Essen, Aalto-Theater, Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 19.06.2019

Juni 20, 2019 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

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Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart

– Allgegenwärtiges Lügen  wird  Zur Lehrstunde  des Lebens –

von Viktor Jarosch

Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri (1750-1825) kannten einander sehr gut; begegneten sich in Wien wie in ihren Werken immer wieder. Lorenzo da Ponte (1749 – 1838), von Salieri aus Venedig nach Wien vermittelt, wiederum schrieb Libretti für Mozart und Salieri: 1788 das Libretto zu Antonio Salieris tragisch-komischer Oper Axur, re d’Ormus und 1786, 1787, und 1789 die Libretti zu Mozarts Opern Figaros Hochzeit, Don Giovanni und Cosi fan tutte. Erste Texte von da Ponte, gedacht für Antonio Salieris Werk La scuola degli amanti (Die Schule der Liebenden), „landeten“ so bei Wolfgang Amadeus Mozart, der die Komposition Cosi fan tutte (So machen´s alle) benannte; seiner Oper Le Nozze di Figaro entlehnt, wo Don Basilio den vermeintlichen Betrug der Susanna mit den Worten „So machen´s alle (Frauen)“ beschreibt.

Das Sujet der Oper Cosi fan tutte, weibliche Untreue, fasziniert denn seit Ovids Metamorphosen Werke und Gedanken zahlloser männlicher Schriftsteller. Männliche Untreue fasziniert SchriftstellerInnen weniger; wohl weil diese so alltäglich ist. Die Dramaturgin des Aalto-Theater meinte denn auch zur Einführung der Premiere, Cosi fan tutte sollte eher Cosi fan tutti (Männer und Frauen einschließend) heißen.

Cosi fan tutte –  Wolfgang A. Mozart
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Mozart komponierte Cosi fan tutte 1787, von Geldnöte geplagt; seine letzte Uraufführung, Don Giovanni, lag bereits etwas zurück. Angeblich, unbelegt, hat Kaiser Joseph II Mozart zu der Komposition beauftragt. Mit Lorenzo da Ponte eng verbunden entstand die Oper in kurzer Zeit, im Herbst 1789. Im Januar 1790 wurde sie im Burgtheater uraufgeführt; seither wird sie auf allen Bühnen der Welt regelmäßig gespielt: Mozarts lebendig komplexe Komposition belebt, beschwingt schon auf dem Weg zur Vorstellung. Das von männlichen Träumen beschwerte oft überzeichnetes Verwirrspiel dagegen nötigt zur Gelassenheit,es  ist eine musikalische Komödie; geschrieben zu einer Zeit, in welcher die beginnende Französische Revolution verunsicherte.

Die Handlung: In Cosi fan tutte will „Dunkelmann“ Don Alfonso, den aufrechten, leicht beeinflussbaren   Ferrando und Guglielmo, beweisen, dass die Treue ihrer Liebsten, der Schwestern Dorabella und Fiordiligi unbeständig ist; „dass Lieb ein unstet Ding ist“. Ferrando und Guglielmo lassen sich von Alfonso verführen und ein schräges Spiel von Verwandlung, Täuschung, Verwirrung läuft ab: Die Männer gaukeln vor, in einen Krieg zu ziehen; kehren als Albaner verkleidet zu ihren Liebsten zurück; drohen, sich das Herze zu durchbohren und zu vergiften, wenn Dorabella und Fiordiligi  ihre Liebe nicht erwidern.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte © Matthias Jung

Regisseur Stephen Lawless und Bühnenbildner Philipp Schlößmann stellen in ihrer ästhetisch klassizistischen Aalto-Inszenierung Mozarts Komposition, das Ensemble mit seiner Spielfreude in den Vordergrund. Die in der Handlung allgegenwärtige Lüge soll im Aalto-Theater zu einer sichtbaren „Lehrstunde des Lebens“ werden; in zeitlosem Klassizismus auf die Bühne gebracht: Ein hoher, heller, hellenistischer Saal mit antiken Statuen am vorderen Bühnenrand, im Hintergrund italienische Landschaften und der Vesuv: Dieser Raum ist bleibender Schauplatz; und sendet dabei beständig sensible Chiffren an das Publikum, wenn sich Decken und Wände des Saales zur Handlung lösen, brechen, wieder verfestigen; wenn Statuen sich wandeln; wenn im Hintergrund inmitten einer italienischen Landschaft der Vesuv raucht; wenn Fiordiligi, Dorabella ihre Kleider tauschen. Diesen Chiffren, Andeutungen ist oft nur schwer zu folgen, sodaß man sich gerne der Komposition wie Stimmen und Spielfreude des starken Ensembles zuwendet.

Die Akteure agieren meist in gepflegten Kostümen: Don Alfonso, Intriganten-gerecht in barockem dunklem Wams oder in dunkler priesterlicher Soutane mit großem Kreuz auf der Brust; Fiordiligi, Dorabella, Ferrando, Guglielmo stets in dezent gepflegten Rokoko-Kostümen. Despina dagegen treibt die Handlung aktiv: mal als brave Kammerzofe, mal als schriller Quacksalber, mal als trüber Notar. Sie ist die Kupplerin in  einem doppelbödigem Verwirrspiel; polarisiert die Herren-Intrige mit Primadonnen-Theater.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte - hier : Martijn Cornet als Guglielmo, Dmitry Ivanchey als Ferrando © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte – hier : Martijn Cornet als Guglielmo, Dmitry Ivanchey als Ferrando © Matthias Jung

Das Theater, so zeigt auch Cosi fan tutte, hat alle Rechte gegen die Wahrscheinlichkeit, denn Dorabella und Fiodiligi fühlen eiskalte Stirnen und den schwachen Puls röchelnder Männer; sie klagen „Poverini! La lor morte, mi farebbe lagrimar.“ (Die Armen! Ihr Tod machte mich weinen)“; und konspiriert weiter: „Weil die Unglücklichen bald sterben müssen, bemüht euch wenigstens, ihnen Mitleid zu bezeigen“, so Despina zu Fiordiligi und Dorabella. Doch als Wunderheiler kuriert Despina die leidenden Ferrando und Guglielmo schnell mit falschem Latein und neumodischem Magnetismus-Apparat (Anspielung auf den zu Mozarts Zeit populären Arzt Anton Meßmer), um anschließend als Notar die schnell gesundeten Ferrando und Guglielmo mit Dorabella und Fiordiligi zu vermählen. Verwicklungen, welche nur komödiantisch, aber nie ernsthaft hinterfragt werden dürfen.

Der Besucher im Aalto-Theater wird zum wahren Genießer, wenn er das Aalto-Ensemble mit seinen wohl timbrierten wie  lyrischen Stimmen, das Aalto-Orchester und  Mozarts Komposition zu seinem Fokus macht; dabei den Sinn der vielen Chiffren des Bühnenbildes „hintanstellt“. Baurzhan Anderzhanow treibt als sympathisch eleganter Don Alfonso die Handlung, die Wette, nimmt den Besucher mit fest timbriertem Bariton wohltuend ein; er ist kein praller Bösewicht, kein dunkler Verschwörer, Don Alfonso im Aalto  vertreibt sich seine Zeit mit einer Wette, welcher die anderen eben folgen.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte - hier : Despina als Notar vermählt © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte – hier : Despina als Notar vermählt © Matthias Jung

Dmitri Ivantchey, mit lyrischem Tenor, und Martijn Cornet, als Ferrando, Guglielmo wie als Albaner haben durch das bemühte Libretto ihrer Partie einen schweren Stand gegen eine starke Frauenriege: die Portugiesin Liliana de Sousa überzeugt als vielseitige Despina („Eine Frau kann ohne Liebe leben, aber nicht ohne Liebhaber…“), als Alfonsos leibhaftiges konspiratives Alter Ego, welches sich optisch und darstellerisch beständig wandelt: von einer Zofe in schwarzem Mieder zum Quacksalber zum Notar. Tamara Banjesevic als Fiordiligi und Karin Strobos als Dorabella ergänzen sich in ihren großen Partien als vermeintlich „verführte Frauen“ stimmlich wie darstellerisch, dominieren die Vorstellung. Der seitlich der Bühne positionierte  Aalto-Chor (Einstudierung Patrick Jaskolka) unterlegt das Fest von Stimmen und Klängen. Tomas Netopil leitete dazu die Essener Philharmoniker sängerfreundlich, mit wunderbaren Legatos und  sensibel gefestigtem Klangvolumen.

Das Premierenpublikum im gut gefüllten Aalto-Theater feierte  ihre neue Cosi fan tutte, die Lehrstunde des Lebens, ihr Ensemble, Chor und Orchester mit großem Beifall

Cosi fan tutte im Aalto-Theater; die nächsten Vorstellungen 22.06.; 27.06.; 4.07.; 13.07.2019

—| IOCO Kritik  Aalto Theater Essen |—

Köln, Oper Köln, Premiere La scuola de´ gelosi – Antonio Salieri, 31.03.2019

März 11, 2019 by  
Filed under Oper Köln, Premieren, Pressemeldung

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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

La scuola de´ gelosi –  Die Schule der Eifersucht

Premiere  So., 31. März › 18.00 Uhr StaatenHaus, Saal 3

Eine Frau ohne Liebhaber ist nicht tugendhaft, sondern reizlos. Ein Ehemann ohne Mätresse gilt als impotent oder ruiniert. Zumindest galt das, in privilegierten Kreisen, zu Antonio Salieris Zeit.

Salieri war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit und zählte als Hofkapellmeister des Wiener Hofes zu den einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten Europas. Sein dramma giocoso La scuola de´gelosi (Die Schule der Eifersucht) wurde in der Karnevalssaison 1778/1779 in Venedig uraufgeführt und eroberte schnell die Bühnen Europas.

Ein reicher Kaufmann ist blind vor Eifersucht und kurz davor, seine Ehefrau Ernestina einzusperren. Der notorisch treulose Graf hat sich aber für seine nächste Eroberung ausgerechnet jene Ernestina auserkoren … Ein rasanter Schlagabtausch mit leichtfüßigem Witz beginnt.

Selbst Johann Wolfgang von Goethe verehrte dieses Stück, wie er in einem Brief an Charlotte von Stein formuliert: »Die Oper gestern war einnehmend und gut aufgeführt. Es war La scuola de’ gelosi, Musik von Salieri, die Oper ist das Lieblingsstück des Publikums, und das Publikum hat recht. Die Oper ist sehr abwechslungsreich, und alles ist mit gutem Geschmack geschrieben. Mein Herz wurde von jeder Arie bewegt, besonders von den Finali und den Quintetten, die anbetungswürdig sind.«

Regisseurin Jean Renshaw steht als Garant für eine raffiniert-turbulente Inszenierung. Christof Cremer zeichnet verantwortlich für ein bewegtes Bühnenbild und fantastische Roben. Ein Großteil der Rollen ist mit Mitgliedern des Internationalen Opernstudios der Oper Köln besetzt. Mit Arnaud Arbet kehrt ein Dirigent zurück, der zu Beginn dieser Spielzeit bereits mit Mauricio Kagels Mare Nostrum einen großen Erfolg verbuchen konnte.

Besetzung  –  Musikalische Leitung Arnaud Arbet, Inszenierung Jean Renshaw, Bühne & Kostüme Christof Cremer, Licht Nicol Hungsberg

Mit  –  Graf BandieraWilliam Goforth, Gräfin Bandiera › Kathrin Zukowski, Blasio, Getreidehändler › Matteo Loi, Ernestina, Blasios Ehefrau › Alina Wunderlin, Lumaca, Blasios Diener › Matthias Hoffmann / Florian Köfler (18. April), Carlotta, ein Kammermädchen › Arnheidur Eiríksdóttir, Der Lieutnant, Blasios Cousin und Freund des Grafen › Anton Kuzenok, Tänzer › Martin Dvorák
Orchester › Gürzenich-Orchester Köln

Premiere  So., 31. März › 18.00 Uhr,  weitere Vorstellungen, Do, 4. April › 19.30 Uhr, Sa, 6. April › 19.30 Uhr, Sa, 13. April › 19.30 Uhr, Do, 18. April › 19.30 Uhr, So, 21. April › 18.00 Uhr

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, TfN Philharmonie – 3. Sinfoniekonzert, IOCO Kritik, 30.01.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

TfN – Philharmonie Hildesheim – 3. Sinfoniekonzert

 – So machen es Mozart und Salieri –

von Randi Dohrin

Am 27. Januar 1756 erblickte Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg das Licht der Welt. Die Familie hegte keine großen Hoffnungen, dass dieses schwächliche Kind überleben würde. Schon damals erwies sich Wolfgang als recht eigensinnig und der Vater wurde hellhörig, als das Interesse an der Musik seines dreijährigen „Wolferls“ unüberhörbar wurde. Sogleich begann er, seinem Sohn Klavierunterricht zu geben. Als „Wolferl“ fünf Jahre alt war, reichte ihm das Klavierspielen allein schon nicht mehr aus. Er wollte komponieren und so schrieb Vater Leopold ein Andante und ein Allegro für Klavier in das Kompositions-Büchlein seines Sohnes mit dem Kommentar:

„Des Wolfgangerl Compositiones in den ersten drei Monaten nach seinem 5ten Lebensjahr.“

Diese beiden Kompositionen wurden dann von Ritter Ludwig von Köchel – dem chronologisch-thematischen Verzeichnis sämtlicher Tonwerke W.A. Mozarts – als Nummer 1 aufgeführt. Dem 1761 komponierten KV 1 sollten bis 1791, dem Todesjahr des genialen Musikers, noch 625 weitere folgen. Mozart verstarb am 5. Dezember 1791 nach einer schweren fiebrigen Erkrankung. Sein Hausarzt, Dr. Closset, diagnostizierte hitziges Fieber, eine Art Grippe. Mozarts Witwe Constanze verzichtete auf ein prunkvolles Begräbnis, da ihre finanzielle Zukunft nach dem Tode ihres Wolferls als nicht gesichert galt. Bis heute ist ungeklärt, wo seine sterbliche Hülle liegt.

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Dieses 3. Sinfoniekonzert der TfN-Philharmonie war eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart anlässlich seines Geburtstages am 27. Januar.  Das Konzert begann mit der Ouvertüre zur Oper Cosi fan tutte, KV 588. Die kurze langsame Einleitung führte spannungsvoll in die schmeichelnde Oboenphase, dieser von Mozart kürzer gehaltenen Ouvertüre. Bereits nach wenigen Takten steigerte sich das ruhige Tempo bis zum virtuosen Presto, das die TfN-Philharmonie unter der Leitung ihres GMD Florian Ziemen effektvoll umgesetzt hatte und das ausgelassen frivole Geschehen dieser Oper deutlich werden ließ. Es folgte die Arie der Fiordigli „Come scoglio“ (So standhaft wie der Felsen, so steht auch meine Treue), aus Cosi fan tutte, die mit dem strahlend beweglichen Sopran von Rebecca Davis zu Gehör kam. Mühelos bewältigte die Sopranistin die dramatischen sowie die perlenden Koloraturpassagen dieser anspruchsvollen Arie mit einem umfangreichen Tonumfang.

Wie bei Mozart, wurde das musikalische Talent von Antonio Salieri (1750 – 1825) schon früh entdeckt. Nach dem Tode seiner Eltern ging er 1766 nach Wien und war dort ab 1774 kaiserlicher Hofkomponist und ab 1788 Hofkapellmeister. Zu Mozart hatte Salieri ein kollegiales Verhältnis. Der Auftrag zur Oper Cosi fan tutte (So machen es alle oder die Schule der Liebenden), Libretto von Lorenzo Da Ponte, war ursprünglich für ihn bestimmt. Er sah sich nicht in der Lage sie zu vertonen und trat zugunsten Mozarts zurück. Antonio Salieri unterrichtete zudem den Sohn Franz Xaver von Konstanze und Wolfgang Amadeus Mozart.

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  - hier :  beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  – hier : beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

Am 7. Mai 1825 erhielt Antonio Salieri nach längerem Leiden die Sterbesakramente. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Wien. Zwischen den einzelnen Musikstücken lasen Peter Kubik und Rebecca Davis aus Briefen, Tagebüchern und einer Novelle der Zeitgenossen Salieris vor, die ein freundlicheres Bild über den Komponisten ergaben, als allgemein bekannt war und leider noch ist. Die von dem Komponisten und Musikwissenschaftler Timo Jouko Herrmann zufällig in Prag entdeckte und über 200 Jahre als verschollen geglaubte  Liedkantate „Per la ricuperata salute di Ofelia- Canzone a Fille“ KV 477a, Text Lorenzo Da Ponte, ist eine Gemeinschaftskomposition von Salieri, Mozart und Cornetti zu Ehren der seinerzeit erkrankten Sopranistin Nancy Storace. Rebecca Davis brachte die Strophen mit tänzerischer Leichtigkeit im galanten Stil der Wiener Klassik zum Erklingen. Rhythmisch federnde Unterstützung erhielt sie durch das Orchester des TfN. Aus der leider viel zu selten aufgeführten Oper La cifra von Antonio Salieri, war das Rezitativ und Rondo der Eurilla zu hören. Beeindruckend virtuos und zugleich leidenschaftlich setzte Rebecca Davis ihren dramatischen Koloratursopran ausgeglichen und wohlklingend bis ins leiseste Piano ein. Adäquat wurde sie von der Philharmonie, unter dem engagiert impulsgebenden Dirigat ihres GMD Florian Ziemen, begleitet.

Die fesselnde Uraufführung FAMA für Orchester und Sprecher von Timo Jouko Herrmann, führte den Hörer in die römische Mythologie ein. Im Mittelpunkt steht die Göttin des Ruhms und der Gerüchte, und sie war der passende Ausgangspunkt dieser Auftragskomposition, wie die Lebensbilder von Mozart und Salieri verdeutlichen. Mozart wurde bereits zu Lebzeiten glorifiziert, während Salieri unverschuldet zum Mörder Mozarts erklärt wurde. Ausdrucksstark fungierte Peter Kubik als Sprecher des poetischen Textes aus den Metamorphosen von Ovid, der mit dieser Komposition ohne einen Moment der Klanglosigkeit verschmolz. Eine faszinierende Bereicherung dieses Abends waren auch die melodisch harmonischen 26 Variationen La follia di Spagna von Antonio Salieri für Orchester, Solo-Violine und Harfe. Die TfN-Philharmonie gestaltete diese melodienreichen Variationen auf hohem Niveau kongenial differenziert romantisch, verspielt oder dramatisch und einem Dialog zwischen den Instrumenten.

Man mag es kaum glauben, aber die viersätzige Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, KV 550, soll Mozart in nur wenigen Wochen des Sommers 1789 geschaffen haben. Ein Werk, das bis heute an seiner Beliebtheit kaum zu übertreffen ist und jede Interpretation eine Herausforderung darstellt. Dirigent Florian Ziemen hat sie angenommen und mit der TfN Philharmonie überzeugend umgesetzt. Bereits nach dem Einsetzen des Anfangsmotivs wurde der Hörer mitgerissen. Helle und dunkle Stimmungen der Holzbläser und Einwürfe der Hörner wechselten mit melancholischen Figuren der Streicher ab. eschwingt erklangen die Hörner im Trio des 3. Satzes und schnelle rauschende Abwärtsbewegungen beendeten den 4. und letzten Satz dieser aufwühlenden Interpretation mit allen Wiederholungen. Chapeau!

Das Publikum bedankte sich begeistert mit einem langanhaltenden Applaus für dieses gelungene Konzert voller Überraschungen.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere CAPRICCIO von Richard Strauss, 14.01.2018

Dezember 29, 2017 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

 CAPRICCIO von Richard Strauss

Premiere Sonntag, 14. Januar 2018  18.00 Uhr

Konversationsstück für Musik, Text  Clemens Krauss und Komponisten

Oper Frankfurt / Camille Nylund © anna.s

Oper Frankfurt / Camille Nylund © anna.s

Mit seiner letzten, am 28. Oktober 1942 im Münchner Nationaltheater uraufgeführten Oper Capriccio legte Richard Strauss (1864-1949) sein musikdramatisches Vermächtnis vor. Eingebettet in die Geschichte von einer Frau zwischen zwei Männern werden zwei entgegengesetzte musiktheoretische Positionen erörtert: Erst die Worte, dann die Musik. Oder ist es eher umgekehrt? Prima le parole – dopo la musica! hieß bereits das Libretto des Abbé Giambattista Casti, welches – von Antonio Salieri vertont – 1786 im Wettstreit mit einem Werk von Wolfgang Amadeus Mozart erstmals aufgeführt wurde. Dieses Sujet bietet die Grundlage des Librettos, das vornehmlich Clemens Krauss, der Dirigent der Uraufführung, für seinen Freund Strauss einrichtete und mit Zitaten berühmter Autoren wie z.B. Ronsard und Metastasio anreicherte. Musikalische Vorbilder waren hauptsächlich Strauss’ „Hausgötter“ Mozart und Wagner. Die letzte Frankfurter Inszenierung von Capriccio feierte in der Regie von Ekkehard Grüber und unter der musikalischen Leitung von Ralf Weikert am 24. März 1979 Premiere.

Gräfin Madeleine empfängt in ihrem Schloss nahe Paris eine Künstlerschar, darunter den Musiker Flamand und den Dichter Olivier. Beiden gleichermaßen zugetan entsteht ein Streit darüber, welche der beiden Künste die wichtigere sei. Am Ende kommt man zu dem Resultat, dass beide Formen gerade in ihrer Kombination die maximale Wirkung entfalten. Diese Aussicht versetzt die Gräfin kurz vor dem Souper in heiterste Laune…

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt /KS Brigitte Fassbaender © Richard-Strauss-Festival

Oper Frankfurt /KS Brigitte Fassbaender © Richard-Strauss-Festival

Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor und Strauss-Spezialist Sebastian Weigle kehrt Brigitte Fassbaender nach ihrer stark akklamierten Sicht auf Strauss’ Ariadne auf Naxos und Brittens Paul Bunyan zurück nach Frankfurt. Die Sängerin und Regisseurin wurde kürzlich mit dem Echo Klassik 2017 für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die finnische Sopranistin Camilla Nylund (Gräfin) ist regelmäßiger Gast an den großen Opernbühnen weltweit. In Frankfurt war die Dresdner Kammersängerin zuletzt u.a. als Strauss’ Ariadne zu erleben. Der renommierte britische Tenor Graham Clark (Monsieur Taupe) kehrt nach Frankfurter Engagements als Narr in Reimanns Lear und als Hauk-Šendorf in Janáceks Die Sache Makropulos zurück an den Main. Die übrigen Hauptpartien sind mit Ensemblemitgliedern der Oper Frankfurt besetzt, darunter Gordon Bintner (Der Graf), AJ Glueckert (Flamand), Daniel Schmutzhard (Olivier), Alfred Reiter (La Roche), Tanja Ariane Baumgartner (Clairon), Sydney Mancasola (Eine italienische Sängerin) und Mario Chang (Ein italienischer Tenor).

Premiere: Sonntag, 14. Januar 2018, um 18.00 Uhr, Weitere Vorstellungen: 18., 20., 24., 26., 28. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren) Januar, 1., 10., 18. Februar 2018

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—