Berlin, Konzerthaus, Edgar – Giacomo Puccini, IOCO Kritk, 07.02.2019

Februar 7, 2019 by  
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Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin © David von Becker

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin © David von Becker

Konzerthaus Berlin

Edgar  –  Eine frühe Oper von Giacomo Puccini

Berliner Operngruppe  im  Konzerthaus Berlin

von Patrik Klein

Giacomo Puccinis Dramma lirico in drei Akten Edgar hatte am 4. Februar 2019 im Konzerthaus Berlin die semiszenische Berliner Erstaufführung mit dem Chor und Orchester der Berliner Operngruppe sowie namhaften und bestens disponierten internationalen Solisten. Die Berliner Operngruppe und das internationale Medienunternehmen Bertelsmann AG setzten damit ihre Reihe zur Präsentation seltener Opern fort.

Semiszenische Aufführung mit energiegeladenen Klängen

Die 1889 in Mailand uraufgeführte Oper um Liebe, Treue und Verrat wurde in der letzten Fassung von 1905 gegeben – erstmals in Berlin und als eine der ersten Aufführungen in Deutschland überhaupt. Die Oper lässt bereits die musikalische Genialität erkennen, die Puccini später mit Opern wie La Bohème, Tosca, Madama Butterfly oder Turandot in Vollendung offenbaren sollte. Die Berliner Operngruppe und Bertelsmann lenkten mit der Aufführung von Edgar erneut die Aufmerksamkeit auf weniger bekannte Opern großer Komponisten, deren Werke im Bertelsmann-eigenen Archivio Storico Ricordi in Mailand dokumentiert sind. Die Operngruppe startete damit vor neun Jahren; zum nunmehr dritten Mal wurde sie dabei aktiv von dem Medienkonzern unterstützt.

Konzerthaus Berlin / Edgar von Giacomo Puccini - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Konzerthaus Berlin / Edgar von Giacomo Puccini – hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Felix Krieger, künstlerischer Leiter und Dirigent der Operngruppe, reiste im November des vergangenen Jahres eigens nach Mailand, um die Originaldokumente zu Edgar im Archivio Storico Ricordi zu studieren. Er äußerte sich begeistert: „Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie Puccini an der ursprünglich vieraktigen Fassung von ‚Edgar‘ immer wieder vielfältige Veränderungen vorgenommen hat, um schließlich zur wesentlich kompakteren letzten Fassung von 1905 zu gelangen, die wir mit der Berliner Operngruppe zur Aufführung bringen werden.“

Das unausgereifte Textbuch von Ferdinando Fontanas mit zum Teil unglaubhaften Charakterisierungen der handelnden Personen und gelegentlicher Unabgestimmtheit zwischen Musik und Thema hat Puccini nicht davon abgehalten, eine Oper zu komponieren, deren tragischer Inhalt mit musikalischer Leidenschaft vorgetragen wird. Besonders im dritten Akt sind mehrfach die Chancen auf ein logisches Weiterentwickeln mit „Happy End“ vertan worden und man hat Mühe dem Handlungsfaden zu folgen. Der melodische Erfindungsreichtum jedoch ist groß und die bühnenwirksamen Szenen der Handlung bieten ein erhöhtes Maß an Dramatik. Die inhaltlichen Vorgänge rund um den Katafalk stellen ein für die Zeit der Entstehung kaum erträgliches Novum dar, doch spricht Puccini gerade dort seine intensivste und revolutionärste Sprache. Vor allem aber hat er spätestens nach diesem Werk, das in seiner Entwicklung geradezu eine Grundvoraussetzung für den nachfolgenden Triumph der Oper Manon Lescaut bildete, die Wichtigkeit eines guten Textbuches erkannt. Von nun an wirkte er an seinen Libretti selbst mit. Seine sorgfältig ausgesuchten Autoren trieb er durch zahlreiche eigene Vorschläge und Änderungswünsche oft bis zur Verzweiflung. Dabei hat ihn wohl nur die zeitraubende Art seines Komponierens daran gehindert, seine Texte selbst zu verfassen.

Dank Giulio Ricordi konnte die Uraufführung am Ostersonntag des Jahres 1889 in der Mailänder Scala stattfinden. Sie war ein Erfolg für den jungen Komponisten. Das Publikum nahm das Werk mit Beifall auf (die Chronik verzeichnet 24 Vorhänge und die damals übliche Wiederholung zweier Musiknummern). Die Presse jedoch urteilte vernichtend über das Libretto, äußerte sich aber lobend über den musikalischen Wert der Partitur.

Auch nach der Eliminierung des zweiten Aktes aus dem ursprünglich vieraktigen Werk blieb der Oper der Erfolg nicht treu, wenngleich noch Aufführungen in Madrid und Buenos Aires stattfanden. 1967 versuchte man in London eine Wiederaufnahme, doch haben Puccinis spätere Erfolge das Werk weitgehend verdrängt. Fidelias Totenklage wurde bei Puccinis Aufbahrung am 3.12.1924 im Mailänder Dom unter Toscaninis Leitung aufgeführt. In den letzten Jahrzehnten gab es nur sehr wenige Aufführungen dieser frühen Oper Puccinis; am 13. April 2008 beispielsweise konzertant aus der Carnegie Hall New York unter der Leitung von Eve Queler.

Konzerthaus Berlin / Edgar - hier : David Ostrek (Gaultiero/Walter) und Silvia Beltrami (Tigrana) © Patrik Klein

Konzerthaus Berlin / Edgar – hier : David Ostrek (Gaultiero/Walter) und Silvia Beltrami (Tigrana) © Patrik Klein

Edgar ist Puccinis zweite Oper als er noch sehr jung, sehr wild und umtriebig war. Genau so ist auch die Handlung der Oper. Es geht um einen Menschen, der komplett unzufrieden ist mit seiner Umwelt, dem sozialen Umfeld, das ihn erheblich einschränkt. Die Handlung spielt in einer klar geordneten mittelalterlichen Gesellschaft, die sehr religiös geprägt ist. Edgar rebelliert dagegen. Er hat eine Freundin und Geliebte Fidelia, die ihn versucht, auf den „rechten“ Weg zu bringen. Auf der anderen Seite gibt es aber eine verführerische andere Frau namens Tigrana, die ihn versucht in die mehr experimentellen Welten zu entführen. Zwischen diesen beiden Damen und damit zwischen diesen beiden Lebenskonzepten ist Edgar hin- und hergerissen. Edgar entscheidet sich aber bereits am Ende des ersten Aktes, aus dieser religiös geprägten Gesellschaft auszubrechen und mit Tigrana ein neues Leben anzufangen. Dieses neue Leben ist geprägt von Ausschweifungen, libertärem Wesen und einem erotischen Tag- Nachttraum, den er irgendwann durchdringen muss. Aber auch dieses Leben wird ihm ähnlich wie bei Wagners Tannhäuser irgendwann langweilig. Er lässt dann auch Tigrana wieder hinter sich und versucht in seine Ursprungswelt zurückzugelangen. Doch es ist zu spät; in sein früheres Leben kann er nicht mehr integriert werden.

Die Handlung – Erster Akt: (Flandern, 1302) Während die Landleute ihr Tagewerk beginnen, trifft Fidelia Edgar, begrüßt ihn zärtlich und eilt davon. Tigrana, die Edgar ebenfalls gern hat, verspottet und umwirbt den jungen Mann; dieser, hingerissen zwischen Zuneigung zu Tigrana und Liebe für Fidelia, lässt sie stehen und flüchtet in sein Häuschen. Frank, Fidelias Bruder, macht Tigrana, die er liebt, Vorhaltungen, weshalb sie das verabredete Rendezvous nicht eingehalten habe. Diese will nichts von ihm wissen. Tigrana, ein Maurenmädchen, das Zigeuner ausgesetzt haben und das von Walter aufgezogen wurde, hat einen schlechten Ruf und reizt durch ein freches Lied die zur Kirche gehenden Leute, die sie fortzujagen drohen. Edgar verteidigt sie gegen die Bauern und entschließt sich, mit ihr das Dorf zu verlassen, nachdem er sein Haus angezündet hat. Frank will Tigrana mit Gewalt zurückhalten und fordert Edgar zum Zweikampf; Edgar verwundet ihn und flieht mit Tigrana. Schwester und Vater halten Frank mühsam zurück. Dieser stößt einen Fluch gegen sie aus: „Abbieta creatura, Maledizione a te!“

Zweiter Akt: Edgar hat mit Tigranaeine Weile zusammengelebt, ist aber seiner Geliebten überdrüssig geworden. Sehnsüchtig denkt er an Fidelia. Tigrana merkt an seinem Benehmen, dass ihr Liebhaber sie verlassen will und versucht ihn zurückzugewinnen. Ein Trupp Soldaten nähert sich. Frank, der Hauptmann geworden ist, führt ihn an. Frank und Edgar, der seinem ehemaligen Feind gesteht, er habe es bereut, Fidelia verlassen zu haben, versöhnen sich und ziehen zusammen fort. Tigrana schwört Rache.

Dritter Akt: Edgar kommt als Mönch verkleidet mit Frank zurück; beide gehen einem Trauerzug voran. Vor den Toren der Stadt Kortijk ist für Edgar, der in der Schlacht gefallen sein soll, ein Katafalk errichtet worden; eine Trauermesse beginnt. Auch Fidelia glaubt, Edgar sei tot, und beklagt ihn. Der verkleidete Edgar bezeichnet den Verstorbenen als Wüstling, der mit einer Dirne zusammen gelebt habe, worauf die Landleute Verwünschungen ausstoßen. Fidelia verteidigt den Toten. Edgar erkennt freudig, dass sie ihn noch immer liebt. Er wirft seine Verkleidung ab, steht in Ritterrüstung da und umarmt seine Geliebte; der Sarg auf der Bahre erweist sich als leer. Tigrana, die Edgar und Frank gefolgt war, schleicht sich an Fidelia heran und erdolcht sie. Edgar bricht über ihrer Leiche zusammen, während die Mörderin von Soldaten abgeführt wird.

Die Oper ist wie ein Kondensat aus Puccinis besten Melodien und von einem jungen Mann noch etwas ungeordnet komponiert. Aber das macht gerade den Reiz und den Scharm dieser Oper aus. Manchmal klingt es wie eine kleine Turandot, man vernimmt Anklänge aus La Bohème, Tosca und Manon Lescaut.

Mit behutsam ausgewählten Ausstattungselementen, die die Charaktere der Protagonisten und die Eckpfeiler der Handlung unterstreichen, setzt der Regisseur Thilo Reinhardt Puccinis Oper in plausible Bilder und nachvollziehbare Szenenabläufe um. In passenden Kostümen und mit etlichen Versatzstücken gelingt ihm eine Anreicherung der doch gelegentlich abstrusen Handlungsstränge mit dramaturgischer Substanz. Die Szenen im dritten Akt vor dem Katafalk zum Beispiel spielen sich direkt vor dem Dirigentenpult ab. Ein Stehtisch, wie aus einem Cocktailempfang einer Partygesellschaft ist geschmückt mit dem Bild des angeblich gefallenen Soldaten Edgar, seiner Urne und ein paar Kerzen. Die Flagge Italiens (das Stück spielt um 1300 n.Chr. in Flandern) weht stolz auf dem Podium des Konzerthauses Berlin. In Mönchskutte, Trauerkleidern, Galauniform und Zylinderhut geben die handlungsführenden Personen ihr Bestes, um den von der Musik gebannten Zuhörer auch optisch in die dramatische Handlung zu einzubinden.

Musikalisch ist der Opernabend auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt. Der Konzertsaal, der in seiner Akustik subjektiv der Hamburger Laeiszhalle ähnelt, scheint geradezu ideal für ein Chor- und Orchesterkonzert. Warme Klänge und ein recht langer Nachhall sorgen für einen exquisiten Musikgenuss. Durch die enorme Energie der Musik Puccinis mit vielen Ausbrüchen und satten Fortissimopassagen, hatten es die Sänger nicht immer leicht, sich stimmlisch durchzusetzen.

Der britische Tenor Peter Auty, (Edgar, ein junger Bauer), der beim Glyndebourne Festival als Rodrigo und Nemorino sang, sowie an der Scottish Opera und der Oper Frankfurt engagiert war, sang seine Rolle mit großer Leidenschaft und viel Kraft. Mit superber Stimmführung, feiner Phrasierung und betontem Legato meisterte er die schwere Partie. Besonders bei der bekannten Arie im zweiten Akt „Orgia, chimera – dall ´occhio vitreo, dal soffio ardente…“ (Orgie, Chimäre mit glasigem Auge und feurigem Atem …) glänzte er zunächst in Feierlaune mit Lametta um den Hals und später voller Wut zündelnd mit dem Feuerzeug aus dem vergangenen Akt, mit melodischen Bögen und metallischem Material.

Konzerthaus Berlin / Edgar - hier : Peter Auty als Edgar © Patrik Klein

Konzerthaus Berlin / Edgar – hier : Peter Auty als Edgar © Patrik Klein

Das Nachwuchstalent David Oštrek (Bass (Walter/Gualtiero, ein alter Bauer)), ein früheres Mitglied des Opernstudios der Staatsoper Berlin gab den „jungen“ alten Vater in Zylinder und Frack mit dunklem Bass und hoher Bühnenpräsenz nicht immer nur auf dem Orchesterpodium, sondern auch aus luftiger Höhe der Chorempore.

Elena Rossi (Sopran (Fidelia, Tochter Walters) wurde in Reggio Emilia (Italien) geboren und absolvierte ihr Musikstudium am Konservatorium Achille Peri ihrer Heimatstadt. Die Gewinnerin mehrerer Opernwettbewerbe sang vor allem Hauptrollen im italienischen Spinto-Fach an vielen großen Bühnen Italiens und Europas. An diesem Abend schien es so, als ob sie die gesamte Szenerie in ihren Bann zog. Sie sang geschmeidig und variabel sowohl die hohen leicht scharf wirkenden Spitzentöne ohne zu forcieren, als auch die hauchzart angesetzten leisen Töne sehnsuchtsvoll schluchzend die Seele mitschwingen lassend. Ihre beiden bekannten Arien aus dem dritten Akt „Addio, addio, mio dolce amore – nell`ombra ove discendi…“ (auf Wiedersehen meine süße Liebe; im Schatten wo man hinabsteigt…) und „D ´ogni dolor questo e il piu gran dolor…“ (von jedem Schmerz und größter Trauer…), wo sie in Trauerkleidung, Sonnenbrille und Witwenschleier erschien, gelangen ihr besonders eindringlich und mit großen Emotionen.

Konzerthaus Berlin / Edgar - hier : Elena Rossi (Fidelia) © Patrik Klein

Konzerthaus Berlin / Edgar – hier : Elena Rossi (Fidelia) © Patrik Klein

Der international bekannte Bariton Aris Argiris (Frank, Sohn Walters), der an den großen Opernhäusern der Welt zu Hause ist, brilliert in den großen Bariton-Partien der Opern von Verdi und Puccini als auch in vielen anderen Rollen. Als Rigoletto war er vor kurzem an den Häusern der Scottish Opera in Schottland zu hören. Zuletzt debütierte er mit großartigem Erfolg als Wotan in Die Walküre in Chemnitz mit weit über die Region reichenden und überragenden Kritiken. Als Frank lässt er die enorme Bandbreite seiner dunkel bis rabenschwarz gefärbten und fein geführten Stimme erklingen. Im ersten Akt singt er die wohl bekannteste Arie „Questo amor, vergogna mia, io spezzar, scordar vorrei…“(diese Liebe, meine Scham, ich zerbreche, vergesse …) leise leuchtend, die Töne in bester „Italienischer Manier“ spuckend, besonders innig und mit feinster Phrasierung und herrlichem Glanz. Beim Fluch zum Ende des ersten Aktes „Abbietta creatura, maledizione a te…“ (kleines Geschöpf…ich verdamme Dich…) geht es mit einem hohen b (welches Puccini in dieser Fassung ausdrücklich erlaubt) sogar in den tenoralen Bereich, kraftvoll und äußerst sauber gesungen, das Orchester mit Leichtigkeit überstrahlendend, hinein. Zu Recht wird er am Ende vom begeisterten Publikum frenetisch gefeiert.

Konzerthaus Berlin / Edgar - hier : Aris Agiris (FRank) © Patrik Klein

Konzerthaus Berlin / Edgar – hier : Aris Agiris (FRank) © Patrik Klein

Die aus Italien stammende Mezzosopranistin Silvia Beltrami (Tigrana, eine maurische Waise von Walter aufgezogen), die international u.a. als Amneris, Santuzza, Eboli, Ulrica und Azucena auf sich aufmerksam machte, sang Tigrana gestenreich, mit starkem Ausdruck und besonders dunkel gefärbter, sicher Stimme. Besonders glanzvoll gelang das Duett mit Edgar im ersten Akt „Tu voluttà di fuoco, ardenti baci…„, wo sie im feuerroten Kleid mit ihm streitet, wutentbrannt die Blumen vor seine Füße wirft, ihn dann aber mit Liebkosungen und Verführung zu sich ziehen will.

Chor (Steffen Schubert Choreinstudierung) und Orchester der Berliner Operngruppe vereinen seit 2010 Profis, Musikstudenten und hervorragende Amateure zu einem künstlerisch hochentwickelten Klangkörper. Mit international bekannten Solisten und Nachwuchstalenten werden von der Berliner Operngruppe selten zu hörende Werke der Opernliteratur entdeckt und semiszenisch zur Aufführung gebracht. Am diesem Abend hatte der Chor mit Puccinis Edgar viel zu tun. In günstiger akustischer Position auf der Chorempore und nicht auf dem Podium hinter dem Orchester hatten sie einen wertvollen Anteil am Gelingen des Abends in Berlin. Am Ende des ersten Aktes (Szene 6) beispielsweise beim Zusammenspiel mit Tigrana „Iddio non benedice…“ (Gott wird Dich nicht segnen…) gelang ein besonders exakter feiner Bogen bis hin zur dramatischen Ekstase.

Gründer und künstlerischer Leiter der Berliner Operngruppe ist der international erfahrene Dirigent und Komponist Felix Krieger. Dieser hat sich mit höchst gefeierten Verdi-Aufführungen im Konzerthaus Berlin als einer der interessantesten Verdi-Dirigenten seiner Generation einen Namen gemacht. Er startete seine Laufbahn als Assistent von Claudio Abbado bei den Berliner Philharmonikern. Als Gründer und künstlerischer Leiter der Berliner Operngruppe legte er den Schwerpunkt auf selten gespielte italienischen Opern. Die Aufführungen wurden von Presse und Publikum begeistert aufgenommen. Es befanden sich darunter die Berliner Erstaufführungen von Verdis Oberto, Conte di San Bonifacio, Verdis Stiffelio und Donizettis Maria di Rohan, sowie die deutsche Erstaufführung von Donizettis Betly, außerdem Bellinis Beatrice di Tenda sowie Verdis Attila, Verdis I Masnadieri und schließlich im März 2018 Verdis Giovanna d’Arco.

Puccinis Edgar dirigierte er am Konzertabend mit großer Leidenschaft und Präzision durch die emotionalen Wechselbäder der Oper. Die in der Partitur Puccinis zu findende Energie, Dramatik und der Farbenreichtum der Musik wurde von den meist jungen Orchestermitgliedern in wuchtige, manchmal die Sängerinnen und Sänger bedeckende, aber auch vielfach feingliedrige Klänge aufgespannt.

Das Publikum im ausverkauften Konzerthaus Berlin dankte allen Beteiligten am Ende mit herzlichem und lange anhaltendem Applaus. Beim anschließenden Empfang durch die Bertelsmann- Gruppe wurde deutlich, dass in deren Archiv in Mailand noch viele Schätze schlummern und auf ein Erwecken harren. Man darf gespannt sein, was Felix Krieger seinem Publikum als nächstes präsentieren wird.

—| IOCO Kritik Konzerthaus Berlin |—

Remagen, Rolandseck, Aris Argiris – Arienabend – Puccini, Donizetti, Verdi, Liszt, Brahms, IOCO Kritik, 04.06.2018

Juni 5, 2018 by  
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Rolandseck in Remagen © Patrik Klein

Rolandseck in Remagen © Patrik Klein

arp Museum Rolandseck

ARIS ARGIRIS  –  Meisterwerke der Klassik

– Musikalische Reise in die Tiefen der menschlichen Seele –

Von Patrik Klein

Seit 1964 stellt der Bahnhof Rolandseck ein Zentrum des kulturellen Lebens im Rheinland dar. Konzerte und Ausstellungen fanden dort statt und Künstler lebten und arbeiteten im Gebäude des Bahnhofs. Nach dem Tod des Leiters Johannes Wasmuth im Jahre 1997 endete erst einmal das kulturelle Leben im Bahnhof. Am 22. Oktober 2004 wurde der Bahnhof als Arp-Museum Bahnhof Rolandseck wieder eröffnet und am 28. September 2007 durch den Neubau von Richard Meier am Hang oberhalb des Bahnhofs erneuert bzw. erweitert.  Das Museum setzt sich aus dem klassizistischen Bahnhofsgebäude und dem „harmonisch“ in die Natur eingefügten Neubau des amerikanischen Architekten zusammen. Insgesamt besitzt es vier Ausstellungsebenen, die mit wechselnden Präsentationen versehen werden. Das Programm des Drei-Sparten-Hauses umfasst Ausstellungen mit internationaler bildender Kunst, klassischen Konzerten sowie einem sommerlichen Kammermusikfestival mit bekannten Ensembles und Solisten, Künstlergesprächen sowie Lesungen prominenter Autoren. Im Zentrum stehen die Kunst von Hans Arp und von Sophie Taeuber-Arp. In Sonderausstellungen werden im Dialog mit diesen Werken Skulpturen und Malereien zeitgenössischer Künstler gezeigt.

Im Rahmen  eines Abonnementkonzertes der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft e.V. und dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck traten der Bassbariton Aris Argiris und sein Repetitor und Freund Peter Bortfeldt am Klavier auf. Es wurden Werke von Puccini, Verdi, Leoncavallo, Donizetti, Liszt und Brahms gegeben.

Aris Argiris ist an den großen Opernhäusern der Welt zu Hause – Engagements führten ihn an die Semperoper in Dresden, die Staatsopern von Berlin, Hamburg und Stuttgart, das Royal Opera House in London etc. Er brilliert in den großen Bariton-Partien der Opern von Verdi und Puccini als auch in vielen anderen Rollen. Zuletzt debutierte er mit großartigem Erfolg als Wotan in Die Walküre in Chemnitz mit weit über die Region reichenden und überragenden Kritiken.

IOCO Kultur im Netz besuchte die Premiere der Walküre in Chemnitz (link HIER) und führte dort mit Aris Argiris und seiner Frau Lupe Larzabal ein ausführliches Interview, in dem besonders über die wechselseitige Beziehung im dramatischen deutschen und italienischen Fach gesprochen wurde.  Link zum Interview Aris Argiris HIER!  Wagner wie Verdi zu singen, in beiden Fächern unterwegs zu sein, ist Aris Argiris klares und wirkungsvolles Rezept. In dem Konzert in Rolandseck stellte er dies eindrucksvoll unter Beweis.

Peter Bortfeldt konzertiert als Pianist, Dirigent, Kammermusiker und Liedbegleiter, als Gast von Orchestern und Festivals in vier Kontinenten. Er war Studienleiter und Dirigent der Aachener Oper und ist Dozent der Musikhochschule für Musik und Tanz in Köln. Sein besonderes Engagement als Musiker und Lehrer gilt heute dem Liedrepertoire. Zusammen mit dem Tenor Josef Protschka leitet er Meisterkurse „Deutsches Lied“ in China und Deutschland. Mit seiner Frau, der Sopranistin Lisa Graf, gibt er Liederabende in aller Welt.

Die beiden miteinander harmonierenden und bestens aufgelegten Musiker präsentierten mit viel Humor und leidenschaftlichem Engagement die dem Bariton üblicherweise zugewiesenen dunklen und bösen Charaktere in der Opernwelt.

Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein

Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein

Das kurzweilige Programm wurde mit dem Prolog des Tonio von Ruggiero Leoncavallo aus I Pagliacci eröffnet, in dem sich Bühnenhandlung und richtiges Leben vermischen und zum dramatischen Ende der Handlung führen. Hier ließ Aris Argiris zum ersten Mal die enorme Bandbreite seiner dunkel gefärbten und fein geführten Stimme anklingen.  Den dramaturgisch noch recht harmlosen Beginn ergänzte der Pianist Peter Bortfeldt mit einem Piano Solo desselben Komponisten, der Canzonetta „À Ninon“, die er sehr gefühlvoll und mit hoher solistischen Virtuosität darbot.

Immer noch charakterlich verhalten folgte Gaetano Donizettis Arie des Dulcamara  „Udite o rustici“ aus Elisir d’amore als Debut des Baritons, der in dieser Oper bislang den Belcore gab. Der Herr „Süßbitter“, den man heutzutage als guten Verkäufer der Pharmaindustrie und Werbefachmann bezeichnen könnte, wickelte das Publikum mit fein dosierter Stimmführung  und am Ende mit kontrolliertem hohen Schlusston förmlich um die Finger. Das Publikum hätte ihm alles abgekauft.

 Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein

Pianist Peter Bortfeldt und Aris Argiris © Patrik Klein

Mit der Arie des Enrico „Cruda, funesta smania“ aus Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor wurde es finsterer. Aus der düsteren und depressiven Umgebung in Schottland, in dem dieses Drama um „Romeo und Julia“ angesiedelt ist, versuchte er stimmlich bestens disponiert und in vollendeter Harmonie mit dem Pianisten, seine finanziellen Probleme zu lösen. Donizettis erster großer Erfolg mit dieser tragischen Oper hatte Franz Liszt dazu inspiriert, über das enthaltene bekannte Sextett eine „Reminiscences de Lucia di Lammermoor“ zu komponieren. Peter Bortfeldt gestaltete das pianistische Gemälde mit großer Farbenvielfalt und dramatischem Gespür.

In der Anmoderation von Peter Bortfeldt zum Ende des ersten Teils hatte man sich mit dem Klavier als „armen Substrat“ des Orchesters zufrieden zu geben und den fehlenden Chor, die Kanonenschüsse und die Kirchenglocken dazu zu denken. Das fiel nicht schwer, denn Aris Argiris sang aus Puccinis Tosca das Te Deum und charakterisierte den typischen „Me too-Fall“ des 19. Jahrhunderts Scarpia, der mit seinem machtbesessenen fundamentalistischem Charakter ganz nahe an dem des Jago aus Otello liegt, mit einer stimmlichen Präsenz und Farbenfülle, dass man fasst benommen in die Pause ging.

 Aris Argiris zum Liebestrank © Patrik Klein

Aris Argiris zum Liebestrank © Patrik Klein

In der Arie „Nulla, silenzio!“ des Michele aus Il Tabarro von Giacomo Puccini folgt ein weiterer böser Charakter, der eigentlich gar keiner ist, weil er verzweifelt, verliebt und eifersüchtig seiner Liebe hinterher eilt. Die tragische Figur des Michele ist besessen von seiner angebeteten unglücklichen Liebe, die in ihrem Tod und dem ihres Geliebten endet. Mit kontrollierter und vollkommener Technik zeichnete Aris Argiris hier ein besonders gelungenes genaues Abbild des Seelenzustands und Charakters der Figur.

Das wahre Böse steckt wohl unumstritten in der Figur des Jago aus Giuseppe Verdis Otello. Man hätte diese Oper eigentlich nach diesem Bösewicht benennen können, denn er ist der Gott verspottende Strippenzieher mit der Triebfeder aus Spaß. Wie das mit dem Bösen sein muss, so kommt er am Ende sogar davon und niemand weiß genau wohin. Das Credo in un dio crudel gelingt Aris Argiris besonders dunkel, virtuos und mit traumwandlerischer Sicherheit in perfekter Harmonie mit seinem Begleiter am Klavier.

Man durfte nun durchatmen mit  Johannes Brahms Ballade Edward, op. 10 Nr. 1, bei der man sich zunächst fragt, wie diese zu den italienischen Bösewichten passt. Sie erzählt jedoch auch aus düsterer, schottischen Umgebung von rituellen Taten, blutrot gefärbten Schwertern, Buße und Flüchen aus der Hölle. Peter Bortfeldt spielte sie mit farbenfroher Präsenz. Da er keine Abstimmung mit seinem Partner mehr zu finden hatte, konnte er auch hier seinen solistischen Fähigkeiten virtuos freien Lauf lassen.

 Als Ausnahme im Reigen der bösen Charaktere darf man den Posa in Giuseppe Verdis Don Carlos betrachten. Posa opfert sich scheinbar gerne im Rahmen seiner brüderlichen Freundschaft zu Don Carlos in seinen letzten Worten „O Carlo ascolta… Io morrò“. Ganz besonders feinfühlend und sparsam dosierte der Bariton die liebevollen Momente sowie kräftig aufbrausend die Leidenschaft und das nahende Ende seines Todes.

Aris Argiris bereits vielfach gesungene Paraderolle dürfte der Rigoletto in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper sein. Eigentlich ist er nicht böse, eher ein dunkler Typ, Narr, Vater, der vom Schicksal getroffen durch den Verlust seiner Tochter zu allen Mitteln greift, um sie zu finden und zurückzubekommen. In der Arie „Cortigiani, vil razza dannato“ versucht er verzweifelt und unterwürfig mit allen Facetten seines Charakters zum Erfolg zu kommen. Dürften es die Zuhörer entscheiden, so hätte man ihm seine Tochter sofort zurückgegeben. Im Anschluss noch einmal Peter Bortfeldt mit der dazu passenden Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt.

Aris Argiris © Patrik Klein

Aris Argiris © Patrik Klein

Zum Ende des Programms folgte Giuseppe Verdis Arie des Ford aus Falstaff: „E sogno o realtà L‘onore! Ladri!“. Ist Falstaff lustig? Böse ist er jedenfalls nicht. Eher ein dicker, alter Alkoholiker, der sich hoffnungslos überschätzt. Hätten die an der Oper beteiligten Protagonisten miteinander geredet, so wäre auch hier fast nichts passiert. Daher nimmt das Drama stattdessen seinen Lauf und führt dazu, dass man Falstaff die Hörner auf den Kopf setzt. Aris Argiris singt die Arie des rachesuchenden Kontrahenten Ford mit allem Können seiner prachtvollen Stimme und verzaubert sein Publikum, das ihm und seinem Begleiter mit Bravostürmen dankt.

Die beiden Künstler revanchierten sich beim begeisterten Publikum mit zwei Cantonetten (Ideale und L `Ultima Canzone) von Francesco Paolo Tosti.

—| IOCO Kritik Rolandseck Remagen |—

Chemnitz, Theater Chemnitz, Aris Argiris – Lupe Larzabal im Gespräch, IOCO Interview, 05.04.2018

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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

  Sänger- und Musikerfamilie Aris Argiris und Lupe Larzabal

Im Gespräch mit Patrik Klein

IOCO: Frau Larzabal, Herr Argiris, seien Sie auch im Namen der großen IOCO – Gemeinde herzlich begrüßt. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch.
Nach den überaus erfolgreichen Partien des Wotans/Wanderers in der Trilogie des verkürzten Ringes in Wien über den Jahreswechsel 2017/18 nun der erste Walküren-Wotan als allererster Sänger mit griechischer Abstammung an der Oper in Chemnitz mit großartigem Erfolg gestern Abend. Wie fühlen Sie sich und wie ist es Ihnen ergangen?

Aris Argiris: Ich bin noch völlig gefangen und am Tag nach einem solchen Erfolg träumt man sich noch in die Musik. Ich möchte diesen Geschmack des Erfolges nutzen, um weitere Schritte nach vorne machen zu können, indem ich noch mehr lerne und mich weiter entwickeln und mich somit noch weiter verbessern kann. Es ist für mich eine Motivation nach einem Erfolg weiter zu machen. Das geht mir übrigens auch so bei weniger guten Erfolgen. Auch hier habe ich das unbedingte Bedürfnis weiter an mir zu arbeiten. Dass ich als erster Grieche den Wotan geben durfte war mir schon sehr wichtig, weil wir Griechen ja in der Opernwelt eine recht kleine aber mit legendären Sängern versehene Gruppe sind. Da waren oder sind ja einige „Milestones“  der Opernwelt dabei, wie Maria Callas, Nicola Zaccaria, Nicola Moscona, Agnes Baltsa.

 Aris Argiris (links) und Lupe Larzabal mit IOCO Korrespondent Patrik Klein Mitte) © Sofia Argiris

Aris Argiris (links) und Lupe Larzabal mit IOCO Korrespondent Patrik Klein (Mitte) © Sofia Argiris

Ich freue mich nun sehr, dass ich, Grieche, mich traute, dieses Wagnis einzugehen; dass verschienene Theater mir diese Partie ermöglicht haben und mich in Zukunft in weiteren Wagnerrollen berücksichtigen werden. Das heißt natürlich auch, dass ich mein bisheriges Repertoire um Rigoletto, Scarpia und Jago weiter pflegen werde. Diese Partien helfen mir, Wagnerpartien zu vertiefen. Die italienische Schule bietet eine gute Grundlage für  Wagneropern. Neben meiner Mentorin Daphne Evangelatos hatte ich das große Glück, den weltbekannten Bariton Josef Metternich kennenzulernen. Metternich erläuterte mir  dies eindrücklich. So habe ich, den Rigoletto gesungen und den Holländer einstudiert. Meinen Gesangsstudenten versuche ich zu vermitteln, dass sich auch Fritz Wunderlich  stark an der italienischen Schule orientierte. Die Behandlung der Konsonanten, die „gesungen“ und nicht „gespuckt“ werden, ist in der italienischen Schule von besonderer Bedeutung. Singt man die Konsonanten, so wird der Klang ganz automatisch voller, feiner und ist leichter zu erzeugen.

IOCO: Wie liefen die Proben hier in diesem wunderbaren und traditionsbehafteten Opernhaus in Chemnitz ab?

AA: Die Probenphase in den letzten beiden Monaten mit tollen Kolleginnen und Kollegen war etwas schwierig, weil die in Deutschland grassierende Grippe-Epidemie auch uns getroffen hat. Ich musste über einen Monat mit einer akuten Bronchitis kämpfen und unbedingt an diesen aufwändigen Proben teilnehmen. Ich musste sehr aufpassen meine SängerkollegInnen nicht anzustecken (trotz inniger Umarmungen mit Brünnhilde). Alle zehn Minuten hatte ich Hustenanfälle, was sehr unangenehm war. Somit brauchte ich viel Geduld und Nerven, um die Marathonpartie des Wotans in der Probenphase durchzustehen. Zum Glück wurde ich rechtzeitig wieder fit und nun froh und glücklich.

IOCO: Wie war die Zusammenarbeit mit den Beteiligten Künstlern?

AA: Geduld. Geduld. Geduld und Verständnis unter KollegInnen. Mit intensiver Teamarbeit haben wir auf Erfolg hingearbeitet. In einem Stück wie der Walküre, die eine Art Universum mit zusammenhängenden Planeten darstellt, ist gute Teamarbeit entscheidend. Wenn ein Element der Inszenierung fällt, schadet dies überproportional der gesamten Prodution. Das haben wir mit viel Verständnis von der Regisseurin Monique Wagemakers ganz gut hinbekommen. Monique ist eine wunderbare Regisseurin, eine wahre Bildzauberin. Wir hatten eine sehr schöne Zusammenarbeit; kontroverse  Ansichten wurden engagiert diskutiert aber im Team geregelt. Frau Wagemakers auch Anregungen von mir in ihr Gesamtkonzept übernommen.

IOCO: Das Regiekonzept des Chemnitzer Ring verteilt die Produktionen wie bereits das Opernhaus Stuttgart auf breite Schultern, auf vier Regisseurinnen. Wie ist Ihre Einstellung zum Konzept von Monique Wagemakers?

AA: Gott sei Dank sind wir bei dieser Produktion weg von den zum Teil skandalösen und blödsinnigen mit unverständlichen Symbolen überfrachteten und sich als Regisseur wichtigmachenden Wagnerinterpretationen. Das Stück ist wichtig und nicht der Regisseur. Wagner hat alles in seiner Musik und im Text vorgegeben. Das Drama, die Beziehungen zwischen den handelnden Charakteren, die Theatralik; das alles ist vorhanden und muss nur umgesetzt werden. Manchmal bin ich natürlich auch ein Kind vom deutschen Regietheater. Im Theater Chemnitz ist es zwar auch modern, aber nicht um modern sein zu müssen. Es ist keine Skandalinszenierung, bei der es klammheimlich oft darum geht,  den Regisseur in den Vordergrund zu rücken. Hier galt das Motto: „Sei modern und vertraue Deinen Künstlern“. Mir gefällt dieser Ansatz auch deshalb gut, weil meine Fragen an die Konzeption beantwortet und berücksichtigt wurden.

Aris Argiris © Patrik Klein

Aris Argiris © Patrik Klein

IOCO: Wie haben Sie sich auf die große Rolle des Wotans in der Walküre vorbereitet?

AA: Zunächst habe ich mit meinem Freund und Coach, dem Pianisten Peter Bortfeldt  intensiv geübt. Er hat mir viel geholfen und wir hatten dabei viel Spaß, was mir wichtig ist. Ich habe viel über Wagner gelesen, um seine Figur des Wotans besser zu verstehen. Es gab Momente des Zweifel, wo ich mich fragte, was Wagner wollte, was er meinte.  Ich hatte auch eine Phase, wo ich Wotan hasste. Ich verstehe, leide mit ihm; doch wie er sein Leib und Blut ausnutzt für eigene Interessen mißbrauchte, ist furchtbar. So gab es Phasen, wo ich keine Empathie mit der Partie des Wotan hatte. Aber ich habe es zugelassen, ihn in meinem Inneren „durchlaufen“ zu lassen. Er reflektiert stark die griechische Mythologie und Götterwelt. Die menschliche Ebene der Götter sieht man dort genauso. Wagner war wohl auch gebannt von der griechischen Antike, wo menschliche Tiefe und Dramatik eindeutig vorhanden ist. Als ich in Wagners Villa Wahnfried war begegnete ich dort vielen Wurzeln griechischer Kultur. Die amphitheaterförmige Form des Festspielhauses hat Wagner aus griechischen Idealen abgeleitet. Mehr als zehn verschiedene Walküre – Aufnahmen habe ich gehört, mit Dirigenten wie Leinsdorf, Kempe, Levine, Barenboim, Knappertsbusch, Karajan, Boulez, Thielemann; habe die Darsteller genau studiert, um ihren individuellen Stil zu erkennen. Herbert von Karajans italienisch anmutende Interpretation beeindrucktete mich dabei besonders.

IOCO: Wer ist Ihr Wotan – Vorbild?

AA: Das ist ganz klar Thomas Stewart (Karajan), weil seine Stimme meiner ähnlich ist. Er ist kein so sehr tiefer Bass, ein sehr intelligenter Sänger, ein „Italiener“ sozusagen. Er ist ein Artikulationsgenie, obwohl er ja kein Deutscher ist und riskiert sehr viel durch feinste Pianostellen. George Londons große dämonische Wucht des Klanges hat er nicht, aber wie er Wotans Gebrochenheit und seine Wut, die Eifersucht und seinen Plan in seinem Klang integriert ist für mich das vorbildliche an ihm. Auch George London hat mich sehr beeindruckt, aber später haben mir dann detaillierte Farben etwas gefehlt. In dieser Art versuche ich mich dem Wotan zu nähern. Natürlich nicht genau sagen, wie es in ein paar Jahren sein wird, wenn ich diese Partie weiter entwickele.

IOCO: Neben der Aufgabe als Gesangsprofessor an der Universität der Künste in Berlin haben Sie viele Gastauftritte in Ihrem Fach an großen und namhaften Bühnen in Europa und Übersee zusammen mit internationalen Gesangsstars der Branche. Sie sind ein überaus gefragter und geschätzter, viel beschäftigter Bariton. Sie haben eine liebe, sehr musikalische Familie im Rheinland und sind ständig unterwegs. Wie bekommt man das Alles unter einen Hut?

AA: Das geht mit vollem gegenseitigen Verständnis und, es klingt zwar etwas romantisch, ist aber wahr: mit viel Liebe. Ich habe eine fantastische Familie, meine beiden Töchter Sofia und Francisca und meine Frau, die selbst Sängerin ist. Sie war meine erste Schülerin bei der ich meine ersten „Experimente“ machen durfte. Sie ist Dirigentin, Chorleiterin, Eventmanagerin und ein enormes Multitalent. Ich kann singen und unterrichten; sie kann viel mehr als das. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen und (auch während der freien Tage innerhalb einer Probenzeit) zu Hause bei der Familie zu sein, um bei den vielen organisatorischen Aktionen mitzuhelfen. Denn ohne meine Familie existiere ich nicht. Ohne sie würde ich nicht gut singen können. Es ist eine enorme logistische Herausforderung, das alles unter einen Hut zu bekommen. Wir haben unsere Smartphonekalender synchronisiert, damit wir optimal die Termine koordinieren können. Das erleichtert uns auch die Planung der Veranstaltungen im Künstlerstudio meiner Frau in Bonn (Agora Artist Studio). Auch beim ständigen Pendeln zwischen Bonn und Berlin an die Uni hilft uns das sehr. Ich bin bis 2020 nun ausgebucht und versuche ein angemessenes Gleichgewicht zu finden zwischen Gesang und meiner Professur als Gesangslehrer in Berlin.

IOCO: Sie werden oft begleitet und unterstützt von drei hinreißenden Damen. Ihre Frau Lupe Larzabal und die beiden Töchter sind bei den Proben und Auftritten und geben Ihnen ganz besonderen Rückhalt. Frau Larzabal, Sie sind auch auf spannenden, musikalischen Pfaden unterwegs. Was machen Sie in dieser Hinsicht?

LL: Ich sehe mich in drei Bereichen unterwegs: Als Frau, Mutter und Künstlerin. Als Frau von Aris habe ich es oft nicht leicht wegen der nur kurzen Zeit seiner Anwesenheit zu Hause mit allen Dingen klarzukommen. Aber in einer Künstlerbeziehung muss man das irgendwie so organisieren, dass nur eine Person viel unterwegs ist und die zweite eher im Umkreis der Heimat, also in der Region Bonn bleibt, zumal wenn da noch zwei Kinder sind. Ich unterstütze Aris zu einhundert Prozent und er ist für mich ein großer Künstler. Wir haben uns im Theater in dieser Situation kennengelernt in Bonn bei einer Produktion von La Bohème. Ich möchte, dass er seine Kunst weiter entwickeln kann. Würden wir es anders angehen, wäre es für uns beide traurig. Dann halten wir nun in den Zeiten, wo er unterwegs sein muss durch und freuen uns auf das Wiedersehen. Als Mutter habe ich zwei Theaterkinder, die kommen oft mit mir dann mit, wenn wir Aris nachreisen. Sie sind oft in der meisten Zeit in der Garderobe oder dürfen auch schon mal, wenn die Inszenierung nicht zu heftig ist in den Zuschauerraum. Sie sind von Papa auch sehr begeistert.

Er ist ihr Held. Aris ist ein lieber Vater und wenn er dann zu Hause ist, ist er ganz für uns da. Ich erinnere mich an eine kurze Rückkehr aus London von einer tollen Produktion an Covent Garden, wo er unserer kleinen Sofia als Baby die Windeln wechselte. Real Life und Künstlerleben treffen dann hart aufeinander und bilden einen schönen Kontrast. Als Künstlerin genieße ich vollkommen das, was ich mache. Ich leite zur Zeit zwei Chöre. Einen ganz neuen Frauenchor mit Jazz- und Barbershopmusik (a capella Musik aus den 20er Jahren) sowie einen Chor für lateinamerikanische Musik, den ich 2015 gegründet habe. Der heißt Voces de las Américas. Wir haben ein sehr schönes Repertoire und haben schon viele Konzerte in Bonn und sogar im Kölner Dom mit der berühmten Misa Criolla zusammen mit Aris als Solist gegeben. Zum Beispiel bereiten wir gerade ein Konzert vor von Orffs Carmina Burana, mit Aris als Solist für eine Präsentation in Italien. Der argentinische Komponist Martin Palmeri hat mit dem Stück Misatango zwei musikalische Welten zusammengebracht, katholische Liturgie und Tango. Ein Chorfestival in Siegburg und Köln wird organisiert für 2019, und mit mehreren Chören gemeinsam wird dort dieses Stück aufgeführt. Zuständig dafür ist unser neuer Verein Deutsch-Hispanoamerikanische Gesellschaft LiberArte Bonn e.V. Wir haben noch viele weitere Ideen, die in der Zukunft realisiert werden. Dann unterrichte ich noch klassischen Gesang in unserem Künstlerstudio Agora artists studio in Bonn. In diesem Kulturzentrum finden auch die Chorproben und verschiedene Veranstaltungen statt, wie Ausstellungen, das Treffen der Opernfreunde Bonn, eine Tangoakademie, eine spanische Theatergruppe und Masterclasses mit Aris Argiris. Außerdem bin ich auch als Sängerin tätig. Letzten März habe ich für den WDR in einer barock-spanische Operettenproduktion für eine Aufnahme gesungen. Das Beste: Aris konnte beim Konzert im Zuschauerraum dabei sein.

IOCO: Herr Argiris, was sind Ihre Zukunftspläne? Auf was können sich Freunde und Wegbegleiter in Zukunft freuen?

AA: Früher musste ich oft Partien singen, die ich eigentlich nicht wollte. Das hat mich viel Kraft gekostet und einige negative Erfahrungen gebracht. Zum Glück plane ich mit meiner  Agentur die Weiterentwicklung meines Rollenportfolios, das aus einer Mischung aus den bewährten dramatischen italienischen und weiteren Partien des deutschen Repertoires bestehen wird. Es wird noch mehr Auftritte im Wagnerfach geben, die ich auch bald bekanntgeben kann. Es wird die Bösewichte in Hoffmanns Erzählungen in Wien geben, Rigoletto in Schottland, im Sommer wird eine CD Das Wunder der Heliane aus Freiburg bei Naxos erscheinen. Nächstes Jahr werden wir von einer weiteren recht unbekannten Oper eine Aufnahme machen. Von meinen Don Giovannis, Figaros und Escamillos werde ich mich verabschieden, weil das im Theaterbetrieb nur schwer kombinierbar ist.
Auch vorstellen kann ich mir eine Position als Intendant eines Opernhauses. Vor kurzem war ich bereits für ein Haus im engeren Bewerberkreis, konnte aber aus Termingründen den geforderten Businessplan nicht innerhalb der geforderten Zeit vorlegen. Ich bin mir sicher, dass das einmal kommen wird; dort werde ich dann, ohne Zusatzgehalt, auch als Sänger aktiv sein.

IOCO:  Frau Larzabal, Herr Argiris, danke für das wunderbare Gespräch.

Aris Argiris und Lupe Larzabal © Patrik Klein

Aris Argiris und Lupe Larzabal © Patrik Klein

Biografie Lupe Larzabal

Guadalupe Larzabal studierte Gesang und Bass in der Hochschule für Volksmusik EPM in Buenos Aires, Argentinien nach ihrem Mathematik und- Physikstudium an der Hochschule für Mathematik und- Physik-Lehre Mariano Acosta in Buenos Aires. Sie ließ ihre Stimme von den Opernsängern Marta Blanco (in Argentinien) und Aris Argiris (in Deutschland) ausbilden. Musiktheorie und Komposition studierte sie bei Prof. Maria del Carmen Aguilar und José Luis Larzabal. Guadalupe Larzabal war Stipendiatin des Juventus Lyrica Buenos Aires für das Jahr 2002 und des Buenos Aires Lírica für das Jahr 2003. Sie erarbeitete sich ein umfangreiches Konzertrepertoire, darunter “Messias” von Händel, “Stabat Mater” von Pergolesi und Dvorak, die “Krönungsmesse” von Mozart und die “Nelsonmesse” von Haydn, und sie gastierte an der Scala de San Telmo, im Teatro Avenida, im Teatro Colón und in verschiedenen anderen Konzerthäusern von Buenos Aires. Ihr Debüt als Opernsängerin gab sie 2001 als Mitglied des Ensembles des Juvents Lyrica Verbandes in “Les mamelles des Tiresias” von Francis Poulenc. Es folgten Mercedes und die Titelpartie in “Carmen” (Bizet) und Flora Bervoix in “La Traviata” (Verdi) und Gertrud in “Romeo et Juliette” von Gounod. Erda in Wagners “Rheingold”, Dritte Dame in “Zauberflöte” und Farnace in “Mitridate Re di Ponto” sind ebenfalls wichtige Repertoirepartien. 2003 zog Guadalupe Larzabal nach Deutschland, wo sie privat Gesangsunterricht bei Prof. Alastair Thompson (King’s Singers) in Köln nahm. Als Solistin gastiert sie in Oratorien und Opernkonzerten in Deutschland und in Argentinien. Mit dem argentinischen Gitarristen und Komponisten Jorge Cardoso tritt sie jedes Jahr seit 2007 in Spanien, Italien und Frankreich auf. 2011 war sie als Tisbe in “La Cenerentola” von Rossini, als Pisana in “I due Foscari” von Verdi und als Marchese in La Fille du Regiment von Donizetti zu erleben. 2012 debütiert sie als Olga in “Eugen Onegin” von Tschaikowski und Die alte Nonne in “Sancta Susanna” von Hindemith. Sie singt die Operngala bei den Schlossfestspielen Heidelberg. 2013 stand für die Alt-Solistin die Oper “Dionysos” von Wolfgang Rihm am Theater und Orchester Heidelberg auf dem Programm, außerdem debütierte sie in Argentinien als Azucena in “Il trovatore” von Verdi. In Mai 2013 gründete sie CantArte, ein Vokalensemble, das sich zum Ziel gesetzt hat, a-cappella-Musik in all ihren Stilrichtungen und Epochen aufzuführen.
2014 begann sie, künstlerische Events zu veranstalten (u.a. Misa Criolla von Ariel Ramirez, Sankt-Antonius-Festival in Siegburg, Barockmusik aus Lateinamerika und Opera goes Band!).
2015 gründet sie LiberArte Bonn um internationale Kulturprojekte zu konzipieren und zu organisieren. Mit LiberArte Bonn wird zusammen mit Konzertmeisterin Andrea Keller ein besonderes Programm uraufgeführt: “Begegnung – Tänze der neuen und alten Welt” mit lateinamerikanischer Barockmusik, die im Laufe des 16. Und 17. Jahrhunderts in “Neu-Spanien” entstand und zum ersten Mal in Deutschland präsentiert wird. Guadalupe Larzabal leitet seit 2015 den Chor Voces de las Américas.

Im Juli 2016 dirigierte sie die Misa Criolla von Ariel Ramírez zum ersten Mal im Kölner Dom zu der Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeits Argentiniens. Als Solist war Aris Argiris zu hören. Mit dem Chor Voces de las Américas präsentierte sie die Misa Criolla zum ersten Mal in der Pauluskirche in Bremerhaven zusammen mit den Tenören Arturo Martin und Thomas Burger. Unter ihrer musikalischen Leitung präsentierte sie im Dezember 2017 zusammen mit dem „ensemble amadeus bonn“, dem Bandoneonisten Pato Lorente und dem argentinischen Pianisten Sebastián Rodriguez die Misatango von Martín Palmeri. Seit Oktober 2017 betreibt sie in Bonn das Künstlerstudio Agora Artist Studio.

Aris Argiris –  Biografie

Aris Argiris  stammt aus Athen, studierte er in seiner Heimatstadt Marketing und Sprachen, Saxophon und Musiktheorie sowie Gesang bei Kostas Paskalis, Frangiskos Voutsinos und Despina Calafati.Nach Engagements am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, am Theater Dortmund, an der Oper Bonn war er bis der Spielzeit 2010/2011 Ensemblemitglied an der Oper Frankfurt. 2011 gastierte er in der Arena di Verona als Figaro in Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ und in St. Petersburg als Renato(Un ballo in maschera). 2016/2017 Opera di Montreal (Jago in „Otello“), Gärtnerplatztheater München (Amonasro in „Aida“) Athens Festival in Herodes Atticus (Amonasro in „Aida“), Gluck International Festival (Orest in „Iphigenie auf Tauris“ / R. Strauss Fassung), Musiktheater im Revier (Scarpia in „Tosca“), Semperoper Dresden (Figaro in „Il Barbiere di Siviglia), Vlaamse Opera und Les Theatres de la Villes de Luxembourg (Paolo in „Simon Boccanegra“), Theatre de la Monnaie (Sharpless in „Madama Butterfly“), Theater Freiburg (Der Herrscher in „Das Wunder der Heliane“

2017/18 Theater an der Wien (Wotan/Wanderer in „Der Ring des Nibelungen“), Theater Chemnitz (Wotan in „Die Walküre), Scottish Opera („Rigoletto“)
2013/14/15 gastierte er in Theater St. Gallen (Escamillo in „Carmen“), Theater Bern (Jochanaan in „Salome“), Musiktheater im Revier („Rigoletto“), Theater an der Wien (Figaro in „La mere coupable“), Israel philharmonic Orchestra (Escamillo in „Carmen“, renato in „UN ballo in maschera“, Kindertotenlieder von G. Mahler), Staatsoper Hamburg (Escamillo in „Carmen“), Teatro San Carlo di Napoli (Escamillo in „Carmen“), Theatre de la Monnaie (Lescaut in „Manon Lescaut), Essen Aalto Musiktheater (Francesco in „I Masnadieri“), Israel Philharmonic Orchestra (Jago in „Otello“), Theater Bonn (Scarpia in Tosca), San Diego Opera (Renato in „Un Ballo in Maschera“), Savonlinna Opera Festival (Escamillo in „Carmen“).
2012 gastierte er in Tokio (Marcello in „La Bohéme“), am Theater an der Wien (Four Villains in „Hoffmanns Erzählungen“), Oper Bonn (Graf Luna /Il Trovatore), Teatro Colon (Dandini/La Cenerentola), Staatsoper Berlin (Nardo/La finta giardiniera) ect.
Als Escamillo in Bizets „Carmen“ war er 2011 im ersten 3-D Opernfilm zu erleben. Aufgezeichnet wurde die Inszenierung dieser Oper 2010 im Royal Opera House Covent Garden London.
1999 erhielt er das Maria-Callas-Stipendium in Athen und setzte sein Gesangsstudium in der Meisterklasse von Prof. Daphne Evangelatos an der Hochschule für Musik und Theater in München fort.
Im Jahr 2002 war Aris Argiris Preisträger des Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg und sang die Titelpartie in Mozarts Don Giovanni.
2007 wurde er von der griechischen Vereinigung der Musik- und Theaterkritiker als bester junger Künstler Griechenlands ausgezeichnet.
Gastengagements führen ihn u.a. an die Opernhäuser in:
Athens(Staatsoper, Athens Music Hall), Hamburg (Staatsoper), Stuttgart(Staatsoper), Stockholm(Royal Opera), Leipzig (Gewandhaus, Oper), Berlin (Deutsche Oper, Komische Oper, Staatsoper), London(Royal Opera House), Bruxelles (Theatre de la Monnnaie), Tokyo (NNT), Antwerpen-Gent(Vlaamse Oper), Oper Bonn, San Diego Opera, Opera de Lima (Peru), Teatro Colon (Buenos Aires),St. Petersburg (Mikhailovsky Theatre), Dresden (Semperoper),Wien (Theater an der Wien, Volksoper), Buenos Aires (Teatro Colon) etc .
Zu seinen wichtigsten bisher gesungenen Partien gehören neben dem Don Giovanni u. a. Scarpia (Tosca), Rigoletto (G. Verdi), Amonasro (G. Verdi), Renato (Un ballo in maschera), Jochanaan (Salome), Figaro (Il Barbiere di Siviglia), Escamillo (Carmen), G. Germont (La Traviata), Marcello (La Bohéme), Rodrigo di Posa (Don Carlo), Conte d’Almaviva (Le nozze di Figaro), Lord Enrico Asthon (Lucia di Lammermoor), Frank/Fritz (Die tote Stadt), Valentin (Faust), Francesco (I Masnadieri), The Four Villains (Les Contes d’Hoffman).
Der Bariton arbeitete unter anderem mit den Dirigenten:
Zubin Mehta, Massimo Zanetti, Kurt Masur, Christian Thielemann, Yakov Kreizberg, Gustav Kuhn, Donato Renzetti, Manfred Honeck, Walter Attanasi, Graeme Jenkins, Carlo Franci, Antonello Allemandi, Patrick Lange, Carlo Rizzi ect.
Mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen hat er „Ariadne – Dithyrambos für Bariton und Orchester“ von Siegfried Matthus und die Arie des Holofernes aus der Matthus-Oper „Judith“ auf CD (Label Genuin) eingespielt.

—| IOCO Interview Theater Chemnitz |—

Chemnitz, Theater Chemnitz, Wagners Tetralogie – Die Walküre, IOCO Kritik, 26.03.2018

März 26, 2018 by  
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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Die Walküre – Richard Wagner

 Tetralogie – Der Ring des Nibelungen im Theater Chemnitz

Von Patrik Klein

Die Vorgeschichte:   Vier Abende, vier Opern, vier Regisseurinnen und eine der größten Herausforderungen im Musiktheater überhaupt: Das Theater Chemnitz stellt sich in diesem Jahr Richard Wagners gewaltiger Tetralogie Der Ring des Nibelungen.

Vier Regisseurinnen schmieden Richard Wagners gewaltiges Werk

Es sind oft die Frauen, die in dem Drama der Unvereinbarkeit von Macht und Liebe die Handlungsstränge entscheidend weitertreiben und beeinflussen. Sie wirken in unterschiedlichster Weise auf die mächtigsten Männer in der Tetralogie und sorgen somit für die Entwicklung und auch das Ende der Tragödie. Ob Erdas Rolle als Weltenordnungshüterin, der Rheintöchters gebaren um den Schatz, Freias Bedeutung für das Fortleben der Götter, Frickas zurechtweisen ihres Gatten vor der Duldung des Inzests oder Brünnhildes Ungehorsam gegenüber ihrem Vater. Gutrune schließlich wird die einzige Überlebende in der Götterdämmerung sein.
Am Theater Chemnitz nehmen sich vier Regisseurinnen der Tetralogie an. Verena Stoiber, Monique Wagemakers, Sabine Hartmannshenn und Elisabeth Stöppler werden die vier Teile aus ihrer sehr individuellen Sichtweise gestalten.

Dem Vorabend   Das Rheingold  – folgt –  Der erste Tag  Die Walküre
– Als spannendes Familiendrama inszeniert –

Verena Stoibers Inszenierung des Vorabends mit Rheingold erhielt vor rund acht Wochen in der Premiere ein gemischtes Echo für die Interpretation und einhelligen Jubel für die musikalischen Ergebnisse. Die Geschichte um die drei Rheintöchter, Alberichs Liebesverzicht und Geldgier, Wotans Götterwelt mit Machtanspruch und Zukunftsplanung gestaltete Verena Stoiber als modernes Schurkenstück mit sittenwidrigem Bauvertrag und üblem Korruptionsgehabe. In der auf aktualisierende Akzente setzenden Interpretation blieb die Urmutter Erda als einzige Protagonistin integer. Sie warnte die Machtinnehabenden eindringlich vor der unstillbaren Gier nach mehr Reichtum, Macht und Rendite. Die Leistung des gesamten Ensembles incl. dem überragenden Orchester der Robert-Schumann-Philharmonie unter dem Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo wurden bei der vergangenen Premiere einhellig gefeiert.
Umso gespannter ist man in Chemnitz nun auf den Ersten Tag des Musikdramas Die Walküre, die mit einer weiteren Frau als Regisseurin aufwartet; der aus den Niederlanden stammenden Monique Wagemakers.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben, von links Wotan  Aris Argiris, Brünnhilde Dara Hobbs, Walküren Guibee Yang, Regine Sturm, Jana Büchner, Anne Schuldt, Susanne Müller-Kaden, Diana Selma Krauss, Nathalie Senf und Alexandra Sherman; Foto Kirsten Nijhof

Handlung:
Richard Wagners Werk Die Walküre wurde gegen seinen Willen am 26.6.1870 in München uraufgeführt auf Geheiß des König Ludwig, der nicht auf die von Wagner geplante zyklische Aufführung in Bayreuth warten wollte. Die Vorgeschichte, oder dass was nach dem Rheingold passiert: Im Raum steht der von Urmutter Erda angekündigte Untergang der Götter. Der Testosteron-gesteuerte Wotan löst das Problem auf seine Weise. Er versucht von Erda den genauen Ablauf der Götterdämmerung zu erfahren und zeugt nebenbei mit ihr neun Töchter, von denen Brünnhilde sich zu seiner Lieblingstochter entwickelt. Sie verbindet Erdas Weisheit mit Wotans Stärke. Da aber von Alberich Gefahr droht, macht sich Wotan als ewiger Wanderer (erkennbar an der aufgemalten Augenklappe) auf den Weg, gründet mit einer Menschenfrau eine neue Familie, die Wälsungen, die er nach der Geburt der Zwillinge Siegmund und Sieglinde verlässt. Schon früh werden die Zwillinge getrennt und wachsen in feindlichen Lagern auf. Sieglinde wird später an Hunding verschachert. Siegmund kann aus der Gefangenschaft fliehen. Die Handlung von Die Walküre ist eigentlich rasch erzählt: „Siegmund und Sieglinde verlieben sich ineinander. Siegmund zieht das Schwert aus der Esche. Wotan zerstreitet sich mit seiner Frau Fricka und muss Siegmunds Schwert mit seinem Speer zerbrechen und den Widersacher Hunding töten. Brünnhilde rettet Sieglinde. Dafür bestraft Wotan Brünnhilde mit magischem Schlaf“. (Stefan Mickisch in einem Vortrag über das Werk)

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Fot oben; von links: Siegmund Zoltán Nyári, Hunding Magnus Piontek, Foto Kirsten Nijhof

Regisseurin Monique Wagemakers – Sichtweise:
Nach über vier Stunden äußerst spannendem Musiktheater, als Wotan Loge rief, um Brünnhilde mit Feuerzauber zu umsäumen, die wunderbare Schlussmusik erklingt, der Göttervater ganz langsam zur Hinterbühne schreitet, kommt ihm der kleine Junge, sein letzter Hoffnungsträger Siegfried entgegen. Wotan streift ihm die Hand über sein Köpfchen, verschwindet im Hintergrund, während dem die letzten Noten erklingen und sich der Vorhang schließt.
Monique Wagemakers ist eine erfahrene Regisseurin aus den Niederlanden, die an vielen europäischen Bühnen Aufsehen erregte. Mit dem berühmten Harry Kupfer hat sie gerne und häufig zusammengearbeitet und dessen Produktionen für die Nederlandse Opera neu einstudierte. Für die Inszenierung von Madama Butterfly an der Staatsoper Stuttgart im Jahr 2006 wurde sie vom Magazin Opernwelt als Regisseurin des Jahres nominiert.
In Chemnitz arbeitet sie zum ersten Mal und bringt ihre persönliche Sichtweise von Wagners Werk auf die Bühne. Gemeinsam mit ihrem Team, Bühne Claudia Weinhart, Kostüme Erika Landertinger, Dramaturgie Lucas Reuter, Susanne Holfter, gelingt ihr eine aufgeräumte und gleichzeitig höchst spannende Interpretation, frei jeder aktuellpolitischen Montage ohne Symbole wie Schwert Nothung, Speer und Feuerzauber mit lodernden Flammen. Man erlebt ein intensives, auf Wagners Musik und Text fokussiertes, farbiges Familiendrama, das mit recht einfachen aber wirkungsvollen Mitteln die Personen und die Widersprüchlichkeit der Charaktere mit ihren zahlreichen Facetten in den Mittelpunkt rückt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Bühnenbildes ist ein mit romanischen Bögen versehenes, Walhall andeutendes Gebilde, welches drehbar im Zentrum der Bühne zu sehen ist und für alle drei Aufzüge unterschiedlich postiert werden kann. Es hat bereits Risse und weitere Teile werden im Laufe des Abends herunterfallen. Auf transparenten Vorhängen werden Videoanimationen fein dosiert und stimmig hinzugefügt. Im ersten Aufzug zum Beispiel entwickelt sich bühnenportalgroß ein Stammquerschnitt der Weltesche; zum dritten Aufzug wird diese Weltesche von innen heraus rabenschwarz und leitet den Walkürenritt ein. Mit großartigem Licht wird der aufkommende Lenz im ersten Aufzug angedeutet, indem die Säulen der Bogenkonstruktion hell erleuchten. Der transparente Vorhang wird ganz intensiv als Stilmittel eingesetzt. Er verdeckt, er verklärt, er trennt, er hellt auf, er schwebt zwischen Wotan und Brünnhilde und hebt Gemeinsamkeiten hervor. Zum Schluss wird mit ihm und den wunderbaren 8 Walküren der Feuerzauber gebildet, wo Wotan und Brünnhilde wie im Zentrum einer Muschelschale ihren Schicksalen entgegensehen. Die Kostüme der Beteiligten sind häufig in Pastellfarben getaucht. Wotan mit tiefem Ausschnitt im blauen, schweren Ledermantel mit aufgemaltem, schwarzen linken Auge. Hunding erscheint im wilden Fellmantel, kahlgeschoren und barbrüstig, Barbarossa ähnelnd. Siegmund kommt im ockerfarbenen Schlabbermantel. Die Damen tragen reifrockähnliche Gewänder mit Reiterhelmen und Walkürenbrustschilden. Die Führung der Personen mit ihren unterschiedlichen Charakteren findet in ganz hervorragender Weise statt. Auch wenn sich vieles direkt an der Rampe abspielt, so sind aber gerade deshalb die vielen Nuancen der Gefühle, der Machtbesessenheit, der Verzweiflung und der Liebe durch intensives Spiel der Protagonisten erkennbar und unter die Haut gehend.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben; links – Siegmund Zoltán Nyári, Sieglinde Christiane Kohl; Foto Kirsten Nijhof

Die Musik:
Unter der Leitung des aus Halle stammenden ersten Kapellmeisters und stellv. Generalmusikdirektors Felix Bender kann das Orchester der Robert Schumann Philharmonie am Premierenabend einen wunderbar luftigen, imposanten mit meist moderaten bis gezügelten Tempi und vielschichtiger Klangschönheit versehenen Wagner präsentieren, für den es sich lohnt eine weite Anreise nach Chemnitz anzutreten. Winzige Unsauberkeiten im Blech trüben das Gesamtbild kaum.
Nicht oft genug kann man die Qualität und das Preis-Genussverhältnis der kleinen und mittleren Opernhäuser in Deutschland lobend erwähnen. Die Sängerinnen und Sänger am Premierenabend waren durchweg auf mehr als beachtlichem Niveau, ja vielleicht ganz ohne Enthusiasmus sogar auf Festspielniveau. Stimmschönheit, Textverständlichkeit und Klangfülle im Opernhaus in Chemnitz waren ein überragendes Vergnügen.
In der Sturmtonart D-Moll mit Verweisen auf das Rheingold mit dem Donnermotiv wird Siegmund musikalisch in die „Hütte“ gelenkt zu Sieglinde und Hunding. Das Orchester der Robert Schumann Philharmonie unter seinem jungen Dirigenten Felix Bender spielt die komplementäre Komposition mit dem Drama der Liebe von Sieglinde und Siegmund mit großer Sorgfalt und Empathie für die beteiligten Musiker, Sängerinnen und Sänger. Er führt bereits im Vorspiel mit dem Liebeslied des Lenzes, fast italienisch anmutend die beiden Liebenden zusammen.

Die Minneterzen funktionieren wunderbar als Kennzeichnung des Schicksals der beiden. Die unendlichen Gefühle der Sehnsucht mit der Komposition der unendlichen Melodie geraten ganz besonders „italienisch“ bei den „Winterstürmen wichen dem Wonnemond“, das sicher und mit viel Kern in der Stimme vom Siegmund des Zoltán Nyári gesungen wird. Der ungarische Tenor ist seit 1996 Mitglied des Operetta Theater Budapest, dessen Tourneen ihn unter anderem nach Deutschland, in die Niederlande, in die USA und nach Japan führten. Nachdem er zahlreiche Preise gewonnen hat, gastiert Zoltán Nyári an der Semperoper Dresden, der Oper Frankfurt, beim Budapester Frühlingsfestival und an der Oper Graz. Dort gab er u.a. sein Debüt als Tristan in Wagners Tristan und Isolde. In der neuen Spielzeit 2017/2018 debütiert Zoltán Nyári als Siegmund am Staatstheater Oldenburg sowie nun am Theater Chemnitz.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben: links Fricka Monika Bohinec, Wotan Aris Argiris; Foto Kirsten Nijhof

„Ich weiß ein wildes Geschlecht“ erklingt von Hunding (Magnus Piontek) mit prachtvoller, mächtiger und rabenschwarzer Stimme. Der aus Bonn stammende Bass gehörte von 2013 bis 2015 zum Ensemble des Nationaltheaters Mannheim und wechselte dann an die Bühnen in Gera/Altenburg. An der Semperoper gastierte er in La Traviata und Eugen Onegin. Mit Beginn der Spielzeit 2016/2017 gehört er zum Solistenensemble der Oper Chemnitz.

Ohne die oft übliche Schwertziehung, Siegmund fleht mit offenen Armen seinen Vater an, folgt dem C-Dur der Schrei der Sieglinde. Christiane Kohl singt die Sieglinde zunächst mit fein dosierter lyrisch anmutender Stimme, die aber dann mühelos nach Belieben kraftvoll und mit tragender Substanz das Haus bis auf den letzten Winkel auslotet. Die aus Frankfurt stammende Sopranistin war engagiert am Opernhaus Zürich, Dortmund, Basel, Kiel, Klagenfurt, Frankfurt, Berlin, der Semperoper in Dresden sowie am Théâtre des Champs-Élysées Paris. 2009 gab sie als Woglinde und Waldvogel sowie als erstes Blumenmädchen ihr Debüt bei den Bayreuther Festspielen, an denen sie seitdem regelmäßig teilnimmt.

Im großartigen Finale des ersten Aufzugs ist die Musik eindeutig, denn hier wird von Sieglinde und Siegmund Siegfried gezeugt, wenn wie bei Wagner vorgeschrieben der Vorhang sehr schnell fällt.

Im zweiten Aufzug erklingt bereits im Vorspiel viel Wichtiges. Einprägsame und wuchtige Fluchtmusik erklingt mit dem Schwertmotiv, der Vorahnung der Walküre, die noch gar nicht erschienen ist, der Liebe in Not (wie bei Freia im Rheingold in Not vor den Riesen), mit ersten Hinweisen auf Brünnhildes „Hoiotoho“ und an eine „Leopard 2“ Geräuschkulisse erinnernde, erscheinende kämpfende Brünnhilde in C-Moll. In der Diskussion zwischen Fricka, der Hüterin des Vergangenen mit traditionsbewusster Weltsicht und ihrem Mann Wotan, wird der dramatische Konflikt, in dem die beiden stecken, besonders deutlich. Wotan verliert Siegmund, Fricka verlässt die Situation feierlich erhobenen Hauptes. Der Zwist endet in Es- Moll und führt musikalisch zum Untergang in der Götterdämmerung. Wotan will auch nicht mehr, weil er weiß, dass Alberich den Sohn Hagen zeugte. Die Frustration endet mit dem verstärkten, aber kaum erkennbaren Walhallmotiv in Moll. Monika Bohinec tritt mit feuerrotem langen Haar und einem reifrockähnlichen Gewand in Erscheinung und keift ihren Gatten an, gefälligst nach Recht und Ordnung zu handeln. Sie singt ihre Partie mühelos mit schön dunkel gefärbtem Timbre und kerniger Höhe. Die in Slowenien geborene Mezzosopranistin ist Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper. Gastspiele führten sie zu den Salzburger Festspielen, in den Wiener Musikverein und ans Staatstheatertheater am Gärtnerplatz in München. Sie sang u.a. bereits die Ortrud in Wagners Lohengrin in Neuschwanstein und die Brangäne in Wagners Tristan und Isolde in Australien.

Bei der Todesverkündung durch Wotan erklingt wunderbar gespielt vom Orchester das Schicksalsmotiv mit schönen, offenen Dominantseptakkorden. Im Des-Dur des Wallhallmotives soll Siegmund dorthin gelangen. Brünnhilde zeigt ihr „menschliches“ Herz, da sie sich von Siegmund überzeugen lässt, dass es höhere Werte gibt, als in Walhall zu sitzen. Siegmund fällt und gibt die Kraft weiter an Siegfried.

Der dritte Aufzug nimmt in neun musikalischen Schleifen (eine für Brünnhilde und acht für die übrigen Walküren) im berühmten Ritt musikalisch Fahrt auf. Das H-Moll klingt als dämonische Tonart wie bei Klingsor im Parsifal und drückt die Wildheit und Kraft auf der Bühne aus. Es klingt, als ob die Hufe der Pferde nur ganz vorsichtig Land betreten. Erst allmählich kommen sie auf die Erde herunter. Das komponierte Pferdegewieher und die Verfolgung Wotans mit seinem achtfüßigen Pferd Sleibnir, dem schwächeren Pferd Grane der Brünnhilde hinterher hetzend, setzt das Orchester aufregend und unter die Haut gehend um. Die acht Walküren werden sehr schön gesungen und gespielt von Guibee Yang, Regine Sturm, Jana Büchner, Anne Schuldt, Susanne Müller-Kaden, Diana Selma Krauss, Nathalie Senf und Alexandra Sherman.

In der Begegnung der Brünnhilde mit Sieglinde hört man bereits das gut erkennbare Siegfriedmotiv, das mit strahlender, unschuldiger Zukunftshoffnung in G-Dur die Handlung weitertreibt. Das Göttliche in Brünnhilde wehrt sich gegen den Bann des Wotans mit ihrem Klagegesang. „Hier bin ich Vater“ und „War es so schmählich, was ich verbrach?“ erklingt in der Klagetonart E-Moll ohne Erfolg beim Gottvater und deshalb auch nicht ins Dur-Geschehen mündend. Dennoch hat sie es beinahe geschafft, ihren Vater zu überzeugen, um ihm die Liebe ins Herz zu hauchen und so zu tun, wie er es eigentlich selbst gerne wollte. Brünnhilde wird von Dara Hobbs in allen Belangen mit Bravour, schöner Stimmführung, kraftvollen Ausbrüchen sowie feinen, leisen Passagen höchst emotional gesungen. Die amerikanische Sopranistin war von 2007 bis 2012 Ensemblemitglied des Theaters Krefeld-Mönchengladbach. Seit 2012 ist sie freiberuflich tätig und sang u. a. an der Oper Leipzig, der Staatsoper Hannover, der Deutschen Oper am Rhein, der Oper Frankfurt, der Kieler Oper, am Theater Gera und am Fundação Calouste Gulbenkian in Lissabon. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 2013 und 2014 die Partie der Ortlinde (Die Walküre).

Wotan nimmt den Wunsch von Brünnhilde auf, denn sie fordert den Schutz und die Wahrung des Göttlichen, indem er den Feuerkreis in Form des beschriebenen transparenten Vorhangs um sie schließt. Loge entfacht das Feuerzaubermotiv. Der Schmerz über die Trennung lässt die Tragik des Gottes erkennen. In der Liebestonart E-Dur ganz nah an Bruckners siebenter Sinfonie steht Wotan als das größte Opfer dieser Trennung zwischen Vater und Tochter. Das Abschiedsthema erklingt macht- und schmerzvoll zugleich. Wotan schützt seine Tochter Brünnhilde mit dem Feuerkreis und beherrscht noch den Kosmos. Die alte Ordnung soll noch geschützt werden, bis Siegfried kommt und das Werk vollendet. Aris Argiris, der in Athen geborene Bassbariton, unterwegs auf den großen Bühnen in Europa und Nordamerika, gibt sein vollständiges, überragendes Debut des Wotans als erster Grieche überhaupt. Fragmentarisch sang er die Partie bereits mit großem Erfolg an dem Theater an der Wien, wo vor einigen Monaten eine Ringtrilogie in gekürzter und neustrukturierter Fassung gegeben wurde. Vom italienischen und französischen Fach kommend, ergänzte er bereits vor einiger Zeit sein Repertoire als Herrscher in Korngolds Wunder der Heliane in Freiburg mit dem deutsch-dramatischen Fach. Sein Wotan besticht in Chemnitz durch eine schier unglaubliche Energie, Spielfreude, eine tief berührende Zerrissenheit als Gatte und Göttervater mit Machtansprüchen und Liebesbedürfnis. Wunderbar die Text-verständlichkeit, die Fähigkeit zu modulieren und eine Spannweite zwischen „leisest“ und „lautest“ aufzuspannen, die einem den Atem rauben kann. Er gestaltet die Partie mit feinster Schwärze, kernigem Metall und berührt damit eindringlich das begeisterte und ihn besonders feiernde Publikum im Theater Chemnitz. Man darf gespannt sein auf die Weiterentwicklung seines Rollenportfolios.

Als der Vorhang fällt herrscht etliche Sekunden atemlose Stille. Doch dann erhebt sich ein  andauernder Orkan des Jubels im Theater Chemnitz. Der frenetische Applaus des Publikums gilt allen Beteiligten, eingeschlossen die wunderbare Interpretation durch das Regieteam um Monique Wagemakers.

 Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner hier Ensemble zum Applaus © Patrik Klein

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner hier Ensemble zum Applaus © Patrik Klein

Die Walküre am Theater Chemnitz; weitere Vorstellungen… 02.04.2018 | 22.04.2018 | 01.05.2018 | 27.05.2018 | 12.01.2019 | 19.04.2019 | 01.06.2019

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