Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Premiere Rusalka – Antonin Dvorak, 13.09.2018

August 29, 2018 by  
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Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

 Rusalka von Antonín Dvorák

Premiere 13. September 2018, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 15., 18., 20., 22., 26., 28. September; 5., 10., 13., 20.Oktober 2018

Die große Eröffnungspremiere der Spielzeit 2018/19Rusalka – erzählt von der unmöglichen Liebe einer Wassernixe zu einem schönen Prinzen. Das ausdrucksstarke Meisterwerk wurde seit 65 Jahren nicht mehr in Klagenfurt gezeigt. Die musikalische Leitung übernimmt der neue Chefdirigent Nicholas Carter, Regie führt Eva-Maria Höckmayr, die Titelpartie singt die südafrikanische Sopranistin Pumeza Matshikiza. Rusalka sehnt sich nach einem anderen Leben. Sie will wissen, wie es ist, ein Mensch zu sein, und muss am Ende dafür bitter bezahlen. Der Stoff geht auf eine mittelalterliche französische Sage zurück. Die Vorlage wurde im 19. Jahrhundert unzählige Male künstlerisch bearbeitet und ist nicht zuletzt durch die Walt Disney-Verfilmung Arielle, die Meerjungfrau bis heute präsent. 1900, im Jahre der Erscheinung von Sigmund Freuds Traumdeutung, schuf der tschechische Komponist Antonín Dvorák mit der Oper Rusalka ein Werk, in dem die Wirrnisse des anbrechenden Jahrhunderts ihre Schatten vorauswerfen. Rusalkas Märchenwelt bildet die Fassade, hinter der sich abgrundtief die unstillbare Sehnsucht und tragische Vereinsamung des modernen Menschen auftun. Doch Dvoraks rührende lyrische Musik lässt auf Mitleid und Versöhnung hoffen.

Stadttheater Klagenfurt / Rusalka - Matshikiza Pumeza © Christian Kaufmann

Stadttheater Klagenfurt / Rusalka – Matshikiza Pumeza © Christian Kaufmann

MUSIKALISCHE LEITUNG Nicholas Carter REGIE Eva-Maria Höckmayr BÜHNE UND KOSTÜME Julia Rösler CHOREINSTUDIERUNG Günter Wallner DRAMATURGIE  Markus Hänsel

Der Prinz Robert Watson Die fremde Fürstin / Ježibaba Ursula Hesse von den Steinen Rusalka Pumeza Matshikiza Wassermann Martin Snell Der Küchenjunge Iris van Wijnen Der Förster Thomas Tischler Der Jäger Jihoon Kwon Erste Elfe Bryony Dwyer Zweite Elfe Feride Büyükdenktas Dritte Elfe Veronika Dünser Chor des Stadttheaters Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester

Premiere 13.9.2018; Weitere Vorstellungen: 15., 18., 20., 22., 26., 28. September; 5., 10., 13., 20.Oktober 2018

Einführungsmatinee 02. September 2018, 11 Uhr, Bühne. Moderation Intendant Florian Scholz Einführung zur Oper 25 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Galeriefoyer links

Die Liebe einer Wassernixe Interview mit der Regisseurin Eva-Maria Höckmayr

Rusalka erzählt von der unmöglichen Liebe einer Wassernixe zu einem schönen Prinzen – ein Stoff,  der bis heute präsent ist. Erwartet uns auch in Ihrer Inszenierung Märchenhaftes?

Um die todbringende Begegnung von weiblichem Wasserwesen und jungem Mann ranken sich ja viele Geschichten. Als Sirenen begegnen die Wasserfrauen uns bereits in der Odyssee bei Homer. Wie jedes gute Märchen berührt auch die Geschichte von Rusalka etwas in uns, das über Zeiten und Erzählebenen hinweg immer gültig ist. Das Märchenhafte ist für mich also weniger der Fischschwanz, sondern mehr diese seelenhafte Essenz einer Geschichte der Verwandlung – das Ringen um Gut und Böse im Menschen. Märchenhaft ist für mich aber auch die archetypische Verdichtung der Figuren: Wie im Traum werden Situationen und Personen zum Symbol und sind dabei Sprachrohr der Seele. Märchenhafte Elemente wird es aber auch auf der Bühne geben: In den Szenen um Rusalka und den Prinzen passiert Unmögliches, Irreales, Transzendentales – immer auf der Suche nach der größtmöglichen emotionalen Dichte.

Das Werk entstand im Jahr 1900 – welche Gefühle und Stimmungen des „Fin de Siécle“ sind in Dvoraks Oper Rusalka spürbar?

Rusalka entstand fast zeitgleich mit Freuds Traumdeutung und Opern wie Salome oder Pelléas et Mélisande. Viele Werke dieser Zeit formulieren ein großes Interesse an der Durchleuchtung der weiblichen Seele. Dieses Unterfangen scheint jedoch unmöglich, was aus dem Blickwinkel des Mannes zu einem bestimmten Unbehagen gegenüber dem Weiblichen führt. Stereotypen der Hysterikerin, des „teuflischen Weibs“ als lustbringender Todesgöttin oder die rätselhafte Unzugänglichkeit einer „femme fragile“ sind die Hüllen in denen die Frauengestalten feststecken. Auch Rusalka liefert diese archetypischen Frauen-Figuren: die asexuelle Meerjungfrau, die erotische Waldnymphe, die todbringende Hexe, die „femme fatale“ in Gestalt der fremden Fürstin. Doch wie kein anderes Werk scheint Rusalka aus einem weiblichen Blickwinkel formuliert. Bei Dvo?ák ist sie schon zu Beginn des ersten Akts stumme Betrachterin der Szene. Die Wasserfrau hat zunächst einen naiven, unwissenden Blick auf die Welt. Sie eifert den weiblichen Stereotypen nach, versteht aber schließlich, dass sie sie selbst werden muss, um zu lieben und geliebt zu werden.

In Rusalka stehen sich die  Welten der Menschen und der Elementargeister gegenüber – wodurch unterscheiden sie sich?  wie treten sie in Kontakt?

Die Menschenwelt wird als seelisch grausam vorgeführt: Sie ist kalt, man ist nur am Äußerlichen interessiert; bestimmte Werte haben nur so lange Bestand, wie sie das Kollektiv gutheißt. In der Figur und der Gesellschaft des Prinzen und seinem Verrat an Rusalka wird uns dies schmerzhaft vor Augen geführt. Die Welt der Elementargeister ist aber letztlich nicht weniger (un-)menschlich: Schon die erste Szene führt Vodnìk als lüsterne Vaterfigur ein; der (verheiratete) Wassermann ist nicht weniger fleischlich als die nackten, erotisch aufgeschlossenen Waldnymphen, die im Sinne der „Décadence“ das körperlich Sexuelle gesellschaftsfähig machen. Diese Aspekte einer gewissen gesellschaftlichen Doppelmoral des ausgehenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts kommen hier im Märchen klar zum Vorschein, in anderen Versionen des Stoffs fehlen diese Szenen. Somit sind die Waldwesen vor allem als Kontrast zu den asexuellen Wasserwesen mit ihren symbolhaft verschlossenen Beinen zu verstehen. In Verbindung mit der Figur Rusalka steht das Wasser für eine fast kindliche seelische Unschuld, Reinheit, Liebesfähigkeit und Selbstlosigkeit. Rusalka ist verliebt und will zu ihrer ersten großen Liebe. Dieser Drang nach Leben, nach Erfahrungen der Liebe verbindet die Welten – Rusalka verlässt das Stadium des Betrachtens, der Reflexion und wird aktiv – sie will Liebe erleben und öffnet sich der Welt.

Wofür steht die Figur der Wassernixe Rusalka?  Zu welcher Erkenntnis führt sie uns am Ende?

Rusalka steht für mich für jede Frau. Sie durchläuft für uns alle Lebensstufen und spezifischen Erfahrungen. Die Schutzbedürftigkeit des Kindes, die Suche nach Orientierung, das erste Verliebtsein, das sich Verstellen um zu gefallen, die Begegnung mit Verachtung und gesellschaftlicher Ausgrenzung; die große Enttäuschung einer falschen Wahl der Liebe, das Misslingen der Kommunikation mit dem vergötterten Gegenüber. Der Rückzug in die Isolation; ein Gefühl der Einsamkeit und Trauer. Sie liebt und wird verraten. Die Fähigkeit zu verzeihen und zu vergessen muss sie danach, wie wir alle, lernen.

—| Pressemeldung Stadttheater Klagenfurt |—

Berlin, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Dvorák – Schostakowitsch – Janacek, IOCO Kritik, 04.06.2018

Juni 5, 2018 by  
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DSO Berlin / Deutsches Symphonie Orchester Berlin 2018 © Frank Eidel

DSO Berlin / Deutsches Symphonie Orchester Berlin 2018 © Frank Eidel

DSO Berlin

DEUTSCHES SYMPHONIE-ORCHESTER BERLIN – Tomáš Hanus

Antonín Dvorák – Dmitri Schostakowitsch – Leoš Janácek

Von Julian Führer

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin (DSO), 1946 als Rundfunkorchester für den amerikanischen Sektor begründet, hatte prominente Chefdirigenten, unter anderem Riccardo Chailly, Vladimir Ashkenazy, Kent Nagano und Ingo Metzmacher. Nun sollte James Conlon einen Abend leiten, jedoch musste aus Krankheitsgründen ein Ersatz gefunden werden. Tomáš Hanus war recht kurzfristig bereit, das geplante Programm mit einer kleinen Änderung zu übernehmen und konnte so als Einspringer ein gefeiertes Debüt bei dem Deutschen Symphonie-Orchester  Berlin geben.

Die drei vom DSO am 2.6.2018 in der Berliner Philharmonie gespielten Werke sind dem sogenannten slawischen Fach zuzuordnen. Antonín Dvorák und Leoš Janácek werden gemeinhin als tschechische Komponisten angesprochen, Dmitri Schostakowitsch lebte in der Sowjetunion. Alle Werke gehören einer eher späten Schaffensperiode der Komponisten an – um deren letzte Werke handelt es sich aber nicht.

Antonín Dvorák schrieb kurz nach 1890 eine Serie von drei Konzertouvertüren. Einer von ihnen (op. 93) gab er (nachträglich) den Titel Othello. In sein Handexemplar notierte er, an welcher Stelle sich die Liebenden küssen, wann sie streiten, wann es zum Skandal kommt. Dieses Wissen benötigt der Hörer allerdings nicht, um dem Werk folgen zu können. Tomáš Hanus nahm die mit „ppp“ und „Largo“ bezeichnete Introduktion der Streicher im Grunde so, wie sie notiert ist – und dennoch ließ seine Lesart vom ersten Takt an aufhorchen. Die mit Dämpfer spielenden Violinen, Bratschen und Celli zeigten ein bemerkenswertes Legato, der Klang war voll, doch äußerst leise – so wie es sich auf einer Aufnahme mit den gängigen Techniken überhaupt nicht reproduzieren lässt und wie es nur in einem entsprechenden Saal (und mit dem entsprechend disziplinierten Publikum) erzielt werden kann. Es wurde deutlich, dass der Dirigent eine sehr genaue Vorstellung vom Stück hatte; diese vermittelte er dem Orchester durch präzise gestaltende Gesten, die von den Musikern sofort umgesetzt wurden. Die Konzertouvertüre nimmt etwa eine Viertelstunde in Anspruch und verarbeitet mehrere Motive in unterschiedlichen Kontexten. Bei allen Anleihen bei Wagner und anderen, die mitunter in der Motivarbeit und Instrumentierung durchscheinen, hat Dvorák doch eine ganz eigene Klangsprache, die insbesondere bei der Raffinesse des Einsatzes der Holzbläser deutlich wird.

Ein Ereignis war die Darbietung des zweiten Stücks des Abends. Dmitri Schostakowitschs  Cellokonzert Nr. 1 in Es-Dur op. 107 wurde 1959 komponiert und dem damals schon berühmten Mstislaw Rostropowitsch gewidmet. Im Schaffen Schostakowitschs markiert diese Zeit eine kreative Phase. Wie auch in der ‚großen‘ Politik herrschte in der sowjetischen Kulturwelt gerade „Tauwetter“, wobei dies nicht mit vollkommener künstlerischer und ideologischer Freiheit gleichgesetzt werden kann. Schostakowitsch hat sich wiederholt vor stalinistischen Funktionären demütigen müssen und sah sich aus gutem Grund zeitweise in Lebensgefahr, so dass er schon oft in seinen Kompositionen Vordergründig-Affirmatives neben Versteckt-Hintersinniges gestellt hatte. Auch in dieser Schaffensphase: Die 11. Symphonie in g-Moll op. 103 kommt als Programmmusik zum Petrograder Aufstand gegen den Zar von 1905 daher, wurde aber wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck der brutal von der Sowjetarmee niedergeschlagenen polnischen und ungarischen Aufstände von 1956 geschrieben. Opus 110 ist das beklemmende achte Streichquartett in c-Moll, das in anderer Instrumentierung als „Kammersymphonie“ bekannt geworden ist. Opus 105 hingegen ist eine Operette (Moskwa, Tscherjomuschki, in der kommenden Saison an der Hamburger Staatsoper zu erleben), und zur gleichen Zeit erarbeitete Schostakowitsch eine entschärfte Version seiner Jugendoper Lady Macbeth von Mzensk, deren zur Schau gestellte und immer noch schockierende Brutalität ihn bei Stalin in Ungnade fallen ließ. Das Ergebnis war die deutlich zahmere Katerina Ismailova. In späteren Jahren widmete sich Schostakowitsch verstärkt kleineren Formen, reduzierte den Orchesterapparat, und in den Kammermusikwerken der sechziger und siebziger Jahre wird immer häufiger ein verzweifelter, depressiver Tonfall angeschlagen. An diesem Wendepunkt also entstand das erste Cellokonzert, das mit der Amerikanerin Alisa Weilerstein als Solistin gegeben wurde. Den Beginn mit einem fast obsessiv durch die Sätze hindurch wiederholten kurzen Motiv nahm sie sehr schnell, dabei partiturgemäß piano (bei den meisten Aufführungen wird lauter begonnen). Gerade im ersten Satz (Allegretto) entspinnt sich ein intensiver Dialog mit dem Horn (souverän: Zora Slokar).

Alisa Weilerstein © Jamie Jung

Alisa Weilerstein © Jamie Jung

Das straffe Tempo wurde im ersten Satz durchgehalten, und Alisa Weilerstein begegnete allen technischen Schwierigkeiten der Partie fast draufgängerisch, zum Teil bewusst auf Kosten von Schönklang und im Sinne einer eher schroffen Lesart der an Ecken und Kanten nicht eben armen Solopartie. Sie brachte ihr Instrument zum Singen, zum Weinen, zum Schreien, auch zum Winseln. Die Hörer waren gefesselt: Nach dem ersten Satz brach im Publikum spontan breiter Applaus aus! Im zweiten Satz (Moderato) entwickelt sich in den Bratschen eine Art erweitertes Seufzermotiv aus drei absteigenden Halbtönen (hier klingen Schostakowitschs späte Streichquartette an), das Cello hingegen wird viel kantabler als über weite Strecken des ersten Satzes behandelt. Es fiel auf, dass in diesem Teil die Solistin und das hellwache Orchester nicht der Depression den Vorzug gaben, sondern diesem Satz große Schönheit abgewannen, bis hin zum verdämmernden Schluss mit Celesta (auch dies ein Stilmittel, das der späte Schostakowitsch wiederholt eingesetzt hat). Die nun folgende, über fünfminütige Kadenz erfordert bei der Solistin höchstes Können und kluge Gestaltungskunst, beim Publikum hingegen große Konzentration. Die Solistin wagte äußerst leise Passagen und setzte die vorgeschriebenen Pausen. Im letzten Satz dann (Allegro con moto) werden Volksliedbruchstücke und volksliedhafte Elemente ins Spiel gebracht, aber sofort verzerrt und überdreht – ein bei Schostakowitsch häufiger Kunstgriff. Das Publikum reagierte auf dieses Finale mit starkem Beifall und vielen Bravos für Alisa Weilerstein.

Leoš Janácek blieb über Jahrzehnte hinweg eine allenfalls regional bekannte Größe. Schon lange war er glühender Anhänger der tschechischen Nationalbewegung (bis hin zur Weigerung, sich im bis 1918 österreichischen Triest der deutschen oder italienischen Sprache zu bedienen, man möge doch einen des Tschechischen mächtigen Kellner herbeiholen). In der neugegründeten Tschechoslowakei kam er dann nach dem Ersten Weltkrieg zu spätem Ruhm. Er verehrte Antonín Dvorák und fand zu erstaunlicher Schaffenskraft (seine Opern Katja Kabanowa, Das schlaue Füchslein, Die Sache Makropulos und Aus einem Totenhaus sind alle erst zwischen 1919 und 1928 entstanden). Die Sinfonietta schrieb Janácek 1926, also im Alter von 72 Jahren. Ähnlich wie bei der Ouvertüre Dvoráks ist nicht ganz klar, ob dem Stück ein Programm zugrunde liegt oder nachträglich beigefügt wurde. Es heißt, Janácek habe Szenen und Orte aus Brünn/Brno vertont, speziell die Fanfaren einer Militärkapelle. Gleichzeitig entstand das Stück wohl aus der Idee einer Gelegenheitskomposition für ein Turnerfest.

 Deutsches Symphonie Orchester Berlin (DSO) in der Berliner Philharmonie © Peter Adamik

Deutsches Symphonie Orchester Berlin (DSO)  in der Berliner Philharmonie © Peter Adamik

Die Orchesterbesetzung ist beim Blech sehr breit, und es wäre konsequenter, man würde von einem Orchester und einer Banda sprechen. Auf diese Weise fasste wohl auch Dirigent Tomáš Hanus das Stück auf: Die zwei Basstrompeten nahmen im Orchester Platz, die neun(!) C-Trompeten, drei F-Trompeten und zwei Tenortuben hingegen standen hinter dem Orchester. Der choralartige Bläsersatz (nur Bläser und Pauken) im ersten Satz wirkte durch die Vielzahl der Instrumente, die Aufstellung und den starken Nachhall in der Berliner Philharmonie zunächst etwas diffus, doch mag dies auch in der Absicht des Komponisten und/oder des Dirigenten gelegen haben. Janácek war ein Meister der kurzen Form, und so hat seine Sinfonietta bei einer Spieldauer von etwa 25 Minuten fünf Sätze, die jeweils sehr kurze Motive verarbeiten. Die Mittelsätze setzen die Blechbläser in unterschiedlicher Weise ein, die Streicher und vor allem die Holzbläser stehen hier stärker im Vordergrund. Tomáš Hanus fühlte sich im Stück sichtlich zu Hause, dirigierte immer freier und führte das Orchester zum Kulminationspunkt am Schluss, wo die Motive der Mittelsätze gebündelt werden und in die Fanfare des Kopfsatzes münden, die nun durch Streicher gestützt wiederholt wird. In den Violinen – nur dieses Detail sei vermerkt – hat Janácek hier lange Triller notiert. Neben der bemerkenswerten Präzision der Violinengruppen gerade hier fiel auf, dass auf den ersten Schlag eines Taktes oder eines musikalischen Sinnabschnittes auch bei den Trillern ein merklicher Akzent gelegt wurde, der sofort in ein kleines, aber merkliches Decrescendo überleitete. Der Schluss gewann so bei aller Lautstärke Konturen, die nicht alle Dirigenten dem Werk abgewinnen können.

Das Publikum feierte am Ende begeistert das Orchester und seinen Dirigenten, der seine Chance als Einspringer und Debütant genutzt hat und dem man nur wünschen kann, dass er bald wieder das DSO dirigieren wird.

—| IOCO Kritik Deutsches Symphonie Orchester Berlin |—

Essen, Philharmonie Essen, Orchester Anima Eterna Brugge, 09.10.2016

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Philharmonie Essen

Philharmnie Essen / Jos van Immerseel © Alex Vanhee

Philharmnie Essen / Jos van Immerseel © Alex Vanhee

 Aus der Neuen Welt  von Antonin Dvorak

Vor zehn Jahren waren sie mit einem Mozart-Zyklus in Essen zu Gast. Nun sorgen sie wieder für frischen Wind in der Philharmonie, diesmal mit tschechischer Romantik. Der Abend mit Jos van Immerseel und seinem Orchester Anima Eterna Brugge wird überraschende Einsichten bringen. Das alte Repertoire-Schlachtross, die Sinfonie  Aus der Neuen Welt  von Antonín Dvorák präsentiert sich in neuem Licht. In den Archiven des New York Philharmonics hat Hilary Metzger, die Cellistin des Ensembles, geforscht. Alte Bogenstriche, Fingersätze und Artikulationen hat sie ans Tageslicht geholt: eine Sinfonie Nr. 9 aus erster Hand, auf authentischem Instrumentarium. Der ebenso märchenhafte wie blutige „Wassermann“ ist eine weitere Frucht von Dvoráks USA-Aufenthalt. Zwischen diesen kraftvollen Werken bildet das luftige Cembalokonzert von Bohuslav Martinu einen markanten Kontrast.

Das Konzert mit dem Orchester Anima Eterna Brugge am Sonntag, 9. Oktober 2016, um 17 Uhr ist besonders für Familien geeignet. Kinder ab zehn Jahren erhalten in der ersten Konzerthälfte eine eigene Einführung in die Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvorák. Im zweiten Teil haben sie dann die Möglichkeit, dieses Werk mit ganz anderen Ohren zu hören. Familien, die dieses Angebot wahrnehmen möchten, erhalten stark vergünstigte Kartenpreise: Ein Erwachsener und ein Kind zahlen zusammen 16,60 Euro.

Im ersten Konzertteil können die Erwachsenen mit Der Wassermann ein weiteres Werk von Antonín Dvorák sowie das Cembalokonzert von Bohuslav Martinu erleben. Solistin ist die tschechische Organistin und Cembalistin Katerina Chroboková – oder kurz „KATT“, wie sie sich selbst nennt. Die musikalische Leitung an diesem Abend hat Jos van Immerseel.

Ein weiterer Erwachsener zahlt 10 Euro, ein weiteres Kind 6,60 Euro. Eine Anmeldung ist erforderlich bei Merja Dworczak (Education) unter education@philharmonie-essen.de oder Tel. (02 01) 81 22-826.

Die Philharmonie Essen bietet Einführungen für Kinder in sechs Konzerten in dieser Spielzeit an (weitere Termine: 11.11., 19.11., 4.12.2016; 19.3., und 28.4.2017).

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Bonn, Theater Bonn, KEHRAUSKONZERT 2016, 10.07.2016

Juli 6, 2016 by  
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Theater Bonn

Theater Bonn © Thilo Beu

Theater Bonn © Thilo Beu

KEHRAUSKONZERT  2016

 Sonntag, dem 10. Juli 2016 – 18:00 Uhr

Bevor sich das THEATER BONN in die Spielzeitpause verabschiedet, gibt das Opernensemble am Sonntag, dem 10. Juli um 18 Uhr beim traditionellen KEHRAUSKONZERT einen musikalischen Rückblick auf die vergangene Saison. Musikalische Highlights aus Mozarts COSÌ FAN TUTTE, Wagners DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, Rossinis IL BARBIERE DI SIVIGLIA oder Verdis JÉRUSALEM werden dabei ebenso erklingen wie Melodien aus RUSALKA von Antonin Dvorak oder HOLOFERNES von Emil Nikolaus von Reznicek. Darüber hinaus dürfen Sie sich auf Ausschnitte aus der populären Tango Operita MARÌA DE BUENOS AIRES von Astor Piazzolla freuen, die im Oktober der kommenden Spielzeit noch einmal für zwei Vorstellungen zu erleben sein wird.

Die Gesangssolisten sind Sumi Hwang, Priit Volmer, Rolf Bromann, Martin Tzonev und Tamás Tárjanyi, welche – ebenso wie der mitwirkende Opern- und Extrachor des Theater Bonn – vom Beethoven Orchester Bonn begleitet werden. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Chefdirigent Hendrik Vestmann, Erstem Kapellmeister Stephan Zilias sowie Kapellmeister Christopher Sprenger und Chordirektor Marco Medved.

Interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer haben außerdem an diesem Tag ab 17:00 Uhr zum letzten Mal die Gelegenheit, die Ausstellung THEATER FÜR EINE STADT – 50 JAHRE AM BOESELAGERHOF im Eingangsfoyer zu besuchen.

Am 04. September 2016 startet die Oper Bonn dann mit der Premiere der Musical-Produktion EVITA von Andrew Lloyd Webber wieder in die neue Saison. Dort wird u.a. die aus DER KLEINE HORRORLADEN bekannte Bettina Mönch in der Titelrolle auf der Bühne zu erleben sein. Das Schauspiel eröffnet am 14. September 2016 mit William Shakespeares ROMEO UND JULIA in der Regie von Laura Linnenbaum seine Spielzeit in den Kammerspielen Bad Godesberg.

—| Pressemeldung Theater Bonn |—

 

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