CD-Rezension, Das Wunder der Heliane – Erich Wolfgang Korngold, IOCO Rezension, 10.03.2019

März 11, 2019 by  
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Das Wunder der Heliane von Erich Wolfgang Korngold © NAXOS Deutschland Musik & Video Vertriebs GmbH

Das Wunder der Heliane von Erich Wolfgang Korngold © NAXOS Deutschland Musik & Video Vertriebs GmbH

NAXOS – CD : Das Wunder der Heliane – Erich Wolfgang Korngold 

Expressionistisches Drama mit packender Wucht wiederentdeckt.

 von Michael Stange

Erich Wolfgang Korngold zählte zu den besten und bekanntesten Filmkomponisten des 20 Jahrhunderts. Seine Filmmusiken für die Errol Flynn-Filme Captain Blood, Robin Hood und Essex haben in den Kinos und im Fernsehen Millionen von Hörern erreicht. Oscar prämiiert lag ihm in den dreißiger Jahren Hollywood zu Füßen.

Der Weg dorthin war ihm als Sohn des Wiener Musikkritikers Julius Korngold nicht vorgezeichnet. Geboren 1897 entpuppte er sich aber früh als eines der größten kompositorischen Talente seiner Zeit. Mit dem Ballett Der Schneemann startete er 11-jährig seine Karriere. Die vom Kompositionslehrer Alexander von Zemlinsky orchestrierte Pantomime wurde am 4.Oktober 1910 an der Wiener Hofoper uraufgeführt. Bei der Uraufführung seiner Oper Die tote Stadt Korngold er erst 23 Jahre alt.

Diese Begabung war aber zugleich auch sein großes Handicap. Von Jugend an Erfolg und Anerkennung gewöhnt, komponierte er nicht gern für die Schublade. Der einflussreiche Musikkritiker und Vater Julius Korngold öffnete ihm die Türen der Musikwelt. Er war gewöhnt, dass seine Werke sofort aufgeführt wurden. Das Wunder der Heliane vollendete er Ende der zwanziger Jahre nach einer längeren Schaffenspause in der er Operetten bearbeitete und dirigierte.

Theater Lübeck / Das Wunder der Heliane - hier : Applausfoto- vl Aris Argiris, Cornelia Ptassek, Zurab Zurabishvili, Katerina Hebelková © Patrik Klein

Theater Freiburg / Das Wunder der Heliane – hier : Applausfoto – vl Aris Argiris, Katerina Hebelkovà, Ian Storey, Annemarie Kremer © Patrik Klein

Als Das Wunder der Heliane 1929 uraufgeführt wurde, wehte aber musikalisch schon ein anderer Wind. Zur schärfsten musikalischen Konkurrenz des Werkes gehörten die von der Handlung wesentlich handfesteren Opern Cardillac von Hindemith, Wozzeck von Berg oder Johnny spielt auf  von Krenek.

Korngold war auch ein Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahnes. In Österreich wurde nach 1933 die Heliane überhaupt nicht, die Tote Stadt nur wenige Male aufgeführt.

Gleichwohl belegen achtzig Aufführungen des Wunders der Heliane bis zum Jahr 1931, dass das Werk früh seinen Weg auf die Bühne gefunden hatte. Anders als sein Lehrer Alexander von Zemlinsky, dessen Opern bis 1980 überhaupt nicht aufgeführt wurden, war Korngold aber nie – auch infolge seiner Filmmusiken – vergessen. Er kehrte oft nach Europa zurück, konnte sich dort aber nicht wieder als „ernsthafter“ Komponist etablieren. Man respektierte ihn zwar als noch als Mitglied der Musikszene, aber ihm haftete zugleich der Makel eines musikalisch unzeitgemäßen tonalen Fossils an.

Gleichwohl wurde seine Tote Stadt vom Bayrischen Rundfunk in einer heute noch hörenswerten Aufnahme mit Maud Cunitz und dem häufig unterschätzten Karl Friedrich unter Fritz Lehmann 1952 aufgenommen und die Oper 1955 mehrfach sehr erfolgreich im Münchner Prinzregententheater aufgeführt.

Anders als die Tote Stadt hat sich die Heliane nach dem Zweiten Weltkrieg – wie Die Ägyptische Helena von Richard Strauss – infolge des kulturpolitischen Gegenwindes der Avantgarde und der interpretatorischen Herausforderungen schwer behaupten können.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Das Wunder der Heliane in London 1959 und 1968 aufgeführt. Das Jahr 1970 brachte eine szenische Produktion in Ghent und eine weitere 1988 in Bielefeld. Edo de Waart nahm sich des Werkes 1995 in Amsterdam an. Vladimir Jurowski präsentierte es mit dem London Philharmonic Orchestra 2008 in Abu Dhabi, Taipei, Hong Kong, Sejong, Wien und London. Spätestens danach war der Bann gebrochen und es begann eine Welle der Wiederentdeckungen.

Hinderungsgrund für Aufführungen sind zudem die schwer zu besetzenden Hauptpartien. Richard Wagners Äußerung bei den ersten Bayreuther Festspiele 1875 gegenüber dem Gesangspädagogen Julius Hey: „Was hilft es mir, wenn ich noch so schöne Noten schreibe und keinen Sänger finde, der sie zu singen versteht?“ gilt auch für Korngolds Heliane. Die Hauptpartien verlangen Stimmen, die nahezu unmögliches leisten müssen. Weiteres Handicap für die Oper sind Handlung und Libretto. Sie gehören zum Absurdesten, was die Opernbühne zu bieten hat.

Korngolds Mysterienspiel fußt auf der Grundlage des früh verstorbenen österreichischen Dichters Hans Kaltneker. Die Handlung spielt im Reich eines grausamen Herrschers, der seinen Untertanen Freude und Lust verbietet. Hintergründe sind seine innere Einsamkeit, seine Lieblosigkeit und dass sich ihm seine Gattin, die Königin Heliane verweigert. Ein Fremder, der im Reich Freude predigen wollte, wird dafür zum Tode verurteilt und eingesperrt. Die Königin besucht ihn und ist von ihm fasziniert. Nach seinem Ausruf: „O gebt mir Euren Leib! Gebt mir das Wunder…“, lässt sie ihr Gewand fallen und zeigt sich ihm fast unverhüllt. Es erscheint der Herrscher, der den Fremden unter der Voraussetzung begnadigen will, dass er ihn lehre, wie er die die Liebe Helianes gewinnen könne.

Theater Lübeck / Das Wunder der Heliane - hier : Applausfoto vl Aris Argiris, Cornelia Ptassek © Patrik Klein

Theater Freiburg / Das Wunder der Heliane – hier  vl Nutthaporn Thammathi, Frank van Hove, Aris Argiris, Katerina Hebelkovà, Ian Storey, Annemarie Kremer  © Patrik Klein

Als er die leicht bekleidete Königin bemerkt, gerät er außer sich und vermutet Ehebruch. Bevor es auch zu einer Verhandlung gegen Heliane kommt, begeht der Fremde Selbstmord, um nicht gegen sie aussagen zu müssen. Die Königin wird, um selbst der Todesstrafe zu entgehen, aufgefordert, den Toten durch Gottesurteil wieder auferstehen zu lassen. Sie willigt zunächst ein.  Als aber zum Gottessurteil kommt verweigert sie die Anrufung Gottes mit den Worten: „Ja! Ja! Ich hab‘ ihn geliebt! An seinem Mund hab‘ ich Süße getrunken! Begnadet und schuldig sind wir zusammen gesunken.“ Unbeschadet dessen, wird der Fremde wieder zum Leben erweckt.

Darauf tötet der Herrscher Heliane und flieht, anschließend. Eng umschlungen, gehen Heliane und der Fremde in den Himmel. Die Welt verwandelt sich und der Vorhang schließt sich über Licht und Schönheit.

Trotz der vordergründig verworrenen und sperrigen Handlung bietet das Libretto, wenn man sich näher damit beschäftigt, tiefgründige psychologische Studien der Charaktere. Daneben prunkt die Oper mit immensem musikalischem Reichtum. Korngold befand es später für seine größte Komposition. Die Klangfülle des Orchesters, die Klangfarben und die musikalischen Einfälle vereinen packende Dramatik und inwendige lyrische Melodien. Korngold zeigte hier, über welchen Reichtum orchestraler Ausdrucksmöglichkeiten und Einfälle er verfügte.


Wer sich mit dem Libretto auf die Reise zu Erich Wolfgang Korngolds Heliane macht wird eine bedeutende Neu- oder Wiederentdeckung machen. Tablet- oder PC-Nutzern sei dazu folgender externe Link empfohlen:
[ es gilt die DSGVO der Zielseite : http://operagazet.be/ ]

http://operagazet.be/wp-content/uploads/2017/10/libretto_das_wunder_der_heliane.pdf


Die Firma Naxos hat einen wichtigen Dienst zur Verbreitung des Werks gemacht. Die zweite Veröffentlichung auf CD bietet ein lyrisch entschlacktes Korngold Bild. Die Aufnahme ist dramatisch wuchtig, packend und durchleuchtet den sinnlichen Melodienfluss mit feurigem Klang. Fabrice Bollon gelingen fließende meditativen Momente und auflodernde dramatische Szenen. Dadurch erhält die Oper ein eigenständiges Klangbild und scheint nicht als Plagiat von Strauss oder Puccini. Bollon baut immense Spannungen auf und kostet die Oper sinnlich aus.

Korngolds polytonale Klangsprache vereint Lyrik und dramatische Wucht und lässt Manches der späteren Filmmusiken vorausahnen. Aris Argris als Herrscher ist ein weiterer wesentlicher Pluspunkt dieser Aufnahme. Er verfügt über einen wuchtig dramatisch ausladenden schwarzen Heldenbariton mit einem enormen Stimmumfang. Auch die höchsten Lagen erreicht er mühelos. Gestalterisch gelingen ihm die Momente des sich nach Liebe sehnenden und vor Rache brennenden Herrschers mit glühender Leidenschaft und packend bösartiger Kraft. Er ist eine Idealbesetzung für diese Partie, da er heldenbaritonales Gewicht mit Belcanto-Gesang verbindet.

Annemarie Kremer ist eine glänzende Heliane. Mit lyrischem, farbenreichem Timbre und dramatischer Attacke gestaltet sie die Titelrolle. Sie überbewältigt in den dramatischen Szenen mit Feuer und Intensität. Die Arie „Ich ging zu ihm..“ klingt berührendem inwendig. Ian Storey als Fremder bietet in großen Teilen ein überzeugendes Rollenportrait, hat aber im Finale hörbare Mühe. Katerina Hebelkovà als Botin singt die Partie mit leuchtendem Mezzosopran. Frank van Hove ist ein stimmstarker Pförtner mit lyrischem Bass. Nutthaporn Thammathi ist ein gewichtiger und imposanter Schwertrichter.

Die Tonqualität der Aufnahme ist überragend. Orchesterklang und die Balance zwischen Orchester und Stimmen sind hervorragend. Die CDs lassen Orchester, Chor und Ensemble glänzend zur Geltung kommen und bieten endlich die Gelegenheit, das in einer hervorragenden Aufnahme kennen zu lernen.

—| IOCO CD-Rezension |—

Essen, Aalto Theater, Wiederaufnahme Salome – Richard Strauss, ab 19.01.2019

Januar 3, 2019 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

Aalto-Theater-Essen © IOCO

 Salome – Richard Strauss

Wiederaufnahme am 17.1.; 27.1.; 10.3.2019

Es ist eine faszinierende und verstörende Geschichte von sinnlichem Begehren und unerbittlicher Rache: Mit Salome schuf Richard Strauss ein meisterhaftes Musikdrama, das nicht zuletzt durch seinen rauschhaften und betörenden Orchesterklang begeistert.

Salome Sketch des Aalto Theater
Youtube Trailer des Aalto Theater
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Im Aalto-Theater ist die Oper in der Inszenierung der französischen Regisseurin Mariame Clément zu Beginn des neuen Jahres 2019 wieder zu erleben: Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Tomáš Netopil stehen drei Vorstellungen am 19. und 27. Januar sowie am 10. März 2019 auf dem Spielplan. Wie schon in der Premierenserie in der vergangenen Spielzeit singt die niederländische Sopranistin Annemarie Kremer die Titelpartie. Auch Rainer Maria Röhr als Herodes, Marie-Helen Joël als Herodias, Almas Svilpa als Jochanaan, Carlos Cardoso als Narraboth und Liliana de Sousa als Page werden erneut mitwirken.

Aalto Theater Essen / Salome - Annemarie Kremer als Salome © Martin Kaufhold

Aalto Theater Essen / Salome – Annemarie Kremer als Salome © Martin Kaufhold

Richard Strauss griff für seinen 1905 an der Dresdner Hofoper uraufgeführten Einakter auf einen der skandalträchtigsten Stoffe der Jahrhundertwende zurück: Salome, die Prinzessin von Judäa und Stieftochter des Königs Herodes, begehrt den unbekannten Propheten Jochanaan, der von Herodes gefangen gehalten wird. Doch Jochanaan hat für Salome nichts als Verachtung übrig. Gedemütigt schwört Salome Rache und fasst einen Plan. Als ihr Stiefvater Herodes bei ihr die Erfüllung seiner Lust sucht, ringt sie ihm das Versprechen ab, ihr für ihren „Tanz der sieben Schleier“ jeden Wunsch zu erfüllen. Sie besteht auf den Kopf des Jochanaan …

Karten (€ 11,00 – 55,00) unter T 02 01 81 22-200 oder www.theater-essen.de.

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Linz, Landestheater Linz, Tristan und Isolde – Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.10.2018

Oktober 5, 2018 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

 TRISTAN UND ISOLDE – Richard Wagner

  Bayreuther Festspiele –  Inszenierung nun in Linz

von Marcus Haimerl

Mit einer Rekonstruktion der Bayreuther Inszenierung von Tristan und Isolde des deutschen Dramatikers Heiner Müller startete das Landestheater Linz in die neue Spielzeit.

Ursprünglich war Patrice Chéreau für die Regie des Tristan 1993 in Bayreuth vorgesehen. Nachdem Chéreau jedoch abgesagt hatte wurde sowohl auf seinen Vorschlag als auch jenen von Daniel Barenboim, dem Dirigenten dieser Tristan-Premiere, Heiner Müller engagiert. Dieses Engagement erregte großes Medieninteresse, war doch Heiner Müller als „sozialistischer Dramatiker von internationaler Wirkung“ (Theaterlexikon der DDR) und letzter Präsident der Akademie der Künste der DDR eine Leitfigur des kulturellen Lebens der deutschen demokratischen Republik.

Tristan und Isolde von Richard Wagner
Youtube Trailer  Landestheater Linz
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Abgesehen von dem von ihm verfassten Libretto Lanzelot für den Komponisten Paul Dessau verfügte Heiner Müller über keinerlei Opernerfahrung und war ein Neuling in der Opernregie. Auf Grund dieser Tatsachen sprach ihm die öffentliche Meinung die Fähigkeiten ab, ein derartiges Regieprojekt zu übernehmen.

Auf die Frage, warum denn ausgerechnet er, ein überzeugter Sozialist, an einem historisch vorbelasteten Ort Regie führe, beantwortete Heiner Müller recht deutlich: „Durch Hitler haben wir gelernt, was Wagner nicht ist. Wichtig an ihm ist die Differenz zu Hitler, und nicht, dass seine Musik manipulierbar, brauchbar war. Mißbrauchbar ist jede Kunst. Vielleicht fasziniert mich an Wagner genau das, was auch Hitler so magisch angezogen hat: sein geradezu ungeheuerliches utopisches Potenzial. Was ich daraus mache, unterscheidet mich allerdings.“

Gemeinsam mit der Opera de Lyon erlebt man nunmehr die Rückkehr dieser mittlerweile mit dem Prädikat „legendär“ versehenen Bayreuther Inszenierung im Musiktheater Linz. Nach Lyon betreute auch in Linz der damalige Mitarbeiter Heiner Müllers, Stephan Suschke, diese hochgepriesene Inszenierung.

Landestheater Linz / Tristan und Isolde - hier: vorne  Isolde  (Annemarie Kremer) und   Brangäne  (Dshamilja Kaiser), Martin Achrainer, Heiko Boerner © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Tristan und Isolde – hier: vorne  Isolde  (Annemarie Kremer) und   Brangäne  (Dshamilja Kaiser), Martin Achrainer, Heiko Boerner © Reinhard Winkler

Der Zugang des österreichischen Bühnenbildners Erich Wonder zu Tristan und Isolde ging über Formen. Seine Intention war es „monochrome oder Farbfeldmalerei in den Raum umzusetzen“, die Sänger fungierten als „Element eines Raumkörpers“ („Geometrie des Todes“ titelte die „Zeit“ am 30. Juli 1993). Für diese Inszenierung schuf Erich Wonder für alle drei Akte einen Kubus, welcher in seinen Konturen klar erkennbar bleibt. Vor jedem Aufzug steht eine weiße Leinwand. Je länger man auf die Fläche starrt, desto mehr scheint die Farbe zu flimmern, glaubt man Konturen zu erkennen. Langsam, zu Beginn des Aufzugs wird die Sicht auf das Innere freigegeben, am Ende verflüchtigt sich das Bild wieder zu jener weißen Leinwand.

Im ersten Aufzug bildet diffuses Licht zwei Rechtecke mit stark verschwimmenden Konturen. Für Bewegung sorgen lediglich zwei seitlich angebrachte Streifen aus hellem Licht, welche das sanfte Wogen von Wasser widerspiegeln und den Eindruck eines schwankenden, unsicheren Grunds entstehen lassen. In einem streng abgegrenzten Quadrat am vorderen Rand des Kubus befinden sich Isolde und Brangäne, im erhöhten Hintergrund, in einem kleineren Quadrat sind Tristan und Kurwenal nur als verschwommene Silhouette wahrnehmbar. Die Außenwelt wird völlig ausgeklammert, weder Matrosen noch der Hofstaat König Markes sind auf der Bühne sichtbar.

Landestheater Linz / Tristan und Isolde - hier : Annemarie Kremer (Isolde), Heiko Boerner (Tristan), Dominik Nekel (König Marke) © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Tristan und Isolde – hier : Annemarie Kremer (Isolde), Heiko Boerner (Tristan), Dominik Nekel (König Marke) © Reinhard Winkler

Die streng anmutenden Kostüme des japanischen Modedesigners Yohji Yamamoto, in einer klassisch japanischen Ästhetik, vor allem durch den engen, am Kragen befestigten Aufsatz , welcher auch als „strangulierende Würgeeisen“ bezeichnet wurde, verleihen den Sängern die strenge Würde japanischer Hofbeamter.  Die starren Kostüme, der enge Raum und die reduzierten Gesten der oft sehr isolierten Sänger lassen diese Inszenierung wie ein Kammerstück wirken.

Nachdem Tristan und Isolde den Liebestrank aus der Schale geleert haben, entledigen sich beide ihres Kragenaufsatzes und streifen in Folge auch die starre Überbekleidung ab. Erst jetzt kommt es zu einer ersten körperlichen Geste. Am Ende erscheint König Marke als immer größer werdender Schatten auf der Rückwand des Kubus bis eben jener Schatten drohend über der Bühne liegt.

Nach den erdigen Farben des ersten Aufzugs präsentiert sich der zweite Aufzug in dunklem Blau, Schwarz und Grau. Hier wird das Bild auch nicht durch Licht definiert. In militärischen Reihen, von Pfaden durchbrochen, dominieren, an einen Heldenfriedhof gemahnend, aufgereihte Harnische das Bühnengeschehen. Auch in diesem Aufzug verzichtet Heiner Müller auf große Gesten und leidenschaftliche Umarmungen, sondern zeigt hier mehr ein Liebesritual. Während des Duetts verlöscht bei Brangänes Warnrufen das Licht, die beiden Liebenden versinken in völliger Dunkelheit. Provokativ küssen sich die beiden nach Markes Entdeckung, fast so als wollten sie das Ende bewusst herbeiführen.

Der dritte Aufzug ist schließlich in steingrau gehalten. Geröll, Schutt und Betonbrocken bedecken den Boden und bilden gemeinsam mit einem kaputten, abgedeckten Sessel, welcher als Tristans Krankenlager dient, das Bühnenbild. Der Hirte sitzt auf einem Felsbrocken am rechten Bühnenrand, in grauem Umhang mit dunkler Brille und verharrt reglos bis zum Ende des Aufzugs. Durch ein sich im Hintergrund öffnendes und rasch wieder schließendes, blutrotes Rechteck betritt Isolde diese abgeschiedene, isolierte Gesellschaft. Nachdem am Ende Leichen den grauen Steinboden bedecken, deckt Isolde ihren geliebten Tristan mit ihrem Umhang zu und verlässt die Szene. In ein goldenes Gewand gehüllt singt sie den Liebestod. Während sich auch der Raum im Hintergrund langsam in Gold verwandelt kündet sie direkt dem Publikum vom Triumph dieser Liebe.

Landestheater Linz / Tristan und Isolde - hier :  Martin Achreiner als Kurwenal, Heiko Boerner (Tristan), © Reinhard Winkler

Landestheater Linz / Tristan und Isolde – hier : Martin Achreiner als Kurwenal, Heiko Boerner (Tristan), © Reinhard Winkler

Markus Poschner am Pult des großartigen Bruckner Orchesters Linz leitete das Werk mit unglaublicher Intensität, dynamisch und mit viel musikalischem Feingefühl für Tempo und Lautstärke.

Die niederländische Sopranistin Annemarie Kremer braucht hier keinen Vergleich mit prominenten Vorgängerinnen zu scheuen. Ihre stimmstarke Isolde ist eine Liebende voll Innigkeit und Dramatik. Annemarie Kremer meistert bravourös die Rolle mit ihrem schönen, klaren Sopran und legt ihre ganze Strahlkraft in den Liebestod. In den ersten beiden Aufzügen hielt sich Heiko Börner bei seinem Rollendebüt als Tristan noch etwas zurück, konnte aber im dritten Aufzug das Publikum mit heroischer Größe überzeugen. Luxuriös besetzt war die Rolle der Brangäne mit der deutsche Mezzosopranistin Dshamilja Kaiser, die mit warmer, kräftiger Stimme betörend den Saal füllte. Beeindruckende Leistungen auch von Martin Achrainer als Kurwenal, Matthäus Schmidlechner als Melot, Matthias Frey als Hirt und junger Seemann, Dominik Nekel als König Marke und Philipp Kranjc als Steuermann. Hinter der Bühne agierten kraftvoll die Herren des Chores und des Extrachores des Landestheater Linz.

Nicht enden wollender Jubel und Standing Ovations des Publikums beendeten einen nachhaltig beeindruckenden Abend, welcher auch im Volksgarten vor dem Musiktheater per Public Viewing für rund 1.000 Zuseher mitzuerleben war.

Trsitan und Isolde am Landestheater Linz; die weiteren Termine 7.10.; 4.11.; 22.12.; 25.12.2018; 6.12.; 3.2.; 10.2.2019

—| IOCO Kritik Landestheater Linz |—

Linz, Landestheater Linz, Premiere TRISTAN UND ISOLDE, 15.09.2018

September 10, 2018 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

TRISTAN UND ISOLDE – RICHARD WAGNER

 nach dem Versroman Tristan von Gottfried von Straßburg

Koproduktion mit der Opéra de Lyon, Originalproduktion Bayreuther Festspiele 1993

Premiere Samstag, 15. September 2018, 17.00 Uhr, weitere Vorstellungstermine: 23., 30. September; 7. Oktober; 4. November 2018

Musiktheater Linz 360 - © Peter Philipp

Musiktheater Linz 360 – © Peter Philipp

Musikalische Leitung Markus Poschner,  Inszenierung Heiner Müller, Szenische Leitung Stephan Suschke, Bühne Erich Wonder, Realisation Bühne Kaspar Glarner, Kostüme Yohji Yamamoto, Licht Manfred Voss, Einrichtung Licht Ulrich Niepel, Dramaturgie Christoph Blitt, Choreinstudierung Csaba Grünfelder

Landestheater Linz / Tristan und Isolde © Robert Josipovic

Landestheater Linz / Tristan und Isolde © Robert Josipovic

Tristan  Heiko Börner, König Marke Dominik Nekel,Isolde Annemarie Kremer, Dara Hobbs (Vorstellung am 06.01.2019), Kurwenal Martin Achrainer, Melot Matthäus Schmidlechner, Brangäne Katherine Lerner, Ein Hirt Mathias Frey, Ein Steuermann Philipp Kranjc, Ein junger Seemann Mathias Frey,  Herrenchor des Landestheaters Linz, Bruckner Orchester Linz


ZUM STÜCK  –   TRISTAN UND ISOLDE


Tristan und Isolde erzählt die Geschichte einer großen Liebe, die sich über die Grenzen der Vernunft erhebt und deshalb in der Welt keinen Bestand haben kann. Wagner komponierte hierzu eine Partitur, die ständig harmonische Spannungen aufbaut, ohne sie einer Auflösung zuzuführen. So fesselt er seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem ganz eigenen Tonfall eines permanenten Begehrens, dem das Ziel ver­sagt zu bleiben scheint.

1993 inszenierte der deutsche Dramatiker und Regisseur Heiner Müller dieses Werk bei den Bayreuther Festspielen. In den visionär-weitläufigen Bühnenraumfantasien von Erich Wonder entfaltete Müller einen Lie­bes- und Todesreigen von antiker Klarheit. Als Koproduktion mit der Opéra de Lyon wird Heiner Müllers damaliger Regiemitarbeiter, der jetzige Linzer Schauspieldirektor Stephan Suschke, diese viel disku­tierte und hochgelobte Festspielinszenierung auf der Bühne des Linzer Musiktheaters wiedererstehen lassen.


INTERVIEW MIT STEPHAN SUSCHKE anlässlich der Lyoner Premiere von Heiner Müllers Inszenierung von Tristan und Isolde

Die Heiner Müller-Inszenierung von Tristan und Isolde ist eine nachgerade „mythische“ Produktion des Regisseurs. Sie stand in Bayreuth von 1993 bis 1999 auf dem Spielplan. Heiner Müller ist leider 1995 gestorben und Sie waren zuständig für die szenische Leitung der Wiederaufnahmen 1996 und 1997. Dazu waren Sie der engste Mitarbeiter Heiner Müllers während seiner Intendanz am Berliner Ensemble. Sie haben auch ein Buch über seine Theaterarbeit geschrieben.

Als Sie die Nachricht dieser Wiederaufnahme erfahren haben, war es eine Überraschung? Was haben Sie empfunden?

Stephan Suschke: Meine erste Reaktion war Unglaube. Als ich begriffen habe, dass Serge Dorny tatsächlich diese Produktion für Lyon rekonstruieren möchte, habe ich mich auf die Arbeit gefreut und auf die Möglichkeit, noch einmal mit dieser Oper Zeit zu verbringen, an ihr zu arbeiten.

Welchen Sinn ergibt solch eine Wiederaufnahme, 23 Jahre nach der Premiere und 19 Jahre nach der letzten Aufführung? Bedeutet es ein „Museum“–Werk zu sehen? Oder noch ein Theatererlebnis?

Stephan Suschke: Mal abgesehen davon, dass ich Museen als »Gattungshöhlen der Menschen« schätze, glaube ich, dass diese Inszenierung nicht gealtert ist, weil sie klassisch ist. Müller hat nicht versucht, diese Oper oberflächlich zu aktualisieren, sondern für ihn war Tristan und Isolde die archetypische Beschreibung des Verhältnisses zwischen Politik und Liebe. Sein ästhetisches Mittelarsenal kam – in Zusammenarbeit mit Erich Wonder – aus dem des Malers. Er hat diese Geschichte weder in Raum noch in der Spielweise illusionistisch in einem deutschen Wohnzimmer spielen lassen. Stattdessen hat er ein fast abstraktes Gemälde geschaffen, eine riesige Projektionsfläche. Jetzt kann man sie wieder neu mit Bedeutungen aufladen. Man könnte auch sagen, dass Müller das Werk eingefroren hat: mit einer sehnsüchtigen Kälte. Ich habe nichts anderes zu tun, als es mit aller Behutsamkeit aufzutauen. Frisch aufgetaut, wird es seinen Glanz entfalten.

Es gibt Inszenierungen (etwa in Wien, in Hamburg) die Jahrzehnte on stage bleiben. So hatte die Tosca in Wien ihre Premiere 1958. Ist das noch „Theater“?

Stephan Suschke: Es gibt Filme aus den fünfziger, sechziger Jahren, deren Wirkung wir uns nicht entziehen können. Das hängt mit den Künstlern zusammen, die sie gemacht haben, mit der Bildsprache, die sie entwickelt haben. Ich glaube, das kann auch mit Tristan und Isolde funktionieren. Für Müller war diese Inszenierung eine große Herausforderung. Es war seine erste (und einzige) Oper und es war Bayreuth, was damals der Olymp war. Auch deshalb hat er sehr viel in diese Arbeit investiert. Gleichzeitig glaube ich, dass diese Oper seinem Regie-„Stil“, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgebildet war – es war seine siebente Inszenierung – entgegenkam. Ihn interessierte der »gefrorene Sturm«.

Welche Hindernisse sehen Sie in der Wiederaufnahme einer „verschwundenen Arbeit“ (auch wenn es eine DVD von dieser Produktion gibt)?

Stephan Suschke: Man muss hinter das eigene Ego als Regisseur zurücktreten. Ich habe mittlerweile selbst Opern inszeniert, das ist aber für diese Arbeit unerheblich. Ich muss versuchen, diese Inszenierung detailgetreu zu rekonstruieren. Es ist die Arbeit eines Archäologen, nicht die eines Bildhauers. Es gilt, die antike Statue freizulegen, nicht darum, abgebrochene Teile zu ergänzen. Trotzdem ist es nicht die Arbeit eines Bürokraten, weil ich versuchen muss, den Geist, den Spirit von Müller lebendig zu machen, um ihn den Sängern zu vermitteln.

Arturo Ui ist noch im Repertoire des Berliner Ensemble seit 1995 und Martin Wuttke ist noch heute Arturo Ui. Diese Produktion von Tristan und Isolde ist mit Waltraud Meiers Isolde (ihre erste Isolde!) sehr verbunden. Ist es kein Problem, diese Produktion mit einer anderen Isolde zu inszenieren?

Stephan Suschke: Wenn es gelingt, die Müllersche Figurenauffassung und das, was Waltraud Meier entwickelt hat mit den Erfahrungen von Ann Petersen zu verbinden, nein. Das kann produktiv sein, weil man eine Synthese schaffen kann.

Die Inszenierung-Arbeit entspricht einem bestimmten Zustand der Lektüre des Werks, der Geschichte der Theaterkunst, der Öffentlichkeit, der Gesellschaft: Riskiert die Wiederaufnahme aus dem Kontext auf die Gewohnheiten oder auf die Wünsche (oder auch Erinnerungen) des Publikums nicht mehr zu antworten?

Stephan Suschke: Ein gutes Bild bleibt ein gutes Bild. Deshalb gehen die Leute in den Louvre, obwohl dort Bilder hängen, die mit ihrer Lebenswirklichkeit wenig zu tun haben. Ich glaube, dass Müller, Wonder und Yamamoto tatsächlich ein Gesamtkunstwerk geschaffen haben – es besteht aus Bildern, sich bewegenden Körpern und Musik. Hinzu kommt: Die Gesellschaft hat sich in den letzten 4000 Jahren ungeheuer verändert, die Gefühle aber sind gleich geblieben. Davon handelt Tristan und Isolde.

Das französische Theaterpublikum kennt Heiner Müller, das Opernpublikum eher weniger. Welches Element seiner Arbeit könnte zu dem gegenwärtigen Lyoner Publikum sprechen?

Stephan Suschke: Müllers Inszenierung verzichtet auf oberflächliche Reize, setzt stattdessen auf eine genaue Figurenführung, bei der jede Geste wichtig ist; das alles vor dem Hintergrund eines großartigen Bühnenbildes in außergewöhnlichen Kostümen. Dieses Gesamtkunstwerk wendet sich der Musik zu, entfaltet sie. Das Spektakuläre besteht in der Einfachheit, in der Konzentration.

Sie haben sehr eng mit Heiner Müller gearbeitet, Tristan war seine erste (und letzte) Opernregie: Wollte er Oper machen? Oder war das Werk Tristan für ihn wichtig? Welche bedeutende Erinnerung(en) der Arbeit mit Heiner Müller auf dieser Produktion behalten Sie?

Stephan Suschke: Oper hat ihn immer als Kunstform interessiert. Auch seine Schauspiel-Inszenierungen hatten etwas Opernhaftes, auch durch Müllers Sprache, die sehr musikalisch war. Ich glaube, er hat sich danach gesehnt, dass seine Texte gesungen werden. Müller hat 1990, also kurz nach dem Fall der Mauer, das Angebot von Wolfgang Wagner bekommen. Es hat ihn interessiert, wegen der Kunstform, aber auch weil er es nicht konnte. Er wollte eine Erfahrung machen. Aber der Aufeinanderprall dieser Auffassung mit den Vorstellungen der Sänger produzierte Konflikte. Seine Überlegungen waren auf höchstem konzeptionellem Niveau, aber die Probleme begannen bei der Umsetzung. Anfangs hat er aus dem Booklet einer CD heraus inszeniert und war erstaunt, wie lange es dauerte, bis ein Satz gesagt worden war. Hinzu kam, dass die Arbeitsweise von Schauspielern und Sängern vollkommen unterschiedlich ist. Sänger sind viel schneller im Fixieren von Gesten und Haltungen. Es gab Spannungen vor allem zwischen Waltraud Meier und Heiner Müller. Aber Müller hat gekämpft, Daniel Barenboim war hilfreich als Vermittler. Nachdem klar war, dass die Geschwindigkeit der Sänger im Umsetzen von Ideen schneller war als die Produktion derselben, sind wir früh um sechs aufgestanden, um die Probe vorzubereiten. Situation für Situation, Schritt für Schritt, Geste für Geste. Müller hasste frühes Aufstehen, aber der künstlerische Ehrgeiz war größer als die Müdigkeit. Es war eine schwierige, gute Zeit, vielleicht die beste. Weil trotz, oder wegen der Konflikte, Probleme, Reibungen alle etwas Außergewöhnliches schaffen wollten. Dass es gelang, war ein Glücksfall. Da Glück ein scheues Reh ist, werden wir uns bemühen, es nicht zu verscheuchen.


PUBLIC VIEWING IM GRÜNEN VOLKSGARTEN

LIVE-ÜBERTRAGUNG AUS DEM MUSIKTHEATER | EINTRITT FREI!

Zur Feier der Spielzeiteröffnung wird das zur Premiere von Tristan und Isolde ausverkaufte Wohnzimmer der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich auch ins Grüne geöffnet. Jeder kann dabei sein, chillen, mitfeiern, Freunde treffen und die Live-Übertragung bei Essen und Trinken im spätsommerlichen Volksgarten genießen. Machen Sie dieses Opernfest unter freiem Himmel zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wir freuen uns auf Sie!

ab 15.00 Uhr | Ankommen, Einstimmen
Jeder kann dabei sein, chillen, mitfeiern, Freunde treffen und die Live-Übertragung bei Essen und Trinken im spätsommerlichen Volksgarten genießen. Eine köstliche Speisen- und Getränkeauswahl für einen lockeren und entspannten Opernabend im Freien steht für Sie bereit.

17.00 Uhr | Live-Übertragung der Oper Tristan und Isolde  aus dem Großen Saal Musiktheater
Die Originalproduktion der Bayreuther Festspiele von 1993 ist die Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit 2018/2019 am Landestheater Linz. Die vieldiskutierte und hochgelobte Inszenierung von Heiner Müller im visionär-weitläufigen Bühnenbild von Erich Wonder und in traumschönen Kostümen des legendären Modeschöpfers Y?hji Yamamoto wird der damalige Regiemitarbeiter, der jetzige Schauspieldirektor Stephan Suschke, wiedererstehen lassen. Erleben Sie das Bruckner Orchester Linz mit Chefdirigent Markus Poschner am Pult eines gigantischen Orchesterapparats.

23.00 Uhr | Premierenfeier
Das Opernfest im Freien endet um 23.00 Uhr. Wir freuen uns darauf, Sie nach Ende der Vorstellung zur Premierenfeier im HauptFoyer des Musiktheaters begrüßen zu dürfen.

Drinnen und draußen – Ein Fest!
Intendant Hermann Schneider und Direktor Uwe Schmitz-Gielsdorf begrüßen Sie vor Beginn der Live-Übertragung und geben eine kurze Operneinführung. In den Pausen erwarten Sie interessante Interviews und Gespräche mit Chefdirigent Markus Poschner sowie Künstlern des Abends und tragen zu einem rundum stimmungsvollen Opernfesterlebnis bei.

Eintritt frei | Sie haben freie Platzwahl
oder Tischplätze
Plätze an reservierten Tischen zum stilvollen Genuss des Opernabends bei Essen und Trinken erhalten Sie für je € 20,00. In diesem Preis ist die Einladung zu einem Glas Sekt von DoN enthalten.

 


BIOGRAFIEN


MARKUS POSCHNER MUSIKALISCHE LEITUNG

Der Münchner Dirigent Markus Poschner, der seit seiner Auszeichnung mit dem Deutschen Dirigentenpreis 2004 regelmäßig bei national und international renommiertesten Orchestern zu Gast ist, wird heute insbesondere für seine aufsehenerregenden Interpretationen und Einspielungen der Werke von Beethoven, Brahms und Mahler geschätzt.

Nach dem Studium in München und als Assistent von Sir Roger Norrington und Sir Colin Davis wirkte Poschner ab 2006 als Erster Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin. Als „großes Nachwuchstalent“ bezeichnete ihn die Neue Zürcher Zeitung, als er mit Regisseuren wie Nicolas Stemann, Hans Neuenfels, Peter Konwitschny, Andreas Homoki und Sebastian Baumgarten zusammenarbeitete.

Im Jahre 2007 wurde er zum Generalmusikdirektor der Freien Hansestadt Bremen ernannt. Hier hat sich Poschner, der auch ein fulminanter Jazzpianist ist, den Ruf als programmatischer Grenzgänger erarbeitet: Gemeinsam mit den Bremer Philharmonikern war er ständig auf der Suche nach Neuartigem und Ungehörtem in Programmatik, Interpretation und Präsentationsform. Mit seinem besonderen Gespür für die Vermittlung klassischer Musik löste er einen bis heute anhaltenden Publikumsboom aus. Im Theater Bremen entwickelte er vor allen Dingen mit dem Regisseur Benedikt von Peter völlig eigene Wege und Formen zeitgenössischen Musiktheaters.

Mit Beginn der Saison 2015/2016 übernahm Markus Poschner auch die Position des Chefdirigenten des Orchestra della Svizzera Italiana. Mit diesem Klangkörper entstand kürzlich für SONY CLASSICAL die aufsehenerregende Gesamteinspielung sämtlicher Brahms-Sinfonien in vollkommen eigener und ungewöhnlicher Lesart. Gleich zu Beginn seiner ersten Spielzeit eröffnete er dort den neuen und hochgelobten Konzertsaal LAC direkt am Luganersee.

Markus Poschner wurde von vielen der renommiertesten Klangkörper und Opernhäuser als Gast eingeladen, darunter Staatskapelle Dresden, Dresdner Philharmoniker, Bamberger Symphoniker, Münchner Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Konzerthausorchester Berlin, die Rundfunk-Sinfonieorchester in Berlin, Leipzig, Stuttgart und Köln, Netherlands Radio Philharmonic, Wiener Kammerorchester, Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, NHK Symphony Orchestra, Tokio Metropolitan Orchestra sowie Staatsoper Berlin, Komische Oper Berlin, Hamburgische Staatsoper, Oper Köln, Oper Frankfurt und Opernhaus Zürich.

Mit vielen dieser Orchester und Opernhäuser verbindet ihn inzwischen eine enge künstlerische Partnerschaft, wie etwa der Staatsoper Berlin, wo Markus Poschner im Jahr 2014 mit der Neuproduktion des Wagner/Jelinek-Abends Rein Gold in der Regie von Nicolas Stemann debütierte. Mittlerweile dirigierte er dort auch Tosca und Die Zauberflöte und war in der Spielzeit 2015/2016 für die gesamte Serie von Richard Wagners Der fliegende Holländer verantwortlich.

Als Erster Gastdirigent der Dresdner Philharmoniker von 2010 bis 2014 waren dort mit Markus Poschner sämtliche Beethoven-Sinfonien zu hören. Dem Orchester ist er weiterhin eng verbunden und erarbeitet mit ihm aktuell einen Mahler-Zyklus. Seit 2002 ist er außerdem Erster Gastdirigent des Deutschen Kammerorchesters Berlin, das er ebenso prägt wie das legendäre Georgische Kammerorchester Ingolstadt, dessen Chefdirigent er von 2000 bis 2006 war.

Durch seine unkonventionelle und frische Herangehensweise, vor allen Dingen auch an die großen Klassiker des Repertoires, überzeugte Markus Poschner schnell auch die Presse: „…so atemberaubend hat man Beethoven lange nicht mehr gehört“ schwärmte der Berliner Tagesspiegel, „Extra-Applaus immer wieder zwischendurch für den jungen Dirigenten“ die FAZ, „hinreißende Interpretationen“ meldeten die Dresdner Neuesten Nachrichten, „genialisch“ meinte Die Welt. Über sein Debüt in seiner Heimatstadt schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Poschner bringt die Münchner Philharmoniker immer wieder wunderbar zum Leuchten“. Die Universität Bremen ernannte Markus Poschner im Juli 2010 zum Honorarprofessor am Institut für Musikwissenschaft.

Seit Beginn der Spielzeit 2017/2018 hat Markus Poschner die Position des Chefdirigenten des BOL sowie des Opernchefs am Landestheater Linz inne.


STEPHAN SUSCHKE SZENISCHE LEITUNG

Stephan Suschke wurde 1958 in Weimar geboren. Von 1982 bis 1987 studierte er Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin. Ab 1987 arbeitete er als Schauspieldramaturg am Theater Greifswald, und von 1987 bis 1991 als Regieassistent, bzw. als Regie-Mitarbeiter bei den Inszenierungen Heiner Müllers am Deutschen Theater Berlin mit.

1992 wechselte er mit Heiner Müller an das Berliner Ensemble, wo er zunächst als Regie-Mitarbeiter an dessen Inszenierungen mitwirkte. Ab 1994 inszenierte er am Berliner Ensemble. Ab 1995 war er Mitglied der Leitung des Berliner Ensembles. Nach Heiner Müllers Tod wurde er 1996 Stellvertretender Intendant. Von 1997 bis 1999 war er Künstlerischer Leiter des Berliner Ensembles.

Von 1999 bis 2013 war Stephan Suschke freischaffender Regisseur. Er arbeitete am Théâtre National de la Communauté Brüssel, an der National School of Drama New Delhi, am Victorian College of Arts Melbourne, am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, am Staatsschauspiel Dresden sowie für das Theater Ulm, das Theater Lübeck, das Hessische Landestheater Marburg und das Mainfranken Theater Würzburg.

Außerdem arbeitete er als Hörspielregisseur für die CBC Toronto und war Regisseur und Autor des Dokumentarfilms Ich bin mit meiner Angst allein. Als Autor und Herausgeber gab er u. a. das Buch Walter Schmidinger – Angst vor dem Glück heraus, sowie Müller macht Theater, ein Buch über die Inszenierungen Heiner Müllers. Er war gemeinsam mit Mark Lammert Kurator der Ausstellung Sagerts Welt im Schloss Neuhardenberg.

Seit 2013 ist Stephan Suschke Schauspieldirektor am Mainfranken Theater Würzburg. Ab der Spielzeit 2016/2017 ist Stephan Suschke Schauspieldirektor am Landestheater Linz.


KASPAR GLARNER REALISATION BÜHNE

Kaspar Glarner wurde in Zürich geboren und hat in Paris studiert. Nach seinem Diplom arbeitete er als freier Maler, Grafiker und Innenarchitekt. Später wurde er von Rolf Glittenberg als Bühnenbildassistent am Thalia Theater Hamburg engagiert. Danach assistierte er Erich Wonder für mehrere internationale Opernproduktionen wie Wintermärchen (Bondy/Wonder in Brüssel) und Arabella (Mussbach/Wonder in Paris). Nach ersten eigenen Arbeiten mit Markus Imhoof und Hansgünther Heyme erarbeitete er u. a. mit Uwe-Eric Laufenberg am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und am Grand Théâtre de Genève Puccinis Tosca, außerdem Peter Grimes in Oldenburg, Lucrezia Borgia in Marseille, Fidelio in Freiburg sowie Elementarteilchen am Münchner Residenztheater. Am Maxim Gorki-Theater Berlin entstanden Das Maß der Dinge von La Bute und Platonov, dem Der lächerliche Prinz Jodelet von Reinhard Keiser an der Hamburgischen Staatsoper folgte. Am Hans Otto Theater Potsdam schuf er u. a. die Bühnenbilder für Die Hermannsschlacht und die Dreigroschenoper sowie für die Uraufführungen Katte von Thorsten Becker und Julia Timoschenko von Adriana Altaras/Maxim Kurotschkin. Ebenfalls in Potsdam entstand die Bühne für den Sommernachtstraum (Regie: Patricia Benecke). Am Theater Augsburg entwarf er Bühnenbild und Kostüme für die Eröffnungspremiere Kasimir und Karoline (Regie: Adriana Altaras), an der Oper Frankfurt die Kostüme zu Roméo et Juliette (Regie: U. E. Laufenberg), Death in Venice und Lear (Regie: Keith Warner) und die Bühnenbilder zu Schuberts Liederzyklen Die schöne Müllerin, Winterreise und Schwanengesang (Regie: Udo Samel) sowie für Weiße Rose (Regie: Christoph Quest) und Dallapiccolas Einakter Volo di notte und Il prigioniero (Regie: Keith Warner). Mit dem Regisseur Keith Warner entstanden auch Die Frau ohne Schatten an der Hamburgischen Staatsoper und Katja Kabanova am Theater an der Wien.

Kaspar Glarner war bereits in der Spielzeit 2005/2006 am Landestheater Linz zu Gast, als er für das Bühnenbild zu Puccinis Manon Lescaut verantwortlich zeichnete.


ULRICH NIEPEL EINRICHTUNG LICHT

Ulrich Niepel ist in Berlin geboren und studierte an der Technischen Fachhochschule Berlin Elektrotechnik und Theater/Veranstaltungstechnik. Seit 1983 ist er an der Deutschen Oper Berlin tätig – seit 1999 als Beleuchtungsoberinspektor, Leiter des Beleuchtungswesens und Lichtgestalter.

Von 1991 bis 2010 wirkte er bei den Bayreuther Festspielen mit. Dort war er ab 1992 Beleuchtungsmeister und von 2004 bis 2010 Leiter des Beleuchtungswesens und Lichtgestalter.

Daneben zeichnet er für die Lichtgestaltung von Produktionen und Gastspielen in Berlin, Bayreuth, Madrid, Los Angeles, Tokyo, Beijing, Bregenz, Sevilla, Bergen, Kopenhagen, Tel Aviv, Barcelona, Lyon und Montpellier verantwortlich.


ANNEMARIE KREMER ISOLDE

Die Niederländische Sopranistin Annemarie Kremer gab ihr erfolgreiches Wagner-Debüt als Elisabeth in Tannhäuser im Februar 2017 an die Opéra de Monte Carlo, Monaco. Die Premiere wurde in ganz Europa live im Fernsehen übertragen.

Zuletzt war sie als Feldmarschallin in Der Rosenkavalier in Beijing zu erleben, als Ursula in Mathis der Maler an der Semperoper Dresden und in der Titelpartie von Korngolds Das Wunder der Heliane in Wien und Freiburg, wobei die Aufführungen in Juli 2017 für eine CD-Veröffentlichung bei NAXOS mitgeschnitten wurden sowie in der Titelpartie der Neuproduktion von Strauss´ Salome in Hannover.

Ihre Pläne umfassen u. a. eine weitere Neuproduktion von Salome in Essen, Tosca in Leipzig und Graz, ihre Debüts als Isolde in Wagners Tristan und Isolde in der legendären Inszenierung von Heiner Müller in Linz, als Turandot in São Paulo und als Hulda in Cesar Francks gleichnamiger Oper in Freiburg. Ebenso in Planung sind eine Reihe von Konzerten und Liederabenden u. a. mit Strauss´ Vier letzte Lieder am Concertgebouw Amsterdam.

2011 debütierte sie in der Titelpartie von Strauss’ Salome an der Wiener Volksoper. Seither hat sie die Partie höchst erfolgreich an verschiedenen Theatern verkörpert: im brasilianischen Sa?o Paulo und Bélèm, in Moskau, Hong Kong und zuletzt im November 2014 am Teatro San Carlo in Neapel.

2012 ersang sie sich einen triumphalen Erfolg bei ihrem Großbritannien-Debüt an der Opera North in der Titelpartie von Bellinis Norma. Für ihre Interpretation der Titelheldin in dieser mit dem TMA-Award ausgezeichneten Produktion, wurde sie als Sängerin des Jahres 2012 von dem Opernmagazin „Opernwelt“ nominiert. Sie bekam auch eine Nominierung von den „International Opera Oscars“.

Mit derselben Norma-Produktion gab sie 2014 in Chemnitz ihr vom Publikum und der Presse umjubeltes Deutschland-Debüt in dieser Partie.

Wichtige Auftritte der vergangenen Spielzeiten waren Madama Butterfly, Luisa Miller und Tosca in Stuttgart, Manon Lescaut in Leipzig, Agrippina in Frankfurt, Andrea Chenier bei Opera North -GB, Madama Butterfly und Tosca in Dortmund, Tosca in Wiesbaden, La Clemenza di Tito in Stockholm und Opera North, Norma in Amsterdam, Madama Butterfly und Die Fledermaus in Essen, Rusalka, Don Giovanni an der Opera Zuid und Don Giovanni und Figaros Hochzeit in Paris und an der National Oper Zagreb. Am GM-Opera Festival in den USA wurde sie eingeladen ihr Amerika-Debüt als Madama Butterfly zu geben.

2012 sang Annemarie Kremer in Amsterdam für die Königin der Niederlande ein umjubeltes Konzert, welches live im Fernsehen übertragen wurde. In ihre Heimat beliebt, tritt Annemarie regelmäßig im Concertgebouw – Amsterdam auf. Sie sang dort bereits Konzert,- und Opernrepertoire von u. a Ligeti, Verdi, Martin, Händel, Beethoven, Mozart, Schulhoff, u. a Don Giovanni, I Lombardi, Le Grand Macabre, Die Fledermaus, Flammen, Die lustige Witwe und Agrippina.

Annemarie Kremer hat mehrere CDs aufgenommen: Repertoire von Mozart (Konzert-Arien, Messen, Geistliche Werke), Mendelssohn und Beethovens 9. Symphonie; auf DVD liegt Agrippina vor.


HEIKO BÖRNER TRISTAN

Heiko Börner debütierte nach privaten Gesangsstudien und Engagements in den Opernchören der Theater Lübeck und Frankfurt im Jahr 2002 am Nordharzer Städtebundtheater in Halberstadt als lyrischer Tenor und war anschließend von 2004 bis 2008 am Mainfrankentheater in Würzburg engagiert. Hier sang er im italienischen, französischen und deutschen Fach ein breites Repertoire, das sich seit seinem Einstieg in die freiberufliche Karriere 2008 zunehmend auf die Gestaltung von Partien des Heldentenorfachs konzentriert.
Zu seinem aktuellen Repertoire zählen unter anderem die Titelpartien in Wagners Tannhäuser und Lohengrin, der Walther von Stolzing aus Die Meistersinger von Nürnberg, Erik in Der Fliegende Holländer, Webers Max im Freischütz, Puccinis Cavaradossi in Tosca und die Titelpartie in Verdis Otello.
Am Landestheater Linz gab er sein Rollendebut als Kaiser in Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten.

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

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