Schwerin, Mecklenburgisches Staatstheater, 1. Sinfoniekonzert – Verklärte Nacht, 7., 8., 9.09.2020

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Mecklenburgisches Staatstheater

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

SINFONIEKONZERT – MECKLENBURGISCHE STAATSKAPELLE

Verklärte Nacht – 1. Sinfoniekonzert
Katarzyna Mycka – Marimbaphon

der Sonderspielplan August bis Dezember 2020 des Mecklenburgischen Staatstheaters steht fest. Ab 20. August spielen die Ensembles wieder live vor Publikum – mit Einschränkungen, unter Einhaltung sämtlicher Regeln und deshalb in mancher Hinsicht ungewöhnlich aber dennoch ist es Theater!

Mit seiner über 450-jährigen Geschichte zählt die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin zu den traditionsreichsten Orchestern in Deutschland. In dieser langen Zeit hat die Staatskapelle viele Aufbrüche und Umbrüche durchlebt und dabei nie gänzlich aufgehört zu musizieren – so auch in diesen Tagen. Von den Innenhöfen und Vorplätzen Schweriner Alters- und Pflegeheime geht es zurück auf die große Bühne und von kleinen kammermusikalischen Arrangements zurück zu symphonischen Dichtungen in größerer, wenn auch noch nicht in ganz großer, Besetzung. Zusammen mit dem neuen Generalmusikdirektor Mark Rohde startet die Mecklenburgische Staatskapelle in eine ungewöhnliche Konzertsaison, knüpft dabei an große Traditionen an und beschreitet gleichzeitig neue Wege.

Für diesen Auftakt hat Rohde drei faszinierende Werke ausgewählt: Zunächst das tief berührende und nachdenkliche Lyric for Strings des afroamerikanischen Komponisten und Pulitzer-Preisträgers George Walker.Musik verbindet die Menschen emotional miteinander und schafft Gemeinsamkeiten. So können wir mit der Musik dazu beitragen, Gräben und Konflikte zu überwinden. George Walker ist ein hervorragender Komponist, der unserem Publikum weitgehend unbekannt sein dürfte – ein weiterer Grund, ihn auf das Programm zu setzen,“ so Generalmusikdirektor Mark Rohde.

In dem dann folgenden Instrumentalkonzert ist die die Solistin ebenso außergewöhnlich wie ihr Soloinstrument: Die aus Polen stammende Ausnahmekünstlerin Katarzyna Mycka wird das spektakuläre Konzert für Marimbaphon und Streichorchester des 1961 geborenen französischen Komponisten Emmanuel Séjourné virtuos vortragen. Rohde freut sich auf die Arbeit mit Frau Mycka: „Sie ist eine Klangzauberin und begeistert mit großer Musikalität. Marimbaphon als Soloinstrument ist im klassischen Konzertrepertoire sehr ungewöhnlich und setzt einen wunderbaren Kontrast zu den beiden anderen Werken des Abends.“

Zum Abschluss dürfen sich alle Musikfreunde auf ein spätromantisches Meisterwerk freuen: Arnold SchönbergsVerklärte Nacht“, op. 4.

Das 1. Sinfoniekonzert findet am 07, 08, und 09.09.2020 jeweils um 18 Uhr und um 20:30 im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters statt.


Verklärte Nacht – 1. Sinfoniekonzert 2020/2021


mit Werken von:

George Walker – „Lyric for Strings“
Emmanuel Séjourné – Konzert für Marimbaphon und Streichorchester mit Katarzyna My?ka am Marimbaphon.
Arnold Schönberg – „Verklärte Nacht“,op. 4

Musikalische Leitung: Mark Rohde
Mit: Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin

Hinweis:
Das Mecklenburgische Staatstheater erarbeitet zusammen mit den zuständigen Behörden ein Besucherkonzept, das eng auf die derzeit in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Regeln zur Einschränkung der Covid-19-Pandemie abgestimmt ist. Dies wird eine deutliche Einschränkung der Platzkapazitäten in den Spielstätten des Staatstheaters zur Konsequenz haben. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass wir nur wenige Pressekarten zur Verfügung haben und auf die Vergabe von Begleitkarten verzichten müssen. Wenn Sie Interesse an einer Berichterstattung haben, möchte ich Sie bitten, Kontakt mit mir aufzunehmen.

—| Pressemeldung Mecklenburgisches Staatstheater |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Saison 2020/21 – doch nur bis Januar 2021, IOCO Aktuell, 24.07.2020

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Die Staatsoper Saison 2020/21 – bis Januar 2021

Nur 38 statt 68 Vorstellungen im Opernhaus

Wer ist wir?

  • Fünf Musiktheater-Premieren im Opernhaus bis Dezember
  • Deutlich reduzierte Anzahl von Vorstellungen durch Kurzarbeit
  • Coronatauglicher Abstand auf der Bühne und im Publikum
  • Wir stellen Fragen nach unserer eigenen Geschichte.
    Womit identifizieren wir uns? Und: Wer ist eigentlich wir?“ (Viktor Schoner)
  • Max Herre ist Artist in Residence
  • Staatsoper unterwegs: Konzerte in Clubs, Projekte in Stadt und Land
  • Gastspiele, Familienkonzert und Parcours beim JOiN

Am 22. Juli 2020 gaben Opernintendant Viktor Schoner, die Leiterin des JOiN Elena Tzavara und Generalmusikdirektor Cornelius Meister im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Staatstheater Stuttgart das Programm der kommenden Saison bis Ende Januar 2021 bekannt.

Alle Premieren der neuen Saison verbindet die Leitfrage „Wer ist wir?. Wann wird aus unterschiedlichen Menschen eine Gemeinschaft? Wer repräsentiert sie? Wo bleibt die Stimme der*s Einzelnen in diesem „wir“ – bei unterschiedlichsten Perspektiven, Standpunkten und Identitäten? Wie positioniert sich Deutschland in einem europäischen Kontext?

Staatsoper Stuttgart / Intendant Viktor Schoner @ Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Intendant Viktor Schoner @ Matthias Baus

Viktor Schoner über das Programm der neuen Saison:Hinter den Premieren dieses Herbstes steht trotz aller Modifikationen eine klare programmatisch-dramaturgische Linie: eine Art Selbstbefragung, die wir an uns als Gesellschaft richten wollen, ohne dabei abgrenzend zu sein: Wer ist eigentlich wir? In der Familie, im städtischen Zusammenleben, in der Frage nach der geschichtlichen Bedeutung der Nationen und im Verhältnis zu unseren Nachbarn. Definiert sich ein Wir tatsächlich leichter über Abgrenzung, wie es vor allem Populisten formulieren? Das Verhältnis von Deutschland und Frankreich spielt genauso eine Rolle wie die Frage nach systemsprengenden und angepassten Persönlichkeiten.“

Im Zentrum der heutigen Jahrespressekonferenz standen die Neuproduktionen der Staatsoper Stuttgart und des JOiN als umfassendem Vermittlungsprogramm sowie die Kooperationsprojekte der Staatsoper Stuttgart. Nach dem „Oper trotz Corona“-Programm mit über 100 Vorstellungen im ganzen Stadtraum kehrt die Staatsoper Stuttgart im Herbst hauptsächlich wieder in den Littmann-Bau zurück.

Dabei ist die Vorstellungsanzahl deutlich reduziert. Statt wie ursprünglich geplant 68 können bis Ende Januar nun nur 38 Vorstellungen im Opernhaus gezeigt werden. Zudem beginnt die Saison erst am 1. Oktober, darüber hinaus wird es im Januar 2021 keine Opernaufführungen geben. Insgesamt liegt der Fokus auf fünf Musiktheater-Premieren und Spezialformaten, es wird lediglich zwei Repertoirevorstellungen geben. Intendant Viktor Schoner: „Die Einsparungsmaßnahmen durch Kurzarbeit fordern von uns allen Opfer. Der Repertoirebetrieb, wie wir ihn kennen, wird in der kommenden Saison nicht stattfinden. Dennoch freue ich mich, dass wir unsere Premieren, für die bereits seit Monaten in unseren Werkstätten gebaut wurde oder deren Bühnenbilder bereits fertig gestellt waren, wie geplant realisieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Fünf Premieren, Spezialformate, ein Gastspiel und Repertoire

Neben zwei Opern des Repertoires werden die fünf Neuproduktionen einen weiten Bogen von Mozarts Zauberflöte bis hin zu Salvatore Sciarrino schlagen. Dezidiert Familientaugliches steht hier neben Experimentellem, Populäres neben selten zu Hörendem. Zusätzlich zu den wenigen Repertoirevorstellungen wurden außerdem neue Projekte angesetzt: konzertante Aufführungen, ein Abend mit Verfilmungen von Madrigalen, eine Gesprächsreihe mit Chorkonzert und vieles mehr.

Generalmusikdirektor Cornelius Meister

Cornelius Meister dirigiert in den ersten Monaten der kommenden Saison zwei Opern-Neuproduktionen: Die eigentlich für Ende Juni 2020 vorgesehene Premiere des Doppelabends von Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana kombiniert mit Salvatore Sciarrinos Kammeroper Luci mie traditrici (Meine verräterischen Augen) in der Regie von Barbara Frey ist nun die zweite Premiere der neuen Saison. Im Oktober feiert dann Gustav Mahlers Das Lied von der Erde in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg und in der Kopplung mit Elfriede Jelineks Die Bienenkönige Premiere in einer szenischen Aufführung, Regie führt David Hermann. Diese Produktion ist die einzige Premiere, die aufgrund der Corona-Maßnahmen modifiziert werden musste: Ursprünglich war für Ende Oktober die Neuproduktion von Richard Strauss‘ großdimensionierter Oper Die Frau ohne Schatten vorgesehen. Die eigentlich für diese Produktion vorgesehenen Sänger*innen Ks.Simone Schneider, Evelyn Herlitzius, Michael König und Martin Gantner werden auch Das Lied von der Erde gestalten.

Außerdem übernimmt Cornelius Meister die Musikalische Leitung des programmatischen Eröffnungskonzerts der Saison: Bei  Denk ich an Deutschland in der Nacht  treffen so unterschiedliche Künstler*innen wie Max Herre oder Schorsch Kamerun mit Sänger*innen des Stuttgarter Ensembles und dem Staatsorchester Stuttgart zusammen. Ein Abend zwischen E und U, zwischen Musik und Literatur, zwischen deutscher Romantik und Hiphop.

Die im Opernhaus einmalige konzertante Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni wird ebenfalls Cornelius Meister dirigieren. Ihr geht ein lange verabredetes Gastspiel in der Kölner Philharmonie am 1. November voraus. In der Titelrolle tritt Björn Bürger auf. Im Beethoven-Saal der Liederhalle wird Cornelius Meister außerdem einen Zyklus mit allen Brahms-Sinfonien an zwei aufeinander folgenden Tagen dirigieren.

„Für jedes Werk im Herbst haben wir einen eigenen Klangraum geschaffen: Gesang und Orchester werden bei jeder Oper und bei konzertanten Aufführungen aus unterschiedlichen Richtungen zu hören sein. Dabei beziehen wir den Orchestergraben, die Bühne, die Logen, den dritten Rang und das Foyer ein. Das ganze Opernhaus wird zum Klingen gebracht, und das Publikum hat so die Möglichkeit, die Protagonist*innen der Staatsoper und des Staatsorchesters aus Perspektiven zu erleben, die vollkommen neu und jedes Mal anders sind“, so Cornelius Meister.

Spezialformate, Artist in Residence und Gastspiel

Denk ich an Deutschland in der Nacht ist der inhaltlich-programmatische Auftakt zur neuen Saison mit dem Thema „Wer ist wir?“. Der Konzertabend ist der Versuch, das „Konstrukt Deutschland“ humoristisch, assoziativ und ironisch, aber auch auf ganz ernsthafte Weise zu befragen. Unter der musikalischen Leitung von GMD Cornelius Meister werden dabei Werke von Gustav Mahler, Ludwig van Beethoven, Clara und Robert Schumann, Fanny Hensel und Arnold Schönberg zu hören sein – und dabei konfrontiert mit Musik von und mit Max Herre und Schorsch Kamerun, der auch die Spielleitung unternehmen wird.

Der Rapper, Singer-Songwriter und Produzent Max Herre ist gleichzeitig Artist in Residence an der Staatsoper Stuttgart: In der Saison 2020/21 wird der das Opernhaus zu seinem „Musikzimmer“ machen und neben dem Eröffnungskonzert Denk ich an Deutschland in der Nacht mit dem Staatsorchester Stuttgart im Juni 2021 mit dem Staatsorchester, dem Pianisten Roberto Di Gioia und dem Projekt Web Web als Jazzer auftreten. Intendant Viktor Schoner:Wir alle hier lieben die Oper, haben aber gleichzeitig keine musikalischen Scheuklappen – und Max Herres Musik mag ich schon seit Jahren. Mit ihm konnten wir einen der wichtigsten und klügsten deutschen Hip-Hop Musiker gewinnen, in unterschiedlichen Formationen im Opernhaus seiner Heimatstadt aufzutreten.“

Zweimal ist am 31. Oktober und 1. November La Fiesta von Israel Galván im Opernhaus als Gastspiel zu sehen: Gemeinsam mit Sänger*innen, Musiker*innen und Tänzer*innen dekonstruiert der als Avantgardist und Enfant terrible der spanischen Flamenco-Szene bekannte Tänzer und Choreograph das zum Aushängeschild spanischer Kultur gewordene Gesamtkunstwerk „Flamenco“.

Wer ist wir?, das Thema der neuen Saison, steht inhaltlich über einer neuen Gesprächsreihe, die im Oktober ihren Auftakt nimmt. Zwei Gäste werden bei dieser Reihe miteinander in Dialog treten, und die zu Grunde liegende Frage bewusst offen, kritisch, global und postnational stellen. Umrahmt werden diese Gespräche teilweise von einem der zentralen Kollektive der Staatsoper Stuttgart, dem Staatsopernchor, der auch musikalisch ein vielfältiges „Wir“ thematisieren wird.

Während der Zeit des Lockdowns des Opernhauses haben sechs Videokünstler*innen sechs Musikfilme mit Sänger*innen des Ensembles gedreht: Sechs Filme über Gefühle im Ausnahmezustand auf der Basis von frühbarocken Madrigalen, diese poetischen Seelenminiaturen von Claudio Monteverdi, Tarquino Merula und Carlo Milanuzzi, werden im Dezember unter dem Titel Quälend süße Einsamkeit im Opernhaus gezeigt. Dazu wird Musik aus der Zeit Monteverdis unter der Musikalischen Leitung von Stefano Montanari gespielt. Entstanden sind die Filme an erstarrten Orten des öffentlichen Lebens – dem Flughafen, der Staatsgalerie oder dem verwaisten Opernhaus.

Neben der konzertanten Aufführung von Mozarts Don Giovanni stehen außerdem zwei Arienabende auf dem Programm: Am 11. November präsentieren Catherine Naglestad und Nicholas Brownlee unter der Musikalischen Leitung von Valerio Galli Höhepunkte der Opernliteratur. Am 17. Dezember stehen Elizabeth Caballero, Diana Haller und Adam Palka auf dem Konzertpodium im Opernhaus. Die Musikalische Leitung hat dann Karsten Januschke. Die Programme werden noch bekannt gegeben.

Projekte im Stadtraum

Viktor Schoner:Wenn die Corona-Krise eines gezeigt hat, dann, dass verlässliche Partner in dieser Stadt sich gegenseitig stützen: Gemeinsam mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern in der Stadt und im Land haben wir in den vergangenen Monaten emotional beflügelnde und künstlerisch bereichernde Erfahrungen gemacht. Diese Haltung wollen wir uns auch in Zukunft bewahren.“

Die bisher im Foyer des Opernhauses stattfindenden Liedkonzerte werden zu Beginn der neuen Saison in Räumen stattfinden, die von der Krise leergefegt wurden: Clubs, Hotellobbys und viele weitere Locations werden Spielorte für die eigens dafür konzipierten Programme sein.

Auch die Lunchkonzerte sind ab Herbst an verschiedenen Orten im Stuttgarter Stadtraum zu Gast: Musiker*innen des Staatsorchesters werden bei diesem beliebten Format zur Mittagszeit mit etwa 30-minütigen Programmen auftreten.

Die Zauberflöte – Welterfolg von Barrie Kosky – nun auch in Stuttgart
youtube Trailer Komische Oper Berlin
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Neuproduktionen

Den Auftakt der Opernsaison am 3. Oktober 2020 markiert die Premiere der Neuproduktion von Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte. Die Inszenierung von Barrie Kosky (siehe Trailer oben) und Suzanne Andrade ist eine Produktion der Komischen Oper Berlin, die bereits weit gereist ist und nun auch mit dem Ensemble der Staatsoper in Stuttgart zu sehen sein wird. Am Pult des Staatsorchesters Stuttgart steht Hossein Pishkar, der bereits in der letzten Saison als Dirigent bei einem Sinfoniekonzert mit Werken von Sciarrino, Romitelli und Beethoven debütierte. Josefin Feiler und Carina Schmieger treten als Pamina auf, alternierend mit Vera-Lotte Böcker als Gast. An ihrer Seite singen Mingjie Lei und Kai Kluge aus dem Stuttgarter Solistenensemble Tamino. Beate Ritter und Ks. Yuko Kakuta sind in der Rolle der Königin der Nacht zu erleben, als Sarastro David Steffens und Michael Nagl.

Am 11. Oktober 2020 folgt ein Doppelabend mit Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana und Salvatore Sciarrinos Luci mie traditrici (Meine verräterischen Augen) in der Inszenierung von Barbara Frey, der bereits in der aktuellen Spielzeit angekündigt war und nun Premiere feiert. Es dirigiert Cornelius Meister. Die eigens erstellte Orchestrierung von Sebastian Schwab spielt mit Klängen aus unterschiedlichen Räumen. Eva-Maria Westbroek (Santuzza), Arnold Rutkowski (Turridu), Rosalind Plowright (Lucia), Dimitris Tiliakos (Alfio)und Ida Ränzlöv (Lola) gestalten die Hauptpartien in Mascagnis beliebter Verismo-Oper. Eine weitere tragende Rolle kommt dem Staatsopernchor Stuttgart zu. In Sciarrinos 1998 in Schwetzingen uraufgeführter Oper, die in der Originalbesetzung mit 17 Orchestermusiker*innen aufgeführt wird, singen Rachael Wilson (La Malaspina), Elmar Gilbertsson (Un servo della casa), Ida Ränzlöv (L’Ospite) und Christian Miedl (Il Malaspina). Generalmusikdirektor Cornelius Meister: „Welch Glück, dass wir gezwungen waren, über den Orchesteraufbau bei Salvatore Sciarrinos Oper, der ursprünglich allein für den Orchestergraben gedacht war, noch einmal nachzudenken! Der feine und differenzierte Klangreichtum seiner Instrumentation kommt durch die Anordnung im Raum nun viel besser zur Geltung.“

Das Lied von der Erde von Gustav Mahler in der Fassung für Kammerorchester von Arnold Schönberg und Rainer Riehn am 27. Oktober 2020 ist die dritte Premiere der Saison – und ersetzt die ursprünglich für diesen Termin geplante Premiere von Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss, die aufgrund der großformatigen Besetzung unter den geltenden Hygienerichtlinien nicht zu realisieren gewesen wäre. Die Inszenierung stammt von David Hermann, der als Regisseur auch Strauss‘ Oper erarbeitet hätte. Nun inszeniert er mit den Sänger*innen Ks. Simone Schneider, Evelyn Herlitzius, Michael König und Martin Gantner eine szenische Version von Gustav Mahlers Symphonie auf Gedichte aus Hans Bethges Die chinesische Flöte im Rohbau des Bühnenraums, den Jo Schramm für Die Frau ohne Schatten entworfen hat. Gekoppelt wird Mahlers Musik mit Elfriede Jelineks Prosatext Die Bienenkönige. Die Schauspielerin Corinna Harfouch wird das Gesangsensemble für diesen Teil erweitern. Das Staatsorchester Stuttgart spielt unter der Leitung von Cornelius Meister.

Jules Massenets Werther ist die vierte Premiere der neuen Saison am 15. November 2020. Marc Piollet zeichnet für die Musikalische Leitung verantwortlich. Die Inszenierung stammt von Felix Rothenhäusler, der die Oper als Studie über die „Gefühlsextremist*innen“ Werther und Charlotte deutet. Die Titelrolle wird dargestellt von Jarrett Ott – und damit ist die Oper in Stuttgart in der selten zu erlebenden Bariton-Fassung zu hören. Seine Geliebte Charlotte wird von Rachael Wilson dargestellt, ihr Verlobter Albert ist Pawec Konik.

Die verzauberte Welt ist der Titel eines Musiktheaterabends für alle ab 6 Jahren, in dessen Mittelpunkt Maurice Ravels L’Enfant et les sortilèges steht und der am 19. Dezember 2020 Premiere feiert. Konzipiert und inszeniert wird die Oper von Schorsch Kamerun, der das Stück durch Ravels Märchensuite Ma Mère L’Oye sowie eigene Songs und Texte ergänzt. Die Musikalische Leitung hat der ehemalige Stuttgarter Generalmusikdirektor Dennis Russell Davies inne. Die zentrale Rolle des Kindes in L’Enfant et les sortilèges wird von Diana Haller dargestellt. Zudem sind bei dieser Produktionen in Zusammenarbeit mit dem JOiN Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren zum Mitmachen eingeladen: Sie werden gemeinsam mit dem Sängerensemble auf der Bühne des Opernhauses stehen.

Repertoire

Lediglich zwei Werke aus dem Repertoire der Staatsoper Stuttgart werden in der ersten Hälfte der Spielzeit 2020/21 wieder aufgenommen, davon eine konzertante Aufführung:

Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni kommt am 9. November 2020 einmalig im Stuttgarter Opernhaus und bei einem Gastspiel in der Philharmonie Köln (1. November 2020) konzertant zur Aufführung. Es dirigiert Generalmusikdirektor Cornelius Meister. Die Titelpartie singt Ensemblemitglied Björn Bürger.

Giacomo Puccinis Madama Butterfly steht am 12. Dezember 2020 wieder auf dem Spielplan der Staatsoper Stuttgart. Dirigentin Oksana Lyniv kehrt ans Pult des Staatsorchesters zurück. Die sängerischen Hauptpartien gestalten Elizabeth Caballero (Cio-Cio San) und Ensemblemitglied Pavel Valuzhin (Pinkerton). Ob die Oper in der Inszenierung von Monique Wagemakers oder konzertant zu sehen sein wird, entscheidet sich im Laufe des Herbstes.

Solistenensemble und Internationales Opernstudio

Das Solistenensemble der Staatsoper Stuttgart ist zusammen mit dem Staatsorchester und dem Staatsopernchor das Herzstück des Hauses. Intendant Viktor Schoner: „In der kommenden Spielzeit wird es im Solistenensemble eine große Kontinuität geben. Unsere Sängerinnen und Sänger sollen sich gemäß der großen Ensembletradition des Hauses langfristig optimal weiterentwickeln können: durch neue Herausforderungen in einer Arbeitsatmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und der Wertschätzung.“

Neu im Ensemble sind ab der Saison 2020/21 die beiden Sopranistinnen Carina Schmieger und Claudia Muschio sowie der Bassbariton Jasper Leever, die aus dem Internationalen Opernstudio übernommen werden. Acht Plätze für junge Nachwuchssängerinnen und -sänger werden in der kommenden Spielzeit im Opernstudio angeboten, wovon sechs neu besetzt werden: Neu hinzu kommen Linsey Coppens aus den Belgien, Gerard Farreras und Laia Vallés Montojo aus Spanien, Ángel Macías und Jorge Ruvalcaba aus Mexiko und Clare Tunney aus Großbritannien. Ein weiteres Jahr im Opernstudio bleiben Charles Sy aus Kanada und Alexandra Urquiola aus Kuba.

Musiktheater im JOiN: Mitmachen und Zuschauen in jedem Alter!

Neben einer Musiktheaterneuproduktion für alle ab 6 Jahren und einem Familienkonzert mit dem Staatsorchester im Opernhaus sowie den beliebten Sitzkissenkonzerten bietet die Junge Oper im Nord, das JOiN, auch in den ersten Monaten der neuen Saison ein breitgefächertes Programm an: für junge Menschen ab drei Jahren, aber darüber hinaus auch für alle Altersgruppen, die aktiv singen oder performen möchten.

Elena Tzavara, die künstlerische Leiterin des JOiN, über ihr Programm: „Unsere große Stärke ist unsere Kreativität, die nicht nachlassen sollte, wenn es um kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche geht. Gerade in dieser gesellschaftlich allumfassenden Krise sind wir als Kulturakteure aufgefordert, alles zu tun, um Kinder und Jugendliche zu erreichen – jetzt mehr denn je.“

Ein zentrales Projekt des JOiN in der Saison 2020/21 ist die Neuproduktion von Die verzauberte Welt mit Musik von Maurice Ravel, die am 19. Dezember im Opernhaus Premiere feiert. Dazu sind Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren eingeladen, gemeinsam mit der Protestmusik-Ikone Schorsch Kamerun, der den Abend inszenieren wird, auf der Bühne zu stehen. Bewerbungen für einzelne Jugendliche oder ganze Schulklassen sind ab sofort möglich per Mail an join@staatstheater-stuttgart.de.

Auch im Opernhaus wird am 10. Oktober 2020 das Das Dschungelbuch als „tierisch-lustiges Familienkonzert“ für alle ab 6 Jahren zu erleben sein. In einem Arrangement und unter der Musikalischen Leitung von Alexander Erbrich werden dann die Hits aus dem gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilm mit dem Staatsorchester Stuttgart zu erleben sein.

Vor Weihnachten wird Artus – Ein Film-Projekt als Preview gezeigt: Eigentlich hätte Nicholas Koks und Jan Homolkas Adaption von Henry Purcells King Arthur in der Inszenierung von Elena Tzavara bereits in der laufenden Saison Premiere feiern sollen – Corona hat dies verhindert. Nun ist gemeinsam mit dem Projektchor, bestehend aus 30 Jugendlichen, Mitgliedern des Ensembles und des Opernstudios sowie des Staatsorchesters ein Filmprojekt entstanden, in das es noch vor Weihnachten erste Einblicke im JOiN gibt. Dazu wird Claudio Monteverdis Il combattimento di Tancredi e Clorinda im „Vorprogramm“ aufgeführt. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Am 6. Dezember lädt das JOiN zu einem Nikolaus-Parcours ein: Dabei können Kinder und ihre Familien die vorweihnachtliche Junge Oper im Nord erkunden – und sich dabei auf die Suche nach musikalischen Nikolaus-Überraschungen machen.

Zurück im Repertoire ist mit Leonard Evers Musiktheater Gold ab 7. November 2020 eine der Erfolgsproduktionen des JOiN: Angelehnt an das Märchen Vom Fischer und seiner Frau der Brüder Grimm erzählt diese ebenso poetische wie tiefsinnige Kinderoper in der Inszenierung von Jörg Behr von der Suche nach dem Glück.

Den Einstieg ins Musiktheater für Kinder ab drei Jahren und ihre Familien bieten erneut die beliebten Sitzkissenkonzerte, die in der neuen Saison im Foyer des JOiN zu erleben sein werden. In der ersten Spielzeithälfte stehen Die Grille und die Ameise, Das Ding aus dem Klangsumpf, Das kleine Ich-bin-ich und Das Lamm, das zum Essen kam auf dem Programm. Zusätzlich sind die Sitzkissenkonzerte in der neuen Spielzeit auch als Gastspiele für Kindergärten und Grundschulen buchbar: Die Musiker*innen des Staatsorchesters kommen mit den unterschiedlichen Programmen direkt vor Ort!

Partizipation und Vermittlung

Bereits ab November laufen die Vorbereitungen für das Straßenoratorium Nesenbach, das im Juli 2021 im Stuttgarter Stadtraum gezeigt wird: An acht Terminen werden dann an acht unterschiedlichen Orten Menschen jeden Alters gemeinsam singen und performen. Eingeladen sind bereits jetzt alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, sich per Mail an join@staatstheater-stuttgart.de anzumelden. Probenbeginn ist der 4. November 2020.

Zuerst zum Workshop, dann ins Sinfoniekonzert: Bei allen Sonntagsterminen der drei Sinfoniekonzerte bis Januar sind Kinder zwischen 4 und 10 Jahren wieder eingeladen, zunächst an einer spielerischen und musikalischen Einführung teilzunehmen, um dann den zweiten Teil des Sinfoniekonzerts zu erleben. Vor der Pause werden die Kinder durch erfahrene Pädagog*innen auf das Programm vorbereitet und besuchen anschließend gemeinsam mit den anderen Kindern das Konzert.

Unter dem Titel GLOW – Gläserne Opernwerkstatt sind alle Initiativen des JOiN gebündelt, die Zuschauer*innen und Gruppen aller Altersstufen hinter die Kulissen blicken lassen: Ob Proben- oder Aufführungsbesuch, Workshops, Vor- und Nachbereitungen, kleine Stückentwicklungen, ein Urban-Gardening-Projekt, der Preview-Club oder digitale Angebote – die Gläserne Opernwerkstatt ist ein Angebot für alle, die sich bereits für Oper begeistern oder vielleicht zum ersten Mal mit dieser Kunstform in Berührung kommen.


Karten

Schriftliche Kartenbestellungen sind für alle Vorstellungen ab sofort möglich. Die Information über eine Kartenzuteilung erfolgt vor Vorverkaufsbeginn.

Der Kartenvorverkauf für die ersten Monate der neuen Saison beginnt folgendermaßen:

17. August für alle Veranstaltungen im September

15. September für alle Veranstaltungen im Oktober

15. Oktober für alle Veranstaltungen im November

Online
www.staatsoper-stuttgart.de

Telefonisch
+49 711 20 20 90, Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr

Persönlich
Öffnung der Tageskasse ab 1. September:
Mo-Mi 10-14 Uhr
Do-Fr. 14-18 Uhr

Abonnements
Alle Abonnements der kommenden Saison bleiben bestehen. Allerdings können in der nächsten Spielzeit in den Spielstätten aufgrund der derzeit gültigen Abstandsregelungen weniger Sitzplätze angeboten werden als bisher.
Mehr dazu: www.staatstheater-stuttgart.de/abo

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden, Das Lied von der Erde – Gustav Mahler, IOCO Kritik, 07.07.2020

 Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Das Lied von der Erde – Gustav Mahler

Symphonischer Liederzyklus für Soli und Kammerorchester

bearbeitet von Arnold Schönberg, vollendet von Rainer Riehn 1983 –  aus dem Chinesischen übertragen  von Hans Bethge

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1. Das Trinklied vom Jammer der Erde – nach Li-Tai-Po (Tenor)

2. Der Einsame im Herbst – nach Chang Tsi (Bariton)

3. Von der Jugend – nach Li-Tai-Po (Tenor)

4. Von der Schönheit – nach Li-Tai-Po (Bariton)

5. Der Trunkene im Frühling – nach Li-Tai-Po (Tenor)

6. Der Abschied – Textneuschöpfung von Gustav Mahler  (Bariton)

von  Ingrid Freiberg

Wehmütige Gedanken im schönsten Kurhaus der Welt

In dem Corona-bedingt schon mit nur wenigen Zuhörer*innen ausverkauften Saal sitzend, das prächtige Ambiente bewundernd und sinnend, dass Kaiser Wilhelm II. im Mai 1907 der Einweihung des Kurhauses Wiesbaden beiwohnte, welches als Nachfolger des 1810 fertiggestellten kleineren Cursaals von Friedrich von Thiersch erbaut wurde, enden in wehmütigen Gedanken. Wenig hilfreich ist dabei, dass der Kaiser das Haus überschwänglich als das „schönste Kurhaus der Welt“ würdigte.

Yin und Yang in Gustav Mahlers Musik

Gustav Mahler Grabstätte in Wien © IOCO

Gustav Mahler Grabmal Wien © IOCO

1907 gelang das Insel-Bändchen Die chinesische Flöte in Gustav Mahlers Hände. Alma Mahler erinnert sich: Die Gedichte entzückten mich so sehr, dass ich sie meinem Ehemann vorlas. Hans Bethge, ein Orientalist, hatte die altchinesische Lyrik – knapp 70 Gedichte – ins Deutsche übertragen. Mahler war emotional sehr berührt und entdeckte sich in ihr wieder. Die Lyrik ist gezeichnet von Yin und Yang: vom Tag, der Nacht, dem Frühling, dem Herbst, von hell und dunkel. Jedes Stück wechselt sich im Charakter ab. Der Tenor singt das Lebensbejahende, das Exzessive, die Freude am Leben, der Bariton den Herbst, die Ruhe, den Frieden und zum Schluss den Abschied.

Der Abschied ist eine Textneuschöpfung Mahlers, der zwei Gedichte verschiedener Autoren mit eigenen Verszeilen kombinierte – in der Verbindung von rezitativischen und ariosen Elementen und der gattungsübergreifenden Formanlage eine Mittelposition einräumte. Die Musik gehört zum Berührendsten was Gustav Mahler geschrieben hat: Es ist ein Abschiednehmen von der Erde, ein Wandern in die Berge, wo das einsame Herz Ruhe findet… Damit hat er seinen Abschied vorbereitet. Der Komponist mag in den von ihm ausgewählten Gedichten des 8. und 9. Jahrhunderts, die die Entfaltung und Neige des menschlichen Lebens durch die Abfolge der Jahreszeiten symbolisieren, manches von der Ursprünglichkeit der Wunderhorn-Lyrik wiedergefunden haben.

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Schicksalhafte Einrbüche

Das Jahr 1907 brachte dem Komponisten schicksalhafte Einbrüche: beruflich die Aufgabe der Wiener Direktorenposition und der Weggang nach New York, privat der plötzliche Tod seiner Tochter Maria Anna und die Diagnose des eigenen schweren Herzleidens. Alma hielt fest: …jetzt überfielen ihn diese maßlos traurigen Gedichte! Er skizzierte auf weiten einsamen Spaziergängen die Orchesterlieder, aus denen ein Jahr später Das Lied von der Erde werden sollte. Mahler war ein sogenannter Sommerkomponist, der sich in jedem Jahr ein Sommerhaus mietete, ein Klavier hineinstellte, um dort seine Symphonien zu schreiben. Das war ihm in seinem Schicksalsjahr 1907 nicht möglich… Während seiner Hauptarbeitsphase im darauffolgenden Sommer 1908 wandelte sich das ursprüngliche Lied-Konzept. Die Arbeit vergrößerte sich. Mahler verband die einzelnen Texte, komponierte Zwischenspiele. Die Lieder trugen der im Jugendstil verbreiteten Asiatica-Mode Rechnung.

Das außerordentliche Werk ließe sich doppelt definieren: als eine zum Symphonischen hin verdichtete Liederfolge oder als eine großangelegte Symphonie mit Singstimmen. Nach Abschluss der ins Oratorische sich öffnenden Achten und vor dem Entschluss zu weiteren, nun wieder rein instrumentalen Symphonie-Projekten, sah Mahler in der Mischgattung Lied von der Erde eine reizvolle Möglichkeit. Die nachfolgende Neunte konnte er vollenden, während es ihm bei der Zehnten nicht mehr möglich war.

 Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Es gelangen mehrere Fassungen des Liedes von der Erde zur Aufführung: neben der großen Orchesterfassung, eine von Mahler selbst stammende Klavierfassung (statt Orchester), die über den Rang eines Klavierauszugs zu Studienzwecken hinausgehend für konzertmäßige Aufführungen gedacht ist, oder die später von Arnold Schönberg und Rainer Riehn erarbeitete kammermusikalische Fassung für 14 Instrumentalisten. Die Idee, in Wiesbaden eine kammermusikalische Fassung zur Aufführung zu bringen, kam von Klaus Florian Vogt. (Juraj Cizmarovic 1. Violine, Maryna Veremeeva, 2. Violine Irene Baiter Viola, Christoph Lambrecht Violoncello, Nicolà von Goetze Kontrabass, Mátyás Bicsák Flöte, André van Daalen Oboe, Franz-Josef Wahle Englischhorn, der sich mit diesem Konzert nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, Adrian Krämer Klarinette, Dörte Sehrer Es-Klarinette, Charlotte Gombert Bassklarinette, Peter Brechtel Fagott, Jens Hentschel Horn, Edzard Locher, Martin Lorenz, Ferdinand Reitberger Schlagwerk, Joachim Enders Klavier, Tim Hawken Harmonium / Celesta).

 Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg

Arnold Schönberg und der Verein für musikalische Privataufführungen

Diese Fassung ist hochinteressant und hat eine Vorgeschichte: In Wien gab es in den Jahren 1918 – 1923 einen Verein für musikalische Privataufführungen, den Arnold Schönberg gegründet hat. Ziel des Vereins war es, Musik der Zeit aufzuführen. Damals gab es noch keine Tonträger und damit auch keine Möglichkeit, Musik außerhalb eines Konzertsaales zu hören. So haben Schönberg und Kollegen für Freunde große Stücke klein arrangiert. Leider ist der Verein 1923 Pleite gegangen. Das ist auch der Grund, warum Schönberg Das Lied von der Erde nicht fertig arrangiert hat. Für ein Toblacher Mahler-Festival  im Jahre 1983 führte Riehn Schönbergs Arbeit am Lied von der Erde fort. An der vorgegebenen Besetzung änderte Riehn mit Ausnahme der fakultativen Hinzufügung einer Celesta für den Schluss des Abschieds, die das Ewig… begleitet und deren Kaskaden den Übergang zum Göttlichen herzergreifend beschreiben, nur den Verzicht auf eine 3. Violine. Schönberg hatte bereits die Fülle eines ganzen Orchesters in diese zwei Instrumente mit aufgeteilt und damit einen erstaunlich vollen Klang erreicht. Das ist insofern zu erwähnen, da Mahlers Musik meist als bombastisch gilt. Eine kammermusikalische Fassung kann eigentlich nur eine Essenz von diesem Riesenwerk sein und wird doch durch den höchst virtuosen Klavierpart, ein Harmonium vom Ende des 19. Jahrhunderts, die Celesta und das über die Maßen präzise und mit glühendem Engagement aufspielende Hessische Staatsorchester Wiesbaden zu einem Klangrausch.

Eine bedrückende Zeit wird für Wiesbaden zum Glücksfall

Es ist eine bedrückende Zeit, Corona hat die Kulturszene stark verändert: Die beiden Weltstars Klaus Florian Vogt und Michael Volle wären längst zu Proben in Bayreuth, wo sie als Stolzing und Sachs in der Wiederaufnahme der Meistersinger engagiert waren. Vogt wäre zudem der Siegmund im neuen Ring gewesen. Für Wiesbaden wird dieser für die beiden Künstler schmerzhafte Umstand allerdings zum Glücksfall.

Im Trinklied vom Jammer der Erde begeistert Klaus Florian Vogt mit seinem lyrischen Tenor, indem er wunderbar den Bogen zwischen …einem vollen Becher Weins zur rechten Zeit… und  …dunkel ist das Leben, ist der Tod… spannt. Der Textdichter Li-Tai-Po war, wie sein Übersetzer Hans Bethge schreibt, ein Abenteurer und Trinker. Der Trunkene im Frühling ist auch eine Verbindung mit Mahlers Zeitgenossen Friedrich Nietzsche: Welterkenntnis durch Rauschzustand und Einflüsterungen der Natur. Der Scherzocharakter wird durch die burleske Instrumentation mit Trillern, Pizzicati und lustigen Vorschlägen unterstrichen. Mit Leidenschaft, Seele und Zärtlichkeit verzaubert Vogt mit seiner prachtvollen Stimme das Publikum.

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Mit hingebungsvoller Virtuosität berührt Michael Volle – bis zu Tränen – im Bekenntniswerk über Leben und Tod, über Jugend und Schönheit, über Sehnsucht und Vergänglichkeit. Der Einsame im Herbst ist ein Gleichnis für den Seelenzustand: Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange. Der Tod wird als Stätte von Frieden und Heimat herbeigesehnt. Der leidenschaftliche Ausbruch: Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen ergreift. Einfühlsam gelingt Volle die Interpretation Von der Schönheit der anmutigen jungen Mädchen. Sie wird nur durch einen atemlosen, marschartigen Mittelteil unterbrochen. Der Abschied ist das weitaus längste Lied – ein überwältigender Abgesang, ein zeit- und raumloser Abschied von der Liebe und dem Leben. Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?, fragte sich Mahler. Alle vorhergehenden Distanzierungen durch Burleske, Ironie oder Exotismus werden aufgehoben. Es ist eine musikalische Erzählung vom Sterben, die sich viel Zeit nimmt. Immer wieder gerät sie ins Stocken, unterbrochen von dem Tam-Tam-Schlägen des Todes: Die Welt schläft ein. Der Komponist fügte Zeilen aus einem eigenen Jugendgedicht ein: Die müden Menschen gehn heimwärts, um im Schlaf vergess‘nes Glück und Jugend neu zu lernen. Die kaum zu ertragende Sehnsucht nach dem Gefährten mündet in einen Trauermarsch. Danach antwortet der Freund sehr weich und ausdrucksvoll. Die erstarrte Trauer weicht einem warm strömenden Gesang, der die Gewissheit des Todes ruhig akzeptiert. Die Farben des Harmoniums und der Celesta kommen hinzu, für Mahler Klangsymbole der Weltentrücktheit. Das mehrfach wiederholte Wort Ewig… steht am Schluss, sich ins Unhörbare auflösend, gänzlich ersterbend. Volle gelingen sensible, privat anmutende Empfindungen.

Gustav Mahler HH © IOCO

Gustav Mahler HH © IOCO

Haben Sie eine Ahnung wie man das dirigieren soll? Ich nicht!, fragte der Dirigent und Mahler-Vertraute Bruno Walter den Komponisten, nachdem er die soeben fertiggestellte Partitur von dem mit Der Abschied betitelten letzten Satz studiert hatte. Mahlers Antwort darauf ist nicht überliefert – Walters Reaktion jedoch ist im Hinblick auf die emotionale Tiefe des Werkes nachvollziehbar. GMD Patrick Lange gelingt der enorme Kraftaufwand. Klangzauberisch entlockt er fein ausdifferenziert und nuanciert dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden innigste Soli – zwischen intimen Liebesschmerz und explodierenden Gefühlsausbrüchen verbindend. Die Grenze zwischen Klang und Stille verwischt sich. Leben geht in Tod auf.

Äußerst berührend ist die minutenlange Stille am Schluss – bis sich das Publikum, teilweise mit Tränen in den Augen, spontan zu Standing Ovations erhebt, die fast dreißig Minuten andauern.

—| Pressemeldung Hessisches Staatsorchester Wiesbaden |—

Zürich, Opernhaus Zürich, Musik-Festival mit internationalen Künstlern, 04.07. – 12.07.2020

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Finale   Das grosse Musik-Festival zum Abschluss der Saison 2019/20

Erleben Sie endlich wieder Musik live! Nach der Corona-bedingten Schliessung des Opernhauses in den letzten Monaten öffnen wir unsere Türen am Sechseläutenplatz wieder für Sie. Mit der Unterstützung unserer Partner Credit Suisse und UBS veranstalten wir von Samstag, 4. Juli bis Sonntag, 12. Juli das Festival Finale. Noch vor der Sommerpause werden internationale Künstlerpersönlichkeiten auf der Opernbühne die wieder gewonnene Freiheit feiern. Mit vier Liederabenden und fünf Konzerten laden wir Sie bei stark vergünstigten Eintrittspreisen täglich dazu ein, Musik gemeinsam live zu erleben.

Alle Tickets zum Einheitspreis von CHF 50 / CHF 35 können ausschliesslich online unter www.opernhaus.ch oder telefonisch unter +41 44 268 66 66 erworben werden. Aufgrund der reduzierten Platzkapazität durch die Corona-Schutzmassnahmen, ist die Ticketanzahl auf maximal 2 Karten pro Person begrenzt. Für jede Veranstaltung gibt es einen gesonderten Vorverkaufsstart.


Festival-Programm


Samstag 4. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Montag 15. Juni)
Philharmonisches Konzert unter der Leitung von Fabio Luisi 
Programm:
«Metamorphosen» für 23 Solo-Streicher, Es-Dur von Richard Strauss
«Verklärte Nacht», op.4, Fassung für Streichorchester von Arnold Schönberg


Sonntag 5. Juli 2020, 11.15 Uhr
(Vorverkaufsstart: Montag 15. Juni)
Philharmonisches Konzert unter der Leitung von Fabio Luisi 
Programm:
«Metamorphosen» für 23 Solo-Streicher, Es-Dur von Richard Strauss
«Verklärte Nacht», op.4, Fassung für Streichorchester von Arnold Schönberg


Montag 6. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Dienstag 16. Juni)
Liederabend mit Sabine Devieilhe & Benjamin Bernheim 
Carrie-Ann Matheson, Klavier
Programm:
Lieder, Arien und Duetten von Gaetano Donizetti, Jules Massenet, Henri Duparc, Léo Delibes, Jacques Of-fenbach u.a.


Dienstag 7. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Mittwoch 17. Juni)
Liederabend mit Thomas Hampson
Wolfram Rieger, Klavier
Programm:
Lieder von Gustav Mahler (zu seinem 160. Geburtstag), Aaron Copland, John Corigliano, Stephen Foster, Henry Burleigh, Michael Daugherty, Jennifer Higdon u.a.


Mittwoch 8. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Donnerstag 18. Juni)
Liederabend mit Diana Damrau
Xavier de Maistre, Harfe
Programm:
Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Sergei Rachmaninow, Franz Liszt, Reynaldo Hahn, Maurice Ravel, Henriette Renié, Francis Poulenc


Donnerstag 9. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Konzert mit Julie Fuchs und dem Orchestra La Scintilla
Riccardo Minasi, Violine und musikalische Leitung
Programm:
Arien, Ouvertüren und Konzerte von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel


Freitag 10. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Liederabend mit Javier Camarena 
Enrico Maria Cacciari, Klavier
Programm:
Arien von Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini, Giuseppe Verdi, Edouard Lalo


Samstag 11. Juli 2020, 19 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Operettengala mit Camilla Nylund und Piotr Becza?a
Philharmonia Zürich unter der Leitung von Fabio Luisi
Programm:
Arien, Duette und Ouvertüren aus «Die lustige Witwe» und «Das Land des Lächelns» von Franz Lehár, «Die Fledermaus» von Johann Strauss oder «Gräfin Mariza» von Emmerich Kálmán


Sonntag 12. Juli 2020, 18 Uhr
(Vorverkaufsstart: Freitag 19. Juni)
Operettengala mit Camilla Nylund und Piotr Becza?a
Philharmonia Zürich unter der Leitung von Fabio Luisi
Programm:
Arien, Duette und Ouvertüren aus «Die lustige Witwe» und «Das Land des Lächelns» von Franz Lehár, «Die Fledermaus» von Johann Strauss oder «Gräfin Mariza» von Emmerich Kálmán

—| Pressemeldung Oper Zürich |—

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