Münster, Theater Münster, Premiere STREET SCENE – Kurt Weill, 22.12.2018

November 26, 2018 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

STREET SCENE – Oper von Kurt Weill

Premiere: Samstag, 22. Dezember 2018, 19.30 Uhr,  Vorstellungen im Januar: Donnerstag, 3. Januar, 9. Januar, 11. Januar,  31. Januar 2019 

STREET SCENE spielt in Manhattan. Anna Maurrants außer­eheliche Affäre mit dem Milchmann Sankey ist das Gespräch der Straße. Der junge Nachbar Sam Kaplan und Annas ­Tochter Rose sind heimlich ineinander verliebt und träumen davon, dem ärmlichen Wohnblock zu entfliehen. Annas stumpfsinniger Ehemann Frank weiß nichts von der Liebschaft seiner Frau, ahnt jedoch etwas. So kommt er unerwartet früher nach Hause, erwischt die beiden und erschießt sie. Gemeinsam mit ihrem Bruder Willie, aber ohne Sam, verlässt die schockierte Rose daraufhin die elterliche Wohnung, um irgendwo weit weg ein besseres Leben zu suchen.

Die Oper STREET SCENE von Kurt Weill (1900–1950) wurde am 9. Januar 1947 im Adelphi Theater in New York City uraufgeführt und zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben einfacher Mietshausbewohner in New York, deren Wünsche und Probleme, Hoffnungen und Enttäuschungen. Weill verwirklichte in diesem Werk seinen Traum einer American Opera. Er mischt Oper und Operette mit Musical-Versatz­stücken und erlaubt neben der großen Arie auch Swing, Blues und Jazz. Die Partitur ordnet alles akribisch genau der jeweiligen Situation zu und baut aus dieser sonderbaren Mischung ein spannendes Ganzes.

Musikalische Leitung: Stefan Veselka, Inszenierung: Hendrik Müller, Choreografie: Andrea Danae Kingston, Bühnenbild: Rifail Ajdarpasic, Kostüme: Katharina Weissenborn, Choreinstudierung: Inna Batyuk, Einstudierung Kinderchor & Kindersolisten: Claudia Runde, Dramaturgie: Ronny Scholz

Mitwirkende:
Rose Maurrant (Kathrin Filip), Sam Kaplan (Garrie Davislim), Abraham Kaplan (Christian-Kai Sander), Shirley Kaplan (Ute Hopp), Harry Easter (Juan Sebastián Hurtado Ramírez), Henry Davis (Filippo Bettoschi), Vincent/ Boy/ Joe Conolly (Til Ormeloh), Lippo Fiorentino (Pascal Herington), Joan/ Grace/ Mary/ Graduation Girl/ Myrtle/ Woman/ Voice (Carmen Finzel), George Jones (Lars Hübel), Carl Olsen (Dieter Goffing), Mrs. Greta Fiorentino (Marielle Murphy), Emma Jones (Chrysanthi Spitadi), Mrs. Olga Olsen (Suzanne McLeod), Daniel Buchanan (Youn-Seong Shim), Jenny Hildebrand/ 1. Nurse/ Salvation Army Girl/ Graduation Girl (Melanie Spitau), Charlie  Graduation Boy/ Man (Konstantin Schumann), Mrs. Hildebrand (Barbara Bräckelmann), 2. Nurse/ Salvation Army Girl (Christina Holzinger), Dick McGann Jendrik Sigwart, Mae Jones (Kara Kemeny), Mr. Sankey (Jörn Dummann). Dr. Wilson (Simona Maestrini), Officer Murphy (Eva Lillian Thingbø), City Marshall (Frank Göbel), Opernchor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Öffentliche Probe: Samstag, 15. Dezember, 10.30 Uhr, Großes Haus

 Vorstellungen im Januar: Donnerstag, 3. Januar, Mittwoch, 9. Januar,    , Freitag, 11. Januar, Donnerstag, 31. Januar 2019

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Hagen, Theater Hagen, Pariser Leben – Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 01.11.2018

November 2, 2018 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

PARISER LEBEN –  Jacques Offenbach

 Karl Lagerfeld:
„Man muss nicht in Paris geboren sein, um eine echte Pariserin zu sein.“

Von Viktor Jarosch

Jacques Offenbach © IOCO

Jacques Offenbach © IOCO

Jacques Offenbach (1819 – 1880) ging früh, 1833, nach Paris um Musik zu studieren. 1855, als Offenbach anlässlich der ersten Pariser Weltausstellung 1855 sein eigenes kleines Theater, Theatre des Bouffes-Parisiennes, eröffnete, war er in Paris bereits ein Star; als Pianist und Komponist. Der Erfolg seiner Werke, so 1858 Orpheus in der Unterwelt, machten Offenbach in ganz Europa so populär, dass er 1865 den Auftrag erhielt, ein passendes Werk für die zweite Pariser Weltausstellung 1867 zu komponieren. Gemeinsam mit den Librettisten Henri Meilhac und Ludevic Halévy schuf er La vie Parisienne, Pariser Leben, eine frivole Komödie, dessen Uraufführung trotz zahlloser „schlüpfriger Unter-töne“ keinen Skandal auslöste sondern ein weiterer grandioser Erfolg für Jacques Offenbach wurde und bis heute blieb.

Pariser Leben in Hagen, einer Großstadt mit 175.000 Einwohnern; vieldeutig als „Tor zum Sauerland“ tituliert. Dies kann zur Steilvorlage für zugereiste Humoristen und Satiriker werden. Erst recht, wenn zuvor in einer lokalen Anzeige zu lesen war, dass Regisseur Holger Potocki für seine Inszenierung von Pariser Leben „einen ausgeprägt muskulösen Statisten (Typ Bodybuilder) zwischen 18 und 50 Jahren“ suchte.

Theater Hagen / Pariser Leben - hier : vor der Silhouette des Louvre © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Pariser Leben – hier : vor der Silhouette des Louvre © Klaus Lefebvre

Doch Potocki möchte in seiner Inszenierung von Pariser Leben im Theater Hagen eben nicht mit exquisitem Flair der Champs-Élysées oder des Boulevard Haussmann konkurrieren. Die Drehbühne (Bühne Lena Brexendorff) zeigt in vielen humorigen Bildern Menschliches, Lebensalltag. Leben wie Lebensfreude pulsiert – so Potocki – überall; in Berlin wie Hagen; in Zentren wie Vorstädten; auch in den so schlecht beleumundeten Banlieues von Paris. Holger Potockis Pariser Leben spielt im Heute, lebensfroh wie mitreißend im Halbdunkel einer rauen, verlorenen Vorstadt, einem Banlieue von Paris (Choreographie Andrea Danae Kingston). Dorthin verirren sich zufällig zu Beginn die schwedischen Touristen, Baron und Baronin von Gondremarck. Sie steigen eine Station zu früh aus dem Zug; treffen auf dem düsteren, nebelverhangenen Bahnhofsvorplatz auf die Pariser  Halbwelt; werden um Geld und Handy beraubt und von herbei kommenden Polizisten belehrt: „Außer Mord ist hier alles Bagatelle!“. Raoul de Gardefeu, von eigenen Träumen getrieben, verwickelt Baron und Baronin von Gondremarck und andere in eine schräge Verwechslunskomödie.

Theater Hagen / Pariser Leben - hier: Maria Klier, Kenneth Mattice, Anja Frank-Engelhaupt © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Pariser Leben – hier: Maria Klier, Kenneth Mattice, Anja Frank-Engelhaupt © Klaus Lefebvre

Holger Potocki ergänzt die Komposition Jacques Offenbachs; bildet von Beginn an mit auffälliger Choreographie und skurrilen wie schrägen Dialogen („die schwedische Botschaft, nicht die schwäbische Botschaft“, „Ihr Name klingt wie Nougat Creme! – Nutella? – Nein, Metella!“), Klamauk und Bühnenbild die verschrobene Pariser Halbwelt modern lebendig ab. Asterix fehlt  ebenso wenig wie der in engem Anzug beständig Fächer wedelnde, die Kleidung der Anderen „richtende“ Modedesigner Karl Lagerfeld, oder der Glöckner von Notre Dame, welchen Gonzo mit Buckel und Kopfbinde abbildet:Er jobbt in Notre Dame; er ist taub!“. Ein gigantisches Croissant, welches mit Zigarette in der Hand immer wieder die Bühne durchquert und um Feuer bittet; man fragt auf der Bühne „Wer ist das?“ – Die Antwort: „Ein Croissant!“. Potockis Produktion wird so zu einer modernen wie schrill-schrägen Halbwelt-Kontrast-Show zu klassischen Pariser Leben Inszenierungen wird.

Wieviel Paris steckt in Ihnen?  Wenn Sie „Pigalle“ hören, denken Sie an…Moulin Rouge, Nachtleben, Vergnügungen ohne Ende   oder an … die Metrolinien 2 und 12?

Die Feier des 2. Bildes, in heutiger Sprache eine Fake-Party, in der Bobinet mit vermeintlichen Gästen den Baron von Gondremarck bespasst, ist mit zahllosen kuriosen Facetten versetzt ein Höhepunkt der Produktion; wenn Champagner aus einem Eimer serviert wird, eine Transvestiten-Band mit Mikro in knappen braunen Corsagen sanft „Midnight in Paris“ singt, wenn auf einem Trimm-Fahrrad eine E-gitarre gespielt wird…..

Faszinierend, wie prall, froh und sicher bringt das riesige Ensemble des Theater Hagen so ein überquellendes Füllhorn von Stimmung, Stimmen, Gags und Choreographie auf die Bühne. Richard van Gemert, als Raoul de Gardefeu, von Metella fortwährend als „Du Lurch“ betitelt, beeindruckt meist in Schirmmütze, zur Super-Party in grünem  Pluderkleid, oder „zufälligerweise habe ich Sekt kalt gestellt“ – zum Chanson  „Je t´aime“ – wenn er auch die Baronin mit unbeholfenen Powacklern gewinnen möchte. Kenneth Mattice ist jener von sicherem Bariton und schlüpfrigen Abwegen inspirierte Baron von Gondremarck; Veronika Haller ist Gattin Baronin Christine mit wohl timbriertem Sopran. Kristina Larissa Funkhauser als „Männer inspirierendeMetalla fasziniert ebenso mit kräftigem Mezzo und Sticheleien, zum schwedischen Baron von Gondremarck:Hier ticken die Uhen anders als in Bullerbü“, während Marilyn Bennett als ältliche Mme. Quimper-Karadec stimmlich wie durch erotische Bondage Corsage, „Crime-Scene“,  für Aufregung im männlichen Publikum sorgte. Boris Leisenheimer  reißt als philosophierender Clochard ebenso mit wie als reicher Brasilianer. Stephen Boving die komplexe Partie des Bobinet mit sicherer Präsenz und wohl timbrierter Stimme.

Theater Hagen / Pariser Leben - hier : man macht ein Selfie © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Pariser Leben – hier : man macht ein Selfie © Klaus Lefebvre

Die Hagener Philharmoniker unter Rodrigo Tomillo musste man lieben: Nicht nur beherrschten sie Offenbachs aus Märschen, Cancan und Walzern bestehende  Komposition mit lebendigem wie filigranem Schwung. Auch das choreographisch reiche aber höchst diffizile neue Ornament zu Offenbachs Komposition aus neuen Dialogen, E-Gitarre und Chansons integrierten die Hagener Philharmoniker und Tomillo  reizvoll und schmissig.

Das begeisterte Publikum mitsamt Oberbürgermeister Erik O. Schulz dankte einhellig Holger Potocki zu seiner modern vielschichtigen Produktion von Pariser Leben und dem großen Ensemble und Chören des Theater Hagen wie den Hagener Philharmonikern zur gelungenen Umsetzung auf die Bühne und im Orchestergraben.

Pariser Leben am Theater Hagen; die weiteren Vorstellungen 2.11.; 7.11.; 16.11.; 24.11.; 5.12.; 27.12.; 31.12.2018

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—