Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Annie get your Gun! – Irving Berlin, 28.10.2018

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Eduard von Winterstein Theater

Eduard-von-Winterstein-Theater / Annie get your Gun © Dirk Rückschloß/BUR-Werbung

Eduard-von-Winterstein-Theater / Annie get your Gun © Dirk Rückschloß/BUR-Werbung

Annie get your Gun! –  Irving Berlin

Am 28. Oktober, hat „Annie get your Gun!“, ein Musical von Herbert und Dorothy Fields mit der Musik von Irving Berlin, um 19 Uhr im Eduard-von-Winterstein Theater in Annaberg-Buchholz Premiere.

Buffalo Bill‘s Wild-West-Show kommt in die Stadt und wirbt für ein Wettschießen mit dem Star der Show, dem Meisterschützen Frank Butler; man kann 100 Dollar gewinnen, wenn man besser ist. Annie Oakley, die sich und ihre kleinen Geschwister allein durchbringen muss und ganz gut schießen kann, macht mit. Und sie gewinnt! Von Annies Schießkunst beeindruckt, bietet ihr Buffalo Bill einen Job an. So wird Annie Frank Butlers Assistentin, in den sie sich schon verliebt hat. Was nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Zunächst. Obwohl Franks Zuneigung zu Annie langsam aber stetig wächst, kann er ihren ebenfalls ständig größer werdenden Erfolg auf Dauer nicht ertragen; er wechselt zum Konkurrenzunternehmen.

Irving Berlins Meisterwerk wurde 1946 am Broadway uraufgeführt und erlebte dort 1.147 Vorstellungen. Die Uraufführung wurde live im Radio übertragen, so dass Titel wie „Man sagt, verliebt sein, das wäre wundervoll“, das Duett „Alles, was du kannst, das kann ich viel besser“ und „There’s no Business Like Show Business“ sofort in der Welt waren und mit für den Erfolg des Stücks gesorgt haben.

In der Rolle der Annie Oakley ist Madelaine Vogt zu sehen; Frank Butler spielt Jason-Nandor Tomory. Als Buffalo Bill steht László Varga auf der Bühne, sowie Jason Lee als Pawnee Bill, Buffalo Bills Konkurrent. Den Indianerhäuptling Sitting Bull gibt Leander de Marel. In weiteren Rollen sind unter anderen Bettina Corthy-Hildebrandt und Michael Junge zu erleben. Regie führt Ansgar Weigner, die musikalische Leitung hat Dieter Klug. Das Bühnenbild entwarf Robert Schrag, die Kostüme Erika Lust. Choreographie: Gesine Sand. Weitere Mitwirkende sind unter anderen der Chor sowie der Extrachor des Eduard-von-Winterstein-Theaters unter der Leitung von Jens Olaf Buhrow sowie das Extraballett. Es spielt die Erzgebirgische Philharmonie Aue.

Weitere Vorstellungen:
Mi 7.11.2018, 19.30 Uhr| Fr 16.11.2018, 19.30 Uhr | Sa 1.12.2018, 19.30 Uhr
So 2.12.2018, 19 Uhr | Sa 15.12.2018, 19.30 Uhr | Di 25.12.2018, 19 Uhr
So 30.12.2018, 19 Uhr | So 3.2.2019, 15 Uhr | Fr 29.3.2019,

—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—

Krefeld, Theater Krefeld, Otello darf nicht platzen – Brad Carroll, IOCO Kritik, 17.03.2018

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Krefeld © Matthias Stutte

Theater Krefeld © Matthias Stutte

 Otello darf nicht platzen Brad Carroll

 Tito Merrelli – Opernstar: “Er ist Italiener, die küssen alles“

Von Viktor Jarosch

Otello darf nicht platzen, eine Boulevardkomödie, traf 1986 den Nerv der Zeit. Der Starkult um große Sänger hatte den Gipfel erklommen. Luciano Pavarotti an ihrer Spitze, wurden Göttern gleich verehrt. Am 7.7.1990, zur Fußball-Weltmeisterschaft in Italien, verfolgten eine Milliarde Menschen vor ihren Fernsehern den Auftritt von Luciano Pavarotti, Placido Domingo und José Carreras in den römischen Caracalla Thermen. Otello darf nicht platzen spielt humorig prall mit den Absurditäten dieses Opernlebens, zeigt versteckt die Nöte der  Menschen. Otello … wurde von 1990 bis 2009 allein in Wien über 470 Mal gespielt; Otto Schenk liebte das Stück. Geradezu zwangsläufig entstand so 2010 das Musical Lend Me A Tenor, Musik Brad Carroll, Text von Peter Sham, welches die schräge Texte der Komödie mit skurrilen wie schönen Gesängen verfüllt.

Otello darf nicht platzen – Musical von Peter Sham und Brad Carroll
Youtube Trailer  des  Theater Krefeld Mönchengladbach

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Der im Musical vergötterte Startenor, Tito Merelli (Andrea Matthias Pagani) hatte im Theater Krefeld bereits vor der Vorstellung ein Herz für die Besucher; schon im Foyer des Theaters begrüßte er die Besucher persönlich, verteilte Autogramme, war gesuchtes Fotoobjekt: Mit gebräunter Teint, hellen Smoking und elegantem Hut ließ schon dort alle Frauenherzen höher schlagen. Regisseur Ansgar Weigner, Musical-Profi, schuf am Theater Krefeld ein gelächterreiches wie rasantes Boulevardstück, welches über zwei Stunden sämtliche Klischees, Vorurteile wie Weisheiten zu Menschen im Theater mit sattem Slapstick und hinreißender Choreographie bedient und ein glucksendes, prustendes Publikum in den restlichen Abend entließ.

Die Niederrheinischen Sinfoniker begrüßen unter Andreas Fellner die Besucher mit flottem Swing. Das Musical spiegelt Cleveland in den 1930er Jahren: George Gershwin, Cole Porter klingen durch, Klassik weniger. Die Handlung: Die Oper Otello von Giuseppe Verdi soll am Opernhaus Cleveland gegeben werden. So das erste Bild: Ein klassisch dunkel gekleideter Otello-Chor sammelt sich auf der Bühne (Foto oben) und probt, von dunklen Wolken-Projektion überhöht, den Otello- Sturmchor: „Seht Das Segel! Die Galeere!… Freut Euch Alle….“. In Erwartung des großartigen italienischen Startenors Tito Merelli (Andrea Matthias Pagani).Welcome Il Stupendo“ heißen große Letter im Bühnenhintergrund den Star willkommen. Operndirektor Henry Saunders (Arkus Heinrich) organisiert dessen Empfang:  Die Damen des Chores mögen vorne stehen, : “Er ist Italiener, die küssen alles“.

Theater Krefeld / Otello darf nicht platzen - hier Operndirector Saunders und seine drei ex-Frauen: Erste Anna, Zweite Anna und Dritte Anna © Matthias Stutte

Theater Krefeld / Otello darf nicht platzen – hier Operndirector Saunders und seine drei ex-Frauen: Erste Anna, Zweite Anna und Dritte Anna © Matthias Stutte

Der von Pleitesorgen um sein Opernhaus geplagte Henry Saunders klagt: „Der Star des Abends ist nicht da“ und weist seinen um die OtelloPartie buhlenden Assistenten Max (Lukas Witzel) abfällig zurück: „Die Partie braucht keinen beschnittenen Mann!“. Derweil tanzt seine Tochter Maggie (Elena Otten), ebenfalls Merelli-Begeisterte, mit einem großen Abbild des Startenors durch die Bühne. Saunders drei ex-Ehefrauen, Erste Anna – Johanna Werhahn, Zweite Anna – Sabine Sanz, Dritte Anna – Debra Hays (deren Frage: „Wie sehen wir aus?“ Saunders: „Wie drei aufgeplatzte Sofakissen!“) sich primär um die Genießbarkeit der Krabben zum folgenden Galaempfang sorgen.

Theater Krefeld / Otello darf nicht platzen - hier Max und Startenor Tito Merelli © Stutte

Theater Krefeld / Otello darf nicht platzen – hier Max und Startenor Tito Merelli © Stutte

Als Tito Merelli schließlich eintrifft („Ich bin immer auf Reisen, bin ein Star. Wochenlang schon tote Hose…“) ist er von seiner hoch-eifersüchtigen Gattin Maria (Susanne Seefing) genervt. Es geht es ihm nicht gut, ihm ist übel: Er hatte zu viel gegessen, möchte seine Schlafpillen. Es folgt ein wilder Komödien-Potpourri schräger Irrungen und Wirrungen aller miteiander konkurrierenden Merelli – Verehrerinnen. Humorig gewagte deutsch-italienische Dialoge treiben dabei die gute Laune des Publikums. Bis sich Max um den vermeintlichen Übervater Tito Merelli kümmert, der, von ein wenig Chianti ermuntert, unvermittelt zum mitfühlenden Partner von Max wird. Mit intensiven Gesangs- und Atemübungen fordert er Max auf: „Sei Max, der Panther! ….

Theater Krefeld / Otello darf nicht platzen hier - Sturmchor Otello mit Ensemble © Matthias Stutte

Theater Krefeld / Otello darf nicht platzen hier – Sturmchor Otello mit Ensemble © Matthias Stutte


Singe, Du kannst es
Max!“  Sonderbeifall des Publikums.

Doch dann sinkt Merelli in einen totenähnlichen Schlaf. Max: Er ist tot“. Saunders: „Das ist kein Grund, sich zu verspäten…. Dieser italienische Bastard!“. Doch, Merelli ist nicht zu wecken. So schickt Saunders seinen Assistent Max als Otello auf die Bühne; dazu die Operndiva Diana Divane (Gabriele Kuhn) ihre Desdemona Partie übt: „Ich muss ihn dazu bringen, mich von links zu erwürgen, da sehe ich besser aus…!“ Es folgt ein aberwitziges choreographisches Feuerwerk (Andrea Danae Kingston), in dem  Max, Saunders und Merelli, alle in Otello-Masken, Sekunden- wie Schrittgenau mit spritzigen Dialoge sich durch Türen und Räume schlagen. Derweil Diana Divane, mit Vissi d´arte aus Tosca beginnend, mit strahlend klarem Sopran einen herrlichen Reigen anspruchsvoller Arien aus großen Opern vorträgt.

Theater Krefeld / Otello daqrf nicht platzen - hier Tito Merelli, Maria Merelli seine Gattin und Max Garber, der Assistent © Matthias Stutte

Theater Krefeld / Otello daqrf nicht platzen – hier Tito Merelli, Maria Merelli seine Gattin und Max Garber, der Assistent © Matthias Stutte

Alles Geschehen endet letztlich wunderbar im Theater Krefeld: Otello ist nicht geplatzt, der heimliche Hauptakteur Max mutiert von Looser zum selbstbewussten Opernsänger, Merelli ist glücklich mit seiner Gattin Maria wiedervereint, Operndirektor Saunders wurde vor einer Pleite gerettet, das Publikum feierte die gelungene Premiere von Otello darf nicht platzen mit tosendem Beifall und wurde zum Premierenempfang gebeten.

Otello darf nicht platzen am Theater Krefeld; weitere Vorstellungen am 24.3.; 8.4.; 19.4.; 8.5.; 25.5.; 29.6.2018

—| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Krefeld, Theater Krefeld – Mönchengladbach, Premiere Otello darf nicht platzen, 10.03.2018

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Krefeld © IOCO

Theater Krefeld © IOCO

Musical-Komödie  Otello darf nicht platzen

 Musical von Peter Sham und Brad Carroll – nach der Komödie von Ken Ludwig

Nach dem großen Erfolg von Monty Python’s SPAMALOT erwartet Sie am Samstag, 10. März im Theater Krefeld eine neue Musicalpremiere: Otello darf nicht platzen (Lend me a Tenor). Bei diesem Broadway-Klassiker spielen die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Andreas Fellner. IOCO wird dabei sein!

Schwungvolle Musik Die Inszenierung von Ansgar Weigner, der zuletzt die Operette Frau Luna zu einem Publikumsmagneten gemacht hat, verspricht erneut kurzweilige Unterhaltung mit temporeichen Dialogen und schwungvoller Musik.

Der tägliche Wahnsinn an einem Opernhaus:   Der weltberühmte Opernstar Tito Merelli hat ein Gastspiel als Titelheld in Giuseppe Verdis Otello zugesagt. Max, Regieassistent des Theaters und leidenschaftlicher Amateursänger, wartet seit Stunden in der Hotelsuite auf den verspäteten Tenor. Endlich erscheint Merelli – mit seiner impulsiven Frau Maria im Schlepptau. Weil er zu viel gegessen und getrunken hat, fühlt sich der Heldentenor allerdings unwohl und verweigert die Generalprobe.

Tiefschlaf – oder tot? Als er dann auch noch den Abschiedsbrief seiner eifersüchtigen Frau entdeckt, will er sich mit Beruhigungsmitteln das Leben nehmen. Er versinkt in einen Tiefschlaf, der ihn wie tot wirken lässt. Der Operndirektor rast, Otello droht zu platzen und Max wittert seine große Chance …


Inhalt:  Der weltberühmte Opernstar Tito Merelli hat ein Gastspiel als Titelheld in Giuseppe Verdis Otello an der Cleveland Grand Opera zugesagt. Max, Regieassistent des Theaters und leidenschaftlicher Amateursänger, wartet seit Stunden in der Hotelsuite auf den verspäteten Tenor. Der Operndirektor befürchtet das Schlimmste. Endlich erscheint Merelli – mit seiner Frau Maria im Schlepptau.
Weil er zu viel gegessen und getrunken hat, fühlt er sich allerdings unwohl und verweigert die Generalprobe. Max’ Freundin Maggie bringt die zur Eifersucht neigende Tenorgattin so in Rage, dass diese ihren Mann verlässt. Als der Opernstar den Abschiedsbrief seiner Frau entdeckt, will er sich mit Beruhigungsmitteln das Leben nehmen. Er versinkt in einen Tiefschlaf, der ihn wie tot wirken lässt.
Der Operndirektor rast, die Vorstellung droht zu platzen und Max wittert seine große Chance: Schon lange träumt er von einer Karriere als Sänger und bietet sich  als Otello an. Zunächst scheint alles nach Plan zu verlaufen, bis der scheintote Tenor plötzlich unverhofft aus seinem Tiefschlaf erwacht …

Ken Ludwigs Boulevard-Komödie Otello darf nicht platzen wurde 1986 am Broadway uraufgeführt und zählt bis heute zu den beliebtesten Dauerbrennern des Genres. 2006 wurde die Farce über den täglichen Wahnsinn an einem Opernhaus in den USA erstmals auch als Musical aufgeführt. Die Inszenierung von Ansgar Weigner, der am Gemeinschaftstheater zuletzt Paul Linckes Operettenklassiker Frau Luna zu einem Publikumsmagneten gemacht hat, verspricht erneut kurzweilige Unterhaltung mit temporeichen Dialogen und schwungvoller Musik.

In Kooperation mit dem Stadttheater Bremerhaven. Erstaufführung am Theater Krefeld und Mönchengladbach.


Besetzung für die Vorstellung am 10.03.2018:
Musikalische Leitung – Andreas Fellner, Henry Saunders – Markus Heinrich, Max Garber – Lukas Witzel, Maggie Saunders – Elena Otten, Tito Merelli – Andrea Matthias Pagani, Maria Merelli – Susanne Seefing, Diana Divane – Gabriela Kuhn, Bernie Guter – James Park, Erste Anna – Johanna Werhahn, Zweite Anna – Sabine Sanz
Dritte Anna – Debra Hays, Polizist Mickey – Manfred Feldmann, Polizist Joe – Frank Rammelmüller, Harry, Liftboy – Gereon Grundmann;


—| Pressemeldung Theater Krefeld Mönchengladbach |—

 

Münster, Theater Münster, Orchesterprobe von Giorgio Battistelli, IOCO Kritik, 27.05.2017

Mai 26, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Operette, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Die Rebellion gebiert den Diktator

„Orchesterprobe“ von Giorgio Battistelli 

Zeitkritik voll musikalischen Raffinements

Von Hanns Butterhof

Aus dem Orchestergraben klingt es chaotisch. Einzelne Instrumente werden scheints noch gestimmt, eine Chorpartie wird von Läufen auf einer Trompete zerrissen. Was in der Regel vor einer Opernaufführung geschieht, ist im Großen Haus des Theaters Münster schon der Beginn von Giorgio Battistellis Oper „Orchesterprobe“ und das erste Zeichen ihres Raffinements: Sie unterläuft avantgardistisch jeden Widerstand gegen avantgardistische Musik, indem sie unmittelbar verständlich bleibt.

Theater Münster / Orchesterprobe - Das Orchester rebelliert - Ensemble © Oliver Berg

Theater Münster / Orchesterprobe – Das Orchester rebelliert – Ensemble © Oliver Berg

Die selbstreflexive Auseinandersetzung mit der Avantgarde ist eine wesentliche Ebene des vielschichtigen Werks nach dem gleichnamigen Film Federico Fellinis. Es zeigt ein Orchester in seinem Proben-Alltag, in dem jeder respektlos gegenüber allen anderen ist; gemeinsam ist allen nur ihr jeweiliges Eigeninteresse und der Widerstand gegen die Autorität des Dirigenten.

Mit intimer Kennerschaft und nicht ohne Bosheit werden die persönlichen Eitelkeiten und Animositäten entfaltet. Der Konzertmeister (Boris Leisenheimer) wirft der Zweiten Violine (Henrike Jacob) Trunksucht vor, und sie beschimpft ihn als Päderasten, wohl weil er ein Verhältnis mit der zarten Harfe (Eva Bauchmüller) hat.

Bei Interviews, die ein bei der Probe anwesendes Fernseh-Team macht, zeigt sich, dass die Orchester-Musiker alles nur gegen Bezahlung zu tun bereit sind; das Verhältnis zu ihrer Arbeit ist gewerkschaftlich bis ins Kleinste und teilweise Absurde geregelt, sie selber sind zu Instrumenten – Zweite Geige, Trompete, Pauke etc. – versachlicht. Doch vor allem sind sie ihrer Arbeit noch tiefer, nämlich musikalisch entfremdet. Die Klarinette (Christian-Kai Sander) bezeichnet die Musik, die sie spielen müssen, als „sinnlos“, und der Konzertmeister präzisiert, dass die avantgardistischen Komponisten sich in der Philosophie von Marx bis Adorno auskennten, aber nichts von der Technik der Instrumente wüssten.

Am arroganten Dirigenten (Filippo Bettoschi), der offenbar ein Werk der Avantgarde – faktisch Battistellis – proben lässt, entlädt sich der ganze Unmut des Orchesters. Die Trompete, ein buntes Hippie-Fossil (Suzanne McLeod), und die Pauke von der Gewerkschaft (Youn-Seong Shim) rufen zum Widerstand gegen den Pult-Diktator auf und ersetzen ihn schließlich durch ein großes Metronom. Der musikalische Ertrag ist ernüchternd. Statt der Avantgarde oder gar der Klassik erklingt banale Volksmusik, wohl auch keine Lösung.

Was der Dirigent derweil im Interview vor idyllischer Landschaft (Bühne und Kostüme: Kristopher Kempf) zum Besten gibt, ist erheblich rückwärtsgewandte Utopie. In ihr gibt es keine Musiker mit Beamtenmentalität und gewerkschaftlich gesichertem Broterwerbs-Verhältnis zu ihrer Arbeit und kein Publikum, das nichts von Musik versteht. Stattdessen schwebt ihm Musik als Kirche vor, deren Priester die Dirigenten sind, an die alle glauben.

Theater Münster / Orchesterprobe - Es herrscht wieder der Dirigent © Oliver Berg

Theater Münster / Orchesterprobe – Es herrscht wieder der Dirigent © Oliver Berg

Zu der persönlichen und musikalischen Ebene kommt als dritte die politische Ebene dazu. Das Orchester erweist sich, etwas plakativ, als Spiegel der Gesellschaft. Seine Rebellion nimmt deutlich reaktionäre Züge an. Spruchbänder fordern nicht nur harmlos „Operette für alle“, sondern greifen à là Pegida Merkel an und monieren zu viele Ausländer; das Fernsehteam wird als „Lügenpresse“ in Eimern ertränkt. Als das Bühnenbild unter Donner und Blitz schwer symbolträchtig auseinanderbricht, der Probenraum einstürzt und die arme Harfe erschlägt, ruft die verunsicherte Masse der Orchestermitglieder den Dirigenten zurück. Der schafft mit einem herrischen „Ich will den totalen Klang“ wieder Ordnung.

So endet die „Orchesterprobe“ pessimistisch. Der anfangs sympathische und gewiss auch notwendige Widerstand der Musiker gegen ihre Versachlichung zu Instrumenten und ihr Ausgeliefertsein an alle Launen selbstherrlicher Dirigenten führt erst ins selbstbezogen unsoziale Chaos, dann zum Ruf nach dem starken Mann, der sie aus der selbstverschuldeten Malaise wieder herausführen soll.

Das ist sehr aktuell, und auch das Gegeneinander unvereinbarer, aber für sich nachvollziehbarer Positionen ist stimmig. Allerdings ist die musikalische Lösung Battistellis optimistischer als die der Regie von Ansgar Weigner. Nicht nur darf die feine Harfe auch nach ihrem Tod vom Rang aus weitersingen. Die wunderbar paradoxe Leistung der „Orchesterprobe“ ist es, alle Vorurteile gegen die moderne Musik aufzurufen und gleichzeitig ergötzlich eben diese moderne Musik zu sein. Ist das Bühnengeschehen eine schrille, aber treffende Karikatur der heutigen Gesellschaft, so ist die wesentlich atonale Musik aus dem Orchestergraben ihr genauer Spiegel. So unterläuft sie avantgardistisch die Kritik an der Abstraktheit der musikalischen Avantgarde und versöhnt so mit dieser; phantastisch!

Die über weite Teile absolut erheiternde Oper ist in der Regie von Ansgar Weigner in allen Teilen gelungen. Das mit Microport verstärkte Sängerensemble ist durchweg überzeugend, und was es und der von Inna Batyuk einstudierte Chor mit den Instrumenten, die sie ja nicht professionell beherrschen, zum Gesamtklang beitragen, ist eine Leistung für sich.

Theater Münster / Orchesterprobe - Fabrizio Ventura © Hanns Butterhof

Theater Münster / Orchesterprobe – Fabrizio Ventura © Hanns Butterhof

Fabrizio Ventura am Pult des Sinfonieorchesters Münster ist ein Battistelli-Experte; schon 2014 hat er dessen „Pacha mama“ und 2016 „experimentum mundi“ mit Orchestermusik uraufgeführt. In der „Orchesterprobe“ lässt er nie den Gedanken aufkommen, seine Sänger oder Instrumentalisten würden sich gegen ihn erheben, sondern ihm und allen Beteiligten bereitet die Bändigung des musikalischen Chaos‘ auf der Bühne und im Orchestergraben hörbar Vergnügen.

Das ging auch einem großen Teil des musikverständigen Publikums so, das nach kurzen achtzig Minuten allen Beteiligten langen Beifall spendete, der für Fabrizio Ventura und das Sinfonieorchester besonders kräftig ausfiel.

Theater Münster: Orchesterprobe, weitere Termine 2, 8.,10. und 28.6.2017, jeweils 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—