Leipzig, Oper Leipzig, Der fliegende Holländer – Richard Wagner, 30.03.2019

März 27, 2019 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

 Der fliegende Holländer – Richard Wagner

– Hisst die Segel auf! –

Premiere Freitag, 30. März 2019, 19 Uhr

»Traft ihr das Schiff im Meer an, blutrot die Segel, schwarz der Mast?« – Die Neuinszenierung von Richard Wagners Der fliegende Holländer feiert am 30. März 2019 an der Oper Leipzig Premiere. Sie markiert einen weiteren Meilenstein in Vorbereitung auf die Opernfesttage Wagner 22 der Musikstadt Leipzig im Sommer 2022. Die Oper verfolgt unter der Leitung von Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer das ehrgeizige Ziel, bis dahin alle Opern Richard Wagners – inklusive seiner Frühwerke – im Repertoire zu führen und sie im Juni/Juli desselbigen Jahres in der Reihenfolge ihrer Entstehung innerhalb von dreieinhalb Wochen zur Aufführung zu bringen.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Zahlreiche Legenden ranken sich um die Gestalt des bleichen Seemanns: Bis in alle Ewigkeit ist der fliegende Holländer – gesungen von Iain Paterson, der in der vergangenen Saison u.a. als Wotan im Leipziger »Ring« auf der Bühne stand –  dazu verdammt, auf seinem Geisterschiff die Weltmeere zu durchsegeln, ohne Rast, ohne Ziel. Nur einmal alle sieben Jahre darf er an Land, um dort Erlösung zu suchen: in einem »Weib, das bis in den Tod getreu ihm auf Erden«. Die Kapitänstochter Senta – interpretiert von Christiane Libor, gefeierte Wagner-Interpretin und häufiger Gast der Oper Leipzig – glaubt sich auserkoren, diesen Fluch zu brechen. Als ihr Vater Daland (Randall Jakobsh) mit einem geheimnisvollen Fremden an seiner Seite von See zurückkehrt, erkennt sie sofort den Verdammten aus jener düsteren Seemannsballade, die ihr schon die Amme Mary (Karin Lovelius) vorsang, und bricht auch die letzten Brücken zum vorgezeichneten Leben mit ihrem Verehrer Erik (Ladislav Elgr) ab.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Mit dem Einbruch des Übersinnlichen und der dämonischen Naturgewalten in die Realität knüpfte Richard Wagner in seinem 1843 uraufgeführten Der fliegende Holländer an die Tradition der schauerromantischen Oper an und beschritt mit dem Erlösungsmotiv einen Weg, der für seine folgenden Musikdramen bestimmend werden sollte. Das stürmische Wogen des Meeres, wilde Seemannschöre und die zentrale Ballade Sentas verdichtet Wagner zu einem atmosphärischen Thriller, der vom ersten Ton an in Bann zieht. Regisseur Michiel Dijkema, der bereits mit seinen bewegenden Arbeiten an Tosca, Faust und Rusalka das Leipziger Publikum begeisterte, erzählt in seiner Inszenierung der romantischen Oper von zwei Außenstehenden, von der Suche nach Heimat, aber auch von der drängenden Sehnsucht nach dem Anderen, die selbst den Tod nicht scheut. Wagner wurde in Heinrich Heines Memoiren des Herren von Schnabelewopski zum ersten Mal 1837/38 auf die Sage vom »Fiegenden Holländer aufmerksam. Dijkema integriert Auszüge dieses Werks in seine Regie und erzählt seinen Holländer als ausstattungsgewaltige Geschichte in einem imposanten Bühnenbild, das sichtbar vor dem offenen Bühnenhintergrund installiert ist. Die Kostüme, die sowohl Entstehungszeit der Oper widerspiegeln, als auch der Geisterwelt eindrucksvoll Kontur verleihen, stammen von Jula Reindell. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze


Premiere: Freitag, 30. März 2019, 19 Uhr,  weitere Aufführungen: 22. April / 12., 17. & 30. Mai / 10. Juni 2019 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)

Richard Wagner – Der fliegende Holländer
Romantische Oper in drei Aufzügen | Text vom Komponisten | In deutscher Sprache mit Übertiteln

Leitung:   Musikalische Leitung Ulf Schirmer, Inszenierung, Bühne Michiel Dijkema, Kostüme Jula Reindell, Licht Michael Fischer, Choreinstudierung Thomas Eitler-de Lint, Dramaturgie Elisabeth Kühne

Besetzung:  Senta Christiane Libor | Der Holländer Iain Paterson | Mary Karin Lovelius | Daland Randall Jakobsh | Erik Ladislav Elgr | Der Steuermann Dan Karlström

Chor der Oper Leipzig | Zusatzchor | Gewandhausorchester | Komparserie

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, Faust – Ein Mann ohne Eigenschaften, IOCO Kritik, 06.02.2017

Februar 8, 2017 by  
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Staatstheater Darmstadt

Staatstheater Darmstadt © IOCO

Staatstheater Darmstadt © IOCO

„EIN MANN OHNE EIGENSCHAFTEN“

Charles Gounods Faust am Staatstheater Darmstadt

Von   Ljerka Oreskovic Herrmann

In Darmstadt hatte Gounods Faust 1861 seine deutsche Erstaufführung erlebt und dort ist heute wieder eine Fassung von Margarethe – wie das Stück ins Deutsche rückübersetzt hieß – wieder mit dem authentischen Titel zu erleben. Es beginnt mit einer von drei Seiten mit Wänden versehenen Bühne, auf der in der Mitte ein Kasten mit einer Klappe thront. Dieser ist, wenn sie fällt, als das klaustrophobische Studierzimmer – allerdings ohne zu studierende Bücher – zu erkennen. In ihm, wie auch in seinem alten Körper, ist Faust gefangen, den nun der smarte (helle Smokingjacke, Lackschuhe und Sonnenbrille) Méphistophélès befreit und ein neues Leben verspricht.

Staatstheater Darmstadt / Faust - Adam Palka als Mephisto - Andreas Wagner als Faust © Martina Pipprich

Staatstheater Darmstadt / Faust – Adam Palka als Mephisto – Andreas Wagner als Faust © Martina Pipprich

Méphistophélès – darstellerisch und musikalisch überzeugend Adam Palka – ist jedoch weniger ein diabolischer Charakter als ein Magier und Strippenzieher, der wie ein Zocker Freude daran hat, den stark verjüngten, fast schon spätpubertierenden Faust mit den Verlockungen des Lebens zu verführen. Doch hier genau liegt das Problem. Es ist zwar verständlich, dass ein alter Faust – von Andreas Wagner als ein in jeder Hinsicht gefangener Mann dargestellt – ausbrechen möchte, weil das Leben an ihm vorbei gegangen ist. Aber der junge Faust Philippe Do hat einen in der Höhe schön geführten Tenor – ist seltsamerweise blass und konturenlos. Singt der alte Faust noch, dass er den alles entscheidenden Schatz im Leben haben möchte („.. je veux un trésor / Qui les contient tous! … je veux la jeunesse!“ ), so weiß der junge Faust mit der „jeunesse“, der Jugend, nichts anzufangen. Nur der alte Faust scheint in der Walpurgisnacht, die hier im Bordell spielt und ihn kurz auftauchen lässt, Gefallen zu finden; der junge wendet sich angewidert ab.

Staatstheater Darmstadt / Faust - Adam Palka als Mephisto - Persicke als Margarethe - Bildstein als Martha © Martina Pipprich

Staatstheater Darmstadt / Faust – Adam Palka als Mephisto – Persicke als Margarethe – Bildstein als Martha © Martina Pipprich

Er verliebt sich in Marguerite (Katharina Persicke), die rein und unschuldig in ihrem Puppenhaus (innen sind Kinderzeichnungen an den Wänden und ein Teddybär zu sehen) behütet sein sollte, verhält sich aber wie ein Nerd, der weder seine Gefühle vortragen noch verführen kann. Er hängt an Méphistophélès Leine, ohne erkennbaren Lustgewinn. Marguerite dagegen freut sich über Liebesbeweise und nicht nur weil sie von Méphistophélès mit dem Gold gekauft und geblendet wird – sowohl musikalisch als auch von der Regie wird dies beim „Rondo vom Goldenen Kalb“ hervorragend bezeugt. Sie hat bis zum bitteren doch erlösendem Ende eine Haltung, Faust nicht. Vielleicht ist es dass, was uns Karsten Wiegand auf den Nachhauseweg mitgeben wollte: Es kommt auf die Haltung an – eine zeit- und epochengültige Maxime. So gesehen hat dann dieser zurückhaltende junge Faust seine Aufgabe bestens erfüllt. An dieser haltlosen Seele scheint sich selbst Méphistophélès verzockt zu haben.

Der Abend zerfällt in zwei Teile, der erste mit der Wandlung des alten in den jungen Faust bis hin zur Verführung Marguerites; der zweite, der sich ihrem gesellschaftlichen Absturz widmet. Katharina Persicke ist die kindlich-naive lebensfrohe Marguerite und ihr schlanker Sopran rundet das Gesamtbild ab. Ingrid Katzengrubers Marthe Schwerdtlein, die andere weibliche Figur und Kontrast dazu, ist als eine Marilyn-Monroe-Version zu erleben – vielleicht doch zu jung für diese durchtriebene Person mit der selbst Méphistophélès seine liebe Not hat. Jana Baumeister als Siébel ist ein großer Junge, der seine Liebe zu Marguerite noch nicht richtig artikulieren kann, aber echte Gefühle hegt. Valentin, Oleksandr Prytolyuk, ist Valentin, der vom Krieg gezeichnete Bruder Marguerites.

Staatstheater Darmstadt / Faust - Andreas_Wagner als Faust -Katharina Persicke als Margarethe - Chor © Martina Pipprich

Staatstheater Darmstadt / Faust – Andreas_Wagner als Faust -Katharina Persicke als Margarethe – Chor © Martina Pipprich

Michael Nündel, 1. Kapellmeister in Darmstadt, begleitet die Sänger und Sängerinnen sicher durch den Abend. Er neigt eher der romantischen Interpretation als scharfen Kontrasten zu, was wiederum die Regie z.B. bei der Chorszene mit den siegreich heimgekehrten Soldaten und Marguerites Bruder Vincent konterkariert: Die Musik schwelgt in der „gloire immortelle“ während die Soldaten äußerlich unversehrt durch die verschiedenen Zuckungen die Traumata der Psyche freilegen. Auch das Schlussbild, wenn die drei Wände zur Hälfte hochgefahren sind, bietet durchaus eine beeindruckende Szenerie: der Chor als Trauerfeier-Gesellschaft, die bald zum „buisness as usual“ übergehen wird.

Für das klar strukturierte Bühnenbild zeichnet Bärbl Hohmann verantwortlich, die Kostüme stammen von Ilse Welter-Fuchs, die Heutiges und Zeitloses wie stets gekonnt miteinander verbindet. Die Leitung des bestens spielenden und singenden Chores hat Thomas Eitler-de Lint und auch die Choreographie von Otto Pichler sowie die szenische Einstudierung von Geertje Boeden sollten nicht unerwähnt bleiben.

Am Ende gab es neben dem starken Applaus für das Sängerensemble, Chor und Orchester aber auch Buhs für das Regieteam. Vielleicht richteten sich diese weniger gegen die Inszenierung selbst, als gegen die Tatsache, dass es sich um keine genuin Darmstädter Neuproduktion handelt. Es ist eine starke Überarbeitung einer bereits 2009 in der Staatsoper Unter den Linden und dann 2011 am Nationaltheater Weimar bzw. ab 2014 im Schillertheater Berlin aufgeführten Inszenierung des heutigen Darmstädter Intendanten. Nichtsdestotrotz ein interessanter Abend. Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Faust von Charles Gounod, weitere Vorstellungen am Staatstheater Darmstadt: 18.2.2017, 10.3.2017, 14.4.2017, 4.5.2017, 12.5.2017, 19.5.2017, 6.6.2017, 24.6.2017

—| IOCO Kritik Staatstheater Darmstadt |—

Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, Premiere FAUST von Charles Gounod, 28.01.2017

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Staatstheater Darmstadt

Staatstheater Darmstadt © IOCO

Staatstheater Darmstadt © IOCO

 FAUST von Charles Gounod

 Libretto von Jules Barbier und Michel Carré

Premiere: Am Samstag, 28. Januar feiert Gounods Oper FAUST in der Regie von Karsten Wiegand Premiere im Staatstheater Darmstadt,  

Der alte Doktor Faust ist mit seinem Latein am Ende. Er verzweifelt über die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis und sehnt sich nach dem von ihm nie gelebten Leben. Eifersüchtig auf die Jugend anderer schließt er einen Blutsvertrag mit dem Teufel persönlich, der ihm dafür seine Jugend mit Kraft und Leidenschaft wiederschenkt. Ein unbezähmbarer Erkenntnis- und Erlebnishunger entlädt sich im Verjüngten, vom Teufel angestiftet, schwängert er die unschuldige Marguerite und verlässt sie und das Kind. Als er die zum Tode Verurteilte besucht, zieht sie den Tod der Flucht mit dem Teufel vor.

Karsten Wiegands Inszenierung, die ursprünglich für die Berliner Staatsoper entstand und nun nach Darmstadt kommt, kombiniert groß angelegte dramatische Szenen mit rührenden intimen Begegnungen und effektvollen Chorszenen.

Mit Philippe Do, Andreas Wagner, Adam Palka, David Pichlmaier, Oleksandr Prytolyuk, Katharina Persicke, Larissa Krokhina, Jana Baumeister, Anja Bildstein, Ingrid Katzengruber

Musikalische Leitung Michael Nündel, Regie Karsten Wiegand, Bühne Bärbl Hohmann, Kostüme Ilse Welter, Choreografie Otto Pichler, Dramaturgie Mark Schachtsiek

Premiere am 28. Januar, 19.30 Uhr | Großes Haus, Vorstellungen auch am 08. und 18. Februar 2017| Großes Haus /

—| Pressemeldung Staatstheater Darmstadt |—

 

 

Darmstadt, Staatstheater Darmstadt, Premiere SALOME, 27.04.2013

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Staatstheater Darmstadt

Staatstheater Darmstadt © IOCO

Premiere Salome von Richard Strauss 

 
Am Samstag, den 27. April 2013 feierte um 19.30 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt das Musikdrama Salome von Richard Strauss in einer Inszenierung von John Dew seine Premiere.
 
Die Handlung: Während im Palast des Tetrarchen Herodes gefeiert wird, bewacht der Hauptmann Narraboth den Propheten Jochanaan, den Herodes gefangen hält. Salome, die Tochter der Herodias und Stieftochter des Herodes, flieht angeekelt von den lüsternen Blicken ihres Stiefvaters ins Freie, wo sie die Stimme des Jochanaan vernimmt. Sie verführt Narraboth dazu, den Propheten entgegen dem Befehl aus seinem Gefängnis zu lassen. Fasziniert von seiner Erscheinung, möchte sie ihn küssen, doch Jochanaan weist sie zurück und verflucht sie. Herodes bittet Salome, für ihn zu tanzen, und verspricht, ihr dafür jeden Wunsch zu erfüllen. Salome fordert den Kopf des Jochanaan. Als sie die blutigen Lippen des abgeschlagenen Kopfes küsst, befiehlt Herodes, sie zu töten.
 
Als Richard Strauss 1902 im Deutschen Theater Berlin Max Reinhardts Inszenierung von Oscar Wildes skandalumwittertem Schauspiel Salomé sah, dessen Uraufführung in London von der Zensur verboten worden war, zeigte er sich sogleich begeistert: „Das Stück schreit nach Musik‘‘, erklärte er enthusiastisch. 
Staattheater Darmstadt / Bühnenbildentwurf von Heinz Balthes: Die Zisterne des Jochanaan. © Staatstheater Darmstadt
 
Nie zuvor ist das Flirrende und Bedrückende einer schwülen und dekadenten Atmosphäre so suggestiv in Tönen eingefangen worden, nie zuvor gab es eine Musik von derart überwältigender Sinnlichkeit wie in Salomes Schlussgesang, der in den berühmten Worten „Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes‘‘ gipfelt.
 
Musikalische Leitung Martin Lukas Meister | Inszenierung John Dew | Bühne Heinz Balthes | Kostüme José-Manuel Vázquez | Choreographie Anthoula Papadakis 
 
Mit Erica Brookhyser, Aki Hashimoto, Gundula Hintz/Stéphanie Müther, Susanne Serfling | Mark Adler, Stephan Bootz, Daniel Dropulja, Minesok Kim, Peter Koppelmann, Ralf Lukas/Kay Stiefermann, Scott MacAllister, Thomas Mehnert, Werner Volker Meyer, Lasse Penttinen, Andreas Wagner
 
Premiere 27. April 2013 | 19.30 Uhr | Großes Haus
Weitere Vorstellungen 3., 11., 15., 21. und 25 Mai 2013 | 19.30 Uhr | Großes Haus
 
—| Pressemeldung Staatstheater Darmstadt |—

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