Hamburg, Hamburgische Staatsoper, Agrippina – Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 30.05.2021

Mai 30, 2021 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Agrippina – Georg Friedrich Händel

Eröffnungspremiere der Hamburgischen Staatsoper –  gekonnte Personenregie von Barrie Kosky

von Patrik Klein

Sieben Monate lang war der Vorhang vor Zuhörern geschlossen. Kein Ton und kein Bild gelangten an die Ohren und Augen eines Live Publikums. Einzig ein paar Streams von intimen Produktionen oder gereiften Konserven aus dem Archiv, wie zum Beispiel die Neuinszenierung von Massenets Oper Manon, die im Januar 2021 von David Bösch mit ansprechenden Bildern inszeniert und mit einer guten musikalischen Leistung von Orchester und Sänger*innen  publikumslos über den Äther flimmerte.

Seit Monaten wurde geprobt und auf den fiktiven Termin des 28. Mai 2021 hingearbeitet mit allen Risiken einer im Hintergrund langsam abflauenden Pandemie. Ein überdimensionales Banner mit der Aufschrift „Wir proben für Sie“ flatterte seit Wochen im Wind der Hansestadt unterhalb der Dachkante des Hauses am Dammtor.

So verkündete dann auch Staatsopernintendant George Delnon stolz die nahende Doppelpremiere und den finalen Spielplan der Restsaison 2020/21 im Video auf der Webseite des Hamburger Hauses.  Zuerst mit Georg Friedrich Händels Oper Agrippina mit international aufregender Besetzung, dem Ensemble Resonanz im Graben, dem barockmusikerfahrenen Dirigenten Riccardo Minasi am Pult und unter der Regie des Berliner Regisseurs und Intendant der Komischen Oper Berlin  Barrie Kosky, sowie am darauffolgenden Tag die neue Ballettpremiere von John Neumeier mit Namen Beethoven-Projekt 2 mit dem Philharmonischen Staatsorchester und Kent Nagano am Pult.

Die Hygienemaßnahmen sind ähnlich wie die vor der zweiten Pandemiewelle Ende 2020. Reduzierte Zuschauerzahlen mit Wahrung des Abstands, negative Coronatestvorlage und  Maskenpflicht sogar am Sitzplatz. Eine Barockoper wie Händels Agrippina mit gerade einmal acht beteiligten Personen eignet sich in diesen Zeiten und unter diesen Umständen besonders.

Man griff in Hamburg szenisch und zum Teil auch musikalisch auf eine Produktion der Bayerischen Staatsoper München von den Sommerfestspielen 2019 zurück, wo es mit gleichem Regieteam und Countertenorstar Franco Fagioli gelang, dem Werk voller Intrigen und beißender Satire neues Leben einzuhauchen.

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Ensemble © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Ensemble © Hans Joerg Michel

Der 1685 in Halle geborene Georg Friedrich Händel komponierte Agrippina HWV 6 auf ein Libretto von Vincenzo Grimani. Grimani passte die historischen Personen und Gegebenheiten dem „Dramma per musica“ an. Niemand stirbt in seiner Oper. Stattdessen geht es bei ihm um das machtpolitische Ränkespiel. Ende des Jahres 1709 gab es für den jungen Händel ein besonderes Geschenk zu Weihnachten: Mit der Premiere von Agrippina in Venedig am 26. Dezember feierte er mit 24 Jahren seinen bis dahin größten Erfolg. Es war seine zweite italienische Oper. Sie wurde viele Male in Venedig aufgeführt, später sowohl in Neapel als auch in Hamburg ab 1718 über 30mal in den darauffolgenden Jahren. Erstaunlich war jedoch, dass die Agrippina trotz dieses großen Erfolges bis Mitte des 20. Jahrhunderts fast in Vergessenheit geraten war. Fast 300 Jahre später gelangt sie nun an die Staatsoper Hamburg zurück.

Die Handlung spielt etwa im Jahr 54 nach Christus. Kaisergattin Agrippina will unbedingt Nerone, einen Sohn aus einer früheren Ehe, als Nachfolger Claudios sehen und nicht den Feldherrn Ottone, den Lebensretter Claudios, dem die Thronnachfolge zusteht. Sie möchte das mit Intrigen durchsetzen und benutzt dafür zwei in sie verliebte Höflinge und später auch die Verliebtheit des Kaisers in die edle Römerin Poppea, Ottones Geliebte, für die sich auch Nerone interessiert. Als Poppea Agrippinas Intrige durchschaut, setzt nun sie zur Rache Claudio und Nerone ein. Am Ende erreicht Agrippina ihr Ziel, weil Ottone der Liebe wegen auf den Thron verzichtet.

Das Regieteam um Barrie Kosky (Mitarbeit Regie: Johannes Stepanek, Bühnenbild: Rebecca Ringst, Kostüme: Klaus Bruns, Licht: Joachim Klein und Benedikt Zehm, Dramaturgie: Nikolaus Stenitzer) legte das Augenmerk vor allem auf die Wechselwirkungen zwischen politischen Machtspielchen und der Heiterkeit des Werks. Kosky lehnte sich dafür bei der US-Erfolgsserie House of Cards mit Schauspielerin Robin Wright Mitte der 2010er Jahre an. Er wies seine Agrippina einer der Hauptfiguren, nämlich Claire Underwood zu, die unterkühlte Zieherin der Fäden, über Leichen gehende Präsidentengattin und spätere US-Präsidentin.

Einführung in Agrippina an der Hamburgischen Staatsoper
youtube Staatsoper Hamburg
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Kosky sieht in der Oper ein Kammerspiel mit acht Figuren: „Ich möchte das Drama auf die psychologischen und emotionalen Beziehungen konzentrieren“. Gerade der Facettenreichtum des Stoffes macht das Stück für ihn interessant „Manchmal ist es ein Familiendrama, manchmal ist es tief emotional, dann wunderbar ironisch. Manchmal hat es eine große Leichtigkeit, manchmal eine große dunkle Seite.“

Ein großer beweglicher metallischer Container, der sich in viele Teile zerlegen ließ, mit mehreren durch Vorhänge verschließbaren Kammern in der Bühnenmitte, bildete bei der Inszenierung in Hamburg den zentralen Blickwinkel und stand für ein Symbol der Gefühlskälte der Figuren. Verstärkt wurde das Spiel durch gezielten Einsatz des Lichtes und mit prägnanten charakterunterstützenden Kostümen. Das waren ideale Voraussetzungen, um die verschiedenen Facetten der Personen in den Fokus zu stellen.

Agrippina hatte die Zügel in der Hand. Alle hörten auf ihr Kommando. Sie ist eine machtbesessene Alphafrau, die unbedingt ihren Sohn Nerone auf den Thron bringen will. Dafür zog sie alle Register der Intrige, setzte aber auch unverhohlen ihre erotischen Reize ein. Der Regisseur formte aus dieser Konstellation ein personenbezogenes Kammerspiel der individuellen Emotionen.

Am Ende schloss sich der Vorhang jedoch nicht im Jubel für den Herrscher und dem Lobpreis der Götter. Das Orchester brachte vielmehr einen melancholisch-musikalischen Epilog. Agrippina verblieb alleine auf der Bühne und verlassen von allen. Ein Rollo nach dem anderen senkte sich. Einsam und perspektivlos hatte sie zwar ihr Ziel erreicht, glücklich wurde sie dabei jedoch nicht.

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Julia Lezhneva als Agrippina, Franco Fagioli als Nerone © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Julia Lezhneva als Poppea, Franco Fagioli als Nerone © Hans Joerg Michel

Agrippina (Anna Bonitatibus) wirkte durch die Zurückweisung durch ihren Mann Claudio (Luca Tittoto) wie eine Furie getrieben von Eifersucht und Übersensibilität. Die junge, attraktive Poppea (Julia Lezhneva), die zweite starke Frau in dieser Oper folgte mehr der Empfindung und Liebe zu Ottone (Christophe Dumaux). Dagegen war Kaiser Claudio eher ein notgeiler Angeber, der es überhaupt nicht mitbekam, wie die dominierenden Damen ihn benutzten.

Der Starcountertenor Nerone (Franco Fagioli) wurde mit tätowiertem Klatzkopf als Dummerchen und Schwächling charakterisiert. Er kam wohl nicht klar mit seiner starken Mutter, die zudem noch sexuelle Kontakte zu ihm generierte. Da brodelte einiges im Inneren der Seele.

Der Regisseur lockerte gekonnt diese seriöse Personenpsychologisierung durch eine Reihe von eingefügten Witzen auf, die die Grenze zum Trash zwar streiften, aber nie überschritten. Und genau dadurch geriet der lange, fast vier Stunden währende Abend nahezu ohne Langeweile.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel baut die Oper musikalisch auf mit vielen Rezitativen, kürzeren Arien und Duetten  sowie mit einigen wenigen Quartetten bzw. kurzen Oktetten. Das Giftpfeilewerfen, das verliebt Hinterherstellen, das Ausnutzen der Liebe anderer, das Täuschen, das Heucheln, die Wutausbrüche, aber auch die wahre, innige Liebe sind in den vielen musikalischen Nummern durchgehend äußerst kurzweilig komponiert, so dass die  Zeit rasend verrinnen kann. Das lag jedoch auch an den spielenden und singenden Protagonist*innen des Abends aus dem Graben und von der Bühne des Hamburger Opernhauses.

Ricardo Minasi dirigierte nicht nur, sondern spielte auch die erste Geige an diesem Abend. Und das in unnachahmlicher Manier zusammen mit dem im Graben hoch positionierten und dadurch klanggewaltigem Ensemble Resonanz. Fasziniert schweifte der Blick häufig vom Geschehen auf der Bühne auf die Virtuosität im Graben. Mit diesem Orchester, mit dem er gemeinsame CDs herausbrachte und seit 2018 auch deren Artist in Residence an der Hamburger Elbphilharmonie ist, gelang ein frischer, luftiger, präziser und dynamisch barocker Marathonlauf. Die facettenreichen Charakterzüge und Handlungen der Personen wurden pathologisch seziert und an geeigneten Stellen fulminant wieder zusammengefügt. Nicht oft hörte man derart feinste Klänge, Nuancen und Wirbelstürme so präzise aus dem Operngraben hier am Dammtor.

Die acht Protagonist*innen dieses Kammerspiels spielten, gestalteten und sangen an diesem Premierenabend auf absolut ausgeglichenem und hohem Niveau. Wann durfte man das zuletzt in Hamburg erleben?

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Schlussapplaus © Patrik KleinPatrik

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Schlussapplaus © Patrik Klein

Die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, erfahren auf allen großen Bühnen in Europa auch zum Beispiel als Carmen zeigte in der Titelpartie, dass sie nicht nur schauspielerisch, sondern auch musikalisch über großen Gestaltungsspielraum verfügt. Bis auf einige wenige kleine Schärfen in den höheren Registern lieferte sie ein überzeugendes Rollenportrait der Titelfigur ab. Besonders eindrucksvoll geriet ihr die gewaltige Selbstentblößung bei „Pensieri, voi mi tormentate“ im ersten Akt, unterstrich mit ihrer persönlichkeitscharakterisierende Arie „L’alma mia fra le tempeste“ ihre musikalische Güte und sang am Ende bei ihrer letzten Arie im dritten Akt „Se vuoi pace, o volto amato“ ein leises Besänftigungslied zu ihrem gnadenlosen Verhalten.

Die in Russland geborene junge Sopranistin Julia Lezhneva, die bereits den OPUS Klassik und den ECHO Klassik Preis gewann und mit Partien wie Susanna (Le nozze di Figaro) oder Alcina (Il barbiere di Siviglia) an großen Häusern brillierte, gestaltet die Partie der Poppea mit größtem Variantenreichtum. Die ersten Töne wurden von ihr, liegend auf einer Treppe fast lautlos gehaucht begonnen und mündeten in einem Crescendo der absoluten Spitzenklasse, so dass man geneigt war an beste Gruberova Tage zu denken. Wie ein Maler die verschiedensten Farben von zart bis kräftig auf eine Leinwand tupft, so sang sie mit sowohl tiefster Traurigkeit, tröstlicher Wärme und auch großen Emotionen die Arien „Vaghe perle, eletti fiori“,  „È un foco quel d’amore“ sowie „Se giunge un dispetto“ im ersten Akt. Aber auch die feinen und hochkomplexen Koloraturen gerieten, für den Zuhörer, mit scheinbar atemberaubender Mühelosigkeit.

In Sachen Höhe und Stimmführung agierte der argentinische Starcountertenor Franco Fagioli in einer eigenen Liga. Bereits in der ersten Arie im ersten Akt „Con saggio tuo consiglio“, als er noch ganz der innig dankbare Sohn Nerone war, ließ er seine Technik und seine Gestaltungsmöglichkeiten aufblitzen. Dann beispielsweise im zweiten Akt bei der Arie „Quando invita la donna l’amante“ und später in „Come Nube Che Fugge Dal Vento“ im letzten Akt gelangen ihm Töne, die subjektiv die Grenze des für Herrenstimmbänder physikalisch möglichen sprengten.

Auch die weiteren Partien waren am Premierenabend bestens besetzt: Der italienische Bass Luca Tittoto gab den Claudio mit gut sitzender, prachtvoller, dunkler Stimme und in überzeugender schauspielerischer Manier.

Der aus Frankreich stammende zweite Countertenor in der Agrippinabesetzung, Christophe Dumaux, der bereits einige CDs in seinem Fach aufnahm und auch schon an der New Yorker MET als Tolomeo auftrat, spielte und sang den Ottone mit Eleganz,  prachtvoller Stimmführung, makellosen Koloraturen und seiden klingenden Obertönen. Der italienische Bariton Renato Dolcini, der u.a. bereits Figaro oder Leporello im Repertoire trägt, gab den Pallante intonationssicher und spielerisch-feinsinnig mit großer Spielfreude.

Der dritte Countertenor des Abends war der Russe Vasily Khoroshev als Narciso. Auch ihm gelang eine sehr gute musikalische Leistung mit einem cremig seiden timbrierten schön abgedunkelten Klang. Abgerundet wurde das vortreffliche Sänger*innenensemble durch den Lesbo des chinesischen Bass-Baritons Chao Deng, der erst kürzlich in das Ensemble der Staatsoper Hamburg übernommen wurde.

Als sich nach vier Stunden großartigem Musiktheater auf allerhöchstem musikalischem sowie szenischem Niveau der Vorhang senkte, dankten die etwa 400 zugelassenen Zuhörer*innen allen Beteiligten mit großem Jubel und herzlichem Beifall

Agrippina an der Hamburgische Staatsoper; hier die nächsten Termine:  3.6.; 6.6.; 10.6.2021

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—


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Berlin, Komische Oper, 4. Juni – Hoffnung auf Spielbetrieb, IOCO Aktuell, 25.05.2021

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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum heute © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum heute © Gunnar Geller

»Wir sind elektrisiert!« –  Hoffnung auf Rückkehr zum Spielbetrieb
Saisonausblick 2021/22 verschoben

Die Komische Oper Berlin wird aufgrund des derzeitigen Infektionsgeschehens und der bis Ende Juni gültigen Regelungen der so genannten »Notbremse« im Infektionsschutzgesetz ihren regulären Spielbetrieb in der laufenden Spielzeit nicht wieder aufnehmen. Die Spielzeit am Haus hätte nach letztem Stand am 1. Juli geendet. Ausnahmen bilden voraussichtlich zwei Vorstellungen der Neuproduktion Der »Zigeuner«baron, teilte die Komische Oper Berlin  im April mit. Doch, es tut sich etwas an der Komischen Oper; hier die letzten Meldungen:.

Nach der Ankündigung von Kultursenator Dr. Klaus Lederer, dass möglicherweise auch Kulturveranstaltungen in Innenräumen ab 4. Juni 2021 unter Auflagen wieder regulär stattfinden könnten, hofft die Komische Oper Berlin darauf, ihren Spielbetrieb voraussichtlich ab 6. Juni wieder aufnehmen und einen angepassten Spielplan bis einschließlich 1. Juli präsentieren zu können. Dieser eröffnet nach aktuellem Stand mit der Premiere Der »Zigeuner«baron  am 6. Juni, in einer Neufassung und Inszenierung von Tobias Kratzer – gefolgt von der Premiere des Chorprojekts Mondnacht am 13. Juni.

Der »Zigeuner«baron von Johann Strauss:  Nun in Berlin

Johann Strauss Wien © IOCO

Johann Strauss Wien © IOCO

Der Zigeunerbaron – Schon der Titel von Johann Strauss’ Operette bietet ausreichend Anlass für kontrovers geführte Debatten. Dabei reichen die Meinungen von einer strikten Tilgung des als diffamierend empfundenen Begriffs »Zigeuner« als einziger möglicher Umgang mit diesem bis hin zu emotionalen Verteidigungen à la »Das Zigeunerschnitzel hieß immer Zigeunerschnitzel! Was soll daran diskriminierend sein?« Allerdings ist die Handlung der Operette wesentlich vielschichtiger, ihre Charaktere nicht so eindimensional, wie es uns traditionelle Inszenierungsmuster glauben machen wollen:Ein mittelloser, junger Emigrant, der in seine Heimat zurückkehrt und den elterlichen Besitz nur mehr als Ruine vorfindet; ein großtuerischer, reicher Schweinezüchter, der sich eben dieses Besitzes bemächtigt hat; ein Adliger, der sich als konservativer Sittenwächter geriert und sich dabei auf »die gute alte Zeit« beruft, und eine von der Gemeinschaft ausgeschlossene Minderheit, die von der privilegierten Schicht kollektiv als »Zigeuner« bezeichnet wird – es ist eine explosive Mischung, die Ignaz Schnitzer in seinem Libretto zum Zigeunerbaron vereint. Und das nicht aus Zufall: Als Reflexion des österreichisch-ungarischen Ausgleichs von 1867 geschrieben, thematisierte die Operette zu ihrer Entstehungszeit in unterhaltsam spielerischer Form das Selbstverständnis und den Selbstfindungsprozess des k. u. k. Vielvölkerstaates………
Mit der ihm eigenen Akribie und seiner stets humorvollen Sicht auf das allzu Menschliche stellt sich Regisseur Tobias Kratzer dem durch das Stück aufgeworfenen Diskurs. Indem er den nostalgisch in der »guten alten Zeit« und ihrer Ordnung hängengebliebenen, durchaus nicht unsympathischen adligen Grafen Homonay zum Ausgangspunkt seiner Inszenierung macht, stellt er den Konflikt zwischen konservativen und liberalen Tendenzen in einer multikulturellen Gesellschaft zur Diskussion und führt gleichzeitig darüber hinaus….

.Die derzeitig geltenden Regeln für das Spiel auf der Bühne nimmt Tobias Kratzer als Anlass für eine gemeinsam mit Dirigent Stefan Soltesz erarbeitete schlanke Fassung des Werkes, die auf oberflächliche Milieuschilderungen verzichtet und sich in knapp zwei pausenlosen Stunden ganz auf die Protagonist*innen und die zwischen ihnen auf humorvolle Art verhandelten Konflikte konzentriert.

Weiterhin finden schon ab 1. Juni 2021 wieder Konzerte in Berliner Hinterhöfen im Rahmen von Selam Opera! statt. Zusätzlich präsentiert das Projekt mit Selam Tango ein weiteres, neues Hinterhof-Programm. Weitere Details zu Spielplan und Hofkonzerten werden wir in den nächsten Tagen veröffentlichen.

Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky: »Wir sind elektrisiert, dass wir vor Spielzeitende vielleicht doch noch die Möglichkeit haben werden, eine wichtige Neuproduktion zu präsentieren und weitere Vorstellungen zu spielen. Fingers crossed! – Wir drücken die Daumen, dass alles auch wirklich wie geplant über die Bühne gehen kann! Tobias Kratzer und das »Zigeuner«baron-Ensemble warten seit fast sechs Monaten darauf, diese sehr besondere Version von Strauss’ Operette endlich vor Zuschauer*innen spielen zu dürfen, und ich freue mich riesig, dass wir die Produktion jetzt unserem Berliner Publikum vorstellen können.«

ACHTUNG:  Die Rahmenbedingen für die Vorstellungen in der Komischen Oper Berlin stehen noch nicht final fest und richten sich nach den Auflagen der zuletzt gültigen Verordnung.

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!

—| IOCO Aktuell Komische Oper Berlin |–


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München, Bayerische Staatsoper, Der Rosenkavalier – Empfindungen und Betrachtungen, IOCO-Essay, 15.04.2021

April 15, 2021 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, IOCO-Essay, Oper

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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Der Rosenkavalier  – Bayerische Staatsoper – München

Empfindungen und Betrachtungen – Adelina Yefimenko

Die tiefsinnige Inszenierung des Rosenkavalier an der Bayerischen Staatsoper in München (IOCO Rezension HIER) inspirierte IOCO Autorin Prof. Adelina Yefimenko, ihre Betrachtungen über die metaphysischen und vielschichtigen Hintergründe der Inszenierung in der hier folgenden offenen Danksagung an Vladimir Jurowski, dem designierten Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, auszudrücken.

Der Rosenkavalier – Bayerische Staatsoper – Click and Meet HERE!

Der Rosenkavalier – eine Einführung von Vladimir Jurowski
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Sehr geehrter Herr Jurowski,

Gerne würde ich, aus der Ukraine stammend, mit Ihnen auf Russisch oder Ukrainisch kommunizieren. Erst recht, wenn die Rede über die Werke von Prokofjew oder Schostakowitsch u.a. wäre.

Ihre Richard Strauss Produktion des Rosenkavalier  an der Bayerischen Staatsoper hat mich tief beeindruckt. Doch hat mich die Hintergründigkeit der Produktion so überwältigt, dass ich hier, bei IOCO, einiger meiner Gedanken vorstellen und Fragen stellen möchte.

Die erste, mich seit Wochen beschäftigende Frage ist, ob es Barrie Kosky bewusst war, dass er mit Ihnen eine für die heutige Zeit so zutreffende, und, wenn ich ein bisschen übertreiben darf, geniale Interpretation für solch ein Heiligtum im Repertoire der Bayerischen Staatoper wie den Rosenkavalier geschaffen hat?

Als ich am Premierenabend das Interview von Barrie Kosky hörte, vor der Premiere geführt, glaubte ich, dass ich zusätzlich noch etwas Anderes in Ihrer Interpretation wahrgenommen habe, als es Barrie Kosky vor hatte und darstellte. Womöglich hat der Regisseur absichtlich zuerst nur die Spitze des Eisbergs gezeigt, damit bei der Premiere noch weitere Ideen ans Licht kommen. Sicher wollte Barrie Kosky im Strauss’schem Sinne so ähnlich handeln wie der Komponist selbst: „Die Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfläche“. Aber dann drängt sich in mir die zweite Frage auf, ob Barrie Kosky in dieser Konstellation „Tiefe – Oberfläche“ durch seine Neudeutung damit gerechnet hat, die Welt-Uhr der Rezeptionsgeschichte kardinal umzudrehen und möglicherweise eine neue Ära des Rosenkavalier zu eröffnen?

Prof. Adelina Yefimenko © AYefimenko

Prof. Adelina Yefimenko © AYefimenko

Adelina Yefimenko, Professorin, lehrt als Musikwissenschaftlerin an der Nationalen M.-V.-Lysenko-Musikakademie Lviv (Lemberg) und der Ukrainischen Freie Universität München (UFU)

Schon in meinem Artikel über Der Feurige Engel an der Bayerischen Staatsoper wird deutlich, wie mich Ihre Zusammenarbeit im „Jurowski-Kosky-Team“ erstaunt war, wie Sie perfekt in Ihren radikalen Neudeutungen gemeinsame Lösungen findet. Das Wagnis, von den Musikkritikern verpönt bzw. angegriffen zu werden, hindert Ihr Team nicht, zu riskieren und damit zu gewinnen. Ihr habt ein Kunst-Juwel mit der Produktion Franz Schrekers Die Gezeichneten an die Oper Zürich erschaffen und damit die Rezeptionsgeschichte dieses Werkes komplett umgedreht und geprägt, die vor allem Ihrer neuen Redaktion der originalen Partitur zu verdanken ist.

Inwieweit hat die jetzige Produktion diese genuine Strauss’sche Tiefe im Klang und Bild Ihre gemeinsame Arbeit geprägt? Mit der Frage meine ich, ob Sie die Spuren der 50-jährigen Rezeptionsgeschichte des Rosenkavalier an der Bayerischen Staatsoper endgültig hinter sich gelassen haben? Ob Ihre Zuwendung zur Eberhard Klokes Orchesterversion endgültig für diese Koskys Deutung des  Rosenkavalier bleibt?

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Samantha Hankey als Octavian, Christof Fischesser als Baron Ochs auf Lerchenau, Johannes Martin Kränzle als Herr Faninal, Ensemble © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Samantha Hankey als Octavian, Christof Fischesser als Baron Ochs auf Lerchenau, Johannes Martin Kränzle als Herr Faninal, Ensemble © Wilfried Hösl

Wenn Sie doch nach der Pandemie die originäre Partitur von Richard Strauss zum Regie-Konzept von Barrie Kosky dirigieren möchten, versuche ich meine Meinung dazu zu äußern. Als treue Anhängerin der Regieoper bin ich erstaunt, dass diese Premiere Rosenkavalier unter Ihrer Musikleitung an eine andere kongeniale Strauss’sche Rezeptionen erinnert. Das ist Salome in München mit Kirill Petrenko und Krzysztof Warlikowski. Der Dirigent hatte es damals noch nicht nötig, die reduzierte Version des Strauss-Orchesters anzuwenden. Aber er hat das vollbesetzte Orchester Richard Strauss‘s als Kammerorchester erklingen lassen und dadurch den „kulinarischen“ Genuss und erotischen Reiz dieser Partitur reduziert. Für das trocken anlegte Orchester Salome, für akribisch gezogene Linien an Stelle der üppigen Farben, für straffen Tempi, für die Deutung der Strauss’sche Breite als Kammerorchesterklang wurde er kritisiert. Aber genauso so einen Klang passte für Warlikowski‘s Leseart dieser Oper, was aber gegen die die gewöhnliche Rezeptionsgeschichte Salome‘s stand.

Zurück zur Barrie Koskys Regie-Konzept:  Erstaunlich, wie klar und deutlich der Regisseur die drei Opernakte als Personenwelten der Marschallin, Sophie und Octavian glänzend, „silbern“ konzipiert hat. Aber das „Theater im Theater“ der Finale liefert nicht nur eine klare Botschaft der Zeitvergänglichkeit, die alle Musikkritiker via unisono an dieser Produktion gepriesen haben. Die Idee des ewigen Zeitverlaufs wäre auch nicht das Neue daran. Der reduzierte, von Ihnen genau und präzis artikulierte Orchester Klang, in dem jedes Instrument als Solo sehr empfindlich und differenziert wahrzunehmen ist (ein Kritiker hat Ihre Interpretation als Anti-Kleiber bezeichnet) korrespondiert ausnahmslos mit dem Verlauf der fragilen silber-dunklen Schattenwelt auf der Bühne.

Der Rosenkavalier – Bayerische Staatsoper
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Der Raum der Protagonisten ist weder von dieser oder jener Zeit, noch von romantischen, realistischen oder surrealistischen Klischees geprägt, sondern von einer genuin theatralischen Existenz. Auch deshalb sind die „Kitsch“-Elemente, wie z.B. die versilberte Kutsche König Ludwig II von Bayern willkommen. Die Tautologie „artifizielle Art“ würde zum Bühnenbild sehr passen. Eine wunderbare und passende Prägung, die Barrie Kosky für nostalgierendes Publikum – die Liebhaber des Münchner Schenk-Rosenkavaliers – sind die bewegliche silberne Kulissen, die im schwarzweißen (auch silbernen) Licht alte Fotos der früheren Dekorationen im ersten Akt imitieren. Oder die Welt des Museums und der Bildgalerie als ein Teil der süßen schönen Idylle mit Nymphen, Schafen und Ziegen der Sophie-Welt im zweiten Akt. Solche humorvolle Auseinandersetzung mit der musealen Tradition der alten Inszenierung verabschiedet sich von der alten patriarchalischen Oper Rezeption.

Aber der Humor Barrie Koskys ist für mich mit tiefer Tragik verbunden. Auf jeden Fall in dieser Inszenierung. Im dritten Akt wirkt die Bühnenprojektion des leeren Zuschauerraums auf jeden Fall freudlos. Diese Lösung der Finale war unerwartet. Unterwartet war auch die starke Wirkung dieser klischeehafte Bühne des „Theater im Theater“. Die ganze Vorstellung begleitet ein echter Engel als mitwirkender und stummer Zeuge zuerst in die Fantasiewelt der Schatten der Marschallin und Octavian, dann der Träumen Sophie, die offensichtlich nur als Vorbereitung zu dem echten Vorstellung dienen, die einer alten Regie-Tradition „Theater im Theater“ treu bleibt. Ob der Engel als Cupido oder Chronos genannt und wahrgenommen wird, ist die persönliche Sache jedes Rezipienten.

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Katharina Konradi als Sophie, Samantha Hankey als Octavian, Statisterie © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Katharina Konradi als Sophie, Samantha Hankey als Octavian, Statisterie © Wilfried Hösl

Aber warum sitzt dieser Engel immer wieder und im dritten Akt – zuerst ganz allein im Zuschauerraum hinblickend? Dann findet er einen höheren Platz auf der großen Standuhr, um die Pfeile dieser Weltuhr abzubrechen und die Zeit zu stoppen. Seine Mitwirkung an der Vorstellung ist aktuell wie es noch nie war und strahlt das Komische wie Tragische parallel aus. Er beobachtet nur diese Welt, kraftlos, ohne etwas ändern zu können. Dieser 110-jährigen Engel des Rosenkavalier ist der einzige mysteriöse Gast dieser neuen Premiere und stumme Zeuge des leeren Raums der Bayerischen Staatsoper. Alle Opernfans des Theaters dürfen Jurowski – Kosky im TV-Sessel zu Hause genießen. Für mich wurde diese Gestalt zum Symbol des Engels, des Chronos der zeitlosen Pandemie, die langsam unendlich zu werden scheint. Kein Feuriger Engel, aber ein Ewiger, nie Sterbender und immer  Begleiter.

Nachdem alle wunderbaren Protagonisten (absolutes Bravi für das Sänger-Team und für den höchsten Vokal-Genuss von Marlis Petersen als Marschallin, Samantha Hankey als Octavian, Katharina Konradi als Sophie, Johannes Martin Kränzle als Faninal und Christof Fischesser als Baron Ochs auf Lerchenau) die Bühne verlassen haben, bleibt der Engel allein zurück, auf der gestoppten Uhr sitzend und wartend. Er blickt stumm ins Leere des Zuschauerraums der Bayerischen Staatsoper. Man denkt klar, dass alle Protagonisten ihren Frieden, ihre Liebe, Ihre Zufriedenheit oder auch ihren Frust hinter den Kulissen im ?realem’ Leben stillen werden. Und wir auch. Es ist auch gut so. Aber dieser stumme Zeuge wirkte für manche Zuschauer beklemmend. Ein Image des Engel oder des Chronos in Ihrer neuen Leseart des Rosenkavalier die Werktreue des Strauss’schen Werk huldigt, einerseits, aber, andererseits eine aktuelle und traurige Botschaft, die unseres Warten andeutet – das Warten auf die Zeitpunkt, wann die Türen unserer Opernhäuser wieder geöffnet werden.

Für Ihre unglaubliche Arbeit in dieser Pandemie-Zeit, X-Zeit des ewigen Wartens möchte ich mich mit diesen Gedanken bei Ihnen, lieber Herr Jurowsky, bei Barrie Kosky und allen weiteren Beteiligten für Ihre ergriefende Rosenkavalier Produktion an der Bayerischen Staatsoper auch öffentlich herzlich bedanken.

Adelina Yefimenko

—| IOCO Essay |—


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München, Bayerische Staatsoper, Der Rosenkavalier – Regie Barrie Kosky, IOCO Kritik, 25.03.2021

März 25, 2021 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Der Rosenkavalier   –  Richard Strauss

– Der kleine Tod –

Musikalische Leitung: VladimirJurowski,  Inszenierung: Barrie Kosky, Video- on-Demand

von Hans-Günter Melchior

 Barrie Kosky Regisseur © IOCO

Barrie Kosky Regisseur © IOCO

Er schleicht immer wieder über die Bühne, ein uralter Cupido auf wackeligen, altersschwachen Beinen und mit zerfurchtem Gesicht, ach ja, die Liebe, und alles hat seine Zeit und die Feldmarschallin (großartig, eindringlich, melancholisch Marlies Petersen) darf sich noch einmal hin-legen und bereit sein für ihren jungen Liebhaber (Octavian Samantha Hankey), bevor der Baron Ochs (Christoph Fischesser) hereinpoltert und von seiner bevorstehenden Hochzeit mit der Tochter des neureichen Faninal (Johannes Martin Kränzle), dieser kapriziösen und modernen Sophie (Katharina Konradi) schwärmt. Ohne dabei zu vergessen, der attraktiven Kammerzofe Avancen zu machen und der nicht minder attraktiven Feldmarschallin auf dem Sofa immer näher zu rücken, während diese ihm auf dem engen Sitzmöbel auszuweichen sucht. Denn der Kerl ist zweifellos ein Blödmann, der hinter dem Geld her ist und auf dummdreiste Art die neue Zeit dumpf begreift, ohne den Ansehensverlust seiner Klasse akzeptieren zu können.

Der Rosenkavalier – Bayerische Staatsoper
youtube Trailer Bayerische Staatsoper
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Die neue Zeit und die Melancholie des Alters, der Neureiche und der dünkelhafte, faktisch bereits abgedankte Adel – politisch und vor allem finanziell –, bleibt doch dem Ochs, der den richtigen Namen hat, nichts weiter als der ständige Hinweis auf seine hohe Geburt, die freilich nicht ausreicht, dem Tölpel standesgemäße Manieren beizubringen.

Das alles ist großartig gemacht, Rokoko-Einlagen wechseln fast übergangslos ins Moderne über, die Zeitgrenzen verwischen, während die Musik unter der selbstbewussten Leitung von Vladimir Jurowski alles Süßliche und die allzu verschnörkelte Walzerseligkeit meidet und mit klaren Konturen, die zuweilen dann, wenn sie ins Hochdifferenzierte und nahezu Fahle übergehen, an Wagner erinnern, und die eine eigene und höchst eigenwillige Handlung neben dem Gesang der Akteure auf der Bühne vorantreibt. Und dennoch bringt Jurowski dies alles zusammen, schafft die Einheit in der Vielfalt. So, dass man von dem künftigen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper einiges erwarten darf.

Hochkompliziert ist diese Oper in solcher Auffassung, geradezu hinweisend ausgestellt in ihrer Komplexität, so dass man Richard Strauss den so oft beklagten Rückfall ins Konventionelle und Bürgerlich-Verträgliche nach der aufrüttelnden Elektra, die mit ihren vertrackten Harmonien die Atonalität streift, kaum noch anmerkt.

Der Rosenkavalier – Barrie Kosky und … führen ein
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Über vier Jahrzehnte lange glaubte man in München, außer der Inszenierung von Otto Schenk gebe es gar keine andere Auffassung dieses bissigen Stücks, über das Hugo von Hofmannsthals Text wie Streusel eine Unmenge französischer Floskeln und stehender Ausdrücke schüttet, die die Affektiertheit einer Klasse verdeutlichen, die sich nur noch in Sprüchen erschöpft.

Und immer wieder dieser altersschwache Cupido oder Amor, der mit hämischer Grimasse über die Bühne schleicht und die Uhr zurückdreht oder zum Stehen bringt und endlich darin oder hinter ihr verschwindet, die Zeit, ja, die Zeit ist ein seltsam Ding, ein seidiger, nicht fassbarer Stoff ohne Anfang und Ende und doch eine das Leben langsam vernichtende Macht, da alles nunmal seine Zeit hat.

So vielleicht auch diese Pandemie, die die Anwesenheit eines Publikums ausschloss. Was für ein kaum zu behebender Mangel bei dieser so erfrischend neuen Produktion des Rosenkavalier in der Regie von Barrie Kosky.

Immerhin sendet die

Bayerische Staatsoper  —   noch 27 Video-on-demand-Aufführungen

Der  Rosenkavalier /  Buchen Sie – Link HIER!  

Nicht versäumen!

 

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—


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