Mannheim, Nationaltheater, La Cenerentola – Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 07.01.2019

Januar 8, 2019 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

La Cenerentola – Gioacchino Rossini

– Brautschau mit Hindernissen –

Von Uschi Reifenberg

Es war einmal ein berühmter italienischer Opernkomponist im 19. Jahrhundert mit dem Namen Gioacchino Rossini, der sich entschloss, einen der schönsten Märchenstoffe zu einer Oper zu verarbeiten, nämlich die Geschichte vom Aschenputtel, italienisch La Cenerentola.

La Cenerentola – Als phantastisch-bunte Familienoper 

Für Kinder ab acht Jahren, aber dennoch „Eine Märchenoper für viele Generationen“ wie im Programmheft zu lesen ist, brachte das NTM in einer rundum gelungenen Produktion vom Konzert Theater Bern in der Inszenierung von Cordula Däuper, Neueinstudierung: Claudia Plaßwich, auf die Bühne des Opernhauses ( Premiere: 1.11.17). Wenn man am Ende der Vorstellung glücklich und beschwingt das Theater verlässt, bedauert man in der Tat, dass dies die letzte Aufführung in dieser Spielzeit gewesen ist…

Der komplexe und viel verarbeitete Aschenputtel Stoff hat durch die Jahrhunderte nichts von seiner Faszination und Beliebtheit eingebüßt und bewegt bis heute die Gemüter von Jung und Alt. 1697 erscheint in Frankreich Charles Perraults bedeutende Märchensammlung, in welcher die Geschichte vom Aschenputtel unter dem Titel Cendrillon erstmalig erwähnt ist.

La Cenerentola   –  Gioacchino Rossini
Youtube Trailer des Nationaltheater Mannheim
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1812 veröffentlichen die Gebrüder Grimm in Deutschland ihre weltberühmte Sammlung, das Märchen vom Aschenputtel weicht bei den Brüdern von der französischen Urfassung lediglich in Details ab, auch Ludwig Bechstein übernahm den Stoff 1845 in sein Deutsches Märchenbuch. Der Walt- Disney Zeichentrickfilm Cinderella gelangte 1950 zu Weltruhm, der 1973 produzierte tschechische Märchenfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel erlangte ebenfalls Kultstatus.

2015 nahm sich Hollywood noch einmal der Aschenputtel Story an, die Walt- Disney-Studios produzierten unter der Regie von Kenneth Branagh eine vielgelobte Neuverfilmung, besetzt mit hochkarätigen Schauspielern.

Unter den zahlreichen Opern-Bearbeitungen des Aschenputtel Stoffes wie beispielsweise der frühen Vertonung von 1759 durch Jean-Louis Laruette Cendrillon, bis zu Cinderella von Peter Maxwell Davies im Jahre 1980, ist zweifellos Gioacchino Rossinis komische Oper in zwei Akten die bedeutendste und populärste Adaption.

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini ( 1792-1868), einer der produktivsten und flexibelsten Komponisten des italienischen Belcanto und unangefochtener Meister der Opera buffa, erlangte bereits im Alter von 24 Jahren Weltruhm mit einem seiner Meisterwerke, dem Barbier von Sevilla, der ein Jahr vor Cenerentola uraufgeführt wurde. Rossini schuf innerhalb von 19 Jahren 39 Opern, die in ganz Europa gefeiert wurden und führte die Gattung der Opera buffa im 19. Jahrhundert zugleich zum Höhe- und Endpunkt, bevor die Musikdramatiker Wagner und Verdi die führende Rolle in der Opernwelt übernahmen. Ab 1829 zog er sich vom Opernschaffen weitgehend zurück, widmete sich der Lehrtätigkeit sowie auch seiner vielgerühmten Kochleidenschaft und komponierte nur noch vereinzelt Kammermusik.

La Cenerentola ossia la bontà in trionfo, Aschenputtel oder der Triumph der Herzensgüte, wie der komplette Titel lautet, wurde in 24 Tagen komponiert und 1817 in Rom uraufgeführt, die Komposition basiert auf dem Libretto von Jacopo Ferretti nach der Märchenfassung von Charles Perrault. Die Oper verzichtet gegenüber dem Märchen auf Magisches und Mystisches und stellt das Element des Komischen in den Vordergrund. Die gute Fee wird beispielsweise durch den Pädagogen Alidoro ersetzt, es gibt auch keinen Kürbis, der sich in eine Kutsche verwandelt, und der alles entscheidende Ballschuh wird bei Rossini in einen Armreif getauscht, in der Mannheimer Produktion wird er dann allerdings doch wieder zum Schuh…

Nationaltheater Mannheim / La Cenerentola - hier :  Clorinda, Aschenputttel und Tisbe © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / La Cenerentola – hier : Clorinda, Aschenputttel und Tisbe © Hans Joerg Michel

Die Inszenierung von Cordula Däuper besticht durch eine perfekt ausgefeilte Personenführung, angereichert mit reichlich Comedy und Slapstic und setzt auf herrlich ironisch-groteske Überzeichnung der Figuren im Stil der Commedia dell’ arte. Däuper überrascht mit einer an Walt Disney orientierten Ästhetik, und zitiert beispielsweise das berühmte Schloss aus dem Cinderella Film, für welches Neuschwanstein Pate stand. Nicht Deutung, sondern lustvolle Unterhaltung steht im Vordergrund. Zauber- und Märchen-Requisiten kommen an passenden Stellen zum Einsatz, wo sie für jene magischen Momente sorgen, die vor allem bei den jüngeren Zuschauern für hörbares Vergnügen sorgen: eine fliegende prunkvolle blaue Kutsche mit Zauberpferd, ein Goldesel, ein großer roter Damenschuh oder ein hinreißendes weißes Ballkleid, das vom Himmel direkt in Aschenputtels Arme herabschwebt oder riesige gemalte Tauben, die in die Wolken flattern.

Die Sänger- Darsteller agieren virtuos, mit ausgelassener Spielfreude und atemberaubendem Tempo, scheinen selbst in den Sog der Rossini-Musik zu geraten, in welchen sie das amüsierte Publikum gekonnt mit hineinziehen. Während der Ouvertüre sieht man ein überdimensionales Buch, dessen Seiten von Cenerentola und dem „Spiritus rector“ Alidoro aufgeschlagen werden. Eine große, verzierte Texttafel als unverzichtbarer Bestandteil des Bühnenbildes liefert nicht nur den laufenden Text in Deutsch-, gesungen wird in italienischer Sprache-, sondern kommentiert auch in witziger Weise das Bühnengeschehen, die Geschichte kann also beginnen:

Nationaltheater Mannheim / La Cenerentola - hier: Joshua Whitener, Valentin Anikin, Herrenchor des NTM © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / La Cenerentola – hier: Joshua Whitener, Valentin Anikin, Herrenchor des NTM © Hans Joerg Michel

Die Schwestern Clorinda und Tisbe, zwei zickige Gören, hausen zwischen herumliegenden Holzbrettern und einem herabgefallenen Kronleuchter im abbruchreifen Hause ihres überschuldeten Vaters Don Magnifico (Bühne: Ralph Ziegler) und streiten sich um die Vorzüge ihrer Schönheit und Begabung. Sie haben angesagte Frisuren, schrillen Kopfschmuck und tragen opulente quietschbunt- aufgeblähte Ballkleider (Kostüme: Sophie du Vinage), jederzeit abrufbereit für den potenziellen Prinzen, der sie vom Fleck weg heiratet. Ihre Stiefschwester Cenerentola alias Angelina hingegen, mit üppiger Blondmähne, in Fetzen gewandet, wird als Dienstmagd gehalten und übel gemobbt.

Don Magnifico, ein abgehängter trotteliger Adliger in Unterwäsche und Krawatte, träumt von einem Goldesel, der ihn vor der drohenden Insolvenz rettet und prompt steigt ein Esel aus der Versenkung hinauf in den Bühnenhimmel, aus dessen Hinterteil Goldstücke herabfallen und die Wohnstube überfluten. Schon kündigt sich die Erfüllung des Glückstraumes der sozial Entrechteten an, denn der Prinz des Landes, Don Ramiro, sucht eilig eine Frau und lädt alle Schönen auf einen Ball in sein Schloss. Die Schwestern sind absolut siegessicher, auserwählt zu werden, auch der Vater wähnt sich am Ziel seiner Wünsche. Zuvor aber will der junge Prinz mit Goldkrone auf dem blondgelockten Haupt noch testen, ob die künftige Gefährtin nicht nur Schönheit, sondern auch Herzensbildung besitzt und er nicht nur wegen seines Ranges, sondern um seiner selbst Willen geliebt wird. Also tauscht er mit seinem Diener Dandini die Kleider und den Status und begibt sich in das Haus von Don Magnifico. Dandini ist ein cooler Machotyp mit hippem hochfrisiertem Hairstyling und genießt die Freiheiten, die ihm der Rollentausch erlaubt. Im Hause von Don Magnifico trifft der Prinz in seiner Verkleidung auf die Dienstmagd Aschenputtel und die beiden verlieben sich auf der Stelle. Clorinda und Tisbe machen sich zum Ball bereit, verleugnen aber Aschenputtel und verbieten ihr vehement, sie zu begleiten. Der kluge Strippenzieher Alidoro, ein Intellektueller mit Strickmütze, verspricht ihr zu helfen.

Im Palast des Prinzen angekommen, wird Don Magnifico zugleich zum königlichen Weineinschenker ernannt, da er sich bereits durch den Weinkeller des Prinzen gezecht hat und sein Amt – schwer angeheitert- auf einem überdimensionalen Fass sitzend, fröhlich ausübt. Die beiden Schwestern umwerben heftig den Prinzen alias Dandini, da erscheint auf dem Fest eine unbekannte verschleierte Schönheit in einem traumhaften Ballkleid, deren Ähnlichkeit mit Aschenputtel alle verblüfft und für heillose Verwirrung sorgt.

Der vermeintliche Prinz umwirbt die unbekannte Schöne, diese bekennt jedoch, bereits einen anderen zu lieben. Als Ramiro, der die Situation belauscht hat, ihr einen Heiratsantrag macht, lehnt sie ab. Sie überreicht ihm ihren roten Schuh, und fordert ihn auf, sie zu suchen. Aschenputtel wagt hier den Schritt aus Unterdrückung und Abhängigkeit, der ihr den sozialen Aufstieg ermöglicht kann und sie zur selbstbestimmten, liebenden Frau reifen lässt. Dandini und Ramiro schlüpfen nun wieder in ihre wahren Identitäten, die anderen Familienmitglieder müssen zu ihrem Ärger feststellen, leider die Falschen umworben zu haben.

Der echte Prinz macht sich in einer prunkvollen blauen Pferdekutsche auf, seine Angebetete zu suchen, die Kutsche samt Pferd erhebt sich daraufhin wie von Zauberhand geführt in die Lüfte und entschwebt.

Nationaltheater Mannheim / La Cenerentola - hier :  die Hochzeit  Ensemble © Hans Joerg Michel

Nationaltheater Mannheim / La Cenerentola – hier : die Hochzeit  Ensemble © Hans Joerg Michel

Ein Gewittersturm bricht herein, infolgedessen die Zauberkutsche aus der Flugbahn geraten ist, der Prinz und Alidoro flüchten sich ins Haus von Don Magnifico, um Schutz zu suchen. Dort erkennt Ramiro sofort Aschenputtel wieder und steckt ihr den zweiten roten Schuh an den Fuß. Nun wird Hochzeit gefeiert, das Brautpaar darf – siehe FOTO oben – lilafarben umstrahlt- (Licht: Christian Wurmbach), gefeiert vom Volk, in das rosafarbene Walt Disney Schloss einziehen. Die neidische Verwandtschaft- in schwarzer Trauerkleidung und Sonnenbrille- scheint zunächst dazu verdammt zu sein, den Glanz des Traumpaares nicht nur zu bewundern, sondern auch dafür zu sorgen, dass dieser nicht verblasst. Zähneknirschend polieren und putzen sie nun an der Fassade von Aschenputtels neuer prachtvoller Behausung.

Aber die frisch Vermählte in ihrem Glück, verzichtet auf Rache und verzeiht großmütig ihrem Vater und den Stiefschwestern. Nun gibt es für alle ein rauschendes Happy End und wenn sie nicht gestorben sind …, dann sehen wir sie in der nächsten Spielzeit wieder.

Das Nationaltheater Orchester im erhöhten Graben entfaltet unter seinem Dirigenten Matthew Toogood einen federnden, transparenten und biegsamen Rossini Sound, mit bestechender rhythmischer Präzision, mitreißenden, aber immer kontrollierten Tempi und rauschhaften Steigerungen. Toogood bringt den Farbenreichtum der Rossinischen Partitur zum Blühen, vertraut der üppigen Melodik und zelebriert beglückend schwebende Koloraturen. Er setzt auf wohl dosierte Effekte, und dimmt, wenn nötig, das Orchester zugunsten der Solisten auf das entsprechende Klangniveau. Kleine Unstimmigkeiten zwischen Bühne und Graben sind zu verzeihen.

Als hübsches zierliches Blondpüppchen berührt Sofia Koberidze in der Rolle des Aschenputtel mit innigem Schmelz und glasklaren, akkuraten Koloraturen. Sie vermittelt glaubhaft die Entwicklung vom unscheinbaren Mauerblümchen zur gütigen selbstbewussten Frau.

Ludovica Bello als schlaksige hochgewachsene Tisbe ist eine Intrigantin wie aus dem Bilderbuch, mit ausdrucksstarker Mimik und Körpersprache, ihr flexibler Mezzo funkelt mühelos in allen Lagen. Ihre Schwester Clorinda als quirlige, kichernde Zicke mit albernem ausuferndem Kopfschmuck wird von Ji Yoon mit hauchzarten Silbertönen ausgestattet. Die anspruchsvolle Partie des Prinzen ist bei Christopher Diffey bestens aufgehoben, sein angenehm timbrierter lyrischer Tenor schwingt sich in höchste Höhen, die Koloraturen perlen fast immer locker und klar.

Joachim Goltz zieht als Vater Don Magnifico alle Register seines komödiantischen Talents. Der vielseitige Bariton überzeugt einmal mehr sowohl mit kraftvollen heldischen Ausbrüchen als auch mit spielerischer Leichtigkeit. Die meisten Lacher erntet Ilya Lapich in der Rolle des Dieners Dandini, er beherrscht nicht nur alle Tanzstile von barock bis Luftgitarre, sondern amüsiert auch als buffoneske Figur par excellence mit edlem, weichen Bariton. Der Lehrmeister des Prinzen, Alidoro, wird von Dominic Barberi mit satten Basstiefen überzeugend ausgestattet. Der Herrenchor unter der Leitung von Dani Juris lässt auch diesmal keine Wünsche offen.

Nach dieser umjubelten Vorstellung im ausverkauften Opernhaus am Silvester-Vorabend, blickt man mit Spannung auf weitere Sternstunden am Nationaltheater Mannheim im neuen Jahr 2019!

La Cenerentola:  Zur Zeit keine weiteren Termine am Nationaltheater Mannheim

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

Hildesheim, TfN, Die Hochzeit des Figaro – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 19.09.2018

September 19, 2018 by  
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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Die Hochzeit des Figaro – Wolfgang A. Mozart

Ius primae noctis – Das Recht der ersten Nacht

Von Randi Dohrin

Unter der präzisen Leitung seines GMD Florian Ziemen, gelingt dem brilliant aufspielenden TfN-Orchester die atmosphärische Einstimmung des von keiner Opernbühne mehr wegzudenkenden Singspiels, Die Hochzeit des Figaro. Mit zart einsetzendem Pianissimo bis zum strahlenden Fortissimo verwandelt das Orchester die Töne der Ouvertüre quirlig sprudelnd wie Champagner in heitere Lebenslust um.

Mit der deutschen Singspielfassung von Christian August Vulpius und Adolph Freiherr Knigge, bringen Florian Ziemen als musikalischer Leiter und der Regisseur Wolfgang Nägele, die im 18. Jahrhundert weit verbreitete und beliebte Aufführungspraxis mit gesprochenen Dialogen zu Gehör, anstelle der gesungenen Rezitative.

Wolfgang Nägele stellte sich mit dieser heiteren, humorvoll gelungenen Inszenierung – ganz im Sinne einer Opera buffa – dem Hildesheimer Premierenpublikum vor und erfüllte alle Erwartungen. Achim Falkenhausen war für die hervorragende Einstudierung des Opernchores verantwortlich. Die Ausstattung der Bühne und Kostüme in Commedia dell’arte Ästhetik, gestaltete Hannah König perfektioniert und geschickt.

Theater für Niedersachsen / Die Hochzeit des Figaro - Ensemble © J. Quast

Theater für Niedersachsen / Die Hochzeit des Figaro – Ensemble © J. Quast

Die Oper spielt um 1780 am Hofe des Grafen Almaviva in der Nähe von Sevilla und ist die Fortsetzung des Theaterstücks Der Barbier von Sevilla von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Figaro (Peter Kubik) ist der Kammerdiener des Grafen Almaviva (Martin Berner) und mit der jungen hübschen Kammerzofe Susanna (Meike Hartmann) verlobt. Peter Kubik überzeugt als Figaro von der ersten bis zur letzten Arie textverständlich und klangvoll mit warm timbrierter Stimme und wird seiner Titelrolle in jeder Hinsicht gerecht.

Die Hochzeit von Figaro und Susanna soll in Kürze stattfinden, was vor allem von Marcellina (Isabell Bringmann) nicht gern gesehen wird, weil Figaro sich einst Geld von ihr geliehen hatte. Bei ausbleibender Rückzahlung versprach er ihr die Ehe. Isabell Bringmann als komische Alte in der Rolle der Marcellina, setzt ihren Mezzosopran gekonnt ein und erhält Unterstützung von Bartolo (Uwe Tobias Hieronimi), der mit seinem sonoren Bass die Rolle als Arzt und des Gärtners Antonio souverän einsetzt.

Julian Rohde debütierte und begeisterte als intriganter Basilo und eingebildeter Jurist Don Curzio, in seinen Tenorrollen mit ausgeprägtem schauspielerischen Talent.

Theater für Niedersachsen / Die Hochzeit des Figaro © J. Quast

Theater für Niedersachsen / Die Hochzeit des Figaro © J. Quast

Voller Berechnung hat Graf Almaviva dem Paar, direkt neben seinen Gemächern, ein Zimmer zur Verfügung gestellt und bedauert zutiefst sein „Recht der ersten Nacht“, viel zu früh bei Susanna aufgegeben zu haben. Verführerisch bemüht er sich um die Liebe der jungen Susanna, was dem Bräutigam Figaro natürlich nicht entgeht. Mit viel schauspielerischem Verve trumpft Martin Berner als Graf mitreißend und stimmgewaltig auf, als er seinen Pagen Cherubino (Neele Kramer) liebestoll bei seiner Frau, der Gräfin Almaviva, entdeckt und versucht, ihn mit allen Mitteln loszuwerden. Cherubino, gesungen von Neele Kramer, glänzt verzaubernd als personifizierter Amor in ihrer Hosenrolle und verbleibt als Frau bekleidet im Schloss, dank der Hilfe der süßen Barbarina (Vanessa Peschel).  Die Cavatine „Heil’ge Quelle reiner Triebe“ meisterte Antonia Radneva als Gräfin Almaviva mit schön geführtem lyrischen Sopran im 2. Akt. Wohlklingend harmonisch berühren dann im 3. Akt Meike Hartmann als Susanna und Antonia Radneva als Gräfin mit der Arie „Wenn die sanften Abendlüfte“. Meike Hartmann lässt im 4. Akt mit ihrem aparten Sopran, die Gefühlspalette der liebenden Susanna in dem Rezitativ „Endlich naht sich die Stunde“ und der Arie „O Säume länger nicht, geliebte Seele“ im zügigen Tempo erklingen.

Das listig intrigante Verwirrspiel dieser Versteck- und Verkleidungskomödie nimmt seinen unerbittlichen Verlauf, als die Zofe Susanna und die Gräfin Almaviva beschlossen, den Grafen zu einem nächtlichen Rendezvous in den stockdunklen Garten zu locken. Verkleidete Gestalten ertappen sich bei Liebesabenteuern im Schlosspark. Der Graf erwischt die vermeintliche Gräfin, die aber Susanna ist, mit Figaro und will einen Skandal inszenieren. Die Gräfin gibt sich zu erkennen und der Graf bittet sie um Verzeihung. Die Oper endet im ausgelassenen Gesang eines spielfreudigen und tänzerisch talentierten Ensembles.

Theater für Niedersachsen / Die Hochzeit des Figaro © J. Quast

Theater für Niedersachsen / Die Hochzeit des Figaro © J. Quast

Das Publikum dankte allen Beteiligten mit Standing Ovation, Bravorufen und einem nicht enden wollenden rhythmischen Applaus für einen kurzweiligen Opernabend ganz im Sinne von Mozart.

TfNDie Hochzeit des Figaro; weitere Termine: Hildesheim 19.9.; 24.9.; Luckenwalde 29.9.; Hildesheim 12.10.; Wolfenbüttel 21.10.; Hildesheim 30.10.2018 und mehr …

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Hamburg, Hamburger Staatsoper, Franco Vassallo – Othello, IOCO Portrait, 24.07.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

OTHELLO – Fulminanter Spielzeitausklang in Hamburg

Franco Vassallo – Der Mensch wie abgründiger Jago

Von Michael Stange

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

 Die Hamburgische Staatsoper hat ihren Besuchern den Abschied von der Spielzeit 2017/18 und die Vorfreude auf die neue Spielzeit mit besonderen Leckerbissen versüßt. Dazu gehörte auch Verdis Othello mit den Hamburger Rollenneulingen Aleksandra Kurzak als Desdemona und Franco Vassallo als Jago. In der Vorstellung am 20.06.2018 rissen Beide durch Ihre fulminanten gesanglichen Leistungen das Publikum zu großen Jubelstürmen hin. Hier hat die Hamburgische Staatsoper wieder einmal gezeigt, zu welchen großen Leistungen das Haus fähig ist, wenn die Sängerbesetzungen stimmen.

Die eindrucksvolle Inszenierung des Othello von Calixto Bieito lebt neben den beeindruckenden Bildern auch von Sängerpersönlichkeiten, die ihre Rollen poetisch und dramaturgisch intensiv gestalten. Dies ist insbesondere Franco Vassallo gelungen. Er verfügt über eine klangschöne in allen Registern ausgeglichene italienische Baritonstimme. Seine fundierte Tiefe geht nahtlos in die sonore Mittellage über und mündet in eine strahlende Höhe, die die Orchesterfluten mühelos durchdringt. Mit seinem männlichen und samtweichen Timbre steht er in der Tradition seiner italienischen Rollenvorgänger Giuseppe Taddei und Carlo Tagliabue. Neben der Qualität seiner Stimme besticht er durch eine große Wortdeutlichkeit und eine intensive interpretatorische Wandlungsfähigkeit seines Gesangs.

Franco Vassallo begeistert das Hamburger Publikum seit 2009. Er sang dort Giorgio Germont, Macbeth, Amonasro, Rigoletto und wurde zuletzt im Frühjahr 2018 in seinem Rollendebut als Scarpia gefeiert.

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Franco Vassallo hat in seinen letzten beiden Hamburger Rollen als Scarpia und Jago gestalterisch und stimmlich beeindruckt. Die Rolle des Bösewichts Jago mit seinem Charme, seiner Verschlagenheit, seiner Brutalität und seiner gleichzeitigen Angst verlangt eine differenzierte Ausdrucksfähigkeit und ein hohes schauspielerisches Geschick. Gleichzeitig sind dafür vokale Finesse und große Stimmreserven erforderlich. Darüber verfügt Franco Vassallo in einem Maße, das Staunen macht: Auch auf der großen und für manche Sänger akustisch schwer zu bewältigenden Hamburger Bühne konnte er durch seine Pianokultur seinen Stimmfluss an den lyrischen Stellen ungehindert entfalten. Mit Sadismus und Dämonie gestaltet er das “Jago-Credo” und die Duette mit Othello vollendet.

Diese perfide Gestalt des Othello spielte Vassallo mit derartigem Charisma, dass man sich fragt, wie ein Darsteller, der zu einer solchen Bühnenleistung fähig ist, als Mensch ist. Nach der Vorstellung ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Franco Vassalo: vor mir stand ein nobler Mailänder mit eleganter Erscheinung und sonnigen Humor, dem jegliche Bösartigkeit völlig fremd ist.

Franco Vassallos Spielfreude begleitet ihn seit Kindertagen, als er schon in der Schule an Theateraufführungen mitwirkte. Seine Rolleninterpretation lehnt er an Konstantin Stanislawski an. Dessen Methode soll den Schauspieler befähigen, aufgrund eigener Erfahrungen und Gefühle, durch ein emotionales Gedächtnis und inneres Erleben sich mit seiner Rolle zu identifizieren. Um seine Partien mit Vollendung zu gestalten, versetzt sich Franco Vassallo vollständig in sie hinein und versucht, durch Symbiose zwischen Tongestaltung, Mimik und Bewegung eine Einheit zu erreichen. Manchmal trainiert er seine schauspielerischen Fähigkeiten dadurch, dass er seiner Frau Rollen vorspielt und sie erraten muss, wen er gerade interpretiert.

Seine Philosophie ist, Rollen zu lernen, zu interpretieren und sie dann wie guten Rotwein reifen zu lassen, damit sich das Portrait innerlich setzt. Seinen ersten Jago hat er bereits im Jahr 2000 in San Gimignano gesungen und dann ab 2010 in Paris, Baden-Baden und Wien. Durch diese jahrelange Befassung mit der Rolle, gelingt es die zahlreichen Facetten und Nuancen der Rolle herauszuarbeiten und ein packendes Portrait auf die Bühne zu bringen.

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Angesprochen auf Begonnenes wie den Falstaff bekennt Franco Vasallo, dass er die Rolle liebe. Er glaubt, dass sie in zehn Jahren eine perfekte Rolle für ihn wäre, da die tiefe Tessitura des pompösen und bombastischen britischen Ritters fast ein Bass-Bariton ist. Auch hier möchte er die Rolle reifen lassen und bevorzugt er als hoher Verdi Bariton aktuell die Rolle des Ford.

Augenblicklich ist  Vasallos Lieblingsrolle der weise und gütige Simone Boccanegra, der ihm in dieser Phase seiner Karriere mehr zusagt. Diese Rolle hat er bereits mit großem Erfolg in Luxemburg und Genua interpretiert.

 In einer seiner Lieblingsrollen, dem Figaro im Barbier von Sevilla, wird er ab März 2019 wieder in Hamburg auftreten. Glück für die Zuschauer, dass die Hamburgische Staatsoper solchen Stars auch künftig ein Podium bietet.

Hoffen wir, dass die Hamburger Intendanz weitere Opernabende mit Franco Vassallo plant und künftig häufiger in seinen Glanzpartien verpflichtet.

—| IOCO Portrait Staatsoper Hamburg |—

Jennersdorf, J:Opera, DER BARBIER VON SEVILLA – Schloss Tabor, 02.08.2018

Juni 11, 2018 by  
Filed under J:OPERA, Oper, Pressemeldung

jOPERA

jOpera / Der Barbier von Sevilla © jOPERA Jennersdorf Festivalsommer

jOpera / Der Barbier von Sevilla © jOPERA Jennersdorf Festivalsommer

DER BARBIER VON SEVILLA – Gioacchino Rossini

Mit dem Barbier von Sevilla von Gioacchino Rossini bringt jOPERA jennersdorf im Festivaljahr 2018 eine der besten komischen Opern auf die Bühne von Schloss Tabor.
Situationskomik, subtiler Humor und Rossinis Sinn für Brillanz stimmlicher und instrumentaler Klangwirkung ergeben ein Feuerwerk an schwungvollen Melodien und garantieren einen kurzweiligen Abend.

Regie: Peter Pawlik, Musikalische Leitung: Emil Eliasson
Stil: Belcanto in deutscher Sprache, Opera Buffa

Veranstaltungstermine: Premiere: 2. August 2018Weitere Aufführungen: 4./5./8./10./11. und 12. August 2018, Beginn: 20:00 Uhr, Ende: 22:30

Veranstaltungsort (openair)
Schloss Tabor/Neuhaus am Klausenbach

jOPERA jennersdorf festivalsommer
Schloss Tabor
Taborstraße 3
8385 Neuhaus am Klausenbach
Tel.: +43 (0) 3329/43037
office@jopera.at
www.jopera.at

–| Pressemeldung J:Opera Jennersdorf |—

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