Mainz, Philharmonisches Staatsorchester, 1. Sinfoniekonzert – Anna Vinnitskayac, 06. und 07.2019

September 2, 2019 by  
Filed under Konzert, Pressemeldung, Staatstheater Mainz

staatstheater-mainz-logo_30

Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Philharmonisches Staatsorchester Mainz – 1. Sinfoniekonzert

Virtuoser Auftakt der Konzertsaison am 6. und 7. September

Mit geballter Energie und jubelnder Virtuosität startet die neue Konzertsaison am Staatstheater. Generalmusikdirektor Hermann Bäumer und das Philharmonische Staatsorchester widmen sich Werken russischer Komponisten, die eine große Bandbreite an Stimmungen und musikalischem Witz bereithalten: Das Vorspiel zur Oper Chowanschtschina malt genüsslich die morgendliche Stimmung der „aufgehenden Sonne“ an der Moskwa aus – wie es in der Regieanweisung heißt.

Staatstheater Mainz / Anna Vinnitskayac © Marco-Borggreve

Staatstheater Mainz / Anna Vinnitskayac © Marco-Borggreve

Auf diese Ouvertüre folgt Prokofjews hochvirtuoses zweites Klavierkonzert, an das sich nur wenige Pianist*innen heranwagen. Anna Vinnitskaya, die von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert wird, ist eine von ihnen. Sie hat zahlreiche Preise gewonnen und wird in dieser Spielzeit auch bei den Berliner Philharmonikern debütieren.

Ein radikales und kontrastreiches Werk folgt auf dieses Feuerwerk: Schostakowitschs 6. Sinfonie besticht durch ein anrührendes, melancholisch gefärbtes Largo, dem zwei akzentuierte Allegro-Sätze folgen, die mit Verve das 1. Sinfoniekonzert beschließen.

1. SINFONIEKONZERT
Modest Mussorgskij –   Vorspiel zu Chowanschtschina (Morgendämmerung an der Moskwa) orchestriert von Dmitri Schostakowitsch

Sergej Prokofjew – Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 16
Dmitri Schostakowitsch – Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54, Klavier: Anna Vinnitskaya
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Philharmonisches Staatsorchester Mainz

 

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—

Dresden, Semperoper, Skandalstücke – Mussorgski, Prokofjew, Strawinsky, IOCO Kritik, 13.06.2019

saechs_staatskapelle.jpg

Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Modest Mussorgski, Sergej Prokofjew, Igor Strawinsky

  – Staatskapelle Dresden mit russischen Skandalstücken –

Modest Mussorgski (1839-1881) gehört zu den faszinierenden musikalischen Außenseitern des 19. Jahrhunderts. Als autodidaktisches Genie hat er wie kaum ein anderer Komponist die Musik Russlands erneuert und andererseits derart viele unvollendete Werke hinterlassen.

Die symphonische Dichtung Johannisnacht auf dem Kahlen Berge entstand im Juni 1867 innerhalb weniger Tage und bezieht sich auf die Sage, dass „in der Nacht zum Johannistag die Hexen auf dem Kahlen Berg bei Kiew den Teufel treffen“.

Zunächst wollte Mussorgski die Komposition in seiner Oper Mlada als Ballett verwenden. Als die Arbeit stockte und unvollendet blieb, sollte die Skizze in die Oper Der Jahrmarkt von Sorotschinzy als eine Traumsequenz eingebaut werden. Nach seinem frühen Tod nahm sich sein Freund Rimskij-Korsakow die „Johannisnacht auf dem Kahlen Berge“ vor und glättete das Geschehen von der größtmöglichen Schroffheit und Wildheit, dämpfte die starke Chromatik und die Dissonanzen der beiden Opernentwürfe. Vor allem verfeinerte er die Instrumentierung und versah diese Fassung mit einem versöhnlichen Schluss.

Sächsische Staatskapelle Dresden / zum Gedenkkonzert 13. Februar 1945 © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / zum Gedenkkonzert 13. Februar 1945 © Matthias Creutziger

Nach einem fulminanten Auftakt lässt Andrés Orozco-Estrada die Staatskapelle Dresden rhythmisch und flexibel eher tänzerisch spielen. Die Phrasierungen erscheinen  musikalisch sinnvoll, so dass noch die angedachte Ballett Verwendung durchscheint.

Sergej Prokofjews Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 16 gehört zu den schwierigsten Klavierkonzerten des Repertoires. Die 1912 bis 1913 entstandene Erstfassung war dem Freund des Komponisten Maximilian Schmidthof gewidmet, der sich im April 1913 das Leben genommen hatte. Während des ersten Weltkrieges war die Partitur verloren gegangen, so dass Prokofjew eine Rekonstruktion des Werkes vornehmen musste.

Für die Interpretation im 11. Symphoniekonzert  war die russische Pianistin Anna Vinnitskaya für ihr Debüt bei der Sächsischen Staatskapelle gewonnen worden. Bereits im ersten Satz zeigt sie im gedämpften Streicherbeginn ihre melodische Linie und verschärfte im Verlaufe des ersten Satzes ihre intensive Interpretation. Selbst mit ihrer Kadenz entwickelt sie Prokofjews Harmonien zu gleißenden Farben. Die langsamen Passagen werden zu regelrechten Treibern. Dass unerbittlich dahinrasende Scherzo verhindert beim Zuhörer jede Beschaulichkeit. Zwischen Traumverlorenheit und Bedrohlichkeit ist auch ihr dritter Satz Allegro moderato, von Orozco-Estrade mit dem Orchester auf das feinste verzahnt, angesiedelt. Fast spukhaft ihr mehrfaches Hakenschlagen zu Beginn des Finales, das auch kaum Gelegenheit zu lyrischen Augenblicken gewährt. Bei ihr vergisst man das Technische und ist hingerissen von der empfindsamen Gestaltung und der Kraft ihres Spiels.

Diese Diktion wäre ohne den Maestro am Pult kaum möglich geworden, der die Musiker der Staatskapelle Dresden regelrecht symbiotisch mitgezogen hat. Immer wieder finden die Solistin und das Orchester lyrische Inseln, von denen aus die gewaltige Steigerung zum erhitzten Finale entwickelt werden konnte. Bleibt die Hoffnung, dass wir die noch junge Sibirerin noch häufig im Hause erleben dürfen.

Sächsische Staatskapelle Dresden / Dirigent Orozco-Estrada © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / Dirigent Orozco-Estrada © Matthias Creutziger

Igor Strawinskys Ballettmusik Le sacre du printemps (Das Frühlingsopfer) – Bilder aus dem heimischen Russland, 1913 vom damals 31-jährigen komponiert und aufgeführt, gilt wegen seiner die Elementarkräfte des Rhythmus entfesselnden maßlosen Musik für Viele heute als der „Urknall“ der Moderne“ in der Musik. Enthält die Musik doch gleichsam hypnotische, hysterische, brutale, panische und manische Elemente. Führte die Uraufführung am 29. Mai 1913 mit der Djagilews-Ballett-Truppe in Paris noch zu einem handfesten Skandal, so hatte das Werk, wie kaum ein anderes der musikalischen Moderne, so schnell ein breiteres Publikum erreicht und sich weltweit im Konzertleben durchgesetzt. Passiert es doch selten, dass der ästhetische Rang und die historische Bedeutung eines Kunstwerkes zeitlich in Übereinstimmung sind. Andrés Orozco-Estrada, mit den Musikern der Staatskapelle Dresden aus den Vorjahren bestens bekannt, trieb das Orchester mit viel Körpereinsatz und sichtlicher Musizierfreude in etwa vierzig Minuten durch die Partitur. Es war nicht zu übersehen, dass diese Komposition zu den Lieblingswerken des Kolumbianers gehört.

Die Schwierigkeiten, aus der musikalischen Struktur des Stückes das Intelligente, Logische sowie Intensive zu erkennen und mit dem Orchester umzusetzen, war ihm auf das Eindrucksvollste gelungen. Den Konflikt, dass hier ein Ballett als ein reines Orchesterstück geboten wurde, löste der Dirigent mit dem Orchester, so dass eine regelrechte Orchesterchoreographie die Tanzpartien ersetzte. Die hohe Qualität der Staatskapelle war für Orozco-Estrada ein sicherer Garant für ein wunderbares Konzert.

Beglückend für den aufgeschlossenen Teil der Konzertbesucher, diese drei Meilensteine russischer Musik so komprimiert an einem Abend zu erleben

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Mainz, Staatstheater Mainz, 9. SINFONIEKONZERT, 29./30.06.2012

Juni 29, 2012 by  
Filed under Pressemeldung, Staatstheater Mainz

mainz.jpg

Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

9. SINFONIEKONZERT

Carl Nielsen
Helios. Ouvertüre für Orchester op. 17

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58

Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82

Klavier Anna Vinnitskaya
Dirigent Hermann Bäumer

Ikonen für das nationale Selbstbewusstsein, Visitenkarten im europäischen Wettbewerb: Als nordische Pendants zum deutschen Beethoven sorgen bis heute Carl Nielsen und Jean Sibelius für die musikalische Identifikation. Carl Nielsen, der bedeutendste Komponist Dänemarks, erwies mit seiner Helios-Ouvertüre allerdings nicht dem Zentralgestirn über seiner skandinavischen Heimat die Reverenz, vielmehr hat ihn das besondere Leuchten der griechischen Kapitale Athen zu seiner klangvollen Sonnenanbetung inspiriert. Gott Helios führt in diesen zehn Minuten, die Nielsens meistgespielte sind, seinen Feuerwagen aus dem Dunkel ins Licht und wieder hinab in die Nacht
Das musikalische Zentralgestirn Finnlands heißt nach wie vor: Jean Sibelius. Wenn man die fünf wuchtigen, freistehenden Schläge im Sforzato hört, die den Schlussakkord seiner 5. Sinfonie vorbereiten, bekommt man einen Fingerzeig  auf den Anlass für dieses Werk. Die Sinfonie komponierte er nämlich zu seinem eigenen 50. Geburtstag, ein Schlag gilt demnach jedem Jahrzehnt. Dieser runde Geburtstag des Jahres 1915 wurde in Finnland zum Nationalfeiertag erklärt – kann es eine größere Ehre geben für einen lebenden Komponisten?

29. und 30. Juni 2012, 20 Uhr, Großes Haus

Auftakt! Einführung zum Konzert, 19 Uhr, Foyer Großes Haus

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—