Wien, Volksoper Wien, Der fliegende Holländer – Richard Wagner, IOCO Kritik, 27.03.2019

März 26, 2019 by  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

 Der fliegende Holländer – Richard Wagner

von Marcus Haimerl

Am 26. Februar 1938, ging „der fliegende Holländer“ nach 146 Vorstellungen das letzte Mal an der Volksoper vor Anker. Fast genau 81 Jahre später fand nun die mit Spannung erwartete Premiere von Richard Wagners romantischer Oper statt.

Volksoper Wien / Der fliegende Holländer hier Markus Marquardt (Der Holländer), Stefan Cerny (Daland), Meagan Miller (Senta) © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der fliegende Holländer hier Markus Marquardt (Der Holländer), Stefan Cerny (Daland), Meagan Miller (Senta) © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Sobald in der Ouvertüre das Erlösungsmotiv erklingt, hebt sich der Vorhang. Man erkennt die Silhouette des Holländers, der sich einen endlos scheinenden Gang entlang Richtung Licht auf das Meer im Hintergrund schleppt. Wenn der Vorhang sich schließlich zum ersten Akt öffnet, sieht man auf die Betonwände einer Lagerhalle. Aufgestapelte Kisten fungieren als Schiff, im Vordergrund steht ein Schreibtisch, an dem der norwegische Seefahrer Daland vom Holländer einen vergoldeten Koffer voller Geldscheine entgegen nimmt, um diesen fürderhin nicht einen Augenblick aus der Hand zu geben. Auch die Stube im Hause Dalands befindet sich zwischen den grauen, fleckigen Betonwänden, die bereits im ersten Akt das Bühnenbild dominieren. Anstelle des Porträts des Holländers stehen nebeneinander an der Wand lehnend, fast schon einen Horizont bildend zahlreiche Bilder einer stürmischen See. Eines davon hält Senta schwärmend in Händen. Die in weiße Arbeitskittel gewandeten Mädchen am anderen Ende der Bühne halten Noten in Händen, sie spinnen also nicht sondern singen. An dieser Stelle wird auch Richard Wagners Libretto den Handlungen an der Bühne angepasst. Aus „Ei! Fleissig, fleissig! Wie sie spinnen!“ wird „Ei! Fleissig, fleissig! Wie sie singen!“ und auch „Du böses Kind, wenn du nicht singst (anstelle von „spinnst“), vom Schatz du kein Geschenk gewinnst.“ Den Takt gibt hier Mary im wahrsten Sinne des Wortes vor: Sie stampft mit dem Fuß und auch sonst haben die Mädchen nichts zu lachen. Wer nicht pariert, muss mit dem Gesicht zur Wand stehen oder bekommt gleich ein paar Hiebe mit dem als Taktstock dienenden Holzlineal.

Wenn Senta schließlich des Holländers gewahr wird, steht dieser noch vor der Türe, nur ein langer Schatten fällt auf die erstarrte Senta. Im dritten Akt stehen schließlich die Matrosen, später auch die Frauen am Bühnenrand, wenn sie die Mannschaft des Holländers herausfordern, die sich unsichtbar im Zuschauerraum zu verbergen scheinen. Kaum erklingt die Antwort des fahl klingenden Geisterchors, färben sich die Betonwände der Bühne bedrohlich rot. Wenn Senta dem Holländer schließlich nochmals die Treue schwört, bewegen sich die Wände, die stürmische See wird sichtbar und es entsteht erneut der lange dunkle Tunnel, den man bereits aus der Ouvertüre kennt; Senta beschreitet ihn nun alleine und geht – wie zu Beginn schon der Holländer – langsam dem Licht entgegen. Der Kreis hat sich geschlossen.

Volksoper Wien / Der fliegende Holländer - hier : Markus Marquardt als Holländer © Johannes Ifkovits /Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der fliegende Holländer – hier : Markus Marquardt als Holländer © Johannes Ifkovits /Volksoper Wien

Bei seiner Inszenierung bemüht sich Aron Stiehl um eine sehr minimalistische, aber doch wirksame Umsetzung von Richard Wagners romantischer Oper. Die eher starre Personenführung bei Senta und Holländer wird durch die überaus agilen und dominant agierenden Figuren von Daland und Mary aufgeweicht. Anstelle von Schiffen zeigt sich das maritime Grundthema der Handlung in einem zwischen den Betonmauern immer wieder freiwerdenden Blick auf die stürmische See, aufsteigende Dampfstöße erinnern an die Gischt, die an der Küste aufschlägt (Bühnenbild Frank Philipp Schlößmann).

Dem Holländer von Markus Marquardt wohnt der Schmerz und die Müdigkeit des ewig Reisenden inne, der nie Erlösung finden kann. Manchmal fast lyrisch, dann wieder kräftig in seiner Verzweiflung weiß Marquardt geschickt mit seinem Bassbariton umzugehen.

Meagan Millers Senta, ist ein schwärmerisches, verträumtes Mädchen, die jedoch immer mehr an Selbstsicherheit gewinnt. Sie besticht nicht nur durch ihr schönes Piano, sondern auch mit Durchschlagskraft in der Höhe. Martina Mikelic, mehr dominante Chorleiterin denn mütterliche Amme, beeindruckt mit ihrer wunderschönen, kräftigen Altstimme. Tomislav Mužek singt einen besorgten, sehr eindringlichen Erik mit schön geführtem Tenor, ebenso wie JunHo You in der Partie des Steuermanns.

Der fliegende Holländer – Richard Wagner
youtube Trailer der Volksoper Wien – Zur Produktion
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Die herausragendste Leistung des Premierenabends gebührt allerdings Stefan Cerny als Daland, der in seiner Darstellung als geldgieriger Mädchenhändler ebenso brillierte wie mit großem, virilem Bass. Nicht zu Unrecht erhielt Stefan Cerny auch den intensivsten Applaus des Premierenabends. Großes Lob gebührt auch den Damen und Herren des Chors und des Zusatzchors der Wiener Volksoper, die mit hervorragender Leistung zum Gelingen des Abends beitrugen.

Am Pult des Orchesters der Wiener Volksoper sorgt Marc Piollet für Tempo und Fortissimo, ist stets ein hervorragender Begleiter, der Chor und Sänger nicht in den Orchesterfluten ertrinken lässt.
Mit dieser Produktion kann die Volksoper einen weiteren veritablen Erfolg verzeichnen und vielleicht auch wieder zur Wagner-Tradition am Haus zurückfinden.

Der fleigende Holländer an der Volksoper Wien; die weiteren Termine 29.3.; 2.4.2019

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Premiere Der Zauberer von Oz, 12.04.2018

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Der Zauberer von Oz

Musical von L. Frank Baum / mit Musik und Songtexten von Harold Arlen und E. Y. Harburg

Hintergrundmusik von Herbert Stothart /In deutscher Sprache / Übersetzung von Henry Mason

PREMIERE 12. April 2018, 19.30 Uhr

Die Reise des Mädchen Dorothy durch das Zauberland Oz ist zum Klassiker der amerikanischen Literatur geworden und erlangte durch die Verfilmung mit Judy Garland und den Song „Somewhere over the Rainbow“ Kultstatus.

Aron Stiehl bringt den Musicalhit mit Lisa Haberman als Dorothy auf die Bühne des Stadttheaters Klagenfurt. Weitere Rollen sind mit Publikumslieblingen wie Erwin Belakowitsch, Michael Del Coco, Ralph Morgenstern und Christoph Wagner-Trenkwitz besetzt. Großes Musical für die ganze Familie!

Stadttheater Klagenfurt / Der Zauberer von Oz © Karlheinz Fessl

Stadttheater Klagenfurt / Der Zauberer von Oz © Karlheinz Fessl

Da Dorothys fliegendes Haus im Orkan die böse Hexe des Ostens erschlagen hat, wird sie direkt bei ihrer Ankunft von den Bewohnern des Zauberlandes als Heldin gefeiert. Dennoch sehnt sie sich zurück nach Hause. Sie erfährt, dass nur der geheimnisvolle Zauberer von Oz ihr den Weg weisen kann. So begibt sich Dorothy auf die Reise in die prächtige Smaragdstadt und trifft unterwegs neue Freunde, die Vogelscheuche, den Blechmann und den feigen Löwen. Sie schließen sich ihr an, da auch sie unerfüllte Wünsche an den Zauberer herantragen wollen. Am Ende müssen sie aber nach zahlreichen Abenteuern erkennen, dass nur sie selbst sich ihre innersten Herzenswünsche erfüllen können.

 

REGIE Aron Stiehl MUSIKALISCHE LEITUNG Günter Wallner AUSSTATTUNG Nicola Reichert

CHOREOGRAPHIE Otto Pichler DRAMATURGIE Philine Kleeberg

MIT Lisa Habermann, Ines Hengl-Pirker I Erwin Belakowitsch, Michael Del Coco, Lukas Benjamin Engel, Denis Lakey, Christoph Leyermann, Ralph Morgenstern, Florian Scholz, Christoph Wagner-Trenkwitz Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester, Singakademie Carinthia

Weitere Vorstellungen: 27., 20., 22., 27., 29. April; 2., 9., 12., 17., 19., 26., 27., 29. April 8., 13., 18., 19., 21., 25., 28., 30. April; 2., 9., 12., 17.,19., 26., 27., 29., 30. Mai; 1., 2., 4., 5., 6. Juni 2018

Einführungsmatinee 8. April 2018, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz

—| Pressemeldung Stadttheater Klagenfurt |—

Leipzig, Oper Leipzig, Salome von Richard Strauss, IOCO Kritik, 20.06.2017

Juni 21, 2017 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Salome von Richard Strauss

Große Sinfonische Dichtung mit Bühnenkunstwerk von rosalie

Von Guido Müller

Im Rahmen eines dreitägigen Richard-Strauss-Festivals an der Oper Leipzig mit dessen Opern Arabella und Die Frau ohne Schatten vom 16. bis 18.6. 2017 wurde die Oper Salome am 17.6. als Premiere am mittleren Abend aufgeführt.

Das Ereignis des Abends war die musikalische Leitung des Gewandhausorchesters Leipzig unter GMD und Intendant Ulf Schirmer und die glänzende Leistung des Orchesters. Wie eine der großen Sinfonischen Dichtungen von Richard Strauss, durch die er lange vor seinem großen ersten Opernerfolg mit Salome berühmt geworden war, entwirft Schirmer eine bis in die feinsten Verästelungen aufgefächerte Klangorgie mit dem bestens aufgelegten Gewandhausorchester Leipzig.

Dem großen Strauss-Spezialisten Ulf Schirmer gelingt es immer wieder, wie auch in der Arabella und Die Frau ohne Schatten in Leipzig, mir bisher ungehörte Stellen durchhörbar zu machen. In einer perfekten Symbiose mit dem Gewandhausorchester gelingen hier Sternstunden orchestraler Leistungsfähigkeit der Farbigkeit, Klangpracht, emotionalen Eruptionen und feinsten musikalischen Erfüllung. Damit macht Schirmer deutlich, dass das weltweite Spitzenorchester Gewandhausorchester Leipzig nicht nur mit Recht unter den Orchestern im Konzertsaal den fünften Platz belegt sondern auch im Orchestergraben brilliert.

Oper Leipzig / Salome - Elisabet Strid als Salome und Tuomas Pursio als Jochanaan © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Salome – Elisabet Strid als Salome und Tuomas Pursio als Jochanaan © Kirsten Nijhof

Nach einem etwas ruhig-zögerlichen Beginn, den ich schon nervös zupackender erlebt habe, steigert Ulf Schirmer das herausragende Orchester in eruptive und vor Spannung berstende Momente. Das Finale des großen Monologs der Salome bot eine vom Orchester und umjubelte Elisabet Strid als Salome kaum zu steigernde knisternde Spannung und Leidenschaft. Wie erschlagen verharrte das Publikum danach auch einige Momente in größter Ruhe, um dann mit großem dankbaren Applaus die Spannung abzubauen.

Die Schwedin Elisabet Strid, die bereits als herausragende Brünnhilde in Wagners Siegfried in Leipzig auf sich aufmerksam gemacht hat, sang und spielte nun ihr Debut in dieser äußerst anspruchsvollen Titelpartie einer mörderischen Kinds-Frau. Diese Rolle vereinigt Züge eines naiven Mädchen mit einer in größter Dekadenz aufgewachsenen verwöhnten Göhre, einer erwachenden jungen, liebessehnsüchtigen Frau mit dem Dämon einer grausamen und abstoßenden höfischen Perverserotik.
Möglicherweise der Premierennervosität geschuldet, oder ihrer Auffassung vom zunächst passiv leidenden Mädchen am Hofe ihres Stiefvaters, dringt ihre nie hart klingende, eher lyrisch-dramatische Sopranstimme erst allmählich durchs Orchester. So entsteht häufig der Eindruck einer großen sinfonischen Dichtung um und mit der Sängerin.

Oper Leipzig / Salome - Elisabet Strid als Salome © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Salome – Elisabet Strid als Salome © Kirsten Nijhof

Für die Inszenierung von Aron Stiehl, deren roter Faden die Darstellung einer möglichst perversen und dekadenten Upper-Class-Nachkriegsgesellschaft in allen klischeemäßigen Facetten ist, hat die kürzlich verstorbene Bühnen- und Kostümbildnerin rosalie ihm ein zwischen Kubismus, in wechselnder Erotikcenter-Beleuchtung und Baumarktcharme schillerndes Bühnenbild und bunte Kostüme entworfen. Darin fallen hinten eine steile Treppe zur bunten Partygesellschaft in der Hochterrasse auf, sowie unten ein zerschossener Jeep mit ständig sprudelndem Springbrunnen, ein großer Ventillator als Mond auf der Hochterrasse und ein Turm, der u.a. Jochanaans Verheißungen dient. Alles wirkt wie in einer Feuerpause irgendeines Krieges im Mittleren Osten.

Tuomas Pursio, eine der Stützen des Leipziger Ensembles, singt den Jochanaan mit eher schlankem Bariton, dem sowohl die dunkle balsamische Tiefe wie die düstere Bedrohlichkeit der Rolle eher abgehen, in der Strauss immerhin die perverseste Figur seiner Oper sah. Pursio ist ein idealer eleganter und verführerischer Mandryka in der Leipziger sehr überzeugenden Arabella. Doch paßt Pursio damit ideal in das Regiekonzept Stiehls, der Jochanaan sich fast den körperlichen Annäherungen Salomes erliegend zeigt, zumindest sehr aufgeschlossen für die körperlichen Reize der Prinzessin. Leider hat rosalie der Salome ein äußerst unvorteilhaftes Kostüm und eine blonde Riesenstruppelperücke verpasst, die sie äußerlich zur zerrupften Puppe der dekadenten Gesellschaft machen.

Oper Leipzig / Salome Ensemble und Lichtstrukturen der rosalie © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Salome – Ensemble und Lichtstrukturen der rosalie © Kirsten Nijhof

Zum Verbergen auf der Bühne dienen mit Steinen (Assoziation der Steinigung?) gefüllte Käfige an der stark verengten Bühnenanrampe. Nach Ende von Salomes Tanz der sieben Schleier vergewaltigte hinter so einem Käfig der sexbesessene Herodes seine Stieftochter zum Oralverkehr.
Der Tanz war durch ein Maskenspiel in einer Bühne (mit einem von Blutflecken übersäten Vorhang) auf der Bühne dargestellt. Dort lässt Salome ihrem Stiefvater Herodes ihre seelische und körperliche Mißbrauchsgeschichte pantominisch vorspielen. Damit versetzt sie ihn in immer größere sexuelle Aufwallung. Der in einem Rosa-Anzug sich immer stärker erregende Herodes (mit differenzierendem Spiel-Helden-Tenor Michael Weinius) tanzt schließlich mit Salome sie vergewaltigend im Dreivierteltakt. Das wirkt wie eine Vorwegnahme der Tanzszene des fettwanstigen Ochs auf Lerchau mit dem Dienstmädchen im Rosenkavalier. Die ebenfalls reichlich sexbessene und koksende Mutter Herodias (stimmlich und spielerisch herausragend Karin Lovelius) ignoriert dies.

Das übrige Ensemble der fünf Juden Rouwen Huther, Patrick Vogel, Tyler Clarke, Martin Petzold und Sejong Chang glänzt gesanglich in seinem Quintett, für mich immer einer der heimlichen Höhepunkte der Oper. Auch die übrigen kleinen Rollen erfüllen ihre Aufgaben rollendeckend. Sergei Pisarev kann seine schönen tenoralen Fähigkeiten in der kurzen Rolle als Narraboth leider nur eingeschränkt entfalten.

Die Salome an der Oper Leipzig, der erste große Opernerfolg von Richard Strauss, wird in dieser Premiere vor allem zu einem Triumph des Gewandhausorchesters Leipzig unter GMD und Intendant Ulf Schirmer. Elisabet Strid packt mit ihrem Debut in der Titelrolle durch ihre Steigerungen in die gesangliche Exstase des großen Schlussmonologs um Liebe und Tod.

—| IOCO Kritik Oper Leipzig |—

Wien, Volksoper Wien, Premiere La Wally von Catalani, 25.03.2017

März 25, 2017 by  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien / La Wally - Bernd Valentin (Vincenzo Gellner), Elisabeth Schwarz (Walter), Kari Postma (Wally) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien,

Volksoper Wien / La Wally – Bernd Valentin (Vincenzo Gellner), Elisabeth Schwarz (Walter), Kari Postma (Wally) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien,

„Der Berg ruft“
Alfredo Catalanis Opernrarität  La Wally

Premiere am Samstag, 25. März 2017,  Weitere Vorstellungen am 29. März,
2., 5., 12., 20., 23. April, 4., 15., 17. Mai 2017

Von La Wally ist bis heute vor allem die Arie der Titelheldin „Ebben? Ne andrò lontana“ in aller Ohren. Sie war eine der Paradepartien von Maria Callas und wurde als Soundtrack zum französischen Kultfilm „Diva“ aus dem Jahr 1981 populär. Die beinahe tragische Geschichte der Walburga Stromminger in Wilhelmine von Hillerns Heimatroman Die Geier-Wally bildete die Vorlage für Alfredo Catalanis Oper. Catalani hatte 1887 in der Mailänder Zeitung La Perseveranza einen Bericht über den Bestseller entdeckt und Gefallen an der Geschichte gefunden: Wally flieht vor der Zwangsverheiratung mit einem ungeliebten Mann in die Isolation des Hochgebirges und fordert ihr Recht auf Selbstbestimmung in einer patriarchalisch geprägten Welt ein.

Volksoper Wien / La Wally - Kari Postma © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Volksoper Wien / La Wally – Kari Postma © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Vergessen und Wiederentdeckt
Nach der Uraufführung am 20. Jänner 1892 an der Mailänder Scala setzte sich vor allem Arturo Toscanini für das Stück ein. Toscanini, der als 19-Jähriger in Catalanis Oper Edmea in Turin erfolgreich debütiert hatte und ein großer Bewunderer und enger Freund des Komponisten geworden war, dirigierte spätere Aufführungen von La Wally u.a. in Lucca, Mailand und New York.

Gustav Mahler, Dirigent der deutschen Erstaufführung der Oper am 16. Februar 1893 in Hamburg, hielt Catalanis Werk gar für „die beste italienische Oper“. Dennoch verschwand das Stück von den Opernbühnen, auch weil der noch junge Komponist bald nach der Uraufführung an der Schwindsucht starb. Erst in den letzten Jahren erfährt das Werk eine kleine Renaissance; Neuinszenierungen fanden in Tirol, St. Gallen, Innsbruck und Mannheim statt.

Erstmals kommt am 25. März La Wally auf die Bühne der Volksoper Wien. Die norwegische Sopranistin Kari Postma gibt als Wally ihr Haus- und Rollendebüt, Vincent Schirrmacher und Bernd Valentin verkörpern die beiden Konkurrenten Giuseppe Hagenbach und Vincenzo Gellner. Die musikalische Leitung der Neuproduktion übernimmt Marc Piollet, die Inszenierung liegt in den Händen des Regisseurs Aron Stiehl.

Lawinenunglück:  Im Gegensatz zum Roman gibt es für Wally und ihren geliebten Hagenbach in der Oper kein Happy End. Während im Buch das Paar nach langem Ringen endlich auf dem Gletscher zusammenfindet, macht auf der Opernbühne eine herabstürzende Lawine ihr Glück zunichte. „Die Oper läuft auf Wallys Liebestod geradezu hinaus“, sagt Regisseur Aron Stiehl. „Die große Herausforderung besteht darin, den Schluss glaubhaft dazustellen. Erst wird Hagenbach erschlagen und dann springt Wally ihm hinterher, wie Tosca von der Engelsburg – da ist Phantasie gefragt“. Aron Stiehl geht es darum, für komplizierte Vorgänge einfache, klare Bilder zu finden. Daher hat er sich mit seinem Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann und der Kostümbildnerin Franziska Jacobsen gegen folkloristische Kostüme und den Realismus eines Tiroler Bergdorfs entschieden. „Letztendlich geht es in ‚La Wally‘, wie so oft in der Oper, um Leben, Liebe und Tod – wobei Liebe und Tod, wie in Wagners ‚Tristan und Isolde‘, gleichgesetzt sind. Wally stirbt am Ende einen Erlösungstod.“

Dirigent: Marc Piollet, Regie: Aron Stiehl, Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann, Kostüme: Franziska Jacobsen, Choreinstudierung: Thomas Böttcher, Dramaturgie: Helene Sommer

Besetzung: Stromminger, Gutsherr aus Hochstoff: Kurt Rydl/Andreas Mitschke, Wally, seine Tochter: Kari Postma/Astrid Kessler, Giuseppe Hagenbach, Jäger aus Sölden: Endrik Wottrich/Vincent Schirrmacher, Vincenzo Gellner, Gutsverwalter des Stromminger:, Bernd Valentin/Morten Frank Larsen, Afra, Wirtin aus Sölden: Annely Peebo/Martina Mikelic, Walter, ein Freund Wallys: Elisabeth Schwarz/Beate Ritter
Infanterist: Daniel Ohlenschläger. PMVOW

La Wally von Alfredo Catalani: Premiere am Samstag, 25. März 2017,  Weitere Vorstellungen am 29. März,  2., 5., 12., 20., 23. April, 4., 15., 17. Mai 2017

 

 

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