Brenda Roberts, Sopran – Diskographien 5 – 6, 11.05.2019

Mai 11, 2019 by  
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Il Tabarro - CD mit Brenda Roberts

Il Tabarro – CD mit Brenda Roberts

BRENDA ROBERTS – DISKOGRAPHIE Teil 4 + 5

von Rolf Brunckhorst

Teil 4: In diesem vierten Teil der Brenda-Roberts-Diskographie geht es um relativ unbekannte Aufnahmen von nur bedingt populär zu nennenden Opern.

 MEDEA  –  Komponist Friedhelm Döhl

Als erstes sei die Medea -Studio-Gesamtaufnahme genannt. Die Medea gilt als ausgesprochene Primadonnen-Partie und ist in der Vergangenheit von einigen wenigen Sopranistinnen eindrucksvoll dargestellt worden (Callas, Jones, Rysanek). Jetzt gibt es eine neue Medea, die der Komponist Friedhelm Döhl Brenda Roberts quasi auf den Leib geschneidert bzw. in die Kehle geschrieben bzw. komponiert hat. Musikalisch ist dies eine ganz neue Welt, die nicht jedem Hörer gefallen kann, aber für Fans von Brenda Roberts ist besonders der Schlußteil der Oper ein reines Vergnügen. Hier kann Brenda Roberts in einem langen Solo alle Register ihres Könnens ziehen. Der Komponist mutet ihr zu, alle Möglichkeiten einer Sing- bzw. Sprechstimme auszunutzen. Brenda Roberts macht das hervorragend und schafft es sogar, textverständlich auch in den höchsten Lagen zu singen. Dirigent Klauspeter Seibel kennt Brenda Roberts aus Hamburger Vorstellungen und hat sowohl sein Orchester als auch das Ensemble der Kieler Oper souverän im Griff. So ist die Ersteinspielung der Döhl-Medea eine rundum gelungene Sache, und so gibt es eine weitere Medea-Darstellerin, die im Gedächtnis bleiben wird.

 

Brenda Roberts in jungen Jahren © Brenda Roberts

Brenda Roberts in jungen Jahren © Brenda Roberts

STERNENGEBOT – Komponist Siegfried Wagner

Sternengebot ist eine der zahlreichen Opern von Siegfried Wagner, die sich im Repertoire nicht haben durchsetzen können. Zwar „wagnert“ es beständig in dieser Oper, aber des Vaters Theaterpranke hatte sein Sohn Siegfried keineswegs geerbt. Die Musik fließt schön und gleichmäßig, aber sie packt den Zuhörer nicht. Szene um Szene geht vorbei, ohne daß sich der Hörer angesprochen fühlt. Ende der 90er Jahre hatte die Firma Marco Polo das ehrgeizige Vorhaben in die Tat umgesetzt, die Siegfried-Wagner-Opern auf CD einzuspielen, und somit einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Brenda Roberts hatte für diese Aufnahme die beiden Partien der Hiltrud und der Julia übernommen. Sie behauptet sich völlig souverän in den teilweise etwas holprig komponierten Orchesterfluten und macht auch diese Aufnahme zu einem Muß für Brenda-Roberts-Fans.

 ALBERT HERRING  – Benjamin Britten

Mitte der 80er Jahre hatte Brenda Roberts in der Britten-Oper Albert Herring“ als Lady Billows ihre Hamburger Premiere. Das Publikum erlebte eine treffliche Darbietung der in Deutschland zu Unrecht verkannten Oper Brittens. An der Spitze des Hamburger Ensembles machte Brenda Roberts bereits in der ersten Szene, in der sie mit Ursula Boese als Florence Pike ein tugendhaftes Mädchen für das Dorffest auswählen soll, auf ihre komödiantische Begabung aufmerksam. Die feine Ironie, mit der Britten das englische Dorfleben beobachtet, wird von Brenda Roberts auf das Feinste aufgenommen und auf der Bühne umgesetzt. Da darf die Stimme schon mal etwas schriller werden, wenn sich nicht das ganze Dorf den moralischen Ansprüchen der Lady Billows anpassen will. Insgesamt eine bemerkenswerte Aufnahme, die die Leistungsfähigkeit des Hamburger Ensembles dokumentiert.

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

DIE BACCHANTINNEN  –  Egon Wellesz

Im Dezember 1985 trat Brenda Roberts im Wiener Konzerthaus in der Partie der Königin Agave auf, eine dankbare Partie in der Oper Die Bacchantinnen von Egon Wellesz. Die Stimme von Brenda Roberts paßt perfekt zu der stilistisch ein bißchen hin und her pendelnden Oper, die die Grundlage dafür bietet, daß Brenda Roberts ihre dramatische Durchschlagskraft, ihre sicheren Höhen und hohe Durchhaltekraft eindrucksvoll vorführen kann. Diese konzertante Aufführung, im Dezember 1985 vom ORF übertragen, kann man sich bei youtube anhören.

 5. Teil: Schlußteil dieser Diskographie – Raritäten für Brenda-Roberts-Fans.
Die meisten Aufnahmen sind stark gekürzt, auf die Sopranpartie reduziert

 ARIADNE AUF NAXOS  –  Richard Strauss,

Im November 1990 gab es die seltene Gelegenheit, Brenda Roberts als Ariadne zu erleben. Obwohl die Partie der Ariadne eher zurückhaltend und abwartend angelegt ist, fand sich die stets aktive und dramatisch agierende Brenda Roberts mühelos in das Ensemble des Bielefelder Opernhauses ein. Es begann mit ganz verhalten lyrischen Monologen und steigerte sich bei der Ankunft des Bacchus in ein glorioses Schlußduett. Ihr zur Seite stand der zu Recht sehr gefragte Heldentenor Herbert Schaefer, der der kraftvollen Stimme von Brenda Roberts Paroli bieten konnte, so daß der von GMD Rainer Koch dirigierte Abend im Strauss-Rausch endete.

SALOME  –  Richard Strauss,

Dieses ist eine der Aufnahmen mit den meisten Auslassungen. Entschädigt wird der Zuhörer für das etwas mühsame Hören von der unglaublichen Tagesform der Brenda Roberts. Kraftvoll mit wunderschön dahingehauchten Piani und einem energischen Schlußgesang war sie die unumstrittene Hauptattraktion des Abends. Die lächerliche Szenerie konnte die Sängerin überhaupt nicht beeinträchtigen, ihre Stimme leuchtet bis in den letzten Winkel nicht nur des auf der Bühne aufgebauten Schlachthauses, sondern auch des Zuschauerraums des Staatstheaters Braunschweig und endet mit einem triumphalen Schlußgesang.

TOSCA  –  Giacomo Puccini

Die Partie der Floria Tosca ist von ihren Gestaltungsmöglichkeiten her eine feine Sache für alle spielfreudigen dramatischen Sopranistinnen, also auch für Brenda Roberts. Die hier vorgestellte Aufführung am Staatstheater Kassel fand in deutscher Sprache statt, und Brenda Roberts hatte einen furiosen Abend. Sie überzeugte schon im ersten Akt als eifersüchtige Diva, wobei das Duett mit Cavaradossi äußerst leidenschaftlich angelegt war. Am Ende des ersten Aktes verschafft sich die Stimme Raum, wenn die Eifersucht sie langsam vereinnahmt. Viel Aufregung herrscht im zweiten Akt bei den Kerker- und Folterszenen, wenn Tosca zwischen Hoffen und Bangen hin und her schwankt, und voller Stimmeinsatz gefordert wird. Brenda Roberts meistert diese anspruchsvollen Passagen, ohne bei zu schreienden und zu sprechenden Tönen jemals die Kontrolle über die Stimme zu verlieren. Im dritten Akt nimmt sie den liebenden Tonfall der Anfangsszene wieder auf und erträumt sich mit Cvaradossi eine glückliche Zukunft, obwohl beide wissen, aber einander nicht eingestehen, daß es für dieses Liebespaar keinen Morgen geben wird. Passend dazu klingt der Sopran von Brenda Roberts ängstlich, beinahe zittrig, bis sie in der letzten Passage mit stimmlicher Bravour dem toten Scarpia ankündigt, daß man sich an den Pforten der Hölle wiedersehen wird.

CD Brenda Roberts in Frau ohne Schatten © Sebastian Sierke

CD Brenda Roberts in Frau ohne Schatten © Sebastian Sierke

DIE FRAU OHNE SCHATTEN –  Richard Strauss

Kaum eine Oper ist so vielen Kürzungen ausgesetzt wie die Frau ohne Schatten. Im Jahre 1987 gab es im Nationaltheater Mannheim eine Version zu bestaunen, in der sogar die Reihenfolge der Bilder durcheinander gewürfelt wurden. Im zweiten Akt besteht die Oper jetzt nur noch aus vier Bildern, die in der Reihenfolge 1-2-4-5 auf die Bühne gebracht werden, wobei das dritte Bild mit dem fünften Bild zusammengelegt worden sind. Da es sich dabei vor allem um die Szenen im Färbershaus handelt, ist die Färbersfrau am meisten von diesen Eingriffen betroffen. Brenda Roberts, international anerkannte Färbersfrau, ließ sich durch diese neue Version nicht durcheinander bringen und bot eine grandiose Leistung. Wirkt sie zunächst im ersten Akt noch (rollengemäß) etwas spröde, so wird am Ende des Aktes, als die Färberin glaubt, die anklagenden Stimmen ihrer noch ungeborenen Kinder zu hören, ganz großes Operntheater geboten aufgrund ihrer packenden Rolleninterpretation. Im letzten Bild des zweiten Aktes sind es dann die Monologe der Färbersfrau, die „aneinander gebackt“ wurden, um eine Verschmelzung der Bilder 3 und 5 zu erreichen. Brenda Roberts triumphiert auch in dieser etwas willkürlich wirkenden Version mit nie endender Strahlkraft und wahrlich hochdramatischem Impetus. Diese Mannheimer Aufnahme ist durchaus habenswert, und das nicht nur wegen der exzellenten Sänger (u.a. Jean Cox), sondern auch um sich diese Kuriosität anhören zu können. Nach Wissen des Rezensenten gibt es eine vergleichbare Version nur noch unter Herbert von Karajan, der die Partie der Färbersfrau ganz auf Christa Ludwig eingestellt hatte. Für ergänzende Mitteilungen bedankt sich der Autor schon im Voraus.

 TURANDOT  –  Giacomo Puccini,

Wenn es eine Partie im Repertoire der Brenda Roberts gibt, bei der die Fans sofort sagen, daß sie der Künstlerin auf den Leib geschneidert sei, dann ist dies Puccinis Turandot. Gefordert ist eine hochdramatische Sopranistin, der von der Dauerbelastung in der Höhe und lautesten Orchesterklängen alles abverlangt wird, und genau unter diesen Ansprüchen blüht die Stimme von Brenda Roberts förmlich auf. Hier ist eine Stimme, die „In questa Regia“ wirklich kalt und überheblich präsentieren kann, die im zweiten Akt ein Feuerwerk von Spitzentönen abliefert, und die im dritten Akt aufwallende Emotionen so nach und nach zulassen kann.

Zum Schluß dieser Diskographie sei noch auf die erste offizielle CD von Brenda Roberts verweisen, nämlich „BRENDA ROBERTS IM GEISENHEIMER DOM“. Auf dieser CD findet man ein reichhaltiges Programm, eingeleitet von je einem Händel- und einem Haydn-Block. Der Bogen wird bis zu „The Lord’s Prayer“ gespannt. Der großen und strahlenden Sopranstimme von Brenda Roberts kommt die Akustik des Geisenheimer Doms sehr entgegen. Schon bei der ersten Händel-Arie „Rejoice greatly“ aus dem „Messias“ legt der Hörer die Ohren an und freut sich 70 Minuten lang über ein Konzert in diesem ganz besonderen Klangbild. Brenda Roberts selbst ist vorzüglich bei Stimme, und man fragt sich, wie eine gefeierte Elektra so intensiv und sensibel Barockarien von Josef Haydn interpretieren kann. Diese CD war (und ist vielleicht noch immer) über die Künstlerin selber zu beziehen.

Diese Diskographie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Brenda Roberts ist immer noch so populär, daß immer wieder neue Live-Aufnahmen mit ihr auftauchen, so daß vielleicht in einem Jahr noch ein sechster Teil dieser Diskographie erscheinen könnte. Drei Vorboten sind schon am Horizont zu erkennen, nämlich ihre Fidelio-Interpretation in Antwerpen und den Bad Hersfelder Opernfestspielen, sowie ihre Salome aus Gent/Belgien. Alle drei Opern sind in Auszügen auf youtube zu bestaunen, schön wären natürlich aufgearbeitete DVD-Versionen.

—| IOCO CD-Rezension |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Liederabend EDITA GRUBEROVÁ, 23.04.2019

April 15, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

SOPRANISTIN EDITA GRUBEROVÁ
SECHSTER LIEDERABEND DER SPIELZEIT 2018/19

Der sechste Liederabend der Spielzeit 2018/19 wird bestritten von der renommierten slowakischen Sopranistin Edita Gruberová am Dienstag, 23. April 2019, 20.00 Uhr im Opernhaus.

Damit ist die beliebte Künstlerin – wenige Wochen nach ihrem überraschenden Bühnenabschied im Rahmen einer Vorstellung von Donizettis Roberto Devereux an der Bayerischen Staatsoper in München – als Liedsängerin auf dem Konzertpodium zu erleben, und das nun auch in Frankfurt.

Oper Frankfurt / Liederabend Edita Gruberová, Sopran und Peter Valentovic Klavier © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Liederabend Edita Gruberová, Sopran und Peter Valentovic Klavier © Wolfgang Runkel

Mit den schwierigsten Partien des Belcanto hat sie sich in die Herzen des Publikums gesungen: Edita Gruberová gilt seit den 1960er Jahren als „Wunder“ in der internationalen Opernwelt. Mit der intensiven, leidenschaftlichen Gestaltung ihrer Rollenporträts hat sich die aus Bratislava stammende Sängerin von der slowakischen Provinz in die ersten Häuser „gesungen“. Sie hat Maßstäbe gesetzt: Gefürchtete Koloraturpartien wurden zu Markenzeichen, ihre Interpretationen haben Generationen von Fans sowie Kritiker begeistert. Als „Königin des Belcanto“ oder als „Slowakische Nachtigall“ wurde sie gefeiert, die Süddeutsche Zeitung erfand sogar den Titel „Primadonna assoluterova“ für sie. Ihre Auftritte in Werken von Donizetti wie Lucia di Lammermoor, Anna Bolena, Maria Stuarda oder Roberto Devereux gelten als ebenso unerreicht wie ihre Zerbinetta in Ariadne auf Naxos. Mit ihren Partien und Liederabenden möchte Edita Gruberováweit über die Bühne hinaus wirken“. Ihre Popularität hat sie stets genutzt, um selten gespielte Werke neu zu entdecken. Nach ihrem ersten umjubelten Liederabend an der Oper Frankfurt 2015 kehrt eine glänzende Diva unserer Zeit mit einem neuen Programm zurück.

Anlässlich ihres zweiten Frankfurter Liederabends präsentiert Edita Gruberová, begleitet von Peter Valentovic am Klavier, Lieder und Arien von Georg Friedrich Händel, Richard Strauss, Johann Strauß Sohn, Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini und Ambroise Thomas sowie eine Improvisation über ein Thema von Sergei W. Rachmaninow.

Karten zum Preis von € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

Weitere Liederabende in dieser Saison:
Michael Porter, Tenor 07. Mai 2019
Michael Spyres, Tenor 18. Juni 2019

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Wien, Wiener Staatsoper, KS Hilde Zadek – Die Staatsoper trauert, IOCO Aktuell, 25.02.2019

Februar 25, 2019 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

KS Hilde Zadek –  1918 – 2019

Die Wiener Staatsoper trauert um KS Hilde Zadek

Die Wiener Staatsoper trauert um die große österreichische Sopranistin Hilde Zadek, Kammersängerin und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, die am  21. Februar 2019 im Alter von 101 Jahren in Karlsruhe verstorben ist.

Staatsoperndirektor Dominique Meyer: „Gerade heute nach unserer Trauerfeier für KS Wilma Lipp habe ich die traurige Nachricht vom Tod von KS Hilde Zadek erhalten. Mit ihr hat uns nun eine weitere Staatsopernikone des 20. Jahrhunderts verlassen, eine bedeutende Künstlerin, die das Nachkriegsensemble der Staatsoper repräsentierte wie wenige, eine legendäre Pädagogin,die Generationen prägte. Vor einigen Jahren habe ich sie auch persönlich kennenlernen und mich von ihrer warmherzigen, angenehmen Art begeistern lassen dürfen – vor einem Jahr haben wir in der Staatsoper gemeinsam ihren 100. Geburtstag gefeiert. Wir werden Hilde Zadek – unseren Sonnenschein, wie ich sie nennen durfte– vermissen. “

Wiener Staatsoper / Hilde Zadek © Poehn

Wiener Staatsoper / Hilde Zadek © Poehn

Die Wiener Staatsoper hisst zum Zeichen der Trauer die schwarze Fahne.

Hilde Zadek wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg (Provinz Posen) geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Stettin. Sie ließ sich zunächst in Berlin zur Kinderkrankenschwester ausbilden,1935 musste sie, jüdischstämmig, nach Palästina emigrieren. Am Konservatorium in Jerusalem absolvierte sie eine umfassende Musik- und Gesangsausbildung. Zu Ihren Lehrern gehörten der Komponist Josef Grünthal und die Sängerin Rose Pauly.

Sie debütierte am 3. Februar 1947 als Aida in einer Aufführung der Wiener Staatsoper im Theater an der Wien und wurde rasch zu einer wichtigen Säule des Ensembles. Zwischen 1947 und 1971 sang Hilde Zadek 39 Rollen in 37 verschiedenen Opern in 786 Staatsopernvorstellungen. Zu ihren wichtigsten und meistgesungen Rollen zählen u.a. die Titelrolle der Aida (71 Mal), Contessa d’Almavia (Le nozze di Figaro–59 Mal) oder Marschallin im Rosenkavalier (58 Mal). Weitere wichtige Partien waren etwa Donna Anna (Don Giovanni), Ariadne (Ariadne auf Naxos), Eva (Die Meistersinger von Nürnberg), Santuzza (Cavalleria rusticana) oder Elisabetta (Don Carlo).

KS Hilde Zadek war auch Ensemblemitglied in Düsseldorf, sang bei den Salzburger Festspielen und gastierte u.a. an der Mailänder Scala, am Teatro National de São Carlos in Lissabon, am Royal Opera House in London, beim Glyndebourne Festival, an der New Yorker Met, am Teatro Colón in Buenos Aires, in Paris, Amsterdam, Brüssel, Rom, San Francisco und an der Bayerischen Staatsoper in München. Ihren letzten Staatsopernauftritt absolvierte sie am 3. Jänner 1971 in der Walküre und zog sich in der Folge von der Bühne zurück.

Seitdem war sie in Österreich und international als Gesangslehrerin tätig, leitete u.a. bis 1978 die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien. 1951 wurde ihr der Titel Österreichische Kammersängerin verliehen, 1977 wurde sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. Darüber hinaus war sie u. a. Trägerin des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst sowie der Wiener Ehrenmedaille und erhielt das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreichs.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, Zum Tod von Theo Adam, 10.01.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Zum Tod von Theo Adam

Die Wiener Staatsoper trauert um den großen deutschen Opernsänger Theo Adam, der am gestrigen Donnerstag, 10. Jänner 2019 in seiner Heimatstadt Dresden im Alter von 92 Jahren verstorben ist.

Wiener Staatsoper / Theo Adam als Musiklehrer in Ariadne auf Naxos an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Wiener Staatsoper / Theo Adam als Musiklehrer in Ariadne auf Naxos an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Theo Adam war zweifelsohne einer der bedeutendsten Interpreten des 20. Jahrhunderts, ein seiner Heimatstadt stets verbundener kosmopolitischer Sängergigant in vielerlei Hinsicht: eine beeindruckende Erscheinung mit einer sehr edlen Stimme, unzählige Auftritte an den wichtigsten Opernbühnen und Konzertpodien der Welt, über hundert verschiedene Partien quer durch die Musikgeschichte, wobei vor allem die großen Wagner- und Straussrollen seine Glanzpartien waren, so auch an der Wiener Staatsoper. Auch für mich persönlich war Theo Adam ein wichtiger Sänger: In der allerersten Opernvorstellung meines Lebens war er der Amfortas an der Pariser Oper, er war mein erster Wotan – mit Christa Ludwig an seiner Seite und unter Georg Solti –, in meiner ersten Vorstellung in Bayreuth war er der Gurnemanz. Theo Adam wird ein Fixstern am Opernhimmel bleiben“, so Staatsoperndirektor Dominique Meyer.

Theo Adam wurde am 1. August 1926 in Dresden geboren, wo er auch seine musikalische Ausbildung erhielt. Nach seinem Debüt an der Dresdner Semperoper 1949 folgten bald Engagements bei den Bayreuther Festspielen, in Berlin, Frankfurt, an der Wiener Staatsoper, am Londoner Royal Opera House, an der New Yorker Met und bei den Salzburger Festspielen.

THEO ADAM – hier 1990 im Interview mit August Everding
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Sein Staatsoperndebüt gab er am 4. März 1954 als Sarastro (Die Zauberflöte) im Theater an der Wien, wo auch Sparafucile (Rigoletto), König Heinrich (Lohengrin) und Don Pizarro (Fidelio) folgten. In der wiedereröffneten Wiener Staatsoper sang er dann ab 1967 u. a. die Titelpartie von Der fliegende Holländer (34 Mal – die meistgesungene Partie), Wotan (Die Walküre) und Don Giovanni (jeweils 24 Mal). Wichtige Wiener Premieren waren u. a. Der Fliegende Holländer 1967 (Dirigent: Heinrich Hollreiser; Inszenierung: Wieland Wagner), Don Pizarro in Fidelio 1970 (Dirigent: Leonard Bernstein; Inszenierung: Otto Schenk – im Theater an der Wien), Dr. Schön/Jack the Ripper in Lulu 1983 (Dirigent: Lorin Maazel; Inszenierung: Wolfgang Weber), die Titelpartie in der Wiener Erstaufführung von Friedrich Cerhas Baal 1981 (Dirigent: Christoph von Dohnányi; Inszenierung: Otto Schenk), Hermann in Tannhäuser (Dirigent: Lorin Maazel; Inszenierung. Otto Schenk).

Bis zu seinem letzten Auftritt am 12. Mai 1997 als Musiklehrer (Ariadne auf Naxos) war er in insgesamt 29 Partien in 253 Vorstellungen zu erleben.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

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