Bielefeld, Theater Bielefeld, Aida – Giuseppe Verdi, 04.02.2020

Januar 29, 2020 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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AIDA –  Giuseppe Verdi

Verbotene Liebe in Zeiten des Krieges

Vorstellungen  4.2.;  8.3.; 17.3.; 31.3.; 10.4.2020

Verbotene Liebe in Zeiten des Krieges, so ließe sich die Handlung von Giuseppe Verdis Aida knapp zusammenfassen. Genauer gesagt, ist damit die Ausgangssituation umrissen, denn mit welcher Meisterschaft es der große Italiener vermag, infolgedessen seine Hauptfiguren in ausweglose Situationen zu bringen und sie dennoch mit Liebe und Mut auszustatten, ist schlichtweg atemberaubend. Besonders, was das musikalische Gefühlsbarometer angeht, versteht sich. Nicht umsonst zählt Verdis drittletzte Oper zu den populärsten überhaupt. Ausgelöst durch die Umstände der Uraufführung und die Wünsche des Auftraggebers – kein Geringerer als der Khedive (Vizekönig) von Ägypten trat 1870 an Verdi heran, um eine Oper »im ägyptischen Stil« zu bestellen – war Aida von jeher mit dem Pomp einer einschlägigen Ausstattung behaftet; kaum eine andere Oper weckt wohl bei vielen Opernlieb- haber*innen so konkrete Bilder wie diese. Gleichwohl pulsiert im Schatten der großen Chorszenen ein auf den Punkt gebrachtes Kammerspiel, an dem nur wenige Figuren beteiligt sind – doch für die geht es um das große Ganze: die äthiopische Prinzessin fristet – incognito – ein Leben als Sklavin am feindlichen Hof des ägyptischen Pharaos.

AIDA – Giuseppe Verdi
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Ihre heimliche Liebe gilt Radames, dem erfolgreichen Hoffnungsträger des ägyptischen Militärs, auf den auch Prinzessin Amneris ein Auge geworfen hat. Ausgerechnet er wird ausgesandt, um Äthiopiens Truppen unter dem Befehl von Aidas Vater Amonasro zu bekämpfen. Zu Aidas Entsetzen gelingt den Ägyptern der Sieg; zugleich ist sie froh, dass Radames überlebt hat. Als sie unter den Gefangenen auch ihren Vater erblickt, ahnt sie allerdings nicht, dass der sie seinerseits zum Instrument machen will, um den so verhassten wie überlegenen Feind doch noch zu besiegen. Aida droht, zwischen der Liebe zu Radames und zu ihrem Vater zermalmt zu werden.

Ebendiese Angst und Ausweglosigkeit, die sich bei Aida in einer Todessehnsucht Luft macht, ist das Epizentrum, um das sich für Regisseurin Nadja Loschky und ihr Team (Ulrich Leitner, Bühne; Irina Spreckelmeyer, Kostüme) Verdis Musikdrama dreht. Sie erzählen Aidas Schicksal stets aus ihrer Perspektive und folgen dabei zugleich einer inneren wie der äußeren Handlung, ganz wie es dieses packende Musikdrama nachdrücklich einfordert. In der Titelrolle der AIDA ist die britische Sängerin Elizabeth Llewellyn zu Gast, als Radames ist Arthur Shen zu erleben. Aus dem Bielefelder Ensemble stehen ihnen mit Katja Starke (Amneris), Moon-Soo Park (Ramphis), Evgueniy Alexiev (Amonasro) und Yoshiaki Kimura (die Stimme des Königs) bewährte Hauptfigurendarsteller*innen gegenüber. Aida ist zugleich eine dankbare Aufgabe für den Bielefelder Opernchor und den Extrachor (Ltg. Hagen Enke) sowie selbstredend für die Bielefelder Philharmoniker. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von GMD Alexander Kalajdzic.

Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic Inszenierung Nadja Loschky Bühne Ulrich Leitner Kostüme Irina Spreckelmeyer Choreinstudierung Hagen Enke Dramaturgie Jón Philipp von Linden

Mit:   Evgueniy Alexiev / Kjell Brutscheidt / Yoshiaki Kimura / Elizabeth Llewellyn / Diana Marie Müller / Lena Paetsch / Moon Soo Park / Steffen Seithel / Elena Schneider / Arthur Shen / Katja Starke / Bielefelder Opernchor / Extrachor des Theaters Bielefeld / Bielefelder Philharmoniker

AIDA:  Karten www.theater-bielefeld.de / T. 0521 51-5454

Theater Bielefeld / AIDA - hier : Elizabeth Llewllyn als Aida © Bettina Stöß

Theater Bielefeld / AIDA – hier : Elizabeth Llewllyn als Aida © Bettina Stöß

MUSIKALISCHE LEITUNG   –  Alexander Kalajdzic, geboren in Zagreb, Kroatien, begann seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent des Nationaltheaters Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Alexander Kalajdzic ist sowohl in der Oper als auch im Konzertbereich gefragt. Sein Repertoire reicht vom frühen Barock bis zur Moderne, wobei sein besonderes Interesse der französischen Musik gilt. So führte er fast das gesamte Orchesterwerk von Ravel und Debussy mehrmals auf. Auch war er lange Zeit als Liedbegleiter und Kammermusiker aktiv und hatte bis vor kurzem einen Lehrstuhl für Orchestererziehung in Zagreb inne. Alexander Kalajdzic leitet als GMD seit Spielzeitbeginn 2010/11 die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG

 Nadja Loschky studierte Musiktheaterregie an der HfM Hanns Eisler in Berlin. Parallel zu ihrem Studium assistierte sie Hans Neuenfels und arbeitete als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater entstanden in den folgenden Jahren unter ihrer Regie auch erste Inszenierungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky Verdis La Traviata und Rossinis Der Barbier von Sevilla an den Städtischen Bühnen Osnabrück, sowie Faust von Charles Gounod am Staatstheater Kassel. 2011 debütierte sie mit der Uraufführung der Familienoper Mikropolis von Christian Jost an der Komischen Oper Berlin.

Im Jahr 2012 entstanden Inszenierungen von Brittens A Midsummer Night’s Dream am Staatstheater Kassel, Mozarts Entführung aus dem Serail am Theater Heidelberg sowie der Familienoper Die Schatzinsel (Frank Schwemmer) am Opernhaus Zürich, denen 2013 Verdis Simon Boccanegra am Theater Aachen und Händels Alcina am Luzerner Theater folgten. 2014 führte sie Mozarts Così fan tutte erneut ans Theater Heidelberg und mit Madama Butterfly inszenierte sie am Theater Bielefeld ihre erste Puccini-Oper. Für diese Produktion wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr arbeitete sie erneut am Opernhaus Zürich und brachte Christian Josts Rote Laterne zur Uraufführung. Anschließend inszenierte sie Boieldieus selten gespielte Oper La dame blanche am Oldenburgischen Staatstheater und Mozarts Le nozze di Figaro am Theater Heidelberg. 2016 präsentierte sie sich erneut am Luzerner Theater, diesmal mit einer Interpretation von Bellinis Oper Norma. Für ihre im gleichen Jahr entstandene Produktion Death in Venice von Benjamin Britten am Theater Bielefeld erhielt sie im Jahresheft der Fachzeitschrift »Opernwelt« eine Nominierung in der Kategorie »Beste Regie«. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte sie Verdis Macbeth am Oldenburgischen Staatstheater, dem Zingarellis Giulietta e Romeo am Barocktheater Schwetzingen folgte. Mit Monteverdi L’incoronazione di Poppea kam es im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Arbeit am Theater Bielefeld, 2018 gab sie ihr Regiedebüt an der Oper Graz mit Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas. In derselben Spielzeit wurde Nadja Loschky Hausregisseurin am Theater Bielefeld, wo sie Rihms Jakob Lenz inszenierte und dort im Anschluss die Spielzeit 2018/2019 mit Verdis La Traviata eröffnete. Im Frühjahr 2019 debütiert sie an der Oper Köln mit Dvoraks Märchenoper Rusalka und im Juni desselben Jahres war ihre Interpretation von Offenbachs Orpheus in der Unterwelt am Theater Bielefeld zu sehen. Neben ihrer Regietätigkeit ist sie projektbezogen auch als Dozentin an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« sowie der »UDK« Berlin tätig. Nadja Loschky hat ab der Spielzeit 2019/20 die künstlerische Leitung des Musiktheaters am Theater Bielefeld übernommen.

Theater Bielefeld / AIDA - hier : Brutscheidt, Kimura, Paetsch, Shen © Bettina Stöß

Theater Bielefeld / AIDA – hier : Brutscheidt, Kimura, Paetsch, Shen © Bettina Stöß

BÜHNE   –  Geboren 1976 im österreichischen Linz, studierte Ulrich Leitner nach Abschluss einer Tischlerlehre Bühnenbild an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und Szenenbild an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in PotsdamBabelsberg. 2003 erhielt er den Talentförderpreis durch die Landeskulturdirektion Oberösterreich. Seit 2001 ist er als freischaffender Bühnen- und Kostümbildner tätig, u. a. am Schauspiel Essen, Oper Köln, Theater Dortmund, Staatstheater Braunschweig, Theater Münster, Theater St. Gallen, Vereinigte Bühnen Krefeld und Mönchengladbach, Hebbel am Ufer Berlin, Theater Bremen, Theater Heidelberg und dem Saarländischen Staatstheater mit Regisseur*innen wie Johannes von Matuschka, Martin Schulze, Thomas Ladwig und Philipp Löhle. Von 2016 bis 2018 arbeitete er als Ausstattungsleiter am Landestheater Schwaben, wo er u. a. für die Ausstattung der vielbeachteten Uraufführung von Nebel im August in der Regie von Kathrin Mädler verantwortlich zeichnete. Mit Regisseurin Nadja Loschky arbeitet er nach Le Nozze di Figaro am Theater Heidelberg regelmäßig als Bühnenbildner zusammen. Aida ist nach Death in Venice und Jakob Lenz seine dritte Arbeit für das Theater Bielefeld.

KOSTÜME   –  Irina Spreckelmeyer absolvierte ihr Bachelorstudium im Fach Kostümbild bei Prof. Maren Christensen an der Hochschule Hannover. An der Universität der Künste Berlin setzte sie 2016 ihr Master-Studium bei Florence von Gerkan fort. Gemeinsam mit Regisseur Andreas Kriegenburg und der Kostümbildnerin Andrea Schraad war sie seit 2013 für die Produktionen Sklaven am Deutschen Theater Berlin und Così fan tutte an der Semperoper Dresden verantwortlich sowie für Don Juan kommt aus dem Krieg bei den Salzburger Festspielen, María de Buenos Aires am Theater Bremen, Die Frau ohne Schatten an der Hamburgischen Staatsoper und Der Spieler am Residenztheater in München. 2017 entwarf sie am Schauspiel Frankfurt die Kostüme für Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Drei Tage auf dem Land. Seit 2017 arbeitet sie regelmäßig mit Regisseurin Nadja Loschky zusammen.

BESETZUNG

Aida  Elizabeth Llewellyn, Radames  Arthur Shen, Amneris Katja Starke, Amonasro  Evgueniy Alexiev, Ramphis  Moon Soo Park, Sprecher des Königs  Yoshiaki Kimura, Die Hände des Königs  Kjell Brutscheidt, Yoshiaki Kimura, Lena Paetsch, Die Gestalt des Königs  Steffen Seithel, Tempelsängerin Elena Schneider, Ein Bote Vladimir Lortkipianidze, Vision Aidas Diana Marie Müller

Bekannt für ihre lebendigen Porträts der Puccini-Heroinen und für ihre volle, charakteristische Stimme, hat sich Elizabeth Llewellyn seit ihrem Debüt als Mimì (La Bohème) vor weniger als zehn Jahren rasch einen Namen als international herausragende Darstellerin und Sängerin gemacht. In London geboren, studierte sie am Royal Northern College of Music und dem National Opera Studio, unterstützt von der Peter Moores Foundation. Spezialisiert auf das italienische Repertoire, umfasst ihr Repertoire Cio-Cio San (Madame Butterfly), Magda (La Rondine), Giorgetta (Il tabarro), Tosca, Suor Angelica, Aida, Luisa Miller und Amelia (Simon Boccanegra), für die Elizabeth Llewellyn als Sängerin des Jahres 2013 in der Zeitschrift Opernwelt nominiert wurde. 2014 gab sie ihr Wagner-Debüt als Elsa in Lohengrin in Magdeburg, worüber das Opera Magazine schrieb: »Mit geradezu perfekter Diktion modulierte sie ihr stets leicht rauchiges Timbre von der verträumten Aussichtslosigkeit der ersten Szenen zu einem ungewöhnlich kraftvollen, konfrontierenden Ton. Ihre Stimme trägt sie in die entlegensten Winkel, sogar in Pianissimo-Passagen, und sie scheint sogar, während sie ihre Stimme am stärksten verströmt, noch Kraftreserven zu haben.« Die aktuelle Spielzeit hält aufregende Engagements für sie bereit, u. a. die Titelrollen von Puccinis Manon Lescaut (ihre siebte Puccini-Rolle) und Verdis Luisa Miller sowie ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper als Bess in Porgy and Bess. Auf dem Konzertpodium ist Elizabeth ebenfalls eine gefragte Sopranistin. Kürzlich sang sie Beethovens Missa Solemnis mit Sir Mark Elder, Mahlers achte Symphonie mit Esa-Pekka Salonen, Elgars Caractacus und Vaughan Williams A Sea Symphony mit Martyn Brabbins sowie ein Live-Konzert mit Strauss’ Vier letzten Liedern auf BBC Radio 3 mit Donald Runnicles und dem BBC Scottish Symphony Orchestra. In der aktuellen Saison singt Elizabeth abermals die Missa Solemnis mit dem BBC Symphony Orchestra und die neunte Symphonie mit dem North Carolina Symphony Orchestra.

Arthur Shen ist in Bryn Mawr, Pennsylvania geboren und wuchs in Walnut Creek, Kalifornien auf. Zunächst studierte der Tenor Informatik an der University of California at Berkeley und war 10 Jahren lang in der Branche tätig, zuletzt als VizePräsident einer Digitalmarketingfirma in New York. Von 2007 bis 2017 war Arthur Shen fest als Gesangssolist am Staatstheater Braunschweig engagiert. Dort hat er in über 300 Vorstellungen in über 30 verschiedenen Hauptpartien gesungen, u. a. Rodolfo in La Bohème, Cavaradossi in Tosca, Alfredo in La Traviata, Gustav in Maskenball, Edgardo in Lucia di Lammermoor und Des Grieux in Manon Lescaut (Puccini). Zusätzlich zu seinen Auftritten am Staatstheater Braunschweig, gastierte Arthur Shen u. a. an der Semperoper Dresden, der Komischen Oper Berlin, der San Diego Opera, beim Utah Festival Opera sowie am Staatstheater Stuttgart. Neben seiner Operntätigkeit ist Arthur Shen als Konzertsolist gefragt. Er sang mit der Deutschen Radio Philharmonie, der Deutschen Staatsphilharmonie RheinlandPfalz, den Nürnberger Symphoniker, den Göttingen Symphoniker, dem Orchestra of St. Luke’s (New York) sowie dem Staatsorchester Braunschweig. Zu seinem Konzertrepertoire zählt Verdis Requiem, Puccinis Messa di Gloria, Rossinis Stabat Mater, Mozarts Requiem, Beethovens Sinfonie 9, Mendelssohns Paulus, Bruckners Te Deum und Händels Messias.

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Falstaff – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 21.01.2020

Januar 21, 2020 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Falstaff – Giuseppe Verdi

Slapstick und surrealistische Träume in der Kneipe „The Boars Head“

von Patrik Klein

Alles ist zu Ende! Geh, geh, alter John. Lauf dahin auf deinem Weg, solange du kannst … Lustiges Original eines Schurken; ewig wahr, hinter jeglicher Maske, zu jeder Zeit, an jedem Ort!! Geh … Geh … Lauf, Lauf … Addio!!!“   Arturo Toscanini fand einen Zettel mit diesen handschriftlichen Worten Verdis in der Partitur, der in Bezug auf den Monolog Falstaffs zu Beginn des dritten Akts stand.  In Verdis Oper ist Falstaff ein Gewaltmensch und Egoist übelster Sorte, ein menschlicher Parasit, der als bedauerliches, geläutertes Wrack endet: eine heitere Boulevard-Komödie mit einer tiefen menschlichen Wahrheit.

Die Staatsoper Hamburg bescherte dem Hamburger Premierenbesucher dagegen eine menschliche Komödie und eine große knallbunte, surrealistische Show über das exzessive Leben. Calixto Bieito (und sein Team; Bühnenbild: Susanne Gschwender, Kostüme: Anja Rabes, Licht: Michael Bauer), spanischer Regisseur und Enfant Terrible für viele Opernfreunde, der bereits Verdis Otello und das Verdi Requiem in Hamburg inszenierte, lässt ein rotierendes Bühnenset aus dem vergangenen Jahrhundert demontieren und die menschlich dargestellten Figuren im Laufe des Abends sich demaskieren. Das Pendel der Inszenierung schwingt zwischen belanglosem Slapstick und genial-textgenauen Geistesblitzen. Der Titelheld soll als Poet des Lebens und als egoistischer Betrüger entlarvt werden. Am Ende sollen wir erkennen, dass Falstaff sich nicht, wie im Original, verändert, sondern mit „Licht und Schattenseiten“ als Botschafter des menschlichen Seins weiterleben wird.

Fallstaff – Proben zur Produktion
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Nach diversen Schicksalsschlägen in den ersten Jahren seines Schaffens, lehnte Verdi es lange Zeit ab, sich im komischen Genre zu versuchen. Pläne für eine Oper nach Shakespeares Der Sturm (1850 für Covent Garden) sowie für Falstaff (mit Antonio Ghislanzoni als Librettisten, 1868) ließ er schnell wieder fallen. Offensichtlich war es Arrigo Boito, der im Frühsommer 1889 die Aufmerksamkeit des inzwischen fast 76 -jährigen Komponisten wieder auf Shakespeares The Merry Wives of Windsor lenkte. Verdi war sofort begeistert von der Idee. Sie vereinbarten zunächst, die Sache im Geheimen voranzutreiben. Verdi wollte am Stück nur komponieren, um sich zu vergnügen und die Zeit zu vertreiben.

Boito verfasste die ersten beiden Akte bis Mitte November 1889, den dritten schickte er Verdi Anfang März 1890. Am 17. März 1890 berichtete Verdi, er habe den ersten Akt skizziert. Leider stand auch die Arbeit an Falstaff unter keinem guten Stern, denn im März erkrankte ihr gemeinsamer Freund, der Komponist und Dirigent der Uraufführung des Otello Franco Faccio schwer (er starb dann nach langem Leiden im Sommer 1891). Am 6. Oktober schrieb Verdi an Boito, dass er den zweiten Akt zunächst liegen gelassen und zuerst die kleine Arie Fentons zu Beginn des letzten Bildes skizziert habe. In weiteren Briefen an Boito berichtete Verdi, dass er gelegentlich immer wieder am Falstaff arbeite, aber auch tagelang nicht. Am 20. September 1892 schrieb Verdi an Boito:Ich habe dem Verleger Ricordi den dritten Akt des Falstaff übergeben. Gestern habe ich die Korrekturen für das Libretto und den Klavierauszug des ersten Aktes zurückgeschickt.“

Die Uraufführung war für Anfang Februar 1893 vorgesehen, die Proben sollten am 2. Januar beginnen. Die Uraufführung fand wie geplant am 9. Februar 1893 in Mailand, im Teatro alla Scala statt und war ein großer Erfolg.

Calixto Bieito inszeniert seinen Falstaff als menschliche Komödie mit einem realen Titelhelden voller Vitalität und vielschichtigem Charakter. Mit surrealistischen Träumen und Albträumen werden die menschlichen Charaktere und deren Bedürfnisse in der kleinstädtischen Gesellschaft in Windsor, denen des Außenseiters und adligem, übriggebliebenen Ritter aus einer vergangenen Zeit gegenübergestellt. Bieito skizziert hierbei den Wunsch eines jeden, die vorgegebene, vorhandene Ordnung aufzubrechen und die geheimen Wünsche zu träumen und zu realisieren.

Der Zuschauer wird bereits beim Eintritt ins Foyer des Hauses von einer langen Tafel, an deren Enden je ein Falstaff-Komparse mit freiem Oberkörper und Hosenträgern sowie einer Flasche Rotwein sitzt, in diese Traumwelt eingeführt.

Staatsoper Hamburg / Falstaff - hier : zwei Komparsen stimmen vor Beginn der Oper das Publikum ein © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Falstaff – hier : zwei Komparsen stimmen vor Beginn der Oper das Publikum ein © Patrik Klein

In einem realistisch anmutenden Bühnenbild steht im Zentrum der Gebäudekomplex um die spießige Dorfkneipe Windsors The Boars Head, der Kopf des Ebers, welcher sich im Laufe des Opernabends zunehmend zu einem Gebäudegerippe demontiert. Dort oder davor finden alle Handlungen statt. Damit werden Einblicke ermöglicht, die nur der Zuschauer und nicht immer die handelnden Protagonisten wahrnehmen können. Es gibt immer wieder aktuelle Bezüge, Momente, die nicht passen oder als Kontrapunkt stehen. Es erscheinen Statisten, wo man sich fragt, was sie da sollen. Häufig erkennt man jedoch auch handwerkliche Ungereimtheiten in der Personenführung. Text und Aktionen der Figuren sind nicht immer im Einklang; gewollt oder ungewollt!?

Staatsoper Hamburg / Falstaff - hier : Ambrogio Maestri als Sir John Falstaff © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Falstaff – hier : Ambrogio Maestri als Sir John Falstaff © Monika Rittershaus

Zu Beginn und Minuten vor dem Einsatz der ersten Takte sitzt Falstaff alleine auf offener Bühne in seinem Sessel vor dem Restaurant, presst Zitronen aus über einem auf seinem Schoß liegenden Tablett und schlürft Auster um Auster. Die leeren Schalen fallen krachend in einen Sektkühler. Ein Genussmensch stellt sich vor.

Der noch komplette Gebäudekomplex fährt sich drehend nach vorne, aus dessen Seitentüre Bardolfo, Pistola und Dr. Cajus fallen. Die Wirtin schleicht als stumme Figur um sie herum. In turbulenten Szenen erlebt der Sonderling Falstaff von Anfang an Zusammenstöße mit der kleinbürgerlichen Gesellschaft Windsors. Die beiden Ganoven Bardolfo und Pistola haben ihn scheinbar ausgenommen. Er ist Pleite und braucht einen Plan. Erste Teile der Bühnenkonstruktion werden entfernt. Die Wirtin macht sich mit den Briefen an die beiden zum Stelldichein eingeladenen Damen auf. Diese agieren ebenso vor dem Restaurant und lesen sie gemeinsam. Sie freuen sich sogar zunächst über die erhaltenen Briefe, bis sie merken, dass sie identischen Inhalts sind. Aus einem geöffneten Fenster lugen Falstaff und später auch seine beiden Komparsen aus der Foyereingangsszene. Im ständig rotierenden Bühnenbild kommen die fünf Herren dazu und die zweifachen Rachepläne werden geschmiedet.

Im zweiten Akt wird die Kulisse mittig geöffnet und lässt Blicke ins Innere zu. In der Kneipe mit kitschweihnachtsbaumbehaftetem Tresen und Barhockern mieft es nach Kleinbürgertum. Auf einer Tafel steht mit Kreide geschrieben „Buy one beer for the price of two and get the second beer for free“. Über der Kneipe schaut man auf einen spartanisch eingerichteter Gastraum mit Doppelbett und 60er Jahre Mustertapete.

Staatsoper Hamburg / Falstaff - hier : das Ensemble © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Falstaff – hier : das Ensemble © Monika Rittershaus

Bardolfo und Pistola sind zurück und verfolgen Falstaffs Kochkünste hinter der Theke, die sogar live im Fernsehen übertragen werden. Quickly erscheint im kurios anmutenden Boxertrainingsoutfit und gibt ihr handlungstreibendes „Reverenza“ zum Besten. Falstaff füttert sie mit Leckereien ab. Im dunklen Mantel mit Fellkragen und Sonnenbrille platzt Ford/Fontana in die Kochshow. Zum Schluss bleibt Ford nach Rache sinnend alleine liegend vor der Theke zurück.

Die vier Damen skandieren ein großes Banner mit der Parole „Fette Steuern für die Fetten“. Das Gebäude dreht sich, fährt nach vorne und offenbart die weiter entblößte Kneipenfront mit darüber liegendem Gastraum. Nun laufen die Intrigen der Damen Alice Ford und Meg Page sowie Ford/Fontanamit seinen beiden Helfern zusammen. Die Fäden sind gesponnen. Falstaff erscheint pfeifend mit selbstgekochten Leckereien auf dem Silbertablett. In der ersten Etage vergnügen sich Nannetta mit Fenton zunächst noch brav in Schuluniform gekleidet und später sich im Doppelbett unter einem Laken liebend. Das Stelldichein mit Alice entwickelt sich zum Spiel im Spiel, zum Theater auf dem Theater unter der Regie der beiden aufgebrachten Damen. Problematisch wird es jedoch, weil der Gatte Ford tatsächlich vor der Türe steht und die Damen improvisieren müssen. Im Finale dieses Bildes ersetzt eine gelbe Mülltonne den sonst üblichen Wäschekorb, aus dem Ford auf der Suche nach Falstaff zunächst Müll herausreißt und sogar später kopfüber darin von den Damen versenkt werden soll. Falstaff versteckt sich naiv unter einem für ihn viel zu kleinen Lampenschirm. Quickly verschnürt ihn zusätzlich noch mit dem entsprechendem Kabel. Fontana entdeckt unter der Decke des Bettes in der ersten Etage nicht seine Frau „in flagranti“, sondern Töchterlein mit Fenton. Die Szenerie wird zunehmend durch beobachtende hereinschleichende, kriechende und später in wilder Hektik Fontana auf der Suche nach Ergebnissen hinterherstürmende Herrenchormitglieder gefüllt, bevor Falstaff endgültig im aufgeklappten Kellerboden verschwindet. Ein Kübel mit dunkelbrauner Flüssigkeit landet auf seinem Kopf.

Staatsoper Hamburg / Falstaff - hier : das Ensemble © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Falstaff – hier : das Ensemble © Monika Rittershaus

Im dritten Akt schließlich sitzt der Titelheld im noch übrig gebliebenen Gebäudegerippe fäkalienüberströmt, Wein aus dem Tetrapack trinkend auf der für alle sichtbaren Toilette und philosophiert über die Schlechtigkeit der Welt. Aus dem Off erscheinen alle Darsteller wie in Zeitlupe. Schnell wird es hecktisch und unübersichtlich. Ein negativer Schwangerschaftstest der mittlerweile auf der Toilette sitzenden Nannetta beruhigt das junge Paar. Unter der Offenbarung der bemalten Klowand mit dem Motto „Fuck my dick“ wird nun auch dieser Teil der Kulissen weggefahren. Fenton stochert mit Taschenlampe suchend im Keller des „Eberkopfes“. Schließlich schlurft Falstaff erneut hereingefallen auf die Verlockungen der Intriganten mit kleinem Weihnachtsbäumchen in der Hand über die fast leere Bühne.

Statt bei der Eiche zur Mitternacht wird das nun folgende Shakespearsche Sommernachtstraumambiente vor das restliche blanke Gerippe des „Boars Head“ verlegt. Nachdem das Sextett der vier Damen mit Ford und Falstaff beendet ist, erscheint bei völlig leerer Bühne im Hintergrund nebelverklärt der Chor und an der Rampe Falstaff, umringt von den Damen des Chores. Falstaff wird wie ein Rollmops oberkörperfrei am Boden malträtiert. Die Handlung mutiert zur finalen, streng musikalischen Fuge mit Handlungsstillstand, in der der Chor mit Gürteln peitschenknallähnlich den Rhythmus betont. Rollwagen werden auf die Bühne gezogen und Sektflaschen um den am Boden liegenden Falstaff aufgestellt. Alle sind betrogen außer Fenton und Nannetta, die bereits im Hochzeitskleid erscheint und für Ford fälschlicherweise dem unwürdigen Gatten Fenton in die Arme fällt. Ford würgt wutentbrannt an seiner Alice. Falstaff reißt seine Perücke vom Kopf und knallt sie auf ein silbernes Serviertablett. Es löst sich alles auf und es bleibt nur Leere. Ist Falstaff, der das langweilige Leben satt hatte, wirklich der sympathische Gewinner, der sich traute zu tun, wovon die anderen nur träumten?

In seiner letzten Oper kann der Komponist aus seinem reichhaltigen musikalischen und persönlichen Erfahrungsköcher eine Vielzahl an Impulsen einfließen lassen. Verdi hat mit dem Falstaff ein sprühendes Ensemblestück komponiert, in dem alles vom spontanen, kommunikativen Moment abhängt. Der musikalische Ideenreichtum ist enorm, Verdis Meisterschaft im künstlerischen Schaffen ist über jeden Zweifel erhaben! Das alte Genie macht was es will, Verdi inszeniert eine kontrollierte Abfolge von Explosionen mit „eingeplanten“ Lachern. In manchen Höhepunkten fliegt einem das Stück musikalisch geradezu um die Ohren. Alles dreht sich in Sekundenschnelle von einem Extrem ins andere, und trotzdem verlieren die Zuhörenden dabei nicht die Übersicht.

Der Beginn und das Ende der Oper steht in C-Dur, also in der direktesten Tonart in der Musik. Die ersten beiden Akte sind eine quirlige Darstellung des Ensemblestücks. Im ersten Bild des zweiten Aktes gibt es so etwas wie eine personale Konzentration auf die Titelfigur des Sir John Falstaff. Nehmen wir es vorweg: Ambrogio Maestri, der aus Italien stammende vielbeschäftigte Bariton an allen großen Opernhäusern des Globus, der bereits mehrfach in Hamburg in Rollen seines Fachs zu hören war, gilt wohl als der derzeit beste Falstaff überhaupt. Am Premierenabend stellt er das beeindruckend unter Beweis. Dieser stimmgewaltige Hüne als veritables Bariton-Übergewicht tummelt sich mal mehr oder weniger geschickt in seiner Karikatur des einsamen Ritters, sich oft selbst spielen dürfend. An zwei Stellen sogar ins etwas schräge Falsett einsetzend, lässt er die Zuhörerschaft seine prachtvolle Stimme, die geprägt ist von schier unvorstellbaren Kraftreserven, einer wirklich italienisch geführten „Verdi-Stimme“ mit „gespuckten“ Silben, feinstem Legato und einer überragenden farbenreichen Gestaltung, über drei Akte genießen.

Staatsoper Hamburg / Falstaff - hier : Schlussapplaus mit dem Ensemble © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Falstaff – hier : Schlussapplaus mit dem Ensemble © Patrik Klein

Mit einer tiefen Verbeugung überreicht Miss Quickly ihm die Einladung zum Stelldichein. Dieses „Reverenza“ wird im Verlauf des Stücks zu einer unverwechselbaren, sofort wiedererkennbaren Geste, gesungen auf ein einziges Wort. Nicht mehr und nicht weniger! Nadezhda Karyazina, die aus Moskau stammende junge Mezzosopranistin, die seit mehreren Jahren festes Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg ist und bereits in einigen Hauptrollen glänzen konnte, singt Mrs Quickly mit dunkelst gefärbten Mezzotimbre, einer sofort wiedererkennbaren komfortablen Stimmführung besonders in den tiefen und mittleren Lagen.

Der Gesang der jungen Liebenden etwa, und auch die folgende Begegnung mit Ford, der sich als Signor Fontana ausgibt, hinterlässt tiefe Spuren beim Zuhörer. Ford/Fontana muss sich schreckliche Sachen über sich und seine Ehefrau und das anstehende Rendezvous zwischen ihr und Falstaff anhören. Er ist am Boden zerstört, sein Monolog durchbricht die heitere Konsistenz der Komödie. Markus Brück, Kammersänger und Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin, der bereits mehrfach Rollen seines Baritonfachs an der Staatsoper Hamburg inne hatte, glänzt als Ford mit bestechend farbenreicher und sicher sitzender Stimme, die ein wenig an den langjährigen ehemaligen Hamburger Hausbariton Franz Grundheber erinnert. Seine Gattin Alice Ford wird gesungen und gespielt von Maija Kovalevska, der international erfahrenen Sopranistin aus Lettland. Sie gibt die Ehefrau des rasenden Ford mit großer Glaubwürdigkeit, strahlendem dramatischen Kern bei sicherster Höhe.

Im zweiten Bild des zweiten Aktes wird das Treffen bei Alice jäh unterbrochen noch ehe es begonnen hat. Der gut informierte Ford und seine Mannen stürmen den Ort des Geschehens. Dort werden Fenton und Nannetta aufgespürt. Das ärgert nun wiederum Ford, der andere Heiratspläne mit seiner Tochter hat. Das Finale ist ein großes schillerndes durchkomponiertes aber organisiertes Chaos. Hier entpuppen sich alle Stimmen zu gleichwertigen und gleichgewichtigen Hauptrollen. Elbenita Kajtazi, die aus dem Kosovo stammende Sängerin mit internationaler Erfahrung und mittlerweile Ensemblemitglied in Hamburg, singt Nannetta mit fein geführtem Sopran, herrlicher Phrasierung und variantenreichen Färbungen. Von den Damen erntet sie dann auch verdient den herzlichsten Applaus des Publikums.

Ihr zur Seite steht Oleksiy Palchykov, der ukrainische Tenor, der seit der vorletzten Saison fest im Ensemble der Staatsoper Hamburg verweilt und Erfolge als u.a. Lensky, Nemorino und Ottavio feierte. Er gibt den jungen Fenton mit warmem samtigen Timbre, hell strahlender und fein fokussierter Stimme.

Nach dem Finale des zweiten Aktes, welches einem Feuerwerk gleicht, fragt man sich, wie das eigentlich noch weitergehen kann und soll. Verdi zeigt im dritten Akt, dass er der drohenden dramaturgischen Kälte gewachsen ist. Er zeigt, dass nach dem Finale des zweiten Aktes noch ein anderes Ende ganz am Schluss möglich ist. Dieser letzte Akt übertrifft das Ganze nochmals in allen Belangen der musikalischen Kompositionskunst. Der große Monolog des gekränkten Falstaff ist ein Moment der Steigerung. Die erneute Einladung der Quickly klingt da wie Hohn. Alles wird gut, denn alles auf Erden ist Narretei, so lautet die schlussfugierte musikalische Botschaft.

Die weiteren Rollen sind mit Jürgen Sacher, Daniel Kluge (unlängst neues Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg), Tigran Martirossian und Ida Aldrian komfortabel besetzt.

Der Chor der Staatsoper Hamburg (Einstudierung Eberhard Friedrich), der je einen Auftritt am Ende des zweiten und des dritten Aktes hat, wirkt besonders in der quirligen Schlussszene noch etwas szenisch unterprobt leicht unpräzise und uneinheitlich, was sich gewiss im Laufe der kommenden Aufführungen noch entwickeln wird.

Staatsoper Hamburg / Falstaff - hier : Schlussapplaus mit dem Ensemble und Chor © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Falstaff – hier : Schlussapplaus mit dem Ensemble und Chor © Patrik Klein

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg hat unter der Leitung von Axel Kober, des erfahrenen Dirigenten und Generalmusikdirektors der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, einen überdurchschnittlichen Abend. Kober lässt die Musik Verdis differenziert, farbenreich und mit hoher Sängerfreundlichkeit erklingen. Gelegentlich wirkt es jedoch sicherheitsbetont zu tempoarm. Prägnant werden die feinen Nuancen in den leicht überbordenden, turbulent und laut geratenen Chor- und Ensembleszenen herausgearbeitet. Den musikalische Höhepunkt bildet die präzise geratene Schlussfuge der Oper.

Das Publikum an diesem Premierenabend ist sich ungewöhnlich einig und feiert das Solistenensemble, den Chor und das Orchester mit warmem, herzlichen Beifall. Die Abendspielleitung lässt das Regieteam, wohl ahnend, was auf es zukommt, recht spät auf die Bühne. Weitgehend einhellig erschallen heftige Missfallenskundgebungen aus allen Rängen und viele Zuschauer aus dem Parkett verlassen umgehend hanseatisch leise ihren noch dunklen Platz. Die wenigen Bravos scheinen im Keim zu ersticken.

Falstaff an der Staatsoper Hamburg, weitere Vorstellungen: 22.1., 25.1., 28.1., 4.2., 8.2., 25.3., 28.3.2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Don Carlo von G. Verdi , 10.06.2017

Mai 10, 2017 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Don Carlo von Giuseppe Verdi

Oper nach Friedrich von Schiller, Libretto von Joseph Méry und Camille du Locle / Italienischer Text von Antonio Ghislanzoni

Premiere Duisburg: Samstag, 10. Juni 2017,  19.30 Uhr   weitere Vorstellungen  Donnerstag 15.06. – 18.30 Uhr / Samstag 17.06. – 19.30 Uhr / Freitag  23.06. – 19.30 Uhr / Donnerstag 29.06. – 19.30 Uhr / Saamstag 01.07. – 19.30 Uhr

Im Theater Duisburg ist am Samstag, 10. Juni 2017, Premiere für Verdis große Oper Don Carlo. Inszeniert hat sie der international gefragte flämische Regisseur Guy Joosten, der hier in der kommenden Spielzeit Donizettis Oper Maria Stuarda auf die Bühne bringen wird.

Deutsche Oper am Rhein / Don Carlo © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Don Carlo © Hans Joerg Michel

Dirigent Lukas Beikircher hat zu Don Carlo eine ganz besondere Beziehung: „In dieser Oper liegen einige der schönsten und glückhaftesten Momente von Verdis Musik. Verdi schafft es, Gefühle, Emotionen und Tiefe allein durch eine Melodie auszudrücken – das kann keiner so wie er. Die Melodie ist pure Substanz. Auch die berühmtesten Arien und Duette sind vom Drama beseelt und niemals Selbstzweck.“ In Duisburg erarbeitet er Don Carlo mit den Duisburger Philharmonikern. Die Titelpartie singt der italienische Tenor Gianluca Terranova, der schon bei der Düsseldorfer Premiere begeisterte und als „das stimmliche Ereignis des Abends“ (k.west) gefeiert wurde. Als Don Carlos Vater Filippo II. gastiert der in China geborene Bass Liang Li. Die irische Sopranistin Celine Byrne stellt sich nach zwei Auftritten als Liù („Turandot“) in Duisburg als Elisabetta vor. Aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein präsentieren sich Sarah Ferede und Bogdan Baciu mit ihren Rollendebüts als Eboli und Rodrigo di Posa an der Seite von Sami Luttinen als Großinquisitor und Günes Gürle als Mönch.

Musikalische Leitung: Lukas Beikircher,  Chorleitung: Gerhard Michalski, Inszenierung: Guy Joosten Licht: Manfred Voss, Bühne: Alfons Flores Dramaturgie: Bernhard F. Loges, Kostüme: Eva Krämer

Filippo II.: Liang Li / Adrian Sâmpetrean Un Frate: Günes Gürle, Don Carlo: Najmiddin Mavlyanov Tebaldo: Dimitra Kotidou, Rodrigo di Posa: Bogdan Baciu Il Conte di Lerma: Bryan Lopez Gonzalez, Il Grande Inquisitore: Sami Luttinen Voce dal Cielo: Luiza Fatyol / Lisa Griffith, Elisabetta di Valois: Celine Byrne,   Principessa di Eboli: Sarah Ferede Duisburger Philharmoniker

Don Carlo, Infant von Spanien, ist gefangen in seinen Gefühlen zu Elisabetta di Valois, die aus Gründen der Staatsräson nicht mit ihm, sondern mit seinem Vater, König Filippo II., verheiratet wurde. Sein Freund Rodrigo di Posa legt ihm die Befreiung Flanderns von der spanischen Besatzung ans Herz und glaubt, ihm in dieser Aufgabe einen neuen Lebenssinn zu geben. Zugleich ist Marquis Posa ein kalkulierender Politiker, der seine Ideale von Freiheit im totalitären, von der Inquisition durchsetzten Staate verwirklichen will. Er steht dem König nahe, der in ihm gar einen Freund zu erkennen glaubt. Doch für menschliche Beziehungen, ob Freundschaft oder Liebe, ist in diesem System kein Platz.

Giuseppe Verdi (1813–1901) liebte die Werke Friedrich Schillers und fühlte sich ihm geistesverwandt. Der Drang nach Freiheit im Denken und Handeln, wie ihn der Dichter in seinem Don Karlos 1787 auf die Bühne brachte, bestimmte auch das Leben des Komponisten. Vier Mal vertonte er Stoffe Schillers, zuletzt Don Karlos. Am 11. März 1867 wurde seine gleichnamige Oper in Paris uraufgeführt – zunächst ohne Erfolg. In den folgenden 20 Jahren arbeitete Verdi seine Oper sieben Mal um. Am 10. Januar 1884 wurde eine vieraktige Fassung in Mailand aufgeführt. Diese bis heute meistgespielte Version ist auch an der Deutschen Oper am Rhein zu hören.

Opernwerkstatt zur Premiere mit Gesprächen und Probebesuch: Di 06.06., 17.00 Uhr, Theater Duisburg (Eintritt frei)

Premiere Duisburg: Samstag, 10. Juni 2017,  19.30 Uhr   weitere Vorstellungen  Donnerstag 15.06. – 18.30 Uhr / Samstag 17.06. – 19.30 Uhr / Freitag  23.06. – 19.30 Uhr / Donnerstag 29.06. – 19.30 Uhr / Saamstag 01.07. – 19.30 Uhr,

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Verona, Arena di Verona, Termine Aida von Giuseppe Verdi, 25 Juni – 28 August 2016

Juli 14, 2016 by  
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Arena di Verona

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

AIDA – Termine 2016:  25 Juni – 28 August 2016

Komposition Giuseppe Verdi, Libretto von Antonio Ghislanzoni

Termine, Musikalische Leitung, Besetzung  

Musikalische Leitung   Julian Kovatchev (25, 30/6 – 3, 7, 14, 17, 24/7), Andrea Battistoni (28, 31/7 – 7, 9, 28/8)   Daniel Oren (14, 18, 21, 24/8)

Regie Gianfranco de Bosio, Choreographie Susanna Egri
Chordirektor Vito Lombardi, Ballett Koordinator Gaetano Petrosino
Technischer Direktor Giuseppe De Filippi Venezia
Orchester, Chor, Ballettkorps und Techniker der Arena di Verona

Besetzung :
Der König  Carlo Cigni (25, 30/6 – 3, 7, 14, 17/7), Roberto Tagliavini (24, 28, 31/7)
Romano Dal Zovo (7, 9, 14/8), Gianluca Breda (18, 21, 24, 28/8)

Verona AIDA Kulisse © IOCO

Verona AIDA Kulisse © IOCO

Amneris
Ildico Komlosi (25, 30/6 – 3/7)
Sanja Anastasia (7, 24, 28/7 – 14/8)
Luciana D’Intino (14, 17/7)
Ekaterina Gubanova (31/7 – 7, 9/8)
Andrea Ulbrich (18, 24/8)
Anastasia Boldyreva (21, 28/8)

Aida
Hui He (25, 30/6 – 3, 7, 24/7)
Monica Zanettin (14, 17/7)
Susanna Branchini (28, 31/7 – 7/8)
Amarilli Nizza (9, 14, 18/8)
Maria José Siri (21, 24, 28/8)

Radamès   Yusif Eyvazov (25/6), Walter Fraccaro (30/06 – 3, 7/7)
Stefano La Colla (14, 17/7), Carlo Ventre (24, 28, 31/7)
Dario Di Vietri (7, 21, 24, 28/8), Fabio Sartori (9, 14, 18/8)

Ramfis   Rafal Siwek (25, 30/6 – 3/7), Sergey Artamonov (7, 14, 17/7 – 7, 9, 14, 18, 21, 24, 28/8), Gianluca Breda (24, 28, 31/7)

Amonasro   Ambrogio Maestri (25, 30/6 – 3, 7/7), Alberto Mastromarino (14, 17, 24, 28, 31/7 – 7, 9/8), Sebastian Catana (14, 18, 21, 24, 28/8)

Ein Bote   Antonello Ceron (25/6 – 7, 9, 14/8), Francesco Pittari (30/6 – 3, 7, 14, 17, 24/7)
Paolo Antognetti (28, 31/7 – 18, 21, 24, 28/8)

Oberpriesterin   Alice Marini (25, 30/6 – 3, 7, 14/7), Elena Serra (17, 24, 28, 31/7 – 7, 9, 14, 28/8), Elena Borin (18, 21, 24/8)  PMFdAdV

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