Paris, Opéra Bastille, Tosca – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 04.06.2019

Juni 4, 2019 by  
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Opera National de Paris 

Opéra Bastille, Paris / Tosca Ankündigung © Uschi Reifenberg

Opéra Bastille, Paris / Tosca Ankündigung © Uschi Reifenberg

TOSCA   –  Giacomo Puccini

Suggestive, atmosphärisch-dichte Bildwelten – historisch verortet

von Uschi Reifenberg

In diesem Jahr  gibt es für die Opéra National de Paris gleich zwei bedeutende Ereignisse zu feiern. Zum einen begeht Frankreich heuer das Jubiläum „350 Jahre Pariser Oper“ unter dem Leitsatz „Modern seit 1669“, zum anderen feiert die Opéra Bastille 2019 ihren 30. Geburtstag.

Opéra Bastille – gelegen auf dem symbolträchtigen  Place de la Bastille

Die Bastille Oper wurde 1983 vom damaligen Staatspräsidenten François Mitterand als moderner Gegenentwurf zum Palais Garnier konzipiert, jenem neobarocken Prachtbau, der seit 1875 den Parisern für Opern- und Ballettaufführungen diente und zu einem der repräsentativsten und prunkvollsten Theaterbauten Europas zählt. Heute finden in der Opéra Garnier in erster Linie  Ballettaufführungen des hauseigenen Ensembles statt.

Die Opéra Bastille, als demokratisches, anti-elitäres Theater geplant, steht auf einem der symbolträchtigsten Plätze von Paris, dem „Place de la Bastille“, in dessen Mitte die Siegessäule von 1830 prangt, von welchem 1789 mit dem „Sturm auf die Bastille“, dem damaligen Pariser Staatsgefängnis, die Französische Revolution ihren Anfang nahm. Eröffnet wurde der futuristisch anmutende Riesenbau 1989, am Vorabend des 200. Jahrestages der Französischen Revolution.

Die Opéra Bastille – Ihre Entstehung 
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Das Opernhaus fasst vier verschiedene Säle, der große Saal bietet 2703 Zuschauern Platz. Mit neun beweglichen Bühnen, beweglichem Orchestergraben, einem Amphitheater, integrierten Werkstätten, Büros und Proberäumen ist die Bastille Oper eines der überragendsten französischen Großprojekte der letzten Jahrzehnte. Die Technik wird nach neuesten Standards weiterentwickelt, zählt heute zu den aufwendigsten weltweit.

Umso beziehungsreicher und spannender gestaltet sich eine Aufführung von Giacomo Puccinis Oper Tosca im historischen und entstehungsgeschichtlichen Kontext an der französischen Opéra National de Bastille.

Das populäre Werk des italienischen Opernkomponisten Puccinis basiert auf dem Schauspiel La Tosca des französischen Dramatikers Victorien Sardou, der 1831 in Paris geboren wurde, dort mit seinen Bühnenwerken Berühmtheit erlangte und im Jahr 1908 hochgeachtet starb. Die Hauptrolle in Sardous Drama übernahm eine der damals gefeiertsten Schauspielerinnen des 19. Jahrhunderts, Sarah Bernhardt, die in der Rolle der eifersüchtig, aber aufrichtig liebenden Primadonna alle Facetten Ihrer Schauspielkunst ausschöpfen konnte.

Puccini erlebte anfangs der 1890er Jahre eine Aufführung von Sardous Drama in Mailand, und obwohl er die französische Sprache nicht verstand, war er von den schauspielerischen Möglichkeiten sowie vom theatralischen Potenzial des Stoffes so beeindruckt, dass er sich entschloss, das Drama als Vorlage für eine Oper zu verwenden. Er kaufte Sardou die Bearbeitungsrechte ab und seine Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica verfassten  zusammen mit Sardou das Libretto.

Opéra Bastille, Paris / Tosca Ankündigung © Uschi Reifenberg

Opéra Bastille, Paris / Tosca Ankündigung © Uschi Reifenberg

Die Premiere fand 1900 in Rom statt, in welcher das Stück im Jahre 1800 auch angesiedelt ist. Der Stoff des Werkes weist eine große Nähe zum sogenannten „Verismo“ auf, jener italienischen Stilrichtung in der Literatur, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, vom französischen Naturalismus beeinflusst war und aktuelle sowie soziale Probleme der Gegenwart ungeschönt und ohne Idealisierung darstellte wollte. Es sollte ein Abbild des „wahren“ Lebens gezeigt werden, mit Milieuschilderungen, politisch-revolutionären Sujets, die eine Abwendung vom Historismus der Oper des 19. Jahrhunderts bedeuteten, ebenso vom Symbolismus und vor allem von den mythisch- germanischen Stoffen Richard Wagners.

Sardou verortet Tosca ganz konkret am 17. und 18. Juni 1800 in Rom, in einer Zeit großer  politischer Unruhen; die Schauplätze sind eindeutig festgelegt. Die Einheit von von Zeit, Raum und Handlung ist gegeben.

Die Folgen der Französischen Revolution sind überall deutlich zu spüren, in Europa brechen Kämpfe aus, es ist der Beginn einer neuen Zeit, der Napoleonischen Ära. Das Postulat von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gerät  wenig später zum Leitmotiv für die neue Geisteshaltung. Eugène Delacroix‘ berühmtes Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von 1830 ist  im benachbarten Pariser Louvre zu bewundern.

Besuchte Vorstellung – 25. Mai 2019  –  Opéra Bastille, Paris

Auch in Paris gut 230 Jahre später erlebt Frankreich wieder politische Aufstände in Gestalt der Gelbwesten, die sich für mehr soziale Gerechtigkeit und niedrigere Steuern auf die Straßen begeben.Jeden Samstag formieren sich Aufständische und liefern sich Zusammenstöße mit der Polizei, so auch am 25.05.19 vor der Opéra Bastille. Als deutsche Opernbesucherin, die das „Schauspiel“ aus der sicheren Entfernung durch die Fenster der Oper verfolgt, am Abend vor der Europawahl, verstärkt diese Erfahrung die symbolische Bedeutung des Schauplatzes und weitet zusätzlich den Blickwinkel für unsere gemeinsame europäische Verbundenheit und Verantwortung.

Im Rom um 1800 stehen Royalisten den freiheitlich gesinnten Republikanern gegenüber, die in der  Folge gejagt und hingerichtet wurden. Am 14. Juni trafen im norditalienischen Marengo die französischen Truppen Napoleons auf die Österreichischen Machthaber, welche zunächst den Sieg der Royalisten über die Franzosen verkünden und ihren Triumph feiern. Das ist die Ausgangslage, in welcher nun die Handlung der Tosca einsetzt.

Diese Oper ist ein Kraftwerk der Gefühle. Ein Stück über eine Dreieckstragödie, die Geschichte einer starken Frau, eine Liebesbeziehung, die in die Fänge von Macht, Politik und Kirche gerät, ein Künstlerdrama im Überwachungsstaat, zwischen Liebe, Eifersucht, Verrat, Machtgier und Loyalität.

Und ein packender Opernthriller, der fast alles an gesetzeswidrigen Tatbeständen aufweist, was das heutige krimigeschulte Publikum erwartet: Erpressung, sexuelle Nötigung, Folter, Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchte Gefangenenbefreiung, falsche uneidliche Aussage, falsche Verdächtigung, Bestechlichkeit, Körperverletzung im Amt, Bestechung, Verfolgung Unschuldiger, Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat, Mord, Selbstmord…

Tosca –  Giacomo Puccini
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Piere Audi, der Regisseur, bleibt in seiner Lesart nah am Text, besticht mit einer ausgefeilten Personenführung und überwältigt mit suggestiven, atmosphärisch-dichten Bildwelten, die den Zuschauer sogartig in die Szene hineinziehen. Der Bühnenbildner Christof Hetzer hat drei beeindruckende opulente Bilder geschaffen, die auf die historischen Verortungen präzise, aber variabel Bezug nehmen.

Der 1. Akt in der Kirche Sant’ Andrea della Valle in der römischen Innenstadt wird von einem riesigen Holzkreuz beherrscht, das als Kirchenraum und gleichzeitig als erhöhter Zugangsweg mit Treppe zur Kirche dient und in den ersten beiden Akten als Dreh- und Angelpunkt präsent ist. Noch vor Einsetzen des wuchtigen Scarpia Motivs, ist für Gruseleffekt gesorgt. Die Bühne ist völlig dunkel, (Lichtregie: Jean Kalman), aus Nacht und Nebel schälen sich die Umrisse einer schwarzen Gestalt, die Häscher sind omnipräsent, der Überwachungsstaat im Einsatz.

Der Künstler Cavaradossi, ein junger, Charmeur, malt im von Kerzen erhellten Altarraum an der Unterseite des Holzkreuzes an einem Panoramabild mit tanzenden blonden Nymphen und schwärmt von seiner Geliebten Floria Tosca. Mit der Fluchthilfe des aus dem Gefängnis entflohenen Häftlings Angelotti hat sich der Republikaner Cavaradossi den Fängen des Polizeichefs Scarpia ausgeliefert. Im folgenden Duett mit seiner Geliebten, der berühmten Sängerin Tosca, die ihre Eifersucht nur schwer kontrollieren kann, blitzt dennoch die Möglichkeit der Erfüllung ihrer beider Liebesglücks auf, spürt man für einen Moment die unendliche Leichtigkeit des Seins. Aber es ist zu spät.

Opéra Bastille © Uschi Reifenberg

Opéra Bastille © Uschi Reifenberg

Scarpia, der römische Polizeichef, die Inkarnation des Bösen, ein Nachfolger Jagos, ist eine janusköpfige Gestalt mit graumelierter Mähne und Gehstock, mit dem er bedrohlich hantiert. Er verfügt über alle Abgründe menschlicher Niedertracht und schreckt vor nichts zurück. Als Zyniker und Tyrann kann er seine Lüsternheit hinter einer aalglatten Fassade verbergen und sublimiert sie in falscher Bigotterie. Zum „Tedeum“ finden sich Gläubige, Kleriker, und der Kardinal in der Kirche ein, das Holzkreuz dient nun zur Trennung der verschiedenen Ebenen. Unten steht das Volk, erhöht der Klerus und im grellen Neonlicht in der Mitte erscheint der Kardinal. Ehrfürchtig verneigt sich Scarpia vor der kirchlichen Macht. Ein starkes Bild!

Der 2. Akt zeigt Scarpias „Büro“, ein prunkvolles Zimmer im Palazzo Farnese, mit halbrunden roten Wänden, das in der Höhe nur die Hälfte der Bühne einnimmt, darüber thront das Holzkreuz aus dem 1.Akt, das nun senkrecht zur Bühne angebracht ist. Im Zimmer der gedeckte Tisch, mehrere Chaiselongues, brennende Kerzen, religiöse Requisiten. Tosca, die bejubelte Sängerin, erscheint in strahlender Schönheit. im golddurchwirkten langen Kleid (Kostüme: Robby Duiveman), mit Diadem und schwarzem Haarkranz. Sie erinnert in ihrem Auftritt an eine weltberühmte Rollen- Vorläuferin. Hier spielt sich nun die Tragödie von Tosca, Cavaradossi und Scarpia ab, wird durch die politischen und individuellen Implikationen das Schicksal der drei Protagonisten unabänderlich besiegelt. Scarpia lässt Cavaradossi foltern, um den Aufenthaltsort von Angelotti zu erpressen, dieser bleibt jedoch standhaft. Tosca, die Musikerin, die nur für die Kunst und die Schönheit lebte, und dies in einem ergreifenden Bekenntnis offenbart, wird zum Opfer des eiskalt und zynisch handelnden Tyrannen. Die Verkündigung von Napoleons Sieg verleiht Cavaradossi neue Kräfte und er triumphiert über die Royalisten. Um an sein Ziel zu gelangen, bietet Scarpia Tosca einen Deal an: Sex gegen Cavaradossis Leben, sie willigt ein. Als Scarpia Tosca umarmen will, ersticht sie ihn mit einem Messer.

Im 3. Akt weicht Pierre Audi vom vorgegebenen Schauplatz der Engelsburg ab und verlegt das dortige Gefängnis auf ein ehemaliges Schlachtfeld. Dieses symbolstarke Bild wird beherrscht von vereinzelten toten Baumstümpfen und Sumpfgrasbüscheln, welche die Trostlosigkeit der Szene spiegeln. Schwach dämmert der graue Tag herauf, ein kleines beleuchtetes Zelt dient dem todgeweihten Cavaradossi als letzte Zuflucht und ist Blickfang. Das Holzkreuz beschließt nun in Deckenhöhe die einsame Szene. Soldaten lagern auf dem Feld, formieren sich zum Exekutionskommando, unterbrochen von Cavaradossis letztem verzweifeltem Aufbäumen gegen das grausame Schicksal, das seiner Liebeshoffnung und seinem Leben nun ein Ende setzt. Da stürmt wie ein deus ex machina Tosca auf die Szene und gemeinsam geben sich die Liebenden noch einmal der trügerischen Hoffnung einer gemeinsamen Zukunft hin, bis die grausame Realität mit Cavaradossis realer Hinrichtung der Liebesutopie ein jähes Ende setzt. Es fällt ein schwarzer Schleier, man sieht Tosca auf ein Tor aus gleißendem Licht zuschreiten.

Wenn man es nicht geahnt hatte, dann weiß man es spätestens nach dieser Aufführung. Anja Harteros ist vielleicht DIE Tosca unserer Zeit. Ihre Stimme ist prädestiniert für Puccinis große Heroine und vereint alle Eigenschaften, die für eine kongeniale Rollenausdeutung ideal sind. Ihr voller, warmer Sopran leuchtet in allen Lagen, sie variiert ihre Stimme von äußerster Zartheit bis in dramatische Spitzenbereiche und schattiert jeden Affekt mit verblüffendem Nuancenreichtum. Ihr untrüglicher Sinn für Puccinis‘ Melos lässt ihr „Vissi d‘arte“ zu einem Höhepunkt der Aufführung werden und reißt das Pariser Opernpublikum zu Beifallsstürmen hin. In ihrem Spiel akzentuiert sie die aufrichtig Liebende mit Sensibilität und Verletzlichkeit, anrührend gerät ihre Traumatisierung nach dem Mord an Scarpia.

Tosca –  Giacomo Puccini
youtube Trailer – Opéra National de Paris –  Premiere 2018
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Marcelo Puente als Cavaradossi avanciert ebenfalls zum Publikumsliebling an diesem Abend. Ein feuriger, jugendlicher Liebhaber, der mühelos jede tenorale Klippe umschifft und mit einem beeindruckenden Rollenportrait überzeugt. Sein warmer lyrischer Tenor besitzt Strahlkraft, Innigkeit und viel Schmelz, er weiß perfekt zu phrasieren, ohne stilistisch abzugleiten und bewegte tief mit seiner letzten Arie „E lucevan le stelle“.

Zeljko Lucic punktet als Fiesling Scarpia mit vielen baritonalen Glanzmomenten, seine höhensichere Stimme klingt einschmeichelnd, voll triefender Ironie und weiß vor allem an den leisen Stellen zu überzeugen. Im „Tedeum“ überstrahlte sein tragfähiger Bariton mühelos das Ensemble und im 2. Akt findet er nicht nur in der Darstellung zu Härte und Boshaftigkeit. Auf höchstem Niveau sangen und agierten  Krysztof Baczyk als Angelotti, Nicolas Cavallier als Mesner, Rodolphe Briand als Spoletta, Igor Gnidii als Sciarrone und Christian R. Moungoungou.

Dan Ettinger am Pult des Orchestre de l‘Opéra National de Paris entlockte dem hochmotivierten Klangkörper ein Feuerwerk an Klangfarben wie man es sich von Puccinis Partitur erträumt. Der ehemalige Mannheimer GMD und Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker findet die perfekte Balance zwischen italienischem Pathos, Transparenz, stilsicherem Rubato und mitreißender Schwärmerei. Ettinger zaubert hinreißende Klangbilder, und gestaltet dramatische Aufschwünge mit südländischem Temperament, ohne die Details zu vernachlässigen. Wann hat man jemals so eine spannende und differenziert gestaltete Dynamik bei der Militärmusik gehört sowie derart sensibel und fein ziselierte Holzbläser. Ebenfalls herausragend waren Chor ( Leitung: José Luis Basso) und Kinderchor.

Das enthusiasmiere Pariser Publikum bedachte die Hauptakteure mit Blumen und spendete lange Beifall nach diesem außergewöhnlichen Abend

—| IOCO Kritik Opéra National de Paris |—

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Spielplan Mai 2019

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel


Premieren im Mai


Premiere Tanz

Evolution

Choreografien von Liliana Barros und Stephan Thoss

Musik von Jacques Offenbach, Georges Bizet, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Bernd Alois Zimmermann u. a.

Premiere am Donnerstag, 23. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Weitere Vorstellung am 12. Juli

Wir empfinden unsere Zeit als hochentwickelt und ein Abebben des Fortschrittsverlangens ist nicht spürbar. Doch wie vollzieht sich Entwicklung? Kann sich ein Einzelner in völliger Isolation weiterentwickeln oder braucht der Wechsel die Provokation durch ein Gegenüber, lassen sich kreative Prozesse in einer Gemeinschaft leichter realisieren? Mit diesen Fragen setzt sich die portugiesische Choreografin Liliana Barros in ihrer Kreation für »Evolution« auseinander und erforscht sie in körperlicher Dimension. Stephan Thoss hingegen konzentriert sich in »bellulus« auf den Moment der Stagnation und wählt als Motiv den ewigen Kreislauf des Opernrepertoires: Ein Ensemble personifizierter Opernarien in schon etwas angeschimmelten Roben räkelt sich auf einem staubigen, überdimensionalen Sofa und schwelgt in altbekannten Melodien. Selbstverliebt haben die Figuren in ihrer überheblichen Art den Anschluss an eine neue Zeit verpasst und entgehen der aufregenden Möglichkeit, sich zu verändern, wach zu bleiben und neue Wege zu entdecken. Wer den »Bolero« im Spielplan vermisst, wird Stephan Thoss’ feinen Sinn für Humor in »bellulus« wieder finden.

Choreografie & Kostüme Liliana Barros / Stephan Thoss Bühne Liliana Barros / Arne Walther Licht Wolfgang Schüle / Stephan Thoss

Mit Tanzensemble des NTM


Premiere Schauspiel

Wir

nach dem Roman von Jewgenij Samjatin

Liebesgeschichte aus der Zukunft

Premiere am Freitag, 24. Mai 2019, 20.00 Uhr, Studio Werkhaus

Die ferne Zukunft. Die letzten Menschen leben innerhalb der Mauern des »Einzigen Staates« und sind heilfroh, sich nicht mehr mit überholten Konzepten wie Liebe und Freiheit abmühen zu müssen. So kann sich auch D-503, Konstrukteur des Raketenschiffs »Integral«, nichts Besseres vorstellen, als eine perfekte Nummer im Kollektiv zu sein, sein rosa Billett beim streng geregelten intimen Kontakt abzugeben und durch die gläsernen Wände seiner Wohnung die heile, logische Welt zu betrachten.

Bis er sich in die mysteriöse Nummer I-330 verliebt. Mit einem Mal sind da alle diese Emotionen, diese aufregenden Geheimnisse. Entscheidet sich D-503 am Ende doch gegen den vorgegebenen Lebensentwurf?

Jewgenij Samjatin schrieb »Wir« bereits 1920, lange bevor Huxley, Bradbury oder Orwell mit ihren düsteren Zukunftsvisionen berühmt wurden. Roscha A. Säidow, derzeit Artist-in-Residence am Puppentheater Magdeburg, hat sich als formstarke Geschichtenerzählerin einen Namen gemacht und bringt Samjatins vergessenen Klassiker der Science-Fiction-Literatur als musikalische Mischung aus Schauspiel und zeitgenössischem Figurentheater auf die Bühne.

Regie Roscha A. Säidow Bühne & Kostüme Julia Plickat Musik Fabian Kalker Licht Björn Klaassen Dramaturgie Sascha Hargesheimer

Mit Rocco Brück, Sarah Zastrau, Viktoria Miknevich


Premiere Oper

Pelléas et Mélisande

Claude Debussy

Premiere am Samstag, 25. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus

Weitere Vorstellungen am 29. Mai und 2. Juni

In einem düsteren Wald trifft Golaud, der Enkel des Königs von Allemonde, auf die mysteriöse Mélisande, nimmt sie mit in seine Heimat und macht sie zu seiner Frau. Doch als sein Bruder Pelléas die geheimnisvolle Schönheit kennenlernt und sich beide ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen unheilvollen Lauf. Claude Debussys Vertonung des symbolistischen Theatertextes von Maurice Maeterlinck ist seine einzige vollendete Oper. Die von ihm geschaffene Klangwelt steht ganz im Dienst der märchenhaften Ereignisse und der vom Schicksal getriebenen Figuren. Regisseur Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin, landete mit seiner Interpretation von Debussys Meisterwerk einen Inszenierungscoup, der nach Aufführungen in Berlin nun am NTM mit Mannheimer Ensemblemitgliedern neu einstudiert wird. Kosky übersetzt die Oper in ein psychologisch tiefenscharfes Kammerstück, das die erschütternde Zeitlosigkeit einer tragischen Beziehungskonstellation offenlegt.

Eine Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin

In Kooperation mit dem Institut français Mannheim.

Musikalische Leitung Alexander Soddy Regie Barrie Kosky Bühne & Licht Klaus Grünberg Co-Bühnenbildnerin Anne Kuhn Kostüm Dinah Ehm Dramaturgie Johanna Wall / Julia Warnemünde

Mit Raymond Ayers (Gast), Astrid Kessler, Joachim Goltz, Patrick Zielke, Marie-Belle Sandis, Ilya Lapich


Alphabet-Tage – Singen für alle!


Ladysmith Black Mambazo

Der beste Chor Südafrikas – ausgezeichnet mit 5 Grammys

Nur am Freitag, 3. Mai, 20.00 Uhr, Opernhaus

Stars im NTM: Weltweite Bekanntheit erreichte die Männer-a-capella-Gruppe aus dem südafrikanischen Township Ladysmith im Jahr 1986, als Paul Simon den Chor für sein Album »Graceland« gewann. Doch bereits seit 1964 pflegt diese herausragende Sängerformation die afrikanischen Gesangstraditionen des Mbube und des Isicathamiya. Im Laufe seiner beeindruckend langen Karriere beschäftigte sich der Chor immer wieder auch mit Werken der europäischen Klassik und der Popmusik.

Ihr einmaliger Sound brachte ihnen diverse Auszeichnungen ein, darunter fünf Grammys. Den letzten widmete die Gruppe dem ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela, den sie bereits 1993 zur Verleihung des Friedensnobelpreises begleiteten.

Mit Ladysmith Black Mambazo


Singen für alle!

Ein Tag des Gesangs mit Chorkonzerten, Workshops und Vorträgen

Nur am Samstag, 4. Mai, 11.00 bis 18.00 Uhr, Oberes Foyer & andere Orte

An diesem Tag sollen die Foyers und Bühnen des Nationaltheaters von Gesängen widerhallen – wir haben ausgewählte Chöre Mannheims eingeladen, Kostproben ihres Könnens zu geben. Daneben wird es Workshops und Vorträge geben: Wie geht gutes Einsingen? Was unterscheidet die verschiedenen musikalischen Stile und wie erlernt man sie? Kann man auch ohne Chorleiter gemeinsam singen? Die Liste der Fragen rund um das Thema »Singen« kann mit Sicherheit fortgesetzt werden, und wir werden an diesem langen Samstag nicht Antworten auf alle Fragen finden. Sicher ist aber auch: Es wird ein großer Spaß werden.

MITMACHEN
Ganz gleich, ob blutiger Anfänger oder erfahrenes Goldkehlchen, jede/r kann teilnehmen.

Eintritt: 5 €
Anmeldung unter: info@alphabet-oper.de

WORKSHOPS:

»Große Opernchöre«
Mit dem NTM-Opernchordirektor Dani Juris (Mannheim)

»Chorimprovisation und Bodypercussion«

Mit Uschi Krosch (Hamburg)»Orientalischer Chorgesang«
Mit Mehmet C. Ye?ilçay (München)

»Maestri piccolini«
Kinderchor NTM einmal anders
Mit dem NTM-Kinderchor und Leiterin Anke-Christine Kober

KONZERTE MIT:
Chor für Geistliche Musik Ludwigshafen, Junger Kammerchor Mannheim, Kammerchor des Stadtdekanates Ludwigshafen Coro Piccolo, JungerChor TakeFour, 4×4 Frauenchor der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Kammerchor der Musikschule Mannheim, Joyful Voices Das Rote Mikrofon, Jugend-KANTOREI Vogelstang, The Celebration Gospel Choir, Kammerchor Cantabile, Alphabet-Chor


Orchesterkaraoke

»Selten war der Befund, der Saal koche, so angebracht. Und selten verließ man ein Theater so uneingeschränkt gut gelaunt.« (Spiegel Online)

Nur am Samstag, 4. Mai, 19.00 Uhr, Opernhaus

Mit der Mannheimer »Orchesterkaraoke« wird der weltweit populäre Freizeitspaß neu definiert. Hier singen Unerschrockene in Begleitung des spätromantisch besetzten Mannheimer Stamitz-Orchesters und des 100-köpfigen Alphabet-Chores den Popsong ihrer Wahl. Eine Konzertshow, die nicht nur den einzelnen Sängern die begehrten »fünf Minuten Ruhm« verspricht, sondern auch die übrigen Zuschauer in derartig ekstatische Stimmung versetzt, dass selbst die verschämtesten »heimlich unter der Dusche-Sänger« aus voller Kehle mitsingen.

Diese ultimative Begegnung von Hoch- und Populärkultur hat zuletzt in der Elbphilharmonie in Hamburg über 3.000 Zuschauer begeistert. Am 4. Mai verwandelt sich das Opernhaus in eine Karaoke-Bar der Extraklasse.

Mit Alphabet-Chor, Stamitz-Orchester Mannheim, Jan Dvorak (Dirigat), Matthias von Hartz (Moderation), Jan Wulf (lebende Karaokemaschine), Joe Völker (Choreinstudierung)


Festlicher Opernabend


Don Carlo

Giuseppe Verdi

mit Marina Prudenskaja als Eboli und Ludovic Tézier als Posa

Nur am Samstag, 18. Mai, 19.00 Uhr, Opernhaus

Wenn Marina Prudenskaja eine Rolle übernimmt, tut sie das mit Haut und Haaren. In aller Welt macht die in St. Petersburg geborene Mezzosopranistin mit ihren Wagner- und Verdi-Interpretationen von sich reden. Jetzt ist sie als liebeskranke Prinzessin Eboli zu Gast am NTM. Als Marquis Posa tritt ihr der international gefragte Bariton Ludovic Tézier gegenüber. Mit diesen Ausnahmekünstlern ist Gänsehaut garantiert.

Mit freundlicher Unterstützung unseres Hauptsponsors Baden-Württembergische Bank


Französisches Wochenende


Um Jacques Offenbachs Operette »Orpheus in der Unterwelt« und Debussys Opern »House of Usher« und »Pelléas et Mélisande« rundet ein Rahmenprogramm dieses thematisch dem Nachbarland Frankreich gewidmete Wochenende ab.

House of Usher
Musiktheater nach Debussy und E.A. Poe von Anna Viebrock
Am Freitag, 31. Mai, 19.30 Uhr, Opernhaus – Kurzeinführung um 19.00 Uhr im Oberen Foyer
Anschließend Nachgespräch mit Mitgliedern des Teams im Oberen Foyer

Orpheus in der Unterwelt
Jacques Offenbach

Am Samstag, 1. Juni, 19.30 Uhr, Opernhaus – Kurzeinführung um 19.00 Uhr im Oberen Foyer
Anschließend Chansons und Häppchen im Theatercafé

Musikalische Matinée mit Elias Corrinth
zu »Pelléas et Mélisande« von Claude Debussy
Am Sonntag, 2. Juni, 11.00 Uhr, Theatercafé

Pelléas et Mélisande
Claude Debussy
Am Sonntag, 2. Juni, 18.00 Uhr, Opernhaus – Kurzeinführung um 17.30 Uhr im Oberen Foyer


Musiksalon


Musiksalon // Lied: »Das Buch der hängenden Gärten«

Liederabend mit Thomas Berau und Elias Corrinth

Am Samstag, 11. Mai 2019, 20.00 Uhr, Montagehalle Werkhaus

Ein junger Prinz betritt einen paradiesischen Garten und findet die Erfüllung seiner Sehnsüchte mit der Geliebten in einem Blumenbett. Doch die Geliebte verlässt den Jüngling und mit ihrem Weggang verfällt auch der Garten seiner Träume. 15 Gedichte aus dem »Buch der hängenden Gärten« des Dichters Stefan George wählte Arnold Schönberg für seinen Liedzyklus aus. Dabei fokussiert er sich nicht auf die detailreiche Beschreibung der Verwandlung der Liebenden und ihres Paradieses. Jedes Lied bringt vielmehr einen Gedanken, eine Atmosphäre zum Ausdruck. Und noch während Schönberg in den Jahren 1908 bis 1909 an seinem Zyklus arbeitete, war ihm bewusst, dass er eine neue Phase seines künstlerischen Schaffens beschritt: »Mit den George- Liedern ist es mir zum erstenmal gelungen, einem Ausdrucks- und Formideal nahezukommen, das mir seit Jahren vorschwebt.« Der beliebte Ensemblesänger Thomas Berau und Pianist Elias Corrinth nähern sich Schönbergs Liederzyklus mit großem Feingefühl für die besondere, fragile Architektur des Werkes.

Mit Thomas Berau (Bariton), Elias Corrinth (Klavier)


Musiksalon // Szene: Caspars Wolfsschlucht
Soloprogramm mit Patrick Zielke und Kapelle

Am Samstag, 18. Mai 2019, 20.00 Uhr, Casino Werkhaus

»Fort! Stürzt das Scheusal in die Wolfsschlucht!«, so heißt es am Ende des »Freischütz«, nachdem Caspar, von seinen eigenen Freikugeln getroffen, zu Boden gegangen ist. Was hat man ihm nicht alles angehängt: Er habe den braven Max zum Bösen verführt, stelle seiner Braut nach, gieße immer treffende Freikugeln, sei letztlich ein Teufelsanbeter. Das letzte, woran er sich erinnern kann, ist der Sturz in die verrufene Schlucht. Dann wurde es schwarz vor seinen Augen.

Nachdem er nach einer längeren Ohnmacht in unserem Theater-Casino wieder aufgewacht ist, bestellt er erst einmal einen Jägermeister an der Bar und beginnt seine Version der Geschichte zu erzählen. Und die weicht ziemlich vom Opernführer ab. Der charismatische Bass Patrick Zielke ist Protagonist in dieser One-Man-Show. Nachdem der ursprünglich geplante Premierentermin im November wegen Krankheit ausfallen musste, wird Zielke nun im April die Theaterkneipe zur Wolfsschlucht machen.

Mit Patrick Zielke (Gesang & Schauspiel), Jan Dvorak (Regie & Instrumente), Daniel Fritzsche (Cello), Robin Phillips (Klavier)


Musiksalon // Klassik: »Souvenir de Florence«
Streichsextette von Schönberg und Tschaikowsky

Nur am Sonntag, 26. Mai 2019, 20.00 Uhr, Oberes Foyer

Als Pjotr Tschaikowsky die Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Florenz in Töne bannte, war er längst nach Russland heimgekehrt. Er hatte in Italien unbeschwert seine Oper »Pique Dame« komponiert und trotzdem beginnt sein einziges Streichsextett dramatisch, emotional aufgewühlt; es verkehrt sich bald ins Gespenstische, in romantisches Zwielicht. Der Selbstmord des Protagonisten seiner Oper versetzte Tschaikowsky derart in Aufregung, dass sein »Souvenir de Florence« ein echtes Nachtstück wurde.

Noch hitziger und noch düsterer ist Arnold Schönbergs Vertonung der Verse von Skandaldichter Richard Dehmel, der das Geständnis einer jungen Frau auf einem nächtlichen Spaziergang beschreibt. Während es das Publikum der Uraufführung spaltete, gehört das Sextett aus Schönbergs tonaler Phase heute zu seinen meistgespielten Werken. Das Ensemble um NTO-Solocellist Fritjof von Gagern und Solobratscher Julien Heichelbech finden darin den idealen Sound für eine der ersten schwülen Mannheimer Sommernächte.

Mit Covadonga Alonso (Geige), Fritjof von Gagern (Cello), Julien Heichelbech (Bratsche), Marie-Claudine Papadopoulos (Geige), Alexandre Vay (Cello), Baptiste Vay (Bratsche)


Schauspiel Extra


Besser Scheitern – Stücke aus dem Papierkorb
Lesung

Am Donnerstag, 2. Mai 2019, 20.00 Uhr, Lobby Werkhaus

Scheitern als Chance: Zu Gast in dieser Ausgabe der Lesereihe ist der Autor, Musiker und Hörspielproduzent Dominik Busch mit seinem Text »Flugangst«.

In Kooperation mit dem Theaterhaus G7


Robert Seethaler – »Das Feld«
Lesung

Am Montag, 27. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Was bleibt von einem Leben? Eine Geschichte oder die Erinnerung an einen Moment, an ein bestimmtes Gefühl? Nach »Ein ganzes Leben« ein weiterer Bestseller von Robert Seethaler.
Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er.

In Robert Seethalers neuem Roman »Das Feld« geht es um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.


Casino Performance: Der Blockbuster Teil 4
Am Mittwoch, 29. Mai 2019, 22.00 Uhr, Casino Werkhaus

Die großen Kino-Mythen im kleinsten Raum! Schauspieler Robin Krakowski und weitere Ensemblemitglieder zeigen in Folge 4 der Serie einmal mehr, was die Essenz der großen Blockbuster ist. Wiedererkennungseffekt und großer Spaß garantiert!


Wiederaufnahmen im Mai


Oper

Don Carlo
Giuseppe Verdi

Wiederaufnahme am Sonntag, 5. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus
Weitere Vorstellungen am 10., 18., 20. und 24. Mai

Der spanische Infant Carlo und Elisabeth von Valois lieben sich. Doch König Philipp II. nimmt Elisabeth aus politischen Gründen selbst zur Frau und macht aus der Braut des Sohnes dessen Stiefmutter. Der Marquis von Posa versucht, seinen besten Freund Carlo für den Freiheitskampf der Provinz Flandern zu interessieren und ihm damit über den Liebeskummer hinwegzuhelfen. Doch das Wirken der Prinzessin Eboli, die Elisabeth aus vergeblicher Liebe zu Carlo beim König verleumdet, das gnadenlose Vorgehen der Inquisition und die aufwändige Intrige, die Posa für die Idee der Freiheit initiiert, verhindern eine Erfüllung der politischen und privaten Ziele.

Verdi hat nach der Vorlage von Schillers Drama eine seiner farbenreichsten Partituren geschaffen. In Jens-Daniel Herzogs Inszenierung aus dem Jahr 2013 treffen historische Zitate auf eine moderne Formen- und Farbwelt.

Mit Sung Ha (Philipp II.), Irakli Kakhidze (Don Carlo), Nikola Diskic (Rodrigo, Marquis von Posa), KS Thomas Jesatko (Großinquisitor), Miriam Clark (Elisabeth), Julia Faylenbogen (Prinzessin Eboli), Amelia Scicolone (Tebaldo), Koral Güvener (Graf von Lerma / Herold), Dominic Barberi (Mönch), Natalija Cantrak (Stimme)


Tosca
Giacomo Puccini

Wiederaufnahme am Donnerstag, 30. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus
Weitere Vorstellungen am 9., 19. und 29. Juni

Ein atemberaubender Thriller aus einer spannungsgeladenen Zeit: Rom um 1800. Die skrupellose Geheimpolizei unter Baron Vitello Scarpia schreckt bei der Verfolgung politischer Gegner vor Folter und Mord nicht zurück. Die Sängerin Floria Tosca gerät in die Fänge dieser Maschinerie, als ihr Geliebter, der Maler Cavaradossi, dem wegen Hochverrats eingekerkerten Angelotti zur Flucht verhilft. Der Polizeichef Scarpia bietet Tosca zynisch die Möglichkeit, das Leben ihres Geliebten zu retten, in dem sie sich ihm hingeben soll. Um sich vor den Zugriffen Scarpias zu retten, ersticht sie ihn und hofft, nach der »Scheinhinrichtung« mit dem totgeglaubten Cavaradossi entfliehen zu können. Doch dem Sog aus Macht und Gewalt kann sie nicht entkommen. Die als »Spiel« inszenierte Hinrichtung ihres Geliebten erweist sich als Wirklichkeit. Schockiert vom Tod ihres Geliebten, entsetzt über den teuflischen Betrug des Polizeichefs und gejagt von der Polizei, gibt es für sie nur noch einen Ausweg: den Sturz von der Engelsburg.

Renate Ackermann belässt in ihrer Inszenierung von 1994 die Handlung im historischen Rahmen, während das abstrahierte Bühnenbild Hans-Martin Scholders einen allegorischen Raum der Sinnbezüge schafft.

Mit Elisabeth Teige (Tosca), Adrian Xhema (Cavaradossi), Evez Abdulla / Jorge Lagunes (Scarpia), Dominic Barberi (Angelotti), Christopher Diffey (Spoletta), Marcel Brunner (Meßner), Junchul Ye (Sciarrone), Stephan Somburg / Chi Kyung Kim (Schließer) sowie Solisten des Kinderchores (Ein Hirte)


Zum letzten Mal in der Spielzeit 2018/2019


Die vier Jahreszeiten / Empty House
Choreografien von Giuseppe Spota und Johan Inger
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit am Montag, 6. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus
Ein Abend, zwei äußerst individuelle Stücke: auf fesselnd bildstarke »Vier Jahreszeiten« folgt
choreografische Raffinesse zu ungarischen Geigenrhythmen in »Empty House«.

Zum letzten Mal
Der Elefantengeist
Lukas Bärfuss
Zum letzten Mal am Mittwoch, 8. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Er war der »schwarze Riese« der alten BRD: Helmut Kohl (1930 – 2017). Als Bundeskanzler prägte er 16 lange Jahre die Politik der Bundesrepublik. Nun wird der Pfälzer zum letzten Mal zum Ausgangspunkt einer Expedition in eine versunken anmutende Zeit.


Don Carlo
Giuseppe Verdi
Zum letzten Mal am Freitag, 24. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus

Spanien zur Zeit der Inquisition: König Philipp II. heiratet die französische Königstocher Elisabeth von Valois und setzt damit ein Familiendrama mit politischen Konsequenzen in Gang. Denn Elisabeth ist die große Liebe seine Sohnes Don Carlo. Nach Schillers Vorlage schuf Verdi eine seiner farbenreichsten Partituren. In der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog treffen historische Zitate zum letzten Mal auf eine moderne Formen- und Farbwelt.


Weitere Veranstaltungen im Mai


Fortbildung: site specific
Am Samstag, 4. Mai 2019, 10.00 Uhr, Foyer Junges NTM

Benefizgala des Wagner-Verbandes

Am Samstag, 4. Mai 2019, 18.00 Uhr, Christuskirche
Die schönsten Opernarien von Verdi, Puccini und Wagner zu einem guten Zweck: Mit dem Erlös unterstützt der Mannheimer Wagner-Verband das Internationale Opernstudio des NTM.
Musikalische Leitung Alexander Soddy Mit Nikola Hillebrand, Jelena Kordic, Eunju Kwon, Evez Abdulla, Thomas Berau, Juraj Holly


4. Familienkonzert: »Karneval der Tiere«
Camille Saint-Saëns
5+

Am Sonntag, 5. Mai 2019, 11.00 Uhr, Opernhaus
Wie klingt das eigentlich, wenn eine Schildkröte Cancan tanzt? Und welches Tier spielt auf der
Glasharmonika? Das alles gibt es beim Familienkonzert zu erleben – inklusive Schauspieler und
Live-Illustration.
Die Familienkonzerte finden im Rahmen der Jungen Oper statt. Die Junge Oper wird präsentiert von der MVV.


Club der unmöglichen Fragen
»Starke Unternehmen ohne Frauen?«

Am Donnerstag, 9. Mai 2019, 17.30 Uhr, Lobby Werkhaus

Es gibt immer noch zu wenige Frauen in Führungspositionen. Die Politik hat mit einem Quoten-Gesetz den ersten Schritt zur Chancengleichheit unternommen. Was braucht Mannheim: Gezielte Frauenförderung oder eine Quotenregelung?


Einführungssoirée: Evolution
Choreografien von Liliana Barros und Stephan Thoss
Musik von Jacques Offenbach, Georges Bizet, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi, Bernd Alois Zimmermann u. a.
Am Donnerstag, 9. Mai 2019, 19.00 Uhr, Schauspielhaus


5. Familienkonzert: »Karneval der Tiere«
Camille Saint-Saëns
5+
Am Sonntag, 12. Mai 2019, 11.00 Uhr, Opernhaus
Wie klingt das eigentlich, wenn eine Schildkröte Cancan tanzt? Und welches Tier spielt auf der
Glasharmonika? Das alles gibt es beim Familienkonzert zu erleben – inklusive Schauspieler und
Live-Illustration.
Die Familienkonzerte finden im Rahmen der Jungen Oper statt. Die Junge Oper wird präsentiert von der MVV.


Kammerakademie
Musikalische Leitung: Sarah Christian (Violine)
Mit Julian Heichelbeck (Viola)

Am Sonntag, 12. Mai 2019, 19.30 Uhr, Opernhaus

Unter der Leitung der vielfach prämierten Geigerin Sarah Christian erklingen Mozarts »Maurerische Trauermusik«, die »Sinfonia concertante Es-Dur« und Schuberts Streichquartett »Der Tod und das Mädchen«.


Begegnung der Freunde & Förderer mit Dominic Barberi
Moderation: Albrecht Puhlmann
Am Mittwoch, 15. Mai 2019, 20.00 Uhr, Theatercafé


Workshop Liebe
Dokumentarisches Theater
Anmeldung: nationaltheater.stadtensemble@mannheim.de / Teilnahme 15 Euro
Vom 16. bis 18. Mai 2019, Probenraum, R4
Die Liebe! Im Mai, dem Monat dieses überwältigenden Gefühls, beschäftigen wir uns mit authentischem Material, wahren Objekten und Hinterlassenschaften der Liebe und bringen

sie in Kurzperformances auf die Bühne.


Extraschall: Spielraum
8+

Am Samstag, 18. Mai 2019, 15.00 Uhr, Studio Feuerwache
Was sind eigentlich Musikinstrumente? Vier Spielerinnen und Spieler erproben, wie es ist, einen ganzen Raum als Instrument zu begreifen.


Ballettabend der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
Akademie des Tanzes

Am Sonntag, 19. Mai 2019, 19.00 Uhr, Opernhaus

Lassen Sie sich nicht nehmen Ihre ganz persönlichen Favoriten zu entdecken und vielleicht eine Karriere zu verfolgen. Erleben Sie, wie junge individuelle Persönlichkeiten mit Energie, Hingabe, Ausstrahlung und großer Begeisterung sich in einem neuen, berührenden und mitreisenden Programm von Klassischem bis Modernem Tanz und eigenen Kurzchoreografien der Studierenden präsentieren.


Einführungssoirée mit Probenbesuch: Pelléas et Mélisande
Claude Debussy

Am Dienstag, 21. Mai 2019, 18.30 Uhr, Oberes Foyer


Reigen
Gastspiel der Musikhochschule Mannheim
Oper in zehn Dialogen    von Philippe Boesmans nach dem Drama von Arthur Schnitzler

Am Donnerstag, 30. Mai 2019, 19.30 Uhr, Schauspielhaus
Zehn Personen und ihre sexuellen Verflechtungen: »Reigen« zeichnet ein Bild der Moral in der
Gesellschaft des Fin de siecle und durchwandert dabei alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie.


Ausblick Juni


Schauspiel

20. Internationale Schillertage

»Fieber«
Vom 20. bis 30. Juni 2019
u.a. mit:

Maria Stuart
Königinnendrama von Friedrich Schiller
Eröffnungspremiere am Donnerstag, 20. Juni 2019, Schauspielhaus

Tram 83

nach dem Roman von Fiston Mwanza Mujila
Deutsche Erstaufführung am Freitag, 21. Juni 2019, im Club »Disco Zwei«


Junges NTM


MonsterzottelMonsterburger
8+
Uraufführung am Freitag, 14. Juni 2019, Studio Feuerwache

Investiert Euch!
Eine Inszenierung der Jungen Bürgerbühne
13+
Uraufführung am Sonntag, 23. Juni 2019, Stadtraum


—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—

Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Premiere Tosca – Giacomo Puccini, 20.01.2019

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Eduard von Winterstein Theater

Eduard-von-Winterstein-Theater / Tosca © Dirk Rückschloß

Eduard-von-Winterstein-Theater / Tosca © Dirk Rückschloß

 Tosca –  Giacomo Puccini

Am Sonntag, 20. Januar 2019, hat um 19 Uhr Giacomo Puccinis große italienische Oper Tosca unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi in einer Inszenierung von Rainer Wenke Premiere am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg- Buchholz.

Nach dem Welterfolg seiner Oper La Bohème fand Giacomo Puccini in dem französischen Drama La Tosca von Victorien Sardou die Vorlage für sein nächstes Werk, das genauso wie die Bohème und später Madame Butterfly die Opernbühnen der ganzen Welt erobern sollte: Der Maler Mario Cavaradossi arbeitet in der Kirche St. Andrea della Valle an einem Bild der Heiligen Maria Magdalena. Hier hat sich in einer Seitenkapelle der entmachtete Konsul der untergegangenen Römischen Republik, Cesare Angelotti, versteckt. Als Cavaradossi seinen Freund entdeckt, verschließt er zu dessen Schutz die Kirchentür. Die Sängerin Tosca aber, die Cavaradossi sehen will, wird wegen der verschlossenen Tür argwöhnisch; sie beschuldigt ihren Geliebten der Untreue. Der kann sie beruhigen, und nachdem Tosca gegangen ist, verlässt auch er mit Angelotti hastig die Kirche, um den Freund in seinem Haus vor den brutalen neuen Machthabern zu verstecken. Auf der Suche nach Angelotti stürmt Polizeichef Scarpia in die Kirche. Als Tosca, auf die er schon lange ein Auge geworfen hat, noch einmal zurückkommt, schürt er die Eifersucht der Sängerin, um zu erfahren, was Cavaradossi plant. Tosca und Cavaradossi werden zu hilflosen Werkzeugen in Scarpias bösem Machtspiel.

Eduard-von-Winterstein-Theater / Tosca © Dirk Rückschloß

Eduard-von-Winterstein-Theater / Tosca © Dirk Rückschloß

 Tosca singt Bettina Grothkopf; Cavaradossi verkörpert Jason Lee und Jason-Nandor Tomory ist als Baron Scarpia zu erleben. In weiteren Rollen stehen unter anderem Volker Tancke als Angelotti und László Varga als Mesner auf der Bühne. Neben den Solisten des Ensembles und dem Opernchor des Eduard-von- Winterstein-Theaters wirken Extra- und Kinderchor mit. Es spielt die Erzgebirgische Philharmonie Aue.

Premiere: 20. Januar 2019, 19 Uhr,  weitere Vorstellungen: Mi, 23.01.2019, 19.30 Uhr | Sa, 02.02.2019, 19.30 Uhr | Fr, 08.02.2019, 19.30 Do, 14.02.2019, 19.30 Uhr | So, 17.02.2019, 19.00 Uhr | So, 10.03.2019, 19.00 Sa, 20.04.2019, 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Tosca – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 23.11.2108

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

Tosca – Giacomo Puccini

– Himmel und Hölle der Gefühle –

Von Ingo Hamacher

Tosender Applaus, Ovationen, rythmisches Klatschen und Standing Ovations krönten einen Abend, bei dem das begeisterte Publikum die Darsteller und das Produktionsteam so oft an die Bühnenrampe zurück forderte, bis dass der Inspizient das Machtwort sprach, und den Vorhang endgültig in den nicht enden wollenden Jubel fallen ließ.

Musikalisch ein Genuss und stimmlich großartig bis in die kleinste Partie stellt diese Tosca einen Höhepunkt der jetzigen Saison dar. TOSCA errang schnell, obwohl sie attraktive Partien für Tenor und Bariton aufweist, als Primadonnenoper Ruhm und Anfeindung.

Tosca  –  Giacomo Puccini
Youtube Trailer der Opéra Royal de Wallonie-Liège
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1913 wurde die Oper noch vernichtend beurteilt: „Die Sensation schlägt durch. Ein ekelhafter Text, blutig nicht bloß im Stoff, auch in der Behandlung“, die Musik sei „Schlächterarbeit im Kleid des Liebenswürdigen, lächelnder Mord“ und die Arien seien versungen und vertan: „geopfert dem Moloch der Kinodramatik“.

Inzwischen gilt TOSCA als eine der bekanntesten Opern der Welt; Puccinis Musikdrama wird vom Publikum als realistisch empfunden, als komplexer Ausdruck einer psychischen Situation der Opernfiguren. Gianluigi Gelmetti, der die Aufführung musikalisch leitet, zeichnet die musikalischen Welten des Stücks, wie die Welt Scarpias mit ihrem tonalitätsfernen Blechbläserklang; die schmerzliche Chromatik der gequälten Revolution; wie auch die naive Sphäre des naiven Messners, feinfühlig und differenziert nach.

Gianluigi Gelmetti, 72, ist ein italienischer Dirigent und Komponist. Lange Jahre hatte Gelmetti die Position als Chefdirigent des SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (1989–1995) inne. Im Jahre 2001 wurde er zum Chefdirigenten des Teatro dell’Opera in Rom ernannt.

Wie häufig in Puccinis Werk sind in TOSCA sinnliche Liebe und Todesnähe oft unentrinnbar miteinander verknüpft. Das Werk ist dramatisch stringent und steht dem Verismo nahe. Die Handlung der TOSCA lässt sich auf den Tag genau festlegen: den Nachmittag und Abend des 17. Juni 1800 mit folgendem Morgen, drei Tage nach der Schlacht bei Marengo.

Hintergrund: Napoleon Buonaparte hatte in den Jahren zuvor fast ganz Italien erobert, und freiheitliche Republiken nach französischem Vorbild errichtet. Als er anschließend zu seinem Ägypten-Feldzug aufbracht, kam es zu einem Sieg reaktionärer Kräfte, die die republikanischen Bestrebungen aufs heftigste unterdrücken, und statt dessen eine Polizeiherrschaft errichten. An ihrer Spitze: die Königin Maria Carolina, die in Rom alle Unterstützer der vormaligen Republik erbarmungslos verfolgen ließ. Napoleon kehrte aus Ägypten zurück, marschierte erneut in Italien ein und errang den entscheidenden Erfolg in der Schlacht von Marengo am 14. Juni 1800. Vor diesem historischen Hintergrund spielt das Stück.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier links  A. Machado als Cavaradossi © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier links  A. Machado als Cavaradossi © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Die berühmte Sängerin Tosca, die sich ihre Frömmigkeit bewahrt hat, liebt einen freigeistigen Maler, den liberal intellektuelle Cavaradossi, der neben seiner bildenden Kunst auch noch zum republikanischen Parteigänger wird. Dadurch kommt er in Konflikt mit dem allmächtigen Polizeichef Scarpia, dessen Persönlichkeit durch eine Mischung aus rücksichtsloser Grausamkeit und sexueller Obsession geprägt ist, und der den ehemaligen republikanischen Funktionär Angelotti jagt, dem nach Monaten im Kerker als Strafe für seinen Kampf gegen den alten Feudalismus die Flucht gelungen ist.

1. Akt

Ohne Ouvertüre, nur mit drei wuchtigen Harmonien eingeleitet, beginnt der erste Akt. Der Vorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf das Innere von Sant’Andrea della Valle, eine römische Kirche im Stil des Barock, die in einzelnen Elementen auf der Bühne nachgebildet wurde. Linkerhand sehen wir die zuerst verhangene akuelle Arbeit des Künstlers: Ein Bildnis der Magdalena. Im Hintergrund barocke Goldelemente und lebensgroße Heiligenstatuen; rechts das Gitter einer Familienkapelle sowie den Kerzen und Blumenschmuck einer Madonna.

Der politische Gefangene Angelotti (Bass) versteckt sich in der Kirche Sant’ Andrea, wo sein Freund, der Maler Cavaradossi (Tenor) ein Bildnis der Magdalena fertigstellt. Der Messner behauptet, das Bild ähnelt einer der Frauen, die zum Beten regelmäßig in die Kirche komme. Cavaradossi malt tatsächlich die Gesichtszüge dieser Frau in sein Bild, besingt jedoch leidenschaftlich seine große Liebe: Tosca.
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MARIO CAVARADOSSI – Aquiles Machado
Für den venezuelanischer Tenor, 45, der sein Debut 1996 in Caracas in L‘elisir d‘amore hatte gehört die Partie des Cavaradossi zu einer seiner Paraderollen, mit denen er weltweit auftritt. Die Wärme seiner großartigen Stimme passt perfekt zu dem Menschenfreund Cavaradossi, der bereit ist, selbst Schaden zu nehmen, um andere zu schützen.
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Angelotti kommt aus seinem Versteck und Cavaradossi will ihm helfen. Als Tosca (Sopran) die Kirche betritt, versteckt sich Angelotti erneut. Im Bild der Magdalena erkennt die Primadonna die Ähnlichkeit mit der Gräfin Attavanti, Angelottis Schwester, und beim Anblick der überlebensgroßen lasziven Nacktheit der Sünderin werden es wohl nicht nur die besungenen blauen Augen gewesen sein, die ihre flammende Eifersucht geweckt haben. Cavaradossi überzeugt sie jedoch von seiner Liebe und kann sie beruhigen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Virginia Tola als Tosca © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Virginia Tola als Tosca © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Virginia Tolah, ein international gefeierter argentinischer Sopran, 42, singt die Partie der FLORIA TOSCA mit der gebotenen leichten Hysterie der gefeierten Künstlerin im ersten Akt, um dann folgend alle Tiefen der Emotionen und Leidenschaften stimmschön und kraftvoll musikalisch zu gestalten.Kanonenschüsse sind zu hören. Angelottis Flucht wurde entdeckt und Cavaradossi bietet ihm seinen Garten als Versteck an. Der Polizeichef Scarpia (Bariton) kommt in die Kirche und bemerkt den Korb mit Essen, den Cavaradossi für Angelotti hingestellt hat. Zudem findet Scarpia einen Fächer. Er behauptet gegenüber Tosca, dies sei der Fächer der Gräfin aus dem Bild, mit der der Maler eine Affäre habe. Erneut eifersüchtig verlässt Tosca die Kirche.

Als nachtschwarze Bosheit und Schlechtigkeit, die sich in Scarpia manifestiert, steht Marco Vratogna, ein italienischer Bariton, mit schwarzem Bart, Glatze und mephistotelischem Umhang auf der Bühne. Vratogna hat die Partie schon in Wien, Dresden, Berlin, London, Hamburg und Baden-Baden gesungen; in Lüttich feiert er sein Hausdebut. Auch er, wie die beiden voraus genannten Hauptfiguren, stimmlich ein Erlebnis, dass den Abend noch lange nachklingen lassen wird.

Die Nachricht einer gewonnenen Schlacht gegen Napoleon läßt die reaktionären Kräfte jubeln. Scarpia schwört unterdessen, Tosca zu erobern. Das zur Feier des – vermeintlichen – Sieges aufgeführte Te Deum gibt der Regisseurin Claire Servais die Möglichkeit, den bisher kammerspielartigen Handlungsablauf zur großen Chorszene auszuweiten.

Zahllose Messnerknaben, Mönche, Nonnen, Priester, Kardinäle und nicht weniger als neun Bischöfe verwandeln die gold-barocke Szenerie mit ihrer schier unüberschaubaren Menge an Menschen, Weihrauch, Gesang und Gebet in ein Abschlussbild, bei dem man den Eindruck gewinnt, einen Blick auf himmlische Heerscharen geworfen zu haben und dem Himmel nahe gekommen zu sein.

2. Akt

Haben wir am Ende des ersten Aktes einen Blick in den Himmel geworfen, erwartet uns nun die Hölle. An der Rückwand der bis auf Scarpias Festtagstafel leeren, schwarzen Bühne sehen wir 13 Bilder alter Holzschnitte, die historische Folter- und Tötungsszenen grafisch darstellen. Als 14. und uns allen als Erlösungszeichen bekannte Darstellung hängt lebensgroß der gekreuzigte Jesus vor uns, nicht als Heiland, sondern als figürliche Darstellung des Sterbens und des Leidens.

Vor diesem Hintergrund beginnt der dramaturgisch geschickte zweite Akt: Während Scarpia im oberen Stockwerk seinen Machenschaften nachgeht, feiert die Königin im Stockwerk darunter ein Fest zu Ehren des mutmaßlichen Siegs über Napoleon. In Scarpias Wut darüber, daß seine Häscher Angelotti nicht gefunden haben, und in seiner Freude über die vorsorgliche Verhaftung Cavaradossis ertönt dann aus dem Festsaal eine Kantate mit Fünfstimmigem Chor mit dem Solo der Sopran-Primadonna Tosca.

Wir befinden uns in Scarpias Räumen im Palazzo Farnese. Der Palazzo Farnese, nach dem Adelsgeschlecht der Farnese benannt, ist eines der bedeutendsten Bauwerke der italienischen Renaissace und einer der größten Paläste Roms. Scarpia will Tosca besitzen. Triumphierend singt er „Ella verrà“, „Sie wird kommen“. Seine Diener holen Cavaradossi und bringen ihn genau in dem Moment herein, als auch Tosca kommt. Der Polizeichef befiehlt, Cavaradossi foltern zu lassen, bis er das Versteck des geflohenen Angelottis verrät.

Cavaradossi wird durch eine verborgene Tür in der Wand des Grauens in einen dahinter liegenden Raum geführt. Da die Türe einen Spalt offen steht, erleben wird die Qualen seine Folter durch seine zu uns dringenden Schreie mit. Wie der Gottessohn, der für die Sünden der Menschen sein Leben gab, erleidet auch der Maler seine Leiden, um einen anderen Menschen zu schützen. Wie der Erlöser wird auch Cavaradossi mit einem Dornenkranz um den Kopf gefoltert, wie wir aus dem Bericht Scarpias erfahren. Der weiße Corpus Christi als einzig erleuchteter Fleck in dieser Dunkelheit des Schreckens veranschaulicht uns die Gemeinsamkeit der Schicksale.

Tosca ist erschüttert und verrät das Versteck, um ihren Geliebten zu retten. Darüber ist Cavaradossi außer sich, zeigt aber, dass er sich über die von einem Boten gebrachte Nachricht vom endgültigen Sieg Napoleons freut. Daraufhin ordnet Scarpia seine Exekution an. Nur wenn sich Tosca mit ihm Scarpia einließe, würde ihr geliebter Maler verschont bleiben. In der berühmten Arie „Vissi d’arte, vissi d’amore“, der Tradition entsprechend liegend gesungen, wendet sich die Primadonna zu Gott und fleht „Nur der Schönheit weihte ich mein Leben“.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Roger Joakim als Cesare Angelotti © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Roger Joakim als Cesare Angelotti © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Kurz darauf erfahren wir, dass sich Angelotti umgebracht hat, um der Gefangenschaft zu entgehen. Scarpia erpresst Tosca weiterhin, um sie zu erobern. Er ist bereit eine Scheinhinrichtung Cavaradossis organisieren, ihn aber anschließend freilassen, wenn sie ihm zu Willen ist. Als sich Scarpia schließlich Tosca nähert, ersticht sie ihn mit dem Ausruf „Hier ist Toscas Kuss!“. Tief in ihrem christlichen Glauben verwurzelt, kann sie selbst ihn nicht unversorgt liegen lassen. Sie lagert seine Hände und bedenkt ihn mit einer Rose. Vor Gott ist Vergebung. Das übergroße Kreuz neigt sich von der Wand, und kommt dem Sünder entgegen. Atemberaubend!

3. Akt

Dem dritten Akt geht eine lange Einleitung voran, bis auf das kurze Lied des jungen Hirten, ganz ohne Text. Die Musik schildert Umgebung, Situation und Szene, die am Ende der Nacht auf der Plattform der damals noch vor den Toren der Stadt liegenden Engelsburg spielt, was den Hirtenknaben verständlich macht. Schließlich ertönen in verschiedenen Höhen und Rhytmen die Morgenglocken der städtische Kirchen. Puccini war persönlich nach Rom gefahren, um die Schauplätze der Handlung kennen zu lernen und besonders die Stimmung der Engelsburg und den Klang der umgebenden Kirchen im stimmigen musikalischen Couleur wieder geben zu können.

Gefängnis in der Engelsburg. Die Engelsburg in Rom wurde ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) errichtet und später zur Festungsanlage umgebaut. Den heutigen Namen erhielt die Anlage im Jahr 590, als in Rom die Pest wütete. Papst Gregor I. der Große soll über dem Grabmal die Erscheinung des Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier V. Tola als Tosca und Marco Vratogna als Scarpia © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier V. Tola als Tosca und Marco Vratogna als Scarpia © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Wir blicken auf eine leere, steingraue Bühne, auf der das Auge bis auf eine nach oben führende Treppe mit anschließender Empore keinen Anhaltspunkt findet. Darüber ein nachtblauer Himmel mit einem Sternenmeer. Die Hinrichtung von Mario Cavaradossi soll in einer Stunde stattfinden. Er denkt an Tosca: „E lucevan le stelle“, „Es funkeln die Sterne“. Tosca kommt und erzählt, dass sie Scarpia getötet hat und ihm nur eine Scheinhinrichtung bevorstehe. Er solle wie in einem Theaterstück mitspielen und sich nach den Schüssen fallen lassen.

Für die Hinrichtungsszene senkt sich eine ebenfalls graue Wand vor den Hintergrund. Auf der davor befindlichen Empore erscheint das Erschießungskommando; Cavaradossi steht mit dem Rücken zum Publikum. Die Schützen zielen, und auf Befehl schießen sie auf ihn und damit gleichzeitig auch auf das Publikum. Erneut ein schwer auszuhaltender Moment. Cavaradossi stürzt und Tosca ruft: „Ecco un artista!“, „Was für eine Schauspieler!“. Die Mauer im Hintergrund hebt sich wieder und gibt den Blick auf das blutrote Morgenlicht frei. Tosca sagt ihm mehrfach, er solle noch liegenbleiben, merkt dann jedoch, dass ihr Geliebter wirklich tot ist.

Bevor der Polizeiagent Spoletta, der inzwischen Scarpias Tod bemerkt hat, Tosca verhaften kann, stürzt sie die Treppen zum Rand der Engelsburg hoch. Die Figur des Erzengels Michael wird sichtbar; Tosca stürzt in den Tod.

Regie: Claire Servais
Claire Servais hat Tosca bereits 2016 in Toulon inszeniert. Ihre letzte Inszenierung in Lüttich war die wunderschöne und märchenhaft verspielte ZAUBERFLÖTE als Kinderzimmertraum eines kleinen Jungen im Frühjahr 2017. Mit dieser dritten Inszenierung für Lüttich wird die große Breite ihres künstlerischen Arbeitens erlebbar.
Bühne: Carlo Centolavigna, 65-jähriger italienischer Bühnenbildner mit internationaler Arbeitserfahrung.
Kostüme: Michel Fresnay
Fresnays erste Kostümarbeit fand im Jahre 1965 statt. Seit dem hat er nicht nur Produktionen auf fast allen französischsprachigen Bühnen ausgestattet, sondern auch Shows im Ausland und fürs Fernsehen ausgestattet. Die Kostüme von TOSCA geben die Mode der Handlungszeitdes Stücks wieder.
Licht: Olivier Wéry / Chorleiter: Pierre Iodice / ORCHESTRE, CHŒURS ET MAÎTRISE / Opéra Royal de Wallonie-Liège
CESARE ANGELOTTI: Roger Joakim
EIN MESSNER: Patrick Delcour
Beide Bariton und Mitglied des Ensembles der königlichen Oper Lüttich / SPOLETTA: Pierre Derhet / Belgischer Solist des Royal Theater la Monnaie, Brüssel
SCIARRONE: Marc Tissons / EIN TRÄGER: Pierre Gathier

Tosca an der Opéra Royal de Wallonie-Liège, weitere Vorstellungen 25.11.; 27.11. – 15.00 Uhr; 28.11.; 29.11.; 30.11.; 1.12.; 2.12.2018

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