Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, John Adams Nixon in China, 03.04.2020

April 3, 2020 by  
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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Nixon in China – kostenlos im Web

Oper trotz Corona: Die Staatsoper Stuttgart setzt ihr digitales On-Demand-Programm mit John Adamsc Nixon in China fort; Begleitendes Vermittlungsangebot des JOiN für zuhause

Auch in Krisenzeiten ins Opernhaus? Die Staatsoper Stuttgart setzt gemeinsam mit ihrem Digitalpartner, der LBBW, das kostenlose Opernprogramm „Oper trotz Corona“ auf ihrer Website fort und bleibt so weiterhin für ihr Publikum präsent – nur nicht auf der Bühne, sondern im Web. Noch bis Freitag ist in diesem Rahmen Richard Wagners Lohengrin zu sehen.

Staatsoper Stuttgart / Nixon in China ©   Matthias-Baus

Staatsoper Stuttgart / Nixon in China ©
Matthias-Baus

Am Freitag, 03.04.2020, ab 17 Uhr wird John Adams‘ Nixon in China als Live-Aufzeichnung einer Aufführung aus der letzten Saison auf der Website zu sehen sein. Die ungekürzte Aufführung in englischer Sprache ist mit deutschen Untertiteln versehen und wird eine Woche lang on demand auf der Website der Staatsoper Stuttgart zur Verfügung stehen.

Nixon in China basiert auf dem realen Staatsbesuch des 37. US-Präsidenten Richard Nixon bei Mao Tse-tung in Peking im Jahr 1972. An der Staatsoper Stuttgart hatte das Werk in der Neuinszenierung von Marco Štorman am 7. April 2019 Premiere. Es dirigiert André de Ridder.

Die Staatsoper Stuttgart flankiert dieses Programm in den kommenden Wochen weiterhin mit Online-Aktivitäten und kleinen zusätzlichen Überraschungs-Videoclips aus dem Opernhaus oder aus dem Wohnzimmer ihrer Künstler*innen.

Stand heute wird der reguläre Spielbetrieb ab Montag, 20.04.2020, wieder aufgenommen.

Alle Informationen: www.staatsoper-stuttgart.de/oper-trotz-corona

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatstheater Stuttgart, Nixon in China – Oper von John Adams, IOCO Kritik, 16.04.2019

April 15, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Nixon in China  – Oper von John Adams

Darf man glauben? Wem kann man glauben?   –  Die Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit

von Peter Schlang

Am Sonntag, dem 7. April 2019 erlebte an der Stuttgarter Staatsoper John Adams‘ im Jahr 1987 in Houston, Texas, uraufgeführte Oper Nixon in China ihre Stuttgarter Erstaufführung. Dies war zugleich deren erste deutsche Neu-Inszenierung seit vielen Jahren; nach der Uraufführung von Leo Dicks Antigone-Tribunal am 9. März und der Premiere von Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg am 17. März die dritte Neuproduktion im Rahmen des ersten Frühjahrsfestivals der Staatsoper Stuttgart mit dem Titel wirklich wirklich“. Alle drei Opern widmen sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise und in je eigenen Zusammenhängen der Frage nach der „Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit“, setzen sich also mit der möglichen Beeinflussung und der unterschiedlichen Wahrnehmung der Realität auseinander.

Nixon in China  – Oper von John Adams
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart
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Mit der Neuproduktion von Adams‘ stark an der Minimal-Music orientierter Oper nahm die Staatsoper Stuttgart ihre Tradition der Minimal Music wieder auf, die in den 1980er-Jahren mit der gefeierten Philip-Glass-Trilogie (Einstein on the Beach, Satyagraha und Echnaton) begründet wurde und gleich einen Höhepunkt erlebte.

Das für John Adams von Alice Goodman verfasste Libretto thematisiert, recht frei und auf sehr poetische Weise, den seinerzeit stark beachteten Staatsbesuch von Richard Nixon im Februar 1972 in der Volksrepublik China, den ersten eines amerikanischen Präsidenten im Reich der Mitte. Nixon, von 1969 bis zu seinem erzwungenen Rücktritt im Jahr 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, nutzte diese Visite im damals noch ziemlich unbekannten, kommunistischen China für eine groß angelegte mediale Kampagne. Der Besuch wurde nämlich zu weiten Teilen live im amerikanischen Fernsehen übertragen und war damit eines der ersten medial ausgeschlachteten politischen Geschehnisse der Nachkriegszeit.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Im Zentrum dieses höchst aktuellen Werkes und seiner Stuttgarter Umsetzung steht die im Zeitalter von Fake News und deren momentan wichtigsten politischen Vertreters, ebenfalls ein US-Präsident, die Frage, wem man glaubt oder – noch besser – überhaupt glauben kann. Und in Richard Adams erster und wohl bekanntester Oper wird diese bedeutsame Frage gleich auf mehrfache Weise behandelt.

 „wirklich, wirklich“ –  Frühjahrsfestival der Staatsoper Stuttgart
– Wahrheit, Wahrheiten oder Fake –

Da sind zum einen die zwei diametral entgegengesetzten Weltanschauungen der aufeinandertreffenden Staaten bzw. ihrer politischen Führer und deren unterschiedliche Methoden, sich der eigenen und der jeweils anderen Öffentlichkeit real zu präsentieren. Eine weitere Ebene widmet sich den methodischen und didaktischen Mitteln, mit denen die subjektiv wahrgenommenen Realitäten weiter transportiert und damit interpretiert werden. Schließlich zeigt die Oper auch die meist befremdliche, so nicht erwartete Reaktion der „anderen Seite“ auf die wahrgenommene, vom Gegenüber präsentierte „Wirklichkeit“.

In Marco Štormans quirliger, zugespitzter, sich aller theatralischer Mittel bedienender Inszenierung mischt sich dies alles zu einem äußerst dynamischen, höchst unterhaltsamen und nicht selten musicalhaften, revueartigen Kaleidoskop menschlicher Verhaltensmuster und politisch-gesellschaftlicher Methoden, ja Tricks. Die Bühnenbildnerin Frauke Löffel baute dazu einen durch metallene Module schnell veränderbaren Raum, der eingangs den Flughafen mit Nixons Ankunft und Empfang, dann die große Bühne für publikumswirksame Massenauftritte und Projektionsfläche für im Propagandastil gehaltene Gemälde oder Video-Einspielungen darstellt.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Jarrett Ott als Chou En-lai und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Jarrett Ott als Chou En-lai und Ensemble © Matthias Baus

Und ganz am Ende, im nur mehr aus einem Bild bestehenden dritten Akt und bei geschlossenem Orchestergraben und der damit bis an die erste Zuschauerreihe vorgezogenen Bühne, bietet diese trotz ihrer scheinbaren Größe Raum für ein Kammerspiel. Dieses erinnert nicht nur thematisch-inhaltlich an Becketts Referenzstück Endspiel, sondern weist auch durch seine eigenartige Stimmung und Atmosphäre eine Parallele zu diesem und anderen Beckett-Stücken auf. Mit entscheidend dafür ist die zu sehende besondere Personen-Konstellation, die eine starke und nachhaltige Wirkung entfaltet: Am letzten Abend des Staatsbesuchs sehen wir die sechs Protagonisten, aus jedem Land drei, nach den vergangenen, sehr anstrengenden Tagen müde, ausgelaugt, leer. Einzeln oder als Paar sinnen sie dem Erlebten und ihrer eigenen Vergangenheit nach, beides ganz unterschiedlich reflektierend. Ihnen zur Seite, wie die Darsteller der sechs Hauptrollen eher freizeitmäßig gekleidet, sitzen die Souffleuse und der Dirigent, André de Ridder, der nur die Sängerinnen und Sänger dirigiert. Denn das Orchester wird – übrigens mit Hilfe einer hervorragenden Tonanlage – aus dem Off eingespielt, was die Anmutung dieser Schlussszene als Versuchsanordnung oder Probedurchlauf auf beeindruckende Weise unterstreicht.

Solche schicksalshaften, ganz unterschiedlichen Spiel-, Kommunikations- und teilweise auch Kampfmodelle stellt das einfallsreiche Regieteam, zu dem neben den bereits zwei Genannten auch die Kostümbildnerin Sara Schwartz, die Choreografin Alexandra Morales und die für die Licht- bzw. Videoregie verantwortlichen Reinhard Traub und Bert Zander gehören, im Verlauf dieser kurzweiligen 180 Minuten immer wieder gekonnt und höchst theaterwirksam zur Schau. Dabei meidet es allzu klischeehafte, übertriebene Anspielungen auf chinesische und amerikanische Stereotype und beschränkt sich auf eher dezente, zeitlose Hinweise auf die jeweiligen Charakteristika der aufeinandertreffenden Gesellschaften und Ideologien. Dazu gehören etwa die mit dem Flugzeug zu Boden sinkenden Ausgaben des Time Magazins mit dem Konterfei des Gastgebers Mao Tse-Tung und die im Gegenzug an die Gäste verteilten Mao-Bibeln.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Auch die Paraden der Revolutionsgarden und sonstigen Abordnungen der chinesischen Volksmassen, die meist in eher stilisierten, zeit- und sogar ideologie-übergreifender Kleidung auftreten, passen in diese Kategorie. So trägt der chinesische Ministerpräsident Chou en-Lai einen Overall, wie er auch einen Militärangehörigen aus Nixons Begleittross gut kleiden würde. Auch mittels solcher Kniffs liefert dieser Opernabend deutliche Hinweise auf sein Thema, die unterschiedliche Deutung und Wahrnehmung scheinbar gleicher Ereignisse, und vermag so das Stuttgarter Publikum hautnah an das Spiel mit Information und Desinformation, Hoffnungen und Versprechungen, Illusion und Desillusionierung heranzuführen.

Großen Anteil daran hat auch Adams‘ geniale Musik, die höchst artistisch mit den Phänomenen Rhythmus und Zeit spielt, welche ja einen wichtigen Aspekt der Wahrnehmung und Beurteilung von Erlebtem darstellen. Dabei setzt Adams nicht nur die bekannten Elemente der Minimal Music wie Patterns, Klang- und Melodie-Muster, Wiederholungen mit kleinsten Veränderungen von Tonfolgen und Harmonien sowie Rhythmusverschiebungen äußerst gekonnt ein. Er variiert diese Zutaten auch noch ständig und verwebt sie so kunstvoll miteinander, dass der Zuhörer jegliches Zeitgefühl verliert und sich immer wieder entrückt und wie in Trance fühlt.

Dazu tragen auch die musikalischen Quellen des 1947 geborenen Komponisten bei, der nie ein Geheimnis daraus macht, dass er in allen Epochen und Stilrichtungen zu Hause ist und nicht zufällig gern Werke älterer Komponisten neu arrangiert. So erlebt man in „Nixon in China“ einen mitreißenden Stilmix aus Barock, Romantik, Klassik und (klassischer) Moderne, ja Adams bedient sich sogar der Kirchenmusik. Schließlich zitiert er auch folkloristische Elemente aus ganz verschiedenen geografischen Ecken und scheut selbst vor der Übernahme süffiger, manchmal fast kitschiger Abfolgen aus der Popularmusik nicht zurück. All das wirkt zeit- und mühelos, auch weil der Komponist völlig spielerisch und häufig unbemerkt von einem Genre oder Rhythmus in ein anderes Feld wechselt. Sein Einfallsreichtum scheint dabei nahezu unerschöpflich, und die daraus resultierenden ständig changierenden, swingenden und groovenden Rhythmen wirken nie langweilig und ermüdend.

Der 1971 geborene deutsche, vorwiegend in England arbeitende Dirigent André de Ridder nimmt sich dieser Musik kongenial wie begeistert an und führt das hoch motivierte und äußerst konzentriert aufspielende Stuttgarter Staatsorchester wieder einmal zu einer bewunderten, nicht erst am Schluss bejubelten Höchstleistung. Der seit Beginn dieser Spielzeit unter neuer Leitung agierende Staatsopernchor – für diese Produktion hat sie der stellvertretende Chordirektor Bernhard Moncado inne – ist das zweite herausragende Kollektiv dieses Abends. Ohne Unterschied auf seine jeweilige Besetzung und die gerade zu verkörpernden Rollen präsentiert sich der Chor wieder einmal in Höchstform und zeigt sich nicht nur stimmlich total flexibel. Denn diese Beweglichkeit benötigen die Choristen auch in darstellerischer Hinsicht; das einige Male so ausufernd, dass sie den Zuschauerraum zur Bühne machen und  Agitationsgesänge von den Rängen des Opernhauses schmettern.

Nixon in China – Probeneinblicke mit Marco Storman
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart
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An diese fabelhafte Leistung schließt sich die des neunköpfigen Solistenensembles ohne jeden Abstrich auf höchstem Niveau, an. An vorderster Stelle stehen dabei der stimmgewaltige und auch darstellerisch für diese Rolle wie geschaffene amerikanische Bass-Bariton Michael Mayes als Richard Nixon und der nicht minder phänomenale und großartige Sänger-Darsteller Matthias Klink als oft philosophisch-weltabgewandter Parteichef Mao Tse-Tung. Ihre Auftritte und erst recht Bühnen-Begegnungen ermöglichen im Sinne der mehrfach erwähnten Konstruktion und Wahrnehmung von Realitäten eindrucksvolle Studien und Erkenntnisse und bieten dazu hohen musikalischen Genuss.

Katherine Manley als Nixons Frau Pat und Gan-ya Ben-gur Akselrod als Mao Tse Tungs Gemahlin Chiang Ch’ing verkörpern äußerst differenziert und glaubhaft sowohl in sängerischer als auch in schauspielerischer Hinsicht die Arroganz und Widersprüchlichkeit ihrer Rolle als jeweilige First Lady. Im Zusammenspiel mit ihrer Gegenspielerin haben diese beiden Protagonistinnen zudem überragenden Anteil daran, dass das Thema der Oper und ihrer Stuttgarter Realisierung am Sonntagabend so glaubhaft, wirklichkeitsnah und ohne Bruch auf der Opernbühne zu erleben war.

Auch die politischen Begleiter der beiden Staatsoberhäupter bzw. ihre Darsteller tragen  ihren Teil zum großen Erfolg dieser außergewöhnlichen Opernproduktion bei. Auf „chinesischer Seite“ ist das der von Jarrett Ott äußerst facettenreich und systemgetreu gesungene Ministerpräsident Chou En-lai, der im lokal denkenden Betrachter große Freude aufkommen ließ, dass dieser begnadete Sänger zum festen Ensemble der Stuttgarter Oper gehört. Dies gilt auch für den schon lange in Stuttgart wirkenden Kammersänger Shigeo Ishino als Nixons Berater Henry Kissinger, dem späteren Außenminister der USA, dessen Rolle und Auftrittszahl allerdings bedeutend knapper ausfällt als die des übrigen bereits erwähnten Hauptpersonals. Dennoch haben beide Sänger wie ihre Verkörperungen hohen Anteil daran, dass nicht nur ihre jeweiligen Vorgesetzten und deren Gattinnen, sondern auch das Stuttgarter Premierenpublikum immer wieder erfolgreich in die jeweiligen Utopie-Biotope entrückt werden. Dafür sorgen „unter chinesischer Flagge“ schließlich auch die drei Sekretärinnen Maos, die von Ida Ränzlöv, Fiorella Hincapié und Luise von Garnier stimmsicher und ideologie-konform, stellen- und zeitweise aber recht folkloristisch auf die Bühne und unters nicht nur chinesische Volk gebracht werden.

Nach fast vier höchst abwechslungs- wie erkenntnisreichen Stunden erbebte die Stuttgarter Oper von einem ähnlichen Jubelsturm, wie er vor über dreißig Jahren dem eingangs erwähnten Glass-Zyklus entgegengebracht wurde. Er galt ausnahmslos allen Beteiligten auf, unter, vor und hinter der Bühne, hielt viele Minuten an und wurde nur beim Auftritt des Regie-Gespanns von ganz vereinzelten, dazu nur schüchternen und fast unhörbaren Buhs vergeblich zur stören versucht.

Nixon in China, Oper von John Adams, die weiteren Vorstellungen: 20. April, 03., 09. 11. Mai 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Die Oper lebt! Beeindruckender Monteverdi Marathon, IOCO Kritik, 03.10.2012

Oktober 8, 2012 by  
Filed under Komische Oper Berlin, Kritiken

Kritik

Komische Oper Berlin

Hymnisches  IOCO-Fazit: Die Oper lebt! Beeindruckender Monteverdi „Marathon“  an der Komischen Oper, Berlin

Komische Oper Berlin © IOCO

Komische Oper Berlin © IOCO

In einem 12-stündigen Spektakel (ca. 9 Stunden reiner Musik) fand am 03.10.2012 die zweite der insgesamt drei Aufführungen der Monteverdi Trilogie: „Orpheus“, „Odysseus“ und „Poppea“ statt.

Nur schwer lässt sich hier die Fülle der musikalischen und visuellen Genüsse zusammenfassen. Als erstes ein großes Lob für den neuen Intendanten und Regisseur der Trilogie, Barrie Kosky, dem hier in Zusammenarbeit mit der in Usbekistan geborenen Komponistin Elena Kats-Chernin und allen weiteren zahlreichen Mitwirkenden (Musiker, Sänger, Tänzer, Puppenspieler, Statisten) etwas ganz Großartiges gelungen ist.

Die drei Monteverdi Opern, hier von Kosky in einer Trilogie präsentiert, sind in der musikalischen Neufassung der Komponistin Kats-Chernin und der textlichen Neuübersetzung von Susanne Felicitas Wolf/ Ulrich Lenz zu genießen.

Ob Bandoneon, Cimbalom, Banjo, ob Cello, Klavier oder Harmonium bis hin zur E-Gitarre und Synthesizer,  es ist eine Fülle neuer Klänge, die hier für die neue Orchestrierung des Monteverdi Kosmos einfühlsam, originell und vielseitig eingesetzt werden. Am Dirigentenpult (mal im Orchestergraben, mal auf der Bühne), in beeindruckender Ausdauer, André de Ridder, ein Dirigent der klassischen und zeitgenössischen aber auch der experimentellen Pop- und elektronischen Musik.

Ob verzaubernd, berührend, ergreifend oder amüsierend, alle drei Opern, die von den verschiedene Arten der Liebe handeln, überzeugen durch detaillierte und präzise Personenregie und szenischem Einfallsreichtum.

Sehr schön die Konzeption des jeweiligen Bühnenraumes und die farbenprächtigen und fantasievollen Kostüme von Katrin Lea Tag und Katharina Tasch. Stimmungsvoll die Beleuchtung von Alexander Koppelmann.

Orpheus“ besticht durch seine märchenhafte und opulente Paradiesgarten-Welt, mit üppiger Vegetation, Vögeln und Schmetterlingen, bevölkert von Faunen, halbnackten Nymphen und anderen Fantasiegestalten. Mitreißend auch die Tanzeinlagen.

Odysseus“ gestaltet sich hingegen statischer auf einem grünen Rasen und mehr im Stil eines Kammerspiels mit ergreifenden Momenten und einigen Komik-Einlagen, während „Poppea“ in kahler steiniger Landschaft von Ausschweifung und Dekadenz, Brutalität und Sex geprägt ist.

Die zahlreichen, verschiedenen Rollen sind durch die zum größten Teil jungen Sänger des Ensembles stimmlich wie visuell bestens besetzt. Besonders hervorzuheben sind hierbei jedoch: Dominik Köninger, der mit seinem schönen, warmen Bariton die Figur des Orpheus ausdrucksstark und mit viel Körpereinsatz gestaltet; Günter Papendell, auch Bariton, in der Rolle des Odysseus – mit männlichem Timbre und dramatischer Hingabe; die türkische Mezzosopranistin Ezgi Kutlu mit samtiger Stimme als Penelope; Theresa Kronthaler mit warmem und natürlich klingendem Mezzo als Sylvia/ Proserpina in „Orpheus“ und als Otho in „Poppea“; bemerkenswert auch der Tenor Peter Renz als Amor in allen drei Opern(!), ob als frecher Bub im Kleidchen oder in Marlene Dietrich Robe. Zauberhaft das Puppenspiel der Orpheus und Eurydike Figuren von Frank Soehnle.

Hymnisches IOCO-Fazit:  Ein großartiges Beispiel von lebendigem Musiktheater!

Diese Monteverdi-Produktion von Barrie Kosky können Berliner wie Zugereiste, in gleicher Besetzung, noch einmal erleben:   4. November 2012, Beginn  11.00 Uhr !

IOCO / G.G. / 03.10.2012

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—

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