Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Herzog Blaubarts Burg – Die sieben Todsünden, IOCO Kritik, 08.03.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Herzog Blaubarts Burg    –   Die sieben Todsünden
Béla Bartók  –  Kurt Weill

von Ingrid Freiberg

Herzog Blaubarts Burg  –  Béla Bartók 

Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg, Text von Béla Baläzs, 1911 für zwei Sänger geschrieben, wurde als „unspielbar“ abgelehnt und erst 1918 nach den Verwüstungen des Ersten Weltkriegs am Königlichen Opernhaus Budapest uraufgeführt. Der Einakter gehört, wenn auch selten aufgeführt, seither zum Weltrepertoire. Die ungarische Musikwissenschaft deutete den Blaubart als Lohengrin des 20. Jahrhunderts“, dem nicht die Möglichkeit verbleibt, nach der Enttäuschung zum heiligen Gral zurückzukehren.


Herzog Blaubarts Burg  –  Béla Bartók
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Die Tränenburg des Lebens

Judit hat ihre Familie und ihren Bräutigam verlassen, um dem geheimnisumwitterten Mann zu folgen und mit ihm in Einsamkeit zu leben. Weder Finsternis noch Kälte und Feuchtigkeit halten sie davon ab. Durch die Kraft ihres Mitleids und ihrer Liebe will sie Licht in Blaubarts Burg bringen. Als sie leidenschaftlich, mit den Waffen einer Frau, die Öffnung der sieben Türen verlangt, ermöglicht er ihr zunächst – auf seinem Notebook – einen Blick in seine Folterkammer mit den blutdurchtränkten Wänden. Über das Gesehene ist sie bestürzt, es hält sie aber nicht davon ab, die Schlüssel für die weiteren Türen zu fordern. Blaubart, der sie liebt, gibt unwillig sein Inneres zu erkennen. Aus der dritten Tür holt er eine Schatulle mit Gold und Geschmeide, das er ihr umlegt. Eine weitere Tür zeigt den Garten. Nun ist es hell, Lilien und Rosen bedecken die Bühne. „Das alles soll nun dir gehören“, versucht er sie abzulenken, als er ihr sein Land zeigt. Aber seine stürmischen Liebesbezeugungen nützen nichts: Judit besteht auf den letzten beiden Schlüsseln. Hinter der sechsten Tür findet sie einen Tränensee. Tränen, die Blaubart um seine ermordeten Frauen geweint hat, und an die er nicht erinnert werden will. Das Licht trübt sich wieder ein.

Die letzte Tür will Blaubart verschlossen halten, doch Judit, bereits von eifersüchtigen Ahnungen erfasst, fragt ihn nach seinen früheren Frauen. Verzweifelt schließt er auch die letzten Türen auf: Die drei früheren Frauen Blaubarts treten heraus. Die erste, so erklärt Blaubart, traf er am Morgen, die zweite mittags, die dritte abends. Judit, die Schönste, die er in der Nacht erblickte, wird von nun an die Nacht verkörpern. Minutiös schildert die Musik das fortschreitende Eindringen ins Innerste des Mannes, der zwar bereit ist, Grausamkeit, Kampfgeist, Reichtum, Schönheit und Macht mit seiner Auserwählten zu teilen, ihr aber den Zugang zu seinen Tränen und seinen gescheiterten Zielen verwehrt. Auf seine Frage: „Warum?“, antwortet sie „Gib mir deine Schlüssel, Blaubart, gib sie mir, weil ich dich liebe!“.

Berauschender Sog

Die Inszenierung von Intendant Uwe Eric Laufenberg beginnt mit dem Prolog: „Nun hört das Lied – ihr schaut, ich schaue euch an. Aufgeschlagen sind die Wimpernvorhänge unserer Augen. Wo ist die Bühne? Außen oder Innen? Männer und Frauen?„, der die symbolhafte Bedeutung der kommenden Vorgänge unterstreicht. Laufenberg konzentriert sich auf die verschlossene männliche Seele und die weibliche Neugier. Neben drastischer Körperlichkeit gibt er auch der Romantik Raum. Die Burg sieht er als Gehäuse für die Seele Blaubarts. Sie seufzt und stöhnt, weint und blutet. Sieben Türen führen in die Vergangenheit, in Blaubarts verborgenes Seelenreich. Unerbittlich ergründet Judit die Geheimnisse seiner Innenwelt und leitet damit die Zerstörung ihrer Liebe ein.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Herzog Blaubarts Burg - hier : Vessilina Kasarova als Judit, Johannes Martin Kraenzle als Blaubart © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Herzog Blaubarts Burg – hier : Vessilina Kasarova als Judit, Johannes Martin Kraenzle als Blaubart © Karl Monika Forster

Blaubart und seine junge Frau Judit kommen aus einem Aufzug in das Innere der Burg. Die holzgetäfelte, halbdunkle anonyme Halle, mit Bett, Couchgarnitur, Grünpflanzen hinter Glas und einem Bild von Anna Magnani (aus „Rom, offene Stadt“, ein Film, der auf dem Idealismus im Menschen beharrt) gibt den beiden charismatischen Sängerpersönlichkeiten große Entfaltungsmöglichkeiten. Hochspannend, wenn Judit trotz wilder Liebesspiele nicht aufgibt, beharrlich nach den Schlüsseln zu fragen, und Blaubart mit dem Messer letztendlich zustechen wird. Es ist eine Sternstunde, wenn Inszenierung, Gesang und Darstellung so ineinander spielen und ein berauschender Sog entsteht…

Susanne Füller und Matthias Schaller (Bühne) lassen die Wände und Türen um das Paar abwechselnd schließen und öffnen und steigern auch mit Lichteffekten (Klaus Krauspenhaar) das Geschehen. Das dramatische Geschehen wird von der Bühnenarchitektur differenziert unterstützt. Die Kostüme von Susanne Füller betonen die Charaktere: Blaubart, ein glücklicher, aber auch ein von Ängsten geschüttelter Mann, trägt einen grauen unauffälligen Anzug. Während sich Judit mit hellblauem Satintellerrock als hübsche selbstbewusst liebende Frau zeigt.

Vesselina Kaserova – Johannes Martin Kränzle : Welch ein Geschenk!

Johannes Martin Kränzle ist einer der führenden und wandlungsfähigsten Sängerdarsteller seiner Generation. Es gelingt ihm überzeugend, Inhalte und die sinnliche Kraft der Musik zu beleuchten. Sein Blaubart ist mitreißend – Extraklasse! Seine enorme Bühnenpräsenz, gepaart mit fulminanter stimmlicher Autorität und sein prachtvoll strömender Bariton mischen sich mit ansteckendem Lachen, Sinnlichkeit und Brutalität; überaus glaubhaft ist seine innere Zerrissenheit und seine Leidenschaft. Kongenial an seiner Seite Vesselina Kasarova als Judit. Ihr geht es um die psychologisch emotionale Betonung der Rolle, die sie mit ihrem schimmernd warmen und sinnlichen Mezzosopran umsetzt. Sie verleiht der maßlos liebenden Judit lodernde Leidenschaft mit berückend leisen Tönen, Wärme, Frische und Innigkeit. Erotisch knisternde Spannung lässt die Gefühle eskalieren. Judit und Blaubart lieben sich leidenschaftlich, doch ihre Beziehung kann nicht funktionieren. „Nacht“, singt Blaubart, „bleibt es nun ewig.“ Beide Weltstars sind eine Aufsehen erregende Besetzung, ein Geschenk an alle Opernfreunde!

Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden unter der Musikalischen Leitung von Philipp Pointner öffnet hinter jeder der sieben Türen eine neue Klangwelt, die die vorherige mit ausdrucksstarker, glitzernder und schließlich lähmend-trauriger Musik überbietet. Grandios wird der Höhepunkt, das Öffnen der fünften Tür mit gleißendem C-Dur gespielt. Leitmotivische Intervalle, z. B. das Blutmotiv, durchweben mit effektvoll eingesetzten Soloinstrumenten die Handlung. Das Orchester präsentiert sich in geschliffener energiegeladener Bestform.

Rauschender Beifall, viele Bravorufe – Eine tief bewegende Aufführung

Von der imaginären Burg Herzog Blaubarts geht es nach der Pause in die „Neue Welt“. Die Zahl Sieben ist die Verbindung des Abends; Musiksprachen und Themen können aber unterschiedlicher nicht sein…

Die sieben Todsünden –  Kurt Weill
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Die sieben Todsünden  –  Kurt Weill

Die Machtergreifung der Nazis 1933 zwang den jüdischen Komponisten Kurt Weill, Deutschland zu verlassen. Er ging nach Paris, wo er bereits durch seine Werke Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Der Jasager und Die Dreigroschenoper bekannt war. Hier erhielt er den Auftrag, für die neu gegründete Truppe Les Ballet 1933 ein Tanzstück zu schreiben. Sein Werk, in dem getanzt, gesungen und gespielt wird, wird auch als „epische Kurzoper mit songspielhaften Elementen auf der Basis eines Balletts“ bezeichnet. Kurt Weill und Bertold Brecht fanden bei dieser Arbeit wieder zusammen, obwohl Brecht den Komponisten während der Proben zu Mahagonny als „falschen Richard Strauss“ beschimpft und gedroht hatte, ihn „in voller Kriegsbemalung“ die Treppe herunterzuwerfen.

Für die Rolle der Anna wurde Lotte Lenya engagiert. Außerdem wirkten Caspar Neher als Bühnenbildner, George Balanchine als Choreograph und Tilly Losch als erste Tänzerin mit. Im Juni 1933 wurden Die sieben Todsünden im Theatre des Champs Elysees uraufgeführt. Doch das Werk hatte – in deutscher Sprache gesungen – nicht den gewünschten Erfolg. Nur die in Paris lebenden deutschen Emigranten reagierten enthusiastisch. Erst durch die Plattenaufnahme mit Lotte Lenya, die 1956 erschien, wurde es einem großen Publikum bekannt.

Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht oder Neid

Brecht und Weill zeigen in diesem Stück eine verkehrte Welt: Schon der Titel  Die sieben Todsünden (der Kleinbürger) wirkt ironisch. Früher galt der Begriff der Todsünde für alle sozialen Gruppen. Verhaltensweisen wie Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht oder Neid sollten vermieden werden, um die Unsterblichkeit der Seele und die Aufnahme in das himmlische Paradies zu erreichen. Mit materiellen Bestrebungen hatten diese Lebensregeln wenig zu tun. Für Amerika galt das nicht: Für ein Haus in Louisiana wird Anna von ihren Eltern und Brüdern in die Welt geschickt. Sie muss in billigen Etablissements tanzen, ihren Körper verkaufen und darf sich nicht der wahren Liebe hingeben. Diesem Druck hält Anna nicht stand, sie zerbricht in zwei Personen. Anna I symbolisiert den erfolgsstrebenden gefühlskalten Teil des Mädchens. Sie erzählt ihre Geschichte in Worten. Dem steht die hübsche, gefühlvolle Anna II gegenüber, die ihren Part vor allem durch Tanz ausdrückt. Die Geschichte des Mädchens, das sieben Jahre lang durch sieben Städte reist, wird in sieben Nummern dargestellt. Der Zuhörer wird immer wieder durch radikale Stilwechsel innerhalb einer Nummer überrascht. Sprach- und Musikrhythmus passen nicht immer zusammenpassen. Solisten und Orchester agieren teilweise unabhängig voneinander. So entstehen in der „Nummer Stolz“ drei verschiedene rhythmische Ebenen gleichzeitig: Orchester, Familie und Anna. Die Musik des Epilogs erinnert eher an einen Trauermarsch. Der Dank bleibt aus… Die Familie bringt sich um. Das Ziel, ein kleines Haus in Louisiana, ist erreicht. Doch macht das glücklich? Zurück bleibt Anna als menschliches Wrack.

Zerbrechlichkeit der Familie, persönliches Leben und wirtschaftliche Systeme

Regisseurin Magdalena Weingut lässt Anna, noch bevor sich der Vorhang öffnet, mit einem Karton mit der Aufschrift „fragile“ auf der Bühne flanieren. Was ist zerbrechlich? Die Zerbrechlichkeit der Familie, das persönliche Leben oder die wirtschaftlichen Systeme? Ein aufregendes inszenatorisches Konzept für die Kammeroper. Aus diesem Karton holt Anna für die sieben Nummern ihre Kostüme und Utensilien. Ohne Choreograf und Tänzer sind die Anforderungen an Regie und Darstellerin sehr hoch. Mit Nicola Beller Carbone fand Weingut eine Sängerin mit der erforderlichen Vielfachbegabung… Drehbare Dreikantsäulen mit schwarzen Spiegelflächen begrenzen die Bühne (Matthias Schaller), eine Badewanne bildet den spielerischen Mittelpunkt. Durch Projektionen der Kupferstiche Todsünden von Pieter Breugel und dem Jüngsten Gericht, das Hieronymus Bosch zugeschrieben wird, wird der Brecht-Text sinnreich verstärkt. Die Kostüme von Katarzyna Szukszta verwandeln Anna mit jedem Kleidungsstück und mit jeder Perücke immer mehr zu einer verführerischen Frau. Warum die Familie auch als Ärzte, ja sogar Pestärzte agieren, ist dem Libretto nicht zu entnehmen.“

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die sieben Todsuenden - hier :  Nicola Beller Carbone als Anna © Karl Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die sieben Todsuenden – hier : Nicola Beller Carbone als Anna © Karl Monika Forster

„…sie zeigt ihren kleinen weißen Hintern, mehr wert als eine kleine Fabrik…“

Changierend zwischen Chanson und Oper singt, spielt und tanzt die jugendliche Nicola Beller Carbone die schizophrenen Anna I + II mit bemerkenswertem Elan. Ihr Spagat in der Wanne ist fast zirkusreif wie auch alle anderen Tanzeinlagen gefallen. Sehr biegsam mit viel Piano-Kultur gewinnt sie mit ihrer Charakterisierung, überzeugt mit dunkel getöntem Sopran, Ausstrahlung und guter Laune.

Auf einem Podest sitzt Annas geldgierige Familie am reich gedeckten Tisch – ein Männerquartett: Ralf Rachbauer (Vater), Julian Habermann (Bruder I) und Daniel Carison (Bruder II). Die Rolle der Mutter singt der Bass Florian Küppers. Ermahnungen an Anna wie „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ und Kommentare wie „Der Herr erleuchte unsere Kinder … “ unterstreichen die Verlogenheit der Sippe. In der Nummer „Unzucht“ wird Anna mit „Und sie zeigt ihren kleinen weißen Hintern, mehr wert als eine kleine Fabrik, zeigt ihn gratis den Gaffern und Straßenkindern…“, zur Prostitution aufgefordert. Köstlich gesungen und gespielt: „Sie hat einen Kontrakt als Solotänzerin, danach darf sie nicht mehr essen, was sie will und wann sie will. Das wird schwer sein für Anna, denn sie ist doch so verfressen…denn die wollen kein Nilpferd in Philadelphia.“ Hierzu tanzt Anna in einem aufregenden Glitzerkleid, drapiert mit einem überdimensionalen Maßband. Das stimmgewaltige Männerquartett ist bestens disponiert und gibt bei aller Boshaftigkeit auch immer wieder Anlass zum Schmunzeln.

Auch hier übernimmt Philipp Pointner die Musikalische Leitung. Während eines Abends von Bartók auf Weill „umzuspringen“, ist eine besondere Leistung, die ihm mit dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden zwischen radikalen Stilwechseln, zwischen Blues, Choral, Foxtrott, Furiant, Walzer, Dixieland, Tarantella und Shimmy glanzvoll gelingt..

Auch hier intensiver Applaus…

Herzog Blaubarts Burg – Die sieben Todsünden am Hessischen Staatstheater; die nächsten Vorstellungen 8.3.; 14.3.; 23.3.; 31.3.2019

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Stuttgart, Staatstheater Stuttgart, Die sieben Todsünden – Seven Heavenly Sins, IOCO Kritik, 16.02.2019

Schauspielhaus Stuttgart, Zuschauerraum © Bjoern Klein

Schauspielhaus Stuttgart, Zuschauerraum © Bjoern Klein

Schauspielhaus Stuttgart

  Die sieben Todsünden – Kurt Weill /  Seven Heavenly Sins – Peaches

Kampf der Geschlechter, der Musik- und Geschmacksrichtungen 

von Peter Schlang

Spartenübergreifende Produktionen haben im größten Dreispartenhaus Europas, den Staatstheatern Stuttgart, eine lange Tradition. Dennoch mussten die Theaterfreunde – und das sind in diesen Fällen (eigentlich) immer Opernfreundinnen und -freunde – 23 lange Jahre warten, bis es am Samstag, dem 2. Februar 2019 unter drei neuen Intendanten wieder zu einer Neu-Inszenierung kam, an der maßgeblich und explizit Vertreter aller drei Sparten, also der Oper, des Balletts und des Schauspiels, beteiligt sind.

Die Staatstheater Stuttgart wuchten in einer Drei-Sparten-Produktion – Die sieben Todsünden von Kurt Weill und Bertolt Brecht – und mehr auf die Bühne

Ausgewählt hatte man dafür das, sieht man von dem dafür benötigten Orchester-Apparat ab, in allen drei Bereichen solistisch wie den Chor- oder das Corps betreffend eher dünn besetzte „Ballett mit Gesang“ Die sieben Todsünden von Kurt Weill und Bertolt Brecht, welches der Choreograf Georges Balanchine bei den zwei deutschen Exilanten für Paris in Auftrag gegeben hatte. Da dieses „ballet chanté“, welches am 7. Juni 1933 am Théâtre des Champs-Élysées in Paris mit Lotte Lenya und Tilly Losch in den Hauptrollen uraufgeführt wurde, jedoch mit nur 35 Minuten Spieldauer selbst für die inzwischen im Stuttgarter Schauspielhaus fast zur Regel gewordenen pausenlosen Kurz-Abende viel zu kurz ist, suchte die für diese Ko-Produktion gewonnene Regisseurin Anna-Sophie Mahler nach Material und Wegen, um aus Brecht-Weills gerade aus Sicht des weiblichen Teils der Gesellschaft noch immer berechtigter Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen einen halbwegs abendfüllenden Theaterabend zu basteln. Fündig wurde sie dabei bei der in den entsprechenden Kreisen zu einer Ikone der Freiheit und des Feminismus gewordenen kanadischen Punk- und Electroclash-Sängerin Peaches, die in ihrem unter dem Topos Seven Heavenly Sins firmierenden Teil der Produktion nicht nur ihre bekannten, teils zwanzig Jahre alten Songs life präsentieren, sondern sich auch sonst intensiv „performen“ und somit auf der Bühne des Schauspielhauses eine maßgebende Rolle einnehmen durfte.

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden - Seven heavenly sins - hier : Josephine Köhler, Peaches, Louis Stiens © Bernhard Weis

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden – Seven heavenly sins – hier : Josephine Köhler, Peaches, Louis Stiens © Bernhard Weis

Als weitere Erweiterung des Originals fügt die Regisseurin der von Brecht-Weill in zwei Teile gespaltenen Anna noch zwei Abspaltungen hinzu, wobei die beiden Ur-Annas der Haupthandlung der sehr präsenten und zu jeder Zeit äußerst intensiv agierenden und bis an ihre Grenzen gehenden Schauspielerin Josephine Köhler und dem nicht minder überzeugenden Halbsolisten und Nachwuchs-Choreografen der Stuttgarter Compagnie, Louis Stiens, anvertraut sind. Letztgenannter zeichnet auch für die Choreografie dieses Abends verantwortlich und wird so zum wichtigsten Akteur des Stuttgarter Balletts in dieser Ko-Produktion.

Als die beiden weiteren Inkorporationen Annas fungieren der bereits erwähnte Stargast Peaches, welche auch die meisten der in Weills Partitur enthaltenen Songs Annas übernimmt, und die mit dieser Produktion aus dem aktiven Tänzerinnendienst scheidende Melinda Witham, die der Stuttgarter Compagnie seit über vier Jahrzehnten angehörte und sich selbst als „eine der letzten Nachkömmlinge Crankos“ bezeichnet. Peaches ergänzt das Brecht’sche Original, das die in der katholischen Morallehre als die sieben Todsünden gebrandmarkten Untugenden Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid vorstellt, um sieben mit den gleichen Titeln versehene, aber nun eben als „himmlische Sünden“ bezeichnete Eigenschaften, die sich allerdings – entgegen der Verheißung in Titel und Begleit-Leporello – auf eine einzige reduzieren lassen, nämlich die Wollust oder eine uneingeschränkte sexuelle Freizügigkeit. Diese wird dann auch von den vier Anna-Abspaltungen in aller Freiheit und Ausführlichkeit demonstriert, wobei die Regie allerhand zusätzliches Text- sowie Ausstattungsmaterial bemüht und nicht nur die Bühnentechnik des Schauspielhauses gehörig in Bewegung bringt. Dies gilt im ersten Teil des Abends auch für die vier Sänger Elliot Carlton Hines, Christopher Sokolowski (Beides Mitglieder des internationalen Opernstudios), Gergely Németi und Florian Spiess, welche nicht nur die ihre Tochter immer anpeitschenden wie ausnehmenden Eltern Annas und deren zwei Brüder darstellen, sondern auch allerhand Personen verkörpern, denen die „vier Annas“ während ihrer unmoralischen Anschaffungstour für die Familie ausgeliefert sind.

Als Scharnier zwischen diesem mehr oder weniger originalen ersten Teil und dem beschriebenen „Peaches-Intermezzo“ fungiert ein von Josephine Köhler mit viel Verve und allen darstellerischen Raffinessen vorgetragener Monolog der französischen Existenzialistin Virginie Despentes aus deren die Frauen stärkendem und verteidigendem Text „Die King-Kong-Theorie“, dessen ambitioniertes Programm im folgenden Peaches-Teil jedoch leider nicht aufgegriffen wird.

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden - Seven heavenly sins - hier : Josephine Köhler, Peaches, Louis Stiens, Christopher Sokolowski, Gergely Nemeti © Bernhard Weis

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden – Seven heavenly sins – hier : Josephine Köhler, Peaches, Louis Stiens, Christopher Sokolowski, Gergely Nemeti © Bernhard Weis

Interessanter und viel ergreifender gelingt der vierte und abschließende Teil dieses Patchwork-Abends. Hier lässt uns die äußerst realitätsnah und sehr berührend auftretende 64jährige Melinda Witham als gealterte Anna zu den Klängen von Charles Ives‘ „The unanswered question“ nicht nur an ihrem Abschied von der Bühne und damit vom öffentlichen gesellschaftlichen Leben teilhaben, sondern gewährt uns insgesamt anrührende Einblicke in die letzten und entscheidenden Phasen menschlichen Lebens und deren Wertigkeit. Diese Szene wird in Erinnerung bleiben und entschädigt auch für manche Ohren-Pein, welche zumindest dem älteren und  der eher klassischen Theaterkunst anhängenden Teil der Zuschauer an nicht wenigen Stellen des ohne Pause gespielten, neunzigminütigen Abends zugemutet wurde.

Dieser hat durchaus seine Reize und großen Momente, so etwa, wenn die Regisseurin den Lebenswandel Annas, genauer der ersten beiden Ihrer Alter-Egos, als Boxkampf arrangiert und dazu einen echten Boxring mit allem erforderlichen Beiwerk auf die Bühne stellt (Bühne: Katrin Connan, Kostüme Marysol del Castillo und Charlie Le Mindu sowie Courtesy of Peaches Collection) oder diesen nach Weills/Brechts Beitrag mit viel Rauch und Licht in den Bühnenhimmel aufsteigen lässt. Zuvor aber agieren die beiden erwähnten Anna-Darsteller Josephine Köhler und Louis Stiens auf ihm mit sportlichem Fleiß und zeitweise akrobatischer Meisterschaft, während das an drei Seiten um den Boxring platzierte Staatsorchester nicht nur das Publikum des Boxkampfes simuliert, sondern dem ersten Teil des Abends eine jederzeit verlässliche musikalische Basis verleiht. Unter der umsichtigen und souveränen Leitung Stefan Schreibers lassen die Musikerinnen und Musiker alle Nuancen und genre-überschreitenden Anspielungen der Weill‘schen Musik perlend, tänzerisch und mitreißend hörbar werden und verwandeln die Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses so musikalisch in ein Tanzlokal oder Varieté der späten Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts, während Peaches in ihrem Teil das Theaterpublikum eher in einen jetzt-zeitlichen, total angesagten Club entführt.

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden - Seven heavenly sins - hier : Josephine Köhler und Peaches © Bernhard Weis

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden – Seven heavenly sins – hier : Josephine Köhler und Peaches © Bernhard Weis

Dem Staatsorchester, vor allem seinen Disponenten und sonstigen Verantwortlichen muss man für diesen Abend aber noch ein weiteres großes Lob aussprechen, leisten doch seine Mitglieder nicht nur bei der dieser Besprechung zu Grunde liegenden ersten Repertoire-Aufführung der Sieben Todsünden im Schauspielhaus ihren Dienst. Im Opernhaus ging vielmehr zur selben Zeit eine Aufführung von Puccinis Madame Butterfly über die Bühne, und am Premierenabend war dort Cherubinis Medea gezeigt worden. Zwei Opern in nicht gerade kleiner Orchester-Besetzung zur gleichen Zeit – das verlangt nach größtem Respekt und zeugt von der großen organisatorischen wie personellen und musikalischen Substanz der Stuttgarter Staatsoper!

Dramaturgisch-theatralisch hinterließ diese, die Sparten vereinende Produktion wie schon angedeutet beim Berichterstatter einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen bietet sie in etlichen Momenten durchaus gute Unterhaltung, zeugt von dem enormen technischen wie qualitativen Potential der drei Abteilungen der Stuttgarter Staatstheater und belegt darüber hinaus das hohe Niveau, auf dem hier für ein breites Publikum Theater gemacht werden kann. Andererseits hinterlässt die Aufführung beim kritischen Besucher doch einige Zweifel, ob man sie als ernsthaften Einwurf in der Me-Too-Debatte und als mutigen Beitrag zur Einforderung von Respekt für und vor Frauen oder gar zu deren Emanzipation betrachten kann.

So wird die im Programm-Leporello formulierte Ankündigung, die Inszenierung wolle Antworten auf die Frage geben, „wie man (als Frau?) raus aus der systematischen Gewalt und den strukturellen Zwängen komme“, ja überhaupt die „großen Fragen nach der Möglichkeit von individueller Freiheit und den Bedingungen für ein selbstbestimmtes Leben stellen“, an kaum einer Stelle umgesetzt. Wenigstens in Teilen wird dagegen ein anderes, im Programm gegebenes Versprechen eingelöst, nämlich, dass man (als Zuschauer/in) an diesem Abend „eine gute Zeit haben“ werde. Doch dies ist für ein solches Projekt und den dafür betriebenen immensen Aufwand dann doch etwas wenig, denn sowohl die Inszenierung des Brecht-Teils als auch das Arrangement der Peaches-Songs zur gleichnamigen Show bieten bestenfalls gehobenes Varieté- oder Revue-Niveau, bleiben aber leider eine tragfähige inhaltliche oder gar gesellschaftspolitische Aussage schuldig.

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden - Seven heavenly sins - hier : Josephine Köhler und Peaches. Louis Stiens © Bernhard Weis

Staatstheater Stuttgart / Die sieben Todsünden – Seven heavenly sins – hier : Josephine Köhler und Peaches. Louis Stiens © Bernhard Weis

Wenn man sich allerdings das volle Haus bei den beiden ersten Aufführungen und den offenkundig bestens laufenden Vorverkauf für die kommenden Vorstellungen anschaut, dürfte dieses Defizit das Publikum keineswegs vom Weg ins Stuttgarter Schauspielhaus abhalten, sondern diesem vielmehr auch weiter ausverkaufte Abende und zudem eine Zielgruppe als Besucher bescheren, die man sonst in den Vorstellungen der Stuttgarter Staatstheater meist vergeblich sucht. Denn wann hat der Rezensent schon einmal die Begeisterung der neben ihm sitzenden jüngeren Frauen an deren Jauchzen und den von ihnen mitgesungenen Songs sowie sogar über den Boden spüren können, den das Trappeln der Füße eines begeisterten Teils des Publikums zum Beben brachte, dem man sonst eher in den Discos und Clubs der baden-württembergischen Landeshauptstadt begegnen dürfte?

So kann man diese neue Ko-Produktion der drei Stuttgarter Staatstheater-Sparten auch als äußerst gelungenen Marketing-Gag sehen, was angesichts eines sonst eher grauhaarigen Publikums in den „normalen“ Vorstellungen – zumindest von Schauspiel und Oper – keineswegs kleinzureden oder gar zu verurteilen ist.

Die sieben Todsünden von Kurt Weill / Bertolt Brecht im Schauspielhaus Stuttgart; weitere Vorstellungen am 17. und 25. 02. sowie am 02., 10., 23. und 30.03. 2019

—| IOCO Kritik Schauspielhaus Stuttgart |—

Berlin, Staatsballett Berlin, Celis / Eyal – Saisoneröffnung 07.09.2018, IOCO Aktuell,

August 27, 2018 by  
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Staatsballett Berlin

 Komische Oper Berlin / Zuschauerraum - Spielstätte des Staatsballett Berlin © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum – Spielstätte des Staatsballett Berlin © Gunnar Geller

 Saisoneröffnung 7.9.2018 – Celis / Eyal – Komische Oper Berlin

Ensemble wächst von 84 auf 93 Mitglieder

Das Staatsballett Berlin startet in die Saison 2018/2019 mit Johannes Öhman als neuem Intendanten (ab 2019/2020 mit Sasha Waltz) und einem vergrößerten Ensemble von 84 auf 93 Tänzerinnen und Tänzer. Viele der neuen Compagnie-Mitglieder werden bereits in den Vorstellungen im September und Oktober auf der Bühne zu sehen sein. Die Besetzungen der Hauptpartien dieser Vorstellungen sind ab 21.08.2018 online. Als Saisonbeginn kommt der  zeitgenössische Abend Celis | Eyal am 07. September 2018 in der Komischen Oper Berlin zur Premiere.

Staatsballett Berlin / Intendant Johannes Öhmann © Mats Bäcker

Staatsballett Berlin / Intendant Johannes Öhmann © Mats Bäcker

Das Staatsballett Berlin mit dem neuen Intendanten Johannes Öhman (ab 2019/2020 mit Sasha Waltz) hat sich zum Auftakt der Spielzeit von 84 auf 93 Compagniemitglieder vergrößert, darunter drei Erste Solotänzerinnen und –tänzer: Yolanda Correa, Daniil Simkin und Alejandro Virelles.

Yolanda Correa, geboren auf Kuba, war langjähriges Ensemble-Mitglied beim Cuban National Ballet, tanzte ab 2010 beim Norwegischen Nationalballett in Oslo und daneben bei verschiedenen Compagnien als Gast-Solistin. 2014 wurde sie nach ihrem Debüt als Tatjana in Crankos Onegin für den „Benois de la Danse“ nominiert. Ihr Repertoire umfasst sowohl klassische als auch zeitgenössische Rollen. In der ersten Vorstellung von Schwanensee am 15. September 2018 interpretiert sie die Doppelrolle Odette/Odile an der Seite von Marian Walter.
Daniil Simkin, gilt als Ballett-Star und  begann seine professionelle Karriere 2006 beim Wiener Staatsballett als Demi-Solist, 2008 wechselte er als Solotänzer zum American Ballet Theatre in New York City und wurde 2012 zum Ersten Solotänzer befördert. Seitdem tanzte er viele Hauptrollen in klassischen und neoklassischen Produktionen des Repertoires der Compagnie und tourt international in Nord- und Südamerika, Asien und dem Nahen Osten. Er wird in Berlin erstmals am 21. September 2018 als Lenski in Onegin zu sehen sein.
Alejandro Virelles, ebenfalls gebürtiger Kubaner, tanzte beim Cuban National Ballet, beim Barcelona Ballet und beim Boston Ballet. 2014 ging er als Erster Solotänzer zum English National Ballet und trat als Gast in Russland, den USA und Südamerika auf. Ab 2017 war er Erster Solotänzer beim Bayerischen Staatsballett. Er wird erstmals an der Seite von Polina Semionova am 19. September 2018 als Prinz Siegfried in Schwanensee auftreten.

Schwanensee Staatsballet Berlin
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Außerdem wird die Compagnie verstärkt um die Solotänzerinnen und –tänzer Sarah Brodbeck, Evelina Godunova, Vahe Martirosyan und Daniel Norgren-Jensen sowie die Demi-Solotänzerinnen und –tänzer Jenna Fakhoury, Ross Martinson und Jonny McMillan. Ensemblemitglied Murilo de Oliveira vom Corps de ballet freut sich über die Beförderung zum Demi-Solotänzer. In den ersten Vorstellungen im September und Oktober können die neuen Tänzerinnen und Tänzer bereits erlebt werden, die Besetzungen finden sich ab morgen online.

Die Saison beginnt mit dem Eröffnungsfest am 01. September 2018 in der Deutschen Oper Berlin, zu dem das Staatsballett zu öffentlichen Proben auf der Großen Bühne sowie in seinen Probesälen einlädt. Es folgt die Produktion Schwanensee in diesem Haus, die im September und Oktober gespielt wird und nun wieder in voller Dekoration und Beleuchtung gezeigt werden kann. Höhepunkte der Spielzeit sind die Premieren „Celis | Eyal“ am 07. September 2018 in der Komischen Oper Berlin, La Bayadère am 04. November 2018 in der Staatsoper Unter den Linden, „Van Dijk | Eyal“ am 15. Februar 2019 in der Komischen Oper Berlin, La Sylphide am 01. März 2019 in der Deutschen Oper Berlin sowie Balanchine | Forsythe | Siegal in der Staatsoper Unter den Linden am 04. Mai 2019. 

Staatsballett Berlin / Spielzeiteröffnung mit EYAL - hier : EYAL mit dem Royal Swedish Ballett © Hans Nilsson

Staatsballett Berlin / Spielzeiteröffnung mit EYAL – hier : EYAL mit dem Royal Swedish Ballett © Hans Nilsson

Premiere / Hauptpartien – September / Oktober 2018

Celis | Eyal  –  Premiere 07. September 2018, Komische Oper Berlin

Stijn Celis „Your passion is pure joy to me“
Jenna Fakhoury, Sarah Hochster, Xenia Wiest, Jonny McMillan, Ross Martinson, Eoin Robinson, Lucio Vidal

Sharon Eyal „Half Life“
Sarah Brodbeck, Filipa Cavaco, Weronika Frodyma, Mari Kawanishi, Ilenia Montagnoli, Danielle Muir, Gregor Glocke, Olaf Kollmansperger, Konstantin Lorenz, Ross Martinson, Jonny McMillan, Daniel Norgren-Jensen, Federico Spallitta

Schwanensee, Deutsche Oper Berlin – 15. September, 07., 14. Oktober 2018
Yolanda Correa als Odette/Odile, Marian Walter als Prinz Siegfried, 19. September, 11. Oktober 2018, Polina Semionova als Odette/Odile, Alejandro Virelles als Prinz Siegfried, 28. September, 06., 21. und 26. Oktober 2018, Iana Salenko als Odette/Odile, Dinu Tamazlacaru als Prinz Siegfried

Debüts:
Aurora Dickie als Königin am 15. September 2018
Vahe Martirosyan als Rotbart am 15. September 2018
Denis Vieira als Benno am 15. September 2018
Luciana Voltolini im Pas de trois am 15. September 2018
Sarah Brodbeck als Königin am 19. September 2018
Yuria Isaka im Pas de trois am 19. September 2018
Olaf Kollmansperger als Benno am 28. September 2018
Evelina Godunova im Pas de trois am 28. September 2018

Musikalische Leitung:  15., 19. September, 21., 26. Oktober 2018, Alevtina Ioffe,  28. September, 06., 07., 11., 14. Oktober 2018, Robert Reimer

Eugen Onegin Staatsballett Berlin
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Onegin, Staatsoper Unter den Linden,  21. September, 19. Oktober 2018, Elisa Carrillo Cabrera als Tatjana, Mikhail Kaniskin als Onegin,  Weitere Besetzungen der genannten Termine sind online zu finden.

—| Pressemeldung Staatsballett Berlin |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Spielzeit 2018/19 – Opulent, Bereichernd, IOCO Aktuell, 04.08.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Spielzeit 2918/19 – Eröffnung 8. September 2018

 Auslastung steigt  –  Doch …..

In der Spielzeit 2017/18 sahen 345.000 Besucher (Vorjahr 320.000) die Vorstellungen der Hamburgischen Staatsoper; Gesamtauslastung 82%. 205.000 Besucher (Vorjahr 186.000) sahen Vorstellungen der Staatsoper. Die Auslastung der Staatsoper liegt mit 77%, Vorjahr 72% nur im Mittelfeld von Opernhäusern im deutschen Sprachraum. 140.000 Besucher (Vorjahr 134.000) sahen Vorstellungen des Hamburg Ballett von John Neumeier. Die Auslastung von 90% (Vorjahr 86%) ist, auch im internationalen Vergleich, hoch.

Die Staatsoper Hamburg eröffnet am 8. September 2018 die vierte Spielzeit unter der Intendanz von Georges Delnon mit Mozarts Così fan tutte in einer Neuinszenierung von Herbert Fritsch und unter der Musikalischen Leitung von Sébastien Rouland.

Anna Karenina und das Hamburg Ballett
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„In der vierten Saison führen wir unsere bühnenästhetische Linie fort, befragen große wichtige Werke der Opernliteratur und kreieren neues Musiktheater. Sie ist – da setzen wir auf Kontinuität – geprägt von dem ausgesprochenen Wunsch, das künstlerische Profil unseres Hauses weiterhin unverkennbar zu konturieren und wahrnehmbar zu schärfen. Wir begegnen dem Theaterzauberer Achim Freyer mit Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust wieder. John Neumeier präsentiert seine Sicht auf Glucks Oper Orphée et Eurydice. Wir freuen uns auf die in der Opernszene mit großer Spannung erwartete Deutsche Erstaufführung Lessons in Love and Violence von George Benjamin. Die Italienischen Opernwochen, ein Format, das wir letzte Spielzeit erfolgreich etablierten, werden wir fortsetzen. Zur Eröffnung wird der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten“, so Opernintendant Georges Delnon zur Programmatik der Spielzeit 2018/19.

Für seine 46. Saison als Chef des Hamburg Ballett hat John Neumeier ein sehr persönliches Programm zusammengestellt. „In den vergangenen 45 Jahren konnte ich in, mit und für die Stadt Hamburg so viel bewegen, dass ich mich immer wieder neu für diese traditionsreiche Hansestadt als Zentrum meiner künstlerischen Arbeit entschieden habe. In der kommenden Saison feiere ich meinen 80. Geburtstag und nehme dies zum Anlass, in dem Programm meiner Compagnie einige ‚Lebenslinien‘ zusammenzuführen“, erläutert Ballettintendant John Neumeier.

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Mit der Premiere Brahms/Balanchine greift John Neumeier zwei Werke des wirkungsmächtigen Erneuerers des Tanzes George Balanchine auf. Die Uraufführung Die Glasmenagerie nach Tennessee Williams mit Musik von Charles Ives und Philip Glass ergänzt John Neumeiers beeindruckenden Werkkatalog um ein neues, zutiefst amerikanisches Ballett. Gezielt unterstreicht John Neumeier mit der Auswahl der Wiederaufnahmen die stilistische Vielfalt der von ihm gepflegten Ballettgenres und räumt der Begegnung von Gesang und Tanz einen eigenen Raum ein. All Our Yesterdays (Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler) knüpft an die Tradition des Sinfonischen Balletts an, während Bernstein Dances als Ballettrevue konzipiert ist. Jenseits der gängigen Formate bringt das Hamburg Ballett im Februar 2019 zwei außergewöhnliche Produktionen auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Zum einen ist die Compagnie an der Europäischen Erstaufführung von John Neumeiers Opernproduktion Orphée et Eurydice beteiligt. Zum anderen präsentiert das Hamburg Ballett die hochkarätig besetzte Benefizgala The World of John Neumeier: Am Abend seines 80. Geburtstags übernimmt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger persönlich die Moderation dieser Ballettgala zugunsten seiner Stiftung John Neumeier. 

Abonnementsbestellungen sind ab 28. März 2018 möglich. NEU! Mit der Spielzeit 2018/19 können erstmals bereits ab Montag, 11. Juni 2018 (für Abonnenten bereits ab Donnerstag, 7. Juni 2018) Karten für die gesamte Opern- und Ballett-Saison erworben werden. Der bisherige Verkaufsstart für ein beschränktes Kartenkontingent jeweils 28 bzw. 29 Tage vor der Vorstellung entfällt ab der Spielzeit 2018/19. Diese Plätze sind bereits im Jahresverkauf oder im Abo erhältlich. Für die Nijinsky-Gala, die Geburtstagsgala The World of John Neumeier und die Ballett-Werkstätten gelten gesonderte Vorverkaufsregelungen. Während der Theaterferien ist der Karten- und Abonnementservice vom 9. bis 29. Juli 2018 geschlossen.

Parsifal –  2019 WA an der Staatsoper
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Die Neuproduktionen der Staatsoper Hamburg der Spielzeit 2018/19

Mit Mozarts Così fan tutte setzt die Staatsoper ihre Da Ponte-Reihe fort und eröffnet am 8. September 2018 die Spielzeit 2018/19. Erstmals wird Herbert Fritsch Regie führen, die Musikalische Leitung hat Sébastien Rouland. Es ist im vierten Jahr Tradition: Die Eröffnungspremiere wird im Rahmen des Binnenalster Filmfestes und in Zusammenarbeit mit dem Filmfest Hamburg, dem City Management Hamburg und dem „Verein lebendiger Jungfernstieg“ zeitversetzt auf einer Kino-Leinwand am Jungfernstieg übertragen.

Generalmusikdirektor Kent Nagano und Achim Freyer führen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort und werden am 28. Oktober 2018 Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust mit Christian Gerhaher in der Hauptrolle auf die Opernbühne bringen.

Im neuen Jahr folgt am 3. Februar 2019 John Neumeiers Sicht auf Glucks Orphée et Eurydice. Hierfür kehrt Alessandro De Marchi ans Pult des Philharmonischen Staatsorchesters zurück und neben Dmitry Korchak und Andriana Chuchman ist das neue Ensemblemitglied Elbenita Kajtazi als L’Amour zu hören, es tanzt das Hamburg Ballett.

Zur Eröffnung der Italienischen Opernwochen 2019 wird am 10. März 2019 der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters steht mit Paolo Carignani ein Spezialist für italienisches Repertoire. Die Staatsoper Hamburg nimmt damit die Tradition der Italienischen Opernwochen wieder auf: Zwischen 10. März und 6. April 2019 werden die schönsten italienischen Opern des Repertoires mit herausragenden internationalen Sängerinnen und Sängern an der Staatsoper zu hören sein. Neben Verdis Nabucco mit den herausragenden Sängern Dimitri Platanias, Alexander Vinogradov, Oksana Dyka und Dovlet Nurgeldiyev sind Rossinis Il Barbiere di Siviglia mit Franco Vassallo, Maurizio Muraro und Julia Lezhneva, Puccinis Manon Lescaut mit der gefeierten Sängerin Kristine Opolais zu erleben sowie Irina Lungu und Stephen Costello in La Traviata und Ramón Vargas als Gustavo III. in Un Ballo in Maschera.

Lessons in Love and Violence – die neue Oper von George Benjamin, basierend auf einem Text von Martin Crimp – wird am 7. April 2019 Premiere in Hamburg haben. Regie führt Katie Mitchell, die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano. Es ist ein Auftragswerk und eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden (Uraufführung 10. Mai 2018), De Nederlandse Opera Amsterdam, Opéra de Lyon, Lyric Opera of Chicago, Gran Teatre del Liceu Barcelona und dem Teatro Real Madrid.

Im Rahmen des Internationalen Musikfestes Hamburg 2019 zeigt die Staatsoper Hamburg die Deutsche Erstaufführung der Auftragskomposition Thérèse von Philipp Maintz nach einem Text von Otto Katzameier. Die Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg wird in Kooperation mit der Elbphilharmonie Hamburg ab 18. Mai 2019 im kleinen Saal der Elbphilharmonie gezeigt. Regie führt Georges Delnon. Die Musikalische Leitung hat Nicolas André.

Als Wiederaufnahme steht die Barockoper Alcina von Georg Friedrich Händel in der Inszenierung von Christof Loy ab 30. September 2018 wieder auf dem Spielplan der Staatsoper. Ebenso ist der gefeierte Hamburger Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Inszenierung von Claus Guth in zwei Vorstellungsserien ab 30. Oktober 2018 mit namhaften Gesangssolisten in der Staatsoper zu erleben. Die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Hamburgische Staatsoper / opera piccola - hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Hamburgische Staatsoper / opera piccola – hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Die opera piccola Staatsopernproduktion der Spielzeit 2016/17 Erzittre, feiger Bösewicht! wird im August 2018 als Gastspiel in Shanghai gezeigt. Diese Oper für Kinder ab 7 Jahren nach Motiven der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Johannes Harneit ist von Georges Delnon inszeniert, die Musikalische Leitung in Shanghai hat Nathan Brock. Es singen und spielen Mitglieder des Internationalen Opernstudios, The Young ClassX Solistenensemble und Musiker aus Shanghai. Die Produktion wurde ermöglicht durch die Michael Otto Stiftung. „opera piccola“ wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Staatsoper Hamburg 2018/19 – opera stabile:

opera stabile – a living lab wird unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper, der Hapag-Lloyd Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung.

In der opera stabile wird mit Ring & Wrestling in dieser Spielzeit die erste Soap-Opera gezeigt, die den Ring des Nibelungen in fünf unterhaltsamen Episoden erzählt. Unter der Musikalischen Leitung von Leo Schmidthals inszeniert Dominik Günther. Vorstellungen sind im September und Oktober 2018 in fünf Folgen.

Die opera piccola der Staatsoper Hamburg ist in dieser Spielzeit Schneewittchen von Wolfgang Mitterer. Inszeniert wird die Kinderoper für 4 Singstimmen und 7 Zwerge von Birgit Kajtna. Premiere ist am 9. Februar 2019. Es singen und spielen Schülerinnen und Schüler aus Hamburger Schulen und Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters unter der Leitung von Frederick Brown. opera piccola wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Mit der Produktion der Akademie Musiktheater heute Die Nacht der Seeigel steht ab 2. Mai 2019 eine zeitgenössische Produktion auf dem Spielplan der opera stabile.

Das Internationale Opernstudio präsentiert sich zum Abschluss der Spielzeit ab 21. Juni 2019 mit Moskau, Tscherjomuschki in einer eigenen Produktion. Regie führt Vera Nemirova. Die Musikalische Leitung hat Rupert Burleigh. 

  Hamburg Ballett –  John Neumeier 2018/19

In der Saison 2018/19 steht das Programm des Hamburg Ballett unter dem Motto „Lebenslinien“. Nach 45 Jahren als Chef des Hamburg Ballett fasst John Neumeier unter diesem Begriff eine sehr persönlich konzipierte Spielzeit zusammen. Nach dem Welterfolg Endstation Sehnsucht setzt John Neumeier seine Beschäftigung mit dem amerikanischen Dramatiker Tennessee Williams fort und präsentiert als Uraufführung Die Glasmenagerie. 75 Jahre nachdem Williams mit diesem Titel seinen ersten großen Bühnenerfolg feierte, eröffnet John Neumeiers gleichnamige Ballettadaption am 16. Juni 2019 die 45. Hamburger Ballett-Tage.

Die Winterpremiere des Hamburg Ballett Brahms/Balanchine (9. Dezember 2018) widmet John Neumeier dem legendären New Yorker Ballettchef George Balanchine: „Er war in gewisser Weise ein Vorbild für mich – nicht nur, weil er dem New York City Ballet vergleichbar verbunden blieb wie ich Hamburg. Er beeindruckte mich als Erneuerer des Tanzes, der seine eigenen ‚Wurzeln‘ tief in die Tradition hineinversenkte und mit der Kraft, die ihm daraus erwuchs, klassisches Ballett in zeitgemäße Ausdrucksformen überführte.“ Die Produktion vereint das opulente Brahms-Schoenberg Quartet mit dem eher intimen Ballett Liebeslieder Walzer – für John Neumeier ein selten aufgeführtes „Juwel“ unter Balanchines Choreografien.

Als herausragenden Saisonhöhepunkt präsentiert John Neumeier am Abend seines 80. Geburtstags, 24. Februar 2019,  die von ihm persönlich moderierte Benefizgala The World of John Neumeier. Seine Vision: ein eigenständiges Ballettinstitut mit der hochkarätigen Sammlung seiner Stiftung als Kernbestand. Mit diesem Ziel vor Augen widmet John Neumeier den Gewinn aus der Benefizgala der Stiftung John Neumeier.

Am Eröffnungswochenende der Spielzeit zeigt das Hamburg Ballett als Wiederaufnahme Bernstein Dances (9. September 2018) und würdigt damit einen langjährigen persönlichen Freund John Neumeiers anlässlich seines 100. Geburtstages. Außerdem begeht das Hamburg Ballett mit Chopin Dances den ebenfalls 100. Geburtstag von Jerome Robbins. Auch die klassisch geprägten Ballette Der Nussknacker und Illusionen – wie Schwanensee (beide von John Neumeier) sowie Don Quixote (von Rudolf Nurejew) greifen ein weltweit gefeiertes Jubiläum auf: den 200. Geburtstag des stilprägenden Ballettmeisters und Choreografen Marius Petipa.

Das Saisonprogramm 2018/19 macht die Vielfalt der Ballettgenres erlebbar, die John Neumeiers Wirken als Künstler und Choreograf auszeichnet. Im Bereich der Sinfonischen Ballette gehört dazu neben dem Beethoven-Projekt (Uraufführung am 24. Juni 2018) insbesondere die Wiederaufnahme All Our Yesterdays: Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler (17. Februar 2019). Des Weiteren sind zu nennen: die Literaturballette Anna Karenina (Foto) und Die Kameliendame, das Ballett mit geistlicher Musik Weihnachtsoratorium I-VI sowie John Neumeiers spartenübergreifendes „Gesamtkunst­werk“ Orphée et Eurydice, das als Koproduktion mit der Lyric Opera Chicago und der Los Angeles Opera am 3. Februar 2019 seine Europäische Erstaufführung erlebt. Orphée et Eurydice ist eine Produktion der Staatsoper Hamburg unter Beteiligung des Hamburg Ballett. Diese Premiere wird – ebenso wie die Produktion Brahms/Balanchine – unterstützt von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper.

Die 45. Hamburger Ballett-Tage (16. bis 30. Juni 2019) werden eingerahmt durch die Uraufführung Die Glasmenagerie von John Neumeier und die Nijinsky-Gala XLV als feierlichem Saisonabschluss. Das Festival präsentiert die interessantesten Ballett­produktionen der Spielzeit, einschließlich der Oper Orphée et Eurydice. Zudem zeigt das renommierte niederländische Het Nationale Ballet am 25. und 26. Juni 2019 ein Programm mit Balletten des gefeierten Choreografen Hans van Manen, unter anderem Symphonies of the Netherlands und 5 Tangos. John Neumeier lädt diese strahlkräftige Gastcompagnie nach 1977 und 1990 zum dritten Mal in die Hansestadt ein.

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina - hier Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina – hier :  Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Viermal in der Spielzeit finden die beliebten Ballett-Werkstätten des Hamburg Ballett statt. In diesen Matinee-Vorstellungen erläutert John Neumeier die tanzhistorischen Hintergründe zu seinen Balletten und gibt Einblicke in deren Entstehungsprozess. Hervorzuheben ist die Benefiz-Werkstatt am 16. Dezember 2018, deren Spendenerlös der Stiftung Tanz zugutekommt.

Hinter dieser Entscheidung steht John Neumeiers vielfältiges Engagement für die Begleitung von Tänzerkarrieren, auch jenseits der Erfolgsphasen. Als Kuratoriums­vorsitzender setzt er sich seit der Gründung der Stiftung Tanz dafür ein, dass Tänzer im Anschluss an ihre aktive Karriere eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft entwickeln können. Ebenfalls auf seine Initiative gehen die Stellen für Aspiranten des Hamburg Ballett zurück: Sie erhalten am Ende ihrer Berufsausbildung und auf eine Saison begrenzt die Möglichkeit, im Rahmen der Arbeit des Hamburg Ballett an den Beruf als professionelle Tänzer herangeführt zu werden.

Vom 25. bis 27. Februar und vom 1. bis 3. März 2019 feiert die Ballettschule des Hamburg Ballett das zehnjährige Jubiläum der jährlich veranstalteten Werkstatt der Kreativität. Seit 2010 sind die Theaterklassen zu Gast im Ernst Deutsch Theater und zeigen eigene Choreografien als getanzte Abschlussarbeiten. Ebenso wie die Werkstatt der Kreativität genießt das kreative Format der Jungen Choreografen die besondere Wertschätzung von Ballettschuldirektor und Intendant John Neumeier: Gemeinsam mit ihren Kollegen erarbeiten die Tänzer des Hamburg Ballett in ihrer Freizeit eigene Choreografien und präsentieren sie in einem professionellen Rahmen. Nach vier Spielzeiten in der opera stabile wechseln die Jungen Choreografen ihre Bühne. Ort und Daten der neuen Spielstätte werden gesondert bekanntgegeben.

Die Spielzeit 2018/19 führt das Hamburg Ballett auf Tourneen ins In- und Ausland – mit insgesamt vier verschiedenen Balletten, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm. Im Oktober 2018 reist die Compagnie für ihre jährliche Herbstresidenz zum Festspielhaus Baden-Baden (Bernstein Dances, Ballett-Werkstatt, Anna Karenina). 2019 gibt das Hamburg Ballett eine umfangreiche Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort (Der Nussknacker, The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt).

 Gastspiele 2018/19 des Hamburg Ballett John Neumeier

Seitdem John Neumeier 1973 als Ballettdirektor in die Hansestadt kam, zählen internationale Gastspiele zum Selbstverständnis des Hamburg Ballett. Mit seinem künstlerischen Engagement sorgt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger jedes Jahr erneut für Aufsehen und gilt weltweit als Imageträger für das hochkarätige Kulturleben der Freien und Hansestadt Hamburg. In den vergangenen 45 Jahren hat das Hamburg Ballett mehr als 1.000 Gastspielauftritte absolviert und war dabei in 119 verschiedenen Städten in 30 Ländern zu erleben. Auf diese nachhaltige Präsenz in den großen Kulturzentren der Welt kann Hamburg stolz sein.

Im vergangenen Jahr erst besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums die symbolträchtige russische Erstaufführung von John Neumeiers Matthäus-Passion in Moskau. Beim anschließenden Gruppenfoto auf der Bühne wandte sich der Bundespräsident sichtlich berührt an die Tänzer: „Vielen herzlichen Dank – Sie sind großartige Botschafter für Deutschland!“

Mit diesem Anspruch blicken John Neumeier und das Hamburg Ballett auch auf die Gastspiele der Saison 2018/19. Mit insgesamt vier Ballettproduktionen, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm ist das Hamburg Ballett in Baden-Baden sowie auf einer ausgedehnten Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort zu erleben.

Baden-Baden, Festspielhaus Baden-BadenBernstein Dances (Ballettrevue von John Neumeier),  6., 7. Oktober 2018Anna Karenina (Ballett von John Neumeier) 12., 13., 14. Oktober 2018Ballett-Werkstatt (moderiert von John Neumeier)  7. Oktober 2018

Hongkong (Hong Kong Arts Festival 2019), Der Nussknacker (Ballett von John Neumeier), The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt (Ballett von John Neumeier)

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