Rostock, Volkstheater Rostock, Premiere EUGEN ONEGIN- Peter Tschaikowsky, 28.03.2020

Februar 10, 2020 by  
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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

EUGEN ONEGIN – Peter Tschaikowsk

Libretto Peter Tschaikowsky _ Konstantin Schilowsky / nach Alexander Puschkin 

Premiere Samstag, 28. März 2020, 19:30 Uhr

Ein idyllischer Sommernachmittag des 19. Jahrhunderts in einem russischen Dorf: Der Dichter Lenskij, der mit der Gutsbesitzertochter Olga liiert ist, stellt in deren Familie seinen Freund vor, den Dandy Eugen Onegin.Olgas Schwester Tatjana verliebt sich spontan in Onegin und offenbart diesem in einem Brief ihre tiefen Gefühle, wird von ihm jedoch entschieden zurückgewiesen. Ebenso wie um diese Liebe bringt sich Onegin kurz darauf um seinen besten Freund Lenskij, den er in einem aus nichtigem Anlass geführten Duell tötet. Mit Lenskijs Tod gehen Träume und Hoffnungen von Olga und Tatjana in Trümmer. Onegin muss aus der Gegend fliehen, um einer Bestrafung zu entgehen. Jahre später – Tatjana ist mittlerweile mit dem reichen Fürsten Gremin verheiratet – begegnen sich Onegin und Tatjana auf einem Ball in St. Petersburg wieder. Onegin fleht Tatjana um eine zweite Chance an, doch obwohl auch sie ihn noch immer liebt, weist nun Tatjana Onegin zurück…

Volkstheater Rostock / Eugen-Onegin © Gene Glover

Volkstheater Rostock / Eugen-Onegin © Gene Glover

Tschaikowskys berühmteste Oper dringt in die Mysterien von Liebe und Leidenschaft ein, mit einer Musik, die in ihrer emotionalen Qualität nicht ihresgleichen hat.

Martin Hannus, Musikalische Leitung / Anja Nicklich, Inszenierung / Antonia Mautner Markhof, Bühne und Kostüme / Katja Taranu, Choreografie

Mit: Grzegorz Sobczak, Alena Rostovskaya, Woongyi Lee / Václav Vallon, Katarzyna Wlodarczyk, Takako Onodera, Helena Köhne, Artem Wassnezow, Martin Rieck, Nils Pille, Olaf Lemme, Geunjin Song, Marco Geisler, Opernchor des Volkstheaters, Tanzcompagnie des Volkstheaters, Eleven der Tanzschule „Fouette“ Rostock, Norddeutsche Philharmonie Rostock

MATINEE:  Sonntag, 15. März 2020, 11:00 Uhr

PREMIERE    
Samstag, 28. März 2020, 19:30 Uhr, WEITERE TERMINE Samstag, 04. April 2020, 19:30, Freitag, 17. April 2020, 19:30 Uhr, Volkstheater Rostock – Großes Haus

—| Pressemeldung Volkstheater Rostock |—

Rostock, Volkstheater Rostock, La Cenerentola von Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 10.09.2017

Oktober 10, 2017 by  
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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

 La Cenerentola / Aschenputtel von Gioacchino Rossini

Wahrlich märchenhafter Saisonstart in Rostock

Von Thomas Kunzmann

„Damit endet die Kräfte zehrendste Probenzeit meiner gesamten Sänger-Laufbahn. Aber ich bin sehr stolz und dankbar, diesem tollen Team anzugehören. Was für eine geile Produktion!“ schreibt Don Magnifico Oliver Weidinger, der dienstälteste Sänger im Ensemble im Sozialen Netzwerk und lässt damit bereits im Vorfeld den immensen Aufwand und Detailreichtum erkennen, mit dem Anja Nicklich aufwarten wird. In ihrer dritten Rostocker Produktion nimmt sie sich eines Märchenstoffs an und unterlegt die zauberhaft schöne Musik dieser Belcanto-Oper mit einer feinsinnig überarbeiteten Handlungslinie. In den Obertiteln werden lediglich einige kommentierende Zeilen eingeblendet. Das stört nicht, gedanklich spinnt man sogar die Sätze, vom Bühnengeschehen befeuert, zum vollständigen Märchen.

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

Im Hause des verarmten Don Magnifico lebt Angelina, genannt Cenerentola. Gedemütigt, vom Vater verleugnet und misshandelt, zur Hausarbeit verdammt und geplagt mit zwei eitlen Stiefschwestern, die sich geradezu manisch nach Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung sehnen. Als einzigen Freund stellt ihr die Regisseurin anstelle der fleißigen Täubchen eine Maus zur Seite. Die ist zwar nicht ganz so fleißig, aber voller Hingabe, Witz und natürlich höchst loyal.

Auf der Suche nach der rechten Frau für seinen Prinzen findet Alidoro in Cenerentola das gutherzige, aber schüchterne Mädchen, das ihm passend erscheint und beginnt, sie auf ihrem Weg mit allerlei Zauberei zu unterstützen. So lässt er drei Kürbisse mit fantastischem Inhalt erscheinen, führt ihr den Prinzen zur Erlösung zu, hält die zanksüchtigen Stiefschwestern so gut es geht im Zaume und ist auch sonst immer rechtzeitig zur Stelle, wenn die Handlungsträger drohen, sich in die falsche Richtung zu bewegen. Dass dabei Don Ramiro seinen Dandini auffordert, bei der Prinzen-Darstellung zu übertreiben, macht diesen zwar besonders plakativ, zeigt aber auch, wie sein Umfeld den Regenten sieht: als Spieler, selbstverliebt und eitel. Und so verwundert es nicht, dass die zur selbstbestimmten Frau gereifte Magd am Ende denn doch eine unerwartete Entscheidung trifft.

Volkstheater Rostock / La Cenerentola_ Tisbe und Clorinda mit ihren zahlreichen Verehrern © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola_ Tisbe und Clorinda mit ihren zahlreichen Verehrern © Thomas Häntzschel

Die Inszenierung sprudelt regelrecht über vor kleinen und großen Ideen, Slapstick, literarischen und cineastischen Zitaten von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ über „Feivel“, „Die Schöne und das Biest“ bis hin zu „Der Bachelor“. Nicht lose aneinandergefügt oder platt, sondern verwoben zu einem eigenen, konsistenten Opernmärchen-Universum, das einen von der ersten bis zur letzten Note im Bann und die Darsteller in permanenter Bewegung hält. Weidinger hat nicht zu viel versprochen.

Der Bühnenhalbkreis von Antonia Mautner Markhof mit dem abgeblätterten Charme früheren Reichtums überrascht immer wieder mit Türen, Öffnungen und Mauseloch und verbessert die Akustik des Hauses deutlich. Er steht sowohl für Magnificos Herrenhaus als auch des Prinzen Schloss – offensichtlich ist es um dessen Reichtum nicht so gut bestellt. Auch der in die Jahre gekommene Intarsienfußboden, der an Tanzsäle in Disney-Märchen erinnert, birgt einige Überraschungen. Die liebevollen Kostüme von ländlich schlicht bis aufwendig verspielt, verwegen bis dandyhaft charakterisieren die Protagonisten, ohne sie unangenehm zu überzeichnen – ein Märchen eben!

Volkstheater Rostock / La Cenerentola findet ihren Prinzen © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola findet ihren Prinzen © Thomas Häntzschel

Manfred Hermann Lehner dirigiert die Norddeutsche Philharmonie sicher und mit Schwung durch die anspruchsvolle Partitur und lässt den Sängern genügend Platz, sich zu entfalten. Lediglich ein Holzbläser setzt die Stimmungsschwankungen auf der Bühne auch im Orchester eigenwillig um. Gesanglich bietet das Volkstheater eine sehr ausgeglichene Leistung mit eigenem Ensemble und Gästen, aus denen sich besonders der stählerne Bass-Bariton des Alidoro als ruhender Pol hervorhebt. Der Don Ramiro des Tschechen Václav Cikánek (für den erkrankten Theodore Browne) besticht durch Sicherheit in den anspruchsvollen Höhen, lässt ansonsten allerdings etwas Kraft vermissen. Von überzeugender Leichtigkeit und darstellerischer Vielfalt geprägt führt Eloïse Cénac-Morthé die Angelina liebevoll durch die Handlung. Die stumme Rolle des Marco Geisler als Maus avanciert binnen Sekunden mit perfekter Pantomime zum unbestrittenen Publikumsliebling, während Tisbe und Clorinda in wunderbarer Expressivität ihre immer neuen Gemeinheiten ausleben dürfen und darin ebenso viel Spielfreude versprühen wie Grzegorz Sobczak als Dandini.

Standing Ovations am Ende, ein wohlverdienter, lang anhaltender Applaus, der mit dem Auftritt des Regie-Teams nochmals anschwillt und hoffentlich im Königreich nachhallt.

La Cenerentola am Volkstheater Rostock;  weitere Termine 14.10.2017, 10.11.2017, 25.11.2017, 14.12.2017, 27.12.2017, 6.1.2018, 14.1.2018, 2.2.2018

Silberlinge, viele, für das Volkstheater Rostock ?

Apropos Königreich: anders „märchenhaft“ geht es einmal mehr in der Rostocker Kulturpolitik zu. Der Theaterneubau ist schon lange beschlossen und nun ward auch ein Ort für die Errichtung des Kulturtempels gefunden. Beim Blick ins Stadtsäckerl strahlten mögliche 25 Millionen Silberlinge aus der Zukunft, denn die Stadt wird bald nicht nur schuldenfrei sein, sondern ordentliche Überschüsse erwirtschaften. Weitere 25 Millionen sollen aus dem Lande hinzufließen.

Volkstheater Rostock / La Cenerentola - Marco Geisler als Maus und Aschenputtel Eloise Cénac-Morthé © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola – Marco Geisler als Maus und Aschenputtel Eloise Cénac-Morthé © Thomas Häntzschel

Da kam ein Baumeister des Wegs – offensichtlich nicht in Diensten des Königs – und plante und rechnete und kam zu dem Ergebnis, dass das Wunschschlösschen doppelt so viel kostet, als wie Silberlinge in der Kasse gezählt wurden. „Das ist aber gemein!“, dachte sich der König, der das alles sowieso nicht wollte, „aber wenn wir nun ganz woanders bauten, dann könnten wir noch einmal rechnen?“ und bringt ein Gebiet jenseits des großen Flusses, da, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, ins Gespräch. Das wären zwar nicht gleich „Sieben auf einen Streich“, aber doch so … drei oder vier? Ein Theater – womöglich sogar ein kritisches, passte nämlich so gar nicht in sein Konzept einer idyllischen maritimen Linie an seinem Hafen. Und er müsste auch keinen Aufstand der fahrenden Gesellen befürchten, denen er dafür den Rummelplatz wegnähme. Und toll sieht es auch aus. So aus der Ferne. Vielleicht kannte er das vom Königreich im Norden? Dort gab es einen großen, guten Zauberer, der der Königsstadt ein Theater schenkte und auf die andere Flussseite stellte.

Mürrisch mochte der alternde König womöglich sein, weil sich seine Regentschaft dem Ende neigt und er noch immer keine Halle zu seinem Gedächtnis erschaffen hatte. Und wohl auch, weil ihm sein Volk per Abstimmung bei der Verlegung eines Schiffes in seinen Stadthafen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Und dass die Kapelle seines Schrumpftheaters so hartnäckig auf die Einhaltung früherer Versprechen pocht, das nervt ihn auch.

Volkstheater Rostock / La Cenerentola - Aschenputtel - Ensemble © Thomas Häntzschel

Volkstheater Rostock / La Cenerentola – Aschenputtel – Ensemble © Thomas Häntzschel

Plötzlich trat ein junger Ratsherr mit der Idee aus dem Schatten seiner Bedeutungslosigkeit und meinte, man könne ja einmal prüfen, ob nicht das alte Gemäuer neu angestrichen werden könne oder alternativ vielleicht eine abseitige Werfthalle ein dauerhafter Ersatz wäre. Eine böse Fee hatte ihm scheinbar einen Vergessenstrank gereicht, denn seit über fünf Jahren schrieb er sich auf die Standarte, der Neubau solle doch bis zum 800-jährigen Jubiläum des Königreiches fertig gestellt sein. Diese tolle Idee seines Ratsherren freut bestimmt den König, denn er weiß, dass die Farbe nicht reicht. Und die Halle kann er selbst nicht ungestraft ins Spiel bringen, profitierten doch seine Herzöge am meisten davon. Jetzt müsste eigentlich Alidoro auftreten, der die Guten unterstützt und die Bösen im Zaume hält. Aber das Märchen ist ja auch noch nicht zu Ende.

Und der augenscheinliche Unterschied beider Märchen? Anja Nicklich hat eine schöne Vision, setzt sie konsequent um – und alle haben Freudentränen in den Augen.

—| IOCO Kritik Volkstheater Rostock |—

 

Rostock, Volkstheater Rostock, La Cenerentola: Gespräch mit Regisseurin Nicklich, IOCO Aktuell, 23.09.2017

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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

La Cenerentola – Regisseurin Anja Nicklich im Gespräch

Von Thomas Kunzmann

Regisseurin Anja Nicklich, deren Zar und Zimmermann in der vergangenen Spielzeit Kritik wie Zuschauer überzeugte und Publikumsmagnet wurde, kehrt für Aschenputtel / La Cenerentola an das Volkstheater Rostock zurück. IOCO Korrespondent Thomas Kunzmann befragte Anja Nicklich über ihre ab 29.9.2017 am Volkstheater Rostock gespielte Produktion Aschenputtel / La Cenerentola:

TK:  Du arbeitest für große Opernhäuser: Dortmund, Stuttgart, Dresden – und nun zum dritten Mal im vergleichsweise kleinen Rostock, was ist für dich das Besondere an der Arbeit in der Hansestadt?

AN: Ich liebe die Menschen hier in Rostock. Und am Theater gibt es so viele tolle engagierte und hoch motivierte Leute. Die Arbeit macht nicht nur Spaß, sondern gemeinsam erfinden und schaffen wir so schöne neue Dinge. Es ist mir wirklich eine Ehre, hier sein zu dürfen.

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock / Anja Nicklich mit Team bei Regiearbeiten zu Aschenputtel © Volkstheater Rostock

TK: Du bist bekannt dafür, mit einem ausgeklügelten, sehr detailliertem Konzept schon zur ersten Besprechung aufzutreten, bist du Perfektionistin?

AN: Lacht. Ich war Perfektionistin. Bis ich festgestellt habe, dass ich niemals perfekt in meiner Arbeit sein werde und Perfektionismus krank macht. Weil man als Perfektionist nie zufrieden ist. Im Theater geht immer nach 6 Wochen der Lappen hoch. Egal, wie weit man ist. Und dieser Zeitdruck hat mich dazu erzogen, im Team den anderen zu vertrauen, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen, unabhängig davon, wie perfekt Du das Stück in Deinem Hirn vorbereitet hast. Allerdings bin ich tatsächlich extrem gut vorbereitet. Aber man braucht ja immer einen Rahmen, um davon abweichen zu können. Lacht.

TK: In Rostock hat Opern-Kultur einen schwierigen Stand, sowohl bei der finanziellen Ausstattung als auch was die technischen Möglichkeiten im Volkstheater betrifft. Wie sehr schränkt dich und deine Ausstatterin Antonia Mautner Markhof das ein?

AN: Geldmangel macht kreativ. Lacht. Im Ernst, das Theater hat fantastische Werkstätten. Was diese aus den unmöglich erscheinendsten Ideen zaubern können, ist phänomenal!

Volkstheater Rostock / Aschenputtel © Frank Hormann

Volkstheater Rostock / Aschenputtel © Frank Hormann

TK: Wie näherst du dich einer Oper wie La Cenerentola an ?

AN: Als erstes lese und höre ich das Stück. Mehrmals. Und in meinem Kopf öffnet sich ein Bilderbuch, ganz viele bunte Filme laufen dabei in meinem Kopf ab. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die dramaturgische Auseinandersetzung mit der Ausstatterin, Sekundärliteratur, Recherche und dem Stoff an sich. Dann ist mein Kopf so voll, dass es erst einmal schwarz wird und ich bzw. wir uns wie in einem Hamsterrad um uns selber drehen. Bis der Vulkan explodiert. Bei mir meist im Schlaf. Und dann ist sie da die Idee. Einfach so. Und ab dann überprüfen meine Ausstatterin und ich die Idee an jeder Szene/Musik und sie baut dazu das Modell. Danach beginnt das Schreiben in die Noten bzw. das Regiebuch. Denn jeder Sänger muss zu jeder Sekunde wissen, warum er wo steht und was macht. Auch wenn er nicht singt. Und ich entwickle dabei anhand der musikalischen Struktur der Szenen, wer wie zusammen stehen/spielen muss und wie die Choreographie der Szene und die Choreographie des Ablaufs der Szenenreihenfolge ist. Denn während der Proben habe ich keine Zeit mehr zu überlegen, wer wann wie auftritt oder abgeht. Da geht es darum, die Sänger über meinen Rahmen hinaus zu führen. Außerdem proben wir das Stück ja auch nicht von vorn an, sondern wir springen in den Szenen umher, weil ich aufgrund von Abwesenheiten nie alle Sänger zusammen habe. Manchmal beginne ich auch bewusst mit dem Ende, um den Sängern ein Gefühl dafür zu geben, wo wir hin wollen. Um die Übersicht zu behalten, benötigt es dafür einer genauen Vorbereitung.

TK: Kannst du dich noch an deine Emotionen erinnern, als du die Musik zum ersten Mal angehört hast?

AN: Ja natürlich. Und es sind bis jetzt dieselben geblieben. Rossinis Musik löst in mir ein glückseliges Kribbeln aus und ich habe ständig das Bedürfnis, dazu zu tanzen. Ich denke, dieses Gefühl wird man auch auf der Bühne zu sehen bekommen. Lacht.

TK: Seit den späten 90ern setzen nahezu alle Theater wieder kompromisslos auf originalsprachige Aufführungen, seit den 2000ern etwa laufen zum besseren Verständnis in den Übertiteln komplette Libretti statt kurzer Inhaltsangaben. In Rostock wird nun eine Belcanto-Oper italienisch gesungen, aber die Rezitative werden deutsch vorgetragen. Deshalb auch Aschenputtel statt La Cenerentola ? Ein Kompromiss mit dem Marketing?

AN: Ich bin eigentlich auch ein Verfechter der Originalsprache bei Opern, weil ich finde, dass der Komponist seine Musik auf einen bestimmten Text (z.B. Italienisch) gesetzt hat. Da kann man nicht einfach den Text auswechseln. Das ist nicht im Sinne der Musik und des Komponisten. Tatsächlich funktionieren aber unsere deutschen Rezitative viel besser, als ich erwartet habe. Es wird sehr witzig und originell werden und ist viel dichter am Publikum dran. Auch haben wir überlegt, die Übertitel zu reduzieren und uns entschieden, sie als eine kurze Erläuterung der Szenen in „Märchenform“ darzustellen. Ich finde, dass das ziemlich gut funktioniert.

TK: Mit „Falstaff“ hast du dein Debüt in Rostock gefeiert. Unglaublich dicht am Libretto und doch überraschend in der Umsetzung. Zar und Zimmermann konnte man gut als Seitenhieb auf die Rostocker Kultur-Politik verstehen – was erwartet den Zuschauer bei La Cenerentola ?

AN: Cenerentola wird eine Geschichte über die Liebe. Aber es wird vor allem eine Geschichte über ein Mädchen, das sich aufgrund ihres starken Willens und den Glauben an sich selbst zu einer Frau entwickelt, die lernt, selber über ihr Leben zu entscheiden. Nicht, ohne dabei den Umweg über das Märchen zu nehmen. Cenerentola muss sich erst den Traumprinzen herbei träumen, um dann festzustellen, dass sie sich selber lieben muss, bevor sie andere lieben kann. Unser Schluss gefällt mir dabei am meisten, aber den möchte ich noch nicht verraten. Lacht.

TK: Gibt es Opern, bei denen Du nur darauf wartest, dass dir die Regie angetragen wird, weil Du schon Ideen im Hinterkopf hast?

AN: Oh ja. Einige. Meine Lieblingsoper ist Wozzeck von Berg und ich liebe die Opern von Britten, Albert Herring zum Beispiel. Ich bin dazu absoluter Rossini-Fan und totaler Verehrer der Mozart-Opern. Bisher konnte und durfte ich mich in Rostock mit Falstaff, Zar und Zimmermann und jetzt Cenerentola im komischen Fach beweisen, aber auch liebe ich das dramatische Fach sehr.

TK: Ab 29.09. werden wir die Oper erleben dürfen. IOCO sagt schon heute TOI TOI TOI! Wie entspannst du am liebsten nach der Premiere?

Anja Nicklich:   Tanzen. Bis der Schuh drückt! – Lacht

—| IOCO Aktuell Volkstheater Rostock |—

Rostock, Volkstheater Rostock, Zar und Zimmermann von Albert Lortzing, IOCO Kritik, 26.1.2017

Januar 27, 2017 by  
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Volkstheater Rostock / Zar und Zimmermann - Bürgermeister van Bett © Dorit Gätjen

Volkstheater Rostock / Zar und Zimmermann – Bürgermeister van Bett © Dorit Gätjen

Zar und Zimmermann von Albert Lortzing in Rostock

Ein Wimmelbild für Erwachsene

Von Thomas Kunzmann

So schlicht, ja geradezu bieder kennt man die Oper: Ein Zar als einfacher Zimmermann, angetreten, das Handwerk und die Kultur kennenzulernen und anschließend sein Land zu reformieren. Fröhliche Werftarbeiter und eine zarte Liebesgeschichte. Jede Menge Verwechslungen und vor allem ein aufgeblasener Bürgermeister: wo also, wenn nicht hier in der stolzen Hansestadt Rostock mit langer Schiffbautradition, kann – nein, MUSS – man Lortzings Werk inszenieren?

Volkstheater Rostock / Zar und Zimmermann - Ensemble © Dorit Gätjen

Volkstheater Rostock / Zar und Zimmermann – Ensemble © Dorit Gätjen

Neben dem selbstherrlichen, jedoch völlig ahnungslosen Stadtoberhaupt van Bett, ein Klotz von Trump’scher Eleganz, wird besonders der Zar völlig neu vermessen. Die Regisseurin Anja Nicklich nimmt ihm den Nimbus des oberflächlich Fortschrittlichen. Zurück bleibt eine gespaltene Persönlichkeit, pendelnd zwischen Embryonalstellung und Machtanspruch. Erzogen zu regieren, erarbeitet er sich auch auf der Werft seine Führungsstellung. Durch die selbst erfahrene Gewalt in der eigenen Geschichte sucht er zwar den Schritt in die moderne europäische Gesellschaft, der Weg dahin führt jedoch über Leichen. „Verräterblut soll färben das blanke Henkerbeil, damit sie sühnend sterben, dem Vaterland zum Heil!“

Wie per Zeitstrahl, der die Oper kreuzt, sind Stationen seines Lebens vor und nach der Handlung eingebunden, von der Soldatenkindheit bis zur Bartsteuer und Strelizenvernichtung. Wie banal muss ihm wohl das fragile Liebesglück zwischen Ivanow und Marie dabei vorkommen? Oder beneidet er womöglich den anderen Peter um dessen kleine Sorgen, als Deserteur entdeckt zu werden, alternierend mit seiner Eifersucht? Letztere dargestellt als herrlichstes Kopfkino, wie sich Marie von allen drei Gesandten umgarnen lässt. Die Ablenkung ist ihm allemal willkommen, so kann der echte Peter unbeobachtet mit dem Franzosen paktieren.

Anja Nicklich geht in Rostocks einziger Operninszenierung der Saison detailliert auf alle Figuren ein, lotet ihre Beziehungen zueinander aus und fügt sie in positivem Sinne zu einem Wimmelbild für Erwachsene. Schaut man hier, verpasst man dort. Und so ist es nur fair, dass sie im Vorspiel der Norddeutschen Philharmonie alle Aufmerksamkeit lässt, die ihr gebührt – bei geschlossenem Vorhang.

Volkstheater Rostock / Zar und Zimmermann - Ensemble © Dorit Gätjen

Volkstheater Rostock / Zar und Zimmermann – Ensemble © Dorit Gätjen

StadtWerftTheater werden von der Ausstatterin Antonia Mautner Markhof so einfach wie wirkungsvoll auf das Innere eines Schiffsrumpfs reduziert, in dem sich der Bürgermeister nach vielen Jahren wieder einmal sehen lässt. Weil er muss. Oliver Weidinger, in einer schrillen Wahlkampf-Inszenierung in Bremerhaven bereits rollenerprobt, gibt diesen van Bett als eine Karikatur auf großspurige Politiker, einen Mann von Welt, der natürlich ebenso die Kunst des Dichtens und Dirigierens beherrscht. Alle weiteren Sänger glänzen vortrefflich in ihren Rollendebüts. Neben dem ängstlich-weinerlichen falschen Peter besticht Gast Grzegorz Sobczak als Zar Peter, der stählern kräftig als Machthaber und sensibel weich im Selbstmitleid klingen kann, unterstützt von einer ausgefeilten Lichtregie. Katharina Kühn ist eine zwischen Werftarbeitern groß gewordene sympathisch-freche Göre par excellence, die sich in der männerdominierten Welt auch stimmlich großartig durchsetzt. Lefort in bester KGB-Manier, Chateauneuf als impulsiver Charmeur und Syndham im Kilt, welcher manch Geheimnis birgt, setzen sowohl schauspielerisch als auch gesanglich immer neue Akzente. Die Tanzcompagnie verstärkt wieder Chor und Solisten: als akrobatische Handwerker, Hochzeitsgesellschaft und natürlich als Holzschuhtänzer. Der wegen des permanenten finanziellen Drucks auf das Volkstheater bereits auf ein Minimum ausgehöhlte Chor musste einmal mehr mit Gästen aufgestockt werden, die sich jedoch perfekt einfügten. Eine zusätzliche Herausforderung, denn bei geringfügigen krankheitsbedingten Ausfällen wäre ansonsten dieser ausgewogene Klang nicht mehr erreichbar gewesen. Und da wundert sich am Ende der zurückgelassene Bürgermeister, dass der Zar nebst allen Akteuren mit dem neu erbauten Schiff zu fernen Ufern aufbricht.

Acht Vorstellungen sind in dieser Saison geplant. Eine ausverkaufte Zar und Zimmermann Premiere, wie der ersten und zweiten Vorstellung zeugen vom ungebrochenen Interesse der Stadt am Genre. Das lässt auf den überfälligen Theaterneubau hoffen. Dieser erneute Erfolg nach Falstaff ist zumindest ein weiteres Argument dafür.  Von Thomas Kunzmann

Volkstheater Rostock: Zar und Zimmermann, weitere Vorstellungen 4.3.2017, 12.3.2017

—| IOCO Kritik Volkstheater Rostock |—

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