kálmán Zsupán (KS Kurt Rydl) und der aus der Fremde heimkehrende Sándor Bárinkay (Eric Laporte), der in der jungen Saffi (Katrin Adel) seine Liebe findet. 1910 wurde die Operette in der Regie von Rainer Simons erstmals an der Volksoper gezeigt. Die achte Neuinszenierung liegt in den Händen von Peter Lund. Alfred Eschwé steht am Pult des Volksopernorchesters.   –   Premiere am 29. Februar 2020

Die lustige Witwe – 2019/20 wieder auf dem Spielpan der Volksoper
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La Piaf   –   Gleich zwölf Tänzerinnen verkörpern in Mauro Bigonzettis Hommage an Edith Piaf die Rolle der unvergesslichen Chansonnière, die sich als „Spatz von Paris“ in die Geschichte einschrieb. Fasziniert von ihrem einzigartigen Charisma spürt Bigonzetti in seinem Ballett La Piaf mit einer stark bildhaften und märchenhaft anmutenden Erzählweise der besonderen Aura der legendären Sängerin nach.   –   Premiere am 28. März 2020

Schoenberg in Hollywood   –   Als Arnold Schönberg 1933 in die USA emigrierte, geriet er mit Hollywood und dem Genre der Filmmusik in Kontakt. In cineastischen Rückblenden erzählt Schoenberg in Hollywood ausgehend vom Aufeinandertreffen des Komponisten mit dem Filmproduzenten Irving Thalberg Episoden aus dem Leben Arnold Schönbergs. Die Kammeroper des amerikanischen Komponisten Tod Machover wurde im November 2018 in Boston uraufgeführt und gelangt nun als vierte Produktion unserer Serie zeitgenössischer Opern im Kasino am Schwarzenbergplatz unter der Musikalischen Leitung von Gerrit Prießnitz zur Europäischen Erstaufführung, Helen Malkovsky zeichnet für die Regie verantwortlich, Marco Di Sapia verkörpert die Titelfigur.   –   Europäische Erstaufführung im Kasino am Schwarzenbergplatz am 4. April 2020

Boris Godunow   –   Boris Godunow will an die Macht. Doch als Zar spürt er: Macht bedeutet Verantwortung. Wie viel Macht kann ein Mensch ertragen? Und wie viel Gewissen kann ein Mächtiger sich leisten? Boris Godunow ist ein Stück über Wahrheit und Lüge in der Politik, über Machtgier und die Last politischer Verantwortung. Altmeister Peter Konwitschny, „Regisseur des Jahres“ 2018 (Opernwelt) inszeniert die monumentale Oper und feiert damit sein Volksoperndebüt. Der österreichische Bass Albert Pesendorfer kehrt in der Titelrolle an unser Haus zurück. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Jac van Steen, der zuletzt mit Korngolds Das Wunder der Heliane Publikum und Kritik begeisterte.   –   Premiere am 2. Mai 2020

Appassionato – Bach und Vivaldi   –   Die zugleich letzte Premiere der Saison und von Manuel Legris als Direktor des Wiener Staatsballetts ist Uraufführungen von Choreographen gewidmet, die aus der Kompanie hervorgegangen sind. Während Boris Nebyla in Il Prete Rosso der bewegten Biographie Antonio Vivaldis nachspürt, lotet Eno Peci mit Monkey Mind die Kraft der Gedanken aus, die es ermöglicht, zu innerer Stärke zu finden. Martin Winter wiederum folgt dem Symbolgehalt der Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi, wobei er sich auf die 2012 veröffentlichte Bearbeitung des Werkes von Max Richter stützt.  –   Uraufführung am 5. Juni 2020

—| IOCO Aktuell Volksoper Wien |—

Berlin, Renaissance-Theater, Im weißen Rössl – Ralph Benatzky, IOCO Kritik, 22.08.2019

Renaissance Theater - Berlin © Florian Bolk

Renaissance Theater – Berlin © Florian Bolk

Renaissance Theater

Im weißen Rössl –  Ralph Benatzky  und ….

Musik – Ralph Benatzky, Robert Stolz, Bruno Granichstaedten Robert Gilbert,
Text – Ralph Benatzky, Hans Müller-Einigen Erik Charell

von Kerstin Schweiger

Wie ein altes Schwarzweißbild aus längst vergangenen Ferien mutet Ralph Benatzkys und Erik Charells 1930 im großen Schauspielhaus an der Berliner Friedrichstraße (heute steht dort der neue Friedrichstadt-Palast) uraufgeführter Operettensuperschlager von 1930 heute an. Herz und Schmerz und Liebeschaos am Wolfgangsee. Berliner Schnauze und Austria-Schmäh.

Tuba vorm Balkon: Das Renaissance-Theater Berlin zeigt Benatzkys Singspiel „Im weißen Rössl“

Und doch war die Uraufführung am 8. November 1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin der Schlager der Saison, modernes Unterhaltungsmusiktheater mit Elementen aus Jazzcombo, Volksmusikorchester und Feuerwehrkapelle. Und dies in einer Zeit, die knapp zwei Jahre früher mit der Dreigroschenoper von Brecht und Weill oder den jazzigen Operetten von Paul Abraham, mit Tonfilmschlagern und den Revuen der späten 1920er Jahre bereits in Richtung Musical geschielt hatte. 18 Monate lang stand das Stück ununterbrochen auf dem Spielplan. Eine musikalische Wandtapete, die in Zeiten des aufkommenden Massentourismus das tatsächliche Wirtshaus zum Weißen Rössl in St. Wolfgang zu einem Wallfahrtsort für Touristenströme machte und zum Traum-Sehnsuchtsort für die, die nicht vereisen konnten.

Im weißen Rössl – Ralph Benatzky
youtube Trailer Renaissance Theater – Berlin
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Das Stück setzte eine Serie von erfolgreichen Uraufführungen am Großen Schauspielhaus fort. Charell legte das Ganze als musikalisches Teamwork an und damit den Grundstein für den großen Erfolg. Ralph Benatzky war als musikalischer Supervisor engagiert, die Parole lautete, eigene Kompositionen mit passender Volksmusik und Schlagern anderer Komponisten zu kombinieren. So jagt bis heute ein Schlager den nächsten. Von Robert Stolz kamen der Foxtrott „Die ganze Welt ist himmelblau“ und der Walzer „Mein Liebeslied muß ein Walzer sein“.

Renaissance Theater - Berlin / Im weißen Rössl © Boris Aljinovic

Renaissance Theater – Berlin / Im weißen Rössl © Boris Aljinovic

„Zuschaun kan i net“ stammte von Bruno Granichstaedten und „Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist“ von Robert Gilbert. Eduard Künneke wurde beauftragt, die Instrumentation zu übernehmen und die Chöre zu schreiben. Neu war auch, dass die große Orchesterbesetzung alle gängigen Stile der populären Musik beherrschte. Von Feuerwehrkapelle über Jazzcombo bis hin zu Zitherspielern wirkten neben dem großen Bühnenorchester im Berliner Schauspielhaus 1930 rund 100 Musiker mit. Benatzky hatte Erfahrung mit großen Besetzungen, seit 1926 arbeitete er in Berlin mit Erik Charell zusammen, komponierte Musik für die Jahresrevuen des Großen Schauspielhauses in Berlin. Darüber hinaus besaß er Kabarett-Erfahrung für die kleine Form. Mit seiner ersten Frau der Wiener Diseuse Josma Selim trat er bis 1923 im Wiener Kabarett Simplicissimus mit selbstkomponierten Chansons auf.

Die Besetzung bot die Crème de la Crème der Berliner Unterhaltungsbranche 1930 auf. Max Hansen, Siegfried Arno, Camilla Spira, Otto Wallburg und Paul Hörbiger u.a. spielten in der Uraufführung. Die BZ am Mittag schrieb über die Uraufführung 1930: „Die Landschaft von Wolfgang baut sich bis in die alpenglühenden Gipfel auf und geht rund ums Parkett, das zum Talkessel wird. Die Echtheit zu beglaubigen, rollte ein richtiger Omnibus auf die Bühne (allerdings viel zu pünktlich), der See ladet zum Bade, ein Wasserfall spult seinen silbernen Zwirn, ein richtiger Regen schnürlt vom Himmel, und Ziegen meckern dich an. Waschecht auch Schuhplattler, Jodlerinnen, Watschentänzer und die Kostüme, die Trachten sind. Ein Volk von Sennern, Hirten, Jägern, Schützenmädels, Feuerwehrleuten, Veteranen, Bauern Wirtshausleuten koloriert das Milieu. Und das Lokalkolorit wird sozusagen synkopiert von der Internationalität der Girls und Boys, die beweisen sollen, daß auch St. Wolfgang nicht außer der Welt liegt. Ihre Tänze sind das fließende Band, das die Handlung aufrollt, heranträgt, in Takte und Akte teilt.(…) In diesen Tänzen triumphiert nicht nur der Rhythmus der Beine, der Musik, sondern auch der Kostüme: Farben, Stoffe, Zusammenklang. Symphoniker ist hier Ernst Stern, Professor mit Recht. Wunderschön. Der Rhythmus, die Zweiteilung setzt sich bis ins Orchester fort, dessen Linke Jazz, dessen radikale Rechte Zither und Laute sind, Heimwehlaute unter Steirerhut und Hahnenschwanz.“

Doch der Erfolg der Uraufführung währte nicht lange, die Nationalsozialisten verboten weitere Aufführungen wegen der jüdischen Herkunft Charells und weiterer Autoren. Viele der erfolgreichsten Unterhaltungsarbeiter der Weimarer Republik waren jüdischer Abstammung, einige entkamen aus Deutschland, andere wurden im KZ ermordet. So endete auch das von Benatzky, Paul Abraham, Robert Gilbert, Erik Charell, Kurt Weill und anderen Mitstreitern erfolgreich produzierte neue unterhaltende Musiktheater.

Erst seit der Wiedererweckung des Rössl in der Bar Jeder Vernunft 1994 in einer legendären Besetzung, angeführt von den Geschwistern Pfister mit Otto Sander, Meret Becker und Gerd Wameling, steht das Stück immer wieder auf den Spielplänen deutscher Theater als sichere Bank, wenn es um Auslastungen geht.

In Berlin haben seither Aufführungen des musikalischen Alpendramas um die Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber, ihren Oberkellner Leopold und die kauzig-liebenswerte Besetzung aus Einheimischen und Berliner Piefkes im Theater des Westens und in der Komischen Oper um die Gunst des Publikums gewetteifert. Nun stellt das Renaissance-Theater als Wiederaufnahme-Premiere bereits in der zweiten Spielzeit eine ganz eigene Fassung vor.

Das Stück kommt Tucholskys Ideal „vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“ recht nahe. Berliner Schnauze trifft österreichischen Schmäh, Alpenpanorama mit Herzschmerz und Schnaps, Leberknödel meets Boulette und am Ende haben sich alle lieb.

Renaissance Theater- Berlin / Zuschauerraum © Oskar Kaufmann

Renaissance Theater- Berlin / Zuschauerraum © Oskar Kaufmann

Heimlicher Chef im Ausflugshotel Zum weißen Rössl am österreichischen Wolfgangsee ist Kellner Leopold. Er schmeißt den Laden auch in der Hochsaison. Doch für seine Chefin Josepha Vogelhuber ist er Luft, sie ignoriert ihn und seine Annäherungsversuche, no #Metoo am Wolfgangsee 1930. Josepha hingegen liebt nämlich heimlich einen Stammgast aus Berlin, Rechtsanwalt Dr. Siedler. Zeitgleich erscheinen, ebenfalls aus Berlin, der Fabrikant Wilhelm Giesecke und seine Tochter Ottilie. Dummerweise gibt es unangenehme geschäftliche Querverbindungen, für Giesecke ein weiterer Grund zum Maulen über die ungewohnte Bergidylle. Doch Ottilie hat einen eigenen Plan und findet Siedler supersüß! Leopold übertreibt seine Zuneigung zu Josepha und seine Abneigung gegen Siedler und fliegt prompt raus. Dann tauchen noch Sigismund, der Sohn von Gieseckes Erzkonkurrenten und Fabrikantensohn Sülzheimer junior auf, zusammen mit Dr. Heinzelmann nebst Tochter Klärchen, die er im Zug getroffen hat. Kaiserwetter am See erfordert auch einen echten Kaiser, der steigt im Weißen Rössl ab und Josepha beißt die Zähne zusammen und stellt den ansonsten ja tüchtigen Leopold wieder ein. Der benimmt sich schlecht und fliegt erneut. Der gütige Operettenkaiser regelt das für ihn und am Ende haben sich alle lieb.

Doch Regisseur Torsten Fischer, sein Ausstattungsteam und der Musikalische Leiter Harry Ermer setzen sich ganz bewusst über diese leichtsinnige Grundstimmung hinweg. Sie schicken eine Grußpostkarte aus der Sommerfrische und konzentrieren sich mangels großer bzw. vielstimmiger Besetzung und Ausstattungsmöglichkeit auf der kleineren Bühne auf den touristischen Aspekt des Stückes. Alles beginnt mit einem Andachtsjodler auf düsterer Bühne, die ganze Handlung hat in der hölzern getäfelten Gaststube mit Panoramabild und Gamsgeweih bei einheimischen Getränken und alpenländischer Musik ihren Ursprung. Vielleicht an einem regnerischen Abend, wo man sich Geschichten erzählt, von damals als der Kaiser kam oder der ortsunkundige Piefke ins Gebirge ging. Ein Kammerspiel im Salzkammergut, in das immer wieder eine andere Welt einbricht: Touristen jeglicher Couleur treten auf, der nörgelnde Berliner Großkotz mit Geld, ein smarter Stammgast, Vater und Tochter auf Entschleunigungsreise.

Und dann werden auch die Einheimischen wach und übernehmen die vom Tourismusmanager zugedachte Rolle als Animateure, die man aus dem, Prospekt und Operette kennt, sie erschaffen das gewünschte Operettenbild eines Postkartenidyklls: der schlawinernde Kellner im Biergarten, die resche Wirtin mit Herz oder die gut gelaunte Briefträgerin, der senil-huldvolle Kaiser vorm Kaiserstuhl. Harry Ermer und sein Quartett setzen auf die kleine Form, sie kreieren einen charmanten kammermusikalischen Rahmen mit Tuba, Trompete, Geige, Akkordeon, Klavier, Cello und Bass, der genau Benatzkys Stilvielfalt bedient und ohne Kitsch elegant zwischen Swing, Jazz, Operette und Revue wechselt.

Dabei kommen sie den unterschiedlichen stimmlichen Voraussetzungen der Besetzung entgegen. Musicalstar Andreas Bieber als Kellner Leopold und Winnie Böwe als Rössl-Wirtin werfen sich musikalische wie dialogisch die Bälle zu. Tonio Arango, Ralph Morgenstern, Walter Kreye, Angelika Milster, Nadine Schori und Annemarie Brüntjen übernehmen alle mehrere Rollen mit gut gelaunter Spielfreude, selbstironischem Augenzwinkern und viel stimmlichem Engagement. Als Piefke herrlich maulend, nörgelnd in eine Lederhose verfrachtet, hat Boris Aljinovic seinen großen Auftritt als Wilhelm von Giesecke. Am Ende regelt der Operettenkaiser alle Ränke, hat jeder sein Jodel-Diplom und wer eine Erlebnisreise gebucht hat, hat sie auch bekommen. Dem Publikum hat der Kurzausflug ins Operettenreich unzweifelhaft gefallen.

Das weiße Rössl: Aufführungen im Renaissance-Theater bis 7. September 2019

—| IOCO Kritik Renaissance Theater Berlin |—

Hagen, Theater Hagen, Im weißen Rössl – Erik Charell und .. , IOCO Kritik, 27.11.2010

Dezember 1, 2010 by  
Filed under Kritiken, Theater Hagen

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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Im weißen Rössl – eine hinreißende Musical Comedy

Musik Ralph Benatzky, Robert Stolz, Eduard Künneke

von Viktor Jarosch

 Das Theater Hagen zaubert mit ihrer Premiere  Im weißen Rössl  (27.11.2010) Leben in dunkle, kalte Winternächte.  Das  Cover des Hagener Programmheftes spricht dabei  brav von einem Singspiel, der Text schon treffender von einer Revue-Operette. Diese Produktion am Theater Hagen stellt eine wohl gelungene Musical Comedy dar.

Das Weiße Rössl besitzt eine markante Enstehungsgeschichte: Erik Charell, ehemals auch Pantomimentänzer, produzierte im pulsierenden Berlin der zwanziger Jahren populäre Tanzrevuen für das Große Schauspielhaus, dem heutigen Friedrichstadt-Palast.  Bekannte Komponisten,  Ralph Benatzky, Irving Berlin lieferten dazu die passenden Melodien.  Das Genre Tanz-Revue  kam damals in die Jahre; der umtriebige Erik Charell verwob es mit der ebenfalls darbenden Operette, mischte beides radikal auf, daß ein gänzlich neues  Genre entstand: Die  Revue-Operette.

Im weißen Rössl -Ralph Benatzky, Erik Charell und
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In eine solch fetzige Revue-Operette färbte Charell das dahinplätschernde Schauspiel  Im weißen Rössl von Oskar Blumenthal  um: Charell heuert als „Haupt-Komponisten“  Ralph Benatzky an.  Der mußte sich zu seinem Leidwesen damit abfinden, daß auch Robert Gilbert (Was kann der Sigismund dafür), Eduard Künnecke, Robert Stolz (Mein Liebeslied muß ein Walzer sein)  und andere an dem Charell-Stück  komponierten.  Mit  „Starallüren und den Größenwahn, das Nur-sich-selber-gelten-Lassen“  beschrieb Ralph Benatzky sein angestrengtes Verhältnis zu Chef  Charell. Der sehr erfolgreichen Uraufführung  des Weißen Rössl am 8. November 1930 (mit dabei Paul Hörbiger, das Schauspielhaus war in einen riesigen Gasthaus umgebaut) folgten zahllose ausverkaufte Vorstellungen in Berlin.  Ab 1933  stehen Erik Charell´s Produktionen leider auch für alles, was die Nazis als entartet beschreiben.  Der Jude aus Breslau, geboren als Erich Karl Löwenberg, flüchtet 1935 in die USA. Seinen deutlich jüngeren Geliebten nimmt er mit.  Und reussiert dort erneut, so auch am Broadway mit seinem White Horse Inn (Im weißen Rössl).  So weit die Geschichte.

Thilo Borowczak  schaffte am Theater Hagen eine facettenreich moderne Inszenierung mit liebevoller Unbeschwertheit. Er weitet die Finesse des Stückes, formt sie aus.  Die Inszenierung produziert bleibende Spannung  in filigraner Gestik, mit wechselnden Bühnenbildern,  mit der Musik spielenden Tänzen, aus fröhlicher Choreographie. Nicht die Handlung treibt, denn die gibt fast nichts her.  Thilo Borowcaks Inszenierung am Theater Hagen folgt  konsequent den Maximen Erik Charells: Tanz und Bewegung, lebendige Choreographie, liebevolle Provokation, Parodie, keine Wiederholungen.  So entstand  mit diesem Weißen Rössl eine weitgehend mitreißende Inszenierung,  keine sentimentale Heimatschnulze.  Schon der Beginn:  Bühnenarbeiter schimpfen lauthals hinter dem noch geschlossenem Vorhang  über ein verlorenes Mikro….. Dann das erste Bild:  Das Gasthaus Im weißes Rössl als überdimensierte, freizügig naiv bemalte Puppe, Matroschka-ähnlich, die Rösslwirtin andeutend. Mit anzüglichen Ausformungen, welche späteren Gasthausbesuchern als Balkonzimmer dienen. Von Anbeginn ungetrübtes schmunzeln.  Martina Feldmann´s  zahllos originellen Kostüme, Ricardo Viviani´s  Musik und Handlung dynamisch differenzierende Choreographie;  der Revuecharakter gut platziert, kein Polterabend:  Eine Stubenmädel-Revue, modisch in schwarzweißem Outfit mit Designer-Staubwedeln tanzend.  Die ganze Welt ist himmelblau bei schwebenden Weihnachtsbäumen.  Der 2. Akt anfänglich in tiefrotes  Moulin Rouge – Ambiente getaucht , Gewitter – Projektionen, Kugelfische, Schuhplattler und viel mehr …  Choreographie, Bühnenbild, Kostüme und Regie  in passender Inszenierungs-Einheit, kein ungefährer Haudraufklamauk. Auch Berhard Steiner am Pult besaß ein feines Händchen. Er führte Solisten, das Ballett, sein Orchester und die großen Chöre farbig in gutem Einvernehmen, von weltbekannten Gassenhauern über zündende Chorszenen zu frecher Komik. Die Walzer könnten nicht geschmeidiger sein: Eine Wucht.  Dazu ein starkes Ensemble: Werner Hahn als  Zahlkellner Leopold  nutzte die Angebote seiner zentralen Partie mit geöltem Wiener Akzent wie  Stefanie Smits als Josepha Vogelhuber, beide schauspielerisch stark und stimmlich präsent. Guido Fuchs als permanent berlinernder Fabrikant Wilhelm Giesecke und Tanja Schun als keifige Tochter Ottilie spielten mit karikierendem Verve.  Jeffery Krueger als Dr. Siedler und Stefanie Köhm als Klärchen glänzten mit apart timbrierten Stimmen. Aber auch Sigismund Sülzheimer (Richard van Gemert) und Postmadl Kathi (Verena Grammel) besitzen originelle Bühnenpräsenz ohne im Slapstick zu ersticken.

Das Publikum bedankte sich für diese aufwendige und gelungene Im weißen Rössl Produktion mit anhaltendem Beifall.  Wir waren verblüfft festzustellen,  zu welch hohen künstlerischen und inszenatorischen Leistungen kleinere Theater, heute  das Theater Hagen, fähig sind.

IOCO / Viktor Jarosch / 27.11.2010

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