Amsterdam, De Nationale Opera & Ballet, Rodelinda – Regina di‘ Longobardi, IOCO Kritik, 28.01.2020

 

Nationale Opera & Ballet Amsterdam © Luuk Kramer

Nationale Opera & Ballet Amsterdam © Luuk Kramer

De Nationale Opera & Ballet Amsterdam

Rodelinda – Regina di‘ Longobardi – Georg Friedrich Händel

– Eine Königin im Schatten der Geschichte ist erwacht –

von Peter M. Peters

Mitten in der Ouvertüre öffnet sich der Vorhang und man erkennt ein schneeweißes Herrenhaus in einer tiefschwarzen Landschaft. Unser erster Eindruck erinnert an Psycho von Alfred Hitchcock (1899-1980) und bestätigt sich sinngemäß bald, denn im Inneren des Gebäudes erkennt man die Hauptdarsteller der Geschichte. In einer stummen Pantomime stellen sie uns die blutige Vergangenheit ihres Familiendrama vor. Bei Claus Guth, dem deutschen Regisseur, ist die Person des Flavio (Sohn von Rodelinda und Bertarido) die sogenannte Leitfigur, ein psychisch verletztes Kind das unter Alpträumen und schrecklichen Visionen leidet. Flavios Traumvisionen überdecken die Zimmerwände mit kindlich-klugen Zeichnungen, die uns in Form von Projektionen über das ganze Haus, ja über die ganze Landschaft begleiten bis zum Ende.

Rodelinda – Georg Friedrich Händel
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In seinem Wahn sieht dieses schwer gestörte Kind, dass seine eigenen Bilder lebendig werden und die Familienmitglieder ihm böses anhaben wollen. Man ahnt das ganze Trauma eines kleinen Menschenwesen, dass in einer zerrütteten Familie ohne Vater umgeben von Hass und Gewalt aufwächst. Die gesamte Aktion spielt sich in „vier Wänden“ ab, sodass Klaustrophobie spürbar und eine Verfolgungswahn-Atmosphäre allgegenwärtig ist. Der Regisseur pendelt zwischen Psycho-Thriller, Phantasmagorie und Psychoanalyse und mit beeindruckenden Szenen-und Bildstillstand. Man hat unweigerlich den Eindruck, das in diesem Haus des Schreckens, Dr. Sigmund Freud (1856-1939) und Edgar Allan Poe (1809-1849) des öfteren die gleiche Türklinke benutzen und sich zuweilen die Hände schütteln. Die gesamte Aktion wurde in unsere Zeit transponiert, sodass es für uns fast ein alltägliches Ehedrama wird, indem wir zuweilen in übergroßen billigen BILD-Headlines lesen können: „Frau hat in einem Wutausbruch ihren Mann getötet!“.

Georg Friedrich Händel - Grabplatte © IOCO

Georg Friedrich Händel – Grabplatte © IOCO

Auch von der musikalischen Seite war es eine äußerst beeindruckende Leistung. Der italienische Dirigent Riccardo Minasi führte mit viel Eleganz und Fachwissen das schon mythische Concerto Köln durch die händelsche Partitur. Die in der Form schon sehr moderne Musik passte sich hinreißend mit der psychologischen Dramatik der Inszenierung an, sodass man sich mitunter fragt: Ist das Georg Friedrich Händel oder Bernard Herrmann…?

Rodelinda, die trauernde Witwe des vermeintlichen toten Bertarido, saß untröstlich weinend in ihrem Schlafzimmer, interpretiert von der englischen Sopranistin Lucy Crowe. Das Timbre der Sängerin hat einen etwas kühlen und rauhen Grund, blüht jedoch in jeder ihrer Arien auf zu nie geahnten kristallenen Höhen. Die richtige Stimme, um je nach Anlass, Trauer, Sehnsucht, Liebe, Wut, Hass, Brutalität zu versinnbildlichen. Und Mr. Haendel war sehr großzügig in der Arienverteilung für die Königin, mehr als acht an der Zahl. Hier nur drei Beispiele: In der Arie: „Ho perduto il caro sposo“ (1.Akt) wird die Sängerin von zwei weinenden Violinen begleitet und sie muss sich den Instrumenten anpassen, um die gleiche stets nach unten verkrampften Intonationen zu finden. In „Spietati, io vi giurai“ (2.Akt) zeigt sie Handlungsbereitschaft und große Wut, sodass sie in ihrer Arie mit den Oboen wetteifern muss und ihre Vokalisen müssen die nötige Stärke haben um die Auswirkung der Synkopen zu wiederstehen. In der Arie „Ritorna, o caro e dolce mio tesoro“ (2.Akt), ein absoluter Höhepunkt einer reinen und leidenschaftlichen Liebeserklärung an ihren Mann. Unser caro Saxone komponiert einen Vokalsatz, der Mozart (1756-1791) erblassen lässt, der in einer glücklichen Melodienlinie seine totale Homogenität hält und alle Noten und Beugungen sind von absoluten Wert. Die Stimme der Sopranistin erklimmt und umgeht alle diese gefährlichen Fallen souverän.

De Nationale Opera & Ballett Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

De Nationale Opera & Ballet Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

Der amerikanische Countertenor Bejun Mehta ist ideal besetzt für die Rolle des Bertarido, einfach wie geschaffen für ihn. Sein elegantes und sensibles Timbre klingt natürlich in allen Höhen und zeigt keinerlei Effekthascherei. Wie geschaffen für den zärtlich liebenden Vater und Gatten, der auf Thron und Macht verzichtet für seine Familie. „Dove sei, amato bene?“ (1.Akt), in einem Klima der Liebesnostalgie und entrückter Sehnsucht schwelgt die hautnahe Arie dahin. Das ist der große Händel in seiner ganzen Einfachheit und Schönheit und man denkt an die zukünftige „Ombra mai fu“ aus Serse. Für uns war der Sänger einfach sensationell, indem er mit derartigen Impulsen glaubwürdig das ganze Leiden seiner Situation in große Kunst umwandelte. Und wir schämen uns nicht, dabei einige Tränen verloren zu haben. Die Arie „Vivi tiranno!“ im 3.Akt zeigt noch einmal das großzügige Wesen Bertaridos gegenüber seinem Feind, sein eigener Bruder Grimoaldo. Psychologisch und musikalisch zeigt es die Seelengröße eines Siegers, der nicht an Rache denkt und seine moralische Überlegenheit zeigt. Zwei Oboen wetteifern mit dem Sänger, der ein beeindruckendes musikalischen Feuerwerk in Tempo und Virtuosität vollführt, aber weit ab von der akademischen Schnörkelkoloratur.

Der schweizer Tenor Bernard Richter schlüpft in die Rolle des Tyrannen Grimoaldo und sein stahlkühles höhensicheres Timbre, dazu mit einer ausgezeichneten Technik versehen, beweist sich als äußerst geeignet für diese Rolle. Grimoaldo in seinem Größenwahn verliebt sich aus nichts als Eitelkeit plötzlich in seine Schwägerin. Wie ein aufgeplusterter Pfau im Frack und seidengefütterten Umhang erscheint er mit roten Rosen und Champagner vor ihr mit einem Heiratsantrag. Er erinnert an einen Filmstar aus einem vergangenen Hollywoodtraum oder aus der Babelsberger UFA-Filmfabrik. Die selbstsicheren großen hohlen Phrasen und Bewegungen sind die typischen Zeichen eines feigen Möchtegerns. Seine Arie: „Io già t’amai, ritrosa“ (1.Akt) singt er mit kalter Virtuosität, indem in einer Folge von Sprüngen die Intervalle sich jedes Mal erhöhen. Eine geniale musikalische Charakterstudie des Komponisten. „Tuo drudo è moi rivale“ (2.Akt) ist eine furchtbare Rachearie, in der der reine Zorn entspringt und in einem Wutschwall sich zu schwindelerregenden Koloraturen aufschwingt. Vom sängerischen sowie vom schauspielerischen hat der Sänger eine überragende Leistung vollbracht.

Die liebenswerte freundschaftliche mit einem Hang zur Naivität erscheinende Person des Unulfo wird mit viel Sensibilität und Feingefühl von dem amerikanischen Countertenor Lawrence Zazzo interpretiert. In der Vergangenheit gewöhnt die großen Hauptrollen seines Faches auf den Weltbühnen zu singen, gehört er nun schon ein wenig zu den Veteranen der jüngeren Generation. Doch sein Timbre ist nach wie vor von reiner Schönheit, nur naturgebunden etwas reifer und die Tonprojektion ist leiser. Er ist Diener, Freund und Ratgeber von Bertarido und seiner Frau Rodelinda, aber gleichzeitig auch Erzieher des Knaben Flavio in dieser Inszenierung. „Fra tempeste funeste a quest’alma“ (2.Akt) ist einer der Momente, wo Händel uns an Bach (1685-1750) erinnert, indem er Folgen von melodischer Serenität in einer vertrauensvollen Atmosphäre von Licht und Frieden herstellt. Wunderschön interpretiert mit feinen edlen Legatos.

De Nationale Opera & Ballett Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

De Nationale Opera & Ballet Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

Eduige, die Schwester Bertaridos, ist ein wenig das schwarze Schaf der Sippe, sie hat den Hang zur Intrige und Manipulation und das kann für eine Familie Fatal sein. Die serbische Mezzosopranistin Katarina Bradic singt ihre Rolle mit einem Timbre, indem das Medium äußerst tief liegt, sodass sie gesanglich ideal die dunklen Schattenseiten ihrer Bühnenfigur darstellen kann. „De miei scherni per far le vendette“ (2.Akt) könnte man eine Seelenexplosion nennen, wenn ein stolzes Wesen durch vermeintliche Liebe verwundet wurde. Hass und Rache wird aus den tiefsten Tiefen geschleudert um sich in grausame Rache zu verwandeln. Auch hier hat Händel feinfühlig die Subtilität eines gespaltenen Charakters in Musik umgesetzt. Die Violinen begleiten die Arie subtil mit einer Ambiguität zwischen melodischem und harmonischen Moll.

Garibaldo, zweifelhafter Freund, Berater und Konkurrent von Grimoaldo, ist der Bösewicht vom Dienst mit tiefschwarzer Seele und teuflischen Ideen. Der italienische Bass Luca Tittoto ist die perfekte Inkarnation dieser Rolle. Seine Stimme hat die rabenschwarzen Tiefen im Register und sein Timbre ist voll von dämonischen Akzenten. „Tirannia gli diede il regno“ (2.Akt) zeigt das Ergebnis einer brutalen Kraft als Faktor für Macht und Tyrannei. Iago und Pizarro erbten die gleichen Charakterzüge.

Die stumme Rolle des Thronfolgers Flavio ist wie schon erwähnt die Leitfigur in diesem Drama. Der kleinwüchsige kolumbianische Schauspieler und Mime Fabiàn Augusto Gomez spielt seine Rolle mit kindlichem Eifer und Natürlichkeit. Dieser Halbwüchsige ist durch psychologische Misshandlung ein geistig geschwächtes Kind geworden, dass ohne Unterlass durch das große unheimliche Geisterhaus poltert um seinen vermeintlichen Quälegeistern zu entkommen. Aber gleichzeitig zeigt er eine ausgeprägte kindliche und natürliche Neugierigkeit und geht auf Spurensuche seiner eigenen Phantome, indem er an allen Türen und Wänden horcht und seine Zimmerfenster im ersten Stock als Aussichtsturm benutzt. Von seiner Warte beobachtet er alle menschlichen Bewegungen, Ein-und Ausgänge um sie in seinem Tagebuch zu zeichnen. Diese Berichterstattung in Form von Zeichnungen übersähen alle Wände des Hauses und sind eine ungeahnte Selbsttherapie für den Urheber, aber auch Warnung an die Erwachsenwelt: Halt! Hier leidet ein unschuldiges Kind!

Eine sehr große bewegende Interpretation, die versucht, innere Einsamkeit und Zerrissenheit einer psychisch geschwächten Kinderseele wieder zu spiegeln.

De Nationale Opera & Ballet, Amsterdam:  Besuchte Vorstellung:  Rodelinda, 16.01.2020


De Nationale Opera & Ballett Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

De Nationale Opera & Ballet Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

Geschichtliche Betrachtungen zu Rodelinda und den Langobarden

Das Leben von Rodelinda, der in Scherben gefallenen mythischen Gestalt des hohen Mittelalters zu erwecken ist keine leichte Aufgabe, denn man muss in mühevoller Kleinarbeit Geschichtssplitter wie ein Archäologe sammeln und zusammen kitten. Das Schicksal einer Langobardenkönigin nach zu zeichnen, ein germanisches Volk aus dem Norden das sich um 569 in Italien ansiedelte, ist mehr als wage. Denn die Geschichtsschreibung dieser Zeit sagt nicht viel aus über eine Herrscherin und somit hinterließ Rodelinda im Gegensatz zu ihren männlichen Herrscherkollegen eben nur einige Bruchstücke ihrer Geschichte.

Bei Paulo Diacono handelt es sich um den Benediktiner Paulus Diaconus, wichtigster Geschichtsschreiber der Langobarden. Paul der Diakon lebte etwa von 720/30-796 und war schon zu Lebzeiten ein berühmter Dichter, der mehrere Jahre am Hofe Karls des Großen (742-814) weilte. Um 790 zeichnete er seine in zahlreichen Handschriften verbreitete Historia Langobardorum auf. Ihr Inhalt ist aus älteren Quellen wie Grégoire de Tours (538-594) Historia Francorum (572), aus überlieferten Sagen, Legenden, Romanzen und Anekdoten mündlicher Überlieferungen zusammen getragen.

Aber wie kommt es dass eine geschichtliche Randfigur plötzlich aus dem Schattenreich aufsteigt und zum Idealbild der Eheliebe und Gattentreue ihrem Mann Perctarits (oder Bertarido) Thron und Leben rettet? Nicht Paulus Diaconus‘Chronik, sondern Pierre Corneilles (1606-1684) dramatisches Talent, „Heldensseelen zu bilden“ – Goethe (1749-1832), ist dafür verantwortlich. Bei der Suche nach historischen Tragödienstoffen war Corneille in Flavius Blondus (1392-1463) Historiarum ab inclinatione Romanorum (1483), Antoine du Verdiers (1544-1600) Diverses leçons (1610) und Erycus Puteanus (1574-1646) Historiae barbaricae (1614) auf Perctarits (?-688) Schicksal gestoßen, und somit auch dass der treuen Gattin Rodelinda. Um die Jahreswende 1651/52 hatte Pertharite, Roi des Lombards Premiere und wurde nach zwei Aufführungen wegen Misserfolgs zurückgezogen. Das Publikum wollte keinen König vorgeführt bekommen, der Frau und Kind zuliebe auf sein Reich verzichtet und letztlich der Gemahlin seine Krone verdankt.

Erst als Oper hatte das Drama Erfolg, denn Stoff und Thema der Tragödie waren geradezu ideal für eine Opera seria. Corneilles Tragödie, deren überarbeitete Version 1663 im Druck erschienen war, diente zwei unterschiedlichen Rezeptionsträgern als Opernvorlage; eine behielt die corneillesche Titelfigur bei, der andere machte das historische Mauerblümchen Rodelinda zur Titelheldin und Protagonistin.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Die erste Grundversion stammt von Stefano Ghigi (um 1680). Er lieferte das Libretto für Carlo Francesco Pollarolos (1653-1723) Flavio Bertarido, Re dei Langobardi (1706). Christian Gottlieb Wend (?-1745) übersetzte dieses Libretto für Georg Friedrich Telemann (1681-1767), dessen Flavius Bertaridus, König der Langobarden (1729) erfolgreich in Hamburg uraufgeführt wurde. Die andere Ausgangsfassung stammt von Antonio Salvi (1664-1724), Arzt in Diensten der Medici und eifriger Librettist für Opernaufführungen für die Prinzenvilla in Pratolino. Der versierte Theaterautor schrieb gestützt auf die Übersetzung der Historia Langobardorum in Emmanuele Tesauros (1592-1675) Del Regno d’Italia sotto i Barbari (1663) ein höchst erfolgreiches Libretto: Rodelinda, Regina de‘ Langobardi. Im Ergebnis ist Rodelinda nicht länger nur „Frau des Perthrite“, sondern die nunmehr im Personenverzeichnis an erster Stelle und im Mittelpunkt der Handlung stehende „Regina de‘ Longobardi“. Hier agiert eine wahrhaft königliche Frau, mutig, entschlossen, tugendhaft, charakterfest, überlegt und willensstark. Auch in größter Bedrängnis behält sie unerschrocken als treu liebende Gattin Haltung und das Heft in der Hand.

So wurde unsere Schattenkönigin eine Titelheldin und zugleich eine der eindrucksvollsten Frauenfiguren des 16.Jahrhundert, vielleicht eine der Vorkämpferinnen für Frauenrechte. Besonders machte sie Karriere auf dem barocken Musiktheater: Salvis Rodelinda hatte in der Vertonung des Florentiner Komponisten Giacomo Antonio Perti (1661-1756) am 21.September 1710 Uraufführung. Danach wurde Salvis Libretto noch mehrfach vertont: 1724 durch Giovanni Antonio Canuti (1680-1739), 1725 anonym unter dem Titel L’amor costante. 1741 war die Uraufführung des Singespiels Rodelinde von Carl Heinrich Graun (1704-1759), für das Johann Christoph Rost (1717-1765) die Salvi-Bearbeitung von Giovanni Gualdberto Bottarellis (1741-1783) übersetzt.

Der Librettist der Royal Academy of Music am King’s Theatre, Nicolà Francesco Haym (1678-1729), war es, der Salvis Textbuch für Georg Friedrich Händel (1685-1759) bearbeitete. Am 13.Februar 1725 wurde einer von dessen größten Opernerfolgen uraufgeführt: Rodelinda, Regina de‘ Longobardi. Hayms Libretto schärfte das dramatische Profil und steigerte die psychologische Glaubwürdigkeit zumal der Hauptperson, die dadurch als Opernkönigin nicht nur Gestalt, sondern auch Format gewonnen hat. Rodelinda, enstanden auf einem künstlerischen Höhepunkt in Händels Schaffen, galt seit jeher als eine der bedeutendsten Opern des Komponisten. Nicht weniger mag dazu der Umstand beigetragen haben, dass das Werk in Deutschland lange Zeit als ein Hymnus an die treue Gattenliebe angesehen wurde und so gewissermaßen an der Popularität des Fidelio teilhatte. Aber wenn auch Rodelinda, wie später Leonore, eine tapfere, gegen alle Zumutungen und Erpressungsversuche eines Tyrannen unerschrocken sich wehrende Frau ist, wenn auch die Kerkerszene zu Beginn des 3.Aktes unwillkürlich an Beethoven denken lässt, so schrieb Händel doch keine „Befreiungsoper“. Freilich hat Händel solcher Interpretation unfreiwillig dadurch Vorschub geleistet, dass er und sein Librettist Haym die Oper ganz auf das Dreieck Rodelinda/Bertarido/Grimoaldo hin zentrierten und den Protagonisten ein Höchstmaß an Überzeugungskraft und Dramatik verleihen.

Nach der Premiere in London machte Rodelinda als Frauenfigur Furore in der Gestalt der Primadonna Francesca Cuzzoni (1696-1778), eine der größten Sängerinnen jener Zeit mit einem „süß-ergreifenden Timbre“, die indem sie mit nachhaltigem Eindruck der Titelfigur wahres Leben einhauchte. Ein Augenzeuge, der berühmte Musikwissenschaftler und Komponist Charles Burney (1726-1814), verrät es: „In einem braunen Seidenkleid, das mit Silber besetzt und frech bis an die Grenze des Schicklichen ausgeschnitten war, kam sie heraus, von einer Indezenz, dass alle alten Damen Anstoß nahmen, und die jungen brachten es allgemein in Mode, dass es eine nationale Uniform für Jugend und Schönheit geworden zu sein schien.“ Die historische Langobardenkönigin ist endgültig gerächt und steigt aus ihrem Schattenreich triumphierend auf um als Popstar und Mode-Queen, eben als eine junge selbstbewusste Frau zu erscheinen. Viva la libertà! Viva la donna!

De Nationale Opera & Ballett Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

De Nationale Opera & Ballet Amsterdam / Rodelinda © Monika Rittershaus

Zeugnisse über Georg Friedrich Händel

Charles Burney, Komponist (1726 – 1824): „Händels Figur war groß, und er war etwas untersetzig, stämmig und unbehülflich in seinem Anstande; sein Gesicht aber, dessen ich mich noch so lebhaft erinnere, als ob ich ihn gestern gesehen hätte, war voller Feuer und Würde und verriet Geistesgröße und Genie. Er war zufahrend, rauh und entscheidend in seinem Umgange und Betragen, aber ohne alle Bösartigkeit und Tücke.“ (1784)

Joseph Haydn (1732-1809):  „Er ist unser aller Meister.“ (1791)

Ludwig van Beethoven (1770-1827):  „Ich würde mein Haupt entblößen und auf seinem Grabe niederknien.“ (1823)

Robert Schumann (1810-1856):  „Mit Händel, an dem die Engländer nichts verdrießt als sein deutscher Name, soll keine Nation so vertraut sein als die englische. Man hört ihn mit Andacht in der Kirche, singt ihn mit Begeisterung bei den Gastmahlen; ja, Lipinski erzählt, er habe einen Postillon händelsche Arien blasen hören.“ (1823)

Paul Henry Lang (1901-1991):  „In der Musikgeschichte gibt es keinen Komponisten, der gründlicher missverstanden und missdeutet worden ist als Händel.“ (1979)

—| IOCO Kritik De Nationale Opera & Ballet Amsterdam |—

Wien, Theater an der Wien, A Midsummer Night’s Dream – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 07.05.2018

Mai 7, 2018 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

 A Midsummer Night’s Dream –  Benjamin Britten

Puck – Der Außenseiter an der Schule – Er allein kann seine Gefährten sehen

Von Marcus Haimerl

 Benjamin Britten Denkmal am Strand von Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Denkmal am Strand von Aldeburgh © IOCO

Eine völlig neue Sichtweise auf Benjamin Brittens 1960 beim Aldeburgh Festival uraufgeführter Oper A Midsummer Night’s Dream zeigt Regisseur Damiano Michieletto im Theater an der Wien. Die zentrale Frage seiner Regiearbeit war der Grund für das Verhalten von Puck, warum dieser frech ist und stets auf neue Streiche sinnt.

Die Lösung führt Michieletto nicht nach Athen, sondern in ein Internat („Athen könnte der Name der Schule sein“, so der Regisseur) und statt des Waldes landen die jugendlichen Liebespaare im Turnsaal (Foto unten).

Puck ist Außenseiter an der Schule, hat aber Gefährten, die nur er sehen kann. In eben dieser Welt dient Puck dem Elfenkönig Oberon. Puck soll Zauberblumen besorgen, dessen Pollen in den Augen eines Schlafenden gestreut, diesen in die erste Person verliebt macht, die er erblickt. Damit soll Oberons Gattin Tytania ein Streich gespielt werden.

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Lysander und Hermia sind ineinander verliebt und wollen die Nacht in der Schule verbringen, sie planen durchzubrennen. Aber auch Demetrius und Helena sind noch heimlich in der Schule geblieben. Und auch Demetrius ist in Hermia verliebt. Helene wiederum ist in Demetrius verliebt und verfolgt ihn, trotz Abweisung, mit ihrer Liebe. Oberon beobachtet die beiden und gibt Puck auch die Anweisung Demetrius zu suchen und diesen mit Pollenstaub zu bestreuen um ihn in Helena verliebt zu machen.

Doch auch andere Jugendliche verbringen die Nacht in der Schule: Quince, Flute, Starveling, Snout, Snug und Bottom. Diese proben für eine Theateraufführung, die antike Liebestragödie Pryamus und Thisbe.

Zwischenzeitlich findet Puck den schlafenden Lysander und hält diesen für den Gesuchten. Er bestreut ihn mit Blütenstaub und der erwachende Lysander verliebt sich in die vorbeikommende Helena. Währenddessen wurde auch Tytania von ihrem Elfenhofstaat in den Schlaf gesungen und Oberon verabreicht ihr ebenfalls den Zauberblumenstaub.

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Die jungen Leute (Foto) proben mittlerweile lautstark das Stück und Puck ist verärgert darüber, dass Tytania erwachen könnte. Er verwandelt Bottom in einen riesigen Monsteresel, in den sich die erwachende Tytania verliebt. Das Chaos ist perfekt und die Problemlösung Pucks, er verpasst nun auch Demetrius den Zauberstaub, führt zu noch mehr Chaos.

Am Morgen lässt nun Oberon den Esel verschwinden und erlöst auch Tytania vom Zauber. Auch von den jungen Liebespaaren löst sich der Zauber, alle erinnern sich an die nächtlichen Liebeswechsel. Auch Bottom hat seltsame Erinnerung an amouröse Abenteuer im Eselsfell.

Auch vor den Lehrern Theseus und Hyppolyta ist das nächtliche Treiben nicht unentdeckt geblieben, dennoch fällt die Strafe milde aus und die Paare dürfen zusammenbleiben. Nun beginnt auch die Liebestragödie Pryamus und Thisbe der auch Puck zusieht. Beim Tod des Liebespaares erinnert sich Puck plötzlich an den Unfalltod seiner Eltern und erkennt, dass Oberon und Tytania nur Imaginationen seiner Eltern sind. Er begreift nun deren Tod und als er einschläft entlassen ihn Oberon und Tytania aus der Elfenwelt: er soll sich wieder dem Leben zuwenden.

 Das Trauma des jungen PuckMittelpunkt der Regie

Im Mittelpunk stellt Michieletto also dieses Trauma des jungen Pucks, der sich seine Elfenhaftigkeit selbst kreiert hat. Schrittweise führt der Regisseur das Publikum an die Lösung heran. Immer wieder werden kurze Filme eingespielt: die Familie beim Frühstück, bei der Autofahrt und schließlich die verunfallten Eltern, die Puck die Wahrheit vor Augen führen. Auch wird in diesen kurzen Filmen klar, wie Bottom zu eben jenem Esel wurde. Dieser Esel war ein Kuscheltier, welches die Eltern Puck geschenkt hatten.

Das Bühnenbild von Paolo Fantin zeigt eine Schulaula mit einer Theaterbühne, welche in den hinteren Bühnenraum geschoben den Turnsaal zeigt. Neonfarben bestimmen die Verwicklungen dieser Sommernacht, orange der Zauberstaub der Blumen, grün die Leuchtröhren die in den Turnsaal hängend, den Wald ersetzen und neonfarben auch die Masken, welche in der Elfenwelt getragen werden.

Intensiv ist die Personenführung des venezianischen Regisseurs, der die Teenager durch den Turnsaal jagen und lieben lässt und die „Schauspieler“ der Theateraufführung von Pryamus und Thisbe ordentlich herumalbern lässt.

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Theatr an der Wien / A Mid Summer Night´s Dream © Werner Kmetitisch

Musikalisch lässt diese Produktion keinerlei Wünsche offen. Auf der irdischen Seite: Rupert Charlesworth (Lysander) und Tobias Greenhalgh (Demetrius) beweisen neben enormen Körpereinsatz einen ebensolchen stimmlichen Kraftakt bis zur Erschöpfung um die liebliche Mirella Hagen (Helena). Dieses Kleeblatt wird hervorragend durch Natalia Kawalek (Hermia) ergänzt. Eine stimmliche Urgewalt ist Tareq Nazmi (der in einen Esel verwandelte Nick Bottom), beeindruckend auch Lukas Jakobski (Peter Quince), Michael Laurenz (Francis Flute), Dumitru Madarašan (Snug), Andrew Owens (Tom Snout) und Kristján Jóhannesson (Robin Starveling). Auch die Feenwelt überzeugt: Countertenor Bejun Mehta als berührend lyrischer Oberon und Daniela Fally mit hellem, klarem Sopran als unglaublich intensive Tytania. Maresi Riegner ist ein eindringlicher, berührender, zwischen diesen beiden Welten gefangener Puck. Günes Gürle (Theseus) und Ann-Beth Solvang (Hyppolyta) fügen sich nahtlos in das exzellent besetzte Ensemble ein.

Dirigent Antonello Manocarda kostet mit den Wiener Symphonikern die gesamte Bandbreite von Brittens Partitur aus und verzaubert das Publikum mit zarten, dunklen Glissandi und ist dem gesamten Ensemble und den St. Florianer Sängerknaben ein hervorragender Partner. Eine Produktion die insgesamt große Freude bereitet und darauf hoffen lässt, dass Benjamin Britten wieder vermehrt den Weg in die großen Opernhäuser findet.

—| IOCO Kritik Theater an der Wien |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 2017/18 – Teurer Kulturtempel öffnet die Pforten, IOCO Aktuell, 30.06.2017

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper im Schillertheater

 2017/18 – Staatsoper Unter den Linden – Im Wandel

 Wiedereröffnung:  3.10.2017 – 7.12. 2017

Auf der Jahrespressekonferenz der Staatsoper Unter den Linden stellten im Intendanzgebäude der zum 31.3.2018 scheidende Intendant Jürgen Flimm (75), Matthias Schulz (40) und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim (74) den Spielplan 2017/18 vor. Der Geschäftsführende Direktor der Staatsoper, Ronny Unganz, fehlte, ohne Erklärung. Die Pressekonferenz der Lindenoper galt so sichtbar allein der Kunst, dem Künstlichen. Matthias Schulz, als Konzertchef der Salzburger Festspiele erstmals prominent in der Öffentlichkeit, ab 1.9.2017 Co-Intendant der Staatsoper, wird zum 1.4.2018 Intendant und Nachfolger Flimms. Doch Jürgen Flimm scheidet nur als Intendant; der Lindenoper und den Berlinern bleibt er weiterhin erhalten: Als Regisseur kehrt er bereits am 7.7.2018 mit der deutschen Erstaufführung von Salvatore Sciarrinos Ti vedo, ti sento, mi perdo an die Lindenoper zurück.

Staatsoper unter den Linden / Manager Flimm, Barenboim, Schulz © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Manager Flimm, Barenboim, Schulz © IOCO

Es war eine auffällige Pressekonferenz. Erwartungen, daß die Lindenoper-Chefs, Flimm, Barenboim und Schulz, vor Begeisterung über die anstehende Rückkehr an das Stammhaus platzten würden, wurden enttäuscht. Die teure Luxusoper im Herzen Berlins: Nebensache! Obwohl zu den verkündete Lindenoper-Eröffnungsterminen 3.10.2017 und 7.12.2017 Unsicherheit dominierte. In Abwesenheit von Direktor  Ronny Unganz klang Jürgen Flimm zur Wiedereröffnung merkwürdig resignativ als er sagte: „Wir glauben es (den Termin) bis heute immer noch nicht..  zupfen uns am Ohr… kleine Angst haben wir immer noch..„.  Die Zeit zwischen dem 3.10. und dem 7.12.2017 sei erforderlich, um die neue Bühnentechnik zu testen und Inszenierungen der neuen Technik anzupassen. Zum  profanen Alltag, wie Budget, Auslastung, Einnahmen hörte man von Flimm nur, daß das „kleine“ Schillertheater mit 90% ausgelastet sei. Flimm & Co konzentrierten sich sehr routiniert nur auf künstlerische Erfolge der laufenden Spielzeit, „Triumphe (?) in der Carnegie Hall..„, auf 2017/18 kommende Inszenierungen, auf Flüge der Staatskapelle in Barenboims Heimat ans Teatro Colon in Südamerika; man freute sich über Dirigate des seit vielen Jahren nach London abwandernden Simon Rattle, erklärte Claude Debussys´ Bedeutung in der Musik und ähnliches. Anders Dominique Meyer, Chef der Wiener Staatsoper: Auf dessen Pressekonferenzen werden, sehr professionell, nicht nur den „Erfolgen“, sondern auch Problemen, dem Opernalltag, Auslastungen, Budget, Besucheralter oder Frauenquoten allzeit detailliert Platz einräumt.

 Staatsoper Unter den Linden im Juni 2017 - Ohne Verschalung © IOCO

Staatsoper Unter den Linden im Juni 2017 – Ohne Verschalung © IOCO

Eine der Pressekonferenz folgende, 2-stündige Führung mit Bauhelm und auf eigene Gefahr, gab umsomehr Aufschluß über Status und Ziele der Sanierung. Kay Keßner, an der Lindenoper auch auf der Bühne aktiv, erklärte der Presse in vielen Details, auf der Hauptbühne wie den vier Rängen der Lindenoper, in Proberäumen, in tiefen unterirdischen Gänge mit logistischer Hightec, das Primat des Denkmalschutzes bei der Sanierung, die große Bedeutung von Erich Kleiber (1890 – 1956) und Vater von Carlos Kleiber für den Erhalt der Lindenoper und Apollosaal in  alten, klassischen Strukturen. Keßner führte in die neuen Probenräume für Orchester und Chor; er führte aus, wie Nachhallzeiten der Lindenoper durch um 3.000m³ auf 9.500m³ vergrößertes Raumvolumen oder in Probenräumen durch aufwendig sanierte Wand- und Vorhangstrukturen gesteuert werden. Die mit knapp 1.400 Plätzen nicht große Lindenoper wird durch neue Bestuhlung noch 30 Plätze einbüßen.  Zum Zeitpunkt der Führung war in der Lindenoper noch wenig fertig: Blanke Bretter, kreischende Maschinen, Schläuche, rohes Mauerwerk, hämmernde Arbeiter. Kay Keßner glaubte fest an den offiziellen Eröffnungs-Termin. Doch ob am 7.12.2017 oder irgendwann: Die  neue Lindenoper im Herzen Berlins wird zu einem Juwel deutscher Kultur werden, wenn auch unendlich teuer erkauft.

Staatsoper Unter den Linden / Sanierung - Blick vom vierten Rang © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Sanierung – Blick vom vierten Rang © IOCO

3.10.2017: WIEDERERÖFFNUNG LINDENOPER

Wenn sie dann stattfindet!

Am 3. Oktober 2017, fünf Tage nach Abzug der Bauarbeiter, erleben Berliner die erste Vorstellung in der sanierten neuen Lindenoper: Robert Schumanns romantische  „Szenen aus Goethes Faust“ mit großem Aufgebot an Solisten, Chören und Musikern; dazu Sinfoniekonzerte in der Oper, der Philharmonie und auf dem Bebelplatz. All dies soll ab 3.10.2017 einen neuen Anfang verkünden, ist Teil eines neutätigen PRÄLUDIUMS. Den Auftakt des PRÄLUDIUM bildet das Open-Air-Konzert STAATSOPER FÜR ALLE mit Daniel Barenboim, der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor am 30. September um 17 Uhr unter freiem Himmel auf dem Bebelplatz bei freiem Eintritt. Am folgenden Tag, dem 1. Oktober, haben Berliner sowie Gäste aus aller Welt die Möglichkeit, die Lindenoper bei musikalischen Führungen zu erkunden.  Am 7. Oktober sind die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Zubin Mehta in der Staatsoper Unter den Linden zu Gast. Am 8. Oktober wird die Neue Werkstatt mit »Rivale«, einer Uraufführung von Lucia Ronchetti als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden, in der Regie von Isabel Ostermann und unter der musikalischen Leitung von Max Renne eingeweiht (weitere Termine: 11., 14., 15., 17., 19., 20. und 22. Oktober 2017). Das Programm des PRÄLUDIUM wird für alle live auf den Bebelplatz übertragen.

Am 7.10.2017 Abends ist wieder Stille in der Lindenoper; Technik, Inszenierungen, Theater-Mitarbeiter müssen gelernt, getestet werden; bis 7.12.2017: An diesem Tag findet die formelle Eröffnung des Opernhauses Unter den Linden statt; mit Feiern und einem Geburtstagskonzert zur Gründung des Opernhauses vor 275 Jahren: Die Staatskapelle Berlin spielt aus Ein Sommernachtstraum, dazu Kompositionen von Pierre Boulez und Richard Stauss. Am 8.12.2017 beginnt der wahre Opernbetrieb: Mit der Premiere von Hänsel und Gretel in der Inszenierung von Achim Freyer (83).

Staatsoper Unter den Linden / in der Sanierung / Blick von der Hauptbühne in den Zuschauerraum © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / in der Sanierung / Blick von der Hauptbühne in den Zuschauerraum © IOCO

2017/18 – BESONDERE AKZENTE

Besondere Akzente setzen 2017/18 acht Premieren auf der großen Bühne (darunter eine deutsche Erstaufführung), zwei Uraufführungen und vier Premieren in der Neuen Werkstatt, 13 Musiktheaterwerke aus dem Repertoire sowie mehr als 90 Konzerte. Die bereits zum 23. Mal veranstalteten FESTTAGE kehren zurück an ihren Gründungsort, während das Festival für Neues Musiktheater INFEKTION! erstmals Unter den Linden stattfindet. Insgesamt sind es über 290 Veranstaltungen plus zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Darüber hinaus führen Gastspiele die Staatskapelle Berlin u. a. nach Dresden, Paris, Wien, Salzburg und Buenos Aires.

Staatsoper Unter den Linden / Riesiger sanierter Probenraum für Orchester mit speziellen Nachhall Konstruktionen © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Riesiger sanierter Probenraum für Orchester mit speziellen Nachhall Konstruktionen © IOCO

2017/18: PREMIEREN UND REPERTOIRE

Alte Freunde: Anna Netrebko mit Ehemann an der Staatsoper

Daniel Barenboim wird in der kommenden Spielzeit neben Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ (Premiere: 3. Oktober) drei weitere Neuproduktionen dirigieren. Zum einen Wagners »Tristan und Isolde« in der Regie von Dmitri Tcherniakov mit Andreas Schager und Anja Kampe in den Titelrollen (Premiere: 11. Februar 2018), zum anderen zwei Verdi- Opern: die FESTTAGE-Premiere mit »Falstaff«, inszeniert von Mario Martone, mit Michael Volle, der sein Rollendebüt in der Titelpartie gibt (Premiere: 25. März 2018) sowie »Macbeth« mit Harry Kupfer (81) als Regisseur und mit Plácido Domingo (76 – 80) und Anna Netrebko als Macbeth und Lady Macbeth (Premiere: 17. Juni). Darüber hinaus wird Daniel Barenboim die Wiederaufnahmen von Wagners »Parsifal« und Debussys »Pelléas et Mélisande« musikalisch leiten. Yusif Eyvazov, Ehemann von Anna Netrebko, hier die Heirat in Wien,  wurde, passend zu den Juni Macbeth Terminen seiner Anna Netrebko, mal eben gleich mit an die Lindenoper geladen: Ab 2.6.2018 macht Eynazov den Cavaradossi in Tosca.

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch die Lindenoper © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch die Lindenoper © IOCO

Zu den weiteren Premieren der Spielzeit 2017/18 zählen Engelbert Humperdincks »Hänsel und Gretel« inszeniert von Achim Freyer (81) und dirigiert von Sebastian Weigle (Premiere: 8. Dezember), Claudio Monteverdis »L’incoronazione di Poppea« in der Regie von Eva-Maria Höckmayr, gespielt von der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Diego Fasolis (Premiere: 9. Dezember), sowie „Altrocker“ (so Jürgen Flimm) Hans Neuenfels´ Neuproduktion von Richard Strauss´ »Salome«, musikalisch geleitet von Zubin Mehta, Ehrendirigent der Staatskapelle Berlin (Premiere: 4. März). Mit der deutschen Erstaufführung von Salvatore Sciarrinos »Ti vedo, ti sento, mi perdo«, im Rahmen von INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater, kehrt Jürgen Flimm wenige Wochen nach dem Ende seiner Amtszeit als Intendant als Regisseur an das Haus zurück und setzt die intensive Auseinandersetzung mit dem Musiktheaterschaffen des italienischen Komponisten an der Berliner Staatsoper fort. Die Koproduktion mit dem Teatro alla Scala di Milano wird dirigiert von Maxime Pascal; es singen u. a. Laura Aikin und Otto Katzameier (Premiere: 7. Juli 2018 | INFEKTION!).

Höhepunkte des Repertoires sind Jürgen Flimms Inszenierung von Glucks »Orfeo ed Euridice« mit Bejun Mehta und Elsa Dreisig in den Titelrollen, Wim Wenders´ Produktion von Bizets »Les pêcheurs de perles«, wie bei der Premiere mit Olga Peretyatko-Mariotti, sowie Purcells »King Arthur« in der Regie von Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch, dirigiert von René Jacobs. Mit Brittens »The Turn of the Screw« und Mozarts »Don Giovanni« stehen zwei erfolgreiche Produktionen von Claus Guth wieder auf dem Spielplan, u. a. mit Christopher Maltman und Maria Bengtsson. Neben »Pelléas et Mélisande« – erstmals seit 2009 wieder gezeigt – ist eine weitere Regiearbeit von Ruth Berghaus zu erleben: Rossinis »Il barbiere di Siviglia«. Darüber hinaus spannt die Spielzeit 2017/18 mit Mozarts »Die Zauberflöte«, Puccinis »La Bohème« (Angela Gheorghiu als Mimì), »Tosca«, Verdis »La traviata«, Wagners »Parsifal« (R: Dmitri Tcherniakov), Strauss´ »Ariadne auf Naxos« (R: Hans Neuenfels) einen Bogen vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Sängerinnen und Sängern sind u.a. Maria Agresta, Laura Aikin, Daniela Barcellona, Piotr Beczala, Maria Bengtsson, Max Emanuel Cencic, Marianne Crebassa, Francesco Demuro, Plácido Domingo, Tara Erraught, Yusif Eyvazov, Angela Gheorghiu, Ekaterina Gubanova, Anja Kampe, Dmitry Korchak, Bejun Mehta, Anna Netrebko, René Pape, Olga Peretyatko-Mariotti, Ailyn Pérez, Simone Piazzola, Adrianne Pieczonka, Anna Prohaska, Xavier Sabata, Fabio Sartori, Nadine Sierra, Nina Stemme, Lauri Vasar, Rolando Villazón, Michael Volle sowie Kwangchul Youn.

 

2017/18 KONZERTPROGRAMM

Die Staatskapelle Berlin spielt in Berlin 16 große Sinfoniekonzerte mit acht Programmen – erstmals wieder im Opernhaus Unter den Linden sowie in der Philharmonie. Acht von ihnen stehen unter der Leitung von Daniel Barenboim. Die weiteren großen Orchesterkonzerte werden geleitet von Antonio Pappano, Zubin Mehta, Christoph von Dohnányi und François-Xavier Roth. Als Solisten sind Maurizio Pollini (Klavier), Renaud Capuçon, Lisa Batiashvili (Violine) sowie die Sängerinnen und Sänger Anna Prohaska, Nadine Sierra, Anna Nechaeva, Lauren Michelle (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzosopran), Bejun Mehta (Countertenor), Ian Bostridge, Francesco Demuro (Tenor), Thomas Hampson, Matthias Goerne (Bariton) und Alex Espositio (Bass) zu erleben.

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch den Apollosaal © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Kay Keßner führt durch den Apollosaal © IOCO

Einen besonderen Auftakt der Konzertsaison bildet das Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin am 31. August in der Philharmonie. Unter der Leitung von Daniel Barenboim spielt die Staatskapelle Berlin Anton Bruckners 8. Sinfonie. In der Spielzeit 2017/18 werden gleich zwei besondere Geburtstagskonzerte gefeiert: Am 15. November gibt Daniel Barenboim anlässlich des 75. Geburtstags ein Benefizkonzert zugunsten des Musikkindergartens Berlin e.V. in der Philharmonie. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten Zubin Mehta als Dirigent der Staatskapelle Berlin tritt Daniel Barenboim als Solist am Klavier in Erscheinung. 200 Jahre älter wird die Staatsoper Unter den Linden, die am 7. Dezember ihr 275-jähriges Bestehen feiert. Anlässlich dieses Jubiläums erklingen unter der Leitung von Daniel Barenboim Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Pierre Boulez sowie Richard Strauss, allesamt Komponisten, die auch selbst an der Staatsoper dirigiert haben.

Zum ersten Mal überhaupt wird James Levine die Staatskapelle Berlin am 31. Oktober 2017 in der Philharmonie bei Gustav Mahlers 3. Sinfonie dirigieren. Mit Mezzosopranistin Violeta Urmana sowie dem Staatsopernchor und dem Kinderchor.
Zu Gast sind außerdem die Wiener Philharmoniker – zunächst unter der Leitung von Zubin Mehta (81) mit Werken von Johannes Brahms, Joseph Haydn und Béla Bartók (7. Oktober) sowie bei den FESTTAGEN 2018 unter der Leitung von Daniel Barenboim mit Gustav Mahler (24. März). Darüber hinaus werden die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Simon Rattle als Gastorchester in der Staatsoper Unter den Linden ein Konzert mit Musik von Strawinsky und Rachmaninow geben (30. November). Die Staatskapelle wird im November mit drei Konzerten, geleitet von jungen Dirigenten wie Lahav Shani, Pablo Heras-Casado und Lorenzo Viotti, im Pierre Boulez Saal zu Gast sein (4., 9., 21. November).

Das Konzertprogramm der FESTTAGE 2018 steht ganz im Zeichen von Gustav Mahler und Claude Debussy. Nach der Eröffnung am 24. März durch die Wiener Philharmoniker, die bereits zum fünften Mal in Folge der Einladung nach Berlin nachkommen, gibt die Staatskapelle Berlin anlässlich des 100. Todestages von Debussy gemeinsam mit ihrem Generalmusikdirektor ein Konzert allein mit Werken dieses Komponisten (29. März). Auf dem Programm stehen seine »Fantaisie« für Klavier und Orchester mit Martha Argerich (77) als Solistin sowie sein monumentales Opus »Le Martyre de Saint Sébastien«, mit Anna Prohaska (Sopran), Marianne Crebassa (Mezzosopran), Anna Lapkovskaja (Alt) und Maria Furtwängler als Sprecherin sowie dem Staatsopernchor. Ihren Abschluss finden die FESTTAGE-Konzerte am 31. März in einem gleichfalls Debussy gewidmeten Duo-Recital von Martha Argerich und Daniel Barenboim.

 Staatsoper im Schillertheater / Hauptspielstaette bis Dezember 2017 © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater / Hauptspielstaette bis Dezember 2017 © Thomas Bartilla

Die Konzerte zum Jahreswechsel finden am 31. Dezember 2017 und 1. Januar 2018 in der Staatsoper Unter den Linden statt, mit Beethovens 9. Sinfonie unter der Leitung von Daniel Barenboim auf dem Programm.
Im Pierre Boulez Saal kommt Schuberts Streichquartett-Zyklus zur Aufführung, gespielt vom Streichquartett der Staatskapelle Berlin (3. Dezember 2017, 7. Februar, 5. März, 13. Juni 2018). Die Konzertreihe »Preußens Hofmusik«, die Kammerkonzerte mit Mitgliedern der Staatskapelle Berlin, die Liedrecitals, die Kinder- und Chorkonzerte finden künftig wieder im Apollo-Saal der Staatsoper statt. Darüber hinaus gibt es Jubiläumskonzerte der Orchesterakademie und des Internationalen Opernstudios, ein »Klimakonzert« des »Orchester des Wandels«, Museumskonzerte im Bode-Museum und Konzerte in der Neuen Werkstatt. Fortgesetzt wird das Symposion »450 Jahre Staatskapelle Berlin« mit Betrachtungen zum »langen« 19. Jahrhundert.

GASTSPIELE DER STAATSKAPELLE BERLIN

Gastspiele führen das Orchester und ihren Generalmusikdirektor Daniel Barenboim im September 2017 in den Kulturpalast Dresden (4. September) sowie in die Philharmonie de Paris (9. und 10. September). 2018 stehen Auftritte im Musikverein Wien (7., 9. und 10. Mai) und bei den Salzburger Pfingstfestspielen (20. und 21. Mai) auf dem Programm sowie erneut eine Reise in die Ferne, nach Südamerika: Im Juli 2018 geht es nach Buenos Aires an das Teatro Colón.

Staatsoper Unter den Linden / Die Gänge der Lindenoper im Rang - Heute © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / Die Gänge der Lindenoper im Rang – Heute © IOCO

NEUE WERKSTATT (NW)

Die Werkstatt im Schiller Theater, die sich in den vergangenen sieben Jahren als Ort für das zeitgenössische Musiktheater wie für Kinder- und Jugendoper etabliert hat, findet als »Neue Werkstatt« Unter den Linden ihre Heimat im historischen Orchesterprobesaal im Intendanzgebäude.

Grabstätte von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Grabstätte von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Eröffnet wird die Neue Werkstatt am 8. Oktober mit »Rivale«, einer Uraufführung von Lucia Ronchetti als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden unter der musikalischen Leitung von Max Renne. Inszeniert wird die Kammeroper von Isabel Ostermann. Zum weiteren Programm der Neuen Werkstatt zählen die Uraufführung von »Abstract Pieces« von Manos Tsangaris als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden (Uraufführung: 19. Mai 2018), die Premiere von Sommertag von Nikolaus Brass nach dem gleichnamigen Stück von Jon Fosse (R: Eva-Maria Weiss, ML: Max Renne, Premiere: 10. Februar 2018) sowie »Ein Portrait des Künstlers als Toter«, ein Projekt des italienischen Autors Davide Carnevali zusammen mit dem argentinischen Komponisten Franco Bridarolli (28. Juni 2018 | INFEKTION!). Für Menschen ab sechs Jahren ist Mike Svobodas Musiktheater für Kinder »Der unglaubliche Spotz« zu erleben (R: Marcin ?akomicki, Premiere: 24. November 2017). Ab dem 5. April 2018 bringt das Kinderopernhaus Lichtenberg in Kooperation mit der Staatsoper »Fanny! – Wer will mir wehren zu singen«, ein Musiktheater mit Kompostionen von Fanny Mendelsohn für Menschen ab acht Jahren, auf die Bühne.   IOCO VJ

—| IOCO Aktuell Staatsoper im Schillertheater |—

Berlin, Staatsoper im Schillertheater, FESTTAGE-Premiere: ORFEO ED EURIDICE von Christoph Willibald Gluck, 18.03.2015

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Staatsoper im Schiller Theater

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

Staatsoper im Schillertheater © Thomas Bartilla

FESTTAGE-Premiere:  Orfeo ed Euridice von Christoph Willibald Gluck

In einem Raum entworfen von Frank O. Gehry

Azione teatrale per musica, Text  Ranieri de’ Calzabigi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere Freitag, 18. März 2016 19:00 Uhr, weitere Vorstellungen 23. und 27. März

Die FESTTAGE-Premiere 2016 ist am 18. März Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice in einer Neuinszenierung von Jürgen Flimm unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim. Für Jürgen Flimm und Daniel Barenboim ist es nach Verdis Otello im Jahr 2001 die erste künstlerische Zusammenarbeit seit 15 Jahren. Für beide ist diese Produktion außerdem ein Debüt: anlässlich des 20-jährigen Bestehens der FESTTAGE bringen sowohl der Intendant als auch der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper erstmals in direkter Kooperation diese Reformoper auf die Bühne.

Wien / Christoph Willibald Gluck Foto IOCO

Wien / Christoph Willibald Gluck Foto IOCO

  Als Orfeo ist Countertenor Bejun Mehta zu erleben, der zu den international führenden Interpreten dieser Partie zählt. Ihm zur Seite steht als Euridice Anna Prohaska. Bereits 2010 standen beide Sänger gemeinsam auf der Bühne der Staatsoper. Für ihre Darbietung von Händels »Agrippina« unter der musikalischen Leitung von René Jacobs wurden sie im Haus Unter den Linden gefeiert.
Nadine Sierra gibt in dieser Neuproduktion nicht nur ihr Haus-, sondern auch ihr Rollendebüt als Amor. Die 27-jährige amerikanische Sopranistin zählt zu den vielversprechenden Sängerinnen ihrer Generation und ist zurzeit die jüngste Gewinnerin der Metropolitan Opera National Council Auditions und der Marilyn Horne Song Competition. Ihre Debüts an der Opéra National de Paris sowie an der Metropolitan Opera New York und Mailänder Scala als Zerlina in Don Giovanni und Gilda in Rigoletto in der laufenden Spielzeit 2015/2016 wurden von Publikum und Presse gleichermaßen gefeiert.

Das Bühnenbild der Berliner Orfeo-Neuproduktion stammt von Architekt Frank O. Gehry – nach Don Giovanni in der Regie von Christopher Alden (2012) und Lucinda Childs sowie John Adams Tanzproduktion »Available Light« (1983) ist es seine dritte Arbeit als Bühnenbildner. Bekannt für unzählige private und öffentliche Gebäude in Amerika, Europa und Asien, zählen zu seinen bemerkenswertesten Projekten u. a. das Guggenheim-Museum Bilbao, das Tanzende Haus in Prag, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, die Stiftung Louis Vuitton in Paris sowie das Kunst- und Medienzentrum Rheinhafen in Düsseldorf. Auch die Barenboim-Said-Akademie in Berlin erhält mit dem »Pierre Boulez Saal« einen von Frank O. Gehry entworfenen Konzertsaal, in dem künftig Kammer- und Orchesterkonzerte stattfinden werden.
Die Kostüme entwarf die renommierte Kostümbildnerin und Professorin an der Universität der Künste Berlin Florence von Gerkan, die bereits mehrfach mit Jürgen Flimm zusammengearbeitet hat, u. a. bei Händels »Il trionfo del Tempo e del Disinganno«.
Es singen und spielen der Staatsopernchor unter der Leitung von Martin Wright und die Staatskapelle Berlin.

Mit Glucks Version des Mythos um den trauernden Orpheus, der in die Unterwelt herabsteigt, um seine geliebte Euridice von den Toten zurückzuholen, entwickelte sich aus der traditionellen »Opera seria« eine »Azione theatrale« neuen Zuschnitts, in der Figuren mit ihrem wirklichen, authentischen Fühlen und Ausdrucksstreben in den Mittelpunkt gestellt wurden. Es entstand ein Werk, das gleichsam zum Inbegriff der klassischen Reformoper wurde. Mit der Uraufführung von »Orfeo ed Euridice« Anfang Oktober 1762 am Wiener Burgtheater wurde ein neues Kapitel der Operngeschichte aufgeschlagen.

MUSIKALISCHE LEITUNG Daniel Barenboim
INSZENIERUNG Jürgen Flimm
BÜHNENBILD Frank O. Gehry
KOSTÜME Florence von Gerkan
CHOREOGRAPHIE Gail Skrela
LICHT Olaf Freese
CHOR Martin Wright
DRAMATURGIE Roman Reeger

BESETZUNG:
ORFEO: Bejun Mehta
EURIDICE: Anna Prohaska
AMOR: Nadine Sierra
JUPITER: Wolfgang Stiebritz
STAATSOPERNCHOR
STAATSKAPELLE BERLIN

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