Osnabrück, Theater Osnabrück, Spielplan 2020/21 – Mephisto, Das Narrenschiff und viel mehr, IOCO Aktuell, 01.07.2020

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

      Theater Osnabrück –  Spielpan 2020/21 

– Ein Theater auf der Suche nach Gemeinschaft –

von Hanns Butterhof

Dr Ralph Waldschmidt © Hanns Butterhof

Dr Ralph Waldschmidt © Hanns Butterhof

In diesen Corona-Zeiten ist vieles anders als üblich, da macht auch die Vorstellung des Spielplans für die kommende Theatersaison keine Ausnahme. In gebotenem Abstand verteilt sich das Leitungsteam auf die ganze Breite der Bühne des Theaters im Domhof, während sich im Zuschauerraum ein gutes Dutzend Journalisten als „Testpublikum“ verliert, wie der gutgelaunte, zum Ende der Spielzeit scheidende Intendant Dr. Ralf Waldschmidt scherzt.

Waldschmidts sichtlich entspannter Auftritt hat mehrere gute Gründe. Zum einen ist die Finanzierung durch das Land bis 2023 gesichert, und die Zusagen der Stadt bis 2024 werden in Kürze erwartet, wie der Kaufmännische Direktor Matthias Kühn mitteilt. Zum andern kann er sich auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit einem durchaus ansehnlichen Programm freuen. Waldschmidt stellt es unter das Motto „Gemeinschaft suchen“, wohl nicht zuletzt wegen der unter den Corona-Bedingungen sichtbar gewordenen Spaltung der Gesellschaft.

Die erste Spielzeithälfte weist noch deutlich coronabdingte Formen auf.  Die Stücke sind nicht länger als 80 bis 90 Minuten und werden in dem etwa 600 Plätze bietenden Saal vor etwa 150 zugelassenen Zuschauern ohne Pause gespielt. Optimistisch wird für die zweite Hälfte am alten, vor Corona aufgestellten Spielplan festgehalten.

Im Schauspiel steuern Direktor Dominique Schnizer und Jens Peters weiter ihren „Kunst-muss-politisch-bleiben“-Kurs. Am Großen Haus bieten sie mit Klaus Manns Mephisto, Katherine Anne Porters Das Narrenschiff und Erich Maria Remarques Die Nacht von Lissabon gleich drei Roman-Adaptionen an, dazu Lutz Hübners und Sarah Nemitz‘ Komödie„Willkommen“ sowie Rebekka Kricheldorfs Krimi Das Waldhaus, der ins Milieu von Verschwörungstheoretikern führt.

Ballettchef Mauro de Candia und Dramaturgin Patricia Söckemann © Hanns Butterhof

Ballettchef Mauro de Candia und Dramaturgin Patricia Söckemann © Hanns Butterhof

Nur Digitales gibt es vorerst im emma-theater, Goethes Götz von Berlichingen und die  Krimi-Serie Tödliche Entscheidung, bei der das Publikum am Ende jeder Folge über den Fortgang mitbestimmen kann. Erst für das kommende Jahr sind mit Die Osnabrück-Bücher von Hélène Cixous,  Kriegerinnen von  Ron Zimmering und Julian Mahid Carly-Hossains Stück Verbindungsfehler analoge Projekte vorgesehen.

Für das Musiktheater lobt GMD Andreas Hotz an den Einschränkungen, dass sie kürzere Werke ins Licht rücke, die sonst selten zu erleben und hygienekonform in kleiner Besetzung aufführbar sind. Man darf sich auf Henry Purcells Barockoper Dido und Aeneas, Franz von Suppés Operette Die schöne Galathea und Leonard Bernsteins Musical Trouble in Tahiti freuen. Für Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg ist im März 2021 dann wieder großes Orchester vorgesehen.

Giselle – Uraufgeführt im Theater Osnabrück – wieder auf dem Spielplan
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Im Tanztheater macht Tanzchef Mauro de Candia mit seiner Uraufführung Kunstraub die für den ganzen Kunst-Betrieb extrem hinderlichen Abstands- und Hygieneregeln zum Thema. Ein Höhepunkt wird Mozarts Requiem sein, bei dem Dance-Company, Oper, Schauspiel und das Osnabrücker Symphonieorchester zusammenwirken.

GISELLE _ hier die Rezension von Hanns Butterhof / IOCO

Mitglieder der Dance-Company werden sich wieder in Open Windows 9 als Choreografen präsentieren, und Vasna Aguilar und Fernando Melo steuern als Gäste den Doppelabend „Beginning / After“ bei. Mit der 2. Tanzwoche und der abschließenden 8. Tanzgala endet auch für Mauro de Candia und seine Dramaturgin Patricia Stöckemann nach neun sehr erfolgreichen Spielzeiten ihre letzte am Theater Osnabrück.

Für die zehn Konzerte hebt Andreas Hotz Weltstars als Gäste wie auch die inhaltliche Öffnung hin zur Weltmusik hervor. Dazu verweist er auf das vielfältige weitere Angebot, von der Kammermusik-, Schloss- und der Familienkonzert-Reihe bis zu den Kleinst-Kind-Konzerten. Das Publikum kann sich auf eine in vielerlei Hinsicht spannende Spielzeit 20/21 freuen.

Das Heft zur Spielzeit 2020/21 und eine  Spielplan-Präsentation als Video gibt es unter www.theater-osnabrueck.de

—| IOCO Aktuell Theater Osnabrück |—

Münster, Theater Münster, Konzertvorschau Oktober 2019

September 23, 2019 by  
Filed under Konzert, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Konzertvorschau Oktober 2019
Sinfonieorchester Münster


1. SINFONIEKONZERT
Dienstag, 1. Oktober, 19.30 Uhr
Mittwoch, 2. Oktober, 19.30 Uhr
Sonntag, 6. Oktober, 18.00 Uhr
Werke von Johann Sebastian Bach | Anton Webern, Bernhard Romberg und Johannes Brahms
Solist: Shenghzi Guo, Violoncello
Sinfonieorchester Münster | Dirigent: Golo Berg


GESPRÄCHSKONZERT
Samstag, 5. Oktober, 11.30 Uhr, Martinikirche
Ausschnitte aus der Sinfonie Nr. 4 e-Moll von Johannes Brahms
Sinfonieorchester Münster
Dirigent und Moderation: Golo Berg


MONDAYNIGHTMUSIC I
Montag, 7. Oktober, 19.30 Uhr, LWL-Museum für Kunst und Kultur
SWAN FAKE
Uwaga! plus Sinfonieorchester Münster
Dirigent: Stefan Veselka


1. ERBDROSTENHOFKONZERT
Montag, 7. Oktober, 20.00 Uhr
Werke von Gioachino Rossini, Franz Schubert, Carl Czerny u.a.
Kammermusik im Festsaal des Erbdrostenhofs


1. RATHAUSKONZERT
Donnerstag, 10.Oktober, 19.30 Uhr
Werke von Giacomo Puccini, Luigi Boccherini und Jean Françaix
Kammermusik im Rathausfestsaal


MÜNSTERLAND-FESTIVAL
Samstag, 12. Oktober, 20.00 Uhr, Kulturzentrum GBS Greven
Werke von Moondog, Thorsten Schmid-Kapfenburg und Volker Leiss
Solistin: Maia Shamugia, Violine
Sinfonieorchester Münster | Dirigent: Golo Berg


2. SINFONIEKONZERT
Dienstag, 29. Oktober, 19.30 Uhr
Mittwoch, 30. Oktober, 19.30 Uhr
Sonntag, 3. November, 18.00 Uhr
Werke von Moondog, Heiner Goebbels und  Richard Strauss
Solist*innen: Jocelyn B. Smith, David Moss, Stimmen
Sinfonieorchester Münster
Osnabrücker Symphonieorchester | Dirigenten: Golo Berg, Andreas Hotz


—| Pressemeldung Theater Münster |—

Osnabrück, Theater am Domhof, Guercoeur – Oper von Albéric Magnard, IOCO Kritik, 26.06.2019

Juni 26, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Guercœur – Oper von Albéric Magnard

– Utopie einer allumfassenden Wahrheit –

von Hanns Butterhof

Beifallumrauscht ging im Theater am Domhof die Premiere der Oper Guercœur des französischen Komponisten Albéric Magnard (1865 – 1914) zu Ende. Die deutsche Erstaufführung der spätromantischen Oper ist auch ihre erste szenische Aufführung seit ihrer Uraufführung im Jahr 1931. In der Aktualität ihrer Aussage und musikalischen Qualität ist Guercœur unbedingt eine Entdeckung.

 Theater am Domhof / Guercoeur - hier : Im Nirwana-Schattenreich sehnt sich Guercœur nach dem Leben. Rhys Jenkins als Guercoer © Joerg Landsberg

Theater am Domhof / Guercoeur – hier : Im Nirwana-Schattenreich sehnt sich Guercœur nach dem Leben. Rhys Jenkins als Guercoer © Joerg Landsberg

Guercœur (Rhys Jenkins), Held der Oper, ist zu ihrem Beginn bereits zwei Jahre tot. Auf der dunklen Bühne (Martina Segna) strahlt eindrucksvoll körperlos nur sein Kopf im Nirwana-Schattenreich. Er bittet dessen Herrscherin Vérité (Lina Liu), auf die Erde zurückkehren zu dürfen. Im Leben hatte er nur Schönheit und Glück erfahren, hatte die Liebe seiner Frau Giselle (Susann Vent-Wunderlich) genossen wie die seines Volkes, dem er die Freiheit gebracht hatte.

Zurück auf der Erde findet er alles anders vor als erwartet. Giselle, die ihm Treue über den Tod hinaus geschworen hatte, hat sich in seinen Nachfolger Heurtal (Costa Latsos) verliebt. Trotz ihrer Gewissensbisse hält sie an dieser Liebe fest und zwingt Guercœur ein äußerst leidvolles Verzeihen ab. Er muss auch erleben, dass Heurtal sich zum Diktator aufschwingt, getragen vom Hass des Volks auf die Freiheit, die ihm eine Hungersnot beschert hat. Als Guercœur für seine Ideale eintritt, wird er erschlagen.

Guercœur – oper von Albéric Magnard
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Die irdische Handlung wird durch eine an Arthur Schopenhauer angelehnte Weltanschauung gerahmt. Guercœur muss das Leben als Leiden und Illusion erkennen, bevor er willig ins Nirwana zurückkehren kann. Dort lösen sich in der finalen Utopie der Vérité Zeit und Raum mit allen menschlich gesetzten Unterschieden in eine gestaltlose, allumfassende Wahrheit auf, die nicht mehr von dieser Welt ist.

 .wo es Wagnert ist das Schopenhauern nicht weit.

Die schnörkellos klare Regie von Dirk Schmeding holt Guercœurs Leben und Sterben, vor allem auch seine Himmelfahrt als Aschewolke aus dem Krematorium, zwanglos in die Gegenwart. Gesanglich sind es die Frauenrollen, die besonders beeindrucken. Susann Vent-Wunderlich gibt der Giselle stimmlich und darstellerisch alle dramatische Wahrheit einer um ihre Liebe kämpfenden Frau. Lina Liu verkündet mit überirdisch reinem Sopran statuarisch die Entsagungs-Philosophie der Vérité, einnehmend begleitet von ihren Untergöttinnen Bonté (Katarina Morfa), Beauté (Erika Simons) und Souffrance (Nano Dzidziguri). Bassbariton Rhys Jenkins findet vor allem für Guercœurs Leid den angemessenen Ton, während Costa Latsos mit leichtem Tenor das Bild eines ehrgeizigen Populisten zeichnet. Überwältigend prägt auch der von Sierd Quarré einstudierte Chor sphärisch den Oratoriencharakter der Oper mit.

Theater am Domhof / Guercoeur _ kehrt ins Leben zurück, aber seine Frau liebt jetzt einen Anderen. Rhys Jenkins, Susann Vent-Wunderlich  © Joerg Landsberg

Das Osnabrücker Symphonieorchester folgt dem empfindsamen Dirigat von Andreas Hotz in die vielen Facetten der Partitur zwischen himmlischem Sphärenklang und einer breiten Palette irdischer Gemütsausdrücke.

Die szenisch wie musikalisch fesselnde Oper riss das Premierenpublikum nach drei französisch gesungenen, deutsch übertitelten Stunden zu langen, stehend dargebrachten Beifallsstürmen für alle Beteiligten hin.

 Guercoeur am Theater Osnabrück; Die nächsten Termine:26.6., 2.7., 5.7.2019 jeweils 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

Osnabrück, Theater am Domhof, Das Lied der Nacht – CD-Einspielung, IOCO Rezension, 09.12.2018

Dezember 8, 2018 by  
Filed under IOCO - CD-Rezension, Musical, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

  Das Lied der Nacht  – Oper von Hans Gál

 Theater Osnabrück präsentiert Welt-Ersteinspielung auf CD

Von Hanns Butterhof

Seit 1933 hatte niemand mehr Hans Gáls 1926 uraufgeführte Oper Das Lied der Nacht gehört. Dann hatte das Musiktheater Osnabrück 2017 die wegen der jüdischen Herkunft Gáls mit Aufführungsverbot belegte Oper mit dem Text Karl Michael von Levetzows wiederentdeckt und im Theater am Domhof begeisternd aufgeführt.

Das Lied der Nacht am Theater Osnabrück  – IOCO Rezension HIER!

Jetzt präsentierte Intendant Ralf Waldschmidt stolz die Weltersteinspielung der Oper auf CD, von musikalischen Kostproben umrahmt, im Foyer des Theaters am Domhof. Rhys Jenkins und Lina Liu sangen, am Klavier begleitet von Markus Lafleur, ausgewählte Partien aus der Oper. Ulrike Schumann, jetzt Operndirektorin am Theater Heidelberg, seinerzeit noch das Projekt begleitende Osnabrücker Musikdramaturgin, moderierte ein Podiumsgespräch zwischen Eva Fox-Gál, der Tochter des Komponisten, und Generalmusikdirektor Andreas Hotz, dem künstlerischem Leiter der Produktion.

Eva Fox-Gál schilderte berührend ihre Freude über das wiedererwachte Interesse am Werk ihres Vaters seit der Aufführung in Osnabrück. Mit Andreas Hotz war sie sich einig, dass die CD-Einspielung mit dem Osnabrücker Ensemble und den Symphonikern äußerst gelungen sei und in diesem Format noch einmal eine andere Qualität als die Aufführung im Theater aufweise.

Theater Osnabrück / Eva Fox-Gál, Ulrike Schumann und Andreas Hotz erläutern die CD zu der Oper "Das Lied der Nacht" © Hanns Butterhof

Theater Osnabrück / Eva Fox-Gál, Ulrike Schumann und Andreas Hotz erläutern die CD zu der Oper „Das Lied der Nacht“ © Hanns Butterhof

Identität ist das große Thema der Oper, in der die Prinzessin Lianora zu sich selber kommen muss. Sie hat Angst vor der Welt, will sich nicht mit Politik oder einer Beziehung die Finger schmutzig machen. Erst als sie wagt, auf das Lied ihrer unterbewussten weiblichen Triebe, ihrer inneren Nacht zu hören, lässt sie schließlich die Liebe zu.

Es sind die Frauen, die die Opernhandlung tragen. Lina Liu ist mit ihrem makellos reinen Sopran eine ideale Besetzung für die Prinzessin. Als zweiter Sopran fesselt Susann Vent-Wunderlich als untreu-treue Hofdame Hämone, Mezzosopranistin Gritt Gnauck beeindruckt als Fürst-Äbtissin, und der von Markus Lafleur Damenchor einstudierte singt hinreißend.

Die Männer spielen eine geringere Rolle. Bariton Rhys Jenkins ist als zwielichtiger Bewerber um Prinzessin und Thron auf der CD von der alten Besetzung dabei, Bass Oliver Weidinger als amtsmüder Kanzler und Tenor Ralph Ertel als der namenlos Sänger des nächtlichen Liedes konnten für die Aufnahme gewonnen werden.

Andreas Hotz am Pult des Osnabrücker Symphonieorchesters fesselt mit der wellenartig rauschenden, drängend schwellenden Musik Gáls. Die lotet im Rahmen der Tonalität immer auch deren Grenzen aus und trifft den richtigen Ton für das vielschichtige, tief in der Gefühlswelt spielende Geschehen. Das Lied der Nacht in Osnabrück ist auch als CD ein beglückendes Opernerlebnis.

Hans Gáls Oper Das Lied der Nacht ist auf der Doppel-CD des labels cpo erschienen. In der Box ist ein 87-seitiges booklett mit dem Libretto in Deutsch und Englisch sowie den Künstlerportraits enthalten.

 Eva Fox-Gál, Ulrike Schumann und Andreas Hotz erläutern die CD-Produktion der Oper „Das Lied der Nacht“ Foto: Hanns Butterhof

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